Profilbild von Friederike221b

Friederike221b

aktives Lesejury-Mitglied
offline

Friederike221b ist Mitglied der Lesejury

Melde dich in der Lesejury an, um dich mit Friederike221b über deine Lieblingsbücher auszutauschen.

Anmelden

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 15.05.2020

Ein guter Start, der zum Ende etwas nachlässt

Forever Free - San Teresa University
0

„Lass dich nicht von etwas abhalten, das dir Spaß macht, nur weil der Rest der Welt denkt, es wäre die Mühe nicht wert.“
13. Kapitel

Das Buch fängt sehr gut an, es hat genau die Art Unterhaltung geboten, ...

„Lass dich nicht von etwas abhalten, das dir Spaß macht, nur weil der Rest der Welt denkt, es wäre die Mühe nicht wert.“
13. Kapitel

Das Buch fängt sehr gut an, es hat genau die Art Unterhaltung geboten, die ich haben wollte und wurde mit so viel Liebe zum Detail erzählt, dass es richtig Spaß machte mit Raelyn zusammen die STU zu erkunden. Ich bin auch ein großer Fan des Schreibstils geworden, weil die Seiten unter der lockeren, selbstironischen Art vorbeigeflogen sind. In der ersten Hälfte des Buches erhält man so ziemlich alles, was man sich unter dem Collegebeginn vorstellt: Vier-Bett-Zimmer und Gemeinschaftsduschen, Studentenverbindungen, Partys und Mädelsabende um über Jungs und die Kurse zu quatschen.

EINE PASSIVE PROTAGONISTIN

Raelyn ist eine sehr zurückhaltende Person, die nicht gut neue Kontakte knüpfen kann und oftmals das Gefühl hat, das Falsche zu sagen. Deswegen ist der Neuanfang am anderen Ende des Landes für sie auch alles andere als einfach, aber Raelyn braucht diese Freiheit dringend. Sie lernt Dank des Studenten-Paten-Programms die offene Kate kennen, die sie sofort unter ihre Fittiche nimmt und Raelyn in die Welt der Studentenverbindungen, Partys und gemeinschaftliche Lernabende in der Bibliothek einführt. Bald gesellt sich zu den beiden auch noch April dazu und dieses Freundinnen-Trio ist ein ganz wichtiger Teil davon, was das Buch für mich so schön gemacht hat. Später lernt Raelyn dann auf einer Party Hunter kennen, der sie mit seinen ozeanblauen Augen, langen Haaren und Musikliebe in seinen Bann schlägt.

„Ich hatte geglaubt, dass Kalifornien mich auf magische Weise verändern würde. Dass ich über Nacht plötzlich ein anderer Mensch wäre. Das war nicht der Fall. Veränderungen brauchten Zeit.“
5. Kapitel

Hunter studiert um Musikproduzent zu werden und verbringt einen Großteil seiner Kapitel in dem Tonstudio der Uni, um ein Album einer Studentenband fertig zu stellen. Seine Kapitel fand ich manchmal etwas verwirrend, weil er in seinem Kopf ganz anders klang, als Raelyn ihn wahrgenommen hat. Zudem denkt er um seine Probleme auch immer drum herum, sodass sie bis kurz vor Schluss nicht ordentlich angesprochen wurden. Auch haben mich ein paar Sätze von Hunter gestört, zum Beispiel der toxische „Das ist jetzt deine Schuld“-Spruch als er Raelyn küsst. Er füttert nur in die Misskonzeption, dass Frauen an der Unbeherrschtheit der Männer Schuld sind. Allerdings war das auch der einzige Satz, der mir in diese Richtung aufgefallen ist. (Was nicht heißen muss, dass das Buch danach frei von solchen toxischen Sätzen und Darstellungen frei bleibt, ich habe sie vielleicht nur einfach nicht wahrgenommen.) Sonst schien Hunter ein lieber Kerl zu sein, der in der Vergangenheit von seiner Ex-Freundin leider nur einen sehr schlechten Ruf verpasst bekommen hat. Ich mochte, wie sanft er mit Raelyn umgegangen ist und ihr immer die Freiheit gelassen hat, selbst die Entscheidungen zu treffen.

