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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 24.05.2021

Packender Podcast-Thriller

Der Countdown-Killer - Nur du kannst ihn finden
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True Crime boomt gerade, egal ob auf Youtube, Blogs oder in Form von Podcasts. Auch die Protagonistin dieses Buches, Elle Castillo, hat einen True-Crime-Podcast. In der neuesten Folge versucht sie, den ...

True Crime boomt gerade, egal ob auf Youtube, Blogs oder in Form von Podcasts. Auch die Protagonistin dieses Buches, Elle Castillo, hat einen True-Crime-Podcast. In der neuesten Folge versucht sie, den Fall des sogenannten Countdown-Killers neu aufzurollen, der nach einem besonderen Muster vorging und nie gefasst werden konnte. Und dann verschwindet erneut ein Mädchen - ist der Killer zurück und führt seinen grausigen Countdown fort?

Das Besondere an diesem Buch ist: Es gibt einen dazugehörigen Podcast, der z.B. über die Verlagswebseite aufrufbar ist. Darin kann man sich parallel zur Lektüre Elles Podcast-Folgen anhören. Ich persönlich bin kein Riesenfan von Podcasts, finde aber, dass hier der Ton gut getroffen wurde und dies dazu beiträgt, die Spannung weiter anzufeuern.

Bei dem Fall selbst hat mir dagegen leider das Besondere gefehlt, auch wenn ich die Ermittlung mit Spannung verfolgt habe. Elles private Interaktionen haben mich aber, wie das oft bei Krimis und Thrillern der Fall ist, eher genervt und von der eigentlichen Handlung abgelenkt. Dazu finde ich, dass die Einblicke, die man in das Innenleben des Täters bekam, zu früh einsetzten und dafür zu wenig erklärten. Es wirkte so, als solle hier ein komplexes psychologisches Profil entworfen werden, das erklärt, warum ein eigentlich ganz armer Mensch ganz böse Dinge tut. Meine Empathie und Verständnis halten sich aber bei diesem armen Würstchen in Grenzen.

Ein multimedialer Thriller - vielleicht ein Zukunftsformat? Wäre interessant!

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 24.05.2021

Bedrückend

GIRL A
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Alexandra ist Girl A. Mit 15 gelang ihr die Flucht aus ihrem Zuhause, wo sie von ihren Eltern ans Bett gefesselt und vernachlässigt wurde. In Folge ihrer Flucht konnten auch ihre Geschwister aus dem Haus ...

Alexandra ist Girl A. Mit 15 gelang ihr die Flucht aus ihrem Zuhause, wo sie von ihren Eltern ans Bett gefesselt und vernachlässigt wurde. In Folge ihrer Flucht konnten auch ihre Geschwister aus dem Haus gerettet werden. Nun ist Alexandra erwachsen und eine erfolgreiche Anwältin in den USA, die zu ihren Geschwistern wenig Kontakt hat. Doch dann stirbt ihre Mutter im Gefängnis und Alexandra muss nach England zurückkehren, um den Nachlass zu regeln. Ist sie ihrer persönlichen Hölle jemals ganz entflohen?

Das Buch beginnt mit Alexandra, widmet aber jedem ihrer Geschwister einen eigenen Abschnitt, in dem Alexandra sie wiedersieht und man erfährt, was diese seit der Rettung erlebt haben. Jeder von ihnen wurde adoptiert, ist aber auf die eine oder andere Weise durch die Vergangenheit tief gezeichnet. Lediglich einer ist durch ganz spezielle Umstände in der Lage, ein normales Leben zu führen. Durch die Auseinandersetzung mit den Geschwistern setzt sich auch das Leben der Kinder unter ihren schon immer strengen, aber nicht von Anfang an psychotischen Eltern aus vielen Puzzlesteinchen letztlich zu einem fast vollständigen Bild zusammen. Einige kleine Fragen bleiben offen. Der mysteriöse „ungewöhnliche“ Ansatz, mit dem Alexandra von ihrer Psychologin behandelt wurde, dient einer großen Offenbarung am Ende des Buches, die Motivation der Psychologin blieb für mich aber undurchsichtig und das Ganze daher nicht so glaubwürdig.

