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Veröffentlicht am 12.04.2021

Jahreshighlight!

What if we Stay
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Hauptperson und Erzählerin des Buches ist Amber – eine junge Frau, die in Toronto Architektur studiert, weil ihre Eltern das so von ihr wollen. Amber hat keinen Spaß an diesem Studium, hängt sich nicht ...

Hauptperson und Erzählerin des Buches ist Amber – eine junge Frau, die in Toronto Architektur studiert, weil ihre Eltern das so von ihr wollen. Amber hat keinen Spaß an diesem Studium, hängt sich nicht rein und besteht alle Prüfungen erst im Drittversuch. Sonst geht sie viel feiern und hat One-Night-Stands. Amber startet nicht gerade als sympathische Figur, sie ist sich ihres Privilegs ihres Studiums nicht wirklich bewusst – oder verdrängt es wohl eher – und steckt Menschen mit Vorliebe in Schubladen. Sie ist in der elitären Welt ihrer Eltern aufgewachsen, die wahnsinnig erfolgreiche Architekten sind und Ambers Vorurteile in der Vergangenheit nur bestätigt haben. Die Beziehung zwischen Amber und ihren Eltern ist bestenfalls als angespannt zu beschreiben, es stehen eine Menge Dinge zwischen ihnen, über die nie geredet wurde, nur langsam vor sich hin köcheln und die Beziehung weiter erschweren. An einigen Stellen hätte ich gerne etwas mehr über die Entwicklung der Beziehung zwischen Amber und ihren Eltern gelesen, in Teilen des Buches schien sie fast zu verschwinden, was ich Schade fand. Allerdings hat Amber auch keine Ambitionen gehabt diese Beziehung zu kitten, weswegen ich das nicht wahnsinnig gravierend finde.

Auch wenn Amber zu Beginn sehr oberflächlich und ignorant ist, ist sie mir bald darauf ans Herz gewachsen, weil sie ein tief verwundeter Mensch ist, die nie die Unterstützung erfahren hat, die sie gebraucht hätte und lernte durch Mauern und Abwehrmechanismen mit ihrem Schmerz umzugehen. Amber taut im Verlauf des Buches natürlich auf, sie ist sich jederzeit bewusst, wie fies sie ist und hat deswegen auch ein schlechtes Gewissen. Das hat ihr Verhalten für mich um einiges besser gemacht, weil sie reflektiert genug war, das zu erkennen und nur nicht wusste, wie sie sonst durchs Leben gehen soll.

Dann kommt Emmett ins Spiel. Emmett lernt man bereits in What if we Drown als Lauries Mitbewohner kennen und er ist der nette Mensch, der einem am ersten Vorlesungstag die Räume zeigt und Fragen beantwortet. Amber hat ihn allerdings sehr schnell in die Schublade „Schnösel/Schleimer“ eingeordnet, weil er sich in sein Studium reinhängt. Damit liegt sich natürlich völlig falsch, braucht aber eine Weile um das zu erkennen. Was ich an Emmett sehr geliebt habe ist, dass er nicht auf sich herumtrampeln lässt – auch nicht von Amber -, aber gleichzeitig auch nicht fies wird. Er zieht sich zurück und zeigt die kalte Schulter, ist aber auch bereit zu helfen, wenn er darum gebeten wird. Emmet ist der Good Guy, den ich gerne öfter in Büchern lesen würde. Er ist manchmal sozial etwas unbeholfen, immer für seine Freunde da, hat das Herz am rechten Fleck und ist unglaublich engagiert.

HANDLUNG & AWARENESS
Die Handlung des Buches konnte mich zwischendrin immer wieder überraschen, Sarah Sprinz ist den Klischeefallen ausgewichen und hat eine wunderbar berührende Geschichte geschrieben, die vor allem darauf fokussiert Fehler einzugestehen und aufzuarbeiten. Amber fragt Emmett bei einem Projekt um Hilfe, dass sie gezwungenermaßen im Architekturbüro ihrer Eltern aufgehalst bekommt. Zu Beginn nutzt sie ihn dabei völlig aus – gibt seine Arbeit als ihre aus und fühlt sich dementsprechend auch schlecht. Emmett ist sich dessen aber bewusst und sieht das als eine Chance für sich Erfahrung zu sammeln, ohne direkt selbst vor den Richtern zu stehen. Je näher sich die beiden dadurch allerdings kommen, desto mehr lernt Amber von Emmett und die Entwicklung dieser ungleichen Freundschaft zu etwas ausgeglichenem und warmen war wunderschön zu lesen.

Der Spannungsbogen war wunderbar angenehm zu lesen, zwischenzeitlich lebte ich gemeinsam mit den Figuren in einer kleinen glücklichen Blase, ehe die Autorin die Spannung bis zur letzten Seite ausgereizt hat. Eine Entwicklung hat mich auch eiskalt erwischt, aber es hat mir richtig gut gefallen und wenn ihr an dem Teil im Buch angekommen seid, würde es mich sehr interessieren was ihr davon haltet.

Zudem hat mich wirklich überrascht, wie deutlich Amber im Buch zu Themen wie z.B. sexueller Belästigung und toxischer Männlichkeit wurde. In einigen Gesprächen hat sie ganz klar Stellung bezogen und Dinge angesprochen, die sonst schnell mit „ist halt so“ und „mit dir läuft etwas falsch“ abgespeist werden. Ich fand es großartig, dass die Autorin das im Buch mit eingebunden hat, selten habe ich davon so deutlich in der Fiktion gelesen und ich bin stark dafür, dass sowas öfter gemacht wird. Bücher prägen ihre Leser:innen immerhin und wenn diese gleich vermitteln, dass bestimmtes Verhalten einfach nicht okay ist, kann das ganz viel verändern.

Ein weiteres Highlight war der Schauplatz Vancouver. Amber kommt nicht ganz so viel herum wie Laurie, weil sie nicht diese Art von Sport und Hobby hat, aber dafür lernte man durch sie und ihr Studium einiges über die sozialen Schichten in Vancouver und besonders die Mentalität der Studierenden fand ich sehr gut dargestellt. Amber kämpft mit ihrem Studium, ist sich nicht sicher, ob sie das jemals beruflich machen möchte und muss entscheiden ob sie sich durchbeißen will oder nicht. Ihre Entwicklung in diesem Bereich fand ich wunderbar und hoffe sehr, dass in Zukunft noch mehr Romane mit College-Setting so ehrlich sein können, wie dieses hier, wo auch der Kampf und Leistungsdruck des Studiums aufgegriffen wird.

Schlussendlich kann ich nur sagen, dass Sarah Sprinz sich mit dieser Trilogie einen Platz in mein Herz geschrieben hat. Ich liebe es welchen Tiefgang sie in das Genre bringt, wie lebendig ihre Figuren und Settings sind und welche Themen sie aufgreift. Die University-of-British-Columbia-Reihe findet für mich einfach die perfekte Balance zwischen den Tropes von NA Romance, die ich liebe und den wahnsinnig wichtigen Themen, die dieses Subgenre zu etwas ganz Besonderem und Prägendem machen.

FAZIT
Dieses Buch hat alles mit mir gemacht. Ich habe gelacht und gelitten, mit Am & Em mitgefiebert, sie angefeuert und im Gegenzug eine wunderbare Geschichte bekommen, die mein Herz berührt hat.

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
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Veröffentlicht am 26.03.2021

Nicht mein Geschmack

Kaleidra - Wer das Dunkel ruft
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EIN HOLPRIGER START
Dieses Buch hat es mir sehr schwer gemacht – von den Figuren her, den Themen, der Handlung. Wenn ich an Kaleidra denke, dann denke ich an ein großes Chaos an den schlimmsten Stereotypen, ...

EIN HOLPRIGER START
Dieses Buch hat es mir sehr schwer gemacht – von den Figuren her, den Themen, der Handlung. Wenn ich an Kaleidra denke, dann denke ich an ein großes Chaos an den schlimmsten Stereotypen, die Jugendbücher in den letzten zehn Jahren ertragen mussten.

In dem Auftakt der Trilogie geht es um Emilia, die in eine Welt voller Magie und Regeln stolpert und eine scheinbar wichtige Rolle darin spielt. Es geht um Alchemie, den Stein der Weisen, Geheimgesellschaften und eine verbotene Liebe – klingt eigentlich ganz gut. Was aber nicht gut war, war die Ausführung. Ich konnte von diesem Buch nicht mal 20 Seiten lesen, ehe ich genug von den Figuren oder den Klischees hatte.

Emilia ist die Protagonistin des Buches und sie hat keine Ahnung von der Welt der Alchemisten und wird hinein geschubst. Dieses Konzept an sich – einen unerfahrenen Charakter in eine neue Welt einführen – finde ich sehr schwierig umzusetzen. Gerade, wenn es eine scheinbar so komplexe Welt wie die der Alchemisten ist. Die Alchemisten sind eine Geheimloge, die schon seit Jahrhunderten auf der ganzen Welt operiert, sie unterteilt sich in drei einzelne Logen: Die Goldloge, die Silberloge und die Quecksilberloge. Alle drei Logen müssen zusammenarbeiten um eine große alchemistische Kraft freizusetzen, das Wasser des Lebens. Nur sind die Logen untereinander verfeindet, die Quecksilberloge hat sich von den Zielen der anderen beiden Logen entfernt und strebt etwas eigenes, gefährliches an. In diese Welt kommt nun Emilia und es wird ihr nicht leicht gemacht.

KONSTANTE FRUSTRATION
Es sind keine zwei Seiten in diesem Buch vergangen, wo ich nicht meinen Textmarker gezückt habe und etwas markiert – und es war selten etwas Gutes. Ich kann gar nicht an dieses Buch denken und nicht an all die Stereotypen und Klischees, an den Sexismus, das Gaslighting, die Isolation. Alles fällt hinter diese Punkte zurück, weil sie so prominent waren, so sehr jede Szene dominiert haben, dass ich euch eher erzählen kann, wie furchtbar Emilia behandelt wird, denn was wirklich passiert ist.

Das Buch hatte bereits keinen guten Start, weil der Prolog einen nur hoffnungslos verwirrt zurücklässt und Emilia gleich in das ganze Geschehen hereingezogen. Sie kann bei einem Museumsbesuch das Voynich-Manuskript lesen, ein Manuskript, das in keiner bekannten Sprache geschrieben ist und seit Jahrhunderten Rätsel aufgibt. Emilia kann es plötzlich lesen und prompt steht – wie aus dem Boden gewachsen – ein Typ vor ihr, der auf sehr gruselige Art kommuniziert, dass die beiden miteinander reden müssen und sie bitte doch sang- und klanglos mit ihm mitkommen soll. Durch diesen Typen – Ben – erfährt Emilia also von der Welt der Alchemisten und das sie Teil dieser Welt ist. Ich finde diese besondere Herangehensweise – einen unerfahrenen Charakter in eine neue Welt zu werfen – als allgemein sehr schwierig zu handhaben, weil es fast nie glaubwürdig vonstatten geht. Emilia ist einen Großteil der Zeit, wo Ben ihr versucht zu verklickern, das sie mit ihm kommen muss, davon überzeugt, dass ihr Freund einen Youtube-Prank an ihr abzieht. Das hat für mich einfach gar nicht funktioniert, denn auch, wenn Youtube heute etwas alltägliches ist, hat das für mich die Illusion des Buches gebrochen. Ich konnte die Magie und Geheimlogen einfach nicht Ernst nehmen, während Emilia immer nach versteckten Kameras gesucht hat.

Zusätzlich dazu kommt die Tatsache, dass Ben sich gar nicht wirklich Mühe gegeben hat, Emilia etwas zu erklären. Er ist das Buch über ihr Ansprechpartner und – Überraschung! – das Love-Interest. Mag man ihm seine Grummeligkeit zu Beginn noch verzeihen, wird das zunehmend schwieriger, wenn er Emilia immer wieder klein redet, sie als dumm und hilflos darstellt, ihr aber einfach nichts erklärt. Was Ben dort macht nennt man Gaslighting – er sorgt dafür, dass Emilia Stück für Stück ihre eigene Wahrnehmung der Realität in Frage stellt. Das mag mit einer neuen verborgenen Realität irgendwo passieren, aber nicht auf dem Level, wie Ben das betrieben hat. Zusätzlich wird es für Emilie normal, dass Ben einfach in ihre privaten Räume eindringt, wie es ihm lustig ist und irgendwann stellt sie das gar nicht mehr in Frage. Das ist GRUSELIG, habe ich gesagt! Es widert mich an, zu wissen, dass Jugendliche dieses Buch lesen werden und denken dieses Verhalten wäre normal und wünschenswert.

PROBLEMATISCH IN 3, 2, 1 …
Zu dem ganzen Gaslighting kommt dazu, dass die Loge Emilia komplett von ihrem Umfeld isoliert. Sie darf ihren besten Freunden nichts verraten, ihrer Mutter nicht, soll ihren Hobbies nicht nachgehen, stattdessen bekommt sie eine gut ausgetüftelte Tarnung in die Hand, die es völlig normalisiert, wenn sie mehrere Tage am Stück verschwindet. Und all diese Zeit verbringt sie in der Loge, mit Menschen die über ihren Kopf hinweg entscheiden und sie Gefahren aussetzen, über die sie sich nicht im Klaren ist. Emilia wird nur das Nötigste erklärt und wenn sie einmal nachfragt, wird ihr gleich Inkompetenz und Dummheit vorgeworfen. Wie oft ich dieses Buch zerreißen und an die Wand werfen wollte, könnt ihr euch nicht vorstellen. Ich verstehe, dass eine gewisse Geheimhaltung den Reiz dieser Welt ausmacht, aber das ging mir ehrlich zu weit. Jede:r andere Held:in des Genres, hatte wenigstens eine Person, der sie sich anvertrauen konnte, eine:n beste:n Freund:in (Clary & Simon, Gwendolyn & Leslie, Rose & Lissa ect.), aber Emilia wird komplett allein gelassen.

Aber es geht ja noch weiter, denn dieses Buch ist unglaublich aufgeladen an Sexismus und sexistischen Untertönen. Wann immer Emilia mit einem Vertreter des männlichen Geschlechts zu tun hatte, wurde sie auf ihr Geschlecht reduziert und sexualisiert (wie oft irgendjemand sie küssen wollte oder sie übers Küssen nachgedacht hat, argh!), es wurde immer von oben herab mit ihr gesprochen und sie ließ das größtenteils mit sich geschehen. Es gab nicht ein Gespräch auf Augenhöhe mit den Alchemisten in diesem Buch und das waren die einzigen Menschen mit denen Emilia zu tun hatte. Das Buch ging sogar so weit, eine Art magisches Slutshaming einzuführen, wo mir vollends die Pumpe gegangen ist. kleiner Spoiler Es funktioniert nämlich so, dass, wenn zwei Alchemisten unterschiedlicher Logen sich sexuell berühren, das ihre Magie schwächt. Wenn die Berührung „unschuldiger Natur“ ist, dann entzieht das weit weniger Magie. Spoiler vorbei

Emilia ist durch ihre fehlende Initiative als Hauptfigur sehr hinter den anderen (Neben-)Figuren zurückgeblieben. Sie hat selten für sich eingestanden und ihren Charakter kann ich nicht wirklich greifen. Es wirkte auf mich mehr, als wäre sie das Accessoire, um die Nebenfiguren herauszuheben und nicht als wäre das ihre Geschichte. Wann immer Emilia etwas Neues über die Alchemisten lernt, nimmt sie das auf und dann kommt nichts mehr. Sie macht sich nicht sonderlich viele Gedanken darum, wie diese Welt funktioniert, sie nimmt es einfach hin und das passt für mich gar nicht in ihre scheinbare Vorliebe für Rätsel. Denn Rätsel sind wirklich alles, was sie hier vorgesetzt bekommt.

WELTENBAU
Den Weltenbau fand ich tatsächlich teilweise sehr spannend. Die einzelnen Logen und ihr Einfluss, die Rollen in den Logen selber und wie sie besetzt wurden, die Politik dahinter, das alles, fand ich sehr spannend. Die Feindschaft zwischen Gold-, Silber- und Quecksilberalchemisten kam mir sehr einfallslos vor (Macht! Geld! Weltherrschaft!), es wurde ein sehr klares Schwarz-Weiß-Bild von den Guten und Bösen gezeichnet. Die Kräfte, die die einzelnen Alchemisten hatten, waren dennoch sehr cool, jede:r Alchemist:in hat ein spezielles Element, das auch sehr instinktiv freigesetzt wird. Dennoch gab es kleine Details in diesem Weltenbau die mir einfach quer im Hals saßen und leider wurden gerade diese Elemente so aufgeblasen, das ich sie schlecht ignorieren kann.

Eine letzte Sache noch in diesem Rant: Mich hat an der Magie besonders gestört, dass alles, was Emilia besonders gemacht hat – ihre Liebe für Rätsel, ihre Begabung für Mathematik, ihre Neugier – das alles wurde alles mit ihrer Abstammung von Alchemisten und der ihr eigenen Magie gerechtfertigt. Wenn man Emilia die Magie weggenommen hätte, wäre sie ein wahnsinnig langweiliger Mensch gewesen und es ärgert mich unglaublich, das alles, was sie besonders gemacht hat, damit nichtig wurde. Ich möchte einfach gerne mal eine Heldin haben, die beispielsweise Mathe gerne mag, weil es nun mal so ist und nicht, weil ein altes, magisches Erbe ihr das in die Schuhe schiebt.

FAZIT
Alles in allem war dieses Buch einfach gar nicht nach meinem Geschmack. Ich fand den Weltenbau grundsätzlich spannend, aber die Details haben für mich sehr viel kaputt gemacht. Zusätzlich die Figuren, die mir nicht ein kleines bisschen sympathisch werden konnten und eine Handlung, die mehr als frustrierend war, war das für mich eine rundherum frustrierende Leseerfahrung.

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 26.03.2021

Leider nicht mein Ding

The Music of What Happens
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Nach der Hälfte des Buches – circa 220 Seiten – habe ich aufgegeben. Seit Wochen habe ich versucht diese Geschichte zu lesen und kam nur mithilfe des Hörbuchs – das übrigens wunderbar gesprochen ist, an ...

Nach der Hälfte des Buches – circa 220 Seiten – habe ich aufgegeben. Seit Wochen habe ich versucht diese Geschichte zu lesen und kam nur mithilfe des Hörbuchs – das übrigens wunderbar gesprochen ist, an den Figuren aber leider nur wenig sympathischer machen konnte – überhaupt so weit. Ich breche nicht gerne Bücher ab, aber ich denke, je länger ich in in diesem Buch stecke, desto schlechter wird meine Meinung davon, einfach weil ich nicht voran komme. Hier also gestehe ich meine Niederlage ein und schreibe eine Abbruchrezension.

MAX & JORDAN
Max hat mexikanische Wurzeln, spielt in der Schulmannschaft Baseball, ist entsprechend fit, liebt Videospiele und hat seine Bros. Und er kocht sehr gerne und offenbar auch sehr gut, denn er bietet an in dem Foodtruck auszuhelfen und krempelt in kürzester Zeit den Umsatz und die Speisekarte gehörig um. Wenn dieses Buch eins kann, dann einem den Mund wässrig zu schreiben.

Jordan hat zwei beste Freundinnen, Pam und Kayla, führt mit ihnen mal tiefgründige, mal weniger tiefgründige Gespräche über soziale Ungerechtigkeit und Diskriminierung und muss die mentalen Ups-and-Downs seiner Mutter ausbaden. Er hat – wie jede:r Jugendliche:r – Pickel, ist sehr dünn und hat eine tief verwurzelte Selbstabscheu. In Jordans Kopf zu stecken war nicht einfach, weil er sich konstant selbst hinterfragt und das auf die ungesunde Art und Weise.

An sich habe ich kein Problem mit Stereotypen, wenn sie denn gut gemacht sind und irgendwie noch etwas eigenes in die Handlung mit einbringen. Hier habe ich das nicht so wirklich gefühlt. Was auch nicht schlimm ist, niemand muss sein Besonders-sein beweisen, aber irgendwo blieben die Nuancen der Charaktere hängen. Aufgrund ihres Stereotyp-seins konnte ich sehr gut Reaktionen und Konfliktpotentiale voraussehen, irgendwo „kannte“ ich die Handlung und Probleme des Buches schon. Das sorgte letztendlich dafür, dass ich mich eher weniger um die Handlung scherte – es wurden im Prinzip alle unangenehmen Situationen, die ich mir einem Jugendroman vorstellen konnte, gezeigt und das hat mir einfach nicht gefallen.

Nach einigen Kapiteln kamen dann langsam tiefere Gesprächsthemen zwischen Jordan und Max auf und einige Dinge wurden gesagt, die wunderschön waren, aber dann gab es auch die, die ich schockierend fand. Max zum Beispiel echauffiert sich über die Bezeichnung Latinx – Jordan hat versucht politisch korrekt und respektvoll zu sein und Max haut ihm das um die Ohren, weil er das kompliziert findet und niemanden kennt, der diese Bezeichnung benutzt. Ich meine, ja, solche Menschen gibt es und jede:r darf seine:ihre freie Meinung haben, aber jemanden anzugehen, wenn er:sie versucht hat, etwas richtig zu machen, ist doof. Und dann gab es da noch unangebrachte Kommentare zu Max‘ Etnie, wo ich mir einfach nur an den Kopf greifen wollte (und das eventuell auch getan habe).

„Kein schwuler Typ, der was auf sich hält, hört so einen Scheiß. Das ist typische Bro-Macker-Musik.“ Pam sagt: „Kein Mexikaner mit Selbstachtung hat jemals Imagine Dragons gehört. Niemals.“

S. 204
Und das von zwei absolut weißen Menschen. Ich kann nicht mehr. Ich meine, jede:r kann Fehler machen, Teenager müssen sich sowieso in dem Gewirr von Do’s and Don’t zurecht finden und nebenbei noch ihre eigene Identität, aber solche verletzenden Aussagen wurden auch nicht aufgeklärt. Sondern drüber gelacht.

Jordan schien außerdem nicht dazuzulernen und immer dieselben Fehler zu wiederholen, z.B. plant er Rezepte für den Foodtruck, aber übt sie nicht vorher oder recherchiert was genau man braucht, um einen Foodtruck führen zu dürfen. Das kann meiner Meinung nach einmal passieren, aber dann sollte man aus den Fehlern lernen und es versuchen besser zu machen. Das ist bei Jordan aber nicht passiert und nach x-vielen Szenen, die genauso abgelaufen sind, hatte ich keine Lust mehr. Außerdem fand ich seine beiden Freundinnen und die Beziehung, die sie zueinander haben, eher grenzwertig – so eine Freundschaft würde ich mir für mich selbst nicht wünschen, da würde ich mich super unwohl fühlen. Die Mädels ziehen Jordan wegen seiner Homosexualität teilweise sehr auf, machen unangebrachte Kommentare und zwingen ihn über Dinge zu reden, über die er nicht reden will. Diese Freundschaft war absolut unausgeglichen und manchmal sehr respektlos, da wollte ich wirklich nicht mehr drüber lesen.

„Bitte, hört auf“, flehe ich, und ich weiß, es ist bescheuert, aber ich spüre, wie sich ein enges, beklemmendes Gefühl in meiner Brust bildet. Ich habe Nein gesagt. Welchen Teil von Nein haben die zwei nicht verstanden?

S. 115
Bei Max ist es irgendwo ähnlich – seine Bros machen auch viele unangebrachte Kommentare zu seiner Sexualität, reißen Witze auf seine Kosten etc. Max steckt das alles besser weg als Jordan, weil das ja irgendwo „normal“ ist und er sich einredet, dass seine Kumpel ihn wenigstens akzeptieren. Was, nebenbei bemerkt, natürlich absolut nicht normal oder okay sein sollte. Max hat zusätzlich mit einer schlimmen sexuellen Erfahrung zu kämpfen, die ihn nachhaltig belastet. Bis zu dem Punkt, an den ich gelesen habe, wurde nur angedeutet, was passiert ist, aber ich wollte das nicht unter den Tisch fallen lassen. Es wird schon ziemlich früh darauf Bezug genommen und mit der Zeit werden die Hinweise immer deutlicher. Die Triggerwarnung zu Beginn des Buches ist deswegen nicht zu übersehen.

Auch nach mehr als 200 Seiten des Buches waren mir die Figuren noch nicht wichtig genug, um weiterzulesen. Ich mag das Setting und wie sehr der Foodtruck tatsächlich eine Rolle spielt, wie viel Planung dort rein fließt, aber Jordan wurde mir nur zusehends unsympathischer und Max konnte das nicht ausbügeln.

IRGENDWIE DER REST
Ich mag, dass Jordans und Max’s Beziehung verschiedene Typen von Menschen als Attraktiv zeigt – die sportlichen, durchtrainierten Menschen finden im Mainstream viel Aufmerksamkeit und werden als „klassisch schön“ dargestellt, aber Jordan wurde mit seinem schmalen, fast knochigen Körperbau ebenfalls als attraktiv gezeigt. Wie nett genau diese Worte nun waren, kann ich nicht beurteilen, weil ich selbst nie in eine der Kategorien gepasst habe und damit keine Erfahrungen zu Kommentaren und Selbstwertgefühl habe. Jedenfalls kam die Liebesgeschichte zwischen den beiden erst so langsam ins Rollen, als ich abgebrochen habe. Zu Beginn können sich Jordan und Max weniger gut leiden und finden sich tatsächlich sehr nervig. Ich finds sehr gut, dass hier keine Insta-Love vorhanden ist, sondern sich Gefühle erst mit dem näheren Kennenlernen entwickeln.

Zuletzt hat mich auch der Schreibstil nicht so wirklich überzeugt – es wurde die Atmosphäre zwar gut eingefangen und ich konnte mir die Orte alle sehr gut vorstellen, aber ich hatte manchmal Probleme mit der Wortwahl. Ich bin allgemein kein Fan davon wenn z.B. Schimpfwörter wie Bitch für enge Freund:innen verwendet werden und solche Formulierungen kamen mir hier zu oft vor. Auch schienen sich bestimmte Szenen auf unschöne Weise in die Länge zu ziehen, die die Atmosphäre eher unangenehm gefärbt haben, sodass ich mich im Buch nicht mehr wohl fühlte. Max und Jordan haben z.B. nicht groß über Streitpunkte geredet, sondern einfach ausgesessen und all das ungesagte zwischen ihnen hat sich einfach aufgestaut, ich mag sowas einfach gar nicht. Außerdem wurde das Wetter sehr unangenehm beschrieben, gut zwar, aber ich hatte nach einer solchen Szene immer das Bedürfnis kalt zu duschen und mich in einen dunklen Raum einzuschließen. Phoenix ist eben ein verdammt warmer Flecken Erde.

FAZIT
Dieses Buch ist für mich völlig nach hinten losgegangen. Ich konnte keine Bindung zu den Figuren aufbauen, die Nebencharaktere waren mir fast alle unsympathisch und das konnten Max und Jordan nicht ausbügeln. Durch den Schreibstil hat sich vieles einfach sehr unangenehm angefühlt und ich musste mich sehr durch die Seiten kämpfen, ehe ich dann aufgegeben habe. Das finde ich wahnsinnig Schade, aber manchmal passt es eben einfach nicht.

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Veröffentlicht am 26.03.2021

Starker Start, leider etwas klischeebelastetes Ende

Between Your Words
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GEGENSÄTZE WIE TAG & NACHT
Jim ist eine sehr sanfte Seele, die viel durchgemacht hat und mit einer gewissen Verbitterung und Zurückgezogenheit da heraus kam – er erlaubt sich selbst nur das Nötigste im ...

GEGENSÄTZE WIE TAG & NACHT
Jim ist eine sehr sanfte Seele, die viel durchgemacht hat und mit einer gewissen Verbitterung und Zurückgezogenheit da heraus kam – er erlaubt sich selbst nur das Nötigste im Leben und kämpft immer noch mit der emotionalen Verstümmelung, die ihm in einer Pflegefamilie zugefügt wurde. Aus diesem emotionalen Missbrauch hat sich eine Sprachstörung, ein Stottern gebildet, was sein Leben zusätzlich erschwerte, als Mitschüler begannen ihn dafür zu mobben. Jim hat sich dadurch sehr in sich selbst zurückgezogen und lässt niemanden an sich heran – bis er im Blue-Ridge-Sanatorium anfängt und Thea begegnet. Besonders gemocht habe ich hier, dass nicht allein Thea für Jim gut ist, sondern auch ein Teil des Personals, die Jim in dem, was er tut sehr unterstützen und ihm die Familie geben, die er nie hatte. Die Sorgfalt und Hingabe, mit denen das Personal im Sanatorium gearbeitet hat, war herzerwärmend zu lesen und hat so viel in dem Buch ausgemacht und in Gang gesetzt.

Mein Leben war eine Reihe von Stunden, die ich aushielt, nicht lebte. Mein Lebenslicht war gedämpft und flackerte. Aber ich konnte mich um Thea Hughes kümmern. Das konnte ich.

S. 70
Es gibt einige Kapitel aus Theas Sicht, was ich sehr interessant fand, weil man einen Blick auf das Leben mit der Diagnose bekam. Ich hatte das nicht erwartet, weil ich es mir sehr schwer vorstellte, eine solche Diagnose abbilden zu können, aber Emma Scott hat das für mich sehr gut nachvollziehbar beschrieben. Sie merkt aber nach Ende des Buches an, dass sie sich künstlerische Freiheit in einigen medizinischen Aspekten erlaubt hat und das keine absolut akkurate Abbildung einer solchen Verletzung ist. Ich finde es sehr gut, dass die Autorin so die Karten auf den Tisch legt und aufklärt. Thea hat nur ungefähr 5 Minuten, ehe ihr Kopf wieder das meiste löscht, das passiert ist und fängt nach einem „Neustart“ an immer demselben Punkt wieder an. Es gab auch einige wenige Kapitel, wo Thea gesund gezeigt wurde und dort traf man eine ganz andere Person. Sie war mir unglaublich unsympathisch – die wenigen Szenen die sie in einem gesunden Zustand zeigten, haben sie als sehr lebensfrohen Menschen mit viel Tatendrang gezeigt, aber auch sehr egozentrisch und teilweise respektlos. Thea reißt immer schlechte Witze, wenn ihr eine Situation zu ernst vorkommt, aber gerade in einigen Situationen fand ich das sehr unangemessen. Es wirkte leider oft so, als wenn sie wenig Ernst nimmt und selten an andere denkt. Thea ist der Mittelpunkt eines Raumes, wenn sie das will,

Ihre Schwester Delia fand ich mindestens genauso unsympathisch, sie war unglaublich unhöflich dem Personal im Sanatorium gegenüber – allen voran natürlich Jim – und musste immer wieder auf ihre absolute Befehlsgewalt pochen. Wie oft dem Personal mit Kündigung durch Delia gedroht wurde kann ich gar nicht zählen und macht mich unglaublich wütend. Delia hat seit dem Unfall die gesetzliche Vormundschaft für Thea inne und kann entscheiden, welche Behandlung sie bekommt und wie das Personal mit ihr umzugehen hat. Jims Initiative gefällt ihr gar nicht und sie unterstellt ihm immer wieder sexuelle Motive. Irgendwo verstehe ich, wo diese Furcht und Sturheit herkommt, aber Delia schießt damit mehr als einmal über das Ziel hinaus und wurde mir im ganzen Buch nicht sympathischer.

Nur ungefähr die Hälfte des Buches wird auf die Verletzung Theas verwendet, die andere Hälfte beschäftigt sich mit den verschiedenen Beziehungen und Machtverhältnissen zwischen den Figuren. Die Liebesgeschichte zwischen Thea & Jim steht dabei gar nicht so sehr im Vordergrund, sondern mehr Jims Trauma und Delias Beziehung zu Thea und umgekehrt. Im Buch gibt es einige Stellen in denen die Beziehungen schwierig werden – es wird manipuliert, gelogen, Dinge zurückgehalten, Vertrauen missbraucht. Allerdings ist das Schöne an diesem Buch, dass die Beziehungen nicht in Stein gemeißelt sind. So wie Thea heilen muss, müssen auch alle anderen Beteiligten heilen und das passiert langsam, aber stetig. Ich fand sehr schön zu lesen, dass sich mit einiger Arbeit die Beziehungen wieder in ein gesündere Richtung bewegt haben.

MEHR, ALS MAN DENKT
Die Handlung ist in drei Abschnitte aufgeteilt. Teil eins ist vergleichsweise ruhig, das Buch spielt eigentlich nur in dem Sanatorium, wo viel vom Alltag beschrieben wird. Dafür ist es emotional aufwühlend, weil die Frage in den Raum gestellt wird, wie viel Thea tatsächlich von ihrem täglichen Leben mitbekommt und behalten kann – ob die Diagnose wirklich zu hundert Prozent richtig ist und ob Thea ein menschenwürdiges Leben führt, wenn man sie nur so beschäftigt, dass sie sich nicht „aufregt“ – also eher stumpfe Beschäftigungen, die einen gesunden Menschen schnell langweilen würden.

Mit Teil zwei und drei hat das Buch eine Wendung genommen, die ich nicht erwartet habe und wo ich mir nicht sicher bin, ob es mir gefällt. Es passiert einfach sehr viel mehr, als der Klappentext vermuten lässt, Thea bekommt eine neue Chance auf Leben, die sie auch ergreift und dabei sehr selbstzerstörerisch vorgeht. Typisch für ein Emma Scott Buch ist natürlich, dass nichts so einfach ist, wie es scheint und die Figuren hier viele Rückschläge einstecken müssen. Auch die Liebesgeschichte fand ich teilweise schwierig, weil es von Null auf 100 geht und ich ein bisschen mehr Ruhe erwartet hatte. Die Liebesgeschichte lief teilweise fast zu einfach ab, balancierte auf der Grenze zu Kitsch und Klischee. Da hätte ich auch drauf verzichten können und wäre vollauf zufrieden mit einer tragisch-bittersüßen Geschichte über die Verletzung gewesen.

FAZIT
Emma Scott erzähl eine Geschichte über Lebenswillen und Überleben, die alle Register zieht, wenn es um Emotionen geht. Eine Geschichte mit vielen Hochs und Tiefs über Menschen die durcheinander wieder Kraft fürs Leben finden.

  • Cover
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  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 21.03.2021

Starke Fortsetzung!

Midnight Chronicles - Blutmagie
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DIE FIGUREN
Warden und Cains Beziehung startet im Buch sehr angespannt – die beiden haben seit drei Jahren kein Wort mehr miteinander geredet, obwohl sie einmal Hunterpartner waren. Warden fühlte sich ...

DIE FIGUREN
Warden und Cains Beziehung startet im Buch sehr angespannt – die beiden haben seit drei Jahren kein Wort mehr miteinander geredet, obwohl sie einmal Hunterpartner waren. Warden fühlte sich vor drei Jahren von Cain verraten und hat den Kontakt abgebrochen. Seitdem arbeitet Cain (deren Namen man übrigens wie Jane ausspricht) mit ihrem Cousin Jules zusammen und Warden ist im Alleingang unterwegs – was eigentlich verboten ist. Eines abends geht Cain allein auf die Jagd, was gegen die Regeln des Quartiers verstößt. Cain wird suspendiert und muss Strafarbeit verrichten – zusammen mit Warden. Die beiden wollen sich eigentlich nur aus dem Weg gehen, aber dann verschwindet Jules während einer Patrouillie. Cain will ihn suchen, obwohl es ihr vom Leiter des Quartiers verboten wurde, und wendet sich an Warden, der Einzige, von dem sie weiß, dass er bereit ist die Regeln zu brechen. So zu einer erneuten Partnerschaft gezwungen kommen sie sich wieder näher.

Das Buch wird zu Beginn auch durch Rückblicke erzählt, damit die Lesenden wissen, was genau zwischen Cain und Warden vorgefallen ist. Die Tragik ihrer Beziehung wird dort sehr in den Vordergrund gestellt, macht bestimmte Entscheidungen sehr gut nachvollziehbar. Cain und Warden konnten damals nicht aus ihrer Haut, haben nach ihren tiefsten Überzeugungen gehandelt, die dann nur leider völlig gegeneinander liefen. Das war ein sehr schöner Schachzug, der gleich zu Beginn der Beziehung eine etwas emotionalere Note verleiht, hat die Handlung aber auch etwas gebremst. Während man den Anfang des Buches damit verbringt die Hintergründe des Streits von Cain und Warden zu verstehen, dauert es ungefähr 150 Seiten, ehe die angeteaserte Handlung einsetzt.

Ich hatte Warden beschützen wollen, anstatt ihm das Einzige zu nehmen, was ihm als Konstante in seinem Leben noch geblieben war.
S. 125

Cain wird dabei gleich als ambitionierte junge Huntress etabliert, die gerne die patriarchalischen Strukturen der Hunter aufbrechen möchte und alles tut, um ihre Vertrauenswürdigkeit zu erhalten – Cain möchte irgendwann einmal Leiterin des Quartiers werden, eine Rolle die bisher nie an eine Frau vergeben wurde. Allerdings hat sie einen Nebenjob als Partyprinzessin – wo sie sich als verschiedene Disney-Prinzessinen verkleidet und auf Kindergeburtstagen auftritt – und hält das lieber vor dem Großteil der Hunter geheim. Cain ist pflichtbewusst und verantwortungsvoll, denkt aber, dass sie niemals Schwäche zeigen kann, wenn sie sich in den Strukturen der Hunter nach oben arbeiten will. Mit Jules Verschwinden rückt das allerdings alles sehr in den Hintergrund und wird auch zu Ende des Buches nur noch kurz angesprochen. Cains Karriere ist etwas, das man dann vielleicht in den späteren Büchern noch weiter verfolgen kann, worauf ich sehr gespannt bin.

Warden ist ein sehr stoischer Mensch, dem der verfrühte Tod seiner Eltern etwas den Boden unter den Füßen fortgezogen hat. Seitdem ist er auf der Jagd nach dem Vampirkönig und hat sich dabei den Ruf eines eiskalten und sehr erfolgreichen Hunter erarbeitet mit genug Tötungen, dass sein einer Arm mit unzähligen tattoowierten Strichlisten verziert ist. Warden ist sonst ein eher stiller Mensch, der erst nach einer Weile auftaut und sich öffnet. Seine Entwicklung in dem Buch ist keine leichte und an manchen Stellen hätte ich mir ein bisschen mehr Gefühl von seiner Seite gewünscht. Da hat die Verknüpfung zwischen Erzähltem und Gefühltem für mich nicht so ganz gepasst.

Seit dem Vorfall mit Isaac war Warden nicht mehr derselbe. Er war wütend und verbittert und lebensmüde – keine gute Kombination.
S. 33

Was ich allerdings sehr mochte war die Beziehung zwischen Warden und Kevin, dem Todesboten. Die beiden pflegen eine etwas ungewöhnliche Freundschaft, die aber genau deswegen mein leises Highlight des Buches war.

Apropos Verknüpfen: Die Protagonist:innen aus Band eins, Roxy und Shaw, tauchen in diesem Buch ebenfalls auf und haben sogar eine relativ große Rolle. Roxy und Shaw haben Roxys Kampfpartner Finn nach Edinburgh begleitet, um dort die Jagd nach Roxys Geistern fortzusetzen und eventuell auch mehr über Shaw herauszufinden. Ich mochte das richtig gerne, weil sich die Bücher dann nicht so voneinander abgetrennt anfühlen. Außerdem sind sie mittlerweile ganz gut mit Warden befreundet, der bereits einen kleinen Gastauftritt in Band eins, Schattenblick, hatte. Die losen Fäden werden also alle sehr schön miteinander verwoben.

Wenn mich eines an dem Buch wirklich gestört hat, dann wie schnell Gefühle akzeptiert wurden – alles hat sich zwischen Cain und Warden sehr schnell entwickelt. Sobald sie sich ihrer Gefühle bewusst wurden, ging es sehr schnell voran und auch andere große Enthüllungen wurden fix hingenommen. Das kann natürlich vorkommen, aber wenn ich bedenke wie lange die beiden nicht miteinander zu tun haben wollten und sich aktiv verabscheut haben, dann hätte ich da schon mit etwas mehr Entwicklungszeit gerechnet. So gesehen ist ihre Beziehung schnell von „kompliziert“ zu „unkompliziert“ gewechselt, was mal eine schöne Abwechslung war.

Das Ende ging mir an manchen Stellen etwas zu schnell und einfach vonstatten. Man merkt zwar, dass der Konflikt noch lange nicht vorbei ist, sondern man hier eher ein Vorgeschmack bekommt, aber dennoch las es sich etwas lasch. Durch Warden und Cain bekommt man nur eine sehr begrenzte Perspektive auf das allgemeine Geschehen, da erhoffe ich mir von den nachfolgenden Bänden eine größere Verschränkung der Erzählperspektiven.

Das Buch ist sehr gut aufgebaut, man kann ausmachen, wie viel Mühe sich die Autorin gegeben hat. Jede Szene ist irgendwo wichtig und hat eine bestimmte Rolle, das einzige was für mich dabei auf der Strecke geblieben ist, ist das Gefühl. Für mich haben vielen Momente einfach nicht ordentlich gezündet, die Gefühle zwischen Cain und Warden und den anderen Nebenfiguren kamen bei mir nur schwach an. Die Geschichte von Cain und Warden ist eine ohne Schnörkel und Abschweifungen, sondern sehr gerade heraus und direkt. Was nicht schlecht ist, nur leider nicht ganz mein Ding.

Ebenfalls wunderschön zu lesen war, wie gut schon die Figuren der zukünftigen Bücher auf Lauras Seite der Geschichte eingebunden worden. Wenn die Pärchen so bleiben, wie ich das aus den EdS kenne, dann hat die Autorin sich hier schon viel Mühe gemacht deren Handlung vorzubereiten.

Abschließend kann ich sagen, dass dieses Buch sehr stark durchgeplottet war, viele lose Fäden wurden aufgegriffen, die in zukünftigen Büchern wohl noch enger miteinander verflochten werden, was ich wirklich toll finde. Man merkt den Büchern die enge Zusammenarbeit der Autorinnen an und ich kann mir vorstellen, dass, wenn die Reihe einmal vollständig ist, man viel Spaß daran haben wird die Handlungsstränge und Easter Eggs der einzelnen Figuren über alle sechs Bücher zu verfolgen.

FAZIT
Blutmagie ist ein handwerklich starker Nachfolger zu Schattenblick und knüpft an die Ereignisse des ersten Bandes gut an, bleibt aber dennoch etwas eigenes. Cain und Warden sind ein Powercouple, die Edinburgh mächtig aufmischen und dabei einer Verschwörung nahe kommen, die die Welt der Hunter auf ewig verändern kann.

  • Handlung
  • Erzählstil
  • Charaktere
  • Cover
  • Fantasy