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Veröffentlicht am 15.02.2018

Ich habe dieses Buch zum ersten, aber garantiert nicht zum letzten Mal gelesen!

Die Prinzen
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Buchinfo
Eigentlich ist der Kriegerprinz Damen der rechtmäßige Erbe von Akielos, doch dann gerät er in Gefangenschaft und wird in die Sklaverei verkauft – ausgerechnet an Laurent, den Kronprinzen des verfeindeten ...

Buchinfo
Eigentlich ist der Kriegerprinz Damen der rechtmäßige Erbe von Akielos, doch dann gerät er in Gefangenschaft und wird in die Sklaverei verkauft – ausgerechnet an Laurent, den Kronprinzen des verfeindeten Königreiches Vere. Laurent ist eitel, arrogant und grausam, und er steht für alles, was Damen hasst. Doch noch während er Fluchtpläne schmiedet, lernt Damen Laurent besser kennen, und schon bald weiß er nicht mehr, was wichtiger für ihn ist: seinen eigenen Thron zurückzugewinnen oder Laurents scheinbar so eiskaltes Herz zu erobern... (Quelle: Verlag)

Anfang
"Es heißt, Euer Prinz habe einen eigenen Harem", sagte Lady Jokaste. "Ein traditionsbewusster Mann wie er wird an den Sklaven gewiss seine Freude haben. Doch ich habe Adrastus noch etwas ganz Besonderes vorbereiten lassen – ein persönliches Geschenk des Königs an Euren Prinzen. Einen Rohdiamanten, wenn Ihr so wollt."

Meine Meinung
Ich muss gestehen, dass ich bei diesem Buch gar nicht weiß, wo ich anfangen soll. Soll ich damit beginnen über die tolle Geschichte zu sprechen? Oder über Laurent und Damen? Soll ich euch sagen, dass ich heulen könnte, dass es vorbei ist? Oder, dass ich bedaure, dass ich dieses Buch zwar nochmal lesen kann, aber nie wieder zum ersten Mal?

"Wem soll ich danken?", stieß Damen mühevoll hervor, dabei kannte er die Antwort. Er kannte sie längst.
"Damianos, dem toten Prinzen von Akielos", sagte Laurent. "Dem Mörder meines Bruders." (Seite 73)

Da dies ein Sammelband ist, in dem sich die komplette Trilogie befindet, könnte ich nun wahnsinnig viel zur Geschichte sagen. Da ich aber weder spoilern, noch die Spannung rauben will, möchte ich auf keinen Fall zu viel verraten.

Bei Damen handelt es sich um Damianos, den Kronprinzen von Akielos, bei Laurent um den Kronprinzen von Vere. Beide Männer sind also dazu bestimmt, der nächste König über ihr Land zu sein. Doch durch eine List seines Bruders, wird Damen für tot gehalten und als Sklave an Laurent übergeben. Dieser weiß nicht wen er vor sich hat - was auch absolut von Vorteil ist. Denn Damen hat Laurents großen Bruder auf dem Schlachtfeld getötet, was in der momentanen Situation sein eigenes Todesurteil wäre.

In beiden Königreichen werden Sklaven oder Günstlinge vom selben Geschlecht gehalten, um sich sexuell zu vergnügen. Das hat den Vorteil, dass keine unehelichen Kinder entstehen können, die Erbfolgen oder das weitere Leben verkomplizieren würden. Damen ist allerdings mehr den Frauen zugeneigt, über Laurent kursieren die Gerüchte, dass er eine Jungfrau sei und sich aus keinem Geschlecht etwas mache. Doch das ändrt sich, als Damen sein Sklave wird. Plötzlich tuscheln alle hinter vorgehaltener Hand, dass Laurent sein Bett mit dem Feind teile und auch seine Handlungen dadurch beeinflusst werden würden.
Damen allerdings hat ganz andere Sorgen. Er möchte seinen Herren nicht durch die Laken ziehen, sondern nur frei gelassen werden und nach Hause reisen um seinen Platz auf dem Thron einzunehmen. Zumindest ist das für die erste Zeit sein Plan...

