Profilbild von Friederike221b

Friederike221b

Lesejury Profi
offline

Friederike221b ist Mitglied der Lesejury

Melde dich in der Lesejury an, um dich mit Friederike221b über deine Lieblingsbücher auszutauschen.

Anmelden

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 21.01.2021

Eines der wichigsten Bücher aus 2020

Ich bin Linus
0

Wenn ich ehrlich bin, dann weiß ich gar nicht, wie ich dieses Hörbuch in Worte fassen soll. Es ist wahnsinnig dicht an Themen und Aspekten, Zwischentönen und Nuancen. Ich habe so viel gelernt, dass ich ...

Wenn ich ehrlich bin, dann weiß ich gar nicht, wie ich dieses Hörbuch in Worte fassen soll. Es ist wahnsinnig dicht an Themen und Aspekten, Zwischentönen und Nuancen. Ich habe so viel gelernt, dass ich da noch lange drüber nachdenken werde und mir bestimmt die ein oder andere Realisation noch bevor stehen wird. Es ist komplex und das auf eine Weise, die ich gar nicht in Worte fassen kann. Eigentlich kann ich nur ausdrücken: Lest es, bitte. Oder hört es. Lasst es euch vorlesen, besprecht es in einem Lesekreis oder Buchclub, redet mit anderen Menschen darüber. Für mich ist es eines der wichtigsten Bücher, das ich in 2020 lesen durfte.

Weil das aber eine sehr kurze Rezension wäre, gibt es hier noch ein paar Gedanken zu einzelnen Themenbereichen des Buches.

GENDERROLLEN AUFBRECHEN
Im Laufe der Wochen, wo mich dieses Hörbuch durch mein Leben begleitete, habe ich wahnsinnig viel gelernt. Und zwar nicht nur über die Realität als trans Mann, sondern auch über Sexualität, Bürokratie und echte Freundschaft. In fast 40 Kapiteln deckt Linus jedes mir erdenkliche Thema ab und gibt einen guten Einstieg in den Diskurs und zeigt Lebensrealität auf. Besonders beeindruckt hat mich dabei, wie ehrlich er in Bezug auf die emotionale Reise war – etwas sehr Persönliches hat er für die Welt in Worte gefasst und niemals unter den Tisch fallen lassen, was seine Transition oder die Reaktionen anderer mit ihm machten. Das anhaltende Schwarz-Weiß-Denken unserer Gesellschaft hält uns immer noch davon ab, Geschlechterrollen aufzuspalten und queeren, gender-nonconforming und trans Menschen einen Platz zu bieten. Was – wie Linus auch immer wieder bespricht – auch seine Reise erschwert hat. Zweifel, der Wunsch dazu zu gehören, als das Geschlecht gelesen zu werden, als das man sich fühlt, ganz ohne das Herumeiern, sobald es intimer wird. Denn etwas so scheinbar simples wie Toiletten und Umkleideräume können für eine queere Person zu einem Problem werden und unangenehme Situationen herbeiführen. (Deswegen – geschlechtsneutrale Toiletten und Umkleideräume, bitte.) Als Linus von seiner Kindheit sprach und wie gerne er die Kleidung seines großen Bruders trug, konnte ich mitfühlen. Als es darum ging, wie fremd er sich seinem Körper in der Pubertät fühlte, konnte ich mitfühlen. Einer der größten Gewinne dieses Buches war für mich, wie sehr Linus mich mit seinen Beispielen und seiner Offenheit mitfühlen lassen konnte. Dass diese emotionale Verbindung meinerseits geklappt hat, hätte ich niemals erwartet. Aber das macht dieses Buch, diese Geschichte, unter anderem Besonders. Linus kann mit einfachen Worten und Beispielen komplexe Themen einem nahebringen.

