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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 25.10.2021

Humorvoll und tiefgreifend, aber etwas überspitzt

Drive Me Crazy – Für die Liebe bitte wenden
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4 Sterne | Pluspunkte: Schreibstil, Greifbarkeit der Charaktere | Minuspunkte: Etwas überspitzt

Ein Roadtrip mit der eigenen Schwester zur Hochzeit einer gemeinsamen Freundin – klingt wunderbar, denkt ...

4 Sterne | Pluspunkte: Schreibstil, Greifbarkeit der Charaktere | Minuspunkte: Etwas überspitzt

Ein Roadtrip mit der eigenen Schwester zur Hochzeit einer gemeinsamen Freundin – klingt wunderbar, denkt sich Addie. Doch aus dem lang ersehnten Tagestrip wird eine chaotische Fahrt voller Altlasten und emotionaler Anstrengungen, als ausgerechnet Addies Ex Dylan und sein bester Freund Marcus sie in einen Unfall verwickeln. Die Truppe ist gezwungen, zusammen weiterzufahren und sich der gemeinsamen Vergangenheit zu stellen...

Beth O'Leary schafft es einfach immer wieder. Obwohl ihre Bücher nicht zu meinem bevorzugten Genre gehören, hat sie mich nach “Time To Love” und “Love To Share” nun auch mit “Drive Me Crazy” überzeugt. Vor allem, weil die Geschichte so viel mehr Tiefgang hatte, als ich erwartet habe. Es handelt sich um eine packende Erzählung auf zwei verschiedenen Zeitebenen mit einem wunderbar leichten und trotzdem besonderen Schreibstil. Abwechselnd erfahren wir etwas aus der Vergangenheit und Gegenwart der Protagonist*innen. Mit jeder Anspielung auf alte Zeiten wurde ich neugieriger auf den großen Knall, der Addie und Dylan einst auseinander getrieben hat. Meiner Meinung nach waren die Zeitsprünge wunderbar gesetzt, sorgten für eine gute Mischung verschiedener Stimmungen. Sowohl Dylan und Addie als auch die Nebencharaktere sind mir über die 450 Seiten (fast) alle ans Herz gewachsen, denn Beth O'Leary hat sie wunderbar greifbar und menschlich beschrieben. Nur dann und wann erschienen mir einzelne Handlungen oder Verhaltensweisen etwas zu insziniert – speziell der letzte Plottwist wäre in meinen Augen nicht nötig gewesen. Vielleicht sollte es dem Buch noch einen neuen Drall und zusätzliche Dramatik geben, für mich hätte die Geschichte aber ohne vielleicht sogar besser funktioniert, weil sie dann noch etwas realistischer gewirkt hätte.

Trotzdem kann ich das Buch jedem empfehlen, der Lust hat, sich auf eine emotionale Geschichte mit Humor und Bedeutungsschwere gleichzeitig einzulassen!

Veröffentlicht am 07.10.2021

Eine tolle Geschichte, nur dann und wann haben mir ein paar Informationen gefehlt

City of Burning Wings. Die Aschekriegerin
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4 Sterne | Pluspunkte: Details des Settings; Dynamik Protagonist:innen | Minuspunkte: stellenweise etwas blasse Nebencharaktere und wenige Informationen

Schon seit Jahren bereitet sich May darauf vor, ...

4 Sterne | Pluspunkte: Details des Settings; Dynamik Protagonist:innen | Minuspunkte: stellenweise etwas blasse Nebencharaktere und wenige Informationen

Schon seit Jahren bereitet sich May darauf vor, eines Tages den Aschethron zu besteigen. Doch als der König verfrüht stirbt, geht seine Macht plötzlich nicht auf sie über, sondern auf Luan, einen Flügellosen aus dem Elendsviertel. Nun ist es Mays Aufgabe, ihn in seine neue Aufgabe einzuweisen – und den Fehler möglichst schnell wieder zu beheben.

Ach ja, was für eine Geschichte! Luan und May sind mir schnell ans Herz gewachsen. Ich mochte die Art, wie sie miteinander umgegangen sind, unheimlich gerne. Ihre zwischenmenschliche Beziehung hatte Zeit sich zu entwickeln und wirkte dadurch auf mich umso realistischer. Auch ihre facettenreichen Charaktere habe ich über die knapp 400 Seiten hinweg gut kennengelernt - genauso wie das Setting. UFF! Eine wunderbar in Szene gesetzte schwebende Stadt, die ich nun am liebsten selbst besuchen würde! Mit allerhand kleinen Details hat Lily es geschafft, die Stadt und das Leben ihrer Bewohner:innen greifbar zu machen. Egal ob die Beschreibung verschiedener Geschäfte und der Mode oder auch die Schnabelpost, ein Klatschblatt, welches die Stadt auf Trab hält – es gab so viel zu entdecken!
Allerdings muss ich sagen, dass ich mir solche Informationen an anderen Stellen fehlten: Gerade in Bezug auf die Hauptproblematiken des Buchs sind bei mir viele Fragen offengeblieben und bei einigen Nebencharakteren hatte ich zwischendurch das Gefühl, sie wären etwas blass gezeichnet. Speziell die Gruppe der Himmelsfürsten hat es mir nicht leicht gemacht, da hätte ich ein paar mehr Details gewünscht und stärkere Handlungen für nachvollziehbarer gehalten. So kam es mir im Mittelteil des Buchs ein wenig so vor, als wären sie kurzzeitig irgendwo in der Versenkung verschwunden.
Trotzdem hat mir „City of Burning Wings” wirklich gut gefallen und mich in eine fantastische Welt entführt! Worauf wartet ihr also? Fliegt los nach Elydor!

Veröffentlicht am 05.10.2021

Nicht ganz so gut wie Band 1, aber trotzdem gelungen!

Ein Herz so dunkel und schön
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4 Sterne | Pluspunkte: Charaktere, Spannende Thematiken | Minuspunkte: Plottwist

„Ein Fluch so ewig und kalt“ war für mich ein Highlight. Umso nervöser wurde ich, als ich Rezensionen entdeckt habe, die ...

4 Sterne | Pluspunkte: Charaktere, Spannende Thematiken | Minuspunkte: Plottwist

„Ein Fluch so ewig und kalt“ war für mich ein Highlight. Umso nervöser wurde ich, als ich Rezensionen entdeckt habe, die den zweiten Teil als Enttäuschung beschrieben haben. Aber… lesen ist subjektiv.
„Ein Herz so dunkel und schön“ ist anders als sein Vorgänger. Allem voran dadurch, dass andere Figuren im Fokus liegen, doch nachdem ich den ersten Schock darüber verdaut hatte, habe ich Grey und Lia Mara unheimlich gern begleitet! Kemmerer hat dabei nochmal bewiesen, wie gut sie mit Worten umgehen kann: Ich habe die Einblicke in das Innere der Protagonist/-innen geliebt! Meiner Meinung nach sind sowohl Grey als auch Lia Mara wahnsinnig interessant, weil sie sich von vielen Hauptcharakteren aus Romantasy-Büchern abheben. Und auch abseits der Charakterbildung hat mich der Schreibstil wieder überzeugt: Spannung und Emotionen im Einklang, weshalb ich regelrecht durch die Seiten geflogen bin.
Auch dass ein bereits bekannter Charakter im Verlauf vom Buch eine etwas unerwartete Entwicklung durchgemacht hat, fand ich ehrlich gesagt sehr spannend und vor allem nachvollziehbar – zumal es sogar im Buch selbst Aufmerksamkeit bekommen hat und durch Aspekte wie eine Posttraumatische Belastungsstörung erklärt wurde. Liebe Leute, wie genial ist es bitte, dass sowas mal Beachtung findet? In Büchern wird so oft vergessen, was all die grausamen Dinge, die unsere Protagonist/-innen erleben müssen, auslösen können – aber hier wird es thematisiert. Großes Kino!
Der einzige größere Kritikpunkt ist die Tatsache, dass ich mich bei einer grundlegenden Sache frage, warum sie so gekommen ist. Eine spezielle (Nicht-)Handlung, auf der der gesamte Plot basiert, war für mich nicht nachvollziehbar und lag mir bis zum Ende als bitterer Beigeschmack auf der Zunge, weil ich das Gefühl hatte, man hätte sich einiges sparen können, wenn … na ja, miteinander geredet worden wäre.
Lässt man das aber außer Acht, war es ein großartiges Buch, mit überraschend eingebauten Thematiken und Suchtpotenzial.

Veröffentlicht am 05.09.2021

Erschreckend, packend, unter die Haut gehend

Sanctuary – Flucht in die Freiheit
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4 Sterne | Pluspunkte: Erschreckend, packend, im Gedächtnis bleibend | Minuspunkte: Etwas unausgereifter Schreibstil | TW: Rassismus, Tod, sexuelle Übergriffe
Im Jahr 2032 werden alle Bürger*innen der ...

4 Sterne | Pluspunkte: Erschreckend, packend, im Gedächtnis bleibend | Minuspunkte: Etwas unausgereifter Schreibstil | TW: Rassismus, Tod, sexuelle Übergriffe
Im Jahr 2032 werden alle Bürger*innen der USA durch einen ID-Chip dokumentiert – zumindest die, die legal im Land leben. Vali und ihre Mutter gehören nicht dazu. Der Hass gegen Undokumentierte wächst immer weiter, der Präsident beginnt eine Hetzjagd, und sie müssen fliehen. Als die Familie getrennt wird, muss Vali mit ihrem kleinen Bruder allein weiter, obwohl sie nicht weiß, wie.
Auch wenn es erst ein paar Tage her ist, dass ich „Sanctuary“ beendet habe, weiß ich schon, dass mir dieses Buch noch eine ganze Weile nachhängen wird. Den Minuspunkt bezüglich des Schreibstils werde ich auch nicht weiter ausführen. Es gibt so viel Wichtigeres zu sagen. Dabei kann ich euch gar nicht vernünftig erklären, wie ich mich während des Lesens und vor allem nach dem Abschluss dieser Geschichte gefühlt habe. Wie der Anriss des Inhalts schon verdeutlicht, handelt es sich bei „Sanctuary“ um eine Near-Feature-Dystopie – und die Bezeichnung trifft es wirklich, denn so vieles von dem, was über die Seiten hinweg erzählt wird, fühlt sich erschreckend real, nah und möglich an. Einiges davon ist es sogar.
Das Buch lebt von den Emotionen, die es vermittelt. Unglaube, Wut, Angst, Trauer, Verzweiflung und noch so viel mehr haben mich über die Seiten hinweg immer wieder für sich eingenommen. Ich war hin- und hergerissen zwischen dem Wunsch, dass nichts davon jemals in Wirklichkeit passieren würde und dem Wissen, dass so vieles davon schon längst geschieht. Es passiert, während ich lese. Während ich diese Zeilen tippe. Während ich mir ein neues Buch aussuche. Denn das ist die Wahrheit: Für mich war es „nur“ eine Geschichte, die von der nächsten abgelöst wird – aber für viele andere ist es Realität. Und das macht dieses Buch so bedeutsam, so erschreckend und prägend.
Eine klare Empfehlung trotz kleinerer Schwächen, weil es sich für alles andere lohnt. Vor allem für das eigene Bewusstsein.

Veröffentlicht am 23.08.2021

Willkommen zurück in Willow Creek!

A History of Us − Erst auf den zweiten Blick
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4 Sterne | Pluspunkte: Flüssiger Schreibstil; malerisches Setting; liebenswürdige Charaktere | Minuspunkte: Sehr vorhersehbar; Erzähltempo

Himmel, was habe ich mich darauf gefreut, nach Willow Creek zurückzukehren! ...

4 Sterne | Pluspunkte: Flüssiger Schreibstil; malerisches Setting; liebenswürdige Charaktere | Minuspunkte: Sehr vorhersehbar; Erzähltempo

Himmel, was habe ich mich darauf gefreut, nach Willow Creek zurückzukehren! Romance-Bücher sind ja nicht unbedingt meine besten Freunde, aber an den ersten Band dieser Reihe mit seiner süßen Kleinstadt und all den liebevollen, authentischen Charakteren habe ich regelmäßig zurückgedacht. Meine Vorfreude auf „Erst auf den zweiten Blick“ war somit hoch.

Stacey hat das Gefühl, auf der Stelle zu treten. An der Männerfront ist Flaute und ihr Job langweilt sie. Nur dem Mittelalterfestival fiebert sie jedes Jahr aufs Neue entgegen – vor allem, weil damit auch ihre Sommeraffäre wieder in die Stadt kommt. Doch als Stacey Dex nach Abschluss des Festivals eine betrunkene Nachricht schreibt, entwickelt sich eine überraschend tiefgreifendes Gespräch – und plötzlich scheint aus der Affäre weit mehr werden zu können als ursprünglich angenommen. Oder nicht?

„Erst auf den zweiten Blick“ bringt ein ähnliches Wohlfühlfeeling wie sein Vorgänger mit sich. Die authentischen, vertrauten Gesichter sowie die bekannte Kulisse haben mich ohne Probleme zwischen den Seiten verschwinden lassen. Der Schreibstil ist wunderbar liebevoll und leichtgängig, weshalb ich das Buch an einem Stück verschlungen habe. Ich konnte nicht mehr aufhören – es fühlte sich ein wenig an wie nach Hause kommen. 🥰 Was mich etwas gestört hat, war der vorhersehbare Ablauf. Der Klappentext verrät bereits den Bruch der Geschichte und der dramaturgische Aufbau des Buchs gleicht dem seines Vorgängers beinahe bis aufs Haar. So fehlten mir ein paar Überraschungen, um meine Lesefreude permanent voll hochhalten zu können.

Trotzdem: „Erst auf den zweiten Blick“ ist eine Leseempfehlung für alle, die sich mit einem Tee in der Hand und einem Lächeln auf den Lippen einkuscheln wollen, denn dazu passt dieses Buch perfekt. 💛

PS: Man kann das Buch als Standalone lesen, allerdings würde ich das nicht empfehlen, da dann ein Teil des Zaubers verloren geht.