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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 02.02.2021

Wenn Spannung durch Ahnungslosigkeit gemindert wird

Killing November
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Messerwerfen, Giftkunde, Schwertkampf und Psychologische Kriegsführung – das sind nur manche der Fächer auf Novembers Stundenplan, nachdem ihr Vater sie ohne große Erklärungen auf ein Internat geschickt ...

Messerwerfen, Giftkunde, Schwertkampf und Psychologische Kriegsführung – das sind nur manche der Fächer auf Novembers Stundenplan, nachdem ihr Vater sie ohne große Erklärungen auf ein Internat geschickt hat, das einzig und allein aus Geheimnissen zu bestehen scheint. Scheinbar völlig unvorbereitet gerät November an ihrer neuen Schule in eine Geschichte voller Mysterien, Geheimbünde und Familienfehden. Als dann noch ein kaltblütiger Mord die Mauern des Internats erschüttern, spitzt sich die Situation zu: Denn November ist die Hauptverdächtige.

Ich habe gemischte Gefühle, was den Jugendthriller „Killing November“ angeht. Die grundlegenden Ideen haben mich fasziniert. Es galt so viele Geheimnisse aufzudecken, dass ich die Fragezeichen in meinem Kopf zwischenzeitlich kaum mehr zählen konnte. Ich wusste nicht, wo das Buch mit mir hinwollte, was ich von der Geschichte zu erwarten hatte und wie der Plot aussehen sollte. Das hat mir wirklich gefallen – zumindest anfangs. Doch als immer mehr Seiten vergingen, ohne dass auch nur ein Teil der Fragen geklärt wurde, siegte Ahnungslosigkeit über Spannung. Ich hätte gerne mitgerätselt und -gefiebert, doch diese Möglichkeit gab es eine ganze Weile kaum, weil selbst dafür der Input fehlte. Als die Geschichte dann richtig ins Rollen kam, endlich die ersten Hüllen fielen und Wahrheiten ans Licht kamen, hat mir das Lesen zum Glück wieder mehr Spaß gemacht, aber ein bitterer Beigeschmack blieb. Unter anderem wohl auch, weil die Charaktere dadurch für mich nicht greifbar wurden und die Emotionen verlorengingen. Ich muss zugeben, manche Gedankengänge oder Handlungen auch noch nicht ganz zu verstehen – aber „Killing November“ war ja auch nur der Auftakt einer Reihe. Ich könnte mir vorstellen, dass viele Sachen, die mir noch unschlüssig erscheinen, im zweiten Band mehr Platz bekommen und erklärt werden.

Abschließend kann ich sagen, dass „Killing November“ mich trotz kleiner Mängel gut unterhalten hat und in einer Kulisse spielt, die mein Herz hat aufgehen lassen.

Veröffentlicht am 22.01.2021

Ein paar Längen, etwas zu wenig Gefühl, aber dafür wirklich magisch!

Kristallblau - Insel des Ursprungs
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Im zweiten Teil von „Kristallblau“ geht Seras Reise weiter – und damit auch ihre Suche nach Wahrheit und Heimat.
Es ist schon eine Weile her, dass ich „Magisches Blut“ gelesen habe, weshalb mir der Einstieg ...

Im zweiten Teil von „Kristallblau“ geht Seras Reise weiter – und damit auch ihre Suche nach Wahrheit und Heimat.
Es ist schon eine Weile her, dass ich „Magisches Blut“ gelesen habe, weshalb mir der Einstieg in „Insel des Ursprungs“ recht schwerfiel. Auffrischende Rückblenden oder Wiederholungen gab es kaum. Deshalb allem voran eine Empfehlung: Wenn Band 1 bei euch auch schon eine Weile her ist, solltet ihr unbedingt über einen Reread nachdenken, um das Finale der Dilogie auch wirklich auskosten zu können. Viel Zeit lässt einem die Geschichte nämlich nicht, um den Weg zurück in ihre Welt und einen erneuten Draht zu den Charakteren zu finden. Ich wurde regelrecht in das weitere Geschehen hineingeschmissen und brauchte die ersten fünfzig Seiten, um meine Orientierung zurückzugewinnen. In dem Fall kam mir immerhin zugute, dass Spannung und Tempo ein wenig auf sich warten ließen – was mich aber gleichzeitig auch störte, denn so wurde der Lesefluss nicht nur aufgrund des für mich schwierigen Einstiegs, sondern auch aufgrund mangelnden Interesses meinerseits gehemmt.
Tatsächlich brauchte die Geschichte in meinen Augen fast die komplette erste Hälfte des Buchs, um richtig in Gang zu kommen. Kombiniert mit dem teilweise recht simplen Sprachstil, wirkte das Buch über diese 200 Seiten hinweg auf mich zwischendurch recht unausgereift und „jung“. Aber dann… dann zog die Handlung endlich an und urplötzlich befand ich mich in dem spannenden Abenteuer, auf das ich mich schon seit dem Ende von Band 1 gefreut habe. Die Verteilung von „Gut und Böse“ war nicht großartig ausgeklügelt, aber die Auflösung der gesponnenen Intrigen sowie der Blick hinter die Magie der Cerulean haben mich trotzdem überrascht. Alles in allem würde ich „Kristallblau – Insel des Ursprungs“ als ein klassisches Drei-Sterne-Buch sehen: Ein netter Read, der einem nicht viel abverlangt und die Zeit vertreibt, aber mir persönlich auch nicht so viel mit auf den Weg geben konnte. Dafür fehlte mir an einigen Stellen schlichtweg etwas Tiefe.

Veröffentlicht am 19.01.2021

Ein wichtiger Titel, mit ein paar kleinen Mängeln

Wenn Worte meine Waffe wären
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Sheherazade leidet. Sie leidet unter ihren Mitschülerinnen, die sie als einzige Muslima an ihrer Schule nicht respektieren, leidet unter ihrer Mutter, die sich seit der Flucht nach Dänemark immer mehr ...

Sheherazade leidet. Sie leidet unter ihren Mitschülerinnen, die sie als einzige Muslima an ihrer Schule nicht respektieren, leidet unter ihrer Mutter, die sich seit der Flucht nach Dänemark immer mehr in ihrem Glauben verliert und unter ihrem Vater, der den Krieg nicht loswird, obwohl er ihn in einem anderen Land zurückgelassen hat. Doch dann lernt sie jemanden kennen – und findet dadurch ihre eigene Stimme.
Zu den religiösen Hintergründen des Buchs kann ich persönlich leider wenig sagen. Die von mir gelesenen Rezensionen waren sich aber recht einig, dass die Darstellung der muslimischen Familie zutreffend und nachempfindbar war. Für mich war das ein klarer Pluspunkt, machen die familiären Strukturen und der Druck, den Sheherazade sowohl seitens ihrer Familie als auch seitens ihrer Mitschüler
innen zu spüren bekommt, doch einen Großteil der Storyline aus. Emotional bin ich den Weg Sheherazades permanent mitgegangen, habe mich mehrmals dabei erwischt, wie ich das Buch kopfschüttelnd zur Seite legen musste, um meine Gedanken zu sortieren. Erst recht, weil das Buch sehr viele kontroverse Themen diskutiert (Selbstmord, Homophobie, psychische Gesundheit, Rassismus, sozialer Druck…).
Der Schreibstil ist flüssig, wenn auch zunächst gewöhnungsbedürftig, da er eine etwas andere Erzählstruktur ohne viele beschönigende Beschreibungen bedient. Seine Direktheit passt aber zur Geschichte und transportiert, was transportiert werden soll. Die Illustrationen, die für die Werke Sheherazades stehen, haben das Buch zusätzlich aufgelockert und noch interessanter gemacht sowie persönlicher wirken lassen. Was mich allerdings gestört hat, war, dass abseits von Sheherazade ein Großteil der anderen Figuren recht blass blieb.
Mit der Love Interest wurde ich persönlich nur wenig warm – ihr Charakter an sich war interessant, jedoch konnte ich ihre Handlungen nicht immer nachvollziehen. Außerdem hat das Buch mit seinem Titel und seinem Klappentext in meinen Augen ein paar falsche Erwartungen geweckt. Meines Erachtens nach ging es viel weniger um Sheherazades eigene Worte und Werke, als man vermuten sollte. Das hat mir wirklich etwas gefehlt und ich hätte gerne mehr davon gelesen, wie Sheherazade sich mit ihren Texten ein Stück Freiheit erkämpft.
Das Ende ging mir persönlich dann auch etwas zu schnell. Ich glaube, da hätten ein paar mehr Seiten nicht geschadet, um alles ein wenig runder und tiefgreifender zu gestalten – war das Buch ansonsten doch auch nicht oberflächlich. Alles in allem würde ich sagen, dass „Wenn Worte meine Waffe wären“ eine gelungene Geschichte ist, die erschütternde und ergreifende wie aber auch interessante und spannende Einblicke gewährt, dabei zwar kleinere Mängel aufweist, die dem Leseerlebnis aber keinen Abbruch tun. 4 Sterne.

Veröffentlicht am 13.01.2021

Wunderbare Kunst.

Das sternenlose Meer
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Alle Bücher sind einzigartig. Selbst wenn es Geschichten gibt, die sich ähneln, so werden sie dennoch niemals identisch sein – weil auch die Köpfe, denen sie entstammen, niemals identisch sind. Aber trotzdem ...

Alle Bücher sind einzigartig. Selbst wenn es Geschichten gibt, die sich ähneln, so werden sie dennoch niemals identisch sein – weil auch die Köpfe, denen sie entstammen, niemals identisch sind. Aber trotzdem gibt es als nächste Stufe noch so etwas wie „Das sternenlose Meer“, für das selbst das Wort „einzigartig“ nicht einzigartig genug ist.
Ich weiß immer noch nicht, wie ich das in Worte fassen soll, was ich beim Lesen empfunden und zwischen den Seiten erlebt habe. Das Buch war so besonders, dass ich sofort den unbändigen Drang verspüre, es noch einmal zu lesen, wenn ich länger darüber nachdenke. Immerhin ist es doch eigentlich so viel mehr als ein Buch, als eine Geschichte. Viel eher ist es eine Geschichte in einer Geschichte in einer Geschichte, alle wunderschön verwoben und doch schmerzlich getrennt. Meine Welt wurde von ihnen aus den Angeln gehoben und ich wurde in etwas hineinversetzt, das unbegreiflicher kaum hätte sein können. Poetische Fantasie, ein Traum, eine Schatzsuche. Eben viel mehr als ein Buch. Kunst.
Und trotzdem kann ich verstehen, dass das Buch nicht für jeden etwas ist. Es ist keine Unterhaltung, die man liest, um zu entspannen. Es ist dafür da, Grenzen des Denkens zu sprengen und wird auf eine aufopfernd ausführliche Weise erzählt, die die Aufmerksamkeit ihrer Leser*innen ohne Ausnahme fordert. Es besteht aus Metaphern und Gleichnissen, die schon einen schläfrigen Moment dazu befähigen, dem Lesenden das Verständnis für die gesamte Geschichte zu entziehen.
Wer sich nicht jeder Zeile gänzlich hingibt und sie alle vollends auskostet, droht den Eindruck zu bekommen, das Buch wäre langwierig. Dabei ist es eigentlich etwas ganz anderes: Es ist malerisch, verzaubernd, tiefgründig, komplex, fantastisch, verworren, überfordernd, außergewöhnlich. Kurzum: „Das sternenlose Meer“ ist wunderschön. Eine Hymne auf die Literatur und ihre Kraft, süßer als der beste Honig, von dem ihr jemals gekostet habt (und alle, die das Buch gelesen haben, setzen nun bitte die drei Emoticons hier drunter, die für das stehen, was die Geschichte ausmacht).

Veröffentlicht am 10.01.2021

Gemischte Gefühle

Eve of Man (2)
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[SPOILER BAND 1] Mit „Die Rebellin“ konnte ich endlich erneut in die dystopische Welt von „Eve of Man“ eintauchen. Und das bedeutet so viel wie: In eine Zukunft, in der die Technik weite Schritte nach ...

[SPOILER BAND 1] Mit „Die Rebellin“ konnte ich endlich erneut in die dystopische Welt von „Eve of Man“ eintauchen. Und das bedeutet so viel wie: In eine Zukunft, in der die Technik weite Schritte nach vorn gemacht hat, die Erde aber leidet – und mit ihr die meisten Menschen. Mittendrin befindet sich Eve, die es geschafft hat, dem unterdrückenden Gefängnis ihres bisherigen Lebens zu entkommen. Doch als letzte Frau der Menschheit werden ihre Verfolger alles tun, um sie zurückzubekommen. [SPOILER ENDE]
Einige Aspekte, die die Geschichte rund um Eve mit sich bringt, sind bereits aus anderen dystopischen Erzählungen bekannt – allerdings längst nicht alle. Der zweite Teil von „Eve of Man“ glänzt erneut mit dem Einfallsreichtum von Giovanna und Tom Fletcher, welcher mir immer mal wieder einen kalten Schauer über den ganzen Körper geschickt hat. Zwischendurch war es mir allerdings fast etwas zu viel. Die daraus resultierende Spannung kann aber natürlich nicht von der Hand gewiesen werden, auch wenn sie mich persönlich erst ab der Hälfte wirklich zu fassen bekam. Der Wiedereinstieg in die Geschichte fiel mir nämlich recht schwer, was aufgrund der Kürze des Buchs stärker ins Gewicht fiel, als es sonst vielleicht der Fall gewesen wäre. So fühlte sich das Ende für mich an, als hätte das Buch eigentlich gerade erst angefangen. Eigentlich umso erstaunlicher, dass mich die Emotionen in der Erzählung aber trotzdem so gut mitreißen konnten. Ich habe gelitten, geschwärmt, gehofft, gefeiert und gebangt. Es war wirkliche eine Gefühlsachterbahn, besonders das Ende, weshalb ich trotz meiner offensichtlich gemischten Eindrücke schon jetzt wirklich gespannt auf den dritten Teil bin. Und auch wenn ich einen Teil des Cliffhangers erwartet habe, bleibt er trotzdem das, was er ist: Ein Cliffhanger. Und was für einer!
Alles in allem kann ich also nur sagen: Ein emotionaler und spannender Mittelteil, der etwas schwächer ist als sein Vorgänger, aber einen wunderbaren Grundstein für das Finale legt. 3,5 Sterne von mir.