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Veröffentlicht am 16.02.2020

Etwas schwächer als Band Eins

Someone Else
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EINE SÜSSE GESCHICHTE
Ein Adjektiv, das mir zu diesem Buch einfällt ist: süß. Dieser Roman strotzt nicht vor großem Drama und dunklen Vergangenheiten, sondern fokussiert sehr auf einer Freundschaft zwischen ...

EINE SÜSSE GESCHICHTE
Ein Adjektiv, das mir zu diesem Buch einfällt ist: süß. Dieser Roman strotzt nicht vor großem Drama und dunklen Vergangenheiten, sondern fokussiert sehr auf einer Freundschaft zwischen zwei Menschen. Cassie hat schon länger tiefere Gefühl für Auri, traut sich aber nicht einen Schritt in die Richtung zu gehen, weil sie nicht weiß, ob er ihre Gefühle erwidert. Sein Status als beliebter Football-Spieler macht es ihr zusätzlich schwer, Cassie findet nicht, dass sie in Auris Berühmtheits-Umfeld passt. Dennoch kann sie ihre geheimen Fantasien nicht ersticken und schätzt jeden Moment, den sie mit Auri auf die Couch gekuschelt verbringen kann.

BISSCHEN MEHR KOMMUNIKATION, BITTE
Wenn ich Cassie mit einem Wort beschreiben müsste, wäre es: Heuchlerin. Ich war einfach kein Fan von ihr. Ich fand es zu Beginn ganz angenehm, das sie ein sehr kopflastiger Mensch ist, der Situationen stark zerdenkt, aber leider wurde das immer schlimmer. Cassie hat immer nur angenommen und danach gehandelt, anstatt, dass sie mal mit Auri ordentlich über ihre Gefühle spricht. Miteinander reden können die beiden eigentlich sehr gut, wenn es um ihre Freundschaft geht sind sie sehr engagiert und kommen bei Problemen schnell zu einer Einigung. Nur der Weg zur Aussprache, der war schwer. Cassie hat in ihrem Kopf die Beziehung zu einer riesigen Sache aufgeblasen, wo SO VIEL gegen sie als Paar gesprochen hat, was aber buchstäblich nur in ihrem Kopf existierte. Keiner aus ihrem Umfeld hätte etwas gegen die Beziehung gehabt (weder Freunde, noch Eltern), es gab keine finsteren Geheimnisse, die eine Beziehung schwer gemacht hätten, gar nichts. In Cassies Kopf aber waren sie und Auri wie Romeo und Julia, wobei sie selber auch die Rolle der Capulets und Montagues eingenommen hat. Cassie hat sich von Anfang an selbst sabotiert, nur um sich dennoch insgeheim zu wünschen, dass da mehr wäre. Und die tiefe Freundschaft, die auch das schlafen im selben Bett und stundenlanges Kuscheln auf dem Sofa beinhaltete, saß mir dann einfach quer im Hals. Ich fand es einfach heuchlerisch von ihr, sich in einem Moment super eng an Auri zu kuscheln und in der nächsten Szene zu denken, dass sie niemals zusammen sein können. Cassies Ängste hatten mir einfach nicht genug Substanz, oder wurden für jemand Außenstehendes nicht gut genug geschildert. Das war schon sehr frustrierend. Wie es Auri geht, darüber denkt sie beispielsweise nie nach, sie ist aber immer sofort stocksauer, wenn er ihr gemeinsames Hobby verleugnet.

IMMER MAL LANGSAM MIT DEN JUNGEN PFERDEN
Langsam beschreibt dieses Buch ganz gut. Es ist eine sehr ruhige Geschichte, was man mögen muss und wofür ich offen war. Allerdings sah das so aus, dass die Handlung sich bis zur Hälfte wiederholte. Die unterschiedlichen Situationen lasen sich leider sehr generisch, es war immer dasselbe Schema. Die Figuren haben sich nicht entwickelt, sondern sind nur auf der Stelle getreten. Dafür ging es zum Ende hin umso schneller. Die letzten 50 Seiten waren wieder eine Explosion an Gefühlen und Momenten, alles hat sich aufgestaut, nur um dann auf einmal herein zu brechen. Mich hat das in diesem Buch etwas weniger gestört als bei Someone New, weil ich das Thema des Konflikts nicht ganz so aufbereitungsbedürftig fand. Die Menge an Drama und Zeit, die auf den Konflikt verwendet wurde, fand ich dem Thema angemessen. Dennoch war das Ende sehr fix und dann plötzlich, gab es das Happy End.

Ein bisschen frustrierend finde ich es, dass in diesem Buch so wenig passiert. Es ist unbefriedigend und etwas substanzlos, wie ich finde, die Geschichte, die durch ihre Details besonders werden könnte, las sich etwas lahm. Eigentlich kann ich von dem, was passiert ist, gar nicht so viel kritisieren. Ich kritisiere eher, was nicht passiert ist, falls das für euch Sinn macht. Es las sich wie ein Buch der verschenkten Chancen. Aber das, was man wirklich lesen kann, ist auch nicht wirklich schlecht. Nur eben etwas farblos. Laura Kneidl vorherige New Adult Bücher haben die Messlatte für gesellschaftskritische Themen hoch gelegt und für mich war es schwer zu akzeptieren, das es hier weniger umgesetzt wurde als erwartet.

Merke: Erwartungen sind böse. (Sie auszuschalten ist aber auch nicht einfach.)

EIN BISSCHEN HIERVON, EIN BISSCHEN DAVON
Wie auch schon in Someone New werden hier wieder einige Themen angerissen, die eine gewisse Repräsentation fordern. Ich war besonders gespannt auf Auris Erfahrungen als Schwarzer, hatte auf eine gewisse Repräsentation von Rassismus gehofft. Die habe ich so leider nicht gesehen. Es wurde in einer Szene (fast) direkt angesprochen und sonst war es das. Ich verstehe natürlich, wenn eine weiße Autorin sich diese Repräsentation nicht aufbürden möchte, allerdings hätte man den Spieß umdrehen können und stattdessen über weißes Privileg schreiben können. Cassie ist sehr privilegiert und hat sich in diese Richtung gar nicht reflektiert, dabei ist sie seit mehr als zwei Jahren mit Auri befreundet, da kann ich mir einfach nicht vorstellen, dass sie da nicht einmal auf ihre unterschiedlichen Positionen aufmerksam gemacht wurde. Und wenn dann hätte einer der immer-alles-erklärenden-Freunde sie mal darauf hinweisen können. (Julian und Lucien musste Cassie öfter mal mit der Nase auf gewisse Dinge stoßen.)

Cassie selber hat eine ganz gute Repräsentation zu Diabetes bekommen, zumindest so weit ich das als Unbetroffene beurteilen kann. Das Thema wurde kontinuierlich erwähnt, die Vorgänge waren in Cassies Alltag integriert und ich habe von Situationen gelernt, wo ich nie erwartet hätte, dass Diabetes eine Rolle spielen könnte. Besonders gut hat mir der Moment gefallen, wo jemand den Satz „Du siehst aber gar nicht krank aus“ zu Cassie gesagt hat, solchen „Argumenten“ steht man ja öfter gegenüber und ich fand es schön, dass hier mal auf das Problem hingewiesen wurde.

Vom Cosplayen und LARP hätte ich gerne mehr gesehen. Dafür, dass es das große Hobby der beiden Hauptfiguren ist, habe ich wirklich wenig dazu gelesen. Es gab die Convention, die angedeutet wurde, aber mir persönlich kam sie etwas zu kurz und dann kam nur sehr spärlich etwas. Ich kann die Begeisterung für das Hobby nicht nachvollziehen und der Aufhänger, der sich dafür geboten hat, das richtig zu erklären, wurde nicht genutzt. Von LARP sieht man gar nichts, das wurde von beiden irgendwie in den Besenschrank verbannt, nachdem ihre letzte Erfahrung dabei peinlich verlaufen war. Dei gemeinsame Liebe zu Herr der Ringe fand ich ganz nett, aber auch hier wurde nie so wirklich erwähnt, warum sie die Trilogie so toll finden. Mir fehlte das nerdige an den beiden Nerds. Da ziehen dann auch romantisch gemeinte Sprüche nicht, wenn man keinen Plan hat, was genau die Begeisterung hervorruft.

FAZIT
Praktisch macht Someone Else wenig falsch und ist ein sehr süßes Buch. Theoretisch hätte man sehr viel mehr heraus holen können und es so zu einer Besonderheit des Genres machen. So laß es sich für mich leider sehr 0815 und gerade am Ende fühlte ich mich nicht zufrieden gestellt.

  • Handlung
  • Charaktere
  • Erzählstil
  • Gefühl
  • Cover
Veröffentlicht am 09.01.2020

Ein gefühlvolles, emotionales Buch.

Everything I Didn't Say
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VON GROSSEN UND KLEINEN PROBLEME
Das Besondere an diesem Buch ist, was im Prolog schon gesagt wird: Manche Geschichten haben ein Happy End, diese hat viele. Und dann ging das Leben weiter. Kim Nina Ocker ...

VON GROSSEN UND KLEINEN PROBLEME
Das Besondere an diesem Buch ist, was im Prolog schon gesagt wird: Manche Geschichten haben ein Happy End, diese hat viele. Und dann ging das Leben weiter. Kim Nina Ocker erzählt eine Geschichte über einige Jahre hinweg, in der Jamie und Carter durch bestimmte Umstände miteinander zu tun haben und genauso viele schöne Momente, wie schmerzhafte zusammen erleben.

Jamie ist eine fleißige Studentin, die für ihr Ziel viel Arbeit auf sich nimmt und ihr Privatleben dafür schon mal zurück steckt. Das Praktikum bei der Soap „Chicago Hearts“ öffnet ihr hoffentlich mehr Türen in der Dramaturgie, weswegen Carters offene Flirtversuche ihr eigentlich nicht passen. Sie kam mir als sehr bodenständige Figur vor, die sich selbst schon mal zurück stellt, um zu erreichen, was nötig ist – in diesem Fall ein abgeschlossenes Studium.

Carter ist Schauspieler mit Leib und Seele, eine Tatsache, die seine Eltern leider weniger begrüßen und gerade sein Vater macht ihm viel Druck mehr Erfolg zu haben. Aus diesem Grund durchläuft seine Beziehung zu Jamie auch einige Hürden, denn nicht nur die Klausel in seinem Vertrag hält ihn von einer öffentlichen Beziehung ab, sondern auch sein Ehrgeiz. Ich mochte seine Kapitel ganz gerne, weil er in kurzer Zeit eine große Entwicklung durchlief, während Jamie eine einzige Entscheidung fällt und daran festhält.

Im Buch gibt es zwei Zeitlinien, die zu Beginn abwechselnd erzählt werden, was viel Spannung generiert hat, sodass ich meist nicht weniger als 100 Seiten am Stück gelesen habe. Ich bin durch dieses Buch geflogen, weil keine Szene verschwendet war, ob Charakterentwicklung, Handlung oder emotionale Reise, es wurde nicht langweilig ohne überladen zu wirken. Der Spannungsbogen macht dank des längeren Zeitraums einige Hüpfer, die immer vom emotionalen Standpunkt der Figuren begleitet wurden, das hat für mich ein schön harmonisches Bild ergeben.

Um den eigentlichen Handlungsschwerpunkt wird zu Beginn ein großes Geheimnis gemacht, allerdings kann man nach einiger Zeit absehen worum es geht. Die klischeehafte Beziehung zwischen einem Schauspieler und jemandem der nicht in der Branche ist, kam mir hier weniger klischeebelastet vor, weil die beiden Charaktere sich auf einer ganz anderen emotionalen Ebene begegnen, als man annehmen würde. Ich mochte sehr, wie hier der Schwerpunkt der Beziehung verschoben wurde, wie vorsichtig mit Entscheidungen umgegangen wurde, gerade von Jamies Seite flossen viele Überlegungen in ihre Handlungen ein, was ich richtig angenehm fand. Auch die Zeit, die darauf verwendet wurde, fand ich gut, denn hier sind viele Punkte in die Beziehung eingeflossen, die ordentliche Bedenkzeit verdient haben. Es wird nichts übers Knie gebrochen, dennoch war es spannend.

Das einzige Manko, das ich an diesem Buch finden kann, ist, dass ich die Chemie zwischen Jamie und Carter nicht ganz greifen konnte. Es gab eine große sexuelle Anziehung, die irgendwie der Grundstein ihrer Partnerschaft ist, aber für mehr haben sie sich kaum Raum gegeben, besonders Jamie hat ihre Gefühle – aus nachvollziehbaren Gründen zwar – immer sehr zurück gehalten. Das machte es mir schwierig für sie mitzufühlen, ihre Beziehung fühlte sich immer etwas lasch an.

FAZIT
"Everything I didn’t say" ist eine starke Geschichte über große und kleine Entscheidungen, die ein Leben nachhaltig beeinflussen können. Ich habe mich bei Carter und Jamie zuhause gefühlt und war froh, Zeuge ihrer Happy Ends sein zu dürfen.

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 27.12.2019

Ein fantastischer Auftakt!

Neon Birds
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ZUM INHALT
Die Welt im Jahr 2101 ist eine andere, seit die KI Kami außer Kontrolle geraten ist. Versteckt hinter dicken Mauern tummeln sich die von ihr infizierten Menschen, streng bewacht und beobachtet. ...

ZUM INHALT
Die Welt im Jahr 2101 ist eine andere, seit die KI Kami außer Kontrolle geraten ist. Versteckt hinter dicken Mauern tummeln sich die von ihr infizierten Menschen, streng bewacht und beobachtet. Aber eine KI schläft niemals und irgendwann wird sie ihrem Gefängnis entrinnen. Während die Welt vom Chaos überrannt wird stellen nur einige wenige Personen die richtigen Fragen.

SOLARPUNK
Bevor ihr alle wegrennt, weil ihr mit dem Begriff nichts anfangen könnt und denkt, dass das Buch zu kompliziert ist … Haltet ein! Marie hat selber einen großartigen Blogpost zum Sub-Genre Solarpunk geschrieben, hier die Kurzfassung: Solarpunk ist eine etwas positivere Vorstellung der Zukunft. Es wird sich auf erneuerbare Energien konzentriert, die Menschheit hat sich mehr oder weniger zusammengerafft, um die Erde zu retten. Probleme, die wir aus unserem Alltag kennen, wurden in Solarpunk gelöst, es herrscht ein besseres Miteinander und Füreinander. Wer also keinen Bock auf Weltuntergangs-Stimmung hat, findet in diesem Roman eine tolle Alternative, denn ganz ehrlich? Ich finde, dass wir mehr Büchern brauchen, wo die Menschheit es geschafft hat und nicht nur gerade so vor sich hin vegetiert. Dieser Weltenbau ist natürlich mit ein paar Begriffen verbunden, aber es war nicht sonderlich schwierig zu verstehen, wie ich fand. Ich habe mich auch ohne vorher den Beitrag von Marie gelesen zu haben, in der Welt zurecht gefunden und habe sie als sehr angenehm empfunden.

Allgemein ist hier sehr subtiler Weltenbau betrieben worden, er klingt überall mit, in Gedanken, Beobachtungen, Erklärungen, ohne sich dabei in den Vordergrund zu stellen. Er wirkte sehr allumfassend, fast simpel, so verankert war er im Denken der Gesellschaft und das mochte ich.

DAS NICHT-TEAM
Die Handlung wird von vier Figuren getragen: Flover, Luke, Okijen und Andra. Sie alle sind unterschiedliche Repräsentaten der Welt, kommen aus unterschiedlichen Familien und Hintergründen, was einen guten Überblick über die Gesellschaft gibt. Die Figuren werden im Buch selber auch mit Steckbriefen vorgestellt, nach und nach erfährt man also mehr über sie. Wer seine Neugier nicht zurück halten kann, kann sich auch auf Maries Webseite oder Instagram umsehen, dort gibt es die Steckbriefe ebenfalls. Flover und Luke führen in das Buch ein, sie sind Teil des Bildungssystems und studieren in ihren jeweiligen Fachbereichen, während sie auch noch die coolste Zweier-WG bilden. Gleichzeitig sind auch sie es, die das Problem um Kami als erstes zu spüren bekommen und ihr gemeinsamer Handlungsstrang las sich wie die beste Art eines Spionagefilms. Das Buch startet sofort mit einem Knall, man wird in die Handlung geworfen und ist sofort eingenommen. Ich mag solche Anfänge sehr gerne und habe die Action und Geschwindigkeit genossen.

Andra und Okijen treffen bei einer militärischen Auseinandersetzung aufeinander und haben nicht den besten Start, was ich sehr unterhaltsam fand. Sie decken dabei das Spektrum der Gesellschaft von einem extremen Ende zum anderen ab, was gerade im Kampf gegen Kami spannend war, weil die Methoden so unterschiedlich waren. Diese vier Figuren haben irgendwie alle mal Kontakt miteinander im Buch, arbeiten aber noch nicht so als Team zusammen, wie ich das erwartet hatte. Das war überraschend schön, denn so kann man als Leser beobachten, wie sie vielleicht zu einem Team werden und ihre noch getrennten Handlungsstränge offenbaren einen besseren Blick auf das komplexe Geschehen.

KAMI, DER MASCHINENGOTT
Dieser KI (=künstliche Intelligenz) ist eine ziemlich krasse Sache, weil sie zwar die Gehirne der von ihr infizierte Menschen gleich schaltet, ihnen aber auch hilft das körperliche Potential auszuschöpfen, was sie zu ziemlich fiesen Gegenern macht. Dabei unterteilt man die Infizierten, Mojas, in unterschiedliche Gruppen ein, je nachdem was ihre modifizierten Fähigkeiten sind. Das kann einfach nur von besseren Sinnen zu gesteigerter Körperkraft und fast Elemente-Bändiger gleichen Fähigkeiten gehen. Besonders spannend fand ich die extremistischen Gruppen, die sich um Kami gescharrt haben, sie wurde als „die Erlösung“ der Menschheit angesehen und verehrt, in ihrem Namen wurden Anschläge verübt und ähnlich kriminelles, dabei waren die Anhänger nicht infiziert. Es ist immer wieder interessant zu lesen, wie fiktive Bedrohungen Hand in Hand mit Extremisten und/oder Religion gehen.

"Wenn Intelligenz der Maßstab ist, bin ich nicht dann mehr Mensch als sie? Und wenn Güte der Maßstab ist, sind dann Tiere nicht die besseren Lebewesen?"
- Interlog: Whispering

DER SCHREIBSTIL
Ich muss sagen, dass ich etwas anderes vom Schreibstil des Buches erwartet habe. Die Schöpfer waren so malerisch und verworren, so wortgewaltig und verträumt, das ich fest davon ausgegangen bin, das wäre der normale Schreibstil der Autorin. Neon Bird ist um einiges cleaner geschrieben, sehr prägnant und kurz. Im ersten Moment fehlten mir die Emotionen, aber dann entfaltete sich das Tempo und ich war hin und weg. Das Buch ist so schon recht lang, ein ausufernder Stil hätte es wohl unnötig gestreckt und so konnte die Autorin konstant die Spannung und das Tempo halten. Eigentlich hatte ich gar keine andere Chance als das Buch zu inhalieren.

FAZIT
Neon Birds überzeugt mit unglaublichem Tempo und Spannung, einer Welt, die unserer gar nicht so unähnlich ist, aber doch so anders. Gespickt mit Steckbriefen, militärischen Aufzeichnungen und Zeichnungen der Charaktere ist das Buch visuell abwechslungsreich und regt die kleinen Verschwörungstheorien noch mehr an.

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 15.11.2019

Nicht, was ich erwartet habe

Cherish Love
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Ich fange mal beim Klappentext an. Er ist vollkommen fehlleitend. Nach dem Klappentext habe ich Sailor als harten Geschäftsmann eingeschätzt, der lernen muss der Liebe in seinem Leben Platz zu machen. ...

Ich fange mal beim Klappentext an. Er ist vollkommen fehlleitend. Nach dem Klappentext habe ich Sailor als harten Geschäftsmann eingeschätzt, der lernen muss der Liebe in seinem Leben Platz zu machen. Das mag nicht die originellste oder feministischste Handlung sein, aber bisher hatte mich die Autorin noch nicht enttäuscht. Abgesehen von der Implikation, dass eine Frau ja nur Ablenkung für ihn darstellt, fand ich die allgemeine Idee - Lebenstraum verwirklichen oder aufgeben für Liebe? - ganz interessant. Was ich nicht erwartet habe, war, dass Sailor ein Gärtner ist, der gerade seinen ersten Auftrag bekommen hat und dessen "Firma" nur aus ihm selber besteht. Noch viel weniger erwartet habe ich, dass Ìsa die mit der erfolgreichen Karriere ist und seine Auftraggeberin. Da hat der Klappentext aber mal schön Tatsachen verdreht. Bis zu dem Punkt wo ich gelesen habe, haben sich auch keine Ansätze gezeigt, dass diese Beziehing hauptsächlich von Ìsa ausgeht, eher anders herum. Woher Ìsas Ängste um zu wenig Aufmerksamkeit kommen sollen, ist mir schleierhaft. Diese Frau hat mehr oder weniger zwei Jobs und zieht ihre Halbgeschwister teilweise groß und dann ist er derjenige, der ihr mehr Zeit einräumen muss?!

Das Positive

Ich sollte wohl dazu schreiben, dass ich bis zu 66% gelesen habe, also mehr als die Hälfte des Buches. Dinge, die ich an dem Buch mochte waren beispielsweise der Schauplatz: Neuseeland. Das hatte ich in einem Liebesroman bisher noch nicht und mochte diese "Auslagerung" sehr. Ìsas Job beinhaltet auch das Planen eines nachhaltigen Fast Food Restaurants, was zuerst wie ein Paradoxon klingt, aber zumindest mich Laie in seiner Umsetzung überzeugen konnte. Ich empfand das als schönen Anker in unserer Zeit. Außerdem fand ich die liebevolle Beziehung zwischen Ìsa und ihren Geschwistern toll, die "nur" Halbgeschwister sind, um die sich Ìsa kümmerte. Ich empfand es als ehrliche, liebevolle und vorbehaltlose Beziehung.

Meins, Meins

Was mich nun davon abhält das Buch zuende lesen, sind die schnellen Besitzansprüche, die hier auftauchen. Die Figuren haben noch nicht einmal miteinander geredet und Sailor nennt Ìsa bereits "mein Rotschopf" oder schlimmer "mein feuriger Rotschop", wobei das feurig auch nur seiner Vorstellung entspringen kann, denn sie haben ja noch keine Worte miteinander gewechselt. Sowohl in Gedanken, als auch laut bezeichnet er sie so. Ständig. Ich habe schon lange nicht mehr von einer Beziehung gelesen, die so starke Besitzansprüche so schnell geltend gemacht hat und das auf der Grundlage von Gar Nichts und einer Jugendschwärmerei.

Dieses übermäßige Besitzergreifende Gehabe hat es mir dann letztendlich leicht gemacht, das Buch abzubrechen. Weil nämlich kaum was anderes im Vordergrund steht. Sailor "jagt" Ìsa hauptsächlich und es wird meist nur erzählt, wie er seine nächsten Schritte plant und weniger wie er versucht sein Unternehmen aufzubauen. Ìsa selber kämpft gegen ihre Mutter an, die ihr Nein zum Eintritt in die Firma nicht akzeptieren will und sie beginnt zu erpressen, was ich wesentlich interessanter fand, dem aber keine wirklich Aufmerksamkeit geschenkt wird, beziehungsweise in einem Ton beschrieben wird, der es als kleines Ärgernis darstellt und nicht als Ignorieren der Selbstständigkeit einer erwachsenen Frau. Sowas macht mich immer sauer und ich habe nicht wirklich Lust weiter von diesem herablassenden Verhalten zu lesen.

Fazit?
Ich bleibe einfach bei der einen Reihe von Nalini Singh, die mich bisher nicht enttäuscht hat und von der ihr aus Nostalgie auch nicht loskomme.

Veröffentlicht am 11.11.2019

Eine spannende, ehrliche und emotional aufreibende Fortsetzung

Flying High
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Bevor ich loslege, muss ich noch einen kurze S p o i l e r -Warnung einbauen. Wer Falling Fast nicht gelesen hat, sollte gar nicht weiterlesen, weil ich so ziemlich den ganzen Sinn des Buches spoilern ...

Bevor ich loslege, muss ich noch einen kurze S p o i l e r -Warnung einbauen. Wer Falling Fast nicht gelesen hat, sollte gar nicht weiterlesen, weil ich so ziemlich den ganzen Sinn des Buches spoilern werde. Ich würde außerdem empfehlen die ersten zwei Kapitel von Flying High schon zu kennen, denn diese Rezension macht keinen Sinn, wenn man von einer bestimmten Sache als Handlungsschwerpunkt ausgeht. Zuletzt gibt es auch für dieses Buch wieder eine Triggerwarnung zu Beginn. Es handelt sich um dieselben Trigger wie bei Falling Fast.

DAVON, WIE MAN WEITERLEBEN SOLL
Die erste Hälfte des Buches war wahnsinnig emotional und hart zu lesen. Hailees Gedanken waren jetzt so ausdrucksstark und präzise, wie sie es sich in Falling Fast nicht erlaubt hat; durch ihren Suizuidversuch riss sie alle Wunden auf und musste sich mit der Realität auseinander setzen: Dem Tod ihrer zwei wichtigsten Bezugspersonen und dem Wegbrechen jeglichen emotionales Halts, den sie in Katie und Jesper hatte. Hailees Gefühlswelt war teilweise wahnsinnig erdrückend, sodass ich nur wenige Seiten lesen konnte, bevor es mich selbst zu sehr beeinflusst hat. Bianca Iosivoni gibt sich viel Mühe, Hailees innere Kämpfe darzustellen und für mich hat es sehr gut funktioniert. Manchmal wurden mir einige Umstände zu oft auf die gleiche Weise betont, allerdings bin ich auch dankbar, dass so sehr darauf geachtet wurde, deutlich zu machen, was Hailee durchlebt. Sie kämpft ebenfalls mit Survivors Guilt, der Schuld am Leben zu sein, sie fühlt sich, als wenn der falsche Zwilling gestorben ist und hat in der Trauerphase auch keine gegenteiligen Argumente bekommen. Allgemein fokussiert dieses Buch viel auf Trauerbewältigung, auf Kommunikation und sozialen Halt. Hailees Eltern spielen ab einem Punkt eine wichtige Rolle und ihr Auftreten bringt viel Licht in die Zeit direkt nach Katies Tod und wie Hailee zu ihrem Entschluss kam. Es hat mich viele Kapitel sehr wütend gemacht, was da zwischen den Eltern und Hailee passiert ist, wobei die Reaktion ihrer Eltern auch verständlich dargestellt war.

Besonders gut fand ich, dass sich damit auseinander gesetzt wird, wie suizidal Hailee wirklich war. Dieses Buch versucht nicht Suizid zu romantisieren, sondern den ohnmächtigen Versuch einer Person zu zeigen, die nicht mehr weiß, wie sie weiterleben soll. Wie sie verarbeiten soll, was passiert ist. Eine Konsequenz, die sich nicht vorhergesehen hat, ist, wie ihre Mitmenschen mit ihr umgehen werden, wie ihr Versuch, sich das das Leben zu nehmen, jede Beziehung korrumpiert hat. Denn Suizid beeinflusst nicht nur das Leben einer einzigen Person, sondern alle um sie herum und das fand ich ganz wichtig und wunderbar, als es gezeigt wurde.

GEDANKEN ALS HINTERBLIEBENER
Chase hat auch in diesem Buch seine Kapitel und wären sie nicht gewesen, hätte ich für das Buch noch sehr viel länger gebraucht. Chase muss ebenfalls damit zurecht kommen, was Hailee versucht hat; seine Perspektive hat die Düsternis stellenweise aber gut aufgelockert. Er hat seinen eigenen Handlungsstrang, der sich ab einem gewissen Punkt sehr von dem Hailees entfernt und ich fand ihn teilweise spannender, weil wirklich etwas passier ist. Die Handlung hat sich bei Chase bewegt, Dinge sind passiert, während Hailees Kapitel zum großen Teil viel Kopflastiger waren und viel Gedanken-herum-wälzen beinhaltet haben. Diese Abwechslung war nötig, wie ich finde, damit man das Buch verarbeiten kann. Hierbei hat mir besonders gut gefallen, dass es keinen Ansatz von „Liebe heilt alle Wunden“ gibt, denn die Beziehung ist durch Hailees Suizidalität stark belastet und beide wissen nicht, ob sie mit diesem Wissen weiter eine gesunde Beziehung führen können.

KRITIK ANSPRECHEN
Als Falling Fast erschien und die ersten Rezensionen geschrieben wurden, begegnete mir immer öfter Empörung über das Motto der Dilogie und wie falsch es sei. Allein mit dem Wissen aus Falling Fast ist diese Annahme auch keinesfalls falsch, denn „Sei mutig“ kann mit dem wenigen Hintergrundwissen schnell toxisch wirken. Mit diesem Buch erhält man die nötigen Informationen um zu verstehen, was Hailee eigentlich erdrückt und wie sie es zu lösen versucht. Sie lernt ebenfalls, dass dies nicht der richtige Weg ist und es wird offen über ihre Therapie gesprochen und ich hatte nicht den Eindruck, dass die Genesung romantisiert oder vereinfacht wird. Ich würde auf jeden Fall empfehlen Flying High noch zu lesen, weil ich finde, dass es viel Kritik entschärft und Dinge richtig stellt.

FAZIT
Flying High ist der informationsreichere, emotionalere Teil der Dilogie, der mir persönlich von der Aussage her besser gefallen hat, auch wenn er schwerer zu lesen war. Er ist ein unerlässlicher Teil der Fairwood-Dilogie.

*Vielen Dank für das kostenlose Rezensionsexemplar.