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Veröffentlicht am 21.01.2021

Schöner Reihenauftakt

Midnight Chronicles - Schattenblick
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HUNTERBUSINESS
Im Buch folgt man Roxy und Shaw gleichermaßen. Sie sind beide Erzähler und halten sich in ihrem Charakter sehr schön die Balance. Roxy ist eine sehr verschlossene Person, die nicht gut nach ...

HUNTERBUSINESS
Im Buch folgt man Roxy und Shaw gleichermaßen. Sie sind beide Erzähler und halten sich in ihrem Charakter sehr schön die Balance. Roxy ist eine sehr verschlossene Person, die nicht gut nach Hilfe fragen kann und ein großes Verantwortungsbewusstsein hat. Dementsprechend schwer fiel es mir in ihren Kapiteln zu versinken, die Leseerfahrung war genauso auf Distanz gehalten, wie Roxy mit Menschen umgeht. Shaw ist da schon wesentlich offener, hauptsächlich deswegen, weil er keine Erinnerungen hat, die er verbergen will, keine Last, die er mit sich herumschleppt. (Außer der Offensichtlichen, dass ihn offenbar niemand zu vermissen scheint.) Shaw hat die Stimmung des Buches wesentlich aufgeheitert, er ist der Gegenpol zu Roxys eher schweren Geschichte und hat auch den ein oder anderen frechen Kommentar parat gehabt. Genauso wie er für die Leser ein Quell steter Freude ist, ist er das auch für Roxy – und für ihr ein oder anderes Augenrollen ist er auch verantwortlich.

Die Liebesgeschichte, die sich zwischen Roxy und Shaw anbahnt verläuft erstaunlich ruhig und langsam. Zwar können beide die Attraktivität des anderen nicht verneinen, dennoch entwickelt sich ihre Beziehung erst durch ihre gesteigerte Zusammenarbeit, was ich sehr angenehm finde. Die Liebesgeschichte wird nicht auf Teufel komm raus losgetreten, sondern entwickelt sich sehr natürlich und man merkt, dass sich Roxy und Shaw erst kennenlernen, bevor etwas passiert. Für Leser:innen, die Slowburn mögen ist das genau die richtige Liebesgeschichte und ich fand sie zur Abwechslung auch richtig schön und gut geschrieben.

Was auch immer das zwischen uns beiden war, ich hatte keine Zeit dafür. Zumindest nicht jetzt. Und wahrscheinlich auch danach nicht.

S. 235
DETAILS, WIE ICH SIE LIEBE
Was mich an diesem Buch am meisten begeistert hat, war der Weltenbau. Es wird sich richtig viel Zeit genommen, um die Welt der Hunter zu erklären, Routinen zu zeigen, Charaktere besser kennenzulernen und einfach ein Gefühl für die Welt zu bekommen. Die Leser:innen begleiten Roxy und ihren Kampfpartner bei den nächtlichen Patrouillen, im Kampftraining, der Recherche und den sozialen Kontakten. Es bildet sich auf den ersten 250 Seiten eine richtige Gemeinschaft, die verfolgt wird und wo man sich wohl fühlt. Ich habe mich im Hauptquartier sehr Zuhause gefühlt, würde am liebsten mal in der Bibliothek stöbern und Ingrid, der Ärztin, beim Zusammenflicken der Hunter über die Schulter blicken.

Dadurch, das sich so viel Zeit genommen wurde, um die Hunter und ihre Aufgaben vorzustellen, passiert auch relativ lange wenig Nennenswertes. Roxy jagt ihre Geister, geht kleinsten Hinweisen nach, aber es dauerte lange bis sich ein Gefühl von Handlung einstellte, ein Ziel, auf das das Buch hinarbeitete. Die eigentliche Wendung fand ich sehr überraschend, obwohl sie rückblickend relativ deutlich zu erkennen ist. Bis zu diesem Punkt, wo wirklich etwas passiert und die Ereignisse beginnen sich miteinander zu verknüpfen, vergeht viel Zeit, auf die man sich einstellen sollte. Der Teil des Buches, wo es wirklich zur Sache geht, war gut, verlor für mich aber etwas an Spannung, weil sich die Autorin wieder auf ein paar altbekannten Floskeln stützte, Kampfszenen lasen sich repetitiv und der Aufbau von Szenen ähnelte sich ebenfalls sehr. Zwar ging die Handlung gut voran, aber die Abläufe und Dialoge waren häufig ähnlich im Kern, was ich ermüdend fand. Da hat die intensiver werdende Beziehung zwischen Roxy und Shaw vieles für mich gerettet, weil sie einen zweiten Fokus des Buches bildete, der ausgleichend wirkte.

FAZIT
Ich hatte mehr vom Spannungsbogen des Buches erwartet, weil das bisher immer eine der größten Stärken der Autorin gewesen war. Dennoch hatte ich Spaß mit dem Buch, weil es sich in einer Ausführlichkeit dem Weltenbau widmete und das auf sehr leicht zu lesende Art. Die sich anbahnende Liebesgeschichte hat die sich langsam entwickelnde Handlung ausgeglichen, ohne gewollt zu wirken. Insgesamt ist Schattenblick ein guter Auftakt der Reihe, von dem ich mir erhoffe, dass einige Handlungsfäden in den folgenden Bänden fortgesetzt werden.

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 21.01.2021

Überraschender Abschluss der Trilogie

Beta Hearts
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5 FIGUREN, 5 ENTWICKLUNGEN
Im zweiten Band kam Byth bereits als Erzählerin dazu, auch in diesem Band teilt sich die Handlung zwischen ihr, Okijen, Flover, Andra und Luke auf und alle befinden sich in ...

5 FIGUREN, 5 ENTWICKLUNGEN
Im zweiten Band kam Byth bereits als Erzählerin dazu, auch in diesem Band teilt sich die Handlung zwischen ihr, Okijen, Flover, Andra und Luke auf und alle befinden sich in der besonderen Position aus verschiedenen Blickwinkeln auf das Geschehen zu achten und ein Rundumbild für die Leser:innen zu stellen. Dieser Aspekt hat mir sehr gut gefallen, da gerade zu Beginn die Gruppe endlich mal zusammen kämpfte, nur um dann eigene Entdeckungen zu machen und Entscheidungen zu treffen, die dafür sorgten, dass sich ihre Wege wieder trennten. Dabei hat sich das Buch in eine ganz andere Richtung entwickelt, als von mir erwartet.

Okijen ist zu Beginn des Buches außer Gefecht gesetzt und muss von Byth erst wieder hergestellt werden. Okijen macht vielleicht die härteste Reise in diesem Buch durch, weil er mit Dingen konfrontiert wird, die an den Grenzen seiner Moral rütteln.

Flover und Luke sind wieder ein eingeschworenes Team und manchmal fiel es mir ehrlich gesagt schwer, ihre Kapitel auseinander zu halten, weil ihre Erzählstimmen sich sehr ähnlich sind und sie nach Cyber Trips sehr bestrebt sind, den anderen nicht mehr allein zu lassen. Dennoch sind sie zusammen meine heimlichen Helden, weil sie einfach eine tolle Beziehung haben und durch ihre Erfahrungen in Cyber Trips eine gewisse Skepsis an den Tag legen.

Byth blinzelte mehrfach, und mit einem Mal kehrte die Angst in ihre Gedanken zurück. Die Bilder, die Schrecken, die Befürchtung vor dem, was sie ereilen würde.

S. 389
Byth hatte mich durch ihre Entwicklung in Cyber Trips am meisten angesprochen, ihre Reise war eine einzige Achterbahnfahrt, die ich sehr gut fand. Byth schleppt viel Ballast mit sich herum, die teilweise aus ihrer Zeit beim Militär und teilweise aus ihrer Zeit nach dem Militär stammen. Zu sehen, wie sie das bremst, wie sie sich damit konfrontiert und Entscheidungen trifft war sehr spannend.

„Ich dachte, du wärst besser als die anderen“, spuckte Andra aus und warf jedem im Raum böse Blicke zu, bevor sie auf […] Wink hin etwas fester gepackt und angeführt wurde.

S. 257
Während Okijen, Byth, Marshall und die gesamten Streitkräfte sich bereit für einen finalen Kampf mit KAMI machen, fängt Andra an vieles in Frage zu stellen. Die ungeklärten Umstände aus ihrem Dorf lassen ihr keine Ruhe und sie hofft nach wie vor dort, bei weiteren Recherchen, Hinweise auf eine gewaltfreie Lösung mit KAMI zu finden. Die Intelligenz des Wesens und vorangegangene Gespräche lassen sie glauben, dass eine friedliche Lösung möglich ist.

ES IST NICHT SO, WIE MAN DENKT
Es wird in diesem Band wesentlich mehr Fokus auf die Vergangenheit der Welt gelegt, geschichtliche Abläufe werden offen gelegt, gut versteckte Infos über die „goldenen Drei“ Marshall, Liza und Alaska. Je mehr man über die Entstehung der Neon-Birds-Welt lernt, desto mehr fängt man an die bisherigen Darstellungen zu hinterfragen. Für die Figuren ein denkbar blöder Zeitpunkt, als Leser:in aber wahnsinnig spannend.

Das Ende hat mich sehr überrascht, es ist relativ unkonventionell und ich mag den Gedankenanstoß dahinter. Allerdings würde ich gerne fast noch mehr dazu lesen, ich denke, dass das Nachspiel der getroffenen Entscheidungen mindestens genauso spannend wäre.

Vielleicht sind wir ja gar nicht in der Lage, etwas zu erschaffen, das besser ist als wir. Etwas, das stärker ist vielleicht. Oder klüger. Aber nichts, das uns in allem übertrifft.

S. 330
Was ich im Laufe des Buches etwas Schade finde, ist, dass man all die Hintergrundbewegungen nicht immer mitbekommt. Es steckt sehr viel mehr hinter den Figuren, als man während des Lesens mitbekommt. Obwohl hier die Handlung etwas verschlungener war, als in den anderen beiden Teilen, ist das Buch doch sehr geradlinig geschrieben, wo man nicht jede Nuance mitbekommt, die die Figuren und die Welt ausmachen.

FAZIT
Beta Hearts ist ein starker, überraschender Abschluss der Neon Birds-Trilogie und überzeugt durch spannend gesetzte Wendepunkte und Enthüllungen.

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 21.01.2021

Mutig & Offen

Forever Mine - San Teresa University
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Kate ist Modebloggerin und Kappa-Girl an der STU. Die Balance zwischen Uni, Bloggen und der Schwesternschaft ist schwer und Kate möchte nur an einem Abend ihr Image beiseite legen dürfen und nicht jeden ...

Kate ist Modebloggerin und Kappa-Girl an der STU. Die Balance zwischen Uni, Bloggen und der Schwesternschaft ist schwer und Kate möchte nur an einem Abend ihr Image beiseite legen dürfen und nicht jeden ihrer Schritte hinsichtliche ihrer öffentlichen Rolle überdenken müssen. Der One-Night-Stand mit Alec verbreitet sich durch ein unglückliches Foto allerdings über Nacht und plötzlich wird Kates Image in Frage gestellt. Sie sieht sich Hass, Neid und Sexismus gegenüber, den sie so noch nie in ihrem Leben aushalten musste.

DIE HARTE REALITÄT DER ÖFFENTLICHKEIT
Zurück an die STU zu kommen, war nur im ersten Moment wirklich sonnig. Denn sobald ich mit Lesen angefangen habe, wurde mir klar, dass der Klappentext sehr viel Handlung vorweg genommen hat. Ich begleitet Kate durch all die harten Momente in der ersten Hälfte des Buches und erst zur Hälfte kommt man am dem Punkt an, den der Klappentext verspricht: Den Einzug in die neue Wohnung mit Alec als Nachbarn. Allerdings finde ich es gut, dass man Kate von Beginn an begleitet und mitbekommt, wie die Ereignisse sich entwickeln. All diese Rückschläge sind wahnsinnig wichtig für ihre Entwicklung – und nebenbei ein spannender Kommentar zu unserer Gesellschaft – und ohne würde das Buch nicht halb so viel Wert haben.

"Forever Mine" ist nun schon das zweite Buch, dass ich innerhalb weniger Monate lese, wo es um digitale Gewalt geht. Das Thema geht mir sehr nah und ist bestimmt auch einigen Blogger:innen ein Begriff, denn sich im Internet zu bewegen und dabei eine Platform zu haben sorgt dafür, dass man dem nicht entkommen kann. Ob man nun selbst betroffen ist oder nur von anderen mitbekommt, dass sie digitale Gewalt erleben, es ist jedes Mal emotional aufwühlend. Auf dieser Eben konnte ich Kates Gedanken, Entscheidungen und Zweifel sehr gut nachvollziehen. Es ist ein sensibles Thema, das nicht oft genug besprochen wird und ich finde es toll, was die Autorin hier angerissen hat.

MEHR DAVON, BITTE!
Ein anderer ganz großer Pluspunkt war Alec: Ein offen bisexueller Mann an der STU. Alec trainiert schon sein Leben lang für Olympia und arbeitet sich zu Beginn des Buches zu einer Aufnahme in den Olympia-Kader der USA heran. Alec und sein bester Freund Dean gehen sehr offen mit ihrer Sexualität um, auch wenn das nicht immer ihre freie Entscheidung ist. Denn Schwulenfeindlichkeit und Queerfeindlichkeit gehören zu ihrem Alltag, selbst in den Reihen ihres eigenen Schwimmteams. Oftmals weisen sie dieses Verhalten mit beißendem Humor ab, aber manchmal dringt es auch zu tief vor und verletzt sie. Alec selbst ist von Kates Skandal mehr oder weniger verschont geblieben, aber er stand schon vorher stark in der Kritik, weil er ein sehr reges Sexleben hat. Alec hat seine Gründe, warum er versucht Social Media fernzubleiben, gleichzeitig ist er Kate ein guter Freund, wenn sie das zulässt.

Die Freundschaften in diesem Buch – und anderen Beziehungen – waren ebenfalls wieder große Klasse. Raelyn und April unterstützen Kate so sehr sie können und auch Dean versucht Alec, wo es nur geht den Rücken zu stärken.

Allerdings hat das Buch auch altbekannte Probleme: Handlungsstränge von Nebenfiguren werden aufgenommen und nicht zu Ende geführt, das Ende wickelt sich allgemein sehr schnell ab und hätte für meinen Geschmack noch einen Tick länger sein können, um komplett zufriedenstellend zu sein.

FAZIT
"Forever Mine" erzählt eine bewegende und gesellschaftskritische Geschichte, die aktueller nicht sein könnte. Ich habe mich erneut in den wundervollen Schreibstil und die Figuren verliebt, hätte mir nur an manchen Stellen ein bisschen mehr Detailliebe gewünscht.

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 21.01.2021

Eines der wichigsten Bücher aus 2020

Ich bin Linus
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Wenn ich ehrlich bin, dann weiß ich gar nicht, wie ich dieses Hörbuch in Worte fassen soll. Es ist wahnsinnig dicht an Themen und Aspekten, Zwischentönen und Nuancen. Ich habe so viel gelernt, dass ich ...

Wenn ich ehrlich bin, dann weiß ich gar nicht, wie ich dieses Hörbuch in Worte fassen soll. Es ist wahnsinnig dicht an Themen und Aspekten, Zwischentönen und Nuancen. Ich habe so viel gelernt, dass ich da noch lange drüber nachdenken werde und mir bestimmt die ein oder andere Realisation noch bevor stehen wird. Es ist komplex und das auf eine Weise, die ich gar nicht in Worte fassen kann. Eigentlich kann ich nur ausdrücken: Lest es, bitte. Oder hört es. Lasst es euch vorlesen, besprecht es in einem Lesekreis oder Buchclub, redet mit anderen Menschen darüber. Für mich ist es eines der wichtigsten Bücher, das ich in 2020 lesen durfte.

Weil das aber eine sehr kurze Rezension wäre, gibt es hier noch ein paar Gedanken zu einzelnen Themenbereichen des Buches.

GENDERROLLEN AUFBRECHEN
Im Laufe der Wochen, wo mich dieses Hörbuch durch mein Leben begleitete, habe ich wahnsinnig viel gelernt. Und zwar nicht nur über die Realität als trans Mann, sondern auch über Sexualität, Bürokratie und echte Freundschaft. In fast 40 Kapiteln deckt Linus jedes mir erdenkliche Thema ab und gibt einen guten Einstieg in den Diskurs und zeigt Lebensrealität auf. Besonders beeindruckt hat mich dabei, wie ehrlich er in Bezug auf die emotionale Reise war – etwas sehr Persönliches hat er für die Welt in Worte gefasst und niemals unter den Tisch fallen lassen, was seine Transition oder die Reaktionen anderer mit ihm machten. Das anhaltende Schwarz-Weiß-Denken unserer Gesellschaft hält uns immer noch davon ab, Geschlechterrollen aufzuspalten und queeren, gender-nonconforming und trans Menschen einen Platz zu bieten. Was – wie Linus auch immer wieder bespricht – auch seine Reise erschwert hat. Zweifel, der Wunsch dazu zu gehören, als das Geschlecht gelesen zu werden, als das man sich fühlt, ganz ohne das Herumeiern, sobald es intimer wird. Denn etwas so scheinbar simples wie Toiletten und Umkleideräume können für eine queere Person zu einem Problem werden und unangenehme Situationen herbeiführen. (Deswegen – geschlechtsneutrale Toiletten und Umkleideräume, bitte.) Als Linus von seiner Kindheit sprach und wie gerne er die Kleidung seines großen Bruders trug, konnte ich mitfühlen. Als es darum ging, wie fremd er sich seinem Körper in der Pubertät fühlte, konnte ich mitfühlen. Einer der größten Gewinne dieses Buches war für mich, wie sehr Linus mich mit seinen Beispielen und seiner Offenheit mitfühlen lassen konnte. Dass diese emotionale Verbindung meinerseits geklappt hat, hätte ich niemals erwartet. Aber das macht dieses Buch, diese Geschichte, unter anderem Besonders. Linus kann mit einfachen Worten und Beispielen komplexe Themen einem nahebringen.

DIGITALE GEWALT
Einige Kapitel haben sich in meinem Kopf besonders festgesetzt und sie haben fast alle etwas mit digitaler Gewalt zu tun. Linus geht sehr offen damit um, dass er Hass auf Social Media erfahren hat, der ihm dann buchstäblich bis nach Haus und auf die Arbeit gefolgt ist. Linus wurde gestalked und belästigt – Zuhause, an seinem Arbeitsplatz, im Internet. Und bis heute gibt es kein sicheres Verfahren wie damit strafrechtlich umgegangen wird. Von den emotionalen Folgen mal ganz abgesehen. Obwohl mir diese Seite von Social Media und wie weit es gehen kann, irgendwo bewusst ist, „kenne“ ich niemanden, dem das schon passiert ist. Von Linus im Details so viel darüber zu erfahren, war heftig. Aber Fakt ist einfach, dass, wenn man es nicht selbst erlebt hat, man sich die Ausmaße von Hass – ob nun online oder offline – nicht ausmalen kann und zu hören, was Linus alles erleben musste, hat mich stark mitgenommen. Seine Geschichte ist real und nicht fiktional und gerade das hat es in vielen Momenten noch erschreckender gemacht.

FAZIT
Ich bin Linus hat mich in diesem Jahr bereichert, mir Einblick in Dinge gegeben, nach denen ich mich nie getraut hätte zu fragen und unendlich viel Wissen in meinem Kopf katapultiert. Linus seine Geschichte selbst erzählen zu hören, war fantastisch und ich bewundere ihn als Mensch für seinen Mut, das alles der Welt mitzuteilen. Es ist ein Buch, das viel verändern kann und trans Menschen, gender-nonconforming und queeren Menschen Türen und Herzen öffnet.

  • Cover
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Veröffentlicht am 21.01.2021

Authentisch & Spannend

What I Like About You
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Halles Buchbloggerinnendasein fand ich großartig, selten fühle ich mich in diesem speziellen Bereich meines Lebens so verstanden. Halles Freuden und Schwierigkeiten mit dem Bloggen waren realistisch dargestellt ...

Halles Buchbloggerinnendasein fand ich großartig, selten fühle ich mich in diesem speziellen Bereich meines Lebens so verstanden. Halles Freuden und Schwierigkeiten mit dem Bloggen waren realistisch dargestellt und haben mich sehr an meine eigenen Erfahrungen und Beobachtungen erinnert.

EHRLICH UND AUTHENTISCH
Der Aufhängepunkt dieses Buches – die Dreiecksbeziehung zwischen Halle, Nash und „Kels“ – ist aus einem Moment heraus geboren, den ich nur allzu gut nachvollziehen kann: Sprachlosigkeit, Unsicherheit, Überwältigung. Halle begeht einen Fehler und erzählt Nash nicht sofort die Wahrheit, findet sich dann aber plötzlich in seiner Freundesgruppe wieder und es wird immer schwerer und merkwürdiger ihre Online-Identität zu enthüllen.

Dieses Freundesgruppe fand ich besonders toll – sie waren unterstützend, witzig, scheuten sich nicht die Wahrheit zu sagen und haben Halle geholfen, sich zu integrieren. Etwas, womit Halle zunehmend Schwierigkeiten hat, weil sie kaum länger als ein Jahr an einem Ort blieb bisher und sich online einfacher Beziehungen pflegen ließen – die unabhängig von Ort und Zeit waren.

Zum Integrieren gehörte auch Halles Religion dazu: Halle und ihre Familie sind Juden und diese Repräsentation habe ich bisher selten so präsent gelesen. Halle und ihr Bruder, der ebenfalls mit bei ihrem Opa lebt, haben ihre Religion kaum praktiziert, weil sie nie lange an einem Ort blieben, um sich einer Glaubensgemeinschaft anzuschließen. Durch ihren Opa und Nash Freundesgruppe nehmen sie am religiösen Leben wieder mehr teil und das fand ich wunderschön.

HELLO, OTHER ME!
Halles Verhalten ist nicht ohne Fehler, aber es ist auf eine, für mich, sehr nachvollziehbare Art geschrieben worden. Halles Schwierigkeiten sich zu erklären, ihre Unfähigkeit manchmal die richtigen Worte zu finden, kenne ich sehr gut. Halle macht sich viele ihrer Probleme im Kopf, sie zerdenkt viel und steckt oft in „Was, wäre wenn“-Gedankengängen fest, was sie für mich nur noch nachvollziehbarer machte. Ihre Gedanken und Ängste wurden für mich manchmal so greifbar, dass ich Minuten brauchte, ehe ich wieder in meiner eigenen Realität angekommen war.

Zusätzlich zu der verzwickten Situation mit Nash, trauert Halle auch um ihre Oma, ein Prozess, der mir sehr nah ging. Halle und ihre Familie helfen sich gegenseitig durch diese Trauer und das zu lesen, war einfach nur wunderschön. Halles Oma hat immer viel gebacken, etwas, das Halle übernommen hat, was eine schmerzhafte, aber auch wundervolle Verbindung zwischen ihnen geschaffen hat.

FAZIT
Das Buch hat für mich einfach überall die richtigen Haken gesetzt. Halles Leidenschaften, ihre Fehler, ihre Charakterentwicklung. Zusätzlich habe ich mich in dieser Welt super wohl gefühlt und würde gerne mal die Bäckerei besuchen, in der sie arbeitet. Ich konnte Halles Empfindungen und Entscheidungen in so vielen Dingen nachvollziehen, das ich ihr gerne durch dieses Buch gefolgt bin.

"What I like about you" hat mich für einige Tage in einen Strudel aus Emotionen gerissen, den ich so nicht erwartet habe. Aber genau das macht das Buch für mich so besonders.

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