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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 03.08.2020

Ein Kochbuch für alle

Vegan! Das Goldene von GU
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Kochbücher und ich haben eine etwas schwierige Beziehung. Ich liebe sie, bin schnell begeistert vom Design, dem Konzept, dem Cover - aber, wenn ich sie dann in der Hand halte, finde ich wenig Rezepte, ...

Kochbücher und ich haben eine etwas schwierige Beziehung. Ich liebe sie, bin schnell begeistert vom Design, dem Konzept, dem Cover - aber, wenn ich sie dann in der Hand halte, finde ich wenig Rezepte, die ich tatsächlich ausprobieren will. Entweder ist nichts Neues drin oder die Rezepte sind einfach nicht mein Fall. Diese Gefahr besteht, so denke ich, bei diesem Kochbuch nicht. Es ist etwa doppelt so dick wie ein Durchschnittskochbuch und voll mit Rezepten, sortiert nach sinnvollen Kategorien und mit Zutatenglossar hinten.

Ein besonderes Kapitel widmet sich der veganen Interpretation beliebter „Küchenklassiker“. Hier finden sich nicht nur Gerichte wie Lasagne und Gulasch, sondern auch Anleitungen, wie man Zutaten, die Grundlage sehr vieler Rezepte sind, vegan nachmachen kann, z.B. Mozzarella aus Soja oder Feta aus Mandeln. Rezepte für weitere Grundzutaten finden sich zu Beginn des Kochbuches. Nuss- oder Hafersahne sowie Cashewjoghurt sind geschmacklich eine viel bessere Alternative als viele denken würden. Hier lohnt es sich, eventuelle Skepsis zu überwinden und sie einfach mal zu probieren, wenn man der veganen Ernährung eine Chance geben will. Genauso leicht ist es aber, die Rezepte von GU als Inspirationsgrundlage zu begreifen. Wer Tofu partout nicht mag, kann es einfach weglassen oder durch Fleisch ersetzen. Wer aber wirklich gerne vegan leben will und dafür Rezepte und Anregungen braucht, die sie oder ihn auf längere Zeit und von morgens bis abends versorgen können, findet hier buchstäblich (wegen des strahlenden Covers) eine Goldgrube.

Was mich bei diesem Kochbuch vor allem überzeugt hat, war, dass es so weitgehend frei von Ideologie und besonderem Lifestyle ist (wenn man mal davon absieht, dass es eben ein Kochbuch speziell für vegane Ernährung ist). Es ist schlicht in dem Sinne, dass hier wirklich die Rezepte im Vordergrund stehen. Wie man sich bei Pinterest-Links oft durch die gesamte Familiengeschichte scrollen muss, bis man endlich irgendwo zwischen Familienplanung und fragwürdigen Beziehungsanekdoten das verdammte Rezept für die Kartoffeltaschen findet, das man seit 5 Minuten sucht, so reichern auch AutorInnen von Kochbüchern ihre Rezepte gerne mit Informationen darüber an, was denn z.B. „ihre Jungs“ am liebsten essen oder wie man den Partner, der gefühlt nur Fleisch, Ketchup und Fritten isst, austricksen kann, damit ihm auch das Gemüse schmeckt. Hier gibt es keine derartigen Nebenhandlungsstränge über das Familienleben der Autorin, keine ganzseitigen Fotos von schlecht in Szene gesetzten Zutaten, kurz: kein „Gelaber“. Neben Zubereitungszeit, Portionen- und Kalorienangaben findet man dafür - gerade für Veganer sehr wichtig - Angaben zum Protein-, Fett- und Kohlenhydratgehalt der einzelnen Gerichte. Zu Beginn werden auch gesundheitliche Bedenken, die im Zusammenhang mit veganer Ernährung immer wieder geäußert werden, thematisiert und relativiert.

Das Kochbuch kann ich also eigentlich bedenkenlos weiterempfehlen. Hier sollte für jeden etwas drin sein, egal, mit welchen Vorstellungen man reinschaut.