DIGITALE GEWALT
Einige Kapitel haben sich in meinem Kopf besonders festgesetzt und sie haben fast alle etwas mit digitaler Gewalt zu tun. Linus geht sehr offen damit um, dass er Hass auf Social Media erfahren hat, der ihm dann buchstäblich bis nach Haus und auf die Arbeit gefolgt ist. Linus wurde gestalked und belästigt – Zuhause, an seinem Arbeitsplatz, im Internet. Und bis heute gibt es kein sicheres Verfahren wie damit strafrechtlich umgegangen wird. Von den emotionalen Folgen mal ganz abgesehen. Obwohl mir diese Seite von Social Media und wie weit es gehen kann, irgendwo bewusst ist, „kenne“ ich niemanden, dem das schon passiert ist. Von Linus im Details so viel darüber zu erfahren, war heftig. Aber Fakt ist einfach, dass, wenn man es nicht selbst erlebt hat, man sich die Ausmaße von Hass – ob nun online oder offline – nicht ausmalen kann und zu hören, was Linus alles erleben musste, hat mich stark mitgenommen. Seine Geschichte ist real und nicht fiktional und gerade das hat es in vielen Momenten noch erschreckender gemacht.

FAZIT
Ich bin Linus hat mich in diesem Jahr bereichert, mir Einblick in Dinge gegeben, nach denen ich mich nie getraut hätte zu fragen und unendlich viel Wissen in meinem Kopf katapultiert. Linus seine Geschichte selbst erzählen zu hören, war fantastisch und ich bewundere ihn als Mensch für seinen Mut, das alles der Welt mitzuteilen. Es ist ein Buch, das viel verändern kann und trans Menschen, gender-nonconforming und queeren Menschen Türen und Herzen öffnet.

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 21.01.2021

Authentisch & Spannend

What I Like About You
0

Halles Buchbloggerinnendasein fand ich großartig, selten fühle ich mich in diesem speziellen Bereich meines Lebens so verstanden. Halles Freuden und Schwierigkeiten mit dem Bloggen waren realistisch dargestellt ...

Halles Buchbloggerinnendasein fand ich großartig, selten fühle ich mich in diesem speziellen Bereich meines Lebens so verstanden. Halles Freuden und Schwierigkeiten mit dem Bloggen waren realistisch dargestellt und haben mich sehr an meine eigenen Erfahrungen und Beobachtungen erinnert.

EHRLICH UND AUTHENTISCH
Der Aufhängepunkt dieses Buches – die Dreiecksbeziehung zwischen Halle, Nash und „Kels“ – ist aus einem Moment heraus geboren, den ich nur allzu gut nachvollziehen kann: Sprachlosigkeit, Unsicherheit, Überwältigung. Halle begeht einen Fehler und erzählt Nash nicht sofort die Wahrheit, findet sich dann aber plötzlich in seiner Freundesgruppe wieder und es wird immer schwerer und merkwürdiger ihre Online-Identität zu enthüllen.

Dieses Freundesgruppe fand ich besonders toll – sie waren unterstützend, witzig, scheuten sich nicht die Wahrheit zu sagen und haben Halle geholfen, sich zu integrieren. Etwas, womit Halle zunehmend Schwierigkeiten hat, weil sie kaum länger als ein Jahr an einem Ort blieb bisher und sich online einfacher Beziehungen pflegen ließen – die unabhängig von Ort und Zeit waren.

Zum Integrieren gehörte auch Halles Religion dazu: Halle und ihre Familie sind Juden und diese Repräsentation habe ich bisher selten so präsent gelesen. Halle und ihr Bruder, der ebenfalls mit bei ihrem Opa lebt, haben ihre Religion kaum praktiziert, weil sie nie lange an einem Ort blieben, um sich einer Glaubensgemeinschaft anzuschließen. Durch ihren Opa und Nash Freundesgruppe nehmen sie am religiösen Leben wieder mehr teil und das fand ich wunderschön.

