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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 17.08.2021

Nur für Genre-Fans

Crave
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Ich habe so sehr gehofft, dass dieses Buch anders ist. Wahrscheinlich liegt es daran, dass das Buch in Alaska spielt - ich habe mich sofort nach Lesen der Beschreibung in das Setting verliebt und gar nicht ...

Ich habe so sehr gehofft, dass dieses Buch anders ist. Wahrscheinlich liegt es daran, dass das Buch in Alaska spielt - ich habe mich sofort nach Lesen der Beschreibung in das Setting verliebt und gar nicht hinterfragt, ob die Welt - MEINE Welt - wirklich noch ein Vampirbuch braucht. Auch die Gestaltung ist äußerst gut gelungen - der rote Farbschnitt, die Illustration der Katmere Academy auf der Innenseite des Umschlags... es sind nur kleine Extras, aber mir gefällt so etwas sehr. Die Umschlagillustration finde ich in Ordnung, obwohl diese Unschuldsmetapher (weiße Blume, Grace' Name) schon ein bisschen nervt. Andere haben darauf hingewiesen, dass das Cover stark an die Biss-Reihe erinnert, hier soll also möglicherweise an alten Erfolg angeknüpft werden. Ich habe Biss nicht gelesen, weil der Schreibstil nicht zu ertragen war, aber einige Parallelen fallen schon auf. Der Vorwurf des Plagiats erübrigt sich in meinen Augen aber schon dadurch, dass Bücher dieser Art ohnehin immer gleich sind und Leserinnen genau die altbewährte Formel in immer neuer Form verschlingen, ohne ihrer müde zu werden. Finde ich legitim. Und ich hatte auch mal wieder Lust auf so ein Buch. Nach anfänglicher großer Begeisterung kam aber leider schnell die Ernüchterung.

Das beginnt schon damit, dass der Farbschnitt abfärbt. Ich have Crave mit einem anderen Buch zusammen in einer Tasche transportiert und das andere Buch war danach auch rot, genau wie meine Finger nach der Lektüre. Aufgrund des Umfangs des Buches habe ich mir außerdem eine richtige "Slow burn"-Romanze erhofft. Die Liebesgeschichte zwischen Grace und Jaxon entwickelt sich aber schnell, auch wenn man das nicht direkt merkt, da die Handlung quälend langsam vorankriecht, sodass es auch so scheint, als würde ihre Beziehung sich Zeit lassen. Tatsächlich schwärmt Grace von Anfang an in ihrem Kopf nur davon, wie heiß Jaxon ist, wo man als Leserin noch keine Möglichkeit hatte, sich ein Bild von ihm zu machen und mitzufühlen. Grace' Gedankengänge wiederholen sich besonders am Anfang immer wieder und es ist schwer, so lange durchzuhalten, dass endlich mal etwas passiert. Nun: Es wird tatsächlich später etwas besser, aber das kann das Buch auch nicht retten.

Grace selbst ist eine schwierige Figur. Hier wurde versucht eine "starke" Protagonistin zu schreiben und das erschöpft sich offenbar schon in massenweise schlechtem Sarkasmus und coolen Sprüchen, nach denen man das Buch nur an die Wand schmeißen möchte. Es hilft nicht, dass schon die Kapitel jeweils mit einer derart formulierten Überschrift eingeleitet werden. Komplett fiktives Beispiel (KEIN Spoiler!): Grace' Cousine Macy wird von einem Eisbären angegriffen und fast gefressen. Kapitelüberschrift wäre dann sowas wie "Wer früher stirbt, ist länger tot hihi ;D"

Jaxon erfüllt so ziemlich jedes Klischee, das man von einem Romantasy-Vampir-Love-Interest hat. Und es wird übrigens nicht weniger cringe, nur weil die Protagonistin zur Kenntnis nimmt, wie klischeehaft ihr Verhalten ist. Sie fassen sich schon beim ersten Treffen an, was natürlich von Jaxon ausgeht, und er hört auch im Verlauf des Buches nicht auf, sich einfach komplett unangemessen zu verhalten. Grace meckert ihn zwar oft genug an, weil er sie bevormundet, lässt sich aber seine herabsetzenden Berührungen gefallen. Wenn ein Mann einem so dreist im Gesicht herumtatscht, führt das bei normalen Menschen nicht zu romantischen Gefühlen sondern zu einer gebrochenen Nase. Grace droht dagegen zwar immer mit übertriebener Gewalt, dabei kann man aber höchstens müde lächeln - Jaxon geht es vermutlich genauso, deswegen verschwindet er auch regelmäßig, um sich von ihr zu erholen.

Auch die Welt des Buches funktioniert in meinen Augen nicht. Es ist klar, dass nach 15 Jahren Vampirromanzen alles schon so weit ausgelutscht ist, dass man sich neue Dinge ausdenken muss, aber das, was die Autorin für die Katmere Academy zusammengeklatscht hat, harmoniert für mich einfach nicht. Da kann ich es auch nicht wertschätzen, dass immer wieder betont wird, wie interessant die indigenen Kulturen in Alaska und deren Sprachen sind. Auch dass ein afroamerikanischer Protagonist eingeführt wird, kommt nicht so wirklich gut an, weil ausgerechnet ihm dann ein ansonsten sprachlich völlig rausfallender "Ghettofaustschlag" (S. 54) zugeschrieben wird. Weil er schwarz ist oder was? Ich finde diesen Faux pas amüsant und wundere mich, dass die Autorin dafür in den USA nicht in der Luft zerrissen wurde. Und wo ich schon beim Meckern bin: Akkadisch ist NICHT aus Sumerisch entstanden (S. 122).

Ich empfehle daher Crave nur für absolute Genre-Fans, die immer wieder die gleiche Geschichte lesen wollen und alles Schlechte verzeihen. Das ist legitim, ich habe auch einige guilty pleasures. Aber dafür gibt es von mir eben nur zwei Sterne.

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Veröffentlicht am 18.07.2021

Möchte anspruchsvoll sein, aber ödet ziemlich an

Unter dem Sturm
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Wie fasse ich meine Meinung zu diesem Krimi zusammen, ohne ihm das Attribut "unerträglich schwedisch" zu geben? Das basiert nur auf meiner persönlichen Erfahrung und würde einer Studie wohl kaum standhalten, ...

Wie fasse ich meine Meinung zu diesem Krimi zusammen, ohne ihm das Attribut "unerträglich schwedisch" zu geben? Das basiert nur auf meiner persönlichen Erfahrung und würde einer Studie wohl kaum standhalten, aber seltsamerweise sind es unter den Krimis, die ich lese, meist die schwedischen, die so verkniffen versuchen anspruchsvoll und gesellschaftskritisch zu sein, dass man sich nur so durch die Seiten quälen muss. Es passiert so unerträglich wenig und überall springt einem der traurige Alltag entgegen - Alltagsrassismus, jeder verdächtigt bei allem zuerst Flüchtlinge, Osteuropäer verdienen ihren Lebensunterhalt mit ausgedehnten Diebszügen. Die nervige Nachbarschaft in einem kleinen abgelegenen Ort, die meint, sie weiß alles über einen, nur weil man sich regelmäßig auf der Straße sieht und mit Namen kennt. Selbst wenn diese Klischees auf der Realität basieren - ich bin sie SO leid.

Im Prinzip spricht das Buch eine berechtigte Frage an: Woher kommt das gewalttätige Wesen eines Menschen? Die Ansicht, dass so etwas vererbt sein könnte, ist selbst in der Wissenschaft noch immer nicht vom Tisch - kein Wunder also, dass der kleine Isak glaubt, er hat bei einem gewalttätigen Großvater und einem Onkel, der im Gefängnis sitzt, weil er seine Freundin ermordet haben soll, keine Chance im Leben, bevor dieses überhaupt erst angefangen hat. Leider bietet das Buch in dieser immer noch aktuellen Frage keine neuen Einsichten und keine interessante Perspektive.

Weiteres Problem: Ich fand es schwer, die Ermittlungen ernst zu nehmen. Zeugenbefragungen bringen solche Perlen hervor wie:

"Ist er auch gewalttätig?"
- "Bestimmt." (S. 45)

Aha. Hervorragende Ermittlungsarbeit. Es wäre ja unproblematisch, wenn Isaks Onkel nicht auf Basis solcher Meinungen tatsächlich verurteilt worden wäre. Manchmal ist es bei einer Ermittlung definitiv eher schädlich als hilfreich, wenn jeder jeden kennt. Leute kennen einen vielleicht nicht wirklich, aber erlauben sich dann trotzdem eine Meinung über einen. Eine Meinung, die Leben zerstören kann. Natürlich soll diese Ermittlungsarbeit "schlecht" sein und Ungerechtigkeit aufzeigen, dadurch wird die Lektüre nur leider für mich nicht erträglicher. Das ist auch nicht das Einzige, was mich daran stört. Vidar ist völlig verbissen in den Fall, aber denkt sich irgendeinen Unsinn aus, anstatt die Arbeit von Anfang an gründlich und gewissenhaft zu machen. Die großen Zeitsprünge im Buch bremsen die Handlung zusätzlich aus. Diese haben z.B. verhindert, dass ich mit Isak mitfühlen konnte, was dem Buch definitiv geholfen hätte. Und dann sind da natürlich die obligatorischen erotischen Szenen... Meiner Meinung nach hier unnötig prominent. Vidar wird dadurch auch nicht zugänglicher als Charakter. Unglücklicherweise finde ich es auch relativ durchsichtig, wie der Fall ausgeht, und konnte deshalb die gestreuten falschen Fährten nicht wirklich schätzen.

Alles in allem: Düster und öde. Ich wünschte, ich hätte das Buch nicht gelesen. Ich hätte nichts verloren.

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Veröffentlicht am 16.04.2020

Fürchterlich geschrieben

Der freie Hund
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Achtung: Diese Rezension enthält Spoiler!

Zunächst zu den positiven Dingen: Ich lese sehr gerne Krimis, die in Regionen spielen, die ich interessant finde. Da brauche ich auch nichts Anspruchsvolles. ...

Achtung: Diese Rezension enthält Spoiler!

Zunächst zu den positiven Dingen: Ich lese sehr gerne Krimis, die in Regionen spielen, die ich interessant finde. Da brauche ich auch nichts Anspruchsvolles. Dieses Buch versprach aber auch noch eine aktuelle sozialkritische Komponente, denn es geht um den Schaden, den Venedig aufgrund von Tourismus nimmt, v.a. durch Kreuzfahrtschiffe. Eigentlich vielversprechend. Der Anfang hat mir auch tatsächlich gut gefallen, Morellos grummelige Innenansicht war mir sehr sympathisch. Mir ist nur schon früh negativ aufgefallen, dass er alle paar Seiten „Cazzo“ sagt und mit anderen italienischen Ausdrücken um sich wirft, die nur teilweise übersetzt werden. Vor allem aber war es die Häufung von „Cazzo“, die mich zunehmend gestört hat. Und hier gehe ich nun zu meiner Kritik über.

Die Charakterisierung der Figuren hat mir überhaupt nicht gefallen. Morellos Verhalten ist gekennzeichnet durch Angeiern von Frauen jeden Alters und maßlose Selbstüberschätzung. Überall wittert er die Mafia, oft ohne jeden Anhaltspunkt. Die Autoren wollten ihn offensichtlich besonders cool machen, was sich auch im Schreibstil mit den kurzen Sätzen spiegelt. Das ist ihnen nicht gelungen. Er soll wie ein charmanter Frauenheld wirken, aber er ist nur ein bemitleidenswerter schmieriger alter Mann, was die Lektüre sehr unangenehm macht. Die anderen Figuren sind eine Ansammlung von Klischees und Skurrilität, z.B. der Sexist Mario oder die Pathologin, die von toten Körpern angemacht wird. Soll ich darüber lachen?

Was die Handlung angeht, tritt der eigentliche Fall völlig in den Hintergrund. Die Geschichte strotzt vor Logikfehlern: unsinnige Lokalbesuche, nicht nachvollziehbare heftige Reaktionen auf harmlose Aussagen, ohne jeden Grund enthält Morello Teilen seines Teams willkürlich Ermittlungsergebnisse vor. Von Ermittlungen kann man kaum sprechen, denn man legt hier mehr Wert auf Anekdoten und das Leben drumherum als auf spannende Handlung. Morello trinkt öfter einen Espresso doppio, als dass er tatsächlich über seinen Fall nachdenkt. Eine impulsive Entscheidung jagt die nächste: Gerade verführt er noch die Nachbarin, die er seit einer Stunde kennt, in der Küche – wohlgemerkt, obwohl er die ganze Zeit von traumatischen Erinnerungen an eine andere Frau gequält wird –, da fliegt er schon zurück nach Palermo, weil seine Mutter krank ist, obwohl er dort in akuter Lebensgefahr schwebt und einen Mord aufzuklären hat. Zu alledem kommt ein so stumpfer Humor, dass er die Handlung gänzlich verdrängt und völlig unglaubwürdig macht, vor allem der Handlungsstrang mit dem Dieb, den Morello am Anfang festnimmt. Die Absurdität wird schnell unerträglich und so habe ich nach der Hälfte die Lektüre abgebrochen.

Als ich ein wenig über das Buch recherchiert habe, bin ich auf etwas Seltsames gestoßen: In einer anderen Rezension wurde eine Auseinandersetzung zwischen den beiden Autoren und der Journalistin Petra Reski, die viel zu Mafia publiziert und in Venedig lebt, geschildert. Es steht der Vorwurf im Raum, dass die beiden Autoren viel von Frau Reski abgeschrieben (dabei auch noch Fehler gemacht) haben. Ich möchte hier keine langen Zitate oder Links posten, aber es ist nicht schwierig, die Sache zu recherchieren, wenn man mehr wissen möchte. Ich empfehle auf jeden Fall, den Blog von Petra Reski zu besuchen, wo sie ihre Sicht der Dinge detailliert darlegt. Es ist hier nicht leicht zu beurteilen, wer Recht hat, und ich möchte auch ehrlich gesagt nicht noch mehr Zeit auf dieses „Buch“ verschwenden, aber was mich als Leser vor allem verunsichert, ist der Umgang des Verlags mit diesem Problem. Es gibt eine Presseerklärung, ebenfalls problemlos online zu finden, und diese finde ich eines seriösen Verlags nicht würdig. Mit Formulierungen wie „nebulöse Vorwürfe“ ist die Ausdrucksweise sehr unsachlich und fördert nicht die Lösung des Konfliktes. Dass KiWi zunächst seine Autoren in Schutz nimmt, ist klar, aber man scheint hier überhaupt nicht an einer Klärung interessiert zu sein, sondern nur daran, einen schlechten Roman an den Mann zu bringen. Erstaunlicherweise hat das auch funktioniert, denn das Buch hat es im März auf die Spiegel-Bestsellerliste geschafft, sogar auf den ersten Platz. Tatsächlich hat der Roman eine eigene Homepage; man hat sich offensichtlich sehr viel von dieser Publikation versprochen, was ich überhaupt nicht nachvollziehen kann, denn KiWi hat so viele gute Bücher, aber dieses ist sicher keins davon.

Mein Gesamteindruck ist, dass sich hier alle Beteiligten sehr wenig Mühe gemacht haben und das haben Leser nicht verdient. Mit 16-Euro-Broschur gehört der Krimi nämlich auch nicht zu den günstigen Büchern. In meiner Bewertung wäre ich auf zwei Sterne gekommen, aber aufgrund dieses undurchsichtigen Konfliktes ziehe ich noch einen ab. So ein Drama braucht kein Mensch, schließlich gibt es massig andere geniale Italien-Krimis, mit denen man sich die Zeit vertreiben kann.