THE GOOD & THE NOT-SO-GOOD

Was mir an Forever Free wirklich gut gefallen hat, war mit wie viel Bedacht bestimmte Situationen angegangen wurden. Als Raeylan das erste Mal auf einer Studentenparty ist, nimmt sich eine ihrer Begleiterinnen Zeit ihr die Risiken solcher Partys zu erklären, dass man zum Beispiel seinen Drink immer selber holen sollte oder nur von einem wirklich guten Freund, dass man nie allein sein sollte etc. Ein anderes Mal steigt Raelyn das erste Mal auf ein Motorrad und die Person nimmt sich die Zeit, sie erst mit dem Gerät vertraut zu machen, bevor es los geht und bietet auch immer die Möglichkeit des Autos an. Solche Umsicht wird selten in Romanen des Genres gezeigt und ich applaudiere Kara Atkin, dass sie es hier getan hat.

Als Raelyn und Hunter sich näher kommen, rutscht der Fokus etwas mehr auf sie und als der Konflikt sich anbahnt verfolgt man beide sehr stark. Zum Ende des Buches hin hat es mich etwas enttäuscht, dass die Detailverliebtheit vom Beginn verloren ging, dass man die Freundschaft von Raelyn, Kate und April nur noch am Rande behandelt hat. Kleine Nebenhandlungen werden nicht weiter angesprochen (wie z.B. das Stechen eines großflächigen Tattoos, das in der Nachsorge sicherlich einiges erfordert). Der Fokus liegt so stark auf Raelyn und Hunter, dass all die kleinen Momente, die das Buch zuvor ausgezeichnet haben, wegfallen. Die Sprünge zwischen Kapiteln wurden sehr groß und schnell abgehandelt, was zwar für ein gewisses Tempo gesorgt hat, aber eben keine Besonderheiten mehr bereit hielt.

„Ich wusste nicht, wie ich es erklären sollte. Wie ich diesen Drang mir selbst zu entkommen, in Worte fassen sollte.“
18. Kapitel

Die Konflikte des Buches sind mit etwas Vorsicht zu genießen, einerseits, weil der um Raelyn sehr fix geklärt wurde, was durchaus passieren kann und ich als sehr angenehm empfunden habe. Andererseits wurde ein Thema zu Mental Health angeschnitten und zu meiner Enttäuschung als Plotdevice verwendet. Ich bin auch der Meinung, dass eine Triggerwarnung im Buch angebracht wäre, besonders, da immer nur angedeutet wird und erst zum Schluss ausgesprochen, was wirklich gemeint ist. Ich finde es Schade, dass die Repräsentation dadurch sehr klein gehalten wurde, kann aber auch verstehen, dass man nicht dein Eindruck erwecken wollte, als wäre eine Person nur ihre Krankheit und nichts anderes.


FAZIT

Forever Free ist ein Buch, das den Sommer in das heimische Regal holt. Voller wichtiger Botschaften, aber auch mit einigen Schönheitsfehlern ist es eine Geschichte, die einen gefangen nehmen kann und für ein paar Stunden entspannend.

  • Handlung
  • Erzählstil
  • Charaktere
  • Cover
  • Gefühl
Veröffentlicht am 13.04.2020

Ein Jahreshighlight!

Feeling Close to You
0

QUEEN TEAGAN

Ich habe in diesem Buch eine neue Lieblingsprotagonistin gefunden: Teagan Ramona aka TRGame. Teagan ist schlagfertig, lässt sich nicht unterkriegen und setzt sich selbst als erste Priorität. ...

QUEEN TEAGAN

Ich habe in diesem Buch eine neue Lieblingsprotagonistin gefunden: Teagan Ramona aka TRGame. Teagan ist schlagfertig, lässt sich nicht unterkriegen und setzt sich selbst als erste Priorität. Sie ist die unabhängige, selbstständige und starke Protagonistin die dieses Genre braucht, um gegen die Klischeevorwürfe zu bestehen. Sie macht ihre Entscheidungen nicht von einem Typen abhängig oder von schlechten Erinnerungen. Teagan ist schlichtweg cool. Sie lässt keinen Scheiß mit sich machen, schlägt zurück, wenn es sein muss und hat so eine coole, unkomplizierte Art, dass ich sie sofort als beste Freundin nehmen würde, wenn ich könnte. Außerdem ist sie witzig, ich habe während des Lesens ganz oft ein breites Grinsen im Gesicht gehabt, weil Teagan mit nichts hinterm Berg hält und einfach die besten Retourkutschen gibt. Ich bin absolut verliebt in Teagan und kann euch allein wegen ihr das Buch nur ans Herz legen.

Der große Aufhänger des Buches ist, dass Teagan, als relativ kleine Gamerin, den sehr bekannten Parker in einem Videospiel gnadenlos besiegt – wiederholt. Parker kann das natürlich nicht auf sich sitzen lassen und stellt Nachforschungen an und trifft dadurch auf Teagan, die genug vom künstlichen Drama der Menschen um sie herum hat, sich durch die Streams das Geld fürs College verdienen will und gleichzeitig etwas Dampf ablassen kann. Für ihre Ziele setzt sich sie auch gegen ihren Vater durch, der eine genaue Vorstellung von der Karriere seiner Tochter hat.

Parker hat ebenfalls Kapitel für sich, etwas, das ich sehr mag, weil man dann sehen kann, warum er wie handelt und warum Dinge wie passieren. Die Autorin hat einen tollen Job dabei gemacht zwei greifbare Protagonisten zu schreiben, die die falschen Dinge aus den richtigen Gründen tun. Wenn ich jemandem aus diesem Buch eine Umarmung und gleich danach eine Kopfnuss geben müsste, dann wäre es Parker. Seine Kapitel bestechen auch durch die Chaos-WG, die Anabelle schon in ihrer Blogtour näher vorgestellt hat und die absolut genial ist. Außerdem habe ich mich in den Ort von Parkers College verliebt – Pensacola, Florida. Da würde ich auch gerne studieren. Es ist also das Rundum-Paket, das mich bei diesen Figuren überzeugt hat, da stimmte einfach alles für mich.

GAMING & STUFF

Das große Thema dieses Buches ist – neben der Liebesgeschichte – das Gaming. Beide Protagonistin spielen für ihr Leben gerne Videospiele und das wird im Buch auch in ganzer Weise zelebriert und gezeigt. Meine Videospielerfahrung begrenzt sich auf eine sehr stressige halbe Stunde Star Wars – Knights of the Old Republic und viele Stunden Super Tux, sonst bin ich sehr zufrieden damit zuzugucken. Ich habe meinem Bruder in der Grundschule sehr viel beim Videospielen zugeschaut und zähle diese Abende immer noch zu meinen liebsten Kindheitserinnerungen – wir haben die Spiele dann, so weit es ging, auch in die Realität übernommen und uns stundenlange Kämpfe mit Laserschwertern, die eigentlich Holzstöcke waren, geliefert. (Falls sich schon mal jemand gefragt hat, wo meine liebe zu Star Wars herkommt – daher.) In Büchern kannte ich das Thema bisher gar nicht. Deswegen war ich auch etwas skeptisch, ob sich das Gefühl gut ins Schriftliche übertragen lässt und – HELL YES! Ich habe die Videospielsequenzen im Buch geliebt! Ich habe mich super gut zurecht gefunden und auch ohne die Spiele zu kennen, habe ich mitgefiebert und mir alles gut vorstellen können. Wer die absolut beste Erfahrung haben will, kann sich natürlich Lets-Plays auf Youtube oder Twitch angucken – was ich auch getan habe – aber es funktioniert auch sehr gut ohne.

Teagan und Parkers Beziehung findet zu einem großen Teil online statt, weswegen es viele Chatverläufe im Buch gibt. Diese Chats sind witzig, auf den Punkt gebracht und geben trotz fehlender „sie sagte zögernd /er sagte grinsend“-Angaben ein ziemlich gutes, wenn nicht sogar besseres Bild vom Charakter der beiden ab. Das Geplänkel von Teagan & Parker fand ich wunderbar, es hat die Stimmung des Buches so sehr gehoben und Parkers exzessiver Gebrauch von Emojis hat eine ganz neue Dimension von Witz und Charme eröffnet.

NO DRAMA, BABY

Was mich an diesem Buch nach wie vor begeistert, ist, dass es kaum künstliches Drama gibt. Die Konflikte finde ich absolut nachvollziehbar und realistisch, Parkers Probleme habe ich zu einem Teil selbst erlebt und bin mit der Handhabung des Themas vollauf zufrieden. Bei Teagan hat mir besonders gefallen, dass sie merkt, dass bei einer nicht funktionierenden Beziehung immer zwei dazu gehören und sie daraus lernt. An den Momenten, wo die Handlung hätte eskalieren können und ins überdramatische abrutschen, haben sich die Figuren besonnen und entwickelt und das finde ich großartig.

FAZIT

Feeling Close To You ist so ein tolles Wohlfühlbuch für mich geworden, wo wichtige Themen gut angesprochen werden, aber gleichzeitig die Handlung nicht übernehmen oder schwer machen, sondern wo eine gute Balance herscht. Ich kann euch das Buch in jedem Aspekt – dem Schreibstil, der Handlung und natürlich den Figuren – ans Herz legen, es ist ganz schnell und zielstrebig an die Spitze meiner liebsten NA-Romane geklettert. Teagan & Parkers Geschichte ist von der ersten bis zur letzten Seite absolut perfekt und traumhaft.

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 23.03.2020

Ernst, hart und so wichtig

Dream Again
0

VON TRÄUMEN UND REALITÄT

Ich finde, dass sich Dream Again in vielerlei Hinsicht von den restlichen Büchern der Again-Reihe unterscheidet. Es ist vom Ton und der Atmosphäre her sehr viel näher an Hope ...

VON TRÄUMEN UND REALITÄT

Ich finde, dass sich Dream Again in vielerlei Hinsicht von den restlichen Büchern der Again-Reihe unterscheidet. Es ist vom Ton und der Atmosphäre her sehr viel näher an Hope Again dran, als beispielsweise an Begin Again. Hier dreht sich viel um Zwischentöne, komplizierte Beziehungen und Jude vollführt fast das gesamte Buch einen Drahtseiltanz, um so wenig Menschen wie möglich zu verletzen.

Jude kannte man als Figur noch nicht aus den anderen Romanen, sodass ich keinerlei Erwartungen an ihren Charakter hatte. Ich fand das zur Abwechslung mal ganz nett, ich konnte sie ganz ohne Vorbehalte lieb gewinnen, obwohl Jude einem das nicht einfach macht. Sie verschließt sich nämlich vor so ziemlich allem und jedem, was allerdings in Anbetracht ihrer Position verständlich ist. Jude war als junge Schauspielerin in Los Angeles unterwegs und hatte nach einer größeren Rolle dann großes Pech, alles wovon sie träumte und wofür sie gearbeitet hat, zerfiel vor ihren Augen, und ohne ein stabiles soziales Umfeld, verlor sie auch schnell den Glauben an sich selbst. Sie ist auf eine Art gebrochen, wie es ein junger Mensch nicht sein sollte und weiß sich nur auf eine Art zu helfen: Neu anfangen. Weit weg von L.A. und der Schauspielerei. So landet sie bei ihrem Bruder Ezra, weil sie nicht die Kraft hat sich ihren Eltern zu öffnen.

Bei Ezra muss sich sich aber auch Blake stellen, dem Mann, dem sie das Herz gebrochen hat, als sie sich von ihm trennte. Nun wohnen sie plötzlich zusammen und auch, wenn Jude sich schuldig fühlt, für all den Schmerz, den sie ihm zugefügt hat, lässt sie nicht lange auf sich herum trampeln.

„Nur weil ich dich verlassen habe, gibt dir das nicht das Recht, mich wie einen Haufen Scheiße zu behandeln, Blake.“
- Dream Again

Ich fand es unglaublich stark von Jude, dass sie sich gegen Blake behauptet hat und das immer wieder. Denn diese Beziehung explodiert förmlich vor lauter Erinnerungen und Unausgesprochenem. Da sie nun auf engerem Raum zusammenleben, kommt einiges an die Oberfläche, das sie in den letzten Monaten verdrängen konnte. Dabei zeigt sich schnell, dass die Trennung nicht so simpel war, wie man annehmen möchte. Jude und Blake verbindet mehr als nur eine romantische Beziehung, sie sind auch zusammen aufgewachsen, ihre Eltern stehen sich nahe und Judes Bruder Ezra ist genauso Blakes Freund wie auch Judes. Sie waren ein eigenes goldenes Trio, ehe es in die Brüche ging. Auch wenn Jude und Blake sich gegenseitig stark verletzt haben, kennen sie einander so gut, dass sie oftmals die Einzigen sind, die die Wünsche und Träume des anderen nachvollziehen können und sich gegenseitig Halt geben. (Das müssen sie sich allerdings auch erstmal eingestehen.) Egal wie sie es anstellen, Jude und Blake kreisen nach wie vor umeinander, gebunden von Gefühlen, die weitaus mehr sind als nur romantischer Natur. Da schwirren also viele Gedanken und Emotionen in der Luft herum, was ich allerdings sehr spannend fand und gerne mag. Beziehungen jeglicher Art sind nun mal kompliziert, weil sie von so vielen Gedanken, Annahmen, Erfahrungen und Gefühlen gespeist werden und Judes & Blakes Beziehung ist sozusagen das höchste Level an „Es ist kompliziert“.

Die WG selber besteht auch noch aus Otis und Cameron, weiteren Team-Kollegen von Blake und Ezra, die ebenfalls Basketball bei den Woodshill Eagles spielen. Ich muss sagen, dass ich das WG-Leben mit am schönsten fand, es war ein lustiger Ausgleich zu der schweren Stimmung zwischen Blake und Jude. In Woodshill trifft Jude dann vermehrt auf Everly und Scott und freundet sich besonders mit Scott gut an, der sie bei ihren Yogastunden begleitet, seine Muffins mit ihr teilt und mit dem sie etwas Frust ablassen kann und Witze reißen. Ich hätte nicht gedacht, dass ich Scott mal noch so ins Herz schließen würde, weil er mir in Begin Again etwas zu sehr „over the top“ war, aber hier war er Jude ein wirklich guter Freund und hatte auch eine ganz interessante Nebenhandlung. Ansonsten hält sich Jude mit Freundschaften allerdings zurück, weil sie schnell merkt wie eng die Menschen um Blake miteinander verknüpft sind und sie sich nicht in die Clique drängeln will. Ich kann diesen Wesenszug von ihr gut verstehen, dass sie sich lieber zurück zieht, als auf unnötigen Konfrontationskurz zu gehen, sie zweifelt auch sehr an ihrer eigenen Liebenswürdigkeit und Wert als Person. In diesen Momenten, wollte ich sie einfach nur umarmen. (Und Blake eine Kopfnuss geben.)

WIEDERAUFSTEHEN UND WEITERMACHEN

Allgemein ist Blake kein besonders netter Kerl im Buch, er ist verschlossen, grimmig, gemein und verzeiht Jude nicht besonders schnell. Jude merkt aber, dass sie die Gefühle für Blake nicht einfach verdrängen kann. Also versucht sie ihre Beziehung wieder so weit ins Lot zu bringen, dass sie und Blake Freunde sein können, was bis zu einem gewissen Punkt funktioniert. Ich fand diesen Drahtseilakt sehr spannend, es hängt viel Unausgesprochenes in der Luft und oftmals wird nur über Blicke kommuniziert. Es ist eine sehr vorsichtige, langsame Beziehung und Blake und Jude stoßen oftmals an ihre Grenzen der emotionalen Belastbarkeit.

Nebenbei begleitet man Blake auch bei seiner Reha und den Ängsten und Schwierigkeiten die nach einer so starken Verletzung kommen. Blake muss eine Menge aushalten und irgendwo ist seine Reaktion auf Jude nachvollziehbar, gleichzeitig hätte es mir geholfen, wenn ich mehr aus seiner Perspektive hätte betrachten können. Gerade weil ich Blake in Hope Again so mochte, fiel es mir jetzt schwer seine Art zu akzeptieren. Die Chemie zwischen ihm und Jude ist schwierig, sie schwankt zwischen Extremen, was schnell toxisch werden kann. Man sollte dieses Buch also auch mit etwas Vorsicht genießen. Dennoch fand ich es toll und wichtig zu lesen, wie sie sich durch dieses Wirwar durchackern und versuchen an sich zu arbeiten.

Dieses Buch ist eine harte Nummer. Weder Jude noch Blake befinden sich zum Start der Handlung in einer guten Verfassung und das wirkt sich enorm auf die Atmosphäre des Buches aus. Obwohl es mich stellenweise sehr mitgenommen hat, fand ich es spannend zu lesen, was aus einem Menschen werden kann, wenn er seine Träume als zerschlagen ansieht und jegliche Hoffnung verliert.

Es hatte immer nur diesen einen Traum für mich gegeben – nichts anderes. Keinen Plan B. Und in diese Welt zurückzukehren, kam schlichtweg nicht infrage.
- Dream Again

FAZIT

Dream Again ist kein sorgloser New-Adult-Roman, in dem die Welt in Ordnung ist. Er ist ernst, manchmal schmerzhaft, sehr ehrlich und das ist etwas, was ich sehr schätze. Ich finde, er bricht mit vielen Klischees und Erwartungen des Genres, erlaubt sich dadurch tiefgründiger zu werden und einen Teil Realität zu zeigen, dem einige Leser – unter anderem ich – eigentlich sonst gerne mit genau dieser Art Buch entkommen möchten. Auch wenn es für mich hart zu lesen war, finde ich es unglaublich toll, dass die Autorin sich getraut hat, diese Geschichte zu erzählen und hoffe, dass dieses Buch etwas an dem Stigma rütteln kann, dass das Genre immer noch umgibt. #NewAdultkann eben.

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 15.03.2020

Etwas schwächer als Band Eins

Someone Else
0

EINE SÜSSE GESCHICHTE
Ein Adjektiv, das mir zu diesem Buch einfällt ist: süß. Dieser Roman strotzt nicht vor großem Drama und dunklen Vergangenheiten, sondern fokussiert sehr auf einer Freundschaft zwischen ...

EINE SÜSSE GESCHICHTE
Ein Adjektiv, das mir zu diesem Buch einfällt ist: süß. Dieser Roman strotzt nicht vor großem Drama und dunklen Vergangenheiten, sondern fokussiert sehr auf einer Freundschaft zwischen zwei Menschen. Cassie hat schon länger tiefere Gefühl für Auri, traut sich aber nicht einen Schritt in die Richtung zu gehen, weil sie nicht weiß, ob er ihre Gefühle erwidert. Sein Status als beliebter Football-Spieler macht es ihr zusätzlich schwer, Cassie findet nicht, dass sie in Auris Berühmtheits-Umfeld passt. Dennoch kann sie ihre geheimen Fantasien nicht ersticken und schätzt jeden Moment, den sie mit Auri auf die Couch gekuschelt verbringen kann.

BISSCHEN MEHR KOMMUNIKATION, BITTE
Wenn ich Cassie mit einem Wort beschreiben müsste, wäre es: Heuchlerin. Ich war einfach kein Fan von ihr. Ich fand es zu Beginn ganz angenehm, das sie ein sehr kopflastiger Mensch ist, der Situationen stark zerdenkt, aber leider wurde das immer schlimmer. Cassie hat immer nur angenommen und danach gehandelt, anstatt, dass sie mal mit Auri ordentlich über ihre Gefühle spricht. Miteinander reden können die beiden eigentlich sehr gut, wenn es um ihre Freundschaft geht sind sie sehr engagiert und kommen bei Problemen schnell zu einer Einigung. Nur der Weg zur Aussprache, der war schwer. Cassie hat in ihrem Kopf die Beziehung zu einer riesigen Sache aufgeblasen, wo SO VIEL gegen sie als Paar gesprochen hat, was aber buchstäblich nur in ihrem Kopf existierte. Keiner aus ihrem Umfeld hätte etwas gegen die Beziehung gehabt (weder Freunde, noch Eltern), es gab keine finsteren Geheimnisse, die eine Beziehung schwer gemacht hätten, gar nichts. In Cassies Kopf aber waren sie und Auri wie Romeo und Julia, wobei sie selber auch die Rolle der Capulets und Montagues eingenommen hat. Cassie hat sich von Anfang an selbst sabotiert, nur um sich dennoch insgeheim zu wünschen, dass da mehr wäre. Und die tiefe Freundschaft, die auch das schlafen im selben Bett und stundenlanges Kuscheln auf dem Sofa beinhaltete, saß mir dann einfach quer im Hals. Ich fand es einfach heuchlerisch von ihr, sich in einem Moment super eng an Auri zu kuscheln und in der nächsten Szene zu denken, dass sie niemals zusammen sein können. Cassies Ängste hatten mir einfach nicht genug Substanz, oder wurden für jemand Außenstehendes nicht gut genug geschildert. Das war schon sehr frustrierend. Wie es Auri geht, darüber denkt sie beispielsweise nie nach, sie ist aber immer sofort stocksauer, wenn er ihr gemeinsames Hobby verleugnet.

IMMER MAL LANGSAM MIT DEN JUNGEN PFERDEN
Langsam beschreibt dieses Buch ganz gut. Es ist eine sehr ruhige Geschichte, was man mögen muss und wofür ich offen war. Allerdings sah das so aus, dass die Handlung sich bis zur Hälfte wiederholte. Die unterschiedlichen Situationen lasen sich leider sehr generisch, es war immer dasselbe Schema. Die Figuren haben sich nicht entwickelt, sondern sind nur auf der Stelle getreten. Dafür ging es zum Ende hin umso schneller. Die letzten 50 Seiten waren wieder eine Explosion an Gefühlen und Momenten, alles hat sich aufgestaut, nur um dann auf einmal herein zu brechen. Mich hat das in diesem Buch etwas weniger gestört als bei Someone New, weil ich das Thema des Konflikts nicht ganz so aufbereitungsbedürftig fand. Die Menge an Drama und Zeit, die auf den Konflikt verwendet wurde, fand ich dem Thema angemessen. Dennoch war das Ende sehr fix und dann plötzlich, gab es das Happy End.

Ein bisschen frustrierend finde ich es, dass in diesem Buch so wenig passiert. Es ist unbefriedigend und etwas substanzlos, wie ich finde, die Geschichte, die durch ihre Details besonders werden könnte, las sich etwas lahm. Eigentlich kann ich von dem, was passiert ist, gar nicht so viel kritisieren. Ich kritisiere eher, was nicht passiert ist, falls das für euch Sinn macht. Es las sich wie ein Buch der verschenkten Chancen. Aber das, was man wirklich lesen kann, ist auch nicht wirklich schlecht. Nur eben etwas farblos. Laura Kneidl vorherige New Adult Bücher haben die Messlatte für gesellschaftskritische Themen hoch gelegt und für mich war es schwer zu akzeptieren, das es hier weniger umgesetzt wurde als erwartet.

Merke: Erwartungen sind böse. (Sie auszuschalten ist aber auch nicht einfach.)

EIN BISSCHEN HIERVON, EIN BISSCHEN DAVON
Wie auch schon in Someone New werden hier wieder einige Themen angerissen, die eine gewisse Repräsentation fordern. Ich war besonders gespannt auf Auris Erfahrungen als Schwarzer, hatte auf eine gewisse Repräsentation von Rassismus gehofft. Die habe ich so leider nicht gesehen. Es wurde in einer Szene (fast) direkt angesprochen und sonst war es das. Ich verstehe natürlich, wenn eine weiße Autorin sich diese Repräsentation nicht aufbürden möchte, allerdings hätte man den Spieß umdrehen können und stattdessen über weißes Privileg schreiben können. Cassie ist sehr privilegiert und hat sich in diese Richtung gar nicht reflektiert, dabei ist sie seit mehr als zwei Jahren mit Auri befreundet, da kann ich mir einfach nicht vorstellen, dass sie da nicht einmal auf ihre unterschiedlichen Positionen aufmerksam gemacht wurde. Und wenn dann hätte einer der immer-alles-erklärenden-Freunde sie mal darauf hinweisen können. (Julian und Lucien musste Cassie öfter mal mit der Nase auf gewisse Dinge stoßen.)

Cassie selber hat eine ganz gute Repräsentation zu Diabetes bekommen, zumindest so weit ich das als Unbetroffene beurteilen kann. Das Thema wurde kontinuierlich erwähnt, die Vorgänge waren in Cassies Alltag integriert und ich habe von Situationen gelernt, wo ich nie erwartet hätte, dass Diabetes eine Rolle spielen könnte. Besonders gut hat mir der Moment gefallen, wo jemand den Satz „Du siehst aber gar nicht krank aus“ zu Cassie gesagt hat, solchen „Argumenten“ steht man ja öfter gegenüber und ich fand es schön, dass hier mal auf das Problem hingewiesen wurde.

Vom Cosplayen und LARP hätte ich gerne mehr gesehen. Dafür, dass es das große Hobby der beiden Hauptfiguren ist, habe ich wirklich wenig dazu gelesen. Es gab die Convention, die angedeutet wurde, aber mir persönlich kam sie etwas zu kurz und dann kam nur sehr spärlich etwas. Ich kann die Begeisterung für das Hobby nicht nachvollziehen und der Aufhänger, der sich dafür geboten hat, das richtig zu erklären, wurde nicht genutzt. Von LARP sieht man gar nichts, das wurde von beiden irgendwie in den Besenschrank verbannt, nachdem ihre letzte Erfahrung dabei peinlich verlaufen war. Dei gemeinsame Liebe zu Herr der Ringe fand ich ganz nett, aber auch hier wurde nie so wirklich erwähnt, warum sie die Trilogie so toll finden. Mir fehlte das nerdige an den beiden Nerds. Da ziehen dann auch romantisch gemeinte Sprüche nicht, wenn man keinen Plan hat, was genau die Begeisterung hervorruft.

FAZIT
Praktisch macht Someone Else wenig falsch und ist ein sehr süßes Buch. Theoretisch hätte man sehr viel mehr heraus holen können und es so zu einer Besonderheit des Genres machen. So laß es sich für mich leider sehr 0815 und gerade am Ende fühlte ich mich nicht zufrieden gestellt.

  • Handlung
  • Charaktere
  • Erzählstil
  • Gefühl
  • Cover
Veröffentlicht am 09.01.2020

Ein gefühlvolles, emotionales Buch.

Everything I Didn't Say
0

VON GROSSEN UND KLEINEN PROBLEME
Das Besondere an diesem Buch ist, was im Prolog schon gesagt wird: Manche Geschichten haben ein Happy End, diese hat viele. Und dann ging das Leben weiter. Kim Nina Ocker ...

VON GROSSEN UND KLEINEN PROBLEME
Das Besondere an diesem Buch ist, was im Prolog schon gesagt wird: Manche Geschichten haben ein Happy End, diese hat viele. Und dann ging das Leben weiter. Kim Nina Ocker erzählt eine Geschichte über einige Jahre hinweg, in der Jamie und Carter durch bestimmte Umstände miteinander zu tun haben und genauso viele schöne Momente, wie schmerzhafte zusammen erleben.

Jamie ist eine fleißige Studentin, die für ihr Ziel viel Arbeit auf sich nimmt und ihr Privatleben dafür schon mal zurück steckt. Das Praktikum bei der Soap „Chicago Hearts“ öffnet ihr hoffentlich mehr Türen in der Dramaturgie, weswegen Carters offene Flirtversuche ihr eigentlich nicht passen. Sie kam mir als sehr bodenständige Figur vor, die sich selbst schon mal zurück stellt, um zu erreichen, was nötig ist – in diesem Fall ein abgeschlossenes Studium.

Carter ist Schauspieler mit Leib und Seele, eine Tatsache, die seine Eltern leider weniger begrüßen und gerade sein Vater macht ihm viel Druck mehr Erfolg zu haben. Aus diesem Grund durchläuft seine Beziehung zu Jamie auch einige Hürden, denn nicht nur die Klausel in seinem Vertrag hält ihn von einer öffentlichen Beziehung ab, sondern auch sein Ehrgeiz. Ich mochte seine Kapitel ganz gerne, weil er in kurzer Zeit eine große Entwicklung durchlief, während Jamie eine einzige Entscheidung fällt und daran festhält.

Im Buch gibt es zwei Zeitlinien, die zu Beginn abwechselnd erzählt werden, was viel Spannung generiert hat, sodass ich meist nicht weniger als 100 Seiten am Stück gelesen habe. Ich bin durch dieses Buch geflogen, weil keine Szene verschwendet war, ob Charakterentwicklung, Handlung oder emotionale Reise, es wurde nicht langweilig ohne überladen zu wirken. Der Spannungsbogen macht dank des längeren Zeitraums einige Hüpfer, die immer vom emotionalen Standpunkt der Figuren begleitet wurden, das hat für mich ein schön harmonisches Bild ergeben.

Um den eigentlichen Handlungsschwerpunkt wird zu Beginn ein großes Geheimnis gemacht, allerdings kann man nach einiger Zeit absehen worum es geht. Die klischeehafte Beziehung zwischen einem Schauspieler und jemandem der nicht in der Branche ist, kam mir hier weniger klischeebelastet vor, weil die beiden Charaktere sich auf einer ganz anderen emotionalen Ebene begegnen, als man annehmen würde. Ich mochte sehr, wie hier der Schwerpunkt der Beziehung verschoben wurde, wie vorsichtig mit Entscheidungen umgegangen wurde, gerade von Jamies Seite flossen viele Überlegungen in ihre Handlungen ein, was ich richtig angenehm fand. Auch die Zeit, die darauf verwendet wurde, fand ich gut, denn hier sind viele Punkte in die Beziehung eingeflossen, die ordentliche Bedenkzeit verdient haben. Es wird nichts übers Knie gebrochen, dennoch war es spannend.

Das einzige Manko, das ich an diesem Buch finden kann, ist, dass ich die Chemie zwischen Jamie und Carter nicht ganz greifen konnte. Es gab eine große sexuelle Anziehung, die irgendwie der Grundstein ihrer Partnerschaft ist, aber für mehr haben sie sich kaum Raum gegeben, besonders Jamie hat ihre Gefühle – aus nachvollziehbaren Gründen zwar – immer sehr zurück gehalten. Das machte es mir schwierig für sie mitzufühlen, ihre Beziehung fühlte sich immer etwas lasch an.

FAZIT
"Everything I didn’t say" ist eine starke Geschichte über große und kleine Entscheidungen, die ein Leben nachhaltig beeinflussen können. Ich habe mich bei Carter und Jamie zuhause gefühlt und war froh, Zeuge ihrer Happy Ends sein zu dürfen.

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere