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Veröffentlicht am 03.04.2019

Starker Auftakt mit enttäuschender Wendung

Wild Hearts - Kein Blick zurück
7

Was mich ursprünglich zu diesem Buch zog, war das Versprechen auf einen spannenden Konflikt: Sawyer ist in einer Fundamentalisten-Gemeinde aufgewachsen, was ich nur mit einer Sekte vergleichen kann. Das ...

Was mich ursprünglich zu diesem Buch zog, war das Versprechen auf einen spannenden Konflikt: Sawyer ist in einer Fundamentalisten-Gemeinde aufgewachsen, was ich nur mit einer Sekte vergleichen kann. Das Nötigste zu Leben, viel Beten und Frauen in einer zurückgestellten, unterwürfigen Position. Dass sie sich daraus befreien will, fand ich spannend. Wie legt man jahrelang eingetrichtertes Verhalten ab, wie kommt man mit diesen entrückten Vorstellungen in einer normalen Gesellschaft zurecht? Dann begegnet sie Finn, der viel trinkt, wenig redet und groß und einschüchternd ist. Der Konflikt scheint klar: Finn erinnert stark an Sawyer Vater, kann sich da trotzdem eine Liebesgeschichte entwickeln?

Darauf hatte ich gehofft, das schien die Richtung zu sein, in die das Buch gehen würde. Aber ich lag so falsch.

Sawyer ist eine starke junge Frau, die erstaunlich stabil ist, dafür, dass sie 21 Jahre in einem missbräuchlichen Haushalt gelebt hat. Nach dem Suizid ihrer Mutter findet sie einen Brief und einen Vermerk zu einem Einlagerungskontainer, der ihr die Möglichkeit bietet abzuhauen. Das tut sie auch und landet in Outskirts, einem Ort, der so von wirtschaftlichem Unglück heimgesucht wurde, dass man sich fragt, wie man da noch leben kann. Sawyer weiß, was sie will – Alles – und fügt sich erstaunlich leicht in das normale Leben ein. In den ersten 100 Seiten erhält sie bereits ein Make-Over und scheint sich in knappen Shorts, Shirts mit Ausschnitt und Stiefeln wohler zu fühlen, als man es von jemandem, der jahrelang verhüllt leben musste, erwarten würde. Der tiefe Konflikt, auf den ich so gehofft hatte, bleibt aus. Sawyer hat gar kein Problem mit nackten Körpern, Begehren oder normaler Zivilisation. Wenn sie was nicht weiß, fragt sie nach und fertig ist. Keine Reflexion, kein Überdenken, kein Infragestellen. Ich mochte sie sehr gerne, sie ist eine offene, lustige Figur, die mit Bestimmtheit ihr Leben zum Guten wenden will. Aber es fehlte die Tiefe. Nach der Vergangenheit erwartete ich mehr und war äußert enttäuscht, als es sich nur als lahme Ausrede entpuppte, damit Sawyer mit dem ersten Mann, den sie sieht, ihr sexuelles Erwachen hat.

Kommen wir zu Finn. Es gibt kein schlimmeres Beispiel eines Alphamännchens, das notgeil und besitzergreifend ist. Seit er Swayer zum ersten Mal gesehen hat, steht für ihn fest, dass er sie ins Bett kriegen will. Okay, kommt vor. Aber was nicht vorkommen sollte, ist das:

Ich musste dem überwältigenden Verlangen widerstehen, Anspruch auf sie zu erheben. Sie zu markieren.

S. 136
Finn denkt, es ist eine gute Idee eine Angst vor Gewitter mit Oralsex zu kurieren. Finn findet es okay, seinen Freunden beim Sex zuzusehen, ohne, dass sie das wissen. Finn MUSS Sawyer beschützen, egal was Sawyer dazu sagt. Finn hält nichts von Verhütung. Finn erpresst mit Sex. Finn ist ein Neandertaler. Die Menge an Ausrufezeichen, die ich in diesem Buch hinterlassen habe, weil er widerholt Sawyers „Nein“ ignoriert, ist schlimm. In einer Szene verlangt sie allein elf Mal, dass er aufhört. Tut er es? Nö, denn Finn sieht ja, dass Sawyer ihn insgeheim will. Den Vogel abgeschossen hat er aber mit dieser Aussage:

„Es ist deine Schuld, wenn ich das tue.“

S. 143
Oder dieser:

„Ich werde dich küssen, wann immer ich will“, stellte Finn fest, als hätte ich dabei keinerlei Mitspracherecht.

S. 144
Ich hätte mein Buch am liebsten zerrissen, so sauer hat mich gemacht, was ich da gelesen habe. Sawyer ist etwas blauäugig, glaubt an das Gute im Menschen und Finn nutzt das aus. (Andere aber übrigens auch.) Sie nimmt hin, wie er sie behandelt, hinterfragt nichts, pocht nicht auf ihr Rechtvon Selbstbestimmung. Nein, sie lächelt lieb, sagt ihm neckend, dass sie kein Ding ist, das man besitzen kann und nimmt seine lahmen Ausflüchte dann hin. Ich konnte auch keine nennenswerte Chemie zwischen den beiden feststellen, weil sie keine wirklich Beziehung haben, außer ihrer sexuellen. Ich habe lange kein so flaches Buch mehr gelesen und bin entsetzt, dass eine Frau so etwas verachtendes schreiben kann. Es ist, als wenn alles, wofür Frauen in den letzten Jahren gekämpft und aufbegehrt haben, mit diesem Buch wieder zunichte gemacht wird. Es ist ein Tritt ins Gesicht für Gleichberechtigung und Entscheidungsfreiheit. (Okay, das sind meine Gefühle mit mir durchgegangen und ich bin etwas dramatisch geworden. Aber ich habe so dennoch empfunden und mag das nicht unter den Teppich kehren.)

