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Franzy_liest_und_lebt

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Veröffentlicht am 10.08.2017

Ein Buch, das topaktueller nicht sein könnte!

Zorn und Gier
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Buchinfo
Bei der Eröffnung einer Großmoschee in Köln wird ein Muezzin während des Gebetsrufes von einem Scharfschützen erschossen. Da es direkt im Anschluss zu Ausschreitungen kommt, erhalten Hauptkommissar ...

Buchinfo
Bei der Eröffnung einer Großmoschee in Köln wird ein Muezzin während des Gebetsrufes von einem Scharfschützen erschossen. Da es direkt im Anschluss zu Ausschreitungen kommt, erhalten Hauptkommissar Sacher vom BKA und sein Team den Ermittlungsauftrag. Schnell wird klar, dass eine antiislamische Terrororganisation das Land bedroht. Doch mit jedem Hinweis, den die Ermittler finden, ergibt sich eine neue Ungereimtheit. Und so ermittelt das Team, ohne zu ahnen, dass es eine internationale Katastrophe auslösen könnte. (Amazon)

Erster Satz
Der Geschmack in seinem Mund war widerwärtig.

Meine Meinung
Als der Autor auf mich zukam und fragte, ob ich Interesse an seinem Buch hätte, musste ich nicht lange überlegen. Die Thematik könnte aktueller kaum sein - und schwieriger auch nicht.

Ein deutscher Autor, der in seinem Buch Terrorangriffe auf Menschen des islamischen Glaubens startet. Geht das überhaupt? Ja, das geht sehr gut!

Roman Armin Rostock macht nämlich (glücklicherweise) nicht den Fehler auf Klischees aufzuspringen oder irgendeiner angebräunten Meinung zu folgen, sondern richtet den Blick auf alle Ansichten. Jede seiner Figuren kommt zu Wort und kann somit die eigene Meinung darlegen. Dieser Umstand macht es wirklich interessant und sorgt dafür, dass man Handlungen und Gedanken nachvollziehen kann.

Ich will über den Inhalt eigentlich gar nichts verraten, um niemandem die spannenden "Ach was?!"-Momente zu nehmen. Was ich aber sagen möchte ist, dass ich es einen wirklich cleveren Zug fand, eine türkischstämmige Polizistin ins Ermittlerteam zu packen. Das finde ich nicht nur realistisch (laut statistischem Bundesamt hat jeder Fünfte in Deutschland einen Migrationshintergrund), sondern auch gut durchdacht, da hier Anschläge auf eben solche Menschen getätigt werden. Auch das bringt noch einmal eine ganz andere Sichtweise mit in die Geschichte.

Dieses Buch regt zum Nachdenken an. Während des Lesens macht man sich nicht nur Gedanken über die Geschichte auf den Seiten, sondern durchdenkt automatisch auch seine ganz eigene Meinung zu diesem Thema.

Fazit
Ein spannender Thriller mit einem ebenso aktuellen wie auch heiklem Thema, der hier und da an Grenzen gerät, aber nicht darüber hinausschießt.
Dieses Buch hält was es verspricht, denn es steht drauf, was drin steckt! Die Spannung und der Lesewillen bleiben, die mehr als 500 Seiten, durchgehend vorhanden und ziehen den Leser förmlich durchs Buch.

Wer sich darauf einlässt wird zum Nachdenken angeregt und lässt sich das Buch noch längere Zeit durch den Kopf gehen.

Ich würde dieses Buch jedem empfehlen wollen, der politisch interessiert ist und/oder sich neue Blickwinkel zu diesem Thema erschließen will.

Veröffentlicht am 28.06.2017

Ein guter Anfang aber definitiv noch Luft nach oben!

Die Rebellion der Maddie Freeman
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Buchinfo
Eine Stadt in den USA, nur wenige Jahre in der Zukunft: Plastikbäume, Online-Dates und Schule im Netz - Maddie, 17, lebt wie die meisten ein digitales Leben. Und merkt kaum, wie seelenlos sich ...

Buchinfo
Eine Stadt in den USA, nur wenige Jahre in der Zukunft: Plastikbäume, Online-Dates und Schule im Netz - Maddie, 17, lebt wie die meisten ein digitales Leben. Und merkt kaum, wie seelenlos sich das anfühlt. Bis sie sich Hals über Kopf in den etwas älteren Justin verliebt. Für ihn findet das wahre Leben offline statt. Er nimmt Maddie mit in Coffeeshops und Clubs und sie fühlt sich immer mehr von diesem echten Leben angezogen.
Gemeinsam mit seinen Freunden kämpft Justin gegen die Künstlichkeit der Welt und die Anonymität der sozialen Netzwerke. Dieser Kampf richtet sich gegen die ganz oben - und damit auch gegen Maddies Vater, der das System der Digital School gesetzlich verankert hat. Maddie wird für die Bewegung zur Schlüsselfigur. Doch für welche Seite wird sie sich entscheiden? (Verlag)

Erster Satz
An meinem siebzehnten Geburtstag schenkte mir meine Mutter ein altes, in Leder gebundenes Tagebuch.

Meine Meinung
Du glaubst, dass die Technik dich nicht beherrscht? Dass du nicht Abhängig vom Internet oder irgendwelchen Maschinen bist? Technologie ist nicht ständig in deinem Leben vertreten?
Dann denk das nächste Mal genau darüber nach, wenn du dir schnell mal was in der Mikrowelle warm machst. Oder du dein Smartphone zückst, wenn du auf die Bahn wartest um die App zu starten, anstatt auf den Abfahrtsplan aus Papier zu schauen. Oder du nicht deine Eltern fragst, wenn du was nicht weißt, sondern Google aufrufst.
Wir alle sind mittlerweile abhängiger von Elektronik, als uns lieb ist und wir zugeben würden. Sei es einfach aus Bequemlichkeit oder weil es nicht anders geht - ohne Strom sähen wir wirklich alt aus. Doch was wäre, wenn die Regierung genau das will? Wenn Politiker so vermeiden, dass Menschen sich in Gruppen zusammenfinden und Dinge hinterfragen?

Setzen wir sie einfach vor einen Bildschirm und kauen ihnen alles vor anstatt sie selbst denken zu lassen...

Maddie Freeman lebt in so einer Welt. Alles läuft nur noch online und digital, für jedes Problem gibt es einen elektronischen Helfer. Doch Maddie ist nicht wirklich Teil von dieser Gesellschaft. Bereits vor zwei Jahren hatte sie sich einer Rebellengruppe angeschlossen und ihren Vater damit in ernste Schwierigkeiten gebracht. Außgerechnet ihn - Entwickler der Digital School, welche von der Regierung als Pflichtprogramm eingesetzt wurde. Und eigentlich steht sie unter Beobachtung, sollte sich also keinen Schnitzer mehr erlauben und die perfekte Tochter sein. Eigentlich. Denn plötzlich ist da Justin. Ein Freigeist und Selbstdenker, der mehr off- als online ist und Maddie zu einem Leben außerhalb ihres Zimmers verführt...

Ich selbst komme noch aus der letzten Generation, die ohne großen Technik-Schnick-Schnack ausgekommen ist. Wir haben beim Telefonieren auf die Uhr gucken müssen, da noch nie jemand etwas von Flatrates gehört hatte. Es hat einen Unterschied gemacht, ob es sich um ein Orts- oder Ferngespräch handelte. Wir mussten noch zu unseren Freunden hin, klingeln und der Satz "Darf der/die XY zum Spielen raus?" gehörte zum Stammwortschatz. Zwischendurch zu Hause melden, weil es eben kein Handy gab mit dem man mal schnell bescheid geben konnte, dass alles in Ordnung ist. Beim Spielen in den Bach gefallen? Kein Problem! Das Einzige was nass werden konnte waren die Kleider und vielleicht mal ein Bonbon in der Hosentasche. Keine zu kurzen Nächte, weil man noch am Smartphone daddelt, obwohl das Licht längst aus ist. Da hat ein "Ich schwöre" noch ausgereicht und niemand wollte das Beweisbild einer Unterhaltung sehen um etwas zu glauben. Niemand wurde mit irgendwelchen Banalitäten berühmt, da es YouTube noch nicht gab. Man musste sich wegen einem Lied eine ganze CD kaufen und konnte es eben nicht irgendwo einzeln downloaden oder streamen.
Ob diese Zeit besser war? Nein. Sie war eben einfach anders. Aber manchmal würde ich mir trotzdem wünschen, dass sich Teenies heimlich Zettelchen zuschieben anstatt sich über Whatsapp zu schreiben. Der kleine Herzinfarkt, wenn der Lehrer diesen Zettel zu fassen bekommt und fragt, ob es für den Rest der Klasse nicht auch interessant zu wissen wäre, ist einfach unbezahlbar

Die Idee dieser Buchreihe hat mich interessiert, seit ich davon gehört hatte. Da es nun Thematisch zur Panem-Challenge gepasst hat, wurde es endlich Zeit, dass ich zumindest den ersten Teil lese.

Der Einstieg wurde Jugendbuch-Typisch einfach gestaltet und war überhaupt kein Problem. Sehr gut gefallen hat mir auch der flüssige Schreibstil, durch den man sehr gut vorankommt und die beschreibende Art der Autorin. Auch wir haben heutzutage einiges von der benannten Technologie, aber das ein oder andere eben (noch) nicht und da ist es wichtig, es sich gut vorstellen zu können. Das konnte ich das gesamte Buch über.

Was mir leider nicht ganz so gut gefallen hat, ist die Tatsache, dass es in einigen Dingen eines von diesen ganz typischen Jugendbüchern ist. Da ist Maddie, die sich ihrem Alter absolut angemessen verhält, aber dadurch eben doch nervt. Es gibt einige Stellen, bei denen ich vor lauter Fremdscham am liebsten im Boden versunken wäre. Und dann hätten wir noch Justin. Ein klein wenig älter als sie und der absolute Mädchenschwarm. Da er so unglaublich gutaussehend, einfühlsam, intelligent und philosophisch ist, fliegen ihm alle weiblichen Herzen zu. Aber was macht Justin? Anstatt diese Situation zumindest das ein oder andere Mal zu nutzen (wie es in diesem Alter absolut normal wäre) will er natürlich von keinem Mädel etwas wissen. Lieber vergräbt er sich in sich selbst und wird nicht müde zu beteueren, dass er nicht gut für irgendwen ist, dass er nicht in dem Maß lieben kann wie er müsste und lieber als einsamer Wolf durch die Welt zieht anstatt jemanden zu verletzen - was natürlich passieren würde. Doch Moment...da ist ja Maddie...bei ihr ist er immer so anders. Auch seine Freunde haben es schon gemerkt. Maddie muss einfach etwas ganz Besonderes sein. Meine Meinung dazu: Das ist so ausgelutscht wie es nur geht. Egal ob Good Boy oder Bad Boy...keiner kann lieben, aber dann kommt SIE. Logo. Absolut realistisch und jedem von uns schon bestimmt drölf Mal passiert.
Was mich in dem Zusammenhang allerdings überrascht hat, war die Tatsache, dass sie nicht innerhalb von zwei Minuten die Big Love gefühlt haben und sich sicher waren, dass es 4 ever and ever ist...den Göttern sei Dank ^^

Trotzdem fand ich die Idee an sich sehr gut umgesetzt, auch wenn noch Luft nach oben ist. Da hoffe ich auf die zwei Bände die noch folgen.

Textstelle
"Dieser Planet wird uns alle überleben. Wir Menschen haben nur das Glück, eine kurze Weile als Besucher auf ihm zu verbringen. Aber wir sind so mit uns selbst beschäftigt, dass wir das nicht kapieren. Stattdessen bilden wir uns ein, dass wir ihn beherrschen können...oder ihn zerstören."
(Seite 290)

"[...] Wir haben nur ein kurzes Gestspiel auf diesem Planeten, mehr nicht."
(Seite 290)

Fazit
Die Idee von der absolut durchdigitalisierten Welt hat mir sehr gut gefallen. Ebenso der Schreibstil und auch das Talent Dinge zu beschreiben und damit Bilder in meinem Kopf entstehen zu lassen.
Leider wurde (wie bei vielen Jugendbüchern üblich) alles noch mit einem "Er liebt mich, er liebt mich nicht...jetzt mach doch, dass er mich liebt"-Kitsch überzogen, der aber nicht ausufernd ist. Auch wenn die eigentliche Geschichte dann manchmal angehalten wird, geht sie danach flüssig weiter.

Es ist definitiv noch Luft nach oben. In dem Fall hoffe ich auf die zwei noch folgenden Teile.

Veröffentlicht am 28.06.2017

Es steht zwar Thriller drauf, doch leider ist keiner drin!

Gangsterland
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Buchinfo
Mafiakiller Sal Cupertine hat es vermasselt. Durch Verquickung unglücklicher Umstände hat er in Chicago drei FBI-Beamte getötet – ein böser Fehler. Statt dafür von seinem Boss selbst ins Jenseits ...

Buchinfo
Mafiakiller Sal Cupertine hat es vermasselt. Durch Verquickung unglücklicher Umstände hat er in Chicago drei FBI-Beamte getötet – ein böser Fehler. Statt dafür von seinem Boss selbst ins Jenseits befördert zu werden, landet er nach diversen Gesichtsoperationen und entsprechendem Intensivstudium als Rabbi David Cohen in einer jüdischen Gemeinde in Las Vegas. Aber auch dort hat die Mafia ihre Finger im Spiel. Bald geht Rabbi Cohen nicht nur wieder seinem alten Gewerbe nach, sondern entdeckt weitere lukrative Betätigungsfelder, die sich mit der Rolle als Seelsorger aufs Beste vereinen lassen. (Verlag)

Erster Satz
Wenn Sal Cupertine einen umlegte, ging er so nah wie möglich ran und schoss ihm in den Hinterkopf. Zielte man ins Gesicht, bestand immer die Gefahr, dass der andere überlebte.

Meine Meinung
Ich liebe Thriller! Ich glaube es gibt kein Genre dem ich so treu bleibe wie diesem. Auch wenn ich hin und wieder etwas anderes einschiebe, sind es immer wieder Thriller nach denen ich greife. Doch warum?
Ich bewundere Autoren, die es schaffen den Leser von der ersten bis zur letzten Seite zu fesseln. Die den Spannungsbogen entweder die ganze Zeit aufrecht halten oder ihn immer mal wieder absenken um dann voll karacho wieder zu punkten, wenn man am wenigsten damit rechnet. Ich will mir die Nacht um die Ohren schlagen, weil ich einfach nicht damit aufhören kann und am Ende geschockt zurückbleiben, weil ich damit einfach nicht gerechnet hätte.

Doch genau das ist dieses Buch leider nicht gewesen.

Tod Goldberg hat hier eine witzige und stellenweise recht zynische Geschichte geschaffen, aber leider keinen Thriller. Mir fehlt die Spannung und der Nervenkitzel. Natürlich, die Geschichte der Mafia und der jüdischen Religion ist durchaus spannend und wird gut beleuchtet, aber das reicht mir einfach nicht aus. Es wäre für mich persönlich absolut in Ordnung gewesen, wenn es sich um einen Roman gehandelt hätte, aber wenn Thriller drauf steht erwarte ich auch einen Thriller zwischen den Buchdeckeln und den habe ich leider nicht bekommen.

Mir war durch den Klappentext durchaus klar, dass es keine bierernste Nummer wird. Keine supertrockenen Ermittlungsarbeiten und keine Psychoanalysen über mehrere Seiten verteilt. Auf Humor und Witz hatte ich mich eingestellt - und gefreut! Aber ich habe eben auch Spannung erwartet und die dann leider nicht bekommen.

Die einzelnen Charaktere blieben ziemlich flach und farblos, was ich ziemlich schade finde. So war es mir nicht wirklich möglich einen Draht zu jemandem aufzubauen. Die Sprache allerdings hat bei jedem gepasst wie gespuckt und wurde zu dem jeweiligen Charakter passend gewählt.

Der Anfang war sehr rasant und spannend, danach hing die Story dann aber leider durch und es gab einige Längen zu überbrücken.

Textstelle
Legst du Kinder oder den Köter von einem um, landet so was in der Zeitung, und die Polizei interessiert sich dafür. Legst du einen Drecksack um, hast du bloß einen Drecksack weniger. Legst du vier Bundesbeamte um, kann sich deine ganze Welt verändern.
(Seite 30)

Fazit
Es steht zwar Thriller drauf, doch leider ist keiner drin!
Den Leser erwartet kein Nägel abkauen und keine spannende Wendung nach der anderen, aber viel Witz und Humor - wenn man denn mit der ein oder anderen Länge klar kommt.
Da der Autor nicht davor zurückschreckt Gewalt zu beschreiben und zu nutzen, sollte man nicht zu zart besaitet sein.

Veröffentlicht am 26.06.2017

Ein sehr schöner Roman um Familiengeheimnisse

Als wir Schwestern waren
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Buchinfo
Die Liebe zweier Schwestern. Ein Krieg, der sie trennt. Ein Kind, für das sie alles tun würden.

Hamburg, 1916. Viviane und Elisabeth wachsen als behütete Töchter einer großbürgerlichen Familie ...

Buchinfo
Die Liebe zweier Schwestern. Ein Krieg, der sie trennt. Ein Kind, für das sie alles tun würden.

Hamburg, 1916. Viviane und Elisabeth wachsen als behütete Töchter einer großbürgerlichen Familie auf. Die lebhafte, freiheitsliebende Viviane schleicht sich oft heimlich auf das Nachbargestüt und begegnet dort dem französischen Kunstreiter Philippe, der mit seinem Zirkus in Hamburg gastiert. Die junge Frau ist von dieser schillernden Welt hingerissen und flieht kurzerhand mit Philippe. Jahre später lebt Elisabeth in einer unglücklichen, kinderlosen Ehe - bis sie eines Tages ein Baby vor ihrer Tür findet. Sie nimmt sich des Mädchens an und weiß, dass sie alles tun würde, um es bei sich zu behalten... (Verlag)

Erster Satz
Constanze löste den Blick von dem Blatt Papier, welches vor ihr auf dem Schreibtisch lag, und betrachtete ihre Hände.

Meine Meinung
Bereits nach dem ersten Satz musste ich erneut auf den Klappentext gucken. Wieso beginnt der Prolog im Jahr 2013 und wer zum Geier ist Constanze? Nun gut, nach dem Prolog geht es sicher voll los...Hamburg 1916 ich komme! - Simone? Wer bitte ist Simone und warum besitzt sie einen Digitalwecker auf ihrem Nachtschränkchen? Wo sind Viviane, Elisabeth und die Pferde?

Der Klappentext liest sich so verheißungsvoll und ich wollte mich in das Hamburg mitten im Ersten Weltkrieg stürzen - aber Pustekuchen! Erst Seite 53 entführt mich ins Jahr 1916. Was der Klappentext nämlich leider nicht verrät, ist die Tatsache, dass immer wieder zwischen 1916 und 2013 hin und her gewechselt wird. Der Leser erlebt die Vergangenheit durch Simone, die an Tagebücher und Briefe von Viviane und Elisabeth geraten ist und diese liest. Wer also erwartet lediglich einen historischen Roman zu lesen, der wird enttäuscht.

Trotzdem ist dieses Buch ganz, ganz wundervoll!

Viviane und Elisabeth könnten unterschiedlicher nicht sein. Die eine ein kleiner, wunderschöner Wildfang und die andere bedacht und trägt von einer Kinderkrankheit Narben im Gesicht. Während die Eltern für die schöne Viviane bereits einen Ehemann erwählt haben, gilt Elisabeth als "schwer vermittelbar" und hat sich damit abgefunden, als einsame Jungfer zu sterben. Doch Viv wäre nicht sie selbst, wenn sie das Spielchen mitmachen und dem Wunsch ihrer Eltern zustimmen würde. Berauscht durch die Glitzerwelt des Zirkus verschwindet sie in einer Nacht- und Nebelaktion mit Philippe. Die Tür der Eltern bleibt von da an für immer verschlossen, doch zu Elisabeth hält sie (einseitigen) Kontakt.