Veröffentlicht am 27.07.2020

Ich bin verliebt

Expedition Natur: WILD! Die Wildkatze
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Dieses Buch hat ein sehr überzeugendes Konzept: Es ist halb Erzählung, halb Sachbuch. Im Erzählteil muss eine Wildkatzenmama ein neues Zuhause für ihre Kätzchen finden. Unterwegs wird die Familie mit allen ...

Dieses Buch hat ein sehr überzeugendes Konzept: Es ist halb Erzählung, halb Sachbuch. Im Erzählteil muss eine Wildkatzenmama ein neues Zuhause für ihre Kätzchen finden. Unterwegs wird die Familie mit allen möglichen Gefahren konfrontiert, mit denen sich echte Wildkatzen auseinandersetzen müssen. Begleitet wird der Text von wunderschönen realistischen Schwarzweiß-Illustrationen. Im Sachbuch-Teil werden alle Fakten, die man aus der Erzählung schon mitgenommen hat, nochmal geordnet und ausführlicher präsentiert mit vielen Fotos und Infokästen, einer Karte vom Verbreitungsgebiet der Wildkatzen, einem Pfotenabdruck in Originalgröße und viel mehr. Ausführlich wird u.a. erklärt, was Wild- von Hauskatzen unterscheidet, wie ihr Jagdverhalten aussieht und was der Mensch für sie tun kann. Eine Doppelseite ist sogar dem Leben der Hauptnahrungsquelle der Wildkatzen gewidmet: den Mäusen.

Das Buch vermittelt auch komplexe Sachverhalte in einfachen Sätzen. Mir hat gefallen, dass nichts beschönigt wird. Schon in der Erzählung wird man mit dem unschönen, detailliert beschriebenen Schicksal einer unglücklichen Maus konfrontiert. Das gehört dazu und kann meiner Meinung nach Kindern nicht schaden. Wer Hauskatzen hat, weiß, dass auch diese manchmal gerne Beute mitbringen. Katzen sind Jäger, daran kann man nichts ändern.

Dieses Buch macht es sehr leicht, schon früh ein Bewusstsein für Umwelt- und Tierschutz zu fördern. Es ist unmöglich, die Wildkatze (Buch wie Tier) nicht zu lieben. Schon das Cover zieht einen in seinen Bann und auf jeder Seite können Groß und Klein zusammen entdecken und staunen. Ich werde mir auch das andere Buch über den Steinkauz kaufen und hoffe, dass der Verlag noch viele weitere Bücher in dieser Reihe herausbringt!

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 27.07.2020

Percy Jackson, nur mit Maya

Zane gegen die Götter, Band 1: Sturmläufer
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Auf dieses Buch habe ich mich wirklich gefreut, denn es bietet endlich mal wieder ein originelles Setting und dann auch noch die Maya. Vielleicht hatte ich aber gerade deswegen zu hohe Erwartungen an das ...

Auf dieses Buch habe ich mich wirklich gefreut, denn es bietet endlich mal wieder ein originelles Setting und dann auch noch die Maya. Vielleicht hatte ich aber gerade deswegen zu hohe Erwartungen an das Buch. Ein Zeichen dafür, dass es diese vermutlich nicht würde erfüllen können, war schon die Tatsache, dass es so stark als Empfehlung von Rick Riordan beworben wurde, als wäre es nicht gut genug, um für sich allein zu sprechen. Wie stark der Bezug zum Percy Jackson-Autor ist, wird einem aber erst klar, wenn man das Buch dann in der Hand hält und sieht, dass Rick Riordan sogar ein Vorwort zu der Reihe geschrieben hat. Offenbar ist die englische Version im Imprint „Rick Riordan Presents“ erschienen; für mich als deutsche Leserin, die davon nichts weiß, wirkt es aber, als würde ich Fanfiction in der Hand halten und kein eigenständiges Buch, auch wenn die Geschichte in einer ganz anderen Welt spielt als die Bücher von Riordan. Es ist, als hätte die Autorin nur ein Percy Jackson-Template mit eigenen Figuren und Maya-Mythologie aufgefüllt - die Parallelen sind frappierend. Alleinerziehende Mutter, besondere Schule (warum eigentlich? Zanes neue Schule spielt im weiteren Verlauf des Buches keine Rolle) und Behinderung als Zeichen von halbgöttlicher Abstammung sind nur einige Beispiele.

Leider kann ich mir nicht vorstellen, dass diese Reihe auch nur annähernd so erfolgreich wird wie Percy Jackson. Der Erzählstil ist einfach nicht gut genug. Das Buch ist durchzogen von quälend langweiligen Passagen, teilweise hat man das Gefühl, man hat die jeweilige Szene schon mal erlebt, und wenn etwas Spannendes passiert, kann man nur schwer mit den Figuren mitfühlen. Insgesamt setzt die Autorin mehr auf Spaß als auf Tiefe, wobei der Humor mit seinen coolen Sprüchen an das jugendliche Publikum angepasst ist. Seltsam finde ich, dass die zahlreichen spanischen Ausdrücke und Sätze mit teilweise nicht trivialem Inhalt nicht übersetzt werden. Die Zielgruppe des Buches kann in der Regel noch kein Spanisch. Gut gefallen haben mir die letzten Sätze des Buches, weil hier eine Verbindung zu den Lesern aufgebaut wird, die gerade Jüngere sicher spannend finden werden.

Ich möchte mich hier nicht über Inkonsistenzen in der Schreibung der Maya-Götternamen oder in der Mythologie selbst auslassen. Die Autorin leitet ihr Glossar auch mit dem Hinweis ein, dass das alles nur ihre Interpretation der Mythen ist, wodurch sie sich geschickt jeglicher Kritik entzieht. Ich finde es aber zumindest wichtig darauf hinzuweisen, dass „Maya“ der korrekte Plural ist, der nicht nur von Fachleuten, sondern auch allgemein verwendet wird; „die Mayas“ ist bestenfalls ungewöhnlich. (Dieser Kritikpunkt geht aber an die Übersetzerin, nicht die Autorin.) Ein nettes Feature ist, dass die Kapitel jeweils mit arabischen und mit Maya-Zahlen (einem System aus Punkten und Strichen) nummeriert sind - eine schöne Idee, von der jedoch die Leser nicht viel haben, wenn das Maya-Zahlensystem nirgendwo erklärt wird.

Ich denke, dass Zane das Richtige für Fans von Percy Jackson ist, vielleicht auch für Kinder, die sonst nicht viel lesen. Als Fan von Maya-Mythologie hat man (noch) nicht viel Auswahl, was Fantasyromane angeht, aber wirklich empfehlenswert finde ich dieses Buch da auch nicht. Man hat nach der Lektüre auch nicht wirklich ein umfassendes Bild von der Götterwelt der Maya gewonnen, aber es ist ein Anfang und kann sicher bei vielen Interesse für diese spannende und im Schulunterricht unterrepräsentierte Kultur wecken.

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 23.06.2020

SEHR dunkles Lavandou

Dunkles Lavandou
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Das war mein erstes Buch mit Leon Ritter und es ist erfreulicherweise problemlos ohne Vorkenntnisse lesbar, denn die wichtigen Details werden geschickt hier und da eingestreut. Mich hat an der Leseprobe ...

Das war mein erstes Buch mit Leon Ritter und es ist erfreulicherweise problemlos ohne Vorkenntnisse lesbar, denn die wichtigen Details werden geschickt hier und da eingestreut. Mich hat an der Leseprobe schon die leichte Erzählweise des Autors fasziniert. Als Leon Ritter über den Markt schlendert und provenzalische Köstlichkeiten einkauft, kann man die Aromen geradezu riechen, man hat fast das Gefühl selbst mit ihm dort zu sein. Den Punkt Lokalkolorit erfüllt der Krimi also zu 100%.

Neben dem Rechtsmediziner Leon Ritter, nach dem die Reihe benannt ist, verfolgt man die Ermittlungen auch aus der Sicht seiner Lebensgefährtin Isabelle Morell. Dadurch verbinden sich die Perspektiven von Rechtsmedizin und Polizei zu einem sehr spannenden Fall. Was mich allerdings gewundert hat, war, dass besonders am Anfang nur seichte Alltagsinteraktion zwischen den beiden stattfand und so gut wie eine Gespräche über den tatsächlichen Fall. Weitere Dinge, die mich gewundert oder enttäuscht haben:

1. Leon vertraut sich, wohl aus einem seiner berühmten Impulse heraus, die ihn schon bei den Obduktionen immer in die richtige Richtung führen, einem Fremden an und teilt Bilder und Details des Falls mit diesem, was der Polizei sicher nicht recht wäre.
2. Auf S. 230 wird als gemeinsames Merkmal aller Opfer erwähnt, dass sie blond sind, eins davon wird aber zuvor explizit (S. 90) als dunkelhaarig beschrieben.
3. In einer Szene (S. 249) will Leon eigentlich schnell zu Isabelle, trinkt aber vorher noch etwas im Café.
4. Die bunte Karte vom Gebiet vorne war eine schöne Idee, aber nur bedingt nützlich, weil einige Orte darauf fehlen.
5. Bei den französischen Ausdrücken und Namen hätte es eines sorgfältigeren Lektorats bedurft. „Ta gueule“ wird auf S. 109 zu „Ta geule“. Notre Dame des Anges kriegt gleich zwei kreative Schreibweisen, „Notre Dame des Ange“ (S. 189) und „Notre Dame de Anges“ (S. 190). Bormes-les-Mimosas steht mal mit Bindestrichen, mal ohne (S. 333). Dazu kommen kleine Fehler wie „En arriere“ (S. 148) mit fehlendem accent grave auf arrière. Viele werden das einfach überlesen, aber wer Französisch kann, stolpert darüber.
6. Und schließlich enttäuscht auch das Ende. Ich war von dem Buch so begeistert, dass ich noch mit einem letzten intelligenten und unerwarteten Twist gerechnet habe. Dieser kam aber nicht. Der Mörder war der, den ich schon ganz lange im Verdacht hatte, und am Ende blieben für mich noch einige offene Fragen zum Fall.

Noch ein abschließendes Wort zu den Titeln der Reihe: Auch wenn man Ähnlichkeit bei solchen Reihen gewöhnt ist und auch erwartet, finde ich sie in diesem Fall total verwirrend. Der Titel des Vorgängers, "Mörderisches Lavandou", würde genauso zu diesem Buch passen. Die ersten drei Bände heißen irgendwas mit Lavendel, auch hier sind die Adjektive austauschbar. Lediglich Band 4, "Das Grab unter Zedern", hat einen Titel, der mich anspricht und unter dem man sich auch etwas vorstellen kann.

Trotz alledem war das Buch wahnsinnig spannend, so spannend und stellenweise grausam, dass es fast mehr in Richtung Thriller als Krimi tendiert. Das hat mich aber nicht gestört. Ich empfehle es als Sommerlektüre für alle Krimiliebhaber, die von zuhause aus die Provence besuchen möchten.

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 26.05.2020

Düster, einfühlsam und schockierend - aber insgesamt nur Mittelmaß

DUNKEL
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Die Kriminalpolizistin Hulda Hermannsdóttir fiebert ihrer Pensionierung nicht gerade entgegen. Sie lebt alleine und hat keine nennenswerten Hobbys. Ihre einzige Freizeitbeschäftigung ist das Wandern. Dabei ...

Die Kriminalpolizistin Hulda Hermannsdóttir fiebert ihrer Pensionierung nicht gerade entgegen. Sie lebt alleine und hat keine nennenswerten Hobbys. Ihre einzige Freizeitbeschäftigung ist das Wandern. Dabei hat sie Pétur kennengelernt, mit dem sie sich langsam eine Zukunft vorstellen kann. Dann der Schock: Sie soll schon viel früher als gedacht aufhören und wird durch einen jungen männlichen Kollegen ersetzt. Ganz gnädig erlaubt ihr Chef ihr, sich einen ungelösten Fall auszusuchen, mit dem sie sich zwei Wochen lang beschäftigen darf, bevor sie endgültig den Schreibtisch räumen muss. Hulda sucht sich den unaufgeklärten Todesfall einer russischen Asylbewerberin aus, der vor einem Jahr nach ihrem Geschmack zu leichtfertig von einem inkompetenten Kollegen als Selbstmord abgetan wurde.

Konfrontiert damit, dass ihr Leben sich nun endgültig dem Ende zuneigt und sie bald sehr viel mehr Zeit für sich selbst haben wird, lässt Hulda alle Schicksalsschläge, das ganze Elend ihrer fast 65 Jahre, Revue passieren und hängt in Erinnerungen fest, zugunsten derer sie manchmal die Ermittlungen aufschiebt – schließlich ist die junge Frau bereits tot und niemand sonst scheint an der endgültigen Aufklärung des Falls interessiert zu sein. Zwischendurch gibt es noch Rückblicke in eine frühere Zeit, in der eine junge, alleinerziehende Mutter damit kämpft, sich und ihre kleine Tochter irgendwie durchzubringen. Dieser Strang spielt kaum eine Rolle für die Geschichte, er dient eher der Charakterbeschreibung und war aber nicht so spannend oder gut geschrieben, dass man nicht auf ihn hätte verzichten können. Ich hätte es eleganter gefunden, wenn man die Erkenntnisse daraus in den Haupterzählstrang integriert hätte. Nach einiger Zeit setzt noch ein dritter Erzählstrang ein, der tatsächlich etwas zur Geschichte beiträgt und eine kleine Überraschung birgt. Diese war sehr gelungen.

Angerissen werden diverse sozialkritische Themen wie Selbstjustiz und verschiedene Definitionen von Gerechtigkeit, die schwierige Situation von Asylsuchenden, die Benachteiligung von Frauen in Männerdomänen. Es gibt viele Verdächtige, Red Herrings werden gezielt und erfolgreich gestreut. Huldas zugegebenermaßen stellenweise sehr verbitterten Gedanken könnten für manche Leser zu negativ sein, für manche auch schlichtweg uninteressant – ich fand sie gut geschrieben und habe mit ihr mitgefühlt. Bis hierhin hätte das Buch mindestens vier Sterne verdient. Und dann… kommt das Ende. Ich kann hier natürlich nichts verraten, aber das ist vielleicht das überraschendste Ende eines Krimis, das ich je gelesen habe. Ob ich den Twist gelungen oder unpassend fand, weiß ich immer noch nicht, aber ich habe jedenfalls kein Interesse daran, weitere Bände über Hulda zu lesen, was das Buch für mich irgendwie zur Eintagsfliege macht.

Einige Worte noch zur Übersetzung: Dass der Roman über einen Umweg aus dem Englischen übersetzt wurde und nicht direkt aus dem Isländischen ist eine Schande, wo wir so gute isländische Übersetzerinnen haben wie Coletta Bürling oder Tina Flecken. Erstaunlicherweise ist der Übersetzungsprozess dennoch gelungen, es fallen keine offensichtlichen Fehler auf und der isländische Charakter des Buches geht nicht verloren, was sicher der Kompetenz der jeweiligen Übersetzer zu verdanken ist. Was verloren geht, sind leider die sprechenden Namen. Einer davon wird übersetzt, allerdings nur, weil im Buch selbst angesprochen wird, dass er zu der entsprechenden Person passt. Auch Hulda hat einen sprechenden Namen. Das Wort bedeutet auf Altnordisch und Isländisch so viel wie ‚Verhüllung, Schleier‘ und suggeriert Geheimnisse, etwas, das im Verborgenen bleibt – diese Symbolik geht aber für die deutschen Leser ohne eine Anmerkung leider verloren.

Mein Fazit: Sehr düster, eine gute Lektüre zum Einmallesen, aber mit diesem Ende kann ich nicht mehr als drei Sterne geben.

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere