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Veröffentlicht am 05.05.2026

Ein neuer Blick auf Triest

Alma
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Alma ist zu Zeiten des ehemaligen Jugoslawiens mit ihrer italienischen Mutter und dem jugoslawisch-stämmigen Vater in Triest aufgewachsen, zwar noch in Italien, aber unweit der jugoslawischen Grenze.

Immer ...

Alma ist zu Zeiten des ehemaligen Jugoslawiens mit ihrer italienischen Mutter und dem jugoslawisch-stämmigen Vater in Triest aufgewachsen, zwar noch in Italien, aber unweit der jugoslawischen Grenze.

Immer wieder ist ihr Vater nach Jugoslawien gereist und hat dort alle möglichen mysteriösen Geschäfte erledigt, sogar den legendären Marschall Tito getroffen, und immer lag über all dem ein Schleier der Vorsicht, denn man wusste auch, dass das kommunistische Land zwar etwas offener gegenüber dem Westen war als die Länder unter stärkerem russischen Einfluss, aber dennoch seine Kritiker und Gegner erbarmungslos verfolgte.

Dann gibt es auch noch die italienischen Großeltern mütterlicherseits, sehr wohlhabend und auf Etikette bedacht, die nicht sehr erfreut über die Verbindung ihrer Tochter mit dem "Slawen", dem "s'chiavo", sind und einen wenig differenzierten Blick auf alles jenseits der Grenze haben, etwa nicht einmal wissen wollen, dass dort nicht nur eine einheitliche Sprache gesprochen wird und einen serbokroatisch sprechenden Jungen aus Belgrad, der kurzfristig bei der Familie untergebracht ist, in eine Schule für die slowenische Minderheit schicken.

Das Buch ist aus der Perspektive einer erwachsenen, reifen Alma erzählt, die wieder nach Triest reist, Orte ihrer Kindheit besucht und in Erinnerungen schwelgt. Dabei zeigt sich ein interessantes Bild einer Grenzregion, die so klar multikulturell geprägt ist und historisch vielen unterschiedlichen Einflüssen ausgesetzt war.

Auch über das ehemalige Jugoslawien unter Tito lässt sich so einiges lernen, wobei sich das Buch leichter liest, wenn man, wie die Verfasserin dieser Rezension, über zumindest ein grundlegendes Vorwissen über diese Region und ihre Geschichte verfügt, da so einige historische Zusammenhänge angedeutet werden (z.B. wird Tito oft nur "der Marschall" genannt), ohne in aller Ausführlichkeit von Grund auf erklärt zu werden.

Was die Figuren und Erzählstruktur angeht, so war es für mich ein Buch, das Zeit und Geduld braucht. Es ist eher ein mäanderndes Hin und Her zwischen verschiedenen Erinnerungen als ein wirklich spannend erzählter kontinuierlicher Spannungsbogen. Dabei ist eine innere Distanzierung spürbar, die durchaus zum Thema passt und in sich stimmig ist, aber die Identifikation mit den Figuren nicht unbedingt erleichtert.

Es ist damit also kein Buch, das einen hineinzieht und fesselt, sondern eher eines, für das man sich bewusst Zeit nehmen muss, um sich zu entscheiden, weiterzulesen. Das heißt aber nicht, dass die Lektüre sich nicht lohnen würde: gerade in den scheinbar unzusammenhängenden Details und den vielen kleinen Erinnerungen und Szenen setzt sich insgesamt ein Horizont erweiterndes Bild einer sehr interessanten Grenzregion zusammen. Insofern hat die Lektüre meinen Blick auf Triest definitiv erweitert.

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Veröffentlicht am 25.04.2026

Die Frage der Identität zwischen Irland, Frankreich und dem Judentum

Madame Lazare
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Ich habe die Lektüre dieses Buches vor mehreren Wochen beendet, blicke nun zum Verfassen der Rezension noch einmal auf das Buchcover und spüre, wie ich sofort wieder drin bin in der Geschichte. Ich bin ...

Ich habe die Lektüre dieses Buches vor mehreren Wochen beendet, blicke nun zum Verfassen der Rezension noch einmal auf das Buchcover und spüre, wie ich sofort wieder drin bin in der Geschichte. Ich bin wieder mit der jungen Muraed auf den irischen Aran-Inseln und blicke auf das Meer. Ich spüre ihre tiefe Verwurzelung in der irischen Volkskultur und in ihrem katholischen Glauben, die Hoffnung auf Hilfe durch die Jungfrau Maria, ihre Verbundenheit und Liebe zu ihrem kognitiv beeinträchtigten Zwillingsbruder Páraic, um den sie sich aufopfernd kümmert, aber auch zu ihrer Heimat. In mir höre ich das Rauschen des Meeres und die so andersartige irische Sprache, in der abends beim geselligen Zusammensein alte Gedichte und Geschichten weitergegeben werden. Und ich denke und fühle nach, über Verwurzelung, Heimat und Identität,...

... aber auch über Entwurzelung, neue Heimat und wiederum die Identität, die mit der eigenen Herkunft und Religion verbunden sein kann. Denn auch die anderen Schauplätze, an denen das Buch spielt, spüre ich noch tief in mir. Die in Frankreich lebende Familie Lazare: Oma Hana, die angibt, aus einer jüdischen Familie im Baltikum zu stammen und all ihre Familienmitglieder in der Shoah verloren zu haben. So tief sei das Trauma, dass sie nicht darüber sprechen könne, seit Jahrzehnten. Ihr Mann Samuel, mit deutsch-französisch-jüdischen Wurzeln, liebevoll an ihrer Seite. Die beiden sind Teil der jüdischen Community an Vertriebenen und Überlebenden in Paris, doch sonderlich religiös sind sie nicht. Das ändert sich erst, als sich die erwachsene Tochter Brigitte kurz vor ihrem Tod stark der jüdischen Religion zuwendet und ihnen den Auftrag gibt, Enkelin Levana in dieser Prägung zu erziehen. Dann die erwachsene Levana, die sich um die älter und kränker werdende Oma Hana kümmert, die plötzlich in einer unbekannten Sprache spricht und damit ihre Enkelin vor ein Rätsel stellt.

Daran, wie dieses Buch noch nach Wochen emotional in mir nachwirkt, zeigt sich, dass es sich um ein tiefgründiges und atmosphärisch geschriebenes Werk mit realistisch und vielschichtig gezeichneten Charakteren handelt, das viel Stoff zum Nachdenken, Nachspüren und Diskutieren liefert. Erzählt ist das Buch auf mehreren Zeitebenen und aus den Sichten verschiedener Figuren, vom Irland in der Zeit des Zweiten Weltkrieges über das Paris Jahrzehnte später bis zu Belgien in der nahen Gegenwart. Dabei sind die verschiedenen Zeit- und Ortswechsel so geschickt miteinander verwoben, dass ich das Buch als leicht lesbar, spannend und unterhaltsam empfunden habe, nie verwirrt war und es genossen habe, die unterschiedlichen Perspektiven kennen zu lernen, mit den Figuren mitzufühlen und Schritt für Schritt die genaueren Hintergründe der Geschichte zusammenzusetzen. Dabei habe ich außerdem viel Interessantes über die irische Sprache und Volkskultur gelernt.

Im Anhang findet sich ein ausführliches Glossar mit Informationen zur Aussprache der irischen Wörter sowie weiteren Hintergrundinformationen sowohl zur irischen Kultur als auch zur jüdischen Religion. Dieses habe ich parallel zur Lektüre als sehr hilfreich empfunden. Insgesamt zeigt sich auch dadurch, wie ausführlich sich der Autor mit seinen Themen auseinandergesetzt hat.

Vieles von dem, was ich bisher erwähnt habe, würde also für ein 5-Sterne-Buch sprechen, wenn es nicht einen kleinen Makel gäbe: nicht alles hat sich am Ende so aufgelöst und erklärt, dass es für mich komplett plausibel war. Es bleiben einige offene Fragen in Bezug auf die Geschichte. Dafür einen Stern Abzug für ein sonst sehr gutes, lesenswertes und definitiv empfehlenswertes Buch, das ich sehr gerne gelesen habe.

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Veröffentlicht am 22.04.2026

Eine Frau in den mittleren Jahren kreist in der Natur um sich selbst

Zugvögel wie wir
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Julia Dibbern ist eine Autorin der leisen Töne. Wie auch schon in ihrem letzten Buch "Unter Wasser ist es still" braucht es auch in ihrem aktuellen Werk "Zugvögel wie wir" nicht sehr viel Dramatik, um ...

Julia Dibbern ist eine Autorin der leisen Töne. Wie auch schon in ihrem letzten Buch "Unter Wasser ist es still" braucht es auch in ihrem aktuellen Werk "Zugvögel wie wir" nicht sehr viel Dramatik, um das Buch zu tragen. Stattdessen lebt es von viel Atmosphäre und kleinen, ruhigen Momenten, Begegnungen zwischen Menschen und in der Natur.

Im Zentrum des Buches steht Eva, eine Frau in den mittleren Jahren. Ihre Ehe ist vorbei, ihren Job ist sie los und die erwachsene Tochter hat sich seit langem von ihr entfremdet. Sehnsuchtsvoll und ein bisschen neidisch blickt Eva auf das zumindest nach außen hin so glücklich und erfüllt scheinende Leben ihrer Kindheitsfreundin Luise und wünscht sich so sehr, mit ihrem eigenen Leben glücklich sein zu können: "Eines Tages werde ich nicht mehr vergleichen. Ich werde mir nicht ein Leben wie Luises Leben wünschen, keinen Mann wie Peter und keine Familie, in der alle miteinander sprechen, singen und musizieren. Ich werde einfach mit meinem freundlichen kleinen Leben zufrieden sein." (S. 12)

Um diese Suche nach einer ruhigen Zufriedenheit mit ihrem "freundlichen kleinen Leben" geht es in dem Buch. Eva besucht Luise in Schweden, dabei bemerkt sie einen jungen Kranich, der verletzt ist, und holt Hilfe. Als das junge Kranichmädchen wieder gesund ist, mit einem Sender versehen zurück in die Freiheit entlassen wird und gemeinsam mit seinen Eltern von Schweden aus Richtung Süden bis nach Frankreich fliegt, beschließt Eva aus einer Laune heraus, dem Weg des Vogels auf einem geliehenen alten Fahrrad zu folgen.

Das ist ungewöhnlich für sie, die sonst gewohnt war, keine außergewöhnlichen Risiken einzugehen und die noch nie in der Natur übernachtet hatte. Sie wird sich auf dieser Reise einige neue Fähigkeiten aneignen müssen, Ängste und Einschränkungen überwinden und dabei viel Zeit haben, über ihr Leben nachzudenken. Dabei kommt es auch zu einigen netten Begegnungen mit anderen Menschen, einige davon recht jung, im Alter ihrer Tochter.

Das Buch ist überwiegend aus der Sicht von Eva geschrieben. Eingestreut sind ab und zu kleine Kapitel aus der Sicht von Sophie, Evas Tochter. Sophie hat eine nahe Beziehung zu ihrer Oma, Evas Mutter, doch fühlt sich von ihrer eigenen Mutter seit langem unverstanden und ungesehen. Im Laufe des Buches erfährt man etwas mehr über den Auslöser der Entfremdung der beiden.

Damit komme ich auch schon zu den Stärken und Schwächen dieses Buches. Ich habe sehr gerne von Evas Reise mit dem Fahrrad auf den Spuren des Kranichmädchens gelesen. Diese Teile sind sehr atmosphärisch geschrieben, man begleitet Eva innerlich durch die Natur und auf ihrer Reise. Diese Stellen zu lesen hat etwas Entschleunigendes, Beruhigendes und Entspannendes.

Was hingegen die psychologische Tiefe und insbesondere die Mutter-Tochter-Beziehung angeht, hätte ich mir von diesem Buch mehr erwartet. Eva erlebt zwar, auf körperlicher Ebene über sich hinauszugehen und sie hat viel Zeit zum Nachdenken, doch eine echte Persönlichkeitsentwicklung oder Reflexion eigener Anteile der Entfremdung der Tochter habe ich bei ihr kaum wahrgenommen.

Zwar hat sie Sehnsucht nach der Tochter, vermisst diese und überlegt immer wieder, wie sie die richtigen Worte finden könnte, um diese zu erreichen, doch insgesamt bleibt sie in meiner Wahrnehmung eine sehr selbstzentrierte, um sich kreisende und wenig empathische Persönlichkeit.

Das ist nicht unbedingt dem Buch anzulasten, denn solche Menschen gibt es und tatsächlich ist es gerade beim Phänomen der von ihren erwachsenen Kindern verlassenen Eltern oft so, dass es sich hierbei um wenig reflektierte Eltern handelt, die nicht in der Lage sind, eigene Anteile an der Situation einzugestehen. Insofern ist Eva in dieser Hinsicht sehr authentisch dargestellt, als Leserin hätte ich ein bisschen mehr Einsicht und Persönlichkeitsentwicklung ihrerseits dennoch schön gefunden.

Insgesamt ist es ein ruhiges und naturnahes Buch, das ich insbesondere jenen, die gerne Beschreibungen von Abenteuern in der Natur lesen und keine besonderen Erwartungen an Figurenentwicklung stellen, durchaus empfehlen kann.

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Veröffentlicht am 19.04.2026

Die Verflechtung von Psychoanalyse und Ideengeschichte

Die Couch kennt keine Tabus
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Der Psychiater und Psychoanalytiker gibt in diesem Buch einen spannenden Überblick über die Verflechtungen zwischen Psychotherapie, Psychoanalyse, Philosophie, Religion und Ideengeschichte. Er widmet sich ...

Der Psychiater und Psychoanalytiker gibt in diesem Buch einen spannenden Überblick über die Verflechtungen zwischen Psychotherapie, Psychoanalyse, Philosophie, Religion und Ideengeschichte. Er widmet sich der Frage, wofür Selbsterkenntnis überhaupt gut sein könne und worauf diese in der Menschheitsgeschichte zurückgehe, betrachtet Parallelen zwischen Psychotherapie und Schamanismus und vieles mehr.

Jedes Kapitel beginnt mit einer Falldarstellung, die dann mit verschiedenen Ideen aus dem Gedankenschatz verschiedenster Disziplinen verflochten wird: so geht es etwa um psychische Thematiken, die schon in der Bibel oder in den Mythen der alten Griechen ihre Spiegelungen finden, um Ideen zur Erziehung von Rousseau in der Neuzeit, um griechische Philosophen, Augustus, der für lange Zeit die Richtung der christlichen Religion definierte, andere, die vergessen worden sind, aber auch um Sigmund Freud, C.G.Jung, Breuer, Anna Freud und viele andere. Es ist interessant, wie sich aktuelle Fälle mit so viel humanistischem Wissen verbinden lassen.

Das Buch liest sich unterhaltsam und inspirierend und seine besondere Stärke liegt darin, die Verbindungen zwischen verschiedenen Disziplinen aufzuzeigen und damit deutlich zu machen, wie ein umfassendes, interdisziplinäres Wissen dabei helfen kann, grundlegende Fragen, die die Menschen seit Jahrtausenden beschäftigen, zu analysieren.

Wer sich aber von dem Buch eine konkrete, weiterführende Analyse der Fälle der behandelten Patienten und Patientinnen erwartet, dem würde ich eher andere Werke empfehlen, z.B. jene von Irvin Yalom. Denn hier werden viele der Fälle nur angerissen und den meisten Raum nehmen die ideengeschichtlichen Darstellungen ein, die aber nicht so intensiv mit den Fällen verflochten werden, dass man wirklich verstehen könnte, inwiefern diese nicht nur zu einem analysierenden Verständnis der Thematik, sondern tatsächlich zu einer praktischen Besserung der Symptomatik und zur Heilung der Beschwerden beitragen. Insofern ist es eher ein Buch, das bei der Selbsterkenntnis hilft und die eigene Bildung aufzeigen und erweitern kann, als ein praktisch anwendbares Werk, um die Wirkweisen von Psychotherapie besser zu verstehen.

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Veröffentlicht am 16.04.2026

Schönes Buch für ältere Kinder oder Erwachsene

Du bist mein Anfang
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"Du bist mein Anfang" von Octavie Wolters ist ein wunderschön künstlerisch gestaltetes, philosophisches Buch, in dem es um einen kleinen Hasen geht, der auf der Suche nach dem Frühling durch die Jahreszeiten ...

"Du bist mein Anfang" von Octavie Wolters ist ein wunderschön künstlerisch gestaltetes, philosophisches Buch, in dem es um einen kleinen Hasen geht, der auf der Suche nach dem Frühling durch die Jahreszeiten hoppelt und erlebt, wie alles miteinander verbunden ist. Jede Doppelseite besteht aus künstlerisch sehr ansprechenden schwarz-weiß Schnitten von Hasen in der Landschaft, darunter sind jeweils zwei oder drei Zeilen zum Vorlesen oder Selbstlesen.

Mich als Erwachsene spricht das Buch sehr an und ich finde es wunderschön. Meiner knapp 5-jährigen Tochter habe ich es auch vorgelesen und sie hat interessiert zugehört, allerdings scheint es nicht zu ihren absoluten Lieblingsbüchern zu zählen - dafür sind die Botschaften zu abstrakt und philosophisch und vielleicht auch die Bilder zu wenig bunt und ansprechend für ein Kind in diesem Alter.

Ich würde es also eher als tiefgründiges Geschenkbüchlein für ältere Kinder, Jugendliche oder Erwachsene empfehlen als zum Vorlesen für Kinder im Kindergarten- oder Vorschulalter.

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