Sosehr ich Finn auch verabscheue, gibt es doch ein paar gute Aspekte in Wild Hearts. Die Autorin hat einen schönen Schreibstil, er ist ausreichend malerisch und flüssig, es gibt das ein oder andere schöne Zitat und Botschaft. Und Hauptfigur Sawyer ist auch sympathisch, wenn sie auch, wie alle anderen Figuren, flach bleibt.

„Läufst du vor irgendetwas davon, Sawyer Dixon?“

Ich zögerte einen Augenblick. „Ich sehe es lieber so, dass ich auf etwas zu laufe.“

S. 78
Ich sollte noch erwähnen, dass dieses Buch zu einer Dilogie gehört, es endet auf eine fiese Art. Aus meiner Rezension sollte hervorgegangen sein, dass man dieses Buch nicht mit feministischen Augen lesen darf, aber ich kann das nicht mehr abschalten und will es auch gar nicht. Ich möchte nicht für ein Buch meine Moral und Vorstellung von Richtig oder Falsch über Bord werfen. Dass sie in Frage gestellt werden ist okay, von einem Buch zum Nachdenken angeregt werden mag ich gerne. Aber blind die Augen verschließen und etwas hinnehmen? Nein.

Wild Hearts: Kein Blick zurück hat seine Höhe- und Tiefpunkte und hat mir auf persönlicher Ebene nicht gefallen, Schreibstil und Ausführung waren aber gut. Dennoch würde ich es niemandem empfehlen.

  • Cover
  • Handlung
  • Charaktere
  • Erzählstil
  • Gefühl
Veröffentlicht am 21.03.2018

Eine düstere Liebesgeschichte

Cold Princess
2

Saphira hat mit ihrer Verantwortung als capo genug zu tun, da passt ihr die gefährliche Anziehungskraft zu einem ihrer Leibwächter gar nicht in den Kram. Madox ist schweigsam und vor allem für seine Brutalität ...

Saphira hat mit ihrer Verantwortung als capo genug zu tun, da passt ihr die gefährliche Anziehungskraft zu einem ihrer Leibwächter gar nicht in den Kram. Madox ist schweigsam und vor allem für seine Brutalität bekannt und spricht Saphira auf eine dunkle Art und Weise an, die sie nicht kennt. Als ein Anschlag sie allerdings zwingt ihn näher an sich heran zu lassen, als sie möchte, kann sie ihren Gefühlen nicht länger aus dem Weg gehen. 

Cold Princess beschäftigt sich mit einer italienischen Mafia-Fehde. Saphira DeAngelis führt nach einem tragischen Unfall die famiglia der DeAngelis an, einer Mafiafamilie in Palermo. Ihre Gegenspieler sind die Vargas, die sich vor allem durch unnötige Gewalt und Skrupellosigkeit auszeichnen. Nebenbei lässt die Autorin die italienische Begriffe für die Mafia-Rollen einließen, was es für mich (als nicht-italienisch-Sprecherin) sehr authentisch hat wirken lassen.

Saphira ist kein Unschuldslamm, das kann sie gar nicht sein, als Frau in einer Machtposition, die sonst von Männern dominiert wird. Dieser Aspekt hat mir bis zu einem gewissen Punkt sehr gut gefallen. Saphira verkörpert eine ausgesprochen starke, zielgerichtete und ehrgeizige weibliche Protagonistin, die mit den Rollen der Geschlechter in der Mafia-Welt bricht. Dass die Autorin so mit den Geschlechterrollen spielt und versucht aufzulösen, finde ich lobenswert, allerdings hätte sie ihre Bemühungen auch auf die anderen weiblichen Figuren ausweiten können. Neben Saphira trifft man noch die besorgte, schwangere und zu-Hause-sitzende Frau an und die Mafia-Tussie Rabia, die das Klischee von Blond und Oberflächlich perfekt erfüllt und sich besonders durch ihre schicken Kleider und Absatzschuhe auszeichnet. Besonders ironisch ist dieser Punkt, weil in der Lebensgeschichte Rabias davon geredet wird, dass man sie aus Amerika und der dortigen Mafiaszene weggebracht hat, weil ihre einzige Karrieremöglichkeit dort eine Heirat war. Im Verlauf des Buches arbeitet sie auf eine Heirat hin und scheint sonst keine nennenswerte Position zu bekleiden.

Der Schreibstil ist recht schlicht, funktioniert aber in diesem Roman sehr gut. Erzählt wird aus der dritten Person, so hatte die Autorin die Möglichkeit verschiedene Figuren von beiden Seiten zu Wort kommen zu lassen und konnte ein angenehmes Netz aus Intrigen spinnen.

Neben dem immer währenden Machtkampf der Familien gibt es auch eine Liebesgeschichte. Obwohl der Begriff „Liebe“ hier wohl etwas unangebracht ist und der eigentliche Grund, warum mir das Buch im Vorfeld Bauchschmerzen bereitet hat. Denn zuallererst begrüßt die Autorin den Leser in einem Vorwort, wo sie vor Gewalt und Brutalität beim Sex und anderen Dingen warnt, sowie vor „einvernehmlichen nicht-einvernehmlichen“ Sex. Das war meine erste - und letzte - Berührung mit der Kategorie Dark Romance. Ich wollte und will kein Buch über eine Vergewaltigung lesen.

Allerdings wollte ich schon wissen, wie genau sich diese Ankündigung dann entfaltet, denn Romane wie "50 Shades of Grey" haben die breite Masse ja auch begeistern können. Ich habe mich gefragt, wie ein so bekannter Verlag mit einer solchen Prämisse umgeht und ob das deutsche Publikum dieses Buch annimmt. Kann man so etwas lesen, akzeptieren, wenn es sich mit den eigenen Vorstellungen und Grundsätzen so sehr schneidet? Wie ist die Rolle der Frau in einer solchen Situation dargestellt?

Bevor ich allerdings meine Gedanken zur Liebesgeschichte erläutere, möchte ich noch ein paar allgemeinere Dinge zum Buch sagen.

Ich bin großer Fan von amerikanischen Krimiserien und war daher mit dem Prinzip von Mafia und Blutrachen vertraut, weswegen diese Art von Gewalt und Kampf für mich nichts Neues war und mich nicht schocken konnte. Der Krieg zwischen den Familien wurde noch nicht so stark betont, es war eher ein gegenseitiges Pieken, Provozieren, wann hat die andere Familie genug und setzt zu einem großen Anschlag an?

Ein riesiges Problem für mich war allerdings die fehlende Bindung zu den beiden Hauptfiguren, Saphira und Madox. Mir fehlte ein persönlicher Bezug, da weder Madox noch Saphira irgendwelche Hobbys oder Beschäftigungen neben der Mafia und ihrem Sex haben. Natürlich verstehe ich, das es schwer ist, als Mitglied einer sich im Krieg befindenden Mafiafamilie, ein Hobby zu pflegen, aber irgendwo muss auch ein Mafioso mal abschalten können. Ob das nun ein bisschen kochen, lesen oder nur spazieren gehen ist. Mir hat ein bisschen Materie gefehlt, die Figuren schienen nur aus Trauer, Schuldgefühlen und Mafia zu bestehen. Sie kamen mir recht flach vor, durchscheinend, alles über die Figur wurde sofort klar und das war nicht viel. Mein Ansporn weiterzulesen war deswegen sehr gering.

Nun zum spannenden Punkt des Buches: Gewalt beim Sex. Hier muss jeder Leser selbst entscheiden, was für ihn zu viel ist, ich hatte nach einigen Startschwierigkeiten (Gedanken in die Richtung: Will ich das wirklich lesen? Das ist anders als ich mir das vorgestellt habe.) keine Bedenken mehr. Denn obwohl Saphira bei der Sache nicht ganz wohl ist, weil es sie emotional zu sehr fordert und sie ihre Rüstung Madox gegenüber ablegen muss, geschieht nichts, dass sie später oder während des Sex bereut. Für sie war das alles okay, da sie schon seit langem eine selbstzerstörerische Ader hat. Die Autorin hat Saphira dabei sehr gut beschrieben, denn sie kann bei Madox für eine Weile ihre Rolle als capo ablegen und entspannen. Das klingt vielleicht merkwürdig, aber mit Madox kann sie Frust und Schmerz abbauen, hat ein Ventil für all die Gefühle, die sie den ganzen Tag über verstecken und herunterschlucken muss. Und Madox bleibt nicht für immer der gefühlskalte dominante Kerl. Als er Saphira besser kennen lernt und einen sehr persönlichen Moment beobachtet, beginnt er zu verstehen, was hinter ihrer Maske alles vorgeht und passt sein Verhalten an. Von einer Liebesgeschichte würde ich deswegen aber noch nicht reden, es fühlte sich eher wie eine Therapie an. Und ein bisschen auch wie eine Sucht, das sie natürlich nicht mehr die Finger voneinander lassen konnten.

Eine Triggerwarnung ist trotzdem angebracht: Von Würgen bis Blut über Fesselspielchen ist alles dabei.

Die vorherrschende Handlung setzt sich aus Intrigen, Erinnerungen und Spionage zusammen. An sich eine gute Mischung, aber für mich eben nichts Neues. Da konnte mich die Handlung nicht fesseln, ich hatte die Szenarien schon in x-beliebigen Filmen und Serien in x-beliebigen Auslegungen gesehen. Was mich am Lesen gehalten hat, war der Drang das Buch zu beenden.

Nun der Grund, warum es für mich nur ein 3 Sterne-Buch werden konnte: Die starke Rolle von Saphira nimmt zum Ende hin stark ab, was zum Teil verständlich, zu einem anderen und viel größeren Teil allerdings ärgerlich ist. Gerade in der letzten und sehr starken Szene rutscht Saphira in das typische Klischee der verliebten Frau ab, die vom Spion in den eigenen Reihen total überrascht wird und alle Vorsicht in den Wind schlägt. Da hatte sie schon eine absolut perfekte Möglichkeit für ihre Rache und lässt sich dann auf die vorhersehbarste Weise ablenken. Das Ende war somit für mich leider überhaupt nicht mehr schön oder spannend. Ich war sehr sauer, dass diese vielversprechende Rolle so heruntergestuft wurde und werde - trotz des Cliff-Hangers - nicht weiterlesen.

Ich denke, dass ich mit einer falschen Erwartungshaltung an das Buch herangegangen bin. Ich kann und will nicht von jedem Autor eine kritische Handhabung von Geschlechterrollen und Stereotypen erwarten, denn immerhin ist es immer noch Fiktion und vorherrschend eine Liebesgeschichte. Dass einige AutorInnen, die ich sehr gerne lese, das durchaus meistens umsetzen hat mich wohl ziemlich verwöhnt.

Wenn man diesen Aspekt mal außer Acht lässt, ist es eine interessante und gut ausgearbeitete Liebesgeschichte, die in einem recht spannenden Setting spielt und die moralischen Konflikte wurden gut gelöst. Trotzdem wird es mein einziges Buch in den Genre und von der Autorin bleiben, da das einfach nicht die Art von Buch ist, von der ich viel mitnehme und über die ich noch lange nachdenken und reflektieren kann.

  • Cover
  • Figuren
  • Spannung
  • Gefühl
  • Thema
Veröffentlicht am 21.01.2021

Leider enttäuschend & problematisch

Madly
1

NEIN HEISST NEIN, VERFLIXT NOCHMAL!
Da Madly Band Zwei der In-Love Reihe ist, kennt man optimalerweise June und Mason bereits als Nebenfigurn aus Band Eins, Truly. Wer Truly gelesen hat, weiß auch bereits ...

NEIN HEISST NEIN, VERFLIXT NOCHMAL!
Da Madly Band Zwei der In-Love Reihe ist, kennt man optimalerweise June und Mason bereits als Nebenfigurn aus Band Eins, Truly. Wer Truly gelesen hat, weiß auch bereits um das Thema des zweiten Buches: Masons Annäherungsversuche bei June. Diese beginnen nämlich schon in Truly, als die beiden sich kennenlernen – unter eher suboptimalen Umständen – und Mason von Junes Frechheit beeindruckt ist.

Die Liebesgeschichte sollte eigentlich genau mein Ding sein, denn ich liebe Hate-to-Love-Beziehungen und das sollte, denke ich, auch der Vibe sein, den die Autorin einfangen wollte. June und Mason frotzeln sehr viel miteinander, necken sich und gehen sich gegenseitig auf den Keks. Ich mag sowas eigentlich sehr gerne, aber hier hat alles einen bitteren Beigeschmack bekommen, weil das Frotzelnde manchmal sehr ernst klang und das wiederum von der anderen Person völlig ignoriert wurde. Ganz besonders dann, wenn Mason Junes Abfuhren nicht hinnimmt und immer von oben herab kommentiert, dass er sie schon eines Tages rum bekommen wird. Ich fand viele der Gespräche sehr abgedroschen und unoriginell, wie z.B. der Spitzname „Kätzchen“ für June. Sowas habe ich schon in x-vielen Ausführungen gelesen und empfinde es mittlerweile als sehr ausgelutscht.

Meine Bewertung von Madly ist in den meisten Teilen sehr von meinen persönlichen Vorlieben geprägt, aber eine Sache stört mich massiv, die nicht zur Diskussion stehen sollte. Es geht darum, dass Mason Junes „Nein“ nicht akzeptiert. (Wie oben schon demonstriert.) Als das Buch beginnt erfährt man bereits, dass er June seit Monaten um ein Date fragt, ihr ungefragt Geschenke macht – die er auch noch direkt vor ihre Wohnheimtür liefern lässt – und ihre Abfuhren einfach nicht hinnimmt. Er ist fest überzeugt, dass sie insgeheim doch etwas von ihm will und hört nicht auf. DAS ist problematisch. Es zeugt für mich nicht nur von Respektlosigkeit, wenn man ein „Nein“ nicht akzeptiert, ich hatte auch gehofft, dass so ein Thema nicht mehr in Liebesromanen vorkommen muss – denn zu oft endet ein nicht akzeptiertes „Nein“ in sexueller Belästigung. Nun ist die Situation bei June und Mason in der Art besonders, dass June Mason tatsächlich anziehend findet, aber aufgrund ihrer Vergangenheit ihn nicht an sich heranlassen will. Obwohl sie also seine Gefühle irgendwo erwidert, weist sie ihn weiterhin fast Dreiviertel des Buches ab und gerade dann, als ihr guter Freund, sollte Mason endlich akzeptieren, dass June ihre Gründe hat und sie in Ruhe lassen. Dieses Hin und Her zwischen ihnen erreicht irgendwann so kritische Ebenen, dass sich ihre Freunde zwischen den Stühlen sitzend fühlen, weil es die Freundesgruppe nachhaltig belastet, wie sie miteinander umgehen.

ZU EINEM PROBLEM GEHÖREN IMMER ZWEI
Dadurch, dass man Masons Perspektive im Buch ebenfalls bekommt, lernt man natürlich, dass er im Prinzip nichts Böses will, aber seine Fixierung auf June ist sehr stark und macht gefühlt über die Hälfte seines Charakters aus. Er kämpft mit der angespannten Beziehung zu seinem Vater und fühlt sich perspektivlos, aber wirklich stark darauf eingegangen wird nicht. Man lernt im Vergleich zu June nur sehr wenig über Mason, er wirkte als Charakter viel weniger ausgereift und in Kombination mit seiner Obsession von June ist das einfach keine angenehme Leseerfahrung.

Was mache ich jetzt aus meinem Leben? Was habe ich jetzt? Einen Club. Ein großes Apartment und mehr Anzüge, als ein normaler Mensch tragen kann. Mehr nicht. Mehr gibt es nicht. Ich habe keine weiteren Ziele, weiß nichts anderes mit mir und meinem Leben anzufangen.
47%

In machen Momenten schießt er dann den Vogel ab, wenn er sich damit brüstet, dass er June immer die Wahl ließe – was er durch die ignorierten Abfuhren ja genau nicht tut – und einmal tatsächlich ein „Nein heißt Nein“ jemanden an den Kopf knallt, der June angebaggert hat. An diesem Punkt fühlte ich mich wirklich verarscht, weil Masons Verhalten so sehr dem zuwider lief, was suggeriert wurde. Er predigte so oft seinen Respekt gegenüber June, aber hat er jemals danach gehandelt? Nein. Für die Leser:innen wurde das eine gezeigt und das andere gesagt, etwas das ich sehr frustrierend finde.

Es ist okay, dass ich nicht mit Mason ausgehen möchte. Ich darf mit ihm flirten und ihn mögen – auch wenn ich das nicht will. Ich kann all das tun, auch wenn ich ihm nicht das geben kann, was er möchte oder was er sich wünscht. Es ist okay, dass ich mich schütze.
S. 153

Um fair zu bleiben, muss ich auch sagen, dass June an der ganzen Situation nicht unschuldig ist. Zwar sollte Mason ihre Entscheidungen akzeptieren, sie könnte aber auch dazu stehen und nicht immer wieder mit ihm flirten – ihr Verhalten hat die Aura von „sich jemanden warm halten“ bekommen, sie hält Mason immer wieder genug Köder hin, dass er nicht über sie hinweg kommt und lässt ihn dann abblitzen. Obwohl ich June als Person absolut furchtbar finde, konnte ich ihre Situation relativ gut nachvollziehen. June ist mit einem Feuermal im Gesicht und Halsbereich geboren worden und ihr wurde von früh eingetrichtert, dass das etwas ist, das man verstecken muss. Ihre Unsicherheiten bezüglich ihrer Person stammen größtenteils daher und ich fand sehr schön, dass die Thematik gleich zu Beginn angesprochen wird.

Es ist mir egal, ob es für die Welt keine große Sache ist. Für mich ist sie groß. Die größte Sache in meinem verschissenen Leben und ich kann nicht so tun, als sei sie mir egal oder nicht da. Als würde sie mich nicht nerven, mir nicht wehtun, mich nicht kleinhalten oder verändern. Ich kann nicht so tun, als würde ich diesen Teil von mir lieben, wenn ich mir immerzu wünsche, wie alle anderen zu sein.
S. 159

Junes Feuermal ist nicht der Knackpunkt der Geschichte, sondern ihre Selbstliebe, leider konnte ich ihre Entwicklung nicht wirklich nachvollziehen. Die Repräsentation für das Feuermal ist zwar immer da – indem June ständig ihr Make-up überprüft -, aber ihre Unsicherheit kommt selten zur Sprache. Das liegt zum Teil daran, dass June sich selbst nicht gut reflektiert und unangenehme Gedanken immer gleich beiseite schiebt. Sie setzt sich kaum mit ihren Problemen auseinander, reagiert eher patzig und aggressiv und ist dann sauer, wenn was nicht so passiert, wie sie es gerne hätte. In manchen Momenten war mir wirklich schleierhaft wie jemand sie nett oder liebeswürdig finden kann, wenn sie Telefonkabel rausreißt, weil ihr jemand sie ignoriert, sie Donuts in der Bibliothek und am Arbeitsplatz isst, wo das verboten ist (und Leute sie darauf hinweisen!) und die Dinger sogar auf Gäste wirft. Ihre Arbeitseinstellung ist ein Witz und eine Beleidigung für jeden, der mal händeringend einen Job gesucht hat. Man merkte an ihrem Verhalten, dass June sich ihres Privilegs nicht bewusst war und davon ausging, dass ihr Chef und Kumpel Mason sie schon nicht feuern würde, weil sie ja in der Klemme steckt. Vieles, was wohl als witzig angedacht war, wirkte auf mich leider wie die Akkumulation von White Privilege, wo June sich jeden Scheiß erlauben konnte, ohne jemals Konsequenzen davon zu fühlen.

HANDLUNG ≠ SPANNUNGSBOGEN
Eine Handlung existiert, abgesehen von der Liebesgeschichte, eher wenig. Dreiviertel des Buches lasen sich wie die Einführung, es gibt sich ständig wiederholende Szenarien, June und Mason nähern sich an, June lässt ihn abblitzen, er versucht es weiter. Einmal wird dieses Muster von June aufgebrochen, aber sonst spielt sich immer wieder das gleiche ab, bis nach circa 70% etwas passiert, dass auch schon viel eher hätte kommen können. Das so spät erst Tacheles geredet wird, führt auch dazu, dass der Rest der Handlung sehr schnell passieren musste, weswegen mir Vieles übereilt vorkam. Man hat einen sehr schlecht gesetzten Spannungsbogen, der das wichtige Thema Selbstliebe so gut wie ausklammert und dann ein übereiltes Ende. June und Masons persönliche Probleme werden zwar angerissen, aber die richtige Aufarbeitung passiert zwischen zwei Kapiteln, sodass man es als Leser:in nicht nachvollziehen kann. Ich fand das sehr einfach gelöst, gerade weil Junes Selbstliebe im Vorwort von der Autorin sehr hervorgehoben wurde und dann praktisch nie passiert ist. Man begleitet ihre Entwicklung nicht wirklich, teilweise redet Andie ihr Selbstvertrauen ein und June denkt selbst nicht genug darüber nach, um es glaubhaft zu machen. Masons Werdegang wird nur im Kleinen beschrieben und die Auseinandersetzung bekommt man nicht zu sehen. Im Prinzip denken June und Mason daran, dass sie ein Problem haben und im nächsten Moment ist es gelöst – wie das vonstatten gegangen ist und welche Hürden sie überwinden mussten, wird nicht gezeigt. Dieses Umsetzung des groß angekündigten Themas Selbstliebe und Bodypositivity fand ich sehr unzufriedenstellend.

FAZIT
Obwohl meine Bewertung von "Madly" sehr stark subjektiv beeinflusst ist, bin ich der Meinung das es einige fundamentale Probleme hat, die New Adult Romane nicht nötig haben. Das Buch wirkt in seinem Gesamtpaket eher unausgereift, stellt viele Themen eher flach dar und übertritt an manchen Stellen Grenzen. Das Buch provoziert ohne je zu reflektieren, was ich in Anbetracht der Themen sehr Schade finde.

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 14.02.2018

Spannender Auftakt einer neuen Reihe

Age of Trinity - Silbernes Schweigen
1

Nalini Singh war die erste Autorin, die mich in das Genre Romantic Fantasy entführt hat. Seitdem haben ihre Bücher mich begleitet und ich lernte ihre Welt der Gestaltwandler und Medialen sehr zu schätzen. ...

Nalini Singh war die erste Autorin, die mich in das Genre Romantic Fantasy entführt hat. Seitdem haben ihre Bücher mich begleitet und ich lernte ihre Welt der Gestaltwandler und Medialen sehr zu schätzen. Deswegen war es für mich eine umso größere Freude, den Auftakt ihrer neuen Reihe "Age of Trinity" zusammen mit der Lesejury lesen zu können.


Silver Mercant hat mehr als genug mit dem Kriesenbewältigungsnetz der drei Ethnien zu tun, sodass der Bär vor ihrer Wohnungstür sie eigentlich nur stört. Valentin Nikolaev ist der Alpha des russischen Bärenclans rund um Moskau und versucht die eiskalte Mediale Silver für sich zu gewinnen. Nach einem Anschlag auf Silvers Leben scheint eine Verbündung mit Nikolaev nicht nur empfehlenswert, sonder auch notwenig zu sein. Und Silver sieht sich plötzlich einem ganzen Bärenclan gegenüber, der sehr wohl um die Absichten seines Alphas weiß.


Für alle, die nicht wissen, wovon ich rede, eine kleine Zusammenfassung: Im Jahre 2088 ist der Planet Erde in drei Gattungen gespalten: Mediale, Menschen und Gestaltwandler. Mediale zeichnen sich durch ihre geistigen Fähigkeiten wie Telekinese aus, Gestaltwandler leben in großen Verbänden und können die Form eines Tieres annehmen und Menschen besitzen keine dieser Fähigkeiten. Die Medialen leiden anhand ihrer großen Fähigkeiten an starken Psychosen denen mit dem abtrainieren jeglicher Gefühle vorgebeugt werden soll. Silentium ist ein Programm, dem sich jeder Mediale unterzogen hat, bis jetzt ...


Der Beginn der neuen Reihe knüpft an die Geschenisse der vorangegangenen Reihe an, erklärt allerdings ausreichend, was darin passiert ist, so dass neue Leser nicht verwirrt sind. Silver und Valentin leben in einem instabilen Frieden und als sich eine Splittergruppe von Menschen bildet, die glauben, dass die Medialen die Menschen geistig ausbeuten wollen, müssen Silver und Valentin beweisen, dass nicht alle Medialen gefühlskalt und schlecht sind. Aber gerade Silver darf mit ihrem Silentium nicht brechen, denn das würde schreckliche Folgen für sie haben.


Der Spannungsbogen dieses Buches verläuft ein wenig anders, als gewohnt, da Silver keine zauderhafte Person ist. Wenn sie sich für etwas entscheidet, zieht sie es auch durch; was den Charme dieses Buches wesentlich beeinflusst und ausgemacht hat. Den vermeintlichen Höhepunkt des Buches erreicht man so ein wenig früher, als gedacht, aber Nalini Singh hat noch einen Trumpf im Ärmel und mich damit sehr geschockt. Obwohl ich bereits so viele Romane aus diesem Universum gelesen habe, konnte mich die Autorin wieder überraschen und mir eine neue Seite zeigen.


Mir hat dieser Band sehr gut gefallen. Obwohl ich kein großer Fan von Russland bin, hat die Autorin es geschafft die wunderschöne Landschaft einzufangen und eine Gruppe Gestaltwandler zu schreiben, dass genauso liebenswert ist, wie es die Wölfe und Leoparden schon waren.


Auch stilistisch hat sich in diesem Buch etwas geändert, denn nun wird jedes Kapitel durch ein Zitat eröffnet, dass einen Vorgeschmack auf das gibt, was im Kapitel geschehen oder relevant sein wird. Von Mottos, über Sprüche und Zeitungsartikel ist alles enthalten und mir hat dieser Erweiterung sehr gut gefallen. Es hat mir, als Leser, die Welt ein wenig näher gebracht und auch verständlicher gemacht, obwohl ich die Reihe schon seit Jahren verfolge.


Zugleich haben wird auch das altbekannte Muster von Szenen aus der Sicht der "Bösen" wieder im Buch. Wobei die Autorin die Grenzen hier sehr schön hat verschwimmen lassen, denn die Gründe sind durchaus berechtigt, nach denen die neue Splittergruppe handelt. Das Mächtegleichgewicht ist ins Wanken geraten und die Medialen müssen sich eine Schwäche eingestehen, um ihre Position zu erhalten.


Ich war ebenfalls sehr erfreut zu sehen, dass die Autorin endlich eine Richtung der homosexuellen Beziehungen angedeutet hat. Ich würde mich sehr freuen, wenn dies weiterhin verfolgt wird, da es auch in unserer Welt ein großes Thema ist und definitiv auch in der fiktionalen Welt angesprochen werden sollte.


Neuen Lesern kann ich dieses Buch ebenso empfehlen, wie langjährigen Fans der Autorin. Es ist romantisch, spannend und wahnsinnig interessant.


Allerdings würde ich raten eine russische Ausspracheanleitung zur Hand zu haben, da auch hier wieder einige Begriffe und Kosenamen verwendet werden, die für Außenstehende schwierig sein können.

  • Cover
  • Figuren
  • Atmosphäre
  • Spannung
  • Handlung
Veröffentlicht am 12.04.2021

Jahreshighlight!

What if we Stay
0

Hauptperson und Erzählerin des Buches ist Amber – eine junge Frau, die in Toronto Architektur studiert, weil ihre Eltern das so von ihr wollen. Amber hat keinen Spaß an diesem Studium, hängt sich nicht ...

Hauptperson und Erzählerin des Buches ist Amber – eine junge Frau, die in Toronto Architektur studiert, weil ihre Eltern das so von ihr wollen. Amber hat keinen Spaß an diesem Studium, hängt sich nicht rein und besteht alle Prüfungen erst im Drittversuch. Sonst geht sie viel feiern und hat One-Night-Stands. Amber startet nicht gerade als sympathische Figur, sie ist sich ihres Privilegs ihres Studiums nicht wirklich bewusst – oder verdrängt es wohl eher – und steckt Menschen mit Vorliebe in Schubladen. Sie ist in der elitären Welt ihrer Eltern aufgewachsen, die wahnsinnig erfolgreiche Architekten sind und Ambers Vorurteile in der Vergangenheit nur bestätigt haben. Die Beziehung zwischen Amber und ihren Eltern ist bestenfalls als angespannt zu beschreiben, es stehen eine Menge Dinge zwischen ihnen, über die nie geredet wurde, nur langsam vor sich hin köcheln und die Beziehung weiter erschweren. An einigen Stellen hätte ich gerne etwas mehr über die Entwicklung der Beziehung zwischen Amber und ihren Eltern gelesen, in Teilen des Buches schien sie fast zu verschwinden, was ich Schade fand. Allerdings hat Amber auch keine Ambitionen gehabt diese Beziehung zu kitten, weswegen ich das nicht wahnsinnig gravierend finde.

Auch wenn Amber zu Beginn sehr oberflächlich und ignorant ist, ist sie mir bald darauf ans Herz gewachsen, weil sie ein tief verwundeter Mensch ist, die nie die Unterstützung erfahren hat, die sie gebraucht hätte und lernte durch Mauern und Abwehrmechanismen mit ihrem Schmerz umzugehen. Amber taut im Verlauf des Buches natürlich auf, sie ist sich jederzeit bewusst, wie fies sie ist und hat deswegen auch ein schlechtes Gewissen. Das hat ihr Verhalten für mich um einiges besser gemacht, weil sie reflektiert genug war, das zu erkennen und nur nicht wusste, wie sie sonst durchs Leben gehen soll.

Dann kommt Emmett ins Spiel. Emmett lernt man bereits in What if we Drown als Lauries Mitbewohner kennen und er ist der nette Mensch, der einem am ersten Vorlesungstag die Räume zeigt und Fragen beantwortet. Amber hat ihn allerdings sehr schnell in die Schublade „Schnösel/Schleimer“ eingeordnet, weil er sich in sein Studium reinhängt. Damit liegt sich natürlich völlig falsch, braucht aber eine Weile um das zu erkennen. Was ich an Emmett sehr geliebt habe ist, dass er nicht auf sich herumtrampeln lässt – auch nicht von Amber -, aber gleichzeitig auch nicht fies wird. Er zieht sich zurück und zeigt die kalte Schulter, ist aber auch bereit zu helfen, wenn er darum gebeten wird. Emmet ist der Good Guy, den ich gerne öfter in Büchern lesen würde. Er ist manchmal sozial etwas unbeholfen, immer für seine Freunde da, hat das Herz am rechten Fleck und ist unglaublich engagiert.

HANDLUNG & AWARENESS
Die Handlung des Buches konnte mich zwischendrin immer wieder überraschen, Sarah Sprinz ist den Klischeefallen ausgewichen und hat eine wunderbar berührende Geschichte geschrieben, die vor allem darauf fokussiert Fehler einzugestehen und aufzuarbeiten. Amber fragt Emmett bei einem Projekt um Hilfe, dass sie gezwungenermaßen im Architekturbüro ihrer Eltern aufgehalst bekommt. Zu Beginn nutzt sie ihn dabei völlig aus – gibt seine Arbeit als ihre aus und fühlt sich dementsprechend auch schlecht. Emmett ist sich dessen aber bewusst und sieht das als eine Chance für sich Erfahrung zu sammeln, ohne direkt selbst vor den Richtern zu stehen. Je näher sich die beiden dadurch allerdings kommen, desto mehr lernt Amber von Emmett und die Entwicklung dieser ungleichen Freundschaft zu etwas ausgeglichenem und warmen war wunderschön zu lesen.

Der Spannungsbogen war wunderbar angenehm zu lesen, zwischenzeitlich lebte ich gemeinsam mit den Figuren in einer kleinen glücklichen Blase, ehe die Autorin die Spannung bis zur letzten Seite ausgereizt hat. Eine Entwicklung hat mich auch eiskalt erwischt, aber es hat mir richtig gut gefallen und wenn ihr an dem Teil im Buch angekommen seid, würde es mich sehr interessieren was ihr davon haltet.

Zudem hat mich wirklich überrascht, wie deutlich Amber im Buch zu Themen wie z.B. sexueller Belästigung und toxischer Männlichkeit wurde. In einigen Gesprächen hat sie ganz klar Stellung bezogen und Dinge angesprochen, die sonst schnell mit „ist halt so“ und „mit dir läuft etwas falsch“ abgespeist werden. Ich fand es großartig, dass die Autorin das im Buch mit eingebunden hat, selten habe ich davon so deutlich in der Fiktion gelesen und ich bin stark dafür, dass sowas öfter gemacht wird. Bücher prägen ihre Leser:innen immerhin und wenn diese gleich vermitteln, dass bestimmtes Verhalten einfach nicht okay ist, kann das ganz viel verändern.

Ein weiteres Highlight war der Schauplatz Vancouver. Amber kommt nicht ganz so viel herum wie Laurie, weil sie nicht diese Art von Sport und Hobby hat, aber dafür lernte man durch sie und ihr Studium einiges über die sozialen Schichten in Vancouver und besonders die Mentalität der Studierenden fand ich sehr gut dargestellt. Amber kämpft mit ihrem Studium, ist sich nicht sicher, ob sie das jemals beruflich machen möchte und muss entscheiden ob sie sich durchbeißen will oder nicht. Ihre Entwicklung in diesem Bereich fand ich wunderbar und hoffe sehr, dass in Zukunft noch mehr Romane mit College-Setting so ehrlich sein können, wie dieses hier, wo auch der Kampf und Leistungsdruck des Studiums aufgegriffen wird.

Schlussendlich kann ich nur sagen, dass Sarah Sprinz sich mit dieser Trilogie einen Platz in mein Herz geschrieben hat. Ich liebe es welchen Tiefgang sie in das Genre bringt, wie lebendig ihre Figuren und Settings sind und welche Themen sie aufgreift. Die University-of-British-Columbia-Reihe findet für mich einfach die perfekte Balance zwischen den Tropes von NA Romance, die ich liebe und den wahnsinnig wichtigen Themen, die dieses Subgenre zu etwas ganz Besonderem und Prägendem machen.

FAZIT
Dieses Buch hat alles mit mir gemacht. Ich habe gelacht und gelitten, mit Am & Em mitgefiebert, sie angefeuert und im Gegenzug eine wunderbare Geschichte bekommen, die mein Herz berührt hat.

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere