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FlorianEckardt

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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 15.09.2016

Die Zukunft wird anders...

Zeitfuge
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Ellis Rogers ist 58 Jahre alt. Dann erfährt er, dass er an einer tödlichen Lungenfibrose leidet und noch maximal ein Jahr zu leben hat. Er hat nichts mehr zu verlieren und entschließt sich, die Zeitmaschine ...

Ellis Rogers ist 58 Jahre alt. Dann erfährt er, dass er an einer tödlichen Lungenfibrose leidet und noch maximal ein Jahr zu leben hat. Er hat nichts mehr zu verlieren und entschließt sich, die Zeitmaschine in seiner Werkstatt tatsächlich auszuprobieren. Entgegen seiner Erwartung funktioniert die Zeitmaschine tatsächlich. Allerdings etwas anders als zunächst gedacht. Denn ursprünglich wollte Rogers nicht weiter in die Zukunft reisen, als die Gründung der USA zurückliegt. Durch einen Fehler in der Berechnung wird er allerdings in das Jahr 4078 katapultiert. Mitten in eine Welt, die ganz und gar anders ist, als wir sie uns erträumt haben.

Um den Spaß am Lesen nicht zu nehmen, beschränke ich mich inhaltlich wirklich auf den Anfang der Story. Ellis Rogers landet in einer Welt, die beinahe komplett von Wäldern bedeckt ist. Dann wird er unfreiwilliger Zeuge eines Mordes und findet sich bald darauf in „Hollow World“ wieder, einer fast schon idyllischen Welt unter der Erde. Die Menschen, die dort noch leben (schätzungsweise 123 Millionen) sind unsterblich und haben so gut wie alle Probleme unserer Welt gelöst. Es könnte das Paradies auf (bzw. unter) Erden sein. Doch auch die Idylle kennt ihre Grenzen. Wo Gewalt und Diskrimierung genauso wie jegliche Art von Autorität abgeschafft wurden, haben die Mensch ein ziemlich großes Problem: Sie basieren alle auf der selben genetisch perfektionierten Vorlage. Dieses Wissen sollte man im Hinterkopf haben, um später die Zusammenhänge in der Handlung besser verstehen zu können. Natürlich ist das noch nicht alles, was die knapp 400 Seiten der Story zu bieten haben. Nein. Denn Ellis Rogers wird feststellen, dass Hollow World nicht nur ein Paradies ist und dass man genau aufpassen sollte, wem man vertraut.

Tiefgründige Hintergründe und ernste Themen
Sullivan schreibt in seinem Nachwort selbst, dass er den Roman Zeitfuge (im Original „Hollow World“) eigentlich gar nicht schreiben wollte und anschließend nicht mit einem solchen Erfolg gerechnet hätte. Der Autor ist eher für Fantasy bekannt und schreibt mit Zeitfuge seinen ersten Science-Fiction-Roman. Auch oder gerade weil der Autor nicht auf den Erfolgszug von Serien wie „Star Wars“ und „Halo“ aufspringt, hat Zeitfuge weit mehr als nur eine simple Zeitreise über 2000 Jahre in die Zukunft zu bieten. Natürlich hat sich die Welt verändert und doch werden durchaus ernste Themen angeschnitten. Freundschaft und Vertrauen sind dort genauso wichtig wie Individualismus. Ein besonderes Augenmerk möchte ich auf Sullivans Leistung legen, knapp 2000 Jahre Weltgeschichte einfach mal nebenbei zu erzählen, ohne dass es jemals langweilig wird. Dadurch baut er eine stimmige Welt auf und achtet dabei auch darauf, dass die Ereignisse logisch an unsere Zeit anschließen. Wenn man die Figuren betrachtet, die wirklich gut ausgearbeitet sind, merkt man auch, warum sich die Welt bis ins Jahr 4078 so verändert hat, wie sie sich verändert hat.

Insgesamt habe ich das Buch wirklich genossen. Das Versprechen „Die Zukunft beginnt jetzt“ auf dem Buchrücken wird mit jeder Seite eingehalten. Und: Der Roman bringt mich als Leser darüber ins Grübeln, was unsere Gegenwart wirklich falsch macht und warum Hollow World nicht perfekt aber doch ein guter Anfang ist.

Veröffentlicht am 15.09.2016

Positiv verstörend

Bird Box - Schließe deine Augen
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Diese Geschichte ist vor allem eines: ziemlich krass verstörend. Aber genau das macht diesen Thriller aus. Mehr und mehr Menschen drehen durch und begehen Selbstmord, nachdem sie ETWAS sehen, das sie sehen, ...

Diese Geschichte ist vor allem eines: ziemlich krass verstörend. Aber genau das macht diesen Thriller aus. Mehr und mehr Menschen drehen durch und begehen Selbstmord, nachdem sie ETWAS sehen, das sie sehen, wenn sie nach draußen blicken. Die wenigen Menschen, die noch nicht dem Wahnsinn verfallen sind, verstecken sich in ihren Häusern. Die Türen sind ständig geschlossen. Die Fenster verhangen, damit niemand nach DRAUSSEN sehen kann. Denn sobald jemand etwas sieht, wird er wahnsinnig. Ausnahmslos alle betroffenen Menschen begehen auf besonders grausame Art Selbstmord. Wenn die Menschen dann doch einmal nach draußen gehen müssen, tragen sie eine Augenbinde, die sie ohnehin nur in sicheren Häusern abnehmen.

