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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 27.04.2020

Langsam, aber nicht langweilig

Die Silbermeer-Saga - Der König der Krähen
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Dieses Buch zieht schon durch sein Cover den Blick auf sich. Innen findet man auch noch eine wunderschöne Karte der Inseln – in Farbe! – und hübsche Vignetten, die die Kapitelanfänge verzieren. Leider ...

Dieses Buch zieht schon durch sein Cover den Blick auf sich. Innen findet man auch noch eine wunderschöne Karte der Inseln – in Farbe! – und hübsche Vignetten, die die Kapitelanfänge verzieren. Leider hat die Goldschrift auf dem Buchrücken und auch vorne auf dem Einband fast sofort begonnen sich zu lösen. Mein Buch heißt auf dem Rücken daher jetzt einfach „Der König der Krähen“ und hat leider einen unschönen leeren Fleck in der Mitte.

Inhaltlich kann das Buch dafür auch auf Dauer überzeugen. Die Geschichte entwickelt sich nur langsam, stattdessen wird die Spannung aber von der Sprachkunst der Autorin getragen. Gerade durch die langsame Erzählweise kreiert sie eine sehr intensive Atmosphäre. Gleichzeitig wird die Geschichte dadurch sehr glaubwürdig, denn an einer der Stationen gegen Ende ihrer Reise hält Edda sich unerwartet lange auf, da sie schlichtweg nicht weiß, was sie tun soll, aber eben auch nicht unrealistisch schnell Hilfe von einem Außenstehenden bekommt. Als Protagonistin war sie mir sehr sympathisch. Auf die Charakterisierung der Dorfbewohner zu Beginn des Buches hat die Autorin nicht viel Zeit verschwendet, sie spielen im späteren Verlauf auch keine Rolle mehr. Auf ihren Reisen trifft Edda aber durchaus interessante Figuren. Die wichtigsten Antagonisten zeigen unterschiedliche Facetten, sodass ich hoffe, dass sie alle irgendwann wieder vorkommen. Sprachlich glänzt das Buch auch durch eine der Welt angemessene, konsistente Metaphorik und Redewendungen.

Am Ende wird alles etwas geraffter erzählt und es gibt eine Überraschung, die ich von Anfang an erwartet, zwischendurch aber vergessen hatte, weil die Erzählung sich so lange hinzog. Die Hintergründe dieser Überraschung werden so schnell zusammengefasst, dass sie weniger glaubwürdig sind als der Rest des Buches. Ich habe das Gefühl, dass die Autorin gerne noch einen richtigen Knaller am Ende bringen wollte, angesichts der Länge des Buches aber wenig Platz dafür übrig hatte. Ich finde, dass man bei 600 Seiten auch nochmal 50 Seiten mehr für die sorgfältige Ausarbeitung dieses Stranges hätte investieren können. Eine gute Alternative wäre auch gewesen, das in den zweiten Band zu verschieben, denn das Buch bietet genug interessante Handlung.

Ich könnte mir zwar vorstellen, dass viele Leser die Geschichte als langatmig empfinden, für mich ist die Saga aber eine alles in allem gelungene Geschichte mit nordischen Elementen, aber noch viel mehr eigener Fantasie. Die interessantesten Dinge, der Herr der Krähen und die Alte Sprache bleiben im ersten Band leider nur angedeutet, sodass „Der König der Krähen“ eigentlich ein passenderer Untertitel für den zweiten Band gewesen wäre – vorausgesetzt, dass er in diesem dann endlich vorkommt. So habe ich aber wenigstens einen Grund, mich auf die Fortsetzung zu freuen.

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 16.04.2020

Fürchterlich geschrieben

Der freie Hund
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Achtung: Diese Rezension enthält Spoiler!

Zunächst zu den positiven Dingen: Ich lese sehr gerne Krimis, die in Regionen spielen, die ich interessant finde. Da brauche ich auch nichts Anspruchsvolles. ...

Achtung: Diese Rezension enthält Spoiler!

Zunächst zu den positiven Dingen: Ich lese sehr gerne Krimis, die in Regionen spielen, die ich interessant finde. Da brauche ich auch nichts Anspruchsvolles. Dieses Buch versprach aber auch noch eine aktuelle sozialkritische Komponente, denn es geht um den Schaden, den Venedig aufgrund von Tourismus nimmt, v.a. durch Kreuzfahrtschiffe. Eigentlich vielversprechend. Der Anfang hat mir auch tatsächlich gut gefallen, Morellos grummelige Innenansicht war mir sehr sympathisch. Mir ist nur schon früh negativ aufgefallen, dass er alle paar Seiten „Cazzo“ sagt und mit anderen italienischen Ausdrücken um sich wirft, die nur teilweise übersetzt werden. Vor allem aber war es die Häufung von „Cazzo“, die mich zunehmend gestört hat. Und hier gehe ich nun zu meiner Kritik über.

Die Charakterisierung der Figuren hat mir überhaupt nicht gefallen. Morellos Verhalten ist gekennzeichnet durch Angeiern von Frauen jeden Alters und maßlose Selbstüberschätzung. Überall wittert er die Mafia, oft ohne jeden Anhaltspunkt. Die Autoren wollten ihn offensichtlich besonders cool machen, was sich auch im Schreibstil mit den kurzen Sätzen spiegelt. Das ist ihnen nicht gelungen. Er soll wie ein charmanter Frauenheld wirken, aber er ist nur ein bemitleidenswerter schmieriger alter Mann, was die Lektüre sehr unangenehm macht. Die anderen Figuren sind eine Ansammlung von Klischees und Skurrilität, z.B. der Sexist Mario oder die Pathologin, die von toten Körpern angemacht wird. Soll ich darüber lachen?

Was die Handlung angeht, tritt der eigentliche Fall völlig in den Hintergrund. Die Geschichte strotzt vor Logikfehlern: unsinnige Lokalbesuche, nicht nachvollziehbare heftige Reaktionen auf harmlose Aussagen, ohne jeden Grund enthält Morello Teilen seines Teams willkürlich Ermittlungsergebnisse vor. Von Ermittlungen kann man kaum sprechen, denn man legt hier mehr Wert auf Anekdoten und das Leben drumherum als auf spannende Handlung. Morello trinkt öfter einen Espresso doppio, als dass er tatsächlich über seinen Fall nachdenkt. Eine impulsive Entscheidung jagt die nächste: Gerade verführt er noch die Nachbarin, die er seit einer Stunde kennt, in der Küche – wohlgemerkt, obwohl er die ganze Zeit von traumatischen Erinnerungen an eine andere Frau gequält wird –, da fliegt er schon zurück nach Palermo, weil seine Mutter krank ist, obwohl er dort in akuter Lebensgefahr schwebt und einen Mord aufzuklären hat. Zu alledem kommt ein so stumpfer Humor, dass er die Handlung gänzlich verdrängt und völlig unglaubwürdig macht, vor allem der Handlungsstrang mit dem Dieb, den Morello am Anfang festnimmt. Die Absurdität wird schnell unerträglich und so habe ich nach der Hälfte die Lektüre abgebrochen.

Als ich ein wenig über das Buch recherchiert habe, bin ich auf etwas Seltsames gestoßen: In einer anderen Rezension wurde eine Auseinandersetzung zwischen den beiden Autoren und der Journalistin Petra Reski, die viel zu Mafia publiziert und in Venedig lebt, geschildert. Es steht der Vorwurf im Raum, dass die beiden Autoren viel von Frau Reski abgeschrieben (dabei auch noch Fehler gemacht) haben. Ich möchte hier keine langen Zitate oder Links posten, aber es ist nicht schwierig, die Sache zu recherchieren, wenn man mehr wissen möchte. Ich empfehle auf jeden Fall, den Blog von Petra Reski zu besuchen, wo sie ihre Sicht der Dinge detailliert darlegt. Es ist hier nicht leicht zu beurteilen, wer Recht hat, und ich möchte auch ehrlich gesagt nicht noch mehr Zeit auf dieses „Buch“ verschwenden, aber was mich als Leser vor allem verunsichert, ist der Umgang des Verlags mit diesem Problem. Es gibt eine Presseerklärung, ebenfalls problemlos online zu finden, und diese finde ich eines seriösen Verlags nicht würdig. Mit Formulierungen wie „nebulöse Vorwürfe“ ist die Ausdrucksweise sehr unsachlich und fördert nicht die Lösung des Konfliktes. Dass KiWi zunächst seine Autoren in Schutz nimmt, ist klar, aber man scheint hier überhaupt nicht an einer Klärung interessiert zu sein, sondern nur daran, einen schlechten Roman an den Mann zu bringen. Erstaunlicherweise hat das auch funktioniert, denn das Buch hat es im März auf die Spiegel-Bestsellerliste geschafft, sogar auf den ersten Platz. Tatsächlich hat der Roman eine eigene Homepage; man hat sich offensichtlich sehr viel von dieser Publikation versprochen, was ich überhaupt nicht nachvollziehen kann, denn KiWi hat so viele gute Bücher, aber dieses ist sicher keins davon.

Mein Gesamteindruck ist, dass sich hier alle Beteiligten sehr wenig Mühe gemacht haben und das haben Leser nicht verdient. Mit 16-Euro-Broschur gehört der Krimi nämlich auch nicht zu den günstigen Büchern. In meiner Bewertung wäre ich auf zwei Sterne gekommen, aber aufgrund dieses undurchsichtigen Konfliktes ziehe ich noch einen ab. So ein Drama braucht kein Mensch, schließlich gibt es massig andere geniale Italien-Krimis, mit denen man sich die Zeit vertreiben kann.

Veröffentlicht am 13.03.2020

Genial, wenn man über den zähen Anfang hinwegkommt

Das neunte Haus
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Das neunte Haus verbindet die amerikanischen Studentenverbindungen mit alter und mächtiger Magie. Alex Stern, die Geister sehen kann, hat ein Stipendium der besonderen Art für Yale bekommen und muss als ...

Das neunte Haus verbindet die amerikanischen Studentenverbindungen mit alter und mächtiger Magie. Alex Stern, die Geister sehen kann, hat ein Stipendium der besonderen Art für Yale bekommen und muss als Mitglied der Studentenverbindung Lethe die magischen Rituale der anderen Verbindungen streng überwachen. Doch ihr Mentor Darlington ist verschwunden und seitdem läuft einiges schief.

… was habe ich mit diesem Buch gekämpft. Ich hatte bisher noch nichts von Leigh Bardugo gelesen, fand aber die Idee für „Das neunte Haus“ so spannend und innovativ, dass ich es mir geholt habe, ohne auch nur einen Blick hineinzuwerfen. Das schien mir zunächst ein Fehler zu sein, denn es lag gefühlt ewig bei mir herum und ich konnte immer nur ein paar Seiten lesen, bis irgendwo um S. 150 herum endlich der Durchbruch kam. Den Rest habe ich in einer Nacht verschlungen. Und jetzt sitze ich hier und fühle mich betrogen und möchte schreien, weil es auch auf Englisch für den zweiten Band nicht einmal ein Release-Datum gibt.

Es gibt drei Zeitstränge in der Erzählung, Herbst, Winter und Vorfrühling, dazu kommen Erinnerungen an diverse andere Zeiten, die teilweise viele Seiten einnehmen, sodass man sich gedanklich komplett darin verheddert. Die Orientierung in der Handlung ist am Anfang schwer, aber es lohnt sich weiterzulesen, denn zum Ende hin fügt sich alles ganz kunstvoll zu einem Ganzen zusammen und es gelingt der Autorin tatsächlich bis zum Ende die Spannung aufrechtzuerhalten. Die fantastischen Elemente werden durch bekannte Namen wie Hiram Bingham und Anbindung an tatsächliche Ereignisse gelungen in der Realität verankert. Alex ist als Protagonistin originell und authentisch. Es wirkt zunächst so, als hätte die Autorin nur versucht möglichst edgy und düster zu sein, aber wenn man über die zähen ersten Seiten hinwegkommt, sieht man, dass Alex kein Stereotyp ist. Mit der Zeit wird sie einem sogar sympathisch und es tut einem Leid, dass man sich über sie geärgert hat. Die Rituale der Verbindungen sind recht düster und es gibt explizite Beschreibungen von Gewalt, vulgäre Sprache und Drogenmissbrauch. Ich hatte aber das Gefühl, dass jede schlimme Szene von der Autorin mit Bedacht eingesetzt wird und notwendig ist, um genau dieses Buch zu schreiben.

Leider muss ich - wie so oft - empfehlen das Buch im Original zu lesen, wenn man es sich zutraut. Die Übersetzung ist nicht schlecht, aber immer wieder scheint das englische Original durch. Einige sprachliche Nuancen wurden offenbar nicht verstanden, oft werden feste Ausdrücke aus dem Englischen wörtlich übersetzt, obwohl sie im Deutschen nicht üblich sind. Ein Beispiel: „[D]ie Droge sollte in etwa zwölf Stunden aus deinem System sein.“ (S. 216) Oder „das ist es“ (S. 329) für „that’s it“ im Sinne von „das war’s“. Oft wirkt es auch so, als wäre das Tempus nicht ganz richtig übersetzt worden, was aber ohne das Original schwer zu sagen ist.

Das Ergebnis ist sehr gut gelungene Urban Fantasy, die erfrischend düster ist, ohne zu gewollt zu wirken. Klare Empfehlung für alle, die Fantasy mögen, aber Lust auf etwas Originelles haben und vor expliziter Gewaltbeschreibung nicht zurückschrecken.

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 26.02.2020

Identität, Heimat und das allergrößte Glück

Goodbye, Bukarest
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Astrid Seeberger wächst in dem Glauben auf, dass ihr Onkel Bruno im Zweiten Weltkrieg, wo er in Hitlers Luftwaffe diente, gefallen ist, denn so hat es ihr ihre Mutter erzählt. Erst nach deren Tod erfährt ...

Astrid Seeberger wächst in dem Glauben auf, dass ihr Onkel Bruno im Zweiten Weltkrieg, wo er in Hitlers Luftwaffe diente, gefallen ist, denn so hat es ihr ihre Mutter erzählt. Erst nach deren Tod erfährt Astrid, dass dem nicht so ist. Bruno ist nicht gefallen, nur verschollen, und ihre Mutter scheint sich in ihren letzten Lebensjahren auf die Suche nach ihm gemacht zu haben. Astrid, die vor langer Zeit Deutschland für ihre Wahlheimat Schweden den Rücken gekehrt hat, u.a. weil sie nicht mit einem Land assoziiert werden wollte, das für die Gräueltaten des Zweiten Weltkriegs verantwortlich war, kann sich dem Wunsch, sich selbst auf die Suche nach Bruno zu begeben, nicht entziehen und setzt an, wo ihre Mutter nicht mehr weitergekommen ist. Von Rückschlägen lässt sie sich nicht entmutigen, zumindest nicht so weit, dass sie aufgeben würde, auch wenn sie nicht genau sagen kann, warum die Sache für sie so wichtig ist. Der Weg zu Bruno führt sie schließlich quer durch die Geschichte und drei Diktaturen zu einem unerwarteten Ziel.

Der ausnahmsweise gut gelungene Klappentext verrät eines nicht, nämlich, dass dieses Buch autobiographisch ist. Ich gebe zu, dass ich normalerweise diese Bücher mit der Aura „tiefsinnige Literatur, in der es irgendwie um nichts geht“ eher meide. Oft fühle ich mich von ihrer Falschheit peinlich berührt, wenn spürbar ist, dass sich der Autor zu sehr bemüht hat etwas ganz Bedeutendes zu schreiben, als könnte es er nicht ertragen mit der Masse assoziiert zu werden. Ich denke, der Grund dafür, dass dieses Buch mich so berührt hat, liegt auch darin, dass die Autorin über etwas geschrieben hat, das sie selbst erlebt hat. Sie musste sich nichts ausdenken, daher bestand auch wenig Gefahr, dass es unaufrichtig klingen würde. So habe ich dann das Buch in einem Rutsch gelesen, ohne es zu bemerken. An keiner Stelle habe ich mich gelangweilt oder musste mich zum Weiterlesen zwingen.

Trotz des autobiographischen Charakters ist Astrid selbst nur die Rahmenerzählung, denn tatsächlich geht es in dem Buch um ihren Onkel Bruno, den man sich zunächst als stumpfen Soldaten vorstellt, der von den Nazi-Idealen überzeugt ist. Es muss schließlich einen Grund gegeben haben, warum Astrids Mutter ihn für tot erklärte. Schnell merkt man aber gemeinsam mit Astrid, dass ihr Onkel einige ganz bemerkenswerte Eigenschaften hat, dass er viele Menschen in seinem Leben berührt und selbst viel Leid erlebt hat. Aus der Sicht dieser Menschen, denen er begegnet ist, wird im Wesentlichen seine Geschichte erzählt, teils im Gespräch mit Astrid, teils als erinnerte Erzählung, die in den Worten der Autorin so lebendig wird, als sei man selbst mit Bruno an den Orten, an denen er sein Leben verbracht hat.

Dass Astrids Leben nur den Rahmen für Brunos Geschichte liefert, bedeutet jedoch nicht, dass es den Leser kalt lässt. Mich hat es sehr berührt, wie sie über ihren Lebensgefährten geschrieben hat und über ihre Sehnsucht nach ihm auf ihren Reisen. Insgesamt handelt das Buch davon, „dass wir in einem Netz von Beziehungen leben. Und dass wir erst in einer Beziehung wirklich lebendig werden“ (S. 83). Menschen können einander die Hölle auf Erden bereiten – oder das Paradies.

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 10.02.2020

Wahnsinnig schön illustriertes polnisches Sachbuch

Ausgestorben - Das Buch der verschwundenen Tiere
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Die größte Überraschung vorab: dieses Buch ist aus dem Polnischen übersetzt worden und ich finde es wichtig, das hervorzuheben, weil ich z.B. mich nicht erinnern kann, wann ich zuletzt ein polnisches Buch ...

Die größte Überraschung vorab: dieses Buch ist aus dem Polnischen übersetzt worden und ich finde es wichtig, das hervorzuheben, weil ich z.B. mich nicht erinnern kann, wann ich zuletzt ein polnisches Buch gelesen habe. Somit erinnert dieses Buch an das, was man intuitiv natürlich wusste, worüber man aber vielleicht nicht nachgedacht hat: dass nämlich auch in Polen fantastische Kinderbücher geschrieben und gestaltet werden, die so gut sind, dass sie unbedingt in andere Sprachen übersetzt werden müssen.

Das Buch ist dünn, kommt aber in einem überraschend großen Format (28,5 x 1,2 x 34,5 cm) daher und kann wunderbar als Prachtstück einer Sammlung im Regal ausgestellt werden, weil dieses Cover einfach so gut gelungen ist. So gut gelungen tatsächlich, dass man es auch immer wieder anfassen möchte. Wirklich toll! Schon hier zeigt sich der Humor der Illustratoren in den Gesichtsausdrücken der abgebildeten Tiere, der mich während des Lesens immer wieder zum Lachen gebracht hat. Was ich ganz besonders toll finde: Die witzigen Illustrationen sind gleichzeitig wunderschön und edel und nicht etwa schlicht oder comichaft. Die Farbpalette finde ich äußerst passend gewählt; das Buch ist ausschließlich in warmen Tönen illustriert, ohne monochrom zu wirken. Es wird kaum weißer Hintergrund gelassen, das Buch ist wirklich komplett bunt - einfach rundum optisch ansprechend.

Auch inhaltlich kann es auf voller Linie überzeugen. Es beginnt mit einem Stammbaum der Evolution der Landwirbeltiere, der zwar vereinfacht, aber trotzdem hilfreich und gerade in dieser reduzierten Form kindgerecht ist. Darauf folgt ein chronologischer Querschnitt durch alle möglichen Arten von ausgestorbenen Lebewesen, von den ersten Amphibien, die aussehen, als wüssten sie selbst nicht genau, was sie denn nun an Land mit sich anfangen sollen, über Dinosaurier und Flugsaurier, Megafauna, ausgestorbene Primaten bis hin zu erst vor kurzem ausgestorbenen Tieren wie dem Dodo und dem Tasmanischen Wolf. Am Ende des Buches werden Tierarten wie der Tiger vorgestellt, von denen einige Unterarten ausgestorben, andere bedroht sind, man findet auch eine allgemeine Übersicht über aktuell bedrohte Arten. Erfreulicherweise werden auch verschiedene Gründe für das Aussterben von Tierarten thematisiert. Wo Interaktion mit dem Menschen oder mit von ihm eingeschleppten fremden Arten eine Rolle spielte, kommt auch diese zur Sprache.

Zum Thema Sprache: Das Buch wird ab 8 empfohlen, was ich gerade noch angemessen finde, da Sätze vorkommen wie „Das Museum kann sich der größten Dinosaurierfossiliensamlung rühmen.“ (S. 37) Ich denke aber, dass sogar kleinere Kinder schon Freude an diesem Buch und seinen lustigen, schönen Bildern haben und es mit den Jahren immer wieder neu lesen und noch mehr verstehen können. Eine wundervolle Lektüre, um (nicht nur!) Kinder an eine interessante Thematik heranzuführen, auch sehr empfehlenswert als Geschenk!

  • Cover
  • Erzählstil