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Veröffentlicht am 21.01.2021

Handwerklich gut, aber emotional nicht ganz meins

Cyber Trips
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ANDERS ALS ERWARTET
Man folgt auch in diesem Band wieder den Perspektiven von Luke, Flover, Okijen, Andra und KAMI, Byth kommt ergänzend hinzu, obwohl ich begonnen habe ihr zu misstrauen. Es wird fast ...

ANDERS ALS ERWARTET
Man folgt auch in diesem Band wieder den Perspektiven von Luke, Flover, Okijen, Andra und KAMI, Byth kommt ergänzend hinzu, obwohl ich begonnen habe ihr zu misstrauen. Es wird fast direkt an die Handlung von Band eins angeknüpft, was ich sehr mochte, weil man sozusagen keine Zeit verliert. Die Reise der unterschiedlichen Figuren bewegt sich in diesem Band in interessante und neue Richtungen, zeigt Perspektiven, die man zuvor ignoriert hatte und bringt einige neue Erkenntnisse auf den Weg. Dennoch fehlte mir etwas in diesem Buch und ich denke, es liegt an einer Kombination von Dingen.

SCHREIBSTIL
Etwas, das ich während des Lesens akzeptieren musste, war, dass ich mich den Figuren emotional einfach nicht verbunden fühle. Für mich liegt das definitiv am Schreibstil, der sehr knapp und präzise ist, für mich aber nicht genug Emotionen und Tiefe der Figuren transportiert. Ich komme nicht in ihre Köpfe rein und fiebere dementsprechend kaum mit ihnen im Buch mit. Das habe ich bereits im ersten Band festgestellt, aber gehofft, dass es mir noch gelingen wird, wenn ich nur mehr Zeit mit den Figuren verbringe. So schnell der Schreibstil mich also durch das Buch getragen hat, so überraschend auch die Handlung war – ohne einen Zugang zu den Figuren kam mir das alles recht fad vor.

HANDLUNG
Wenn ich an die Handlung denke, dann kann ich ihr zugute halten, dass sie mich überrascht hat. Ich hatte mit einer wesentlich langsameren Entwicklung im Kampf gegen KAMI gerechnet und auch der Weg dahin sah in meinem Kopf anders aus. An sich ist es mein Fehler, dass ich mir relativ feste Vorstellungen vom zweiten Band gemacht habe, dennoch fand ich die Entwicklungen nicht so ganz harmonisch – zumindest wenn ich die Hergänge aus Band Eins betrachte. Ich dachte, ich hätte ein Gefühl für die Reihe bekommen und wurde nun eines Besseren belehrt.

Zudem empfand ich die Entwicklungen auch sehr frustrierend, weil meist nur mit Andeutungen gearbeitet wurde und nicht Klartext gesprochen. Ohne einen Zugang zu den Figuren konnte ich manche Entscheidungen nicht nachvollziehen, habe den Geistesblitz, den sie hatten, nicht verstanden. Ich fühlte mich den Großteil des Buches, als würde ich genauso im Dunkeln tappen wie die Figuren, nur irgendwie schlimmer, weil ich als Leserin ja alle Perspektiven kannte und demzufolge mehr wissen können sollte, als die Figuren.

FIGUREN
Ich kann natürlich so viel ich will über Schreibstil und Handlung lamentieren, aber darüber hinwegtäuschen, dass ich einfach nicht für die Figuren und ihre Geschichten brenne, kann ich damit nicht. Ich dachte, wie vorher schon erwähnt, dass ich einfach mehr Zeit brauche, um die Figuren ins Herz zu schließen, aber das ist auch in diesem Band nicht eingetreten. An sich sind die einzelnen Figuren Luke, Flover, Andra, Okijen und KAMI gut konzipiert, aber irgendwas fehlt mir – Tiefe, Konflikte, irgendwas. Ich kann es leider nicht genau benennen. Tatsächlich fand ich KAMI wieder am Besten, ihre Perspektive hat sich so sehr von den anderen abgehoben, ihre Gedanken waren verworrenen und poetischer, haben viel zum Nachdenken gegeben, aber KAMI hat kaum Kapitel im Buch bekommen. (Zumindest verglichen mit den anderen Sichten.) Es fühlte sich für mich bei jeder Figur so an, als wenn sie von der Handlung mitgerissen wurden und kaum selber entscheiden konnten, wie sie weiter vorgehen wollen. Es gab kaum Pausen, immer war irgendwas los und immer waren sie gezwungen zu handeln. (Wie oft die alle geflohen sind, mannoman!) Die Autonomität, die ich in den letzten Jahren in Büchern so lieb gewonnen habe, à la „die Figur bestimmt die Handlung“ hat hier gänzlich gefehlt und ich hätte Schreien können, so oft, wie irgendjemand etwas gegen die Figuren in der Hand hatte und sie zwingen konnte, etwas zu tun, was sie gerne selbst anders gelöst hätten. Ich glaube, mir fehlte ein Gefühl von Kontrolle seitens von Okijen, Flover und Konsorten, gerade weil sie ja als „so fähig“ gelobt wurden und dann aber wie kleine Marionetten herumtanzen mussten. Deswegen fand ich KAMI auch am Spannendsten, weil ich bei ihr wusste, dass sie einem Plan folgt, ihre Entscheidungen gehörten ihr allein.

Irgendwie hat Nichts in diesem Buch so funktioniert, wie ich mir das vorgestellt hatte, von meiner Lesekompetenz bis hin zum Schreibstil. Cyber Trips war also alles in allem wahnsinnig frustrierend für mich.

FAZIT
Handwerklich ist "Cyber Trips" ein guter Nachfolger zu Neon Birds, nur emotional hat das Buch mich einfach nicht begeistern können. Es haben sich Punkte aus Schreibstil, Handlung und Charakterzeichnung zusammengestückelt, die mir das Lesen schlussendlich sehr schwer gemacht haben.

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 21.01.2021

Schöner Reihenauftakt

Midnight Chronicles - Schattenblick
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HUNTERBUSINESS
Im Buch folgt man Roxy und Shaw gleichermaßen. Sie sind beide Erzähler und halten sich in ihrem Charakter sehr schön die Balance. Roxy ist eine sehr verschlossene Person, die nicht gut nach ...

HUNTERBUSINESS
Im Buch folgt man Roxy und Shaw gleichermaßen. Sie sind beide Erzähler und halten sich in ihrem Charakter sehr schön die Balance. Roxy ist eine sehr verschlossene Person, die nicht gut nach Hilfe fragen kann und ein großes Verantwortungsbewusstsein hat. Dementsprechend schwer fiel es mir in ihren Kapiteln zu versinken, die Leseerfahrung war genauso auf Distanz gehalten, wie Roxy mit Menschen umgeht. Shaw ist da schon wesentlich offener, hauptsächlich deswegen, weil er keine Erinnerungen hat, die er verbergen will, keine Last, die er mit sich herumschleppt. (Außer der Offensichtlichen, dass ihn offenbar niemand zu vermissen scheint.) Shaw hat die Stimmung des Buches wesentlich aufgeheitert, er ist der Gegenpol zu Roxys eher schweren Geschichte und hat auch den ein oder anderen frechen Kommentar parat gehabt. Genauso wie er für die Leser ein Quell steter Freude ist, ist er das auch für Roxy – und für ihr ein oder anderes Augenrollen ist er auch verantwortlich.

Die Liebesgeschichte, die sich zwischen Roxy und Shaw anbahnt verläuft erstaunlich ruhig und langsam. Zwar können beide die Attraktivität des anderen nicht verneinen, dennoch entwickelt sich ihre Beziehung erst durch ihre gesteigerte Zusammenarbeit, was ich sehr angenehm finde. Die Liebesgeschichte wird nicht auf Teufel komm raus losgetreten, sondern entwickelt sich sehr natürlich und man merkt, dass sich Roxy und Shaw erst kennenlernen, bevor etwas passiert. Für Leser:innen, die Slowburn mögen ist das genau die richtige Liebesgeschichte und ich fand sie zur Abwechslung auch richtig schön und gut geschrieben.

Was auch immer das zwischen uns beiden war, ich hatte keine Zeit dafür. Zumindest nicht jetzt. Und wahrscheinlich auch danach nicht.

S. 235
DETAILS, WIE ICH SIE LIEBE
Was mich an diesem Buch am meisten begeistert hat, war der Weltenbau. Es wird sich richtig viel Zeit genommen, um die Welt der Hunter zu erklären, Routinen zu zeigen, Charaktere besser kennenzulernen und einfach ein Gefühl für die Welt zu bekommen. Die Leser:innen begleiten Roxy und ihren Kampfpartner bei den nächtlichen Patrouillen, im Kampftraining, der Recherche und den sozialen Kontakten. Es bildet sich auf den ersten 250 Seiten eine richtige Gemeinschaft, die verfolgt wird und wo man sich wohl fühlt. Ich habe mich im Hauptquartier sehr Zuhause gefühlt, würde am liebsten mal in der Bibliothek stöbern und Ingrid, der Ärztin, beim Zusammenflicken der Hunter über die Schulter blicken.

Dadurch, das sich so viel Zeit genommen wurde, um die Hunter und ihre Aufgaben vorzustellen, passiert auch relativ lange wenig Nennenswertes. Roxy jagt ihre Geister, geht kleinsten Hinweisen nach, aber es dauerte lange bis sich ein Gefühl von Handlung einstellte, ein Ziel, auf das das Buch hinarbeitete. Die eigentliche Wendung fand ich sehr überraschend, obwohl sie rückblickend relativ deutlich zu erkennen ist. Bis zu diesem Punkt, wo wirklich etwas passiert und die Ereignisse beginnen sich miteinander zu verknüpfen, vergeht viel Zeit, auf die man sich einstellen sollte. Der Teil des Buches, wo es wirklich zur Sache geht, war gut, verlor für mich aber etwas an Spannung, weil sich die Autorin wieder auf ein paar altbekannten Floskeln stützte, Kampfszenen lasen sich repetitiv und der Aufbau von Szenen ähnelte sich ebenfalls sehr. Zwar ging die Handlung gut voran, aber die Abläufe und Dialoge waren häufig ähnlich im Kern, was ich ermüdend fand. Da hat die intensiver werdende Beziehung zwischen Roxy und Shaw vieles für mich gerettet, weil sie einen zweiten Fokus des Buches bildete, der ausgleichend wirkte.

FAZIT
Ich hatte mehr vom Spannungsbogen des Buches erwartet, weil das bisher immer eine der größten Stärken der Autorin gewesen war. Dennoch hatte ich Spaß mit dem Buch, weil es sich in einer Ausführlichkeit dem Weltenbau widmete und das auf sehr leicht zu lesende Art. Die sich anbahnende Liebesgeschichte hat die sich langsam entwickelnde Handlung ausgeglichen, ohne gewollt zu wirken. Insgesamt ist Schattenblick ein guter Auftakt der Reihe, von dem ich mir erhoffe, dass einige Handlungsfäden in den folgenden Bänden fortgesetzt werden.

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 21.01.2021

Leider enttäuschend & problematisch

Madly
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NEIN HEISST NEIN, VERFLIXT NOCHMAL!
Da Madly Band Zwei der In-Love Reihe ist, kennt man optimalerweise June und Mason bereits als Nebenfigurn aus Band Eins, Truly. Wer Truly gelesen hat, weiß auch bereits ...

NEIN HEISST NEIN, VERFLIXT NOCHMAL!
Da Madly Band Zwei der In-Love Reihe ist, kennt man optimalerweise June und Mason bereits als Nebenfigurn aus Band Eins, Truly. Wer Truly gelesen hat, weiß auch bereits um das Thema des zweiten Buches: Masons Annäherungsversuche bei June. Diese beginnen nämlich schon in Truly, als die beiden sich kennenlernen – unter eher suboptimalen Umständen – und Mason von Junes Frechheit beeindruckt ist.

Die Liebesgeschichte sollte eigentlich genau mein Ding sein, denn ich liebe Hate-to-Love-Beziehungen und das sollte, denke ich, auch der Vibe sein, den die Autorin einfangen wollte. June und Mason frotzeln sehr viel miteinander, necken sich und gehen sich gegenseitig auf den Keks. Ich mag sowas eigentlich sehr gerne, aber hier hat alles einen bitteren Beigeschmack bekommen, weil das Frotzelnde manchmal sehr ernst klang und das wiederum von der anderen Person völlig ignoriert wurde. Ganz besonders dann, wenn Mason Junes Abfuhren nicht hinnimmt und immer von oben herab kommentiert, dass er sie schon eines Tages rum bekommen wird. Ich fand viele der Gespräche sehr abgedroschen und unoriginell, wie z.B. der Spitzname „Kätzchen“ für June. Sowas habe ich schon in x-vielen Ausführungen gelesen und empfinde es mittlerweile als sehr ausgelutscht.

Meine Bewertung von Madly ist in den meisten Teilen sehr von meinen persönlichen Vorlieben geprägt, aber eine Sache stört mich massiv, die nicht zur Diskussion stehen sollte. Es geht darum, dass Mason Junes „Nein“ nicht akzeptiert. (Wie oben schon demonstriert.) Als das Buch beginnt erfährt man bereits, dass er June seit Monaten um ein Date fragt, ihr ungefragt Geschenke macht – die er auch noch direkt vor ihre Wohnheimtür liefern lässt – und ihre Abfuhren einfach nicht hinnimmt. Er ist fest überzeugt, dass sie insgeheim doch etwas von ihm will und hört nicht auf. DAS ist problematisch. Es zeugt für mich nicht nur von Respektlosigkeit, wenn man ein „Nein“ nicht akzeptiert, ich hatte auch gehofft, dass so ein Thema nicht mehr in Liebesromanen vorkommen muss – denn zu oft endet ein nicht akzeptiertes „Nein“ in sexueller Belästigung. Nun ist die Situation bei June und Mason in der Art besonders, dass June Mason tatsächlich anziehend findet, aber aufgrund ihrer Vergangenheit ihn nicht an sich heranlassen will. Obwohl sie also seine Gefühle irgendwo erwidert, weist sie ihn weiterhin fast Dreiviertel des Buches ab und gerade dann, als ihr guter Freund, sollte Mason endlich akzeptieren, dass June ihre Gründe hat und sie in Ruhe lassen. Dieses Hin und Her zwischen ihnen erreicht irgendwann so kritische Ebenen, dass sich ihre Freunde zwischen den Stühlen sitzend fühlen, weil es die Freundesgruppe nachhaltig belastet, wie sie miteinander umgehen.

ZU EINEM PROBLEM GEHÖREN IMMER ZWEI
Dadurch, dass man Masons Perspektive im Buch ebenfalls bekommt, lernt man natürlich, dass er im Prinzip nichts Böses will, aber seine Fixierung auf June ist sehr stark und macht gefühlt über die Hälfte seines Charakters aus. Er kämpft mit der angespannten Beziehung zu seinem Vater und fühlt sich perspektivlos, aber wirklich stark darauf eingegangen wird nicht. Man lernt im Vergleich zu June nur sehr wenig über Mason, er wirkte als Charakter viel weniger ausgereift und in Kombination mit seiner Obsession von June ist das einfach keine angenehme Leseerfahrung.

Was mache ich jetzt aus meinem Leben? Was habe ich jetzt? Einen Club. Ein großes Apartment und mehr Anzüge, als ein normaler Mensch tragen kann. Mehr nicht. Mehr gibt es nicht. Ich habe keine weiteren Ziele, weiß nichts anderes mit mir und meinem Leben anzufangen.
47%

In machen Momenten schießt er dann den Vogel ab, wenn er sich damit brüstet, dass er June immer die Wahl ließe – was er durch die ignorierten Abfuhren ja genau nicht tut – und einmal tatsächlich ein „Nein heißt Nein“ jemanden an den Kopf knallt, der June angebaggert hat. An diesem Punkt fühlte ich mich wirklich verarscht, weil Masons Verhalten so sehr dem zuwider lief, was suggeriert wurde. Er predigte so oft seinen Respekt gegenüber June, aber hat er jemals danach gehandelt? Nein. Für die Leser:innen wurde das eine gezeigt und das andere gesagt, etwas das ich sehr frustrierend finde.

Es ist okay, dass ich nicht mit Mason ausgehen möchte. Ich darf mit ihm flirten und ihn mögen – auch wenn ich das nicht will. Ich kann all das tun, auch wenn ich ihm nicht das geben kann, was er möchte oder was er sich wünscht. Es ist okay, dass ich mich schütze.
S. 153

Um fair zu bleiben, muss ich auch sagen, dass June an der ganzen Situation nicht unschuldig ist. Zwar sollte Mason ihre Entscheidungen akzeptieren, sie könnte aber auch dazu stehen und nicht immer wieder mit ihm flirten – ihr Verhalten hat die Aura von „sich jemanden warm halten“ bekommen, sie hält Mason immer wieder genug Köder hin, dass er nicht über sie hinweg kommt und lässt ihn dann abblitzen. Obwohl ich June als Person absolut furchtbar finde, konnte ich ihre Situation relativ gut nachvollziehen. June ist mit einem Feuermal im Gesicht und Halsbereich geboren worden und ihr wurde von früh eingetrichtert, dass das etwas ist, das man verstecken muss. Ihre Unsicherheiten bezüglich ihrer Person stammen größtenteils daher und ich fand sehr schön, dass die Thematik gleich zu Beginn angesprochen wird.

Es ist mir egal, ob es für die Welt keine große Sache ist. Für mich ist sie groß. Die größte Sache in meinem verschissenen Leben und ich kann nicht so tun, als sei sie mir egal oder nicht da. Als würde sie mich nicht nerven, mir nicht wehtun, mich nicht kleinhalten oder verändern. Ich kann nicht so tun, als würde ich diesen Teil von mir lieben, wenn ich mir immerzu wünsche, wie alle anderen zu sein.
S. 159

Junes Feuermal ist nicht der Knackpunkt der Geschichte, sondern ihre Selbstliebe, leider konnte ich ihre Entwicklung nicht wirklich nachvollziehen. Die Repräsentation für das Feuermal ist zwar immer da – indem June ständig ihr Make-up überprüft -, aber ihre Unsicherheit kommt selten zur Sprache. Das liegt zum Teil daran, dass June sich selbst nicht gut reflektiert und unangenehme Gedanken immer gleich beiseite schiebt. Sie setzt sich kaum mit ihren Problemen auseinander, reagiert eher patzig und aggressiv und ist dann sauer, wenn was nicht so passiert, wie sie es gerne hätte. In manchen Momenten war mir wirklich schleierhaft wie jemand sie nett oder liebeswürdig finden kann, wenn sie Telefonkabel rausreißt, weil ihr jemand sie ignoriert, sie Donuts in der Bibliothek und am Arbeitsplatz isst, wo das verboten ist (und Leute sie darauf hinweisen!) und die Dinger sogar auf Gäste wirft. Ihre Arbeitseinstellung ist ein Witz und eine Beleidigung für jeden, der mal händeringend einen Job gesucht hat. Man merkte an ihrem Verhalten, dass June sich ihres Privilegs nicht bewusst war und davon ausging, dass ihr Chef und Kumpel Mason sie schon nicht feuern würde, weil sie ja in der Klemme steckt. Vieles, was wohl als witzig angedacht war, wirkte auf mich leider wie die Akkumulation von White Privilege, wo June sich jeden Scheiß erlauben konnte, ohne jemals Konsequenzen davon zu fühlen.

HANDLUNG ≠ SPANNUNGSBOGEN
Eine Handlung existiert, abgesehen von der Liebesgeschichte, eher wenig. Dreiviertel des Buches lasen sich wie die Einführung, es gibt sich ständig wiederholende Szenarien, June und Mason nähern sich an, June lässt ihn abblitzen, er versucht es weiter. Einmal wird dieses Muster von June aufgebrochen, aber sonst spielt sich immer wieder das gleiche ab, bis nach circa 70% etwas passiert, dass auch schon viel eher hätte kommen können. Das so spät erst Tacheles geredet wird, führt auch dazu, dass der Rest der Handlung sehr schnell passieren musste, weswegen mir Vieles übereilt vorkam. Man hat einen sehr schlecht gesetzten Spannungsbogen, der das wichtige Thema Selbstliebe so gut wie ausklammert und dann ein übereiltes Ende. June und Masons persönliche Probleme werden zwar angerissen, aber die richtige Aufarbeitung passiert zwischen zwei Kapiteln, sodass man es als Leser:in nicht nachvollziehen kann. Ich fand das sehr einfach gelöst, gerade weil Junes Selbstliebe im Vorwort von der Autorin sehr hervorgehoben wurde und dann praktisch nie passiert ist. Man begleitet ihre Entwicklung nicht wirklich, teilweise redet Andie ihr Selbstvertrauen ein und June denkt selbst nicht genug darüber nach, um es glaubhaft zu machen. Masons Werdegang wird nur im Kleinen beschrieben und die Auseinandersetzung bekommt man nicht zu sehen. Im Prinzip denken June und Mason daran, dass sie ein Problem haben und im nächsten Moment ist es gelöst – wie das vonstatten gegangen ist und welche Hürden sie überwinden mussten, wird nicht gezeigt. Dieses Umsetzung des groß angekündigten Themas Selbstliebe und Bodypositivity fand ich sehr unzufriedenstellend.

FAZIT
Obwohl meine Bewertung von "Madly" sehr stark subjektiv beeinflusst ist, bin ich der Meinung das es einige fundamentale Probleme hat, die New Adult Romane nicht nötig haben. Das Buch wirkt in seinem Gesamtpaket eher unausgereift, stellt viele Themen eher flach dar und übertritt an manchen Stellen Grenzen. Das Buch provoziert ohne je zu reflektieren, was ich in Anbetracht der Themen sehr Schade finde.

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 21.01.2021

Überraschender Abschluss der Trilogie

Beta Hearts
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5 FIGUREN, 5 ENTWICKLUNGEN
Im zweiten Band kam Byth bereits als Erzählerin dazu, auch in diesem Band teilt sich die Handlung zwischen ihr, Okijen, Flover, Andra und Luke auf und alle befinden sich in ...

5 FIGUREN, 5 ENTWICKLUNGEN
Im zweiten Band kam Byth bereits als Erzählerin dazu, auch in diesem Band teilt sich die Handlung zwischen ihr, Okijen, Flover, Andra und Luke auf und alle befinden sich in der besonderen Position aus verschiedenen Blickwinkeln auf das Geschehen zu achten und ein Rundumbild für die Leser:innen zu stellen. Dieser Aspekt hat mir sehr gut gefallen, da gerade zu Beginn die Gruppe endlich mal zusammen kämpfte, nur um dann eigene Entdeckungen zu machen und Entscheidungen zu treffen, die dafür sorgten, dass sich ihre Wege wieder trennten. Dabei hat sich das Buch in eine ganz andere Richtung entwickelt, als von mir erwartet.

Okijen ist zu Beginn des Buches außer Gefecht gesetzt und muss von Byth erst wieder hergestellt werden. Okijen macht vielleicht die härteste Reise in diesem Buch durch, weil er mit Dingen konfrontiert wird, die an den Grenzen seiner Moral rütteln.

Flover und Luke sind wieder ein eingeschworenes Team und manchmal fiel es mir ehrlich gesagt schwer, ihre Kapitel auseinander zu halten, weil ihre Erzählstimmen sich sehr ähnlich sind und sie nach Cyber Trips sehr bestrebt sind, den anderen nicht mehr allein zu lassen. Dennoch sind sie zusammen meine heimlichen Helden, weil sie einfach eine tolle Beziehung haben und durch ihre Erfahrungen in Cyber Trips eine gewisse Skepsis an den Tag legen.

Byth blinzelte mehrfach, und mit einem Mal kehrte die Angst in ihre Gedanken zurück. Die Bilder, die Schrecken, die Befürchtung vor dem, was sie ereilen würde.

S. 389
Byth hatte mich durch ihre Entwicklung in Cyber Trips am meisten angesprochen, ihre Reise war eine einzige Achterbahnfahrt, die ich sehr gut fand. Byth schleppt viel Ballast mit sich herum, die teilweise aus ihrer Zeit beim Militär und teilweise aus ihrer Zeit nach dem Militär stammen. Zu sehen, wie sie das bremst, wie sie sich damit konfrontiert und Entscheidungen trifft war sehr spannend.

„Ich dachte, du wärst besser als die anderen“, spuckte Andra aus und warf jedem im Raum böse Blicke zu, bevor sie auf […] Wink hin etwas fester gepackt und angeführt wurde.

S. 257
Während Okijen, Byth, Marshall und die gesamten Streitkräfte sich bereit für einen finalen Kampf mit KAMI machen, fängt Andra an vieles in Frage zu stellen. Die ungeklärten Umstände aus ihrem Dorf lassen ihr keine Ruhe und sie hofft nach wie vor dort, bei weiteren Recherchen, Hinweise auf eine gewaltfreie Lösung mit KAMI zu finden. Die Intelligenz des Wesens und vorangegangene Gespräche lassen sie glauben, dass eine friedliche Lösung möglich ist.

ES IST NICHT SO, WIE MAN DENKT
Es wird in diesem Band wesentlich mehr Fokus auf die Vergangenheit der Welt gelegt, geschichtliche Abläufe werden offen gelegt, gut versteckte Infos über die „goldenen Drei“ Marshall, Liza und Alaska. Je mehr man über die Entstehung der Neon-Birds-Welt lernt, desto mehr fängt man an die bisherigen Darstellungen zu hinterfragen. Für die Figuren ein denkbar blöder Zeitpunkt, als Leser:in aber wahnsinnig spannend.

Das Ende hat mich sehr überrascht, es ist relativ unkonventionell und ich mag den Gedankenanstoß dahinter. Allerdings würde ich gerne fast noch mehr dazu lesen, ich denke, dass das Nachspiel der getroffenen Entscheidungen mindestens genauso spannend wäre.

Vielleicht sind wir ja gar nicht in der Lage, etwas zu erschaffen, das besser ist als wir. Etwas, das stärker ist vielleicht. Oder klüger. Aber nichts, das uns in allem übertrifft.

S. 330
Was ich im Laufe des Buches etwas Schade finde, ist, dass man all die Hintergrundbewegungen nicht immer mitbekommt. Es steckt sehr viel mehr hinter den Figuren, als man während des Lesens mitbekommt. Obwohl hier die Handlung etwas verschlungener war, als in den anderen beiden Teilen, ist das Buch doch sehr geradlinig geschrieben, wo man nicht jede Nuance mitbekommt, die die Figuren und die Welt ausmachen.

FAZIT
Beta Hearts ist ein starker, überraschender Abschluss der Neon Birds-Trilogie und überzeugt durch spannend gesetzte Wendepunkte und Enthüllungen.

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 21.01.2021

Mutig & Offen

Forever Mine - San Teresa University
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Kate ist Modebloggerin und Kappa-Girl an der STU. Die Balance zwischen Uni, Bloggen und der Schwesternschaft ist schwer und Kate möchte nur an einem Abend ihr Image beiseite legen dürfen und nicht jeden ...

Kate ist Modebloggerin und Kappa-Girl an der STU. Die Balance zwischen Uni, Bloggen und der Schwesternschaft ist schwer und Kate möchte nur an einem Abend ihr Image beiseite legen dürfen und nicht jeden ihrer Schritte hinsichtliche ihrer öffentlichen Rolle überdenken müssen. Der One-Night-Stand mit Alec verbreitet sich durch ein unglückliches Foto allerdings über Nacht und plötzlich wird Kates Image in Frage gestellt. Sie sieht sich Hass, Neid und Sexismus gegenüber, den sie so noch nie in ihrem Leben aushalten musste.

DIE HARTE REALITÄT DER ÖFFENTLICHKEIT
Zurück an die STU zu kommen, war nur im ersten Moment wirklich sonnig. Denn sobald ich mit Lesen angefangen habe, wurde mir klar, dass der Klappentext sehr viel Handlung vorweg genommen hat. Ich begleitet Kate durch all die harten Momente in der ersten Hälfte des Buches und erst zur Hälfte kommt man am dem Punkt an, den der Klappentext verspricht: Den Einzug in die neue Wohnung mit Alec als Nachbarn. Allerdings finde ich es gut, dass man Kate von Beginn an begleitet und mitbekommt, wie die Ereignisse sich entwickeln. All diese Rückschläge sind wahnsinnig wichtig für ihre Entwicklung – und nebenbei ein spannender Kommentar zu unserer Gesellschaft – und ohne würde das Buch nicht halb so viel Wert haben.

"Forever Mine" ist nun schon das zweite Buch, dass ich innerhalb weniger Monate lese, wo es um digitale Gewalt geht. Das Thema geht mir sehr nah und ist bestimmt auch einigen Blogger:innen ein Begriff, denn sich im Internet zu bewegen und dabei eine Platform zu haben sorgt dafür, dass man dem nicht entkommen kann. Ob man nun selbst betroffen ist oder nur von anderen mitbekommt, dass sie digitale Gewalt erleben, es ist jedes Mal emotional aufwühlend. Auf dieser Eben konnte ich Kates Gedanken, Entscheidungen und Zweifel sehr gut nachvollziehen. Es ist ein sensibles Thema, das nicht oft genug besprochen wird und ich finde es toll, was die Autorin hier angerissen hat.

MEHR DAVON, BITTE!
Ein anderer ganz großer Pluspunkt war Alec: Ein offen bisexueller Mann an der STU. Alec trainiert schon sein Leben lang für Olympia und arbeitet sich zu Beginn des Buches zu einer Aufnahme in den Olympia-Kader der USA heran. Alec und sein bester Freund Dean gehen sehr offen mit ihrer Sexualität um, auch wenn das nicht immer ihre freie Entscheidung ist. Denn Schwulenfeindlichkeit und Queerfeindlichkeit gehören zu ihrem Alltag, selbst in den Reihen ihres eigenen Schwimmteams. Oftmals weisen sie dieses Verhalten mit beißendem Humor ab, aber manchmal dringt es auch zu tief vor und verletzt sie. Alec selbst ist von Kates Skandal mehr oder weniger verschont geblieben, aber er stand schon vorher stark in der Kritik, weil er ein sehr reges Sexleben hat. Alec hat seine Gründe, warum er versucht Social Media fernzubleiben, gleichzeitig ist er Kate ein guter Freund, wenn sie das zulässt.

Die Freundschaften in diesem Buch – und anderen Beziehungen – waren ebenfalls wieder große Klasse. Raelyn und April unterstützen Kate so sehr sie können und auch Dean versucht Alec, wo es nur geht den Rücken zu stärken.

Allerdings hat das Buch auch altbekannte Probleme: Handlungsstränge von Nebenfiguren werden aufgenommen und nicht zu Ende geführt, das Ende wickelt sich allgemein sehr schnell ab und hätte für meinen Geschmack noch einen Tick länger sein können, um komplett zufriedenstellend zu sein.

FAZIT
"Forever Mine" erzählt eine bewegende und gesellschaftskritische Geschichte, die aktueller nicht sein könnte. Ich habe mich erneut in den wundervollen Schreibstil und die Figuren verliebt, hätte mir nur an manchen Stellen ein bisschen mehr Detailliebe gewünscht.

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