"Manchmal ficke ich Männer", sagte Damen.
"Wenn keine Frauen zur Hand sind?"
"Wenn ich will."
"Hätte ich das gewusst, ich wäre nachts neben dir im Zelt mehr auf der Hut gewesen."
"Ihr habt es gewusst", sagte Damen nur. (Seite 469)

Ich bin mittlerweile richtiger Fan vom Genre der Gayromance. Ich finde diese Liebesgeschichten oftmals viel schöner und einfühlsamer geschrieben, als die Hetero-Liebesschnulzen. Diese sind meist voller Klischees und Situationen, die so im realen Leben eher nicht passieren würden. Doch auch diese Geschichten werden gelesen und ich freue mich für jeden, der Spaß daran hat. Ich habe dafür mehr Spaß daran über die Liebe unter Männern zu lesen.
Doch kann man bei diesem Buch von Gayromance sprechen? Von mir gibt es dafür ein ganz klares Jein. Es gibt unzählige Stellen, bei denen sich der Herzschlag beschleunigt und man denkt: 'Ja! Jetzt endlich! Das wird aber auch Zeit!' - und es kommt doch anders als gedacht. Ich hätte oft gern in die Seiten gegriffen und einen der beiden mal kräftig geschüttelt. Stellenweise kann und will man das nicht mehr mit ansehen. Ob sie zueinander finden oder doch wieder alles anders kommt, möchte ich hier nicht verraten. Wer allerdings auf eine kitschige Liebesgeschichte mit viel Sex hofft, dem kann ich definitiv von diesem Buch abraten...denn genau das ist diese Geschichte nicht.

Laurent schloss die Tür hinter sich und trat ein paar Schritte in den Raum. Auch er musste versuchen, irgendwie damit umzugehen. Er versuchte, sich zu sammeln.
"Ich bin nicht hier, um...", begann er und brach ab. "Ich bin einfach nur hier." (Seite 724)

Sicherlich wird sich der ein oder andere nun fragen, ob 855 Seiten nicht irgendwann langweilig werden. Besonders, wenn die Geschichte nicht mit erotischen Szenen gespickt ist. Ich habe eine Rezension gelesen, bei der jemand von Längen und Langeweile sprach, weswegen das Buch dann abgebrochen wurde. Natürlich hat jeder einen anderen Geschmack und was mir gefällt, muss nicht dein Ding sein...aber ich kann das gar nicht verstehen.
Man muss sich einfach bewusst machen, dass dies kein Liebesroman ist, sondern es um Intrigen (viele, viele, sehr viele Intrigen), Beherrschung, Unterwerfung und Loyalität geht. Alles was in diesem Buch mit Liebe und Sex zu tun hat, ist mehr als spärlich gesät. Nicht nur was Laurent und Damen betrifft, sondern ganz allgemein bei allen Charakteren.

Mir hat die Idee und auch die Umsetzung wahnsinnig gut gefallen, weswegen dieses Buch auch absolut zu meinen Lieblingen gehört und definitiv nochmal (oder auch öfter) gelesen wird!

Fazit
Ein Buch, das nicht klischeebeladen ein Liebes- oder Sexding nach dem anderen "abarbeitet", sondern mit einer Story voller Intrigen und Betrügereien punkten kann. Die Spannung wird kontinuierlich oben gehalten und auch wenn man am Anfang gar nicht verstehen kann, warum die eine oder andere Person so handelt, ergibt das große Ganze zum Schluss immer Sinn.

Ich konnte gar nicht genug von Laurent und Damen bekommen, weswegen ich das Buch zwar zum ersten, aber garantiert nicht zum letzten Mal gelesen habe!

Veröffentlicht am 04.02.2018

Hochgradig wundervolles Buch!

Hochgradig unlogisches Verhalten
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Buchinfo
Solomon muss nie aus dem Haus. Er hat zu essen. Er kann von seinem Fenster die Berge sehen, und seine Schulaufgaben macht er online, mit ungekämmten Haaren und im Schlafanzug. Ernsthafte Probleme ...

Buchinfo
Solomon muss nie aus dem Haus. Er hat zu essen. Er kann von seinem Fenster die Berge sehen, und seine Schulaufgaben macht er online, mit ungekämmten Haaren und im Schlafanzug. Ernsthafte Probleme hat er eigentlich nicht. Und er hat auch keine schwere Krankheit. Er ist bloß ein neurotisches Vorstadtkind, das da draußen Panikattacken erleidet. Als seine ehemalige Mitschülerin Lisa für einen Psychologie-Aufsatz ein Studienobjekt benötigt, drängelt sie sich in sein Leben. Gemeinsam mit ihrem Freund Clark werden sie zu einem eingeschworenen Trio. Solomon lernt, was Freundschaft ist, und stellt fest, die Welt ist voller guter Gründe, sich aus dem Versteck zu wagen. (Quelle: Verlag)

Anfang
Solomon musste sowieso nie aus dem Haus gehen. Er hatte zu essen. Er hatte zu trinken. Er konnte von seinem Fenster die Berge sehen, und seine Eltern waren immer so beschäftigt, dass er das Haus fast ganz für sich allein hatte.

Meine Meinung
Solomon Reed hat an seinem sechzehnten Geburtstag seit genau drei Jahren, zwei Monaten und einem Tag das Haus nicht mehr verlassen. Er ist nicht bis zum Briefkasten und hat auch keinen Fuß mehr in den Garten gesetzt. Seine komplette Welt ist seit über drei Jahren das Haus und die Garage, die er im Star Trek-Stil mit schwarzer Farbe und gelbem Klebeband in ein Holodeck verwandelt hat. Und im Gegensatz zu seinen Eltern und seiner Großmutter hat Solomon auch absolut kein Problem damit. Angefangen hat dies mit Panikattacken, die ihn begleiten, seit er elf Jahre alt ist. Gegipfelt ist alles in eine Aktion, die in der ganzen Stadt noch immer in den Köpfen der Bewohner verankert ist. Solomon zog sich während einer Attacke mitten in der Schule aus und legte sich in einen Brunnen, da das Wasser ihn beruhigte. Seit diesem Tag hat ihn niemand mehr gesehen.

Lisa Praytor war damals dabei und hat Solomon im Brunnen liegen sehen. Sie möchte Psychologie studieren und soll für die Aufnahme an ein College einen Aufsatz schreiben, der ihre Erfahrungen mit psychisch Erkrankten beinhaltet. Während sie allen erzählt, dass sie über ihren Cousin schreiben will, der sich in einer Klinik befindet, schmiedet sie den heimlichen Plan Kontakt zu Solomon Reed aufzunehmen, sich mit ihm anzufreunden und dann über ihn zu schreiben.

Doch kann es gut gehen, wenn man einen Menschen zu seinem eigenen Vorteil nutzt?

Sie musste Solomon finden, einen Draht zu ihm bekommen und ihn wieder gesund machen. Dann würde sie alles in ihrem College-Aufsatz verarbeiten und wäre auf dem besten Weg, bald zu den größten Psychologen des 21.Jahrhunderts zu zählen. (Seite 26)

Ich habe etwas gegen "Rezensionen", die lediglich eine Inhaltsangabe sind und den Leser komplett spoilern. Wer diese Niederschriften liest, kann sich das Buch dann auch sparen und die Vorfreude und Spannung sind dahin. Solch eine "Rezension" habe ich gelesen - glücklicherweise erst, nachdem ich das Buch gelesen habe. Das ist auch ein Grund, warum ich Rezensionen für gewöhnlich erst lese, wenn ich ein Buch beendet habe. Viele verraten einfach viel zu viel und kennzeichnen die Spoiler nicht, so dass man gar keine Chance hat sie zu umgehen.

Genau aus diesem Grund, möchte ich persönlich auch nicht weiter auf die Geschichte eingehen, sondern mich nur noch darauf konzentrieren wie mir das Buch gefallen hat.

"Aber warum ausgerechnet mich? Ich meine, warum will sie mit mir befreundet sein?"
"Sieh dich an. Wenn ich nicht schon mit einem Bein im Grab stehen würde, wäre ich aber so was von mit dir befreundet."
"Du bist doch mit mir befreundet, Grandma."
"Ja da kannst du mal sehen." (Seite 45)

Könnte ich mir vorstellen drei Jahre das Haus nicht zu verlassen? Nein, eigentlich nicht. Ich bin zwar mehr so der "Drinni" und muss nicht ständig draußen rumturnen, gehöre auch zu den Menschen, die lieber online shoppen als stundenlang durch die Läden zu hechten, aber die wärmende Sonne auf dem Gesicht nicht spüren zu können, nicht das Knacken des Schnees zu hören, wenn man drüber läuft oder auch kein Herbstwind mehr, der das Haar zerzaust - ich würde das ziemlich vermissen.
Generell ist es vermutlich auch gar nicht zu verstehen, wie jemand über Jahre zu Hause bleiben kann, wenn man selbst nicht betroffen ist. Wenn ich drin bleibe und das Haus nicht verlasse, dann passiert das, weil ich mich aktiv dafür entscheide. Aber Menschen wie Solomon haben diese Möglichkeit nicht. Sie werden von ihrem eigenen Geist dazu verdammt dies zu tun - ob sie wollen oder nicht.