HELLO, OTHER ME!
Halles Verhalten ist nicht ohne Fehler, aber es ist auf eine, für mich, sehr nachvollziehbare Art geschrieben worden. Halles Schwierigkeiten sich zu erklären, ihre Unfähigkeit manchmal die richtigen Worte zu finden, kenne ich sehr gut. Halle macht sich viele ihrer Probleme im Kopf, sie zerdenkt viel und steckt oft in „Was, wäre wenn“-Gedankengängen fest, was sie für mich nur noch nachvollziehbarer machte. Ihre Gedanken und Ängste wurden für mich manchmal so greifbar, dass ich Minuten brauchte, ehe ich wieder in meiner eigenen Realität angekommen war.

Zusätzlich zu der verzwickten Situation mit Nash, trauert Halle auch um ihre Oma, ein Prozess, der mir sehr nah ging. Halle und ihre Familie helfen sich gegenseitig durch diese Trauer und das zu lesen, war einfach nur wunderschön. Halles Oma hat immer viel gebacken, etwas, das Halle übernommen hat, was eine schmerzhafte, aber auch wundervolle Verbindung zwischen ihnen geschaffen hat.

FAZIT
Das Buch hat für mich einfach überall die richtigen Haken gesetzt. Halles Leidenschaften, ihre Fehler, ihre Charakterentwicklung. Zusätzlich habe ich mich in dieser Welt super wohl gefühlt und würde gerne mal die Bäckerei besuchen, in der sie arbeitet. Ich konnte Halles Empfindungen und Entscheidungen in so vielen Dingen nachvollziehen, das ich ihr gerne durch dieses Buch gefolgt bin.

"What I like about you" hat mich für einige Tage in einen Strudel aus Emotionen gerissen, den ich so nicht erwartet habe. Aber genau das macht das Buch für mich so besonders.

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 15.05.2020

Ein guter Start, der zum Ende etwas nachlässt

Forever Free - San Teresa University
0

„Lass dich nicht von etwas abhalten, das dir Spaß macht, nur weil der Rest der Welt denkt, es wäre die Mühe nicht wert.“
13. Kapitel

Das Buch fängt sehr gut an, es hat genau die Art Unterhaltung geboten, ...

„Lass dich nicht von etwas abhalten, das dir Spaß macht, nur weil der Rest der Welt denkt, es wäre die Mühe nicht wert.“
13. Kapitel

Das Buch fängt sehr gut an, es hat genau die Art Unterhaltung geboten, die ich haben wollte und wurde mit so viel Liebe zum Detail erzählt, dass es richtig Spaß machte mit Raelyn zusammen die STU zu erkunden. Ich bin auch ein großer Fan des Schreibstils geworden, weil die Seiten unter der lockeren, selbstironischen Art vorbeigeflogen sind. In der ersten Hälfte des Buches erhält man so ziemlich alles, was man sich unter dem Collegebeginn vorstellt: Vier-Bett-Zimmer und Gemeinschaftsduschen, Studentenverbindungen, Partys und Mädelsabende um über Jungs und die Kurse zu quatschen.

EINE PASSIVE PROTAGONISTIN

Raelyn ist eine sehr zurückhaltende Person, die nicht gut neue Kontakte knüpfen kann und oftmals das Gefühl hat, das Falsche zu sagen. Deswegen ist der Neuanfang am anderen Ende des Landes für sie auch alles andere als einfach, aber Raelyn braucht diese Freiheit dringend. Sie lernt Dank des Studenten-Paten-Programms die offene Kate kennen, die sie sofort unter ihre Fittiche nimmt und Raelyn in die Welt der Studentenverbindungen, Partys und gemeinschaftliche Lernabende in der Bibliothek einführt. Bald gesellt sich zu den beiden auch noch April dazu und dieses Freundinnen-Trio ist ein ganz wichtiger Teil davon, was das Buch für mich so schön gemacht hat. Später lernt Raelyn dann auf einer Party Hunter kennen, der sie mit seinen ozeanblauen Augen, langen Haaren und Musikliebe in seinen Bann schlägt.

„Ich hatte geglaubt, dass Kalifornien mich auf magische Weise verändern würde. Dass ich über Nacht plötzlich ein anderer Mensch wäre. Das war nicht der Fall. Veränderungen brauchten Zeit.“
5. Kapitel

Hunter studiert um Musikproduzent zu werden und verbringt einen Großteil seiner Kapitel in dem Tonstudio der Uni, um ein Album einer Studentenband fertig zu stellen. Seine Kapitel fand ich manchmal etwas verwirrend, weil er in seinem Kopf ganz anders klang, als Raelyn ihn wahrgenommen hat. Zudem denkt er um seine Probleme auch immer drum herum, sodass sie bis kurz vor Schluss nicht ordentlich angesprochen wurden. Auch haben mich ein paar Sätze von Hunter gestört, zum Beispiel der toxische „Das ist jetzt deine Schuld“-Spruch als er Raelyn küsst. Er füttert nur in die Misskonzeption, dass Frauen an der Unbeherrschtheit der Männer Schuld sind. Allerdings war das auch der einzige Satz, der mir in diese Richtung aufgefallen ist. (Was nicht heißen muss, dass das Buch danach frei von solchen toxischen Sätzen und Darstellungen frei bleibt, ich habe sie vielleicht nur einfach nicht wahrgenommen.) Sonst schien Hunter ein lieber Kerl zu sein, der in der Vergangenheit von seiner Ex-Freundin leider nur einen sehr schlechten Ruf verpasst bekommen hat. Ich mochte, wie sanft er mit Raelyn umgegangen ist und ihr immer die Freiheit gelassen hat, selbst die Entscheidungen zu treffen.

THE GOOD & THE NOT-SO-GOOD

Was mir an Forever Free wirklich gut gefallen hat, war mit wie viel Bedacht bestimmte Situationen angegangen wurden. Als Raeylan das erste Mal auf einer Studentenparty ist, nimmt sich eine ihrer Begleiterinnen Zeit ihr die Risiken solcher Partys zu erklären, dass man zum Beispiel seinen Drink immer selber holen sollte oder nur von einem wirklich guten Freund, dass man nie allein sein sollte etc. Ein anderes Mal steigt Raelyn das erste Mal auf ein Motorrad und die Person nimmt sich die Zeit, sie erst mit dem Gerät vertraut zu machen, bevor es los geht und bietet auch immer die Möglichkeit des Autos an. Solche Umsicht wird selten in Romanen des Genres gezeigt und ich applaudiere Kara Atkin, dass sie es hier getan hat.

Als Raelyn und Hunter sich näher kommen, rutscht der Fokus etwas mehr auf sie und als der Konflikt sich anbahnt verfolgt man beide sehr stark. Zum Ende des Buches hin hat es mich etwas enttäuscht, dass die Detailverliebtheit vom Beginn verloren ging, dass man die Freundschaft von Raelyn, Kate und April nur noch am Rande behandelt hat. Kleine Nebenhandlungen werden nicht weiter angesprochen (wie z.B. das Stechen eines großflächigen Tattoos, das in der Nachsorge sicherlich einiges erfordert). Der Fokus liegt so stark auf Raelyn und Hunter, dass all die kleinen Momente, die das Buch zuvor ausgezeichnet haben, wegfallen. Die Sprünge zwischen Kapiteln wurden sehr groß und schnell abgehandelt, was zwar für ein gewisses Tempo gesorgt hat, aber eben keine Besonderheiten mehr bereit hielt.

„Ich wusste nicht, wie ich es erklären sollte. Wie ich diesen Drang mir selbst zu entkommen, in Worte fassen sollte.“
18. Kapitel

Die Konflikte des Buches sind mit etwas Vorsicht zu genießen, einerseits, weil der um Raelyn sehr fix geklärt wurde, was durchaus passieren kann und ich als sehr angenehm empfunden habe. Andererseits wurde ein Thema zu Mental Health angeschnitten und zu meiner Enttäuschung als Plotdevice verwendet. Ich bin auch der Meinung, dass eine Triggerwarnung im Buch angebracht wäre, besonders, da immer nur angedeutet wird und erst zum Schluss ausgesprochen, was wirklich gemeint ist. Ich finde es Schade, dass die Repräsentation dadurch sehr klein gehalten wurde, kann aber auch verstehen, dass man nicht dein Eindruck erwecken wollte, als wäre eine Person nur ihre Krankheit und nichts anderes.


FAZIT

Forever Free ist ein Buch, das den Sommer in das heimische Regal holt. Voller wichtiger Botschaften, aber auch mit einigen Schönheitsfehlern ist es eine Geschichte, die einen gefangen nehmen kann und für ein paar Stunden entspannend.

  • Handlung
  • Erzählstil
  • Charaktere
  • Cover
  • Gefühl
Veröffentlicht am 13.04.2020

Ein Jahreshighlight!

Feeling Close to You
0

QUEEN TEAGAN

Ich habe in diesem Buch eine neue Lieblingsprotagonistin gefunden: Teagan Ramona aka TRGame. Teagan ist schlagfertig, lässt sich nicht unterkriegen und setzt sich selbst als erste Priorität. ...

QUEEN TEAGAN

Ich habe in diesem Buch eine neue Lieblingsprotagonistin gefunden: Teagan Ramona aka TRGame. Teagan ist schlagfertig, lässt sich nicht unterkriegen und setzt sich selbst als erste Priorität. Sie ist die unabhängige, selbstständige und starke Protagonistin die dieses Genre braucht, um gegen die Klischeevorwürfe zu bestehen. Sie macht ihre Entscheidungen nicht von einem Typen abhängig oder von schlechten Erinnerungen. Teagan ist schlichtweg cool. Sie lässt keinen Scheiß mit sich machen, schlägt zurück, wenn es sein muss und hat so eine coole, unkomplizierte Art, dass ich sie sofort als beste Freundin nehmen würde, wenn ich könnte. Außerdem ist sie witzig, ich habe während des Lesens ganz oft ein breites Grinsen im Gesicht gehabt, weil Teagan mit nichts hinterm Berg hält und einfach die besten Retourkutschen gibt. Ich bin absolut verliebt in Teagan und kann euch allein wegen ihr das Buch nur ans Herz legen.

Der große Aufhänger des Buches ist, dass Teagan, als relativ kleine Gamerin, den sehr bekannten Parker in einem Videospiel gnadenlos besiegt – wiederholt. Parker kann das natürlich nicht auf sich sitzen lassen und stellt Nachforschungen an und trifft dadurch auf Teagan, die genug vom künstlichen Drama der Menschen um sie herum hat, sich durch die Streams das Geld fürs College verdienen will und gleichzeitig etwas Dampf ablassen kann. Für ihre Ziele setzt sich sie auch gegen ihren Vater durch, der eine genaue Vorstellung von der Karriere seiner Tochter hat.

Parker hat ebenfalls Kapitel für sich, etwas, das ich sehr mag, weil man dann sehen kann, warum er wie handelt und warum Dinge wie passieren. Die Autorin hat einen tollen Job dabei gemacht zwei greifbare Protagonisten zu schreiben, die die falschen Dinge aus den richtigen Gründen tun. Wenn ich jemandem aus diesem Buch eine Umarmung und gleich danach eine Kopfnuss geben müsste, dann wäre es Parker. Seine Kapitel bestechen auch durch die Chaos-WG, die Anabelle schon in ihrer Blogtour näher vorgestellt hat und die absolut genial ist. Außerdem habe ich mich in den Ort von Parkers College verliebt – Pensacola, Florida. Da würde ich auch gerne studieren. Es ist also das Rundum-Paket, das mich bei diesen Figuren überzeugt hat, da stimmte einfach alles für mich.

GAMING & STUFF

Das große Thema dieses Buches ist – neben der Liebesgeschichte – das Gaming. Beide Protagonistin spielen für ihr Leben gerne Videospiele und das wird im Buch auch in ganzer Weise zelebriert und gezeigt. Meine Videospielerfahrung begrenzt sich auf eine sehr stressige halbe Stunde Star Wars – Knights of the Old Republic und viele Stunden Super Tux, sonst bin ich sehr zufrieden damit zuzugucken. Ich habe meinem Bruder in der Grundschule sehr viel beim Videospielen zugeschaut und zähle diese Abende immer noch zu meinen liebsten Kindheitserinnerungen – wir haben die Spiele dann, so weit es ging, auch in die Realität übernommen und uns stundenlange Kämpfe mit Laserschwertern, die eigentlich Holzstöcke waren, geliefert. (Falls sich schon mal jemand gefragt hat, wo meine liebe zu Star Wars herkommt – daher.) In Büchern kannte ich das Thema bisher gar nicht. Deswegen war ich auch etwas skeptisch, ob sich das Gefühl gut ins Schriftliche übertragen lässt und – HELL YES! Ich habe die Videospielsequenzen im Buch geliebt! Ich habe mich super gut zurecht gefunden und auch ohne die Spiele zu kennen, habe ich mitgefiebert und mir alles gut vorstellen können. Wer die absolut beste Erfahrung haben will, kann sich natürlich Lets-Plays auf Youtube oder Twitch angucken – was ich auch getan habe – aber es funktioniert auch sehr gut ohne.

Teagan und Parkers Beziehung findet zu einem großen Teil online statt, weswegen es viele Chatverläufe im Buch gibt. Diese Chats sind witzig, auf den Punkt gebracht und geben trotz fehlender „sie sagte zögernd /er sagte grinsend“-Angaben ein ziemlich gutes, wenn nicht sogar besseres Bild vom Charakter der beiden ab. Das Geplänkel von Teagan & Parker fand ich wunderbar, es hat die Stimmung des Buches so sehr gehoben und Parkers exzessiver Gebrauch von Emojis hat eine ganz neue Dimension von Witz und Charme eröffnet.

NO DRAMA, BABY

Was mich an diesem Buch nach wie vor begeistert, ist, dass es kaum künstliches Drama gibt. Die Konflikte finde ich absolut nachvollziehbar und realistisch, Parkers Probleme habe ich zu einem Teil selbst erlebt und bin mit der Handhabung des Themas vollauf zufrieden. Bei Teagan hat mir besonders gefallen, dass sie merkt, dass bei einer nicht funktionierenden Beziehung immer zwei dazu gehören und sie daraus lernt. An den Momenten, wo die Handlung hätte eskalieren können und ins überdramatische abrutschen, haben sich die Figuren besonnen und entwickelt und das finde ich großartig.

FAZIT

Feeling Close To You ist so ein tolles Wohlfühlbuch für mich geworden, wo wichtige Themen gut angesprochen werden, aber gleichzeitig die Handlung nicht übernehmen oder schwer machen, sondern wo eine gute Balance herscht. Ich kann euch das Buch in jedem Aspekt – dem Schreibstil, der Handlung und natürlich den Figuren – ans Herz legen, es ist ganz schnell und zielstrebig an die Spitze meiner liebsten NA-Romane geklettert. Teagan & Parkers Geschichte ist von der ersten bis zur letzten Seite absolut perfekt und traumhaft.

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 23.03.2020

Ernst, hart und so wichtig

Dream Again
0

VON TRÄUMEN UND REALITÄT

Ich finde, dass sich Dream Again in vielerlei Hinsicht von den restlichen Büchern der Again-Reihe unterscheidet. Es ist vom Ton und der Atmosphäre her sehr viel näher an Hope ...

VON TRÄUMEN UND REALITÄT

Ich finde, dass sich Dream Again in vielerlei Hinsicht von den restlichen Büchern der Again-Reihe unterscheidet. Es ist vom Ton und der Atmosphäre her sehr viel näher an Hope Again dran, als beispielsweise an Begin Again. Hier dreht sich viel um Zwischentöne, komplizierte Beziehungen und Jude vollführt fast das gesamte Buch einen Drahtseiltanz, um so wenig Menschen wie möglich zu verletzen.

Jude kannte man als Figur noch nicht aus den anderen Romanen, sodass ich keinerlei Erwartungen an ihren Charakter hatte. Ich fand das zur Abwechslung mal ganz nett, ich konnte sie ganz ohne Vorbehalte lieb gewinnen, obwohl Jude einem das nicht einfach macht. Sie verschließt sich nämlich vor so ziemlich allem und jedem, was allerdings in Anbetracht ihrer Position verständlich ist. Jude war als junge Schauspielerin in Los Angeles unterwegs und hatte nach einer größeren Rolle dann großes Pech, alles wovon sie träumte und wofür sie gearbeitet hat, zerfiel vor ihren Augen, und ohne ein stabiles soziales Umfeld, verlor sie auch schnell den Glauben an sich selbst. Sie ist auf eine Art gebrochen, wie es ein junger Mensch nicht sein sollte und weiß sich nur auf eine Art zu helfen: Neu anfangen. Weit weg von L.A. und der Schauspielerei. So landet sie bei ihrem Bruder Ezra, weil sie nicht die Kraft hat sich ihren Eltern zu öffnen.

Bei Ezra muss sich sich aber auch Blake stellen, dem Mann, dem sie das Herz gebrochen hat, als sie sich von ihm trennte. Nun wohnen sie plötzlich zusammen und auch, wenn Jude sich schuldig fühlt, für all den Schmerz, den sie ihm zugefügt hat, lässt sie nicht lange auf sich herum trampeln.

„Nur weil ich dich verlassen habe, gibt dir das nicht das Recht, mich wie einen Haufen Scheiße zu behandeln, Blake.“
- Dream Again

Ich fand es unglaublich stark von Jude, dass sie sich gegen Blake behauptet hat und das immer wieder. Denn diese Beziehung explodiert förmlich vor lauter Erinnerungen und Unausgesprochenem. Da sie nun auf engerem Raum zusammenleben, kommt einiges an die Oberfläche, das sie in den letzten Monaten verdrängen konnte. Dabei zeigt sich schnell, dass die Trennung nicht so simpel war, wie man annehmen möchte. Jude und Blake verbindet mehr als nur eine romantische Beziehung, sie sind auch zusammen aufgewachsen, ihre Eltern stehen sich nahe und Judes Bruder Ezra ist genauso Blakes Freund wie auch Judes. Sie waren ein eigenes goldenes Trio, ehe es in die Brüche ging. Auch wenn Jude und Blake sich gegenseitig stark verletzt haben, kennen sie einander so gut, dass sie oftmals die Einzigen sind, die die Wünsche und Träume des anderen nachvollziehen können und sich gegenseitig Halt geben. (Das müssen sie sich allerdings auch erstmal eingestehen.) Egal wie sie es anstellen, Jude und Blake kreisen nach wie vor umeinander, gebunden von Gefühlen, die weitaus mehr sind als nur romantischer Natur. Da schwirren also viele Gedanken und Emotionen in der Luft herum, was ich allerdings sehr spannend fand und gerne mag. Beziehungen jeglicher Art sind nun mal kompliziert, weil sie von so vielen Gedanken, Annahmen, Erfahrungen und Gefühlen gespeist werden und Judes & Blakes Beziehung ist sozusagen das höchste Level an „Es ist kompliziert“.