Es tut einem Buch nicht gut, wenn es im Vorfeld zu sehr gelobt wird. Das weckt überirdische unspezifische Erwartungen, die vermutlich die wenigsten Werke tatsächlich erfüllen können. Dieses Buch ist kein „moderner Klassiker“ und auch nicht „Der wichtigste Thriller seit Gone Girl“, wie es auf der Rückseite beworben wird. Es ist ein überdurchschnittlich gut geschriebener, aber ansonsten nicht herausragender Roman. Ein bedrückendes Buch, nach dessen Lektüre ich persönlich nicht davon ausgehen würde, dass man den schlimmen Dingen entfliehen kann, die man erlebt. Aber vielleicht bietet „Girl A“ für andere hier mehr Interpretationsspielraum.

Wer eine solide Lektüre sucht, die nicht nur die grundlegenden Erwartungen an Spannung erfüllt, sondern auch lebendige Protagonisten und ein paar Überraschungen zu bieten hat, trifft mit „Girl A“ eine sehr gute Wahl.

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 14.03.2021

Ein melancholisches Buch über Sommer mit Opa

Warten auf Wind
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Vinga ist endlich bei ihrem Opa auf der Insel, nachdem zuhause in der Stadt alles so schwierig ist. Ihr Vater hat eine neue Familie, ihre Mutter ist immer traurig und Vinga hat das Gefühl, dass sie nirgendwo ...

Vinga ist endlich bei ihrem Opa auf der Insel, nachdem zuhause in der Stadt alles so schwierig ist. Ihr Vater hat eine neue Familie, ihre Mutter ist immer traurig und Vinga hat das Gefühl, dass sie nirgendwo so richtig hingehört. Auch in der Schule hat sie keine Freunde. Doch auf der Insel lernt sie Rut kennen, die das genaue Gegenteil von ihr ist. Man würde nicht meinen, dass die beiden sich verstehen. In der Stadt hätten sie sich vielleicht auch nie kennengelernt. Doch nun sind sie beide hier und es wird ein für Vinga in jeder Hinsicht unvergesslicher Sommer.

Es ist unglaublich traurig, wie viel Frust und Einsamkeit aus diesem Mädchen spricht. Das blaue, schlichte Cover mit dem Albatros transportiert dieses Gefühl sehr gut. Der gelbe Buchrücken und das strahlende Gelb im Inneren des Buches erinnern an die Hitze, die in diesem Sommer auf der Insel herrscht. Das Buch ist in einige größere Teile eingeteilt. Deren Überschriften bestehen meistens aus einem Wort, aber auch das verrät in einigen Fällen leider schon etwas zu viel.

Die Sprache des Buches ist so schlicht und kreativ wie Vingas Sommer auf der Insel. Man fliegt nur so über die Seiten und fühlt sehr viel mit ihr mit. Umso seltsamer ist es, dass die Beziehung zwischen Rut und Vinga mit so viel Distanz erzählt wird, dass ich bis zum Ende nicht so ganz nachvollziehen konnte, warum die beiden sich eigentlich mögen. Die Sympathie ergibt sich nicht aus der Geschichte, sondern wirkt mehr wie ein Beschluss des Autors à la : "So, ihr vertragt euch jetzt!" Einige ihrer Interaktionen waren daher eher überraschend. Das Verhältnis zwischen Vinga und ihrem Opa dagegen hat mich tief berührt und mir viele schöne eigene Erinnerungen zurückgebracht. Rut hätte es in meinen Augen in dem Buch gar nicht gebraucht. Das Thema, das mit ihr behandelt wird, hätte auch ein eigenes Buch verdient, denn hier wurde es offensichtlich nicht umfassend ausgearbeitet.

Das Warten auf Wind hat ein Ende - und auch wenn ich mir einiges anders gewünscht hätte, war es eine sehr schöne Lektüre, die mich sehr melancholisch zurücklässt.

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 24.01.2021

Emotionale Sprache, etwas langweilige und konstruierte Geschichte

Alles okay
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Marin ist beim Wechsel von der Highschool aufs College vor ihrem alten Leben geflohen und hat nicht mehr mitgenommen als die Kleider, die sie am Leib trug. Sie antwortet nicht auf Nachrichten ihrer alten ...

Marin ist beim Wechsel von der Highschool aufs College vor ihrem alten Leben geflohen und hat nicht mehr mitgenommen als die Kleider, die sie am Leib trug. Sie antwortet nicht auf Nachrichten ihrer alten Freunde und versucht nur zu vergessen, wird aber von Ängsten und Panikattacken geplagt. Nur ihre Mitbewohnerin Hannah steht noch zwischen ihr und der totalen Isolation. Dann aber sind Weihnachtsferien und alle fahren nach Hause. Marin wird es erlaubt, im College zu bleiben, da sie kein Zuhause mehr hat. Dafür meldet sich Besuch an: Ihre ehemals beste Freundin Mabel kommt für drei Tage vorbei. Sie will Marin überzeugen, mit ihr nach Hause zu fliegen und Weihnachten bei Mabels Familie zu verbringen. Wird Marin auftauen und Mabel und ihre Familie wieder in ihr Leben lassen?

Ich habe mit diesem Buch sehr gekämpft. Der Verlag bewirbt es mit Attributen wie „so berührend und großartig, dass man kaum atmen kann“ und „schmerzlich schöne Darstellung von Trauer“. Es stimmt, dass hier in bewegenden Worten ein schweres Schicksal einer jungen Frau skizziert wird, aber die Sprache hat noch dazu beigetragen, dass ich mich über Monate durch die Lektüre gequält habe, weil ich einerseits so viel mitgefühlt, mich andererseits aber auch gelangweilt habe. Mein wiederkehrender Gedanke war: „Ich will nicht wissen, wie es ausgeht, UND das Buch hinterlässt sehr unangenehme Gefühle. Will ich es wirklich weiterlesen?“ Dass die Autorin mit ihren Worten so starke Gefühle hervorrufen kann, spricht sicherlich auch für ihre Ausdrucksfähigkeit, aber ich habe bei dieser Art von „Problembüchern“ manchmal das Gefühl, dass es weniger um die Geschichte geht, sondern nur darum, den Leser zum Weinen zu bringen und das finde ich fragwürdig. Ich lese auch anspruchsvolle Romane und lasse mich gerne zu Tränen rühren, Emotionalität darf aber nicht der primäre Zweck sein. Und da hat mir bei "Alles okay" eine gute Geschichte gefehlt.

Besonders zum Ende hin bekommt der Roman immer mehr Facetten, die nicht so recht zueinander finden. Ich hätte es besser gefunden, wenn die Autorin sich auf eine Aussage fokussiert hätte. Hier muss ich wieder Aussagen aus der Verlagsbeschreibung des Buches aufgreifen. Ist es ein Roman über das Erwachsenwerden? Nicht wirklich, denn Marins Weg ist sehr drastisch und spezifisch und macht keine allgemeine Aussagen, die man auf sein eigenes Leben verallgemeinern könnte. Aber es ist definitiv eine Geschichte über Einsamkeit. Die Unsicherheiten der ersten Liebe kommen darin vor und schließlich ein trauriges und etwas seltsames Familiengeheimnis, das mir zu konstruiert schien und nicht recht zu diesem ernst-melancholischen Buch passte.

Ich kann "Alles okay" in jedem Fall Lesern empfehlen, die auf gefühlvolle Problemromane stehen, in denen Menschen schwierige Phasen überwinden, auch wenn nicht das perfekte Happy End am Ende rauskommt. Es ist eine sehr emotionale Lektüre, die leider inhaltlich einige Schwächen hat, aber alles in allem doch aus der Masse heraussticht. Dreieinhalb Sterne, die ich hier zu vier aufrunde.

Veröffentlicht am 24.01.2021

Spannend und intelligent

Oxen. Das erste Opfer
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Niels Oxen hat während seiner Karriere bei der Armee Dinge gesehen, die er nicht vergessen kann. Gezeichnet vom Tod seines besten Freundes und den Gräueln, die z.B. bei den Konflikten auf dem Balkan an ...

Niels Oxen hat während seiner Karriere bei der Armee Dinge gesehen, die er nicht vergessen kann. Gezeichnet vom Tod seines besten Freundes und den Gräueln, die z.B. bei den Konflikten auf dem Balkan an der Bevölkerung verübt wurden, will er mit seinem Hund als Aussteiger im Wald leben und seine Ruhe haben. Eines Tages erkundet er aus Neugier das Grundstück des Schlosses, zu dem auch der Teil des Waldes gehört, in dem er sein Lager aufgebaut hat. Wenige Tage später ist der dort ansässige ehemalige Botschafter und einflussreiche Gründer eines Thinktanks Hans-Otto Corfitzen ermordet worden und Oxen gerät ins Visier der Ermittler. Bald wird klar, dass der Fall in eine Reihe von Morden passt, bei denen zunächst die Hunde der Opfer getötet wurden. Der Leiter des dänischen Geheimdienstes engagiert Oxen als inoffiziellen Ermittler, scheint aber selbst nicht ganz mit offenen Karten zu spielen.

Es ist dem Autor gut gelungen, Figuren zu erschaffen, die zwar bestimmten Typen entsprechen, aber dennoch weitgehend frei von Klischees sind und damit authentisch wirken. Besonders Margrethe Frank, die als Mitarbeiterin des Geheimdienstes ein Auge auf Oxen haben soll, wird sehr überzeugend dargestellt. Bei einem Einsatz verlor sie einen Teil ihres Beins und hat ebenfalls mit PTBS zu kämpfen – trotzdem ist sie eine starke Frau, ohne dabei ihre feminine Seite einzubüßen. Weiterhin war ich sehr erleichtert, dass man in diesem ersten Band mit der obligatorischen seichten Romanze zwischen Ermittlern verschont wird. Oxen und Margrethe nähern sich zwar an, alles geschieht aber in einem für die Situation und ihre Charaktere angemessenen Tempo, sodass die Entwicklung einer glaubwürdigen Beziehung in den Folgebänden möglich ist.

"Das erste Opfer" ist äußerst spannend geschrieben, die Sprache bewegt sich auf einem gehobenen Niveau, ohne prätentiös zu werden. Gewalt wird auf eine sophistizierte Weise beschrieben, was zur Selbsteinschätzung des Autors passt, der sagt, dass sein Schwerpunkt eher auf raffinierten Intrigen liegt als auf roher Gewalt; auch die sonst in diesem Genre ausufernden Kraftausdrücke kommen kaum vor. Stattdessen wartet das Buch mit interessanten Wendungen und Verflechtungen und intelligenten Gesellschaftsanalysen auf, wobei es leider nicht immer einfach ist, sich zu merken, wer denn nun wem wie viel verraten hat und wer was theoretisch noch nicht wissen dürfte. Schade ist, dass englische Ausdrücke, wie oft heutzutage, nicht übersetzt werden. Da in diesem Buch nicht bloß Floskeln wie „Hi, how are you?“ vorkommen, sollte man schon Rücksicht darauf nehmen, dass heute noch lange nicht alle Leser Englisch verstehen.

So vielversprechend der Start dieser Reihe ist, so schlecht finde ich das Marketing des Buches. Schon der Titel – im Original "De hængte hunde" (dt. Die erhängten Hunde) – führt die Leser in die Irre. Was für ein erstes Opfer? Im Buch gibt es mehrere und das erste hat keine besondere Bedeutung. Klappentext und Cover suggerieren zudem eine Mystik, die nicht da ist. Man vermutet eine andere Art von Geheimbund, mehr in Richtung mörderischer Kult und weniger Politik und Wirtschaft. Wer Mystik erwartet, wird aber enttäuscht sein, dass die Geschichte in Wahrheit so bodenständig ist – wenn auch sehr spannend erzählt. Ich bin dennoch gespannt auf die Entwicklung, die die Reihe in den Folgebänden nimmt: eine empfehlenswerte Lektüre!