Whaley beschreibt Solomons Leben mit Witz, Leichtigkeit und Humor, was ich so nicht erwartet hätte. Ich hatte mich darauf eingestellt die Geschichte über jemanden zu lesen, der absolut introvertiert und psychisch labil in seinem dunklen Zimmer sitzt und niemanden an sich heranlässt. Doch so ist Sol nicht. Er ist ziemlich witzig, stellenweise recht zynisch und sarkastisch, erstaunlich offen und ein wirklich guter Freund, wenn man ihm die Chance dazu gibt.

"Du bist ziemlich anders, als ich erwartet hätte, Solomon Reed."
"Ich hoffe, das ist positiv gemeint."
"Absolut." (Seite 61)

Mir persönlich hat das Buch wahnsinnig gut gefallen und ich kann mir vorstellen, dass diese Geschichte eine sehr gute Möglichkeit ist, um junge Menschen an Themen wie Angststörungen und Panikattacken heranzuführen.
Sicherlich ist die Geschichte um Solomon ein wenig "geschönt" und auch der Krankheitsverlauf im Normalfall ein etwas anderer, aber hierbei handelt es sich um einen guten Einstieg in die Materie.

Fazit
John Corey Whaley nimmt den (jungen) Leser mit auf die Reise von Solomon, Lisa und Clark und führt durch alle Emotionen, die das Alter Heranwachsender zu bieten hat. Gewürtzt mit einer Prise Warmherzigkeit, Einfühlungsvermögen und einer witzigen Großmutter, wird diese Geschichte zu etwas ganz Besonderem und hebt sich ganz klar von anderen Jugendbüchern ab.

Von mir gibt es eine absolute Leseempfehlung, die sich nicht nur an die junge Leserschaft richtet!

Veröffentlicht am 04.01.2018

Ein wunderbar-schreckliches Buch!

Unsere verlorenen Herzen
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Buchinfo
Kann es mehr als eine große Liebe geben?

Der 17-jährige Henry war noch nie verliebt. Kein Herzklopfen, keine Schlaflosigkeit, keine großen Gefühle. Bis seine neue Mitschülerin Grace vor ihm steht: ...

Buchinfo
Kann es mehr als eine große Liebe geben?

Der 17-jährige Henry war noch nie verliebt. Kein Herzklopfen, keine Schlaflosigkeit, keine großen Gefühle. Bis seine neue Mitschülerin Grace vor ihm steht: in schlabbrige Jungsklamotten gehüllt, mit einem kaputten Bein und einer kaputten Seele. Ihre Zerbrechlichkeit macht sie in Henrys Augen nur noch schöner. Aber Grace lässt Henry kaum an sich heran – bis sie ihn eines Tages völlig unvermittelt küsst. Henry wagt es, zu hoffen. Doch irgendein ungreifbares Geheimnis scheint zwischen ihnen zu stehen... (Quelle: Verlag)

Anfang
Ich habe mir den Moment, in dem man zum ersten Mal seine große Liebe trifft, immer wie eine Filmszene vorgestellt. Vielleicht nicht ganz wie im Film, mit Slow Motion, im Wind wehenden Haaren, anschwellenden Instrumentalklängen und so weiter. Aber zumindest würde er irgendwie besonders sein.

Meine Meinung
Eines Tages kam dieses Buch bei mir an. Ich fragte nicht danach, sondern der Verlag sendete es mir einfach so zu. Ich war eine "Auserwählte", wie ich bei Instagram herausfand, die diese Überraschung erhielt. Ins Auge gesprungen war mir das Buch bereits, aber ich hätte es mir wohl nicht besorgt. Zu viel "Angst" hatte ich, eine von diesen typischen Highschool-Teenager-first love-but 4 ever and ever-Geschichten zu bekommen. Als es mir dann zugeschickt wurde, las ich es. Einem geschenkten Gaul...und so weiter ^^ Was soll ich sagen...ich bin wahnsinnig froh, dass ich es gelesen habe!

Der Leser begleitet Henry durch sein Abschlussjahr und seine erste Liebe, die eines Tages, eingehüllt und müffelnd in Jungsklamotten, angehumpelt kommt. Grace Town. Sie spricht nicht, sie lächelt nicht und bricht durch ihr Äußeres auch keine Männerherzen, doch Henry verliebt sich schlagartig und Hals über Kopf in sie.
In einer Rezension wurde genau das angekreidet. Sinngemäß lautete die Kernaussage dabei, dass sich ein Teenager nicht in einen hässlichen Menschen verlieben würde. Ich kann bei solch einer Äußerung wirklich nur mit dem Kopf schütteln. Es gibt da diesen alten (aber wahren) Spruch "Schönheit liegt im Auge des Betrachters". Auch wenn dieser Satz langsam durchgenudelt ist, lässt es sich einfach nicht von der Hand weisen. Was der eine fürchterlich findet, ist für einen anderen genau das, wonach er sucht.
Manchmal sind es auch die kleinen Dinge, die einen Menschen besonders und dadurch automatisch "schön" machen. Das kann eine Zahnlücke sein, ein Grübchen, ein ganz bestimmter Blick. Oder aber auch das ständig zerzauste Haar, welches so eine Wildheit ausstrahlt, oder ein Grunzer beim Lachen, der einem ein Lächeln auf das Gesicht zaubert. Wir müssen nicht alle wie Supermodels aussehen um schön zu sein! Das ist meine Meinung dazu.
Und auch wenn Henrys Beschreibungen wirklich erst nicht darauf schließen lassen, dass er sich in sie verlieben könnte, tut er es eben doch. Warum? Weil er in dem Moment etwas in oder an ihr sieht, was ausreicht um sein Herz zu berühren. Da geht es Teenagern wie Erwachsenen...wenn es passiert, dann passiert es eben.

Am Fußballfeld angelangt, wurde sie schneller, wodurch ihr Hinken noch stärker zutage trat als sonst und ihre Bewegungen leicht abgehackt wirkten. Ihr Gang ließ sich nur als Mad-Eye-Moody-esk beschreiben. (Seite 49, f.)

Doch der Leser begleitet natürlich nicht nur Henry und Grace, sondern auch seinen Freundes- und Bekanntenkreis. Allen voran Lola, beste Freundin/Ex-Freundin/Lesbe, und Murray, die beide ständig in Henrys Zimmer rumhängen und ihm damit so manches Mal gehörig auf die Nerven gehen. Aber Henry weiß, was er an ihnen hat und erträgt sie deswegen auch dann, wenn er lieber alleine wäre.

Murray finde ich irgendwie etwas merkwürdig. Er wäre der Typ, über dessen Äußerungen ich ständig nur mit den Augen rollen würde, wenn er sich in meinem Bekanntenkreis aufhalten würde. Allerdings immer mit einem Lächeln auf den Lippen, weil er einem manchmal fast ein bisschen leid tun kann. Lola allerdings gefällt mir wahnsinnig gut. Große Klappe, aber auch ein mindestens so großes Herz. Das sind Freunde, wie Henry sie braucht - und glücklicherweise ja auch hat.

"Wo wir gerade davon reden, ich muss dir noch was erzählen. Madison Carlson hat mich kürzlich allen Ernstes gefragt, wie mies du küsst, wenn einem Mädchen danach für alle Zeiten die Lust auf Männer vergeht."
"Ich hoffe, du hast ihr höflich erklärt, dass sexuelle Orientierung vorbestimmt ist und dass du bereits eine Lesbe warst, als du mich geküsst hast."
"Oh nein, ich habe ihr anvertraut, dass du einen schiefen Penis hast und dass ich, nachdem ich ihn gesehen hatte, niemals wieder einen sehen wollte." (Seite 47, f.)

In eben angesprochener Rezension befanden sich noch ein paar "Klopper". Zum Beispiel wird sich beschwert, dass dieses Buch zu düster für einen Jugendroman sei. Diese Aussage kann ich absolut nicht nachvollziehen. Ja, dieses Buch hat seine düsteren Stellen und ist kein rosaroter-Zuckerwatte-wir sind alle happy-08/15-Teenie-Liebesroman - das geht aber von der Thematik her auch gar nicht. Auch wenn Henry ein ziemlich ruhiges Leben führt, in dem er nicht viel Schlimmes erleben musste, gilt das nicht für Grace. Sie trägt ein Päckchen mit sich rum, das manch ein Erwachsener nicht verkraften könnte. Dass eine 17-jährige dann fast daran zerbricht, leuchtet mir absolut ein.

Genau diese Vergangenheit ist es, die Grace so wankelmütig erscheinen lässt. Mal lässt sie Henry ganz nah an sich heran und im nächsten Moment stößt sie ihn von sich und ignoriert ihn. Das hat nichts damit zu tun, dass Grace ein bösartiges Mädchen ist, die ihn absichtlich verletzt oder ausnutzt. Man kann nicht abstreiten, dass sie ihm mehr schadet als nutzt, aber das alles macht sie nicht vorsätzlich. Es ist ihre Art mit ihrem eigenen Leben klar zu kommen, worunter Henry dann leider leiden muss.

All diese Dinge sind düster und traurig, aber sie sind real. Sie passieren so jeden Tag überall auf der Welt und lassen kein Alter aus. Viele Jugendliche haben Dinge erlebt, die ihre Psyche kaputt gemacht, oder ihr Weltbild zum Einsturz gebracht haben. Warum sollen ihre Geschichten nicht auch beschrieben werden? Warum sollte ein Jugendlicher nicht auch mit solchen Themen konfrontiert werden? Laut der Deutschen Depressionshilfe leiden 3-10% der 12 bis 17-jährigen an Depressionen (Quelle) - diese Krankheit ist allgegenwärtig und es wird Zeit, dass Betroffene jeden Alters wahrgenommen werden und sich trauen offen damit umzugehen.

Meiner Meinung nach ist Krystal Sutherland genau das ganz hervorragend gelungen. Sie zeigt auf was ein möglicher Auslöser sein kann und wie es sich für jemanden anfühlt, solch einen Menschen zu lieben, aber nicht verstehen zu können.

Fazit
Ich würde es jedem empfehlen, der mal eine etwas andere Liebesgeschichte lesen möchte. Es zieht den Leser in seinen Bann, geht tief unter die Haut, regt zum Nachdenken an und bleibt noch lange im Gedächtnis.

Ein ganz wundervolles Buch, das sowohl Liebesroman als auch Selbstfindungstrip ist und Selbstzerstörung sowie -erhaltung beinhaltet. Meiner Meinung nach eignet es sich gut um Jugendliche an die Themen Trauma und Depression heranzuführen. Möglicherweise kann man es als Eltern mit seinen Kindern zusammen lesen und danach darüber sprechen.

Veröffentlicht am 03.01.2018

Eine ruhige Geschichte über eine Familie...und sehr viel Hintergrundwissen über Äpfel

Der Ruf der Bäume
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Buchinfo
Amerika, Mitte des 19. Jahrhunderts: Die Goodenoughs träumen von fruchtbarem Ackerland im Westen, bleiben aber mit ihrem Planwagen kläglich im Sumpfland von Ohio stecken. Der verzweifelte Versuch, ...

Buchinfo
Amerika, Mitte des 19. Jahrhunderts: Die Goodenoughs träumen von fruchtbarem Ackerland im Westen, bleiben aber mit ihrem Planwagen kläglich im Sumpfland von Ohio stecken. Der verzweifelte Versuch, hier eine Apfelplantage anzulegen, endet tragisch. Fasziniert von Erzählungen über Bäume, die angeblich in den Himmel wachsen, zieht der jüngste Sohn Robert weiter westwärts, bis nach Kalifornien. Doch am Ziel seiner Träume wird er von seiner tragischen Familiengeschichte eingeholt. (Quelle: Verlag)

Anfang
Wieder stritten sie sich über Äpfel. Er wollte mehr Tafeläpfel anbauen, zum Essen; sie mehr Mostäpfel, zum Trinken. Ihr Streiten war so eingeübt, dass sie beide ihre Rollen inzwischen perfekt beherrschten und ihre Worte glatt und monoton einander umflossen; sie hatten sie ja oft genug gehört, mussten nicht mehr genau hinhorchen.

Meine Meinung
Ich muss gestehen, dass das Cover der ausschlaggebende Punkt für mich war, weshalb das Buch mein Interesse weckte. So einfach gehalten und doch so schön gestaltet - es ging mir nicht mehr aus dem Kopf.

Was macht eine Familie zu einer Familie? Ist es Liebe, Zuneigung und Geborgenheit? Das Wissen, dass deine Eltern dich immer beschützen werden und deine Geschwister für dich da sind? Dann sind die Goodenoughs keine Familie. Geht es bei Familie aber um gemeinsame Aufgaben und den Zusammenhalt diese zu lösen und zu erreichen...ja dann, aber auch nur dann, handelt es sich in dieser Geschichte um eine Familie.

Das Buch spielt zu einer sehr harten Zeit. Siedler überlaufen die USA, ziehen von Ort zu Ort und Acker zu Acker. Stellenweise kommen Menschen aus Europa dazu. Alle auf der Suche nach der Erfüllung ihrer Träume und Ziele. Doch was so malerisch und märchenhaft klingt, war ein sehr hartes Leben, in dem gebuckelt und auf vieles verzichtet werden musste.

So haben die Goodenoughs bei jedem Sumpffieber ein Kind verloren - haben aber trotzdem noch einen ganzen Stall voll - und in diesem Gebiet einfach kaum Glück mit ihren Apfelbäumen. Das bisschen Ernte reicht kaum zum Leben, Mutter Sadie würde sowieso lieber alles zu Apple Jack verarbeiten und literweise trinken. In ihrem Mann James steigen die Aggressionen ins Unendliche, die er dann sowohl an seiner Frau, als auch seinen Kindern auslässt. Doch eines Tages kommt es zu einer Wendung, die ihren Sohn Robert dazu veranlasst den Black Swamp zu verlassen und in die große weite Welt zu reisen.

Diese Zeit ist ganz wunderbar in Briefen festgehalten, die er seinen Geschwistern schreibt. So ist es der Autorin möglich große Zeitsprünge zu machen, ohne diese in endlosen Seiten niederschreiben zu müssen. Trotzdem bekommt man aber nicht das Gefühl, dass man als Leser zu wenige Informationen erhält. Die Zeit danach ist dann wieder ganz "normal" im Stile eines Romans geschrieben. Es handelt sich also nicht um ein Briefroman.

Man muss sich schon auf diese Geschichte einlassen, denn sie ist doch anders, als andere Bücher aus diesem Genre. Und man erfährt wirklich viel - also echt sehr, sehr viel! - über Apfelbäume. Mich persönlich hat das überhaupt nicht gestört, aber man sollte sich vor dem Lesen überlegen, ob man so viel darüber wissen möchte

Fazit
Eine sehr ruhige, aber schöne Geschichte über das harte Leben in den Sümpfen, die Frage, was Familie ist und ob nicht jeder ein kleines Stückchen Glück verdient hat.
Es ist eine ganz andere Art historischer Roman und bietet viel Wissen über den Anbau von Apfelbäumen. Wer da nicht so sehr dran interessiert ist, sollte die Finger von dem Buch lassen, um nicht enttäuscht zu werden.

Mir persönlich hat dieses Buch wirklich gut gefallen!

Veröffentlicht am 03.01.2018

Wahnsinnig spannend!

Die Schule der Nacht
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Buchinfo
»Du kannst dich nicht für immer vor der Wahrheit verstecken. Bitte komm zurück, und bring alles zu einem guten Ende.« Diese Nachricht erhält die Amerikanerin Cassandra Blackwell in einem mysteriösen ...

Buchinfo
»Du kannst dich nicht für immer vor der Wahrheit verstecken. Bitte komm zurück, und bring alles zu einem guten Ende.« Diese Nachricht erhält die Amerikanerin Cassandra Blackwell in einem mysteriösen Päckchen, zusammen mit einem alten Foto ihrer verstorbenen Mutter, gekleidet in die schwarze Robe der Oxford Universität. Kurzerhand beschließt sie, nach England zu reisen, um mehr über die geheimnisvolle Vergangenheit ihrer Mutter zu erfahren. Dort entdeckt Cassie eine Welt voller Traditionen und Privilegien und merkt schnell, dass hier eine dunkle Macht am Werk ist – verbunden mit einer geheimen Gesellschaft, die sich Die Schule der Nacht nennt… (Quelle: Verlag)

Anfang
Sie rannte.
Durch die Tunnel, barfuß über den Steinboden. An den Hauptwegen leuchteten blakende Fackeln, darum tauchte sie tiefer ins Labyrinth ab, stolperte verborgene Treppen hinunter und die dunklen, verschlungenen Gänge entlang, bis stickiger Modergeruch in der Luft lag und die Türen protestierend aufstöhnten, wenn sie sie aufstemmte. Und immer noch rannte sie weiter.

Meine Meinung
Dank einer Challenge, an der ich Teilnehme, habe ich dieses Buch jetzt zu dieser Zeit gelesen. Dort ist nämlich die Aufgabe für das Monatsbuch das schönste Cover von meinem SuB gewesen. Da ich natürlich den Rezensionsexemplaren den Vortritt gebe (und dieses Buch schon gefühlt ewig hier im Regal stand) entschied ich mich kurzerhand für diese Geschichte. Das Cover ist aber auch toll
Hätte ich gewusst, dass mir der Inhalt so gut gefällt, hätte ich das Buch schon viel früher in die Hand genommen!

Der Leser begleitet Cassie. Eine junge Austauschstudentin aus den USA, die für ihr Studium nach England - genauer: Oxford - kommt. Doch dies ist nicht ihrem Wissensdurst und dem Ansehen der Universität geschuldet, sondern einer Suche. Einer Suche nach dem Leben ihrer Mutter, ihrem eigenen Ich und ihrem Vater, den sie nie kennengelernt hat. Doch wer Staub aufwirbelt rückt auch immer in den Fokus von Menschen, die es gerne schön sauber haben. So bringt Cassie nicht nur sich selbst in Gefahr...

Normalerweise lese ich im Vorfeld eigentlich keine Rezensionen. Das kommt wirklich nur ganz selten mal vor. Ich weiß gar nicht, warum ich es hier gemacht habe - ich hätte es lassen sollen. Mit einer Rezension habe ich mich indirekt selbst gespoilert. Dort wurde die Geschichte mit einer bestimmten Fernsehserie verglichen. Auch wenn weder die Serie, noch das Buch in einem Zusammenhang stehen, hat man das dann doch im Kopf und es nimmt einem beim Lesen an einer Stelle so ein bisschen die Spannung. Das ist nicht dramatisch, war aber doch schade.
Neben diesem Vergleich gab es noch andere Meinungen, die ich nicht teilen kann. Es sei ein langweiliges Buch, unspannend, vorhersehbar und hätte einige Längen im Mittelteil. Ich habe eine völlig andere Meinung.

"Über Sir Walter Raleigh und seine Gefährten wurde damals viel spekuliert. Selbst Shakespeare bezeichnete die Gruppe ironisch als Die Schule der Nacht, eine Anspielung auf die dunklen Roben, die sie angeblich bei ihren Treffen trugen." (Seite 19)

Mir hat dieses Buch außerordentlich gut gefallen! Die Ideen fand ich gut und das Potenzial wurde eindeutig genutzt. Damit und mit dem tollen Schribstil wurde immer wieder Spannung aufgebaut. Gepaart mit etwas ruhigeren Momenten, in denen der Leser einiges über die Spielregeln an solch einer Uni erfahren hat, wurde eine runde Geschichte daraus.

Es ist mir unverständlich, wieso jemand dieses Buch als öde und langweilig bezeichnen kann. Ich habe mich mehr als unterhalten gefühlt und auf jeder Seite mit Cassie mitgefiebert. Auch ich wollte wissen, was es mit Die Schule der Nacht auf sich hat, warum ihre Mutter damals geflohen ist und ob der heiße Doktorand nicht vielleicht doch ein paar Leichen im Keller liegen hat.

"Ich ziehe mir nur noch schnell was an, dann können wir los."
"Meinetwegen brauchst du dir nichts anzuziehen." Es war eine Männerstimme, und Heiterkeit sprach aus ihr. Cassie erstarrte, zwei Schritte jenseits der Badezimmertür, und blickte unversehens in zwei stechende dunkle Augen.
Das war er. (Seite 111)

Auch die Protagonistin Cassie hat mir gefallen. Endlich mal eine weibliche Hauptfigur, die nicht von einem Kerl gerettet werden muss. Natürlich braucht sie dann und wann mal Hilfe - ohne Elliot oder Charlie wäre sie nie soweit gekommen, oder hätte bestimmte Dinge nicht erfahren - aber sie muss nicht "gerettet" werden. Dies ist leider allzu oft der Fall. Da ist dann die berühmte Jungfrau in Nöten, die vom Held in strahlender Rüstung gerettet wird. Hier nicht. Cassie ist eine junge starke Frau, die in der Vergangenheit viel ertragen musste und deswegen nun ganz genau weiß was sie will und was nicht. Die Buchwelt braucht mehr solch weibliche Hauptcharaktere!

Fazit
Ein wunderbar spannendes, mysteriöses und minimal gruseliges Buch, dass mit gut durchdachten Spannungsbögen und einem tollen Schreibstil aufwarten kann.
Die Handlung ist zu jeder Zeit schlüssig und verständlich. Auch wenn manch ein Charakter etwas blass bleibt, konnte ich mich sofort mit der Protagonistin "anfreunden", mit ihr durch die Geschichte ziehen und mitfiebern. Ich hatte das Buch in drei Tagen verschlungen. Hätte ich die Zeit gehabt, hätte ich es in einem Rutsch durchgelesen - ohne zu merken wie die Zeit vergeht.