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Veröffentlicht am 28.04.2022

Schöne Fortsetzung!

Midnight Chronicles - Seelenband
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PRAG & DIE GEISTER DER VERGANGENHEIT

Ella & Wayne kennt man als Leserin schon aus den anderen beiden Büchern, da sie beide Hunter aus Edinburgh sind und sowohl Cain & Warden, als auch Roxy & Shaw eine ...

PRAG & DIE GEISTER DER VERGANGENHEIT

Ella & Wayne kennt man als Leserin schon aus den anderen beiden Büchern, da sie beide Hunter aus Edinburgh sind und sowohl Cain & Warden, als auch Roxy & Shaw eine Zeit lang begleitet haben. Ich mochte es sehr, dass ich schon kleine Auftritt von ihnen gesehen habe, ehe ich ihr Buch lesen konnte, so war ich ordentlich neugierig, was bei den beiden vorgefallen war, dass so eine Spannung zwischen ihnen herrschte. Wayne reist extra für Ella nach Prag, da er endlich all das Unausgesprochene zwischen ihnen ins Lot bringen will und wissen, warum Ella so sang- und klanglos aus Edinburgh floh, besonders da sie sich in den letzten Monaten angenähert hatten.

Um ihre Hintergrundgeschichte etwas zu stützen gibt es wieder ein paar Flashbacks, die ungefähr zur selben Zeit spielen wie die Handlung von Blutmagie. Zurück in der unbeschwerten Zeit vor dem Blutbad zu sein war irgendwie cool und schmerzlich zugleich, weil man als Leser
in weiß, was den Figuren noch bevorsteht, aber ich persönlich fand auch die friedlichen, fast sorglosen Momente zwischen den Figuren sehr angenehm. So richtig erklärt haben diese Flashbacks allerdings nicht, warum Ella so gehandelt hat, wie sie handelte, das war etwas dem sich Ella aktiv stellen musste. Sie neigt sehr dazu ihre Emotionen in sich zu verschließen und lange allein herumzutragen, was mir besonders für eine Soul Huntress als eher ungesund vorkam. Es hatte etwas Ironisches zu sehen wie Ella Geisternnhalf überzutreten, sich aber nicht dieselbe Absolution erteilen konnte und deswegen selbst herumgegeistert ist. Jedoch verarbeitet jeder Mensch Trauer und Trauma anders und ich schätze diese Darstellung deswegen. Ellas Verbissenheit ein letztes Gespräch mit ihren verstorbenen Liebsten zu führen, zeigt dies ganz gut.

Wayne hat eine für einen Hunter eher ungewöhnlichere Reise zu bewältigen: Körperliche Versehrtheit. Ich kann nicht für die Repräsentation seiner Verletzung und die daraus resultierende Behinderung sprechen, aber ich fand es gut, dass auch diese Seite gezeigt wurde und seine Schwierigkeiten damit als junger, sportlicher Mensch plötzlich so eingeschränkt leben zu müssen. Waynes Verletzungen aus dem Blutbad sind nämlich so schwerwiegend, dass er nun mit Gehstock laufen muss, was ihn auch in seinem Kampfstil sehr einschränkt und dem er sich anpassen muss. Er kämpft während des Buches nicht nur körperlich damit sich anzupassen, sondern auch damit es zu akzeptieren und seinen Frieden damit zu machen. Besonders sein Selbstbild wird dadurch sehr erschüttert und von jemandem, der oft ein Beschützer für andere war, zu jemandem zu werden, der eher Schutz brauchte, war spannend zu lesen.

ÜBERRASCHUNGEN HINTER JEDER ECKE

Die Handlung hat mich mehrmals eiskalt erwischt. Eigentlich konnte ich zu keiner Zeit sagen, wo die Handlung hinführen würde und das fand ich wirklich erfrischend. Ich habe mittlerweile so viele Bücher gelesen, dass ich eigentlich recht häufig sagen kann, was noch passieren wird und hier mehrmals überrascht zu werden war ziemlich schön. Zeitlich spielt das Buch auch während Dunkelsplitter, sodass Ereignisse von dort auch hier angesprochen werden und praktisch die Handlungsstränge von drei Büchern in einem verwoben werden. Die Spannung war dadurch für mich konstant vorhanden und ich wollte unbedingt wissen, wie es weiter geht. Gerade zwei Aspekte der Handlung fand ich sehr gut, denn sie haben auf weitere Handlungsstränge in den nächsten Büchern hingearbeitet und ich finds toll zu sehen, wie ein übergreifender Handlungsteppich daraus gesponnen wird, der alle Bücher der Midnight Chronicles miteinander verknüpft, unabhängig von den Protagonist*innen. Ich freue mich jetzt besonders auf das letzte Buch, da bereits auf eine der dortigen Hauptfiguren geteasert wurde und ich so gerne mehr von der Figur lesen möchte.

Die große Hauptaufgabe, die Ella & Wayne zu bewältigen haben, fand ich grundlegend gut, nur in der Ausführung war ich etwas unzufrieden. Ich bin allgemein kein Fan davon Motivationen nicht erklärt zu bekommen und der Gegenspieler hier war ausgesprochen wortkrag. Klar, nicht jeder Bösewicht muss seinen großen bösen Plan in einem Monolog enthüllen, aber die Begründung hier war für mich nicht zufriedenstellend. Besonders da vieles davon auf Spekulationen seitens der Hunter beruht und bei sowas ist ja immer Raum für Fehler vorhanden. Ich hoffe aber, dass es in den anderen Bänden noch weiter fortgesetzt wird und es am Ende alles ausreichend erklärt wird. Was ich noch positiv anmerken muss ist, dass Dinge, die bereits in Band 1 und 2 passiert sind, hier wieder ins Spiel kamen und dort also Fäden zusammengelaufen sind, die etwas länger im Hintergrund standen.

Ich warf einen letzten Blick zu Ella. Sie war das Herz, das außerhalb meiner Brust schlug, und musste um jeden Preis gerettet werden.

Seelenband, S. 429
Die Liebesgeschichte zwischen Ella & Wayne habe ich an Stellen nicht so ganz gefühlt. In Prag tanzen sie lange Zeit umeinander herum, was ich gut fand und erwartet habe, bzw. lesen wollte. In den Flashbacks war ihre romantische Anziehung für mich dann sehr präsent und nachvollziehbar, aber später gab es Momente wo ich fand, dass es etwas schnell ging. Der Sprung von heiß zu kalt zu heiß hat für mich nicht ganz funktioniert, ich hätte da gerne noch mehr Tiefgang gehabt, weil diese Art von Beziehung für mich mit vielen komplizierten Emotionsknoten verbunden ist. Gefühlt haben Ella & Wayne eine Aussprache, die alle ihre Probleme auf einmal löst und ihre Charakterentwicklung praktisch mit einem Fingerschnippen abschließt und das fand ich nicht ganz so toll. Aussprachen können so etwas bewirken, ja. Aber irgendwie passte es nicht zu Ella & Wayne, finde ich. Zumindest Ella hätte für mich noch ein bisschen emotionale Überzeugungsarbeit gebraucht, weil sie lange Zeit ihre Probleme nicht anerkennt und es praktisch von 0 auf 100 ging. Wayne hingegen war sich sehr schnell im Klaren darüber, was er gerne wollte und hat das Ella auch deutlich zu verstehen gegeben, ihr aber immer den Raum gelassen anders zu entscheiden. Diese Art von respektvollem Umgang miteinander fand ich wirklich großartig.

FAZIT

Seelenband ist ein guter vierter Band, der viele offene Fragen beantwortet, aber auch so einige neue stellt. Ella & Waynes Beziehung war ein auf und ab der Gefühle, das ich in Kombination mit Prag und ihren Aufgaben als Hunter gerne gelesen habe. Ich freue mich schon auf Todeshauch!

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Veröffentlicht am 13.10.2021

Ein wundervoller Jugendroman

Long Distance Playlist
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EINE UNGEWÖHNLICHE ERZÄHLFORM

Long Distance Playlist ist eines der Bücher, die ihre Geschichte über verschieden Textformen erzählen. Einen Großteil des Buches machen tatsächlich die Messenger- und E-Mail-Verläufe ...

EINE UNGEWÖHNLICHE ERZÄHLFORM

Long Distance Playlist ist eines der Bücher, die ihre Geschichte über verschieden Textformen erzählen. Einen Großteil des Buches machen tatsächlich die Messenger- und E-Mail-Verläufe der beiden Figuren aus. Und natürlich die Playlisten, die dem Buch seinen Namen geben. Taylor erstellt diese Playlisten zum Teil für sich selbst, aber auch für Isolde und diese sind immer mal wieder im Buch abgedruckt. Es lohnt sich also einen Streamingdienst während des Lesens griffbereit zu haben, falls man eine Playlist Nachhören will. Ich kann mir vorstellen, dass das nochmal ein ganz neues Level an Emotionalität in den Text bringt. (Ich selbst habe das nicht gemacht weil mir erst bei der Hälfte des Buches klar geworden ist, dass ich die Playlisten ja selbst erstellen und nachhören kann und dann schlicht zu faul war, das umzusetzen.)

Gerade zu Beginn des Buches gab es viele Kapitel die nur aus Chatverläufen oder E-Mail Korrepondenzen verlaufen, was einen Moment lang komisch für mich war. (Einfach, weil ich das in letzter Zeit nicht so viel gelesen habe.) Alternative Textformen setzen auch voraus, dass man etwas zwischen den Zeilen liest, weil die Figuren nicht alles, was sie bewegt in eine E-Mail schreiben. Ich musste wesentlich mehr Denkarbeit aufbringen, als ich es gewohnt war, was a) eine nette Abwechslung war und b) dafür sorgte, dass ich mich viel intensiver mit dem text beschäftigte als normal. Ich finde auch, dass diese Art des Erzählers etwas das Tempo gebremst hat, mit dem die Handlung vorangeschritten ist. Denn auch wenn in den E-Mails viel mehr passiert/angesprochen wurde, als in einem Prosa-Text, dauerte es wesentlich länger, bis die Figuren auch gehandelt haben. Das hat sich aber nach einigen Kapiteln eingependelt und es setzte eine gute Mischung aus bekanntem Prosa-Text und Chatverläufen ein.

Die beiden Figuren Isolde und Taylor verüben beide Extremsportarten. Isolde ist Balletttänzerin und trainiert darauf an einem Vortanzen für die nationale Tanzschule in Australien antreten zu dürfen. Taylor ist bis vor einigen Monaten Snowboarder gewesen, bis ein Unfall ihn das Bein gekostet hat. Seitdem mag Taylor nicht mehr Snowboard fahren, womit ein wesentlicher Teil eines bisherigen Lebens wegfällt. Daraus resultiert nicht nur ein Trauma, sondern auch eine Depression, die im Text repräsentiert wird.

Taylors Behinderung kann ich als able-bodied Person in seiner Repräsentation natürlich nicht beurteilen, fand es aber sehr schön zu lesen. Taylor hat mehr als nur ein Trauma zu bewältigen, neben seinem Unfall hatte sein Vater auch Krebs und Taylor eine Depression. Ich fand es sehr stark, wenn im Text über die Therapiesitzungen gesprochen wurde, die Fortschritte und Schwierigkeiten die Taylor so hatte. Gerade in einem Jugendbuch habe ich diese Fülle an Themen bisher noch nicht gelesen und finde es ziemlich gut in die Gesamthandlung eingebaut.

Allein der Gedanke, dass ich den Rest meines Lebens Fragen beantworten werde, erschöpft mich. Dass ich immer aus der Menge herausstechen werde, weil die Definition von „normal“ eine sehr kleine Schublade ist, in die ich offensichtlich nicht mehr passe.

Taylor, Long Distance Playlist
Isolde hat mit starken Selbstzweifeln zu kämpfen, da sie sich ihrer Fähigkeiten nach einem verpatzten Vortanzen nicht mehr sicher ist. Allerdings übernehmen diese Sportarten nicht die komplette Handlung. Meistens liest man tatsächlich nur in Trainingspausen von Isolde und Ballett und bei Taylor nur in Erinnerungen vom Snowboarden.

Isolde muss sich neben ihren Selbstzweifeln hinsichtlich ihrer Karriere als Balletttänzerin auch der Beziehung ihrer Eltern stellen, die im Buch immer mehr zu bröckeln beginnt. Ich fand den Konflikt da sehr gut dargestellt. Isolde muss lernen sich in der Beziehung ihrer Eltern neu einzuordnen und auch akzeptieren, dass eine für sie heile Familie eine unglückliche Ehe für ihre Eltern bedeuten kann.

Abgesehen vom Spannungsbogen, der zu Beginn sich etwas wobbelig angefühlt hat, ehe er sich einpendelte, fand ich dieses Buch wirklich angenehm. Ich habe schon länger keinen Jugendroman mehr gelesen und hatte eine sehr schöne Erfahrung mit Long Distance Playlist. Wie sich Isolde und Taylor wieder näher kommen, ihre Freundschaft neu entdecken und am Ende sogar mehr daraus werden kann war sehr schön und harmonisch zu lesen. Ihre Gefühle basieren auf so vielem, was man als Leser:in mitbekommt, dass es mir nicht schwerfiel das nachzuvollziehen.

FAZIT

Long Distance Playlist ist ein Jugendbuch, dass ich gerne an meine jüngeren Geschwister weiterreichen werde, weil es authentisch, abwechslungsreich und unerschrocken ist. Harte Themen werden angesprochen, aber gut dargestellt und die Freundschaft zwischen den beiden Hauptfiguren war wundervoll.

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Veröffentlicht am 12.04.2021

Jahreshighlight!

What if we Stay
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Hauptperson und Erzählerin des Buches ist Amber – eine junge Frau, die in Toronto Architektur studiert, weil ihre Eltern das so von ihr wollen. Amber hat keinen Spaß an diesem Studium, hängt sich nicht ...

Hauptperson und Erzählerin des Buches ist Amber – eine junge Frau, die in Toronto Architektur studiert, weil ihre Eltern das so von ihr wollen. Amber hat keinen Spaß an diesem Studium, hängt sich nicht rein und besteht alle Prüfungen erst im Drittversuch. Sonst geht sie viel feiern und hat One-Night-Stands. Amber startet nicht gerade als sympathische Figur, sie ist sich ihres Privilegs ihres Studiums nicht wirklich bewusst – oder verdrängt es wohl eher – und steckt Menschen mit Vorliebe in Schubladen. Sie ist in der elitären Welt ihrer Eltern aufgewachsen, die wahnsinnig erfolgreiche Architekten sind und Ambers Vorurteile in der Vergangenheit nur bestätigt haben. Die Beziehung zwischen Amber und ihren Eltern ist bestenfalls als angespannt zu beschreiben, es stehen eine Menge Dinge zwischen ihnen, über die nie geredet wurde, nur langsam vor sich hin köcheln und die Beziehung weiter erschweren. An einigen Stellen hätte ich gerne etwas mehr über die Entwicklung der Beziehung zwischen Amber und ihren Eltern gelesen, in Teilen des Buches schien sie fast zu verschwinden, was ich Schade fand. Allerdings hat Amber auch keine Ambitionen gehabt diese Beziehung zu kitten, weswegen ich das nicht wahnsinnig gravierend finde.

Auch wenn Amber zu Beginn sehr oberflächlich und ignorant ist, ist sie mir bald darauf ans Herz gewachsen, weil sie ein tief verwundeter Mensch ist, die nie die Unterstützung erfahren hat, die sie gebraucht hätte und lernte durch Mauern und Abwehrmechanismen mit ihrem Schmerz umzugehen. Amber taut im Verlauf des Buches natürlich auf, sie ist sich jederzeit bewusst, wie fies sie ist und hat deswegen auch ein schlechtes Gewissen. Das hat ihr Verhalten für mich um einiges besser gemacht, weil sie reflektiert genug war, das zu erkennen und nur nicht wusste, wie sie sonst durchs Leben gehen soll.

Dann kommt Emmett ins Spiel. Emmett lernt man bereits in What if we Drown als Lauries Mitbewohner kennen und er ist der nette Mensch, der einem am ersten Vorlesungstag die Räume zeigt und Fragen beantwortet. Amber hat ihn allerdings sehr schnell in die Schublade „Schnösel/Schleimer“ eingeordnet, weil er sich in sein Studium reinhängt. Damit liegt sich natürlich völlig falsch, braucht aber eine Weile um das zu erkennen. Was ich an Emmett sehr geliebt habe ist, dass er nicht auf sich herumtrampeln lässt – auch nicht von Amber -, aber gleichzeitig auch nicht fies wird. Er zieht sich zurück und zeigt die kalte Schulter, ist aber auch bereit zu helfen, wenn er darum gebeten wird. Emmet ist der Good Guy, den ich gerne öfter in Büchern lesen würde. Er ist manchmal sozial etwas unbeholfen, immer für seine Freunde da, hat das Herz am rechten Fleck und ist unglaublich engagiert.

HANDLUNG & AWARENESS
Die Handlung des Buches konnte mich zwischendrin immer wieder überraschen, Sarah Sprinz ist den Klischeefallen ausgewichen und hat eine wunderbar berührende Geschichte geschrieben, die vor allem darauf fokussiert Fehler einzugestehen und aufzuarbeiten. Amber fragt Emmett bei einem Projekt um Hilfe, dass sie gezwungenermaßen im Architekturbüro ihrer Eltern aufgehalst bekommt. Zu Beginn nutzt sie ihn dabei völlig aus – gibt seine Arbeit als ihre aus und fühlt sich dementsprechend auch schlecht. Emmett ist sich dessen aber bewusst und sieht das als eine Chance für sich Erfahrung zu sammeln, ohne direkt selbst vor den Richtern zu stehen. Je näher sich die beiden dadurch allerdings kommen, desto mehr lernt Amber von Emmett und die Entwicklung dieser ungleichen Freundschaft zu etwas ausgeglichenem und warmen war wunderschön zu lesen.

Der Spannungsbogen war wunderbar angenehm zu lesen, zwischenzeitlich lebte ich gemeinsam mit den Figuren in einer kleinen glücklichen Blase, ehe die Autorin die Spannung bis zur letzten Seite ausgereizt hat. Eine Entwicklung hat mich auch eiskalt erwischt, aber es hat mir richtig gut gefallen und wenn ihr an dem Teil im Buch angekommen seid, würde es mich sehr interessieren was ihr davon haltet.

Zudem hat mich wirklich überrascht, wie deutlich Amber im Buch zu Themen wie z.B. sexueller Belästigung und toxischer Männlichkeit wurde. In einigen Gesprächen hat sie ganz klar Stellung bezogen und Dinge angesprochen, die sonst schnell mit „ist halt so“ und „mit dir läuft etwas falsch“ abgespeist werden. Ich fand es großartig, dass die Autorin das im Buch mit eingebunden hat, selten habe ich davon so deutlich in der Fiktion gelesen und ich bin stark dafür, dass sowas öfter gemacht wird. Bücher prägen ihre Leser:innen immerhin und wenn diese gleich vermitteln, dass bestimmtes Verhalten einfach nicht okay ist, kann das ganz viel verändern.

Ein weiteres Highlight war der Schauplatz Vancouver. Amber kommt nicht ganz so viel herum wie Laurie, weil sie nicht diese Art von Sport und Hobby hat, aber dafür lernte man durch sie und ihr Studium einiges über die sozialen Schichten in Vancouver und besonders die Mentalität der Studierenden fand ich sehr gut dargestellt. Amber kämpft mit ihrem Studium, ist sich nicht sicher, ob sie das jemals beruflich machen möchte und muss entscheiden ob sie sich durchbeißen will oder nicht. Ihre Entwicklung in diesem Bereich fand ich wunderbar und hoffe sehr, dass in Zukunft noch mehr Romane mit College-Setting so ehrlich sein können, wie dieses hier, wo auch der Kampf und Leistungsdruck des Studiums aufgegriffen wird.

Schlussendlich kann ich nur sagen, dass Sarah Sprinz sich mit dieser Trilogie einen Platz in mein Herz geschrieben hat. Ich liebe es welchen Tiefgang sie in das Genre bringt, wie lebendig ihre Figuren und Settings sind und welche Themen sie aufgreift. Die University-of-British-Columbia-Reihe findet für mich einfach die perfekte Balance zwischen den Tropes von NA Romance, die ich liebe und den wahnsinnig wichtigen Themen, die dieses Subgenre zu etwas ganz Besonderem und Prägendem machen.

FAZIT
Dieses Buch hat alles mit mir gemacht. Ich habe gelacht und gelitten, mit Am & Em mitgefiebert, sie angefeuert und im Gegenzug eine wunderbare Geschichte bekommen, die mein Herz berührt hat.

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Veröffentlicht am 26.03.2021

Nicht mein Geschmack

Kaleidra - Wer das Dunkel ruft (Band 1)
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EIN HOLPRIGER START
Dieses Buch hat es mir sehr schwer gemacht – von den Figuren her, den Themen, der Handlung. Wenn ich an Kaleidra denke, dann denke ich an ein großes Chaos an den schlimmsten Stereotypen, ...

EIN HOLPRIGER START
Dieses Buch hat es mir sehr schwer gemacht – von den Figuren her, den Themen, der Handlung. Wenn ich an Kaleidra denke, dann denke ich an ein großes Chaos an den schlimmsten Stereotypen, die Jugendbücher in den letzten zehn Jahren ertragen mussten.

In dem Auftakt der Trilogie geht es um Emilia, die in eine Welt voller Magie und Regeln stolpert und eine scheinbar wichtige Rolle darin spielt. Es geht um Alchemie, den Stein der Weisen, Geheimgesellschaften und eine verbotene Liebe – klingt eigentlich ganz gut. Was aber nicht gut war, war die Ausführung. Ich konnte von diesem Buch nicht mal 20 Seiten lesen, ehe ich genug von den Figuren oder den Klischees hatte.

Emilia ist die Protagonistin des Buches und sie hat keine Ahnung von der Welt der Alchemisten und wird hinein geschubst. Dieses Konzept an sich – einen unerfahrenen Charakter in eine neue Welt einführen – finde ich sehr schwierig umzusetzen. Gerade, wenn es eine scheinbar so komplexe Welt wie die der Alchemisten ist. Die Alchemisten sind eine Geheimloge, die schon seit Jahrhunderten auf der ganzen Welt operiert, sie unterteilt sich in drei einzelne Logen: Die Goldloge, die Silberloge und die Quecksilberloge. Alle drei Logen müssen zusammenarbeiten um eine große alchemistische Kraft freizusetzen, das Wasser des Lebens. Nur sind die Logen untereinander verfeindet, die Quecksilberloge hat sich von den Zielen der anderen beiden Logen entfernt und strebt etwas eigenes, gefährliches an. In diese Welt kommt nun Emilia und es wird ihr nicht leicht gemacht.

KONSTANTE FRUSTRATION
Es sind keine zwei Seiten in diesem Buch vergangen, wo ich nicht meinen Textmarker gezückt habe und etwas markiert – und es war selten etwas Gutes. Ich kann gar nicht an dieses Buch denken und nicht an all die Stereotypen und Klischees, an den Sexismus, das Gaslighting, die Isolation. Alles fällt hinter diese Punkte zurück, weil sie so prominent waren, so sehr jede Szene dominiert haben, dass ich euch eher erzählen kann, wie furchtbar Emilia behandelt wird, denn was wirklich passiert ist.

Das Buch hatte bereits keinen guten Start, weil der Prolog einen nur hoffnungslos verwirrt zurücklässt und Emilia gleich in das ganze Geschehen hereingezogen. Sie kann bei einem Museumsbesuch das Voynich-Manuskript lesen, ein Manuskript, das in keiner bekannten Sprache geschrieben ist und seit Jahrhunderten Rätsel aufgibt. Emilia kann es plötzlich lesen und prompt steht – wie aus dem Boden gewachsen – ein Typ vor ihr, der auf sehr gruselige Art kommuniziert, dass die beiden miteinander reden müssen und sie bitte doch sang- und klanglos mit ihm mitkommen soll. Durch diesen Typen – Ben – erfährt Emilia also von der Welt der Alchemisten und das sie Teil dieser Welt ist. Ich finde diese besondere Herangehensweise – einen unerfahrenen Charakter in eine neue Welt zu werfen – als allgemein sehr schwierig zu handhaben, weil es fast nie glaubwürdig vonstatten geht. Emilia ist einen Großteil der Zeit, wo Ben ihr versucht zu verklickern, das sie mit ihm kommen muss, davon überzeugt, dass ihr Freund einen Youtube-Prank an ihr abzieht. Das hat für mich einfach gar nicht funktioniert, denn auch, wenn Youtube heute etwas alltägliches ist, hat das für mich die Illusion des Buches gebrochen. Ich konnte die Magie und Geheimlogen einfach nicht Ernst nehmen, während Emilia immer nach versteckten Kameras gesucht hat.

Zusätzlich dazu kommt die Tatsache, dass Ben sich gar nicht wirklich Mühe gegeben hat, Emilia etwas zu erklären. Er ist das Buch über ihr Ansprechpartner und – Überraschung! – das Love-Interest. Mag man ihm seine Grummeligkeit zu Beginn noch verzeihen, wird das zunehmend schwieriger, wenn er Emilia immer wieder klein redet, sie als dumm und hilflos darstellt, ihr aber einfach nichts erklärt. Was Ben dort macht nennt man Gaslighting – er sorgt dafür, dass Emilia Stück für Stück ihre eigene Wahrnehmung der Realität in Frage stellt. Das mag mit einer neuen verborgenen Realität irgendwo passieren, aber nicht auf dem Level, wie Ben das betrieben hat. Zusätzlich wird es für Emilie normal, dass Ben einfach in ihre privaten Räume eindringt, wie es ihm lustig ist und irgendwann stellt sie das gar nicht mehr in Frage. Das ist GRUSELIG, habe ich gesagt! Es widert mich an, zu wissen, dass Jugendliche dieses Buch lesen werden und denken dieses Verhalten wäre normal und wünschenswert.

PROBLEMATISCH IN 3, 2, 1 …
Zu dem ganzen Gaslighting kommt dazu, dass die Loge Emilia komplett von ihrem Umfeld isoliert. Sie darf ihren besten Freunden nichts verraten, ihrer Mutter nicht, soll ihren Hobbies nicht nachgehen, stattdessen bekommt sie eine gut ausgetüftelte Tarnung in die Hand, die es völlig normalisiert, wenn sie mehrere Tage am Stück verschwindet. Und all diese Zeit verbringt sie in der Loge, mit Menschen die über ihren Kopf hinweg entscheiden und sie Gefahren aussetzen, über die sie sich nicht im Klaren ist. Emilia wird nur das Nötigste erklärt und wenn sie einmal nachfragt, wird ihr gleich Inkompetenz und Dummheit vorgeworfen. Wie oft ich dieses Buch zerreißen und an die Wand werfen wollte, könnt ihr euch nicht vorstellen. Ich verstehe, dass eine gewisse Geheimhaltung den Reiz dieser Welt ausmacht, aber das ging mir ehrlich zu weit. Jede:r andere Held:in des Genres, hatte wenigstens eine Person, der sie sich anvertrauen konnte, eine:n beste:n Freund:in (Clary & Simon, Gwendolyn & Leslie, Rose & Lissa ect.), aber Emilia wird komplett allein gelassen.

Aber es geht ja noch weiter, denn dieses Buch ist unglaublich aufgeladen an Sexismus und sexistischen Untertönen. Wann immer Emilia mit einem Vertreter des männlichen Geschlechts zu tun hatte, wurde sie auf ihr Geschlecht reduziert und sexualisiert (wie oft irgendjemand sie küssen wollte oder sie übers Küssen nachgedacht hat, argh!), es wurde immer von oben herab mit ihr gesprochen und sie ließ das größtenteils mit sich geschehen. Es gab nicht ein Gespräch auf Augenhöhe mit den Alchemisten in diesem Buch und das waren die einzigen Menschen mit denen Emilia zu tun hatte. Das Buch ging sogar so weit, eine Art magisches Slutshaming einzuführen, wo mir vollends die Pumpe gegangen ist. kleiner Spoiler Es funktioniert nämlich so, dass, wenn zwei Alchemisten unterschiedlicher Logen sich sexuell berühren, das ihre Magie schwächt. Wenn die Berührung „unschuldiger Natur“ ist, dann entzieht das weit weniger Magie. Spoiler vorbei

Emilia ist durch ihre fehlende Initiative als Hauptfigur sehr hinter den anderen (Neben-)Figuren zurückgeblieben. Sie hat selten für sich eingestanden und ihren Charakter kann ich nicht wirklich greifen. Es wirkte auf mich mehr, als wäre sie das Accessoire, um die Nebenfiguren herauszuheben und nicht als wäre das ihre Geschichte. Wann immer Emilia etwas Neues über die Alchemisten lernt, nimmt sie das auf und dann kommt nichts mehr. Sie macht sich nicht sonderlich viele Gedanken darum, wie diese Welt funktioniert, sie nimmt es einfach hin und das passt für mich gar nicht in ihre scheinbare Vorliebe für Rätsel. Denn Rätsel sind wirklich alles, was sie hier vorgesetzt bekommt.

WELTENBAU
Den Weltenbau fand ich tatsächlich teilweise sehr spannend. Die einzelnen Logen und ihr Einfluss, die Rollen in den Logen selber und wie sie besetzt wurden, die Politik dahinter, das alles, fand ich sehr spannend. Die Feindschaft zwischen Gold-, Silber- und Quecksilberalchemisten kam mir sehr einfallslos vor (Macht! Geld! Weltherrschaft!), es wurde ein sehr klares Schwarz-Weiß-Bild von den Guten und Bösen gezeichnet. Die Kräfte, die die einzelnen Alchemisten hatten, waren dennoch sehr cool, jede:r Alchemist:in hat ein spezielles Element, das auch sehr instinktiv freigesetzt wird. Dennoch gab es kleine Details in diesem Weltenbau die mir einfach quer im Hals saßen und leider wurden gerade diese Elemente so aufgeblasen, das ich sie schlecht ignorieren kann.

Eine letzte Sache noch in diesem Rant: Mich hat an der Magie besonders gestört, dass alles, was Emilia besonders gemacht hat – ihre Liebe für Rätsel, ihre Begabung für Mathematik, ihre Neugier – das alles wurde alles mit ihrer Abstammung von Alchemisten und der ihr eigenen Magie gerechtfertigt. Wenn man Emilia die Magie weggenommen hätte, wäre sie ein wahnsinnig langweiliger Mensch gewesen und es ärgert mich unglaublich, das alles, was sie besonders gemacht hat, damit nichtig wurde. Ich möchte einfach gerne mal eine Heldin haben, die beispielsweise Mathe gerne mag, weil es nun mal so ist und nicht, weil ein altes, magisches Erbe ihr das in die Schuhe schiebt.

FAZIT
Alles in allem war dieses Buch einfach gar nicht nach meinem Geschmack. Ich fand den Weltenbau grundsätzlich spannend, aber die Details haben für mich sehr viel kaputt gemacht. Zusätzlich die Figuren, die mir nicht ein kleines bisschen sympathisch werden konnten und eine Handlung, die mehr als frustrierend war, war das für mich eine rundherum frustrierende Leseerfahrung.

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Veröffentlicht am 26.03.2021

Leider nicht mein Ding

The Music of What Happens
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Nach der Hälfte des Buches – circa 220 Seiten – habe ich aufgegeben. Seit Wochen habe ich versucht diese Geschichte zu lesen und kam nur mithilfe des Hörbuchs – das übrigens wunderbar gesprochen ist, an ...

Nach der Hälfte des Buches – circa 220 Seiten – habe ich aufgegeben. Seit Wochen habe ich versucht diese Geschichte zu lesen und kam nur mithilfe des Hörbuchs – das übrigens wunderbar gesprochen ist, an den Figuren aber leider nur wenig sympathischer machen konnte – überhaupt so weit. Ich breche nicht gerne Bücher ab, aber ich denke, je länger ich in in diesem Buch stecke, desto schlechter wird meine Meinung davon, einfach weil ich nicht voran komme. Hier also gestehe ich meine Niederlage ein und schreibe eine Abbruchrezension.

MAX & JORDAN
Max hat mexikanische Wurzeln, spielt in der Schulmannschaft Baseball, ist entsprechend fit, liebt Videospiele und hat seine Bros. Und er kocht sehr gerne und offenbar auch sehr gut, denn er bietet an in dem Foodtruck auszuhelfen und krempelt in kürzester Zeit den Umsatz und die Speisekarte gehörig um. Wenn dieses Buch eins kann, dann einem den Mund wässrig zu schreiben.

Jordan hat zwei beste Freundinnen, Pam und Kayla, führt mit ihnen mal tiefgründige, mal weniger tiefgründige Gespräche über soziale Ungerechtigkeit und Diskriminierung und muss die mentalen Ups-and-Downs seiner Mutter ausbaden. Er hat – wie jede:r Jugendliche:r – Pickel, ist sehr dünn und hat eine tief verwurzelte Selbstabscheu. In Jordans Kopf zu stecken war nicht einfach, weil er sich konstant selbst hinterfragt und das auf die ungesunde Art und Weise.

An sich habe ich kein Problem mit Stereotypen, wenn sie denn gut gemacht sind und irgendwie noch etwas eigenes in die Handlung mit einbringen. Hier habe ich das nicht so wirklich gefühlt. Was auch nicht schlimm ist, niemand muss sein Besonders-sein beweisen, aber irgendwo blieben die Nuancen der Charaktere hängen. Aufgrund ihres Stereotyp-seins konnte ich sehr gut Reaktionen und Konfliktpotentiale voraussehen, irgendwo „kannte“ ich die Handlung und Probleme des Buches schon. Das sorgte letztendlich dafür, dass ich mich eher weniger um die Handlung scherte – es wurden im Prinzip alle unangenehmen Situationen, die ich mir einem Jugendroman vorstellen konnte, gezeigt und das hat mir einfach nicht gefallen.

Nach einigen Kapiteln kamen dann langsam tiefere Gesprächsthemen zwischen Jordan und Max auf und einige Dinge wurden gesagt, die wunderschön waren, aber dann gab es auch die, die ich schockierend fand. Max zum Beispiel echauffiert sich über die Bezeichnung Latinx – Jordan hat versucht politisch korrekt und respektvoll zu sein und Max haut ihm das um die Ohren, weil er das kompliziert findet und niemanden kennt, der diese Bezeichnung benutzt. Ich meine, ja, solche Menschen gibt es und jede:r darf seine:ihre freie Meinung haben, aber jemanden anzugehen, wenn er:sie versucht hat, etwas richtig zu machen, ist doof. Und dann gab es da noch unangebrachte Kommentare zu Max‘ Etnie, wo ich mir einfach nur an den Kopf greifen wollte (und das eventuell auch getan habe).

„Kein schwuler Typ, der was auf sich hält, hört so einen Scheiß. Das ist typische Bro-Macker-Musik.“ Pam sagt: „Kein Mexikaner mit Selbstachtung hat jemals Imagine Dragons gehört. Niemals.“

S. 204
Und das von zwei absolut weißen Menschen. Ich kann nicht mehr. Ich meine, jede:r kann Fehler machen, Teenager müssen sich sowieso in dem Gewirr von Do’s and Don’t zurecht finden und nebenbei noch ihre eigene Identität, aber solche verletzenden Aussagen wurden auch nicht aufgeklärt. Sondern drüber gelacht.

Jordan schien außerdem nicht dazuzulernen und immer dieselben Fehler zu wiederholen, z.B. plant er Rezepte für den Foodtruck, aber übt sie nicht vorher oder recherchiert was genau man braucht, um einen Foodtruck führen zu dürfen. Das kann meiner Meinung nach einmal passieren, aber dann sollte man aus den Fehlern lernen und es versuchen besser zu machen. Das ist bei Jordan aber nicht passiert und nach x-vielen Szenen, die genauso abgelaufen sind, hatte ich keine Lust mehr. Außerdem fand ich seine beiden Freundinnen und die Beziehung, die sie zueinander haben, eher grenzwertig – so eine Freundschaft würde ich mir für mich selbst nicht wünschen, da würde ich mich super unwohl fühlen. Die Mädels ziehen Jordan wegen seiner Homosexualität teilweise sehr auf, machen unangebrachte Kommentare und zwingen ihn über Dinge zu reden, über die er nicht reden will. Diese Freundschaft war absolut unausgeglichen und manchmal sehr respektlos, da wollte ich wirklich nicht mehr drüber lesen.

„Bitte, hört auf“, flehe ich, und ich weiß, es ist bescheuert, aber ich spüre, wie sich ein enges, beklemmendes Gefühl in meiner Brust bildet. Ich habe Nein gesagt. Welchen Teil von Nein haben die zwei nicht verstanden?

S. 115
Bei Max ist es irgendwo ähnlich – seine Bros machen auch viele unangebrachte Kommentare zu seiner Sexualität, reißen Witze auf seine Kosten etc. Max steckt das alles besser weg als Jordan, weil das ja irgendwo „normal“ ist und er sich einredet, dass seine Kumpel ihn wenigstens akzeptieren. Was, nebenbei bemerkt, natürlich absolut nicht normal oder okay sein sollte. Max hat zusätzlich mit einer schlimmen sexuellen Erfahrung zu kämpfen, die ihn nachhaltig belastet. Bis zu dem Punkt, an den ich gelesen habe, wurde nur angedeutet, was passiert ist, aber ich wollte das nicht unter den Tisch fallen lassen. Es wird schon ziemlich früh darauf Bezug genommen und mit der Zeit werden die Hinweise immer deutlicher. Die Triggerwarnung zu Beginn des Buches ist deswegen nicht zu übersehen.

Auch nach mehr als 200 Seiten des Buches waren mir die Figuren noch nicht wichtig genug, um weiterzulesen. Ich mag das Setting und wie sehr der Foodtruck tatsächlich eine Rolle spielt, wie viel Planung dort rein fließt, aber Jordan wurde mir nur zusehends unsympathischer und Max konnte das nicht ausbügeln.

IRGENDWIE DER REST
Ich mag, dass Jordans und Max’s Beziehung verschiedene Typen von Menschen als Attraktiv zeigt – die sportlichen, durchtrainierten Menschen finden im Mainstream viel Aufmerksamkeit und werden als „klassisch schön“ dargestellt, aber Jordan wurde mit seinem schmalen, fast knochigen Körperbau ebenfalls als attraktiv gezeigt. Wie nett genau diese Worte nun waren, kann ich nicht beurteilen, weil ich selbst nie in eine der Kategorien gepasst habe und damit keine Erfahrungen zu Kommentaren und Selbstwertgefühl habe. Jedenfalls kam die Liebesgeschichte zwischen den beiden erst so langsam ins Rollen, als ich abgebrochen habe. Zu Beginn können sich Jordan und Max weniger gut leiden und finden sich tatsächlich sehr nervig. Ich finds sehr gut, dass hier keine Insta-Love vorhanden ist, sondern sich Gefühle erst mit dem näheren Kennenlernen entwickeln.

Zuletzt hat mich auch der Schreibstil nicht so wirklich überzeugt – es wurde die Atmosphäre zwar gut eingefangen und ich konnte mir die Orte alle sehr gut vorstellen, aber ich hatte manchmal Probleme mit der Wortwahl. Ich bin allgemein kein Fan davon wenn z.B. Schimpfwörter wie Bitch für enge Freund:innen verwendet werden und solche Formulierungen kamen mir hier zu oft vor. Auch schienen sich bestimmte Szenen auf unschöne Weise in die Länge zu ziehen, die die Atmosphäre eher unangenehm gefärbt haben, sodass ich mich im Buch nicht mehr wohl fühlte. Max und Jordan haben z.B. nicht groß über Streitpunkte geredet, sondern einfach ausgesessen und all das ungesagte zwischen ihnen hat sich einfach aufgestaut, ich mag sowas einfach gar nicht. Außerdem wurde das Wetter sehr unangenehm beschrieben, gut zwar, aber ich hatte nach einer solchen Szene immer das Bedürfnis kalt zu duschen und mich in einen dunklen Raum einzuschließen. Phoenix ist eben ein verdammt warmer Flecken Erde.

FAZIT
Dieses Buch ist für mich völlig nach hinten losgegangen. Ich konnte keine Bindung zu den Figuren aufbauen, die Nebencharaktere waren mir fast alle unsympathisch und das konnten Max und Jordan nicht ausbügeln. Durch den Schreibstil hat sich vieles einfach sehr unangenehm angefühlt und ich musste mich sehr durch die Seiten kämpfen, ehe ich dann aufgegeben habe. Das finde ich wahnsinnig Schade, aber manchmal passt es eben einfach nicht.

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