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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 03.10.2020

Tante und Neffe

Pax
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Pax wächst bei seiner Tante Beatrix auf, nachdem Eltern und Bruder von einer Reise nicht zurückkehren. Ihre Lebensverhältnisse sind einfach, und doch bemüht sich die Tante auf ihre Art um eine gute Erziehung.
„Pax“ ...

Pax wächst bei seiner Tante Beatrix auf, nachdem Eltern und Bruder von einer Reise nicht zurückkehren. Ihre Lebensverhältnisse sind einfach, und doch bemüht sich die Tante auf ihre Art um eine gute Erziehung.
„Pax“ ist ein Entwicklungsroman, der den Protagonisten von der elternlosen Kindheit in die Pubertät begleitet. Dabei setzt dieser sich mit seiner Herkunft auseinander und sammelt Erfahrungen als Heranwachsender.
Das Buch geht ans Herz, denn wir lernen die Figuren in Alltagssituationen kennen, die woanders selten erwähnt werden (Beatrix bringt Pax das Bügeln bei, oder wir beobachten ihn bei selbst erfundenen Kinderspielen). Die Erzählweise spiegelt den Inhalt auf eine ebenso sensible Art wider wie der Detailreichtum der Handlung. „Und fast hätte er sie umarmt, als Tante Beatrix, wenn auch nur, um seiner Platte über den Sprung hinwegzuhelfen, irgendwann nachgab, indem sie immerhin versprach, es sich zu überlegen.“ Ich möchte die Autorin umarmen für diesen einfühlsamen Roman.

Veröffentlicht am 20.09.2020

Unscharfe Geschichte

Die Unschärfe der Welt
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In einer deutschsprachigen Region Rumäniens vor dem Hintergrund der wandelnden Zeiten sind die Schicksale von sieben Figuren angesiedelt.
Von Schicksalen zu sprechen, ist eigentlich zu viel, es sind vielmehr ...

In einer deutschsprachigen Region Rumäniens vor dem Hintergrund der wandelnden Zeiten sind die Schicksale von sieben Figuren angesiedelt.
Von Schicksalen zu sprechen, ist eigentlich zu viel, es sind vielmehr Momentaufnahmen aus ihren Leben, in denen die Last des kommunistischen Regimes kurz aufblitzt, weil beispielsweise jemand zu einer Befragung festgehalten wird. Hin und wieder taucht ein Name auf, der in einem anderen Kapitel schon mal mitgespielt hat, die Verbindung bleibt aber recht lose. Von beidem, historischen Hintergründen und Verknüpfungen zwischen den Figuren, hätte ich mir mehr gewünscht.
Sprachlich konnte mich dieser Roman durchaus für sich gewinnen; so hatte er neben der Schwere einiger Themen durchaus Momente zum Schmunzeln. „Karline war das zweitälteste Kind, und weil man auf einen Karl gehofft hatte, erhielt sie einen Namen, den auszufüllen ihr einiges an Mühe bereitete.“ Auch wenn sie meine Erwartungen nicht vollständig traf, habe ich es nicht bereut, Iris Wolff mit diesem Werk kennenzulernen.

Veröffentlicht am 05.09.2020

Magischer Krieg

Children of Virtue and Vengeance
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Nachdem im ersten Teil der Children-of-Blood-and-Bone-Reihe die Magie nach Orïsha zurückgekehrt ist, entbrennt in der Fortsetzung ein Krieg zwischen der Krone und dem magischen Volk. Die bekannten Figuren, ...

Nachdem im ersten Teil der Children-of-Blood-and-Bone-Reihe die Magie nach Orïsha zurückgekehrt ist, entbrennt in der Fortsetzung ein Krieg zwischen der Krone und dem magischen Volk. Die bekannten Figuren, allen voran Zélie, nehmen darin besondere Rollen ein. „Ich weiß, dass mein Status als Clanälteste mir helfen wird, Inan zur Strecke zu bringen, doch mit jedem vergehenden Tag scheint mir die Freiheit, nach der ich mich so sehne, in weitere Ferne zu rücken.“
Meine Freude, wieder in die Fantasywelt Orïsha einzutauchen, wurde durch wiederholende Handlungsmuster etwas gebremst. Es ist ein Hin und Her zwischen Gut und Böse, ein Krieg, der durch Angriffe und Gegenschläge geprägt ist, nur eben mit der Besonderheit, dass dabei magische Kräfte eingesetzt werden. Und auch wenn manche Beschwörungsformel dabei ständig wiederholt wird, bleibt sie, aufgrund der zuhauf eingesetzten erfundenen Sprache der Magier, dennoch für den Leser unverständlich. Trotz meiner verhaltenen Meinung zu diesem Zwischenteil bin ich gespannt, wie im Finale der Trilogie eine neue Welt aufgebaut wird.

Veröffentlicht am 05.09.2020

Das doppelte Lottchen Hardcore

Zara und Zoë - Tödliche Zwillinge
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Zara will einen aufgeflogenen Informanten aus den Händen von Islamisten befreien, während Zoë ihrem Boss hilft, seine Stellung in der Unterwelt zu stärken. Zum zweiten Mal kommt es zum Rollentausch der ...

Zara will einen aufgeflogenen Informanten aus den Händen von Islamisten befreien, während Zoë ihrem Boss hilft, seine Stellung in der Unterwelt zu stärken. Zum zweiten Mal kommt es zum Rollentausch der ungleichen Schwestern - die eine, regelkonform und bei Europol angestellt, die andere, draufgängerisch und in mafiöse Strukturen verstrickt. „Sie würde ihn - wenn es sein müsste - an Zoë verfüttern, dann hätte sie ihre Antwort in einer Minute - er konnte nicht mal ahnen, wie herrlich er es hatte, dass ihm der gute Zwilling gegenübersaß.“
Was vom Grundprinzip anmutet wie „Das doppelte Lottchen“ und entsprechende Verwirrung mit sich bringt, entpuppt sich schnell als knallharte Action. Beide Protagonistinnen müssen Grenzen überschreiten, um Terroristen zu bezwingen oder den Mafiaboss zu überzeugen. Für meinen Geschmack trägt der Autor manchmal etwas dick auf, einige Schimpfwörter möchte ich gar nicht wiederholen. Das Buch besticht aber durch sein Tempo - in kurzen Kapiteln wechseln Medienberichte, Telefonate und die eigentliche Handlung ab - und auch die Familiengeschichte kommt nicht zu kurz.

Veröffentlicht am 30.08.2020

Heimat finden

Jahresringe
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„Jahresringe“ erzählt die Geschichte einer Familie in drei Generationen - beginnend mit Leonore, die es nach dem Krieg ins Rheinland verschlägt, über ihren Sohn Paul, mit dem sie wegen des näherrückenden ...

„Jahresringe“ erzählt die Geschichte einer Familie in drei Generationen - beginnend mit Leonore, die es nach dem Krieg ins Rheinland verschlägt, über ihren Sohn Paul, mit dem sie wegen des näherrückenden Tagebaus erneut umsiedeln muss, bis hin zu dessen Kindern in der heutigen Zeit, die dem Kohleabbau unterschiedlich gegenüberstehen.
“Allein Düsseldorf! Welchen Klang das hatte! Die Stadt war eine Insel weit draußen in einem undurchdringlichen Ozean. Abenteuerlicher ging es kaum.” Das Typische des Orts mit seinen Besonderheiten, wie einem bestimmten Gebäck, und die Umstände der jeweiligen Zeit, wie die Musik, die die Jungs hören, hat der Autor gut eingefangen. Auch das große Thema Heimat wird greifbar.
Das Buch liest sich gut, ist aber recht unspektakulär. Die Figuren bleiben eher unnahbar; manche Details wirken aufgesetzt und zu konstruiert, um glaubwürdig zu sein. Ich hatte mir von dieser Familiengeschichte mehr erwartet.