Schließe deine Augen
Malorie ist hochschwanger als der Wahnsinn beginnt. Viele Menschen in aller Welt nehmen sich das Leben, nachdem sie etwas sehen. Als der Wahnsinn ihrem Heim gefährlich nahe kommt, reagiert sie auf eine Zeitungsanzeige und fährt in ihrem Wagen zu einem Haus, in dem eine Gruppe von Menschen lebt, die sich vor dem Wahnsinn versteckt. Vier Jahre später macht sich Malorie erneut auf den Weg. Zwanzig Meilen den Fluss hinab. Und das mit verbundenen Augen, wobei sie sich auf das Gehör ihrer Kinder verlassen muss, die bis zum Schluss nur Junge und Mädchen genannt werden. All das passiert in einer Welt, in der man den Tod erblickt, wenn man die Augen öffnet.

Etwas ist absolut tödlich
Bis zum Ende des Buches erfährt der Leser nicht wirklich, was die Menschen so dermaßen verstört, dass sie sich anschließend das Leben nehmen und möglicherweise andere Menschen verletzen. Der Leser ist dauerhaft von der Angst geplagt, nicht zu wissen, wo der Schrecken lauert. Ein kleiner Tipp am Rande: Man sollte dieses Buch nicht unbedingt direkt vor dem Einschlafen lesen. Sonst könnte es sein, dass man am nächsten Morgen nicht mehr vor die Tür gehen will. Ich habe selten ein Buch gelesen, dass mir so unter die Haut geht. Der Thriller -offiziell nur als „Roman“ bezeichnet- lebt von einem subtilen Horror, den man am Ehesten noch in einem Buch von Stephen King erwarten würde. „Bird Box“ ist einfach nur verstörend. Verstörend allerdings in einem durchaus positiven Sinn. Die Geschichte macht mir Angst. Allein schon, weil die Wesen, die den Wahnsinn offenbar auslösen, immer nur eine Randerscheinung bleiben. Die letzte Seite lässt den Leser mit einem flauen Gefühl in der Magengegend zurück. Am Ende wird man überlegen, ob man ab jetzt die Augen geschlossen hält oder lieber gleich die Fenster bedeckt.

Veröffentlicht am 15.09.2016

Du sollst keine Götter neben mir haben.

AERA – Die Rückkehr der Götter
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Wir schreiben das Jahr 2019. Am 21. Dezember 2012 sind die alten Götter auf die Erde zurückgekehrt. Nur der eine Gott, den man in anderen Kulturkreisen auch Jahwe oder Allah nennt, hat sich noch nicht ...

Wir schreiben das Jahr 2019. Am 21. Dezember 2012 sind die alten Götter auf die Erde zurückgekehrt. Nur der eine Gott, den man in anderen Kulturkreisen auch Jahwe oder Allah nennt, hat sich noch nicht blicken lassen.

Markus Heitz beschreibt in Aera eine Welt, die von Meinungsverschiedenheiten rund um die wahre Religion geprägt ist. In dieser Welt sind die einstmals mächtigen Religion Christentum, Judentum und Islam zu jämmerlichen Sekten verkommen, deren Glauben an einen nicht vorhandenen Gott von allen belächelt wird.

Inhalt:

Die alten Götter sind auf die Erde zurückgekehrt und scharren ihre Anhänger um sich. Malleus Bourreau ist trotzdem Atheist geblieben und als Ermittler bei Interpol auf Kriminalfälle spezialisiert, in die Götter verwickelt sind. Er ist gut in seinem Job, da er sich weder von Menschen noch von Götter einschüchtern lässt und seine Entschlossenheit von beiden Seiten gefürchtet ist.

Doch sein neuester Fall lässt selbst den erfahrenen Ermittler an seine Grenzen stoßen, als überall auf der Welt religiöse Artefakte aus verschiedensten Kulturkreisen verschwinden. Die Diebe gehen dabei wortwörtlich über Leichen, um an ihr Ziel zu kommen. Als wäre das nicht genug, hat der Ermittler immer wieder mit Kleinigkeiten wie seinem Privatleben zu kämpfen, wenn ihn Erinnerungen an seine eigene Vergangenheit treffen.

Einschätzung:
Markus Heitz wird in Fachkreisen gerne als Meister der Phantastik gefeiert. Sein Schreibstil hat seinen ganz eigenen Charme und er versteht es, den Leser mit vielschichtigen oder geheimnisvollen Charakteren bei Laune zu halten. Neben einer packenden Story, über die man auch in den Lesepausen und nach dem Abschluss des Buches gerne nachdenken kann. Für mich ist Aera ein sehr gutes Buch. Die Handlung baut hier und da kleine Wendungen ein, so dass die Ziele der einzelnen Charaktere nicht immer klar zu erfassen sind. Klar gibt es einen Kriminalfall um die verschollen Artefakte, der sich als roter Faden durch den Roman zieht, trotzdem ermittelt der Inspektor auch privat und deckt allerlei Dinge auf. Dazu will ich hier gar nicht zu viel schreiben, um den Lesespaß nicht zu mindern.

Außerdem hat der Autor hier etwas geschafft, was selten der Fall ist: Ich mochte beim Lesen einen Nebencharakter mehr als die Hauptfigur der Story. Wenn ich hier APB schreibe, dürfte jeder, der das Buch (oder die E-Books) gelesen hat, wissen, wer gemeint ist. Ich finde diesen Charakter einfach toll, weil er anders als Bourreau, fast immer im Hintergrund bleibt und die Beschreibungen über ihn immer nur an der Oberfläche kratzen. Trotzdem treibt er nebenbei ohne es zu merken, die Handlung ein ganzes Stück voran.