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Veröffentlicht am 12.03.2020

Einblick in die Seele einer selbstbewussten Frau

Ich erwarte die Ankunft des Teufels
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Der Literaturwelt völlig unbekannten MaryMacLane gelang es 1902 als 19jährige mit diesem literarischen Selbstporträt im Tagebuchstil über Nacht berühmt zu werden.

Während der vorliegende Titel „ Ich ...

Der Literaturwelt völlig unbekannten MaryMacLane gelang es 1902 als 19jährige mit diesem literarischen Selbstporträt im Tagebuchstil über Nacht berühmt zu werden.

Während der vorliegende Titel „ Ich erwarte die Ankunft des Teufels“ damals ein anderer war, doch dazu findet sich am Ende des Buches ein Nachwort von Ann Cotten, der Übersetzerin und ein Essay von Juliane Liebert.



Wer dieses Buch liest, sollte sich Zeit nehmen.

MacLane hat ihre Einträge im Januar 1901 begonnen und sie endeten im Oktober 1901.

Wie sie selber schreibt „Es ist ein Dokument von drei Monaten Nichts. „ Seite 175



Gekonnt erzählt sie von der Ödnis und dem Sand in der Bergarbeiter Stadt Butte, Montana.

Von ihrer Kindheit an bis zur Fertigstellung des Manuskripts.

Ihre Mutter, so schreibt sie anfangs ...“ hat ein vollkommen verzerrtes Bild von meiner Natur und meinen Wünschen, falls sie sich selbst eine Vorstellung davon macht.“



Sie kehrt ihr Innerstes nach außen und überschreitet damit Grenzen, die ihr, besonders als junge Frau, nicht gestattet sind. Sie lehnt sich auf, sie ist pubertär aber zugleich auch unendlich traurig über ihr Schicksal in der Gegenwart und Zukunft.





Sie vertraut dem Tagebuch Intimes an, öffnet ihre Seele für die Welt und schafft so eine Brücke zu den Leserinnen und Lesern.

MaryMacLanes Ambivalenz ließ mich nicht kalt. Auch ihren „ Größenwahn“ — sie sieht sich als Genie, als peripatetische Philosophin mit Ihrer ausgehungerten Seele nach Glück und Liebe.

Manchmal verstehe ich sie nicht, doch dann fühle ich wieder mit ihr und es ist klar, was sie sagen will.

Den Teufel sieht sie als Gestalt eines Mannes, stark und gut gekleidet, der ihr aus dem tristen Dasein als Frau und den aufgelegten gesellschaftlichen Codex aus diesem Leben hilft.

Es lechzt sie nach Ruhm, nach Selbstschöpfung und Intellektuellen Austausch.



Am 22.Februar schreibt sie „ Das Leben ist eine erbärmliche Sache.“

Doch sie kann auch ganz anders, sie beschreibt die Natur am 31.01. — wo sie die fernen Berge beschreibt, wie die Sonne sich über die fernen Hügel legt...

Dieses autobiographische Werk hat an Aktualität nicht verloren. Mögen viele es lesen und sich mit der Figur der MaryMacLane auseinandersetzen, sie hat viele Facetten.

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 06.09.2018

Land im Sturm

Land im Sturm
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Ein guter Einstieg in die deutsche Geschichte beginnt mit Arnulf dem Schmied, der mit seiner überstürzter Flucht einige Hindernisse überwinden muss. Dies ist der erste Teil der Geschichte, einer der wichtigsten ...

Ein guter Einstieg in die deutsche Geschichte beginnt mit Arnulf dem Schmied, der mit seiner überstürzter Flucht einige Hindernisse überwinden muss. Dies ist der erste Teil der Geschichte, einer der wichtigsten Stationen deutscher Geschichte.
Der Roman ist gut gegliedert in 5 Teile, die jeweils in Kapitel gegliedert sind. Teil Zwei befasst sich mit den Wenden, dem Seehandel, den Kreuzzug Heinrich des Löwen, Markgraf Albrecht der Bär, die gemeinsam gegen die Wenden ziehen und spielt im Jahre 1146. Wieder gibt es Protagonisten, die einem ans Herz wachsen.
Der dritte Teil spielt 1647, kurz vor Ende des dreißigjährigen Krieges – eine Verwüstung und Schrecken gehen durch Europa. Vertriebene Menschen, die viel Leid erlebt haben, marodierende Soldaten auf der Suche nach Essen und wieder Protagonisten die sich durch diese Epoche durchkämpfen. Teil Vier handelt von Napoleon und Preußen, und spielt im Jahre 1813.
Der letzte und fünfte Teil des Romans spielt im Februar 1848. Die beiden letzten Teile sind mit den Charakteren verknüpft, was dem Roman guttut.
In allen Teilen wird das Leben der einfachen Menschen unter den Bedingungen und Wirrungen der politischen und gesellschaftlichen Verhältnisse beschrieben.
Historisches ist gut recherchiert und verknüpft mit den Charakteren.
Der Autor hat versucht den Protagonisten weitgehend die gleichen Namen zu geben. z.Bsp.: ist „Eberhard“ der Charakter des Intriganten, des Bösewichts. Arnulf, Gero gehören zu den Handwerkerzunft, den Schmieden.
Der Roman hat Unterhaltungswert und lässt sich flüssig lesen. Wenn man sich auf eine Geschichte mit neuen Charakteren einlässt, dann hat man einen sehr guten Lesespaß.
Einen Stammbaum, der die 1000jährige Geschichte durch die Epochen begleitet gibt es nicht. Das hat mir persönlich nicht gefallen. Deshalb hätte ich mir ein Personenregister gewünscht und Karten, die hätten die Epochen mehr veranschaulicht. So wurde der Lesefluß unterbrochen, da ich hin und wieder nachschlagen musste, wie das Deutschland vor 1000 Jahren aussah, welche Stämme und Völker wo gelebt haben. Welche Schlacht wo geführt wurde.
Rundum ein lesenswerter Roman mit wenigen Längen und guter Recherche.

  • Cover
  • Abenteuer
  • Geschichte
  • Spannungsbogen
  • Thema
Veröffentlicht am 30.06.2018

Leere Herzen und ein Buch voller Spannung und Brisanz

Leere Herzen
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1.Auflage 2017
Luchterhand Literaturverlag, München, in der Verlagsgruppe Random House GmbH
Deutschland in naher Zukunft, Frexit, die Besorgte-Bürger-Bewegung (BBB), Rücktritt von Frau Merkel, die Demokratie ...

1.Auflage 2017
Luchterhand Literaturverlag, München, in der Verlagsgruppe Random House GmbH
Deutschland in naher Zukunft, Frexit, die Besorgte-Bürger-Bewegung (BBB), Rücktritt von Frau Merkel, die Demokratie wurde abgeschafft, Politikverdrossenheit, eine Gesellschaft, die wegschaut, Menschen mit sich selbst beschäftigt, leben in den Alltag ein und aus „Ganz offensichtlich hat Knut nicht verstanden, dass Politik wie das Wetter ist: Sie findet statt, ganz egal, ob man zusieht oder nicht, und nur Idioten beschweren sich darüber.“ Britta Söldner und ihr Geschäftspartner Babak Hamwi führen ein kleines Unternehmen namens „Die Brücke“ - was harmlos klingt, als Heilpraxis für Selbstmordprävention getarnt — doch ihr Geschäft ist der Tod. Britta und Babak bedienen eine Grauzone. So vermitteln Sie einige ihrer Patienten an diverse Gruppen, die dann die Personen einsetzen, um sie dann für Ihre „ Zwecke“ zu nutzen.
„Die Brücke ist keine terroristische Vereinigung. Planung und Durchführung der Aktionen obliegen den ausführenden Organisationen. Britta und Babak beachten die Gesetze der Vernunft, halten sich bedeckt, sorgen für digitale Hygiene, beschränken die Kontakte mit Endkunden auf ein Minimum, achten darauf, keine Verhaltensmuster zu entwickeln, die einen Profiler nervös machen könnten“
Als das lukrative Geschäft der beiden Konkurrenz bekommt, das Leben von Britta und auch auch ihrer Familie auf dem Spiel steht, müssen sie handeln.Dann kommt auch noch Jannina in die“ Brücke“. Britta steht einem unsichtbaren Feind gegenüber, alles wird sich ändern. Nach „Nullzeit“ und „Unterleuten“ habe ich von Juli Zeh diesen spannenden Politthriller gelesen, der vor allem zum Nachdenken anregt. Es gibt viele Parallelen zu der jetzigen Zeit, dem Leser fällt es kaum merklich auf, das dieser Roman im Jahr 2025 spielt. Dieses Buch hat mich gefesselt, der Stil ist gewohnt Juli Zeh, intelligent, sarkastisch, aufrüttelnd und voller Ironie. Der Titel des Buches findet sich auf vielfältige Weise im Buch. Auch die Pünktchen und Kleckse bekommen durch das Lesen eine Bedeutung während des Lesens. Mir hat das Buch so gefallen, das ich am ,liebsten wieder von vorne anfangen wollte. Ein Lesegenuß sprachlich und inhaltlich 5 Sterne. Hochaktuell und von hohem Unterhaltungswert.

Veröffentlicht am 28.06.2018

Nicht das, was ich erwartet hatte

Die Toten von Paris
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Fazit eine durchaus gute Idee mit mit Rafael Bild und die Verknüpfung mit der Zeit während der Besatzung und Kriegszeiten. Doch die Autorin hat meiner Meinung nach viel mehr aus dem Roman herausholen können. ...

Fazit eine durchaus gute Idee mit mit Rafael Bild und die Verknüpfung mit der Zeit während der Besatzung und Kriegszeiten. Doch die Autorin hat meiner Meinung nach viel mehr aus dem Roman herausholen können. Sprachlich sowie inhaltlich.
Es häuften sich Wiederholungen
...und draußen lief ein Mörder frei herum... wenige Zeilen später: ein Mörder lief frei herum, ja und?“
Die Autorin bedient sich französischer Floskeln, auch ein Mix an deutscher Umgangssprache die auf mich nicht die Wirkung hatten, wie Sie vielleicht beabsichtigte. „Hinz und Kunz“ ; geschasst, das gab es auch, ( eindeutig nicht französisch); „D’accord“, „Merde“
„Der Clochard ist abgehauen“ ...
Des weiteren haben wir hier genug französische Straßen zu lesen, die Personen, die, natürlich französisch sind- wenn nicht gerade boche, wieder so ein Wort, das abwertend für Deutsche genommen wird, taucht ständig auf.
„Jeder boche wollte gern nach Paris, früher jedenfalls. Paul war erst sechs Wochen beim ERR –dem Einsatzstab Reichsleiter Rosenberg –,“
»Willkommen bei der Sûreté, Inspektor Ricolet.»Bonjour, Monsieur le commissaire.
„Sie waren in der Morgue, wie ich hörte. Was hatten Sie dort zu suchen?“
Auch wenn ich die französische Sprache lesen und sprechen kann, hat mich dieser Mix sehr verwirrt und nicht gefallen.
Eine detaillierte Vergangenheit, die der Pauline und des Inspectors Ricolet sowie den anderen Personen hätten mehr zur Spannung beigetragen, die historischen Ereignisse besser ins Geschehen gebracht und die Protagonisten glaubwürdiger erscheinen lassen.
So wirkt der Roman eher durchschnittlich auf mich, was ich schade finde, denn an dem einem oder anderem Satz habe ich durchaus Freude beim Lesen gehabt.
„Ein wirklich schöner Satz: „Ein gehäkelter Lampenschirm bewegte sich im Luftzug des geöffneten Fensters, wie ein Galgen baumelte er hin und her und warf skurrile Schatten an die weiß gestrichene Zimmerdecke.“
Dieser Satz beschreibt sehr schön, wie Ricolet seine momentane Umgebung wahrnimmt.

Das Kapitel 9 war furchtbar— die Liebes Geschichte verwässert die Szenen
davor.
Mit einer Schussverletzung haben sie Sex, die Autorin schreibt hier eine der vielen Räuberpistolen.
Oft überschlugen sich die Ereignisse derart, wurden zu schnell aufgelöst, das zur abflachenden Spannung beitrug.

Leseempfehlung kann ich denjenigen geben, die eine, als getarnten Krimi, Schmonzette lesen möchten mit Unterhaltungswert ohne tiefgreifende Erwartungen an Charaktere und Handlung zu haben.
2,5 Sterne für diesen Roman.Der Roman kommt dem Klappentext nicht nach.Schade.

  • Cover
  • Spannung
  • Figuren
  • Geschichte
  • Erzählstil
Veröffentlicht am 27.05.2018

Am Fuße der Weltenesche weben die drei Spinnerinnen Uthreds Schicksal

Die Herren des Nordens
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Band 3 Der Uhtred- Saga

Uhtred hat in der Schlacht von Ethandun das letzte englische Königreich gerettet. Ohne ihn wäre Alfred jetzt nicht König von Wessex. Er wurde von Alfred mit wenig Land belohnt ...

Band 3 Der Uhtred- Saga

Uhtred hat in der Schlacht von Ethandun das letzte englische Königreich gerettet. Ohne ihn wäre Alfred jetzt nicht König von Wessex. Er wurde von Alfred mit wenig Land belohnt – Fifhanden -Fünf Felder. Er kehrt zurück in seine vom Krieg erschütterte Heimat.

Dort tritt er ein in den Dienst König Guthreds von Northumbrien, den er selbst aus dänischer Sklaverei befreit hat. Doch dieser hat andere Pläne, um sich die Macht zu sichern. Uthred wird verraten und verschleppt, fern von der englischen Heimat muss er überleben, um Gisela, Guthreds Schwester wieder zu sehen, und sich an Kjartan, genannt den Grausamen, zu rächen. Kjartan hat einst Ragnars Familie getötet, Uthred wurde von Ragnar aufgezogen, wie ein Sohn, er ist ihm verpflichtet. Ragnar ist jedoch die Geisel von Alfred. Uthreds Ziel Wieder Herr von Bebbanburg (heute Bamburgh Castle) zu werden rückt in weite Ferne.

Wieder ist es Cornwell gelungen, die Figur des Kriegers Uthred mit der englischen Geschichte und der dänischen Invasion zu verknüpfen. Die christlichen Mönche haben immer mehr Einfluss auf die Herrscher und auch auf die Dänen. Es kommt immer wieder zu Spannungen und gegenseitiger Verachtung zwischen Heiden und Christen, die durch einige Mönche erst geschürt werden.

Spannend auf hohem Niveau, guter Recherche, vielen Schlachten und Kämpfen gewinnt der Roman an Fahrt, bis fast zum Schluss. Leider ist das Kapitel 8 und 9 sehr langgezogen, das dem Roman in den entscheidenden Moment die Spannung nimmt. Ich hatte mich zeitweilig wirklich gefragt, warum die Belagerung ins kleinste Detail beschrieben werden mochte.

Gefallen hat mir nicht, wie die Stelle, als die Hunde von Kjartan plötzlich andere Wege gingen, dies wurde schon zuvor angedeutet, dass es nicht überraschend war, beschrieben wird. Ich fand das sehr unglaubwürdig. Für dieses Ende ziehe ich 1 Stern ab. Ansonsten hat der Roman mich gut unterhalten.