Ich muss gestehen, dass mir der Teil der Vergangenheit deutlich besser gefallen hat, als der aus der Gegenwart. Die Geschichte um Simone und die anderen war wirklich nicht schlecht, aber Viviane und Elisabeth fand ich viel interessanter und hätte gerne mehr von ihnen gelesen. Außerdem war Simones Geschichte leider sehr vorhersehbar.

Trotzdem hat die Autorin es geschafft alle Figuren sehr echt darzustellen und realistisch handeln zu lassen.

Fazit
Eine wunderbar gefühlvolle Familiengeschichte über mehrere Generationen, hinter einen unglaublich schönen Cover ♥ Auch wenn mir die Vergangenheit etwas kurz kam und die Gegenwart an vielen Stellen sehr vorhersehbar war, würde ich dieses Buch bedenkenlos weiterempfehlen!

Für Einsteiger die sich noch nicht an einen "richtigen" historischen Roman rantrauen, ist dieses Buch ganz sicher genau richtig, da kein geschichtliches Grundwissen vorausgesetzt und man nicht mit Jahreszahlen und Ereignissen bombardiert wird.

Veröffentlicht am 25.06.2017

Denn manchmal liegt der Zauber in einer Begegnung, die unser Leben für immer verändern kann...

Raukland Trilogie
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Buchinfo
Ronan ist Sohn des Königs von Raukland. Sein Vater ist der mächtigste Herrscher im Nordmeer: ein machtgieriger Mann, der sein Land von einem Krieg in den anderen führt. Ronan hat nie gelernt, ...

Buchinfo
Ronan ist Sohn des Königs von Raukland. Sein Vater ist der mächtigste Herrscher im Nordmeer: ein machtgieriger Mann, der sein Land von einem Krieg in den anderen führt. Ronan hat nie gelernt, das infrage zu stellen: Freundschaften sind ihm unbekannt und die einzige Liebe, die er kennt, gilt seinem Schwert. Doch dann fällt Ronan in Ungnade und wird auf die nordische Insel Lannoch verbannt. Das Eiland muss er einnehmen oder er verliert den Thron. Mit Waffengewalt ist das aussichtslos: Ronan braucht nicht nur einen Freund an seiner Seite, er muss auch die Achtung der Prinzessin von Lannoch gewinnen. Wie man das anstellt, kam in seinem Schwerttraining jedoch nicht vor. (Verlag)

Erster Satz
"Was hast du getan?"
Der Schrei trieb durch seine bleierne Müdigkeit. Ein Schatten wuchs über ihm, Hände krallten sich in sein Haar und rissen seinen Kopf zurück.

Meine Meinung

Direkt zu Beginn befindet sich der Leser in einer unschönen Szene. Ronan, Sohn des Königs von Raukland, liegt betrunken in seinem Lager, wird aus dem Zelt gezerrt und zu einem Pflog gebracht. Ein Pflahl, der dazu dient, den Königssohn zu bestrafen. Zwanzig Peitschenhiebe verkündet sein Vater. Doch damit ist es nicht genug - Ronan wird auch noch gebranntmarkt wie ein Pferd.
Nach dieser ganzen Tortur befindet sich Ronan auf See. Denn sein Vater möchte, dass eine Insel in seinen Besitz übergeht und wer, wenn nicht Ronan, könnte als dritte Strafe mit dieser Aufgabe betraut werden. Es klingt gar nicht mal so schwer, denn immerhin will Merin Kendrick, König von Lannoch, seine Insel hergeben, wenn gewisse Aufgaben erfüllt werden. Doch diese Aufgaben haben es ziemlich in sich und die Lannocher sind ein merkwürdiges Volk. Und wo soll Ronan jetzt so plötzlich einen Freund hernehmen?

Dieses Buch hat mich innerhalb der ersten Seiten bereits in seinen Bann gezogen und mich auch über 380 Seiten später noch nicht losgelassen. Dass ich diese Trilogie weiterverfolgen und beenden wollen würde, war mir bereits nach nicht mal der Hälfte schon klar.

Ganz nüchtern und sachlich betrachtet ist die Grundidee der Geschichte weder neu noch außergewöhnlich oder spektakulär. Ein fiktives Königreich, möchte sich ein anderes fiktives Königreich einverleiben, die Autorin streut ein wenig Intrigen- und Liebespulver darüber und fertig ist es. ABER (!!!) diese Geschichte ist so toll geschrieben, dass sie zu etwas ganz Wundervollem heranreift und einschlägt wie eine Bombe.

Egal, ob es um das Stadtbild von Lannoch geht, das Bauen einer Weidenflöte, das Kämpfen mit einem Schwert oder einfach Ronan, der durch die Dünen streift - Jordis Lank beweißt ein ganz herausragendes Talent: Sie beschreibt alles so, dass ganze Filme von dem Gelesenen in meinem Kopf abliefen und ich mir jedes kleinste Detail vor meinem geistigen Auge vorstellen konnte. Genau dieser Umstand und die wunderbar ausgearbeiteten Charaktere machen dieses Buch so besonders.

Neben meinen Begeisterungsstürmen bezüglich des "Handwerks" der Autorin, soll auch die Geschichte nicht unerwähnt bleiben. Denn auch diese hat mich absoult gepackt und begeistert. Im Laufe der Zeit wachsen dem Leser bestimmte Figuren ans Herz und man leidet oder freut sich mit ihnen. Es ist schön mitzuerleben, wie der zu Beginn sehr raue und verschrobene Ronan sich irgendwann öffnet und Menschen an sich ranlässt. Das passiert sowohl für ihn, als auch den Leser so beiläufig, dass kein bestimmter Moment dafür ausgemacht werden kann, sondern es an Kleinigkeiten zu erkennen ist. Auch das spricht für das Schreibtalent!

Ein zusätzliches Zückerchen sind die Outtakes nach der Geschichte. Kennt man so etwas sonst vom Filmabspann im Kino, bei dem man dann eben doch nochmal sitzen bleibt um sich die verpatzten Szenen anzugucken, hat Jordis Lank lustige Schreibfehler angehängt. Besonders gut gefallen haben mir dabei:

Liam nickte so heftig, dass es in seinem Genick kackte und diesmal kam die Botschaft an.
(Seite 350)

"Liam ist das genaue Gegenteil von Ronan. Flink mit der Zunge, aber nicht mit dem Schwert, kommt er mit jedem klar, ist aber eine Haselnuss."
(Seite 350)
Hier hat sich die Autorin bei dem Wort "Hasenfuß" vertippt und die Rechtschreibprüfung machte aus dem "Haselfuß" die Haselnuss

Merin zog sein Schwert. "Niemand kämpft!", befahl er den Lannochern. "Niemand! Legt Eure Waffeln auf den Boden!"
(Seite 351)

Textstelle
"Es ist ein heiliger Eid. In Raukland sagen wir, dass ein Mann, der auf sein Blut schwört und den Schwur bricht, nicht wert ist, dass es in ihm fließt. Man tötet ihn und lässt ihn wie Schlachtvieh ausbluten. Seine Eingeweide werden anschließend an die Hunde verfüttert."
(Seite 72)

Fazit
Ein ganz wunderbarer Fantasyroman, der ohne besondere Gaben, Drachen, Elfen oder Magie auskommt - aber trotzdem absolut zu begeistern weiß! Denn manchmal liegt der Zauber in einer Begegnung, die unser Leben für immer verändern kann.

Jordis Lank hat ein herausragendes Schreibtalent, das sowohl unglaublich bildlich, als auch an den richtigen Stellen aufbrausend wie ein Sturm, oder sanft wie ein laues Sommerlüftchen ist. Diese Mischung aus Atem anhalten und durchatmen können hat mich durchweg überzeugt!

Die zwei Folgebände werden definitiv noch in meinem Regal einziehen und mich hoffentlich genauso faszinieren können.