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Veröffentlicht am 02.06.2021

Absolute Leseempfehlung!

Der Lotuskrieg 1
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Inhalt:

Eines glutheißen Morgens erwachte Yoritomo no Miya, Seii, Taishogun des Inselreiches Shima, aus seinem Schlaf. Eine Vision habe ihn heimgesucht, in der er auf einem Donnertiger durch die Lüfte ...

Inhalt:

Eines glutheißen Morgens erwachte Yoritomo no Miya, Seii, Taishogun des Inselreiches Shima, aus seinem Schlaf. Eine Vision habe ihn heimgesucht, in der er auf einem Donnertiger durch die Lüfte ritt und eine Armee anführte, verkündet er seinem Minister. Seine Jäger mögen aufbrechen und ihm solch einen Donnertiger herbeischaffen.

Als Masaru, nunmehr ein Mann mit Auftrag, beim Glücksspiel in der örtlichen Kaschemme von dieser Queste erfährt, überlegt er für einen Moment, ob es nicht besser wäre, sich selbst das Leben zu nehmen. Donnertiger sind vermeintlich seit über einem Jahrzehnt ausgestorben. Doch natürlich, wenn sein Herrscher es befahl, so würde er einen Donnertiger auftreiben müssen.

Gemeinsam mit seinem ständigen Begleiter Akihito, seiner Tochter Yukiko und einer weiteren Jägerin Kasumi macht sich Masaru also auf die Reise, um diese unmögliche Aufgabe zu lösen. Doch mitten im Sturm, genau in dem Moment, als die Gruppe tatsächlich einen der legendären Donnertiger gesichtet und sogar kurzzeitig außer Gefecht gesetzt hatte, stürzt das Himmelsschiff, vom Umwetter beschädigt, ab.

Yukiko, Masarus Tochter, bringt es nicht über das Herz, sich ins Rettungsschiff zu begeben. Sie muss dem Donnertiger helfen, der in seinem sedierten Zustand nichts tun könnte, als selbst mit dem dem Schiff unterzugehen.

Kurz darauf findet sich Yukiko mitten in der Wildnis von Shima alleine mit einem wütenden Donnertiger wieder ...



Meinung:

Bereits der erste Satz des Buches hat es geschafft, mich innerhalb weniger Sekunden direkt zum Inselreich Shima zu katapultieren. Jay Kristoff ist bekannt für seinen ausufernden und unglaublich bildhaften Schreibstil. Mit Stormdancer präsentiert er seinen Lesern ein hybrides Genremix, eine Steampunk Novel, in der Fantasy-Elemente und eine japanische Kulisse zusammenfinden.

Die Welt steht kurz vor einem ökologischen Kollaps. Die Wolken sind dunkelrot, über den Straßen liegt eine dicke Smogschicht. Das Wasser ist nahezu schwarz. Tiere gibt es so gut wie keine mehr. Verlässt man sein Haus, so trägt man zumindest ein Tuch oder besser noch, kann man es sich denn leisten, eine elektrische Maske. Die Umweltbelastung führt bei den meisten früher oder später zu einer schweren Lungenkrankheit, der sogenannten Rußlunge.

Mitten in diesem Szenario lebt die tapfere und zugleich rebellische Yukiko, die es mit ihrem Vater und dessem engsten Vertrauten Akihito nicht immer einfach hat. Letzterer scheint noch der Vernünftigere zu sein. Zwar hält er Yukikos Vater nicht von seinen Saufgelagen und Glücksspielen ab, doch wirft er zumindest ein Auge auf ihn.

Nachdem also der furchteinflößende Shogun seinen kindlichen Willen verkündet und klargemacht hat, bricht Yukiko mit ihrem Vater, seinem Vertrauten und einer weiteren Jägerin auf, den Donnertiger zu finden.

Durch einen Zufall gelingt das Unmögliche. Doch Raijiin der Donnergott hat ganz andere Pläne. Es kommt zu einem Unglück. Kurz darauf findet sich Yukiko gemeinsam mit einem verkrüppelten Donnertiger mitten in der tiefsten Wildnis von Shima wieder und dieser hat verdammt schlechte Laune …

Das ungleiche Gespann muss sich jedoch zusammenraufen, wenn es irgendwie überleben will. Die Dialoge, aber auch das Zusammenspiel zwischen Yukiko und dem Donnertiger, den das junge Mädchen kurzerhand nach ihrem Hund benennt, sorgt für kinoreife Unterhaltung. Zumal ein Donnertiger ein Geschöpf des Donnergottes selbst ist. Er lässt sich nichts sagen und schon gar nicht von einem dummen Affenkind. Diesen Wesen, die so dumm sind, ihre Welt zugrunde zu richten, die nur an sich selbst und kein bisschen in die Zukunft denken.

Doch nach und nach merken der Donnertiger und Yukiko, dass sie gemeinsam perfekt harmonieren, dass sie in der Lage sind, etwas zu bewegen. Diese Welt, wie sie aktuell existiert, mit einem diktatorischem Herrscher, der keinerlei Widerspruch duldet, einer Gilde, die im Hintergrund das Sagen hat und die Industrialisierung konsequent vorantreibt, ist eine Welt, in der das Volk in Armut lebt und die kurz vor einem ökologischem Kollaps steht. Mitten in der Wildnis von Shima erfährt Yukiko, was Freiheit bedeutet. Sie ahnt, wie die Welt ohne die Lotusgilde, ohne die Maschinen, ohne ständige Angst und Not aussehen könnte.

Jay Kristoff präsentiert seinem Leser nicht nur eine unglaublich starke, rebellische Protagonistin. Er würzt seine Geschichte mit einem feinen Humor, zeigt, was wahre Freundschaft ist. Spannung schürt er durch Verrat, Rachegelüste, Figuren, wie einem herrschsüchtigen Diktator, aber auch einem faszinierendem Setting.

Auf den letzten Seiten treibt der Autor das Geschehen noch einmal in eine scheinbar so ausweglose Situation, dass es unmöglich erscheint, das Buch aus den Händen legen zu können. Jay Kristoff kennt kein Erbarmen mit seinen Figuren. Belohnt wird man mit einem grandiosen Finale. Ganz großes Kino!



Fazit:

Stormdancer kommt mit einem bildgewaltigen japanischen Setting und einigen düsteren Steampunkelementen daher. Eine toughe, empathische, aber auch mutige und rebellische junge Protagonistin bildet gemeinsam mit einem zwar verkrüppelten, aber dennoch sehr stolzen und eigenwilligem Donnertiger ein wundervolles Gespann, das dem Leser humorvolle Streitgespräche liefert.

Eine Welt, die kurz vor dem ökologischem Kollaps steht, Figuren, die nicht immer über jeden Zweifel erhaben sind, motorisierte Rikschas in smoggeplagten Straßen. Eine Gilde, die immer mehr die Macht übernimmt und ein kindlich, naiver, herrischer Shogun, der über das Reich herrscht. Mittendrin zwei unfreiwillige Helden …

Jay Kristoff präsentiert mit Stormdancer einen fantastischen Leckerbissen für Leser, die etwas Neues in diesem Genre suchen. Absolute Leseempfehlung!



Buchzitate:

Drei motorisierte Rikschas rumpelten hinter den Bushimännern her. Auf den Dächern saßen Geishas mit knochenweiß geschminkten Gesichtern, schwarzen Schutzbrillen und Atemmasken.

Kränkliches Rot spiegelte sich auf den Gläsern ihrer Schutzbrille. Ein Himmelsschiff tuckerte durch den Dunst aus Lotusabgasen, der sich nie auflöste; im matten Licht schimmerte sein schmutziger, rauchfleckiger Rumpf hier und da schwach auf.

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 26.05.2021

Eine Bereicherung für das Fantasygenre

Vortex – Die Liebe, die den Anfang brachte
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Inhalt:

Nach und nach erobern die Vermengten die großen Städte. Kapstadt, Kairo, Tokio, Neu London und Sydney sind schon gefallen. Die Situation scheint sich immer mehr zuzuspitzen.

Im Hintergrund gibt ...

Inhalt:

Nach und nach erobern die Vermengten die großen Städte. Kapstadt, Kairo, Tokio, Neu London und Sydney sind schon gefallen. Die Situation scheint sich immer mehr zuzuspitzen.

Im Hintergrund gibt Hawthorne den Regie führenden Fädenzieher, der über allem thront. Mit Bale an seiner Seite, den er unter Einsatz von Drogen seinem Willen unterworfen hat, steht er kurz davor, den Weg zurück ins Jahr 2020 zu finden. Dort angekommen wäre es ein Leichtes, den Urvortex erstarken zu lassen. Innerhalb kürzester Zeit wäre ein knappes Jahrhundert kurzerhand ausgelöscht, der ganze Planet würde vermengt werden, und die Menschheit mit einem Schlag nicht mehr existieren.



Meinung:

Während Hawthorne mit Hilfe des besten Vortexläufers, Bale, kurz davor ist, seine Pläne umzusetzen, suchen Elaine und ihre Freunde verzweifelt nach einem Ausweg. Dieser besteht darin Juliane Canto, die Chefnavigatorin des Kuratoriums, in Sáo Paulo zu evakuieren. Canto könnte helfen, Bale zu finden. Das würde Hawthorne davon abbringen, den Urvortex zu finden, doch was dann? Elaine ist seit geraumer Zeit nicht mehr in der Lage Vortexe zu erschaffen. Die Vermengten haben sich zusammengefunden und sind dabei die Städte zu erobern. Und Bale?! Er befindet sich Dank des Scopes und der Manipulation von Hawthorne in einem Zustand, der ihn zu einem völlig anderen Menschen hat werden lassen. Unter dem Einsatz der Droge hat er nicht nur seine gesamte Vergangenheit vergessen, auch ist er zu einem Monster geworden, das alles dafür tun würde, die Feinde von Hawthorne auszulöschen und dazu gehören auch Elaine und ihre Freunde.

Kann man sein zukünftiges Leben überhaupt nach eigenen Vorstellungen beeinflussen, oder ist die Zukunft schicksalhaft vorherbestimmt? Diese zentrale Frage greift Anna Benning in ihrer Vortex-Reihe immer wieder auf. Bale hat Elaine in Band 2 der Reihe verraten, was er in der Zukunft gesehen hat, nämlich, dass alles zu dem einen Punkt führen wird, der Elaine dazu bringt, sich in den Urvortex zu stürzen und sich für ihre Freunde zu opfern. Elaine wird sterben. Bale hingegen versucht seit Jahren alles, um die Zukunft zu ändern.

Als Leser fragt man sich spätestens ab dieser Offenbarung im zweiten Band, ob und wie die Charaktere es schaffen werden, die ausweglose Situation, in der sie sich befinden, zu lösen. Alleine dieser Punkt sorgt schon für Spannung.

Viele Figuren sind dem Leser bereits über die Geschichte hinweg ans Herz gewachsen. War Holden mir z.B. im ersten Band noch nicht sympathisch, so habe ich ihn in der Fortsetzung regelrecht ins Herz geschlossen. Aber auch die Grunder, die Elaine einst aufgenommen haben, das Wassermädchen Susi, die mit einer Beatmungsmaschine an Land überleben kann und die stets so liebevoll und zerbrechlich wirkte sowie Elains bester Freund, der Zünder Luka, der von der ersten Seite der Geschichte stets an ihrer Seite stand. Ich habe mich gefreut, sie alle in diesem dritten Band noch einmal wiedersehen zu dürfen.

In Band 3 ist es Atlas, der wie ein Ruhepol ständig in Elaines Nähe verweilt. Bales Hund schenkt der einstigen Läuferin Kraft und Mut. Auf Holden ist Elaine jedoch, seitdem dieser dabei geholfen hat, Bale an Hawthorne auszuliefern, immer noch sauer. Das führt dazu, dass es in diesem Band lange dauert, bis wieder eine zarte Bindung zwischen den beiden Charakteren aufleben kann.

Elaine legt ihren Fokus in diesem Abschlussband auf die Rettung ihres Freundes. Sie würde alles tun, um Bale zurückzugewinnen, und dieser würde in seiner Verfassung alles tun, um sie auszuliefern - oder besser gleich zu töten.

Der Leser erfährt in Band 3 der Reihe mehr über Bales und Elaines Vergangenheit, über deren Elternhaus und die Entstehung der Welt, in der sie seit Jahren zu Hause sind.

Die Reihe bringt den Leser zwischenzeitlich an die Grenzen der Geduld, um dann aber im letzten Band die vielen Fäden und Ebenen zum Ende wieder erzählerisch gekonnt zusammenzuführen.



Fazit:

Ich kenne niemanden, der ernsthaft daran glaubt, dass das Bleigießen an Silvester die Zukunft verrät. Doch könnte die Zukunft nicht trotzdem determiniert sein?

Anna Benning schreibt mit „Vortex – Die Liebe, die den Anfang brachte“ den gelungenen Abschlussband einer Reihe, die sich dieser Frage widmet.

Fans dieser Reihe werden sich freuen, dass sie in diesem Buch mehr über die Vergangenheit von Bale und Elaine erfahren können.

Anna Benning schließt die übergreifenden Handlungsbögen zufriedenstellend ab und entlässt uns - Gott sei Dank - diesmal nicht mit einem Cliffhanger. Wäre die Autorin nicht von dem Wunsch beseelt, am Ende der Reihe beinahe alle roten Fäden zusammenzuführen, hätte das Buch allerdings vielleicht noch mehr Biss.

Die Reihe bleibt aber eine Bereicherung für das Fantasygenre mit einer komplexen Story und neuen, erfrischenden Ideen.



Buchzitate:

Wir waren gefangen in einem unendlichen Kreis aus Ereignissen, und egal, welchen Schritt wir machten – selbst wenn ich die Zeit verändert hatte und es damals diesen Kampf, die Suche in dem U-Bahn-Tunnel eigentlich nicht gegeben haben konnte -, der Lauf der Dinge blieb am Ende immer derselbe. Und das bedeutete: Das Schicksal blieb es auch.

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 05.05.2021

Sehnsüchtig und mit Spannung erwartet

Night of Crowns, Band 2: Kämpf um dein Herz
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Inhalt:


Alice hat das Spielfeld verlassen. So schwer es ihr gefallen ist Jackson, der sie angefleht hatte zu bleiben, und die anderen Figuren im Stich zu lassen, sie muss den zweiten Slave finden. Nur ...

Inhalt:


Alice hat das Spielfeld verlassen. So schwer es ihr gefallen ist Jackson, der sie angefleht hatte zu bleiben, und die anderen Figuren im Stich zu lassen, sie muss den zweiten Slave finden. Nur dann gäbe es eine Möglichkeit, den Fluch zu brechen und den ewigen Kampf „Schwarz gegen Weiß“ zu beenden.

Zugegeben, Alice hatte sich das, was sie hinter der Mauer erwartet, ein klein wenig einfacher vorgestellt. Die Flucht vor dem Fluch, der direkt hinter der Mauer auf Alice lauert, endet ziemlich schnell auf der Motorhaube eines Autos und infolgedessen kurz darauf im Krankenhaus. Ein falsches Timing von Heftigkeiten. Schließlich möchte Alice schnellstmöglich ihre Suche nach dem Slave fortsetzen.

Im Krankenhaus trifft Alice auf Spieler des Schachfelds. Keiner von ihnen scheint sie zu kennen. Kurz darauf stellt sich heraus, dass im System keinerlei Daten von Alice abrufbar sind. Weder eine ID noch eine Geburtsurkunde, nicht mal eine Akte scheint es von ihr zu geben.

Alice existiert somit nicht. Für all die Menschen um sie herum ist sie eine Fremde und bald schon erklärt man sie auch noch für verrückt. Hilfe von außerhalb ist also nicht zu erwarten. Auch gibt es keinerlei Hinweise, wo Alice mit der Suche nach dem Slave beginnen sollte. Als wäre das alles nicht schon schlimm genug, ist plötzlich auch die Mauer und mit ihr das dahinterliegende Spielfeld verschwunden. Kurzum: Alice sitzt mächtig in der Klemme …!



Meinung:


Der Vorgänger von „Night of Crowns – Kämpf um dein Herz“ war für mich ein literarisches Ereignis. Auf der vorliegenden Fortsetzung ruhten dementsprechend hohe Erwartungen.

Der zweite und finale Band dieser Reihe setzt genau dort an, wo Band eins geendet hatte. Alice befindet sich hinter der Mauer, außerhalb des Spielfeldes. Sie vernimmt Jacksons Stimme, der sie anfleht zu bleiben. Doch Alice bleibt stark. Sie widersteht den Rufen und macht sich auf, den zweiten Slave zu suchen.

Von der ersten Seite an kann man spüren, wie die Spannung wächst und sich alles auf eine große Konfrontation zu bewegt.

Sehr bald muss Alice feststellen, dass ihr Plan, das Spielfeld zu verlassen, den zweiten Slave zu finden, zurückzukehren und den Fluch zu brechen, nicht so einfach umzusetzen ist wie gedacht. Denn bereits hinter der Mauer lauert der Feind. Alice befindet sich von der ersten Buchseite an auf der Flucht. Sie gerät von einem Desaster ins nächste. Ein Sammelsurium an Problemen liegt auf dem Tisch. Es sind einfach extrem viele Baustellen gleichzeitig. Weder kann sie in die alte Realität zurückkehren noch kann sie ihren Plan abbrechen. Sie muss das Beste aus der aktuellen Situation machen.

In Band zwei begegnen wir erneut einer Alice, die mutig Probleme anspricht. Die in schwierigen Situationen die Konfrontation und auch die Kontroverse nicht scheut. Dabei stolpert die Protagonistin nicht selten auch mal in das ein oder andere Fettnäpfchen, was zu einigen humorvollen Szenen führt, und die Figur umso liebenswürdiger erscheinen lässt.

Im weiteren Verlauf der Geschichte trifft der Leser auf bereits bekannte Charaktere. In der Fortsetzung werden jedoch auch neue Figuren eingeführt. Spielend leicht gelingt es der Autorin diese so aufzubauen, dass sie dem Leser schnell ans Herz wachsen. Freunde von Curse werden auch hier wieder voll auf ihre Kosten kommen.

Auch gelingt es der Autorin Spannungsroman und Liebesgeschichte perfekt auszubalancieren. Hier stimmt einfach alles.



Fazit:


Hohe Erwartungen an Fortsetzungen müssen nicht zwangsläufig enttäuscht werden und Unzufriedenheit bringen. Stella Tack legte die Latte mit dem Vorband sehr hoch und hat diese nicht gerissen. Der einzige Wermutstropfen: Das Buch ist zu kurz! Ich hatte nach wenigen Seiten Angst, dass die Geschichte bald enden würde. So gut ist die Geschichte.

Daher ist das Buch ein Must-Read für Freunde der Fantasy-Literatur. Für mich findet das Werk jedenfalls einen Platz in meiner literarischen Hall of Fame.



Buchzitate:


Einen König zu lieben, hat noch niemandem Glück gebracht. Ich kann dir nicht einmal eine glückliche Zukunft schenken, denn ich habe keine.

Ich nahm an, das war die wahre Magie, die Jackson St. Burrington umgab. Er hasste und liebte im selben Atemzug mit derselben Leidenschaft.

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 28.04.2021

Ein verrückter Roadtrip

Unpregnant - Der Trip unseres Lebens
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Inhalt:

Veronica ist Ivy-League-Material, Kandidatin für die größten und prestigeträchtigsten amerikanischen Ivy-League Universitäten. In ihrer High School ist sie Favoritin für die Abschlussrede, Anführerin ...

Inhalt:

Veronica ist Ivy-League-Material, Kandidatin für die größten und prestigeträchtigsten amerikanischen Ivy-League Universitäten. In ihrer High School ist sie Favoritin für die Abschlussrede, Anführerin des Debattier-Clubs und Jahrgangsbeste. Das Highlight ihres Jahres besteht darin, sich mit ihren Freundinnen auf ein großes Lernwochenende zu treffen. Ihr Freund Kevin ist Star der Fußballmannschaft, Mitglied in der Kirchenband und sieht verdammt gut aus. Er ist der Grund, warum Veronica und ihre Freundinnen zu jeder Party eingeladen werden.

Ausgerechnet Veronica, die von allen gemocht wird, und die selbstverständlich niemals ungeschützt mit ihrem Freund schlafen würde, ist es, die sich eines Tages mit einem Schwangerschaftstest auf dem Mädchenklo wiederfindet. Als ihr dieser in einem Schockmoment aus der Hand fällt und direkt unter der Tür hindurch rutscht, ist es ausgerechnet Veronicas ehemals beste Freundin Bailey, deren Stimme kurz darauf ertönt. Sie hat den Schwangerschaftstest natürlich sofort entdeckt. Es dauert nicht lange, bis Bailey über die Toilettentür schaut und das Desaster perfekt macht.

Für Veronica gibt es nur eine Option mit dieser Situation umzugehen: Eine Abtreibung muss her. Den Auswirkungen des US-Föderalismus geschuldet befindet sich der nächste Ort, wo dies möglich ist, in Albuquerque. Und das ist genau 1599 Kilometer von ihrer Heimat Columbia entfernt. Ihren Eltern und schon gar nicht ihren Freundinnen, die sie für perfekt halten und allesamt gerne Kevin als potentiellen Vater ihrer eigenen Kinder sehen würden, kann Veronica von dieser Absicht erzählen.

Es erscheint passend, dass die vorlaute, in vielerlei Dingen hemmungslose und zynische Bailey, die in der Schule keinen guten Leumund genießt, bereit ist, Veronica für kleines Geld nach Albuquerque zu fahren.

Und das ist der Beginn eines absolut verrückten, chaotischen und filmreifen Roadtrips, den keine mehr vergessen wird.



Meinung:

Veronica ist eine absolute Vorzeigeschülerin. Ihre Clique aus Freundinnen passt zu ihrem Wertekosmos. Doch schnell wird klar, dass jede einzelne sofort mit Veronicas Freund Kevin durchbrennen würde, sobald sich eine Möglichkeit hierzu bieten würde. Veronica selbst scheint sich daran nicht unbedingt zu stören. Sie ist stolz auf ihr Leben und auf den Freund an ihrer Seite. Dieses Verhalten kippt jedoch, als Veronica auf der Mädchentoilette feststellen muss, dass sie von genau diesem Jungen ein Kind erwartet. Sie hat verhütet. Manchmal sogar doppelt! Wie konnte da ein Fehler passieren? Was da geschehen ist, bleibt dank Kevin selbst nicht lange rätselhaft und unerklärlich: Er hatte das Kondom mehrfach manipuliert, um seine Freundin auch nach dem College in seiner Nähe zu wissen.

Einen erfrischenden Kontrast zu Veronicas sozialem Umfeld stellt Bailey dar. Das Mädchen mit den türkisfarbenen Haaren, dem abgeplatztem grünen Nagellack und den zerrissenen Jeans, die auf den ersten Blick düster, zynisch und vielleicht sogar ein wenig angsteinflößend daherkommt. Schon bald bietet sie die beste Fahrgelegenheit, die sich Veronica für einen Abtreibungstrip nach Albuquerque wünschen kann.

Bailey sagt, was sie denkt. Sie hat keine Hemmungen mitten in einem Diner, in dem es vor Truckfahrern nur so wimmelt, einen Termin für ihre Mitfahrerin bei der Abtreibungsklinik klarzumachen und sich dort auch im gleichen Atemzug nach Möglichkeiten für ein Waxing im Genitalbereich zu erkundigen. Man könnte sagen, dass Bailey für das Entstehen der meisten Abenteuer auf dem Roadtrip verantwortlich zeichnet. Sie schlägt ein Angebot für einen Joint nicht aus, sie betrinkt sich mit Pfirsichlikör in einer Stretch-Limousine, sie scheut sich nicht mitten im Nirgendwo in einen Stripclub zu gehen und dort nach einer Mitfahrgelegenheit Ausschau zu halten. Sie schlägt dahingegen aber schnell die Flucht vor, als ein Mann die beiden Mädels ein Stück des Weges in seinem Auto mitnehmen möchte. Schließlich könnte es sich hierbei um einen Serienmörder handeln.

Vielleicht merkt man schon an diesen Zeilen, dass es sich bei Veronicas und Baileys Roadtrip um eine ziemlich abgedrehte und chaotische Geschichte handelt, die auf jeder Seite einen großen Unterhaltungswert verspricht.

Die Figuren sind nicht immer sympathisch. Ganz besonders Kevin, der von Bailey früh als Stalker bezeichnet wird, erscheint immer wieder recht spontan an diversen Reisepunkten und macht es den Mädchen schwer. Er möchte eine Zukunft mit seiner Liebsten und dem ungeborenen Kind. Dass er einen Fehler gemacht haben könnte - mag sein. Doch Kevins Ego scheint grenzenlos und Veronicas abweisende Worte prallen einfach an ihm ab.

Auf der Reise gelingt es Veronica die Fehler ihrer Vergangenheit zu reflektieren. Zu diesen Fehlern gehört definitiv auch Kevin. Sowohl Veronica als auch Bailey versuchen mit der Vergangenheit abzuschließen. Das geschieht nicht immer mit Worten, sondern nicht selten auch gewaltaffin. So zögert Bailey nicht, dem aufdringlichen Kevin zwischen die Beine zu treten und Veronica greift, nachdem sie erste Hemmungen abgelegt hat, auch gerne zum Elektroschocker ihrer Reisegefährtin.



Fazit:

“ Unpregnant – Der Trip unseres Lebens“ ist ein gedruckter Film. Die Grenzen des Konventionellen und des Wahrscheinlichen überschreitet diese Geschichte entschieden. Das Buch ist durchaus unterhaltsam zu lesen und gekonnt konstruiert. Die Geiselnahme eines Frettchens, Kühe umstoßen bei Nacht, die Flucht vor einem potentiellen Serienmörder, ein Lapdance in einem Stripclub irgendwo im Nirgendwo, eine riesige Elefantenskulptur besteigen. Das alles und noch viel mehr hat das Buch zu bieten.

Einwände, dass manches zu konstruiert, zu auf die Spitze getrieben sei, verhindert das Buch – allerdings nur zum Teil - mit seiner Dynamik.

Leser, die sich darauf einlassen wollen, werden mit “ Unpregnant – Der Trip unseres Lebens“ ihre Freude haben.

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 13.04.2021

Elben-Empowerment

Elbendunkel 2: Kein Weg zu dir
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Inhalt:


Ash hat in Erfahrung bringen können, dass nicht Hernandez, sondern vielmehr Dusk, der Anführer der Dunkelelben-Rebellen, ihr wahrer Vater ist. Gemeinsam mit Darel ist sie nun in dessen Lager ...

Inhalt:


Ash hat in Erfahrung bringen können, dass nicht Hernandez, sondern vielmehr Dusk, der Anführer der Dunkelelben-Rebellen, ihr wahrer Vater ist. Gemeinsam mit Darel ist sie nun in dessen Lager angekommen. Doch es bleibt ihr nicht viel Zeit zur Ruhe zu kommen. Denn die Dunkelelben empfangen sie mit wenig Begeisterung.

Hinzu kommt: Sollte Dusk herausfinden, dass Ash - entgegen ihrer Behauptung - keinerlei Informationen über Jago Hernandez Ruiz besitzt, dann würde er sie nicht weiter im Lager dulden, da ist sich Ash sicher. Doch Ash möchte unbedingt mehr über das Volk wissen, dessen Blut sie in sich trägt. So äußert sie den Wunsch, sich zur Kämpferin ausbilden zu lassen, um Rache an Jago Hernandez Ruiz nehmen zu können. Sie schafft also einen Grund, um ihr in den Augen ihres Vaters Bedeutung zu geben und umschmeichelt ihn zugleich mit der Aussage, dass sie ihn besser kennen lernen wolle.

Spätestens als Darel dies hört, merkt er, dass ihm die Dinge entgleiten. Ash handelt ständig anders, als er es sich wünscht, und seine Absicht, seine Schwester zu beschützen, führt oft ins Chaos. Als Kämpferin würde sie sich einem vermutlich düsteren Schicksal ausliefern, das weiß er als Sohn von Dusk nur zu genau. Am Liebsten würde er Ash entführen und zu der freien Dunkelelbin Ranobal bringen.



Meinung:


Während Ash und Darel im Lager der Dunkelelben-Rebellen Tag für Tag versuchen, den Schein zu wahren, und jeder Schritt wie der Gang über ein Minenfeld anmutet, haben auch Ash Ex-Freund Niall und ihre beste Freundin Kelly mit Problemen zu kämpfen.

Geschickt webt Rena Fischer den Auftakt ihrer Elbendunkelsaga weiter. Bereits der erste Teil bot dem Leser eine Vielzahl an Verstrickungen und Charakteren sowie eine komplexe Geschichte. Auch der Abschlussband der Dilogie fordert die Aufmerksamkeit des Lesers ein. Ein Verzeichnis der wichtigsten Personen und ein Sachverzeichnis helfen aber einen Überblick zu behalten.

In der Fortsetzung gliedert die Autorin ihre Geschichte in drei Erzählstränge. Zum einen verfolgt man die Erzählung aus der Sicht von Darel und Ash, die versuchen sich im Dunkelelbenlager durchzuschlagen. Und das ist wirklich nicht einfach, denn hier kämpft jeder seinen eigenen Kampf, jeder verfolgt seine eigenen Ziele und jeder ist bereit, den anderen zu hintergehen und ihn, im Falle des Falles, an den Anführer auszuliefern.

Der zweite Erzählstrang berichtet über Niall, Ashs Ex-Freund, auf dessen Kopf von der Elb Liberation Organisation mittlerweile eine Belohnung von 50.000 Dollar ausgesetzt wurde. Man wirft ihm vor, dass er Luz und deren Chauffeur entführt hat. Das angebliche Geiseldrama gipfelte laut den Fake-Medien darin, dass Luz und ihre Mutter diesem zum Opfer fielen, als ihr Van über die Klippen ins Meer stürzte. Nach einem Ausflug zum Mexikaner wird Niall Opfer einer Entführung. Er hat also mit seinen ganz eigenen Problemen zu kämpfen.

Der dritte und letzte Erzählstrang wird aus der Sicht von Ashs bester Freundin, Kelly, erzählt, die gemeinsam mit dem Dunkelelben Adrasel bei Ranobal, einer freien Dunkelelbin, untergetaucht ist. Langsam lernen sich die beiden kennen und entdecken ihre Liebe zur Musik.

Auch in diesem zweiten Teil lässt Rena Fischer ihre Liebe zu Poety Slam und Musik einfließen. Song- und Slamtexte werden geschickt in die Geschichte eingewoben.

Alle Freunde haben, neben den persönlichen Interessen, die sie verfolgen, ein gemeinsames Ziel. Sie wollen die Unterdrückung der Elben beenden. Hernandez steht voll hinter dem Konzept den Dunkelelben weiterhin Tyrium zu verabreichen. Dabei handelt es sich um ein Mittel, das den Dunkelelben gespritzt wird und bei Steigerung des Aggressionslevels dafür sorgt, dass der entsprechende Elb den sofortigen Tod findet. Auch die Lichtelben müssen seit Jahren ein Leben als Sklaven führen. Der Leiter der Lichtelbeninstitute, Leif Hweitasil, der den Rat der Lichtelbenältesten mittlerweile autoritär beherrscht, hat derweil seine eigenen teuflischen Pläne.

Der Kampf jeder gegen jeden schafft ein Gleichgewicht, wenn auch ein fatales.



Fazit:


Auch der zweite und finale Teil der Elbendunkelsaga ist nicht fürs schnelle Lesen geschrieben, sondern zwingt den Leser zur Konzentration. Das Buch ist von der ersten bis zur letzten Seite ein gekonnt durchkomponiertes Verwirrspiel. Richtig ist, dass Rena Fischers Geschichte ins Genre Fantasy einzuordnen ist, doch ist dies keine ausschließliche Reise durch eine Fantasy-Welt, sondern beleuchtet das Facettenreichtum der Thematik Herkunft und Identität.

Eine derart komplexe Geschichte mit so vielen Charakteren in einem zufriedenstellenden Finale gipfeln zu lassen, scheint schier unmöglich, ist es aber nicht. Wer geduldig genug ist, den Roman zu Ende zu lesen, wird vielmehr mit einem Paukenschlag belohnt.

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