Die WG selber besteht auch noch aus Otis und Cameron, weiteren Team-Kollegen von Blake und Ezra, die ebenfalls Basketball bei den Woodshill Eagles spielen. Ich muss sagen, dass ich das WG-Leben mit am schönsten fand, es war ein lustiger Ausgleich zu der schweren Stimmung zwischen Blake und Jude. In Woodshill trifft Jude dann vermehrt auf Everly und Scott und freundet sich besonders mit Scott gut an, der sie bei ihren Yogastunden begleitet, seine Muffins mit ihr teilt und mit dem sie etwas Frust ablassen kann und Witze reißen. Ich hätte nicht gedacht, dass ich Scott mal noch so ins Herz schließen würde, weil er mir in Begin Again etwas zu sehr „over the top“ war, aber hier war er Jude ein wirklich guter Freund und hatte auch eine ganz interessante Nebenhandlung. Ansonsten hält sich Jude mit Freundschaften allerdings zurück, weil sie schnell merkt wie eng die Menschen um Blake miteinander verknüpft sind und sie sich nicht in die Clique drängeln will. Ich kann diesen Wesenszug von ihr gut verstehen, dass sie sich lieber zurück zieht, als auf unnötigen Konfrontationskurz zu gehen, sie zweifelt auch sehr an ihrer eigenen Liebenswürdigkeit und Wert als Person. In diesen Momenten, wollte ich sie einfach nur umarmen. (Und Blake eine Kopfnuss geben.)

WIEDERAUFSTEHEN UND WEITERMACHEN

Allgemein ist Blake kein besonders netter Kerl im Buch, er ist verschlossen, grimmig, gemein und verzeiht Jude nicht besonders schnell. Jude merkt aber, dass sie die Gefühle für Blake nicht einfach verdrängen kann. Also versucht sie ihre Beziehung wieder so weit ins Lot zu bringen, dass sie und Blake Freunde sein können, was bis zu einem gewissen Punkt funktioniert. Ich fand diesen Drahtseilakt sehr spannend, es hängt viel Unausgesprochenes in der Luft und oftmals wird nur über Blicke kommuniziert. Es ist eine sehr vorsichtige, langsame Beziehung und Blake und Jude stoßen oftmals an ihre Grenzen der emotionalen Belastbarkeit.

Nebenbei begleitet man Blake auch bei seiner Reha und den Ängsten und Schwierigkeiten die nach einer so starken Verletzung kommen. Blake muss eine Menge aushalten und irgendwo ist seine Reaktion auf Jude nachvollziehbar, gleichzeitig hätte es mir geholfen, wenn ich mehr aus seiner Perspektive hätte betrachten können. Gerade weil ich Blake in Hope Again so mochte, fiel es mir jetzt schwer seine Art zu akzeptieren. Die Chemie zwischen ihm und Jude ist schwierig, sie schwankt zwischen Extremen, was schnell toxisch werden kann. Man sollte dieses Buch also auch mit etwas Vorsicht genießen. Dennoch fand ich es toll und wichtig zu lesen, wie sie sich durch dieses Wirwar durchackern und versuchen an sich zu arbeiten.

Dieses Buch ist eine harte Nummer. Weder Jude noch Blake befinden sich zum Start der Handlung in einer guten Verfassung und das wirkt sich enorm auf die Atmosphäre des Buches aus. Obwohl es mich stellenweise sehr mitgenommen hat, fand ich es spannend zu lesen, was aus einem Menschen werden kann, wenn er seine Träume als zerschlagen ansieht und jegliche Hoffnung verliert.

Es hatte immer nur diesen einen Traum für mich gegeben – nichts anderes. Keinen Plan B. Und in diese Welt zurückzukehren, kam schlichtweg nicht infrage.
- Dream Again

FAZIT

Dream Again ist kein sorgloser New-Adult-Roman, in dem die Welt in Ordnung ist. Er ist ernst, manchmal schmerzhaft, sehr ehrlich und das ist etwas, was ich sehr schätze. Ich finde, er bricht mit vielen Klischees und Erwartungen des Genres, erlaubt sich dadurch tiefgründiger zu werden und einen Teil Realität zu zeigen, dem einige Leser – unter anderem ich – eigentlich sonst gerne mit genau dieser Art Buch entkommen möchten. Auch wenn es für mich hart zu lesen war, finde ich es unglaublich toll, dass die Autorin sich getraut hat, diese Geschichte zu erzählen und hoffe, dass dieses Buch etwas an dem Stigma rütteln kann, dass das Genre immer noch umgibt. #NewAdultkann eben.

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere