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Veröffentlicht am 03.01.2020

Nervenzerfetzender zweiter Teil um die FBI-Agentin Sayer Altair

Knochengrab
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Der zweite Band der Serie schließt nahtlos an den Vorgänger an. Die FBI-Agentin und Neurowissenschaftlerin mit speziellem Interesse an den Gehirnen von Serienmördern, Sayer Altair, ist gerade ...

Der zweite Band der Serie schließt nahtlos an den Vorgänger an. Die FBI-Agentin und Neurowissenschaftlerin mit speziellem Interesse an den Gehirnen von Serienmördern, Sayer Altair, ist gerade wieder von ihrem letzten Einsatz genesen, als sie in den Shenandoah Nationalpark in Virginia beordert wird. Dort hat der Spürhund des Agenten Max Cho zufällig eine Höhle mit zahlreichen Jahrzehnte alten Knochen entdeckt. Nicht genug des Grauens, finden die Bundesbeamten zwei weitere Leichen, die dort erst seit wenigen Tagen liegen. Nun beginnt ein Wettlauf mit der Zeit, denn weitere Opfer werden vermisst ...

Mit dem Fund der Knochen gelingt der Autorin ein rasanter und spannender Einstieg. Die privaten Hintergründe der Charaktere werden nach und nach erzählt. Der Spannungsbogen bleibt während des ganzen Buches konstant hoch und immer wieder gibt es überraschende Wendungen, die die Handlung interessant halten. Stückchen für Stückchen nähert sich das Team dem Täter, um dann wieder Rückschläge hinnehmen zu müssen oder Puzzleteile zu entdecken, die so gar nicht passen wollen. Die Handlung wird chronologisch erzählt und springt zwischen den Ermittlern und den Opfern in übersichtlich langen Kapiteln hin und her. Dies und die flotte Schreibe der Autorin lassen die Seiten nur so dahin fliegen.

„Knochengrab“ ist ein fieser Thriller, nichts für zu zart besaitete Leser/innen, aber mega spannend. Er bietet mehrere Ansatzpunkte, um die Serie weiter fortzusetzen. Da ziehen sich Fragen durch das Buch, die bereits in Teil eins ihren Anfang nahmen. Den ersten Teil kannte ich nicht und man kann dieses Buch auch gut ohne das Vorwissen lesen. Allerdings - und dafür gibt es einen Punktabzug - will man es auch gar nicht mehr lesen, da man im zweiten Teil erfährt, wer der Täter im ersten ist und was den Ermittlern und auch einem Opfer widerfahren ist. Das nimmt leider alle Spannung.
Dass die Autorin selbst promovierte Anthropologin und Mordermittlerin ist, merkt man, wenn sie detailreich (und verständlich) die Abgründe der menschlichen Psyche erklärt. Die Hintergründe, die zu den Morden führten, fand ich ein klein wenig zu konstruiert und theoretisch.

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 02.01.2020

Fesselnde Abenteuergeschichte mit viel Fantasie und tollen Figuren

Die Ungeheuerlichen - Das Böse ist auf deiner Seite
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Eine fesselnde und fantasievolle Geschichte verbirgt sich hinter dem tollen Cover von „Die Ungeheuerlichen“.

Handlungsort ist das Dorf Moderfurt und seine nähere Umgebung. Obwohl nichts über die Zeit ...

Eine fesselnde und fantasievolle Geschichte verbirgt sich hinter dem tollen Cover von „Die Ungeheuerlichen“.

Handlungsort ist das Dorf Moderfurt und seine nähere Umgebung. Obwohl nichts über die Zeit gesagt wird, ist die Handlung wohl im Mittelalter angesiedelt. Die Hauptperson ist die elfjährige Riley, ein eigensinniges, neugieriges und hilfsbereites Mädchen. Sie steht mit ihren beiden Freunden Quinn und Folly und dem gesamten Dorf der Rückkehr der Nobolde gegenüber. Einzig die Ungeheuerlichen können diese bösartigen Wesen besiegen, doch der Graf hat den Pakt mit den Beschützern gebrochen. Wer kann das Dorf nun noch retten? Nicht immer sind die Bösen wirklich die Bösen und Kinder tun gut daran, alles zu hinterfragen, was ihnen ungerecht und falsch erscheint.


Paul Durham lässt Moderfurt und seine Bewohner so gekonnt vor dem inneren Auge erscheinen, dass man sich wie in einem Film vorkommt. Sehr schön ist die Karte auf dem Vorsatzblatt des Buches. Sie zeigt alle wichtigen Orte und man findet sich als Leser schneller zurecht. Im Anhang findet sich auch noch eine Liste mit Wörtern aus der Gossensprache von Moderfurt und deren Bedeutung.
Zu Beginn wird man unmittelbar in die Handlung geworfen und flieht mit den drei Kindern über die Dächer des Dorfes. Der Spannungsbogen ist sofort da und wird über das ganze Buch aufrechterhalten. Die kurzen Kapitel enden immer an einer spannenden Stelle, so dass man gleich weiterlesen muss, um zu erfahren was als Nächstes passiert. Wird ein Rätsel gelöst, tauchen zwei neue auf. Immer wenn es gar zu gruselig oder brutal wird, streut der Autor eine passende Prise Humor ein.

Besonders gut haben mir auch die fantasievollen Namen und Bezeichnungen gefallen.

Ich kann das Buch nur wärmstens empfehlen. Die Handlung ist sehr spannend und abwechslungsreich, hat viele einfallsreiche Details, sympathische Charaktere und macht einfach Spaß. Junge Leser ab ca. 10/11 Jahren, die gerne Bücher dieses Genres lesen, sind damit bestens bedient.

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 30.12.2019

Spannender Krimi mit absurden Momenten

Das Verschwinden der Stephanie Mailer
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Der Klappentext lässt auf einen klassischen, spannenden Thriller schließen: Vor 20 Jahren wurden in einer Kleinstadt vier Menschen getötet, der Mörder überführt und der Fall abgeschlossen. Nun meldet sich ...

Der Klappentext lässt auf einen klassischen, spannenden Thriller schließen: Vor 20 Jahren wurden in einer Kleinstadt vier Menschen getötet, der Mörder überführt und der Fall abgeschlossen. Nun meldet sich die Journalistin Stephanie Mailer beim damals zuständigen Polizisten, der unmittelbar vor seinem Ruhestand steht. Sie hätte berechtigte Zweifel an der Schuld des mutmaßlichen Täters. Bevor sie jedoch ihre Beweise vorbringen kann, verschwindet sie ...

Die Geschichte startet unheimlich rasant und man kann das Buch zunächst gar nicht weglegen. Immer wieder tauchen bisher unbekannte Einzelheiten und Zusammenhänge auf, das macht richtig Spaß. Irgendwo in der Mitte driftet die Geschichte jedoch stellenweise ins Komische und Absurde ab. Das hat mich ein bisschen verstört. Da geht es in der Kleinstadt Orphea drunter und drüber. Trotzdem will man weiterlesen, die Spannungskurve kommt aber erst zum Ende hin wieder in Schwung. Der Schluss passt dann aber zu den skurrilen Einsprengseln, das hat schon fast etwas von einer Persiflage und hat mich mit der Geschichte versöhnt.

Der Autor lässt zahlreiche beteiligte Personen jeweils aus der Ich-Perspektive erzählen und wechselt zwischen 1994 (Jahr des Vierfachmordes) und 2014 hin und her. So ergibt sich ein Schreibstil, der schnell viele Informationen liefert, aber auch viel Aufmerksamkeit vom Leser fordert, da auch die jeweiligen Abschnitte relativ kurz sind. Es gibt recht viele Personen und einzelne Schicksale. Manchmal für meinen Geschmack etwas zu viel abseits der Haupthandlung. Die Personenübersicht am Ende des Buches ist daher sinnvoll.

Ich hatte mir eher einen klassischen Thriller/Krimi vorgestellt, das trifft auf das vorliegende Buch nur bedingt zu. Es ist über weite Strecken extrem spannend, sehr flott geschrieben, aber aufgrund der oben aufgeführten, nennen wir es mal Extravaganzen, schon eine Sondererscheinung.
Ich kann es nur empfehlen und vergebe vier Sterne.

Ärgerlich waren auffällige Schreibfehler bzw. fehlende Wörter im Text.

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 25.12.2019

Unterhaltsamer, lebendiger Künstler- und Familienroman

Sei mir ein Vater
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Anne Gesthuysen hat für den vorliegenden Roman Recherchen quer durch Frankreich und bis in die Karibik betrieben. Herausgekommen ist ein unterhaltsamer Mix aus lebendigem Künstlerporträt, Familienroman, ...

Anne Gesthuysen hat für den vorliegenden Roman Recherchen quer durch Frankreich und bis in die Karibik betrieben. Herausgekommen ist ein unterhaltsamer Mix aus lebendigem Künstlerporträt, Familienroman, Roadmovie und einer Prise Krimi.

Die Französin Lilli war einst Gasttochter in Veen am Niederrhein. Auch nach 20 Jahren ist sie Hermann und Hanna, Gastvater und -schwester noch immer innig verbunden. Hermann ist schwer erkrankt und möchte seine frühere Ziehtochter noch einmal bei sich haben. Lilli trifft mit Blessuren in Veen ein, da sie kurz zuvor Einbrecher in ihrer Pariser Wohnung überrascht hatte. Grund des Einbruchs? Das wertloses Gemälde eines Urahnen. Aber gibt es da nicht noch ein anderes, sehr wohl kostbares Bild? Die Suche nach diesem Bild ist Hermanns letztes Abenteuer, in das er sich mit seinen beiden Töchtern hineinstürzt.

Gesthuysen erzählt die Geschichte auf zwei Ebenen. Neben Lillis Erzählstrang, der hauptsächlich die kurze, letzte Zeit mit Hermann und Hanna umfasst, wird der zweite Erzählstrang aus der Sicht von Georgette Agutte, Lilis Urahnin, geschildert. Dieser Strang ist wesentlich weiter gespannt, er gibt einen Zeitraum von fast 50 Jahren wieder. In ihm entfaltet die Autorin das Leben der Künstlerin Agutte und ihres Ehemannes Marcel Sembat.
Ein großes Geflecht aus Freundschaften und Bekanntschaften mit prominenten Künstlern und Politikern umgab dieses mittlerweile in Vergessenheit geratene Paar.
Gesthuysen lässt die Zeit am Übergang zum 20. Jahrhundert, die Belle Époque, lebendig werden. Matisse, Picasso und Renoir sind nur einige der Figuren, die wie selbstverständlich durch den Roman laufen.

Das Vaterthema wiegt schwer auf beiden Zeitebenen. Georgette Agutte vermisst ihren Vater, den sie aufgrund seines frühen Todes nicht kennengelernt hat, schmerzlich. Sie will aber auch um seinetwillen Künstlerin werden, erreichen, was er nicht mehr erreichen konnte. Lilli hat zu ihrem leiblichen Vater ein schwieriges Verhältnis und hat den verlässlichen Hermann als Ersatzvater gefunden, von dem sie nun Abschied nehmen muss.

Mich hat der Roman sehr gut unterhalten, wobei mir die historische Ebene besonders gefallen hat. (Mit den Figuren der Gegenwartsebene bin ich nicht komplett warm geworden.) Historie und Fiktion sind logisch und clever kombiniert. Was an Geschichte und kunstgeschichtlichem Wissen vermittelt wird, ist informativ und faszinierend. Der Schreibstil ist locker und leicht und vermeidet dadurch, dass die gelegentlich nicht so spannenden politischen Episoden nüchtern herüberkommen. Besonders aufschlussreich ist das Nachwort der Autorin und ihr eigener biografischer Bezug zum Roman.

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 24.12.2019

Deprimierende Sozialstudie

Was in jener Nacht geschah
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Ich breche selten ein Buch ab, aber ich musste mich jedes Mal aufraffen, um dieses Buch wieder in die Hand zu nehmen. Nach gut 200 Seiten habe ich beschlossen, dass ich es nicht beenden werde.

Der Klappentext ...

Ich breche selten ein Buch ab, aber ich musste mich jedes Mal aufraffen, um dieses Buch wieder in die Hand zu nehmen. Nach gut 200 Seiten habe ich beschlossen, dass ich es nicht beenden werde.

Der Klappentext liest sich wie ein Krimi: Ein Überfall findet statt, aber es gibt kein Opfer und die Polizei glaubt der einzigen Zeugin nicht.

Obwohl das Buch als Roman und nicht als Krimi oder Thriller betitelt wird, hatte ich etwas anderes erwartet.

Der Einstieg in die Geschichte ist die Befragung der Zeugin durch zwei Polizisten. Dann wird die Geschichte in den folgenden Kapiteln von hinten aufgerollt. Nach 200 Seiten weiß auch Stella, die Zeugin, was der Leser schon länger weiß, nämlich dass das Opfer ein Familienmitglied ist. Offen ist noch der genaue Tathergang.

Der Name der jeweils im Zentrum eines Kapitels stehenden Person ist gleichzeitig Kapitelüberschrift; fast ausnahmslos Frauen einer indigenen Familie. So erhält man häppchenweise Einblick in die Familie, die Beziehungen untereinander, ihre Probleme im Allgemeinen und im Besonderen.

Am Ende des Buches gibt es einen Familienstammbaum und der ist auch bitter nötig. Es waren einfach zu viele Personen (Frauen) mit diversen Schicksalen und dazu noch Spitznamen; das hat den Lesefluss gehörig ausgebremst. Ich habe ziemlich oft hinten nachschauen müssen, wer jetzt wieder im Fokus steht und um welche der vier Generationen es sich handelt.

Der Schreibstil ist eher sperrig als flüssig. Der Roman spielt im Winter, in einer sozial schwachen Gegend und so liest sich auch das Buch. Als ob über allem eine düstere Schneewolke hängt und alles niederdrückt. Es gibt nichts Optimistisches, Angenehmes oder Freundliches. Selbst wenn Stella liebevoll ihre Kinder knuddelt, legt sich ein Grauschleier über das Bild.

Der Roman hat in Kanada zahlreiche Preise gewonnen. Vielleicht fehlt mir schlicht der Zugang zu dem schwierigen Verhältnis zwischen den kanadischen Ureinwohnern und den Nachkommen der neuen Siedler.

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere