Profilbild von EmmaWinter

EmmaWinter

Lesejury Profi
offline

EmmaWinter ist Mitglied der Lesejury

Melde dich in der Lesejury an, um dich mit EmmaWinter über deine Lieblingsbücher auszutauschen.

Anmelden

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 03.04.2020

Spannender Überlebenskampf

Freefall – Die Wahrheit ist dein Tod
0

In Jessica Barrys Debütroman vereinen sich Überlebenskampf in der Wildnis nach einem Flugzeugabsturz und die Flucht vor unbekannten Verfolgern. Das liest sich ganz spannend, bot aber keine wirklichen Überraschungen.

Ally ...

In Jessica Barrys Debütroman vereinen sich Überlebenskampf in der Wildnis nach einem Flugzeugabsturz und die Flucht vor unbekannten Verfolgern. Das liest sich ganz spannend, bot aber keine wirklichen Überraschungen.

Ally findet sich im Wrack einer kleinen Propellermaschine wieder, abgestürzt über den Rocky Mountains. Der Pilot ist tot und Ally muss so schnell wie möglich von der Unglücksstelle fort, denn ihre Verfolger sind ihr auf den Fersen. So beginnt sie ihren tagelangen Überlebenskampf in der Wildnis. Gleichzeitig kann und will ihre Mutter Maggie nicht an den Tod ihrer geliebten Tochter glauben. Sie stellt Nachforschungen an und erfährt Dinge, die Ally für sie wie eine Fremde erscheinen lassen. Was für ein Leben hat Ally in den letzten zwei Jahren geführt?



Das Buch beginnt mit dem Absturz und Allys Flucht durch die Rockys. Dadurch ist man als Leser*in sofort im Geschehen und will natürlich auch wissen, was da eigentlich passiert ist. Die Handlung wird abwechselnd aus der Sicht von Tochter und Mutter geschildert, beide erzählen aus der Ich-Perspektive. Allys Erzählweise ist hektisch, knapp und damit gut angelehnt an ihre Situation. Maggies Passagen sind gelegentlich etwas weitschweifig und bremsen den Lesefluss ein wenig. Maggie war mir als Charakter sympathischer, vielleicht, weil ich Allys Handlungen nicht immer nachvollziehen konnte. Nach und nach erfahren wir durch die Rückschau von Ally, was letztlich zum Absturz der Maschine geführt hat. Die Kapitel sind recht kurz und lassen sich daher insgesamt flott lesen.

Mich hat das Buch trotz einiger Längen und Logiklöcher ganz gut unterhalten. Es war zwar vorauszusehen, wie das Ende ausfallen würde, ich habe es aber dennoch ziemlich schnell durchgelesen. Es ist für mich kein Riesenwurf als Thriller, hat aber durchaus vier Sterne verdient.

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 03.03.2020

Leichte, launige Lektüre für Zwischendurch

Ein Sommer auf Sylt
0

Es war kein ganzer Sommer auf Sylt, der das Leben der Protagonistin gehörig durcheinander gewirbelt hat, sondern nur ein paar Tage: Die junge Architektin Julia Hirschfeldt hat von ihrem Vater ein Haus ...

Es war kein ganzer Sommer auf Sylt, der das Leben der Protagonistin gehörig durcheinander gewirbelt hat, sondern nur ein paar Tage: Die junge Architektin Julia Hirschfeldt hat von ihrem Vater ein Haus auf der Insel geerbt. Gemeinsam mit ihrer Mutter und deren zwei Schwestern macht sie sich auf den Weg, mit dem Vorsatz, das Haus zu verkaufen. Natürlich kommt alles ganz anders und der Leser weiß sofort, dass der gut aussehende Typ von Seite 12 noch öfter den Weg von Julia auf Sylt kreuzen wird. Dazu kommen die jahrelang verdrängten Gefühle und Streitigkeiten unter den Schwestern und noch einige andere komplizierte Konstellationen.
Das Buch quillt über vor Klischees, vom unsympathischen Armani-Makler bis zur blonden Sekretärin Maja, die mehr Deko als Hilfe ist.
Aber ganz ehrlich, wer zu einem Buch dieses Genres greift erwartet nichts anderes bzw. darf nichts anderes erwarten.
Lena Wolf unterhält den Leser kurzweilig und amüsant. Man ist sofort in der Geschichte drin (und weiß auch wie sie enden wird) und es gibt nur wenige etwas langatmigere Stellen. Es ist natürlich schön, auch etwas über die Insel zu erfahren, dies kam aber teilweise wie ein Werbeprospekt rüber. Aktuell wird die Autorin, wenn sie den Ausverkauf der Insel thematisiert, der immer weiter voranschreitet.
Die wichtigen Charaktere sind gut getroffen, jedoch auch Stereotype. Die schlanke, modische Tante aus Amerika (hier wäre es auch ohne Anglizismen gegangen) und die übergewichtige, trinkende Tante aus Kärnten.
Die Kapitel sind übersichtlich lang und die Kapitelüberschriften in einer schönen Type gedruckt, dazu jeweils als Vignette der Leuchtturm vom Cover, welches sich wohltuend von den hauptsächlich kreischend bunten Covern dieses Genres abhebt.

Alles in allem eine unterhaltsame, kurzweilige Lektüre für Zwischendurch, die sich flott lesen lässt und Lust auf Strandurlaub macht.
Wer anspruchsvolle Literatur will, sollte ein Regal weiter gehen.

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 30.12.2019

Spannender Krimi mit absurden Momenten

Das Verschwinden der Stephanie Mailer
0

Der Klappentext lässt auf einen klassischen, spannenden Thriller schließen: Vor 20 Jahren wurden in einer Kleinstadt vier Menschen getötet, der Mörder überführt und der Fall abgeschlossen. Nun meldet sich ...

Der Klappentext lässt auf einen klassischen, spannenden Thriller schließen: Vor 20 Jahren wurden in einer Kleinstadt vier Menschen getötet, der Mörder überführt und der Fall abgeschlossen. Nun meldet sich die Journalistin Stephanie Mailer beim damals zuständigen Polizisten, der unmittelbar vor seinem Ruhestand steht. Sie hätte berechtigte Zweifel an der Schuld des mutmaßlichen Täters. Bevor sie jedoch ihre Beweise vorbringen kann, verschwindet sie ...

Die Geschichte startet unheimlich rasant und man kann das Buch zunächst gar nicht weglegen. Immer wieder tauchen bisher unbekannte Einzelheiten und Zusammenhänge auf, das macht richtig Spaß. Irgendwo in der Mitte driftet die Geschichte jedoch stellenweise ins Komische und Absurde ab. Das hat mich ein bisschen verstört. Da geht es in der Kleinstadt Orphea drunter und drüber. Trotzdem will man weiterlesen, die Spannungskurve kommt aber erst zum Ende hin wieder in Schwung. Der Schluss passt dann aber zu den skurrilen Einsprengseln, das hat schon fast etwas von einer Persiflage und hat mich mit der Geschichte versöhnt.

Der Autor lässt zahlreiche beteiligte Personen jeweils aus der Ich-Perspektive erzählen und wechselt zwischen 1994 (Jahr des Vierfachmordes) und 2014 hin und her. So ergibt sich ein Schreibstil, der schnell viele Informationen liefert, aber auch viel Aufmerksamkeit vom Leser fordert, da auch die jeweiligen Abschnitte relativ kurz sind. Es gibt recht viele Personen und einzelne Schicksale. Manchmal für meinen Geschmack etwas zu viel abseits der Haupthandlung. Die Personenübersicht am Ende des Buches ist daher sinnvoll.

Ich hatte mir eher einen klassischen Thriller/Krimi vorgestellt, das trifft auf das vorliegende Buch nur bedingt zu. Es ist über weite Strecken extrem spannend, sehr flott geschrieben, aber aufgrund der oben aufgeführten, nennen wir es mal Extravaganzen, schon eine Sondererscheinung.
Ich kann es nur empfehlen und vergebe vier Sterne.

Ärgerlich waren auffällige Schreibfehler bzw. fehlende Wörter im Text.

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 25.12.2019

Unterhaltsamer, lebendiger Künstler- und Familienroman

Sei mir ein Vater
0

Anne Gesthuysen hat für den vorliegenden Roman Recherchen quer durch Frankreich und bis in die Karibik betrieben. Herausgekommen ist ein unterhaltsamer Mix aus lebendigem Künstlerporträt, Familienroman, ...

Anne Gesthuysen hat für den vorliegenden Roman Recherchen quer durch Frankreich und bis in die Karibik betrieben. Herausgekommen ist ein unterhaltsamer Mix aus lebendigem Künstlerporträt, Familienroman, Roadmovie und einer Prise Krimi.

Die Französin Lilli war einst Gasttochter in Veen am Niederrhein. Auch nach 20 Jahren ist sie Hermann und Hanna, Gastvater und -schwester noch immer innig verbunden. Hermann ist schwer erkrankt und möchte seine frühere Ziehtochter noch einmal bei sich haben. Lilli trifft mit Blessuren in Veen ein, da sie kurz zuvor Einbrecher in ihrer Pariser Wohnung überrascht hatte. Grund des Einbruchs? Das wertloses Gemälde eines Urahnen. Aber gibt es da nicht noch ein anderes, sehr wohl kostbares Bild? Die Suche nach diesem Bild ist Hermanns letztes Abenteuer, in das er sich mit seinen beiden Töchtern hineinstürzt.

Gesthuysen erzählt die Geschichte auf zwei Ebenen. Neben Lillis Erzählstrang, der hauptsächlich die kurze, letzte Zeit mit Hermann und Hanna umfasst, wird der zweite Erzählstrang aus der Sicht von Georgette Agutte, Lilis Urahnin, geschildert. Dieser Strang ist wesentlich weiter gespannt, er gibt einen Zeitraum von fast 50 Jahren wieder. In ihm entfaltet die Autorin das Leben der Künstlerin Agutte und ihres Ehemannes Marcel Sembat.
Ein großes Geflecht aus Freundschaften und Bekanntschaften mit prominenten Künstlern und Politikern umgab dieses mittlerweile in Vergessenheit geratene Paar.
Gesthuysen lässt die Zeit am Übergang zum 20. Jahrhundert, die Belle Époque, lebendig werden. Matisse, Picasso und Renoir sind nur einige der Figuren, die wie selbstverständlich durch den Roman laufen.

Das Vaterthema wiegt schwer auf beiden Zeitebenen. Georgette Agutte vermisst ihren Vater, den sie aufgrund seines frühen Todes nicht kennengelernt hat, schmerzlich. Sie will aber auch um seinetwillen Künstlerin werden, erreichen, was er nicht mehr erreichen konnte. Lilli hat zu ihrem leiblichen Vater ein schwieriges Verhältnis und hat den verlässlichen Hermann als Ersatzvater gefunden, von dem sie nun Abschied nehmen muss.

Mich hat der Roman sehr gut unterhalten, wobei mir die historische Ebene besonders gefallen hat. (Mit den Figuren der Gegenwartsebene bin ich nicht komplett warm geworden.) Historie und Fiktion sind logisch und clever kombiniert. Was an Geschichte und kunstgeschichtlichem Wissen vermittelt wird, ist informativ und faszinierend. Der Schreibstil ist locker und leicht und vermeidet dadurch, dass die gelegentlich nicht so spannenden politischen Episoden nüchtern herüberkommen. Besonders aufschlussreich ist das Nachwort der Autorin und ihr eigener biografischer Bezug zum Roman.

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 27.11.2019

Perfider Mörder in Schottland

Die perfekte Strafe
2

Der dritte Band der Serie um Ava Turner und Luc Callanach war mein erster Thriller von Helen Fields. Die Autorin führt die Charaktere und deren Vergangenheit aber ausreichend ein, um diesen Band auch unabhängig ...

Der dritte Band der Serie um Ava Turner und Luc Callanach war mein erster Thriller von Helen Fields. Die Autorin führt die Charaktere und deren Vergangenheit aber ausreichend ein, um diesen Band auch unabhängig von den Vorgängern lesen zu können.

Der Klappentext klingt extrem spannend, er verrät aber auch schon eine ganze Menge über den Inhalt: Zwei weibliche Leichen werden gefunden und der Mörder geht äußerst perfide zu Werke, indem er sich geduldig in das Leben seiner Opfer schleicht und sich dann auch noch an der Trauer und Verzweiflung der Hinterbliebenen weidet.

Die Handlung wird aus mehreren Perspektiven geschildert. Es gibt den Strang aus der Sicht des Täters, mit dem der Thriller auch beginnt. So weiß der aufmerksame Leser sofort, es gab bereits Tote, es gibt ein aktuelles und weitere potentielle Opfer. Dann natürlich die Ermittlungstätigkeit der Polizei und schließlich noch zahlreiche, zunächst verwirrende, weitere Handlungsstränge, die sich aber nach ca. einem Drittel des Buches zuordnen lassen. Dann weiß man eigentlich auch, was gespielt wird. Der Selbstmord von Avas ehemaligem Chef gibt zusätzlich Rätsel auf und sorgt für einen weiteren, von der Haupthandlung unabhängigen Handlungsstrang. Dieser bezieht sich auf die vorherigen Bände.

Die Story bzw. der Täter ist ungewöhnlich und der Aufbau gut durchdacht. Spannung ist von Beginn an gegeben, da es quasi gleich mit einer Leiche los geht und die nächsten Opfer belauert werden. Da fiebert man mit. Die Autorin versteht es, die Charaktere ansprechend zu schildern und treibt die Handlung bis auf wenige Ausnahmen flott voran.

Mir war allerdings zu früh klar, wer der Täter ist bzw. wie sich die Zusammenhänge darstellen (hier nochmal der Hinweis auf den zu ausführlichen Klappentext), daher war das Ende keine Überraschung. Schade. In einigen Szenen war das Handeln Avas nicht nachvollziehbar und man musste mit dem Kopf schütteln.

Insgesamt jedoch ein solider Thriller mit einem sympathischen Ermittlerteam und privaten Verstrickungen, die man weiterverfolgen möchte. Spannend geschrieben, mit einem actionreichen Showdown an verschiedenen Schauplätzen.

  • Cover
  • Spannung
  • Geschichte
  • Charaktere
  • Erzählstil