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Veröffentlicht am 01.05.2017

Liebe war nie Teil des Plans gewesen ...

Was auch immer geschieht
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In dieser Rezension geht um eines meiner absoluten Lieblingsbücher. Dieses Buch hat sehr viel mehr Aufmerksamkeit verdient und ich kann es nur jedem ans Herz legen, der gerne New Adult liest und sich ein ...

In dieser Rezension geht um eines meiner absoluten Lieblingsbücher. Dieses Buch hat sehr viel mehr Aufmerksamkeit verdient und ich kann es nur jedem ans Herz legen, der gerne New Adult liest und sich ein bisschen mehr als das ständige College-Gedudel wünscht.

INHALT:
Callie Robertson ist mit ihrem Leben ganz zufrieden. Eigentlich. Wäre da nicht die verbockte Klausur in Biochemie am College und der ihr bevorstehende Sommer in ihrer Heimatstadt. Zur Abschlussfeier ihrer jüngeren Schwester kehrt sie zurück und sieht sich mit all den schönen und traurigen Dingen konfrontiert, die sie eigentlich nur vergessen wollte. Aber wie das mit Problemen so ist, wollen sie sich nicht vergessen lassen und kommen immer wieder, bis man ihnen entgegen tritt.

HANDLUNG:
Diese Geschichte ist sehr viel mehr als der typische New Adult Roman, den jede zweite Autorin schreibt. Der Konflikt ist keine Ausrede um die Eroberung anzustiften und es dreht sich nicht nur um Callie. In dieser Geschichte finden sich sowohl die typischen New Adult Elemente wie College, Love-Hate-Relationships und traurige Vergangenheit wider, aber eben auch eine wunderbar ausgearbeitete Familie mit all ihren Macken, eine ebenso liebenswerte wie nervige Kleinstadt und eine gute Portion Bodenständigkeit.
Im Verlauf der Handlung wird mehr als nur ein Konfliktthema angesprochen und zudem auch Themen, die viel mehr Aufmerksamkeit verdienen und über die man nachdenken sollte.

Der große Knackpunkt ist die Frage ob Beziehungen zwischen Stiefgeschwistern ein Problem ist. Damit müssen sich nicht nur die beiden Hauptpersonen auseinandersetzen, sondern auch ihr Umfeld und der Leser demzufolge gleich mit. Für mich hat Bianca Iosivoni dieses "Problem" super gelöst und weist damit auf eine Toleranzfrage hin, die sich jeder mal stellen sollte.

Zudem ist nicht alles wie es am Anfang scheint und Callie muss sich fragen ob ihre Gefühle wirklich begründet und berechtigt sind. Oder ob sie nicht jemandem Unrecht tut.

SCHREIBSTIL:
An diesem Buch hat mir alles gut gefallen. Und der Schreibstil ist dabei ein ganz wichtiger Faktor. Denn immerhin ist er die Stimme, die uns in die Geschichte entführt. Und das hat die Autorin meiner Meinung nach super gemeistert. Als Leser folgt man Callie und erlebt alles aus ihrer Perspektive, wodurch man nicht nur ihre Sicht der Dinge erlebt, sondern auch in denselben Schritten wie sie die Vergangenheit entwirrt. Es bleibt dadurch bis zum Schluss spannend.
Außerdem ist Callie eine sehr sympathische Protagonistin, da sie frech, charmant und bodenständig ist; aber auch sehr emotional und sie schleppt da ein ganz schönes Päckchen an Problemen mit sich herum.

REALISTIK:
Was Was auch immer geschieht für mich so von anderen Büchern unterscheidet, ist, dass es sich auch auf die anderen Personen in der Geschichte konzentriert. So haben Callies Schwester und Mutter eben keine kleinen Nebenrollen, sondern sind essentiell wichtig für den Verlauf und sind auch noch wunderbar ausgearbeitet. Ich habe das Buch zweimal gelesen und auch beim zweiten Mal konnten mich die Figuren alle überzeugen. Ich hatte hier weniger das Gefühl eines normalen New Adult Romans, sondern eher eines sehr modernen Familiendramas. Und Drama gibt es wirklich. Aber das ist auch gut, denn so spielt das Leben. Nichts wirkte aufgesetzt oder unrealistisch, sondern folgte einem ganz natürlichen Fluss an Geschehnissen.
Ich habe mich in dieser Welt wunderbar zuhause gefühlt und kann es gar nicht erwarten mit der ersten Seiten zurückzukehren.

FAZIT:
Lest dieses Buch! Wenn euch normale Collegegeschichten zum Hals raushängen, dann lest Was auch immer geschieht. Das ist für mich ein fünf Sterne Buch, weil es die Familie oder Freunde eben nicht horrifiziert oder ähnlich schlecht darstellt. Weil die Figuren alle stark und schwach sein können und weil es in einer absolut nachvollziehbaren Welt spielt. Ich liebe die Blackwood-Robertsons und ihre wunderbare Gemeinschaft.

Bis zum nächsten Buch, eure Friederike!

Veröffentlicht am 02.04.2017

Schräg, Liebenswürdig und Tolerant

Ich gebe dir die Sonne
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NoahundJude sind Zwillinge und haben diese ganz besondere Verbindung, die eben nur Zwillinge haben können. Wenn Jude weint, weint Noah auch, selbst, wenn er sich am anderen Ende ihres Heimatortes in Kalifornien ...

NoahundJude sind Zwillinge und haben diese ganz besondere Verbindung, die eben nur Zwillinge haben können. Wenn Jude weint, weint Noah auch, selbst, wenn er sich am anderen Ende ihres Heimatortes in Kalifornien befindet.
Noah und Jude könnten jedoch auch nicht unterschiedlicher sein - Jude ist ein wilder Wirbelwind, der das Abenteuer sucht und Noah ist ruhig, betrachtet die Welt aus einem anderen Blickwinkel.
Aber etwas passiert, verändert ihr Leben und verändert auch sie. Sie leben plötzlich ein anderes Leben auf das sie keinen Einfluss mehr nehmen ...

Mich hat dieses Buch vor allem angesprochen, weil es ein Jugendbuch ist, aber nichts mit großer Liebe und Herzschmerz in den Vordergrund stellt. Es geht um die Beziehung zwischen Geschwistern und den Banden in einer Familie und wie sie Einfluss auf unser Leben nehmen und uns formen. Und das gibt es viel zu selten in der Jugendbuchliteratur - zumindest liegt es selten unter den Bestsellern.
Noah und Jude sind beide sehr unterschiedliche Erzähler, was unglaublich gut umgesetzt wurde.

Noah sieht alles in Bildern und vermerkt sich Ideen zu neuen Portraits, was seine Beschreibungen der Welt wahnsinnig bunt und auch witzig machen. Seine Auffassungsgabe von Situationen ist fantastisch und gibt dem Leser noch einen anderen Blickwinkel, falls er die Situation anders sieht, weil ihm vielleicht bestimmte Erfahrungen fehlen. Denn Noah rangiert am unteren Ende der Sozialen Schichten, er kapselt sich ab und kämpft mit Problemen, die ihn nur noch mehr ausgrenzen. Homosexualität spielt dabei eine große Rolle und bisher hat mir kein Protagonist dieses "Problem" besser näher gebracht, als Noah es getan hat.

Jude hingegen redet mit ihrer toten Großmutter. Und lebt nach deren Bibel. Jop, das ist kein bisschen durchgeknallt. Aber Jude ist cool und wunderbar sarkastisch. Seit DER SACHE, die alles verändert hat, betreibt sie einen Boykott - kleidet sich in sackartigen Klamotten und lässt niemanden (Schon gar nicht einen süßen Jungen!) an sich heran. Sie macht verschiedene verrückte Dinge, wie eine Zwiebel mit sich rum schleppen.

Jude und Noah erzählen jeweils zu einem anderen Zeitpunkt: Noah erzählt ausschließlich aus der Zeit vor DER SACHE und Jude erzählt nur von danach.

Mich hat besonders beeindruckt wie sie die Rollen getauscht haben, war Noah am Anfang noch einsam und ohne richtige Freunde und Jude der Mittelpunkt, ist Noah zum Ende des Buches beliebt und Jude eher nicht.

Der wirkliche Schurke in diesem Buch waren für mich die Eltern. Noah und Jude sind beide künstlerisch begabt, obwohl sich das bei beiden anders zeigt, und ihre Eltern hielten es für eine gute Idee einen Wettbewerb aus dieser Begabung zu machen. Aus eigener Erfahrung weiß ich, wie Wettbewerbsdenken Beziehungen von vornherein sabotieren kann und auch kaputtmachen.
Eifersucht spielt im Buch ebenfalls eine große Rolle und ich habe gemerkt, wie sehr ich meine Familie schätzen kann.

"Ich gebe dir die Sonne" gehört für mich in so viele Bücherregale wie möglich, weil die Botschaft, die Sprache und auch die Figuren magisch und bunt sind. Ernsthafte Probleme werden angesprochen, dabei aber nicht so behandelt, dass man danach depressiv wird und ich fühlte mich nach dem lesen von "Ich gebe dir die Sonne" viel toleranter, als vorher.

Veröffentlicht am 02.04.2017

Dystopisch, Romantisch und Gefährlich

Water & Air
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In Water & Air hat Laura Kneidl eine Welt gezeichnet, die nicht halb so brutal ist, wie in bisherigen namenhaften Dystopien. Vielmehr hat Laura sich an realistischeren Szenarien orientiert und sich Gedanken ...

In Water & Air hat Laura Kneidl eine Welt gezeichnet, die nicht halb so brutal ist, wie in bisherigen namenhaften Dystopien. Vielmehr hat Laura sich an realistischeren Szenarien orientiert und sich Gedanken dazu gemacht, wie die Menschen leben würden, wenn der Meeresspiegel drastisch ansteigen würde. Und so leben die Menschen nun unter Kuppeln aus Glas im Wasser und in der Luft, denn das Festland ist geschrumpft und auch sehr kaputt gewirtschaftet. Obwohl die Menschen in den Kuppeln oder auch Kolonien über gute Technik verfügen, ist die Kommunikation zwischen den einzelnen Kolonien doch sehr klein und man kann eine Kolonie nicht verlassen, es sei denn man wird verbannt. Den einzigen Kontakt haben die Representativen - eine ausgewählte Gruppe an Menschen, die in andere Kolonien entsandt werden um Informationen, Lebensstile und Ergbut weiterzugeben.

Die Hauptperson Kenzie lebt in einer Wasserkolonie und hat ihren Platz noch nicht gefunden. Trotz eines guten Abschlusses steht ihr nicht jede Möglichkeit offen und ihren Traumjob - Entdeckerin - darf sie nicht ausüben, weil sie eine Frau ist.
Die Wasserkolonie ist sehr klein und auf regelmäßigen Nachwuchs angewiesen, weshalb Frauen hauptsächlich einfache Arbeiten verrichten und Kinder kriegen sollen.
Und daraus ergibt sich Kenzies Problem.
Aus Angst verbannt zu werden, flieht sie auf einem U-Boot und folgt ihrer Freundin Nilam zu einer Luftkolonie, um da ein neues Leben zu beginnen.
Aber nicht alles ist wie es scheint, und Kenzie gerät in das Zentrum einer Rebellion.

Laura Kneidl ist für mich eine feste Größe, wenn es um atemberaubende Welten und Handlungen geht. Auch in diesem Buch hat sie mit ihren fantastischen Ideen und detaillierten Hintergrundinformationen nicht enttäuscht.

Insgesamt fühlte sich die Welt sehr real an und alles, was irgendwie erwähnt wurde, wurde auch erklärt und belegt. Auch anhand ihrer Pinnwand auf Pinterest bekam man einen guten Eindruck, wie sie sich alles vorgestellt hat.
Der Schreibstil war in diesem Buch sehr nüchtern und knapp, was für eine Dystopie typisch zu sein scheint. Trotzdem wurden die Umgebungen und Bewegungen von Figuren gut beschrieben.
Manchmal kam mir die Welt sehr hart vor, auch wenn es um Vorurteile und Rollenverteilungen geht.
Das spiegelte sich leider auch in den Figuren wieder, sie waren alle sehr klar gezeichnet, nüchtern und manchmal fast gefühlskalt. Ich hatte mir oftmals einen bessere Blick in ihre Köpfe gewünscht, damit ich manche Handlungen auch nachvollziehen könnte.
Bücher werden ja auch gelesen, weil man sich mit den Figuren identifizieren möchte und das ist mir in diesem Buch sehr schwer gefallen.
Kenzie war schon ein sehr fester Charakter, sie musste sich nicht erst Ziele und Prioritäten setzen oder entwickeln, sie hatte das alles schon, dabei ist sie in der Luftkolonien Dingen/ Konflikten begegnet, die es in der Wasserkolonie nicht gegeben hat. Zumindest ein Zweifeln an ihren moralischen Richtlinien hätte meiner Meinung nach mal auftauchen müssen. Denn auf manche Situationen kann man sich nicht vorbereiten und reagiert ganz anders, als angenommen.
Callum hingegen war für mich schon besser zu verstehen, obwohl man seine Motive und Geschichte nicht komplett kannte. Der Interessenkonflikt in dem er sich befindet hat ihn mir sehr viel sympathischer und auch greifbarer gemacht.
Allerdings hat auch Callum so seine Schattenseiten und besonders ein Satz hat mir viele Sorgen gemacht:

>>"Du bist kein Mörder."
"Nein, das bin ich nicht." Callum lächelte traurig. "Aber zum Wohl der Kolonie kann ich zu einem werden." <<

- Holla, da ist mir aber der Mund offen stehen geblieben. Denn egal in welchem Szenario man ist, Mord ist nie eine gute Option, auch nicht zum Wohl von anderen. (Basiert natürlich nur auf meinen moralischen Grundsätzen.) Allein was das schon psychisch mit der Person anstellt. Brrr.

Ich fand es zudem interessant, dass die Figuren teilweise Laster hatten oder einfach nicht in das bevorzugte Weltbild von Dystopien gepasst haben. Heterosexuelle Liebe ist mir in noch keiner Dystopie begegnet und auch Drogen wurden da noch nicht angesprochen, dabei stirbt sowas ja mit der Zukunft nicht aus. Dass die Figuren eben nicht alle absolut vorbildlich waren
hat das Buch meiner Meinung nach, noch besonderer gemacht.
Obwohl man sich an ihnen jetzt kein Beispiel nehmen sollte. Aber Diversity sollte definitiv ein fester Bestandteil von Jugendliteratur werden.

Zusammenfassend kann ich nur sagen, dass mir der Plot, die Szenerie und die Figuren sehr zugesagt haben, obwohl ich mir ein bisschen mehr emotionalen Einblick gewünscht habe.

Veröffentlicht am 30.03.2017

Ein gelungener Reihenauftakt

Royal Me
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Nach Selection (Was für mich ein totaler Flopp war.), dachte ich eigentlich, dass ich genug von Prinzessinnen hätte, aber - falsch gedacht! Nach der Leseprobe musste ich das Buch dann doch kaufen und ich ...

Nach Selection (Was für mich ein totaler Flopp war.), dachte ich eigentlich, dass ich genug von Prinzessinnen hätte, aber - falsch gedacht! Nach der Leseprobe musste ich das Buch dann doch kaufen und ich kann Tina für ihre Idee nur bewundern.

Mittlerweile finde ich die Welt, die sie uns da geschrieben hat, wunderschön und magisch. Dass der Handlungsort Schottland ist, trägt dazu auch einiges bei.

Das Buchcover kommt leider nur in der Printausgabe richtig zur Geltung, aber auch auf den schwarz-weißen E-Readern hat es seinen Charme. Der Farbverlauf ist sehr schön und harmonisch, die schlichte Gestaltung lässt das Cover nicht überladen wirken und vermittelt den richtigen Eindruck vom Buch. Ein bisschen glänzend, ein bisschen magisch und ein bisschen romantisch.

Besonders gut fand ich, wie lebendig ihre Figuren sind. Jeder hat eine eigene Stimme, eigene Probleme und eine ganz spezifische Sichtweise. Sie sind alle sehr unterschiedlich und bilden eine explosive Mischung, die bestimmt in den folgenden Teilen noch einige Katastrophen und Skandale ergeben wird. Man merkt, wie sie Prioritäten setzen, Kopf gegen Herz kämpft und versucht sich mit der Situation zu arrangieren. Denn die Thronerben wissen genauso viel wie der Leser selbst - fast nichts.

Mir hat auch der Schreibstil gefallen, da Tina Köpke sehr frech und locker schreibt. Dadurch wird aus der eigentlich sehr ernsten Storyline eine sehr unterhaltsame Feel-Good-Atmosphäre. Und solche Bücher muss es auch geben. Mit Witz und Charme und einer guten Portion Sarkasmus führt Tina Köpke durch die Kapitel und passt den Schreibstil auch den jeweiligen Figuren sanft an.

Die Geschichte wird aus der Sicht von acht Personen erzählt und am Anfang war diese Flut von Perspektiven ein bisschen überwältigend, aber das wurde schnell überwunden, da sich die Figuren doch stark voneinander unterscheiden. Denn nicht alle sind die Adlig, auch Personal und Sicherheitsdienst haben einen Protagonisten bekommen. Man schaut also nicht nur in das luxuriöse Leben der Thronerben, sondern auch hinter die Kulissen und erfährt von Problemen, die man sonst nicht erkannt hätte. Diese verschiedenen Erzählweisen strecken die einzelnen Kapitel, aber die empfand ich Anhand der Fülle an Personen gut angepasst.

Zum Ende des ersten Teils gab es einen Showdown, der allerdings ein bisschen mehr hätte herausstechen können. Ein bisschen mehr Spannung hätte meiner Meinung nach nicht geschadet.
Allerdings endet die Episode mit einem kleinen Cliffhanger und man möchte sofort weiterlesen.

Da The Masquerade der einleitende Teil der Reihe ist, wurde zuerst einmal nur die Situation dargestellt, was mir sehr geholfen hat. Durch diese schönen Geschichtshappen kann man erst einmal mit den Figuren vertraut werden und muss nicht noch alle Namen lernen, während die Handlung schon drunter und drüber geht.

Zum Schluss kann ich nur noch sagen, dass mir der erste Teil wirklich sehr gut gefallen hat und auch meine schlaflosen Nächte sehr schön unterhalten hat. Ich werde mich also gleich auf Teil zwei Royal Me - The Birthday stürzen!

Veröffentlicht am 07.03.2017

Zornig und Gefühlvoll

Zorn und Morgenröte
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Cover

Das Cover changiert im Hintergrund zwischen einem dunklen Königsblau und nach unten zu einem dunklen Meerblau. Alles Bronzefarbene ist durch eine glänzende Beschichtung hervorgehoben, die mich an ...

Cover

Das Cover changiert im Hintergrund zwischen einem dunklen Königsblau und nach unten zu einem dunklen Meerblau. Alles Bronzefarbene ist durch eine glänzende Beschichtung hervorgehoben, die mich an den Sand im Orient erinnert und sogleich ein sommerlich-warmes Gefühl erzeugt. Das im Kreis eingefasste Auge sieht ein bisschen bedrohlich aus und die Iris scheint zu brennen, was den Antrieb der Hauptfigur Shahrzad einfach perfekt trifft.

Idee

Zorn und Morgenröte ist eine Neuerzählung von 1001 Nacht, also demnach nichts "Neues", allerdings weicht es in machen Details von dem ursprünglichen morgenländischen Märchen ab. Das schmälert aber nicht die tolle Umsetzung und die neu eingeflochtenen Handlungsstränge. Die Selbstauslegung des Khalifen und seiner Taten ermöglichen es, dass Ahdieh ihre persönliche Note einbringt und das ganze Buch einzigartig gestaltet.
Diese Art Geschichten wurden in Deutschland kaum gelesen, was eigentlich Schade ist und definitiv eine Chance bekommen sollte.
Und für alle Unwissenden erkläre ich worum es in 1001 Nacht geht: Es handelt sich um eine Art Märchen, in dem ein Khalif jede Nacht eine neue Frau nimmt und sie am nächsten Tag hinrichten lässt. Bis die eine kommt, die ihm eine Geschichte erzählt und im Morgengrauen an einer spannenden Stelle abbricht, sodass er sie aus Neugierde nicht töten kann. Und so erzählt sie Tausendundeine Nacht lang ihre Geschichte, bis er sie aus Gnade weiterleben lässt.

Realistik

Das Beste an diesem Buch ist, dass es absolut realistisch klingt. Renée Ahdieh hat es geschafft Shahrzad, Chalid und alle drum herum absolut realistisch darzustellen. Sie sind sich am Anfang nicht grün, sie trauen sich fast das ganze Buch über nicht und auch die Schwächen der Personen sind wunderbar abgebildet worden. Es gibt keine typischen Heldenfiguren, denn jeder hat Ecken und Kanten und auch mal dunkle Gedanken und Absichten.
So wie die Beziehung zwischen Shahrzad und Chalid ist, könnten sie in den meisten Fällen zwischen Königspaaren gewesen sein, und teilweise ist ihre Beziehung wirklich sehr süß.
Es begegnen einem auch noch andere Figuren die an der Handlung mitwirken und auch diese sind absolut nachvollziehbar geschrieben und dargestellt. Ich nenne jetzt keine Namen und Rollen, denn immerhin sollt ihr ja noch etwas Neues lesen, wenn ihr das Buch kauft.

Komplexität

Da dies nur der erste Band ist, wird an einer bestimmten Stelle abgebrochen, die Handlung ist nur zum Teil in sich geschlossen, was allerdings Lust auf Band Zwei macht.
Dieses Buch ist nicht ganz so komplex wie z.B. Throne of Glass 2, was zum Teil aber auch an der Erzählart liegt, die sehr einfach und schlicht gehalten ist.
Trotz dieser ruhigen Art zu erzählen, schafft es die Autorin den Leser wissen zu lassen, dass nicht alles so zu sein scheint, wie es ist. Eine gewisse Spannung ist während des ganzen Buches vorhanden, zum größten Teil erzeugt durch die Charaktere und ihre Handlungen, was beim lesen natürlich sehr schön und mitreißend ist.

Schreibstil

Das wichtigste in diesem Buch sind wahrscheinlich die Wörter. Sprache und Ausdruck ist in der wörtlichen Rede der Schlüssel zu allem. Ich hatte während des Lesen das Gefühl, dass Ahdieh jedes Wort, dass der Charakter von sich gibt vorher auf die Waage gelegt hat, nur um genau diese eine Handlung zu iniziieren. Die Worte sind in den meisten Fällen mit viel Bedacht gewählt und beweisen, wie wertvoll und auch gefährlich es sein kann wortgewandt zu sein. Die meisten Kämpfe in diesem Buch werden durch Worte ausgetragen und bauen eine ganze besondere Art von Spannung auf, die man mit Kämpfen einfach nicht hätte bewirken können. Mit jedem Satz schwebt die Gefahr, dass etwas ins Negative gerissen werden könnte über dem Leser und hätte mich fast ohne Fingernägel zurückgelassen.

persönliches Gefallen

Ich muss zugeben, je länger ich dieses Buch gelesen habe, desto mehr hat es mir gefallen. Am Anfang sind die Figuren noch sehr idealistisch und glatt, Shahrzad war mir überhaupt nicht sympathisch, weil sie so zornig und hasserfüllt war.
Aber das ändert sich, Shahrzad beginnt nicht mehr nur stur ihr Ziel zu verfolgen, sondern auch Dinge zu hinterfragen und versucht auf ihre Art und Weise der Sache auf die Spur zu kommen.
Außerdem wird eine kleine Dreiecksbeziehung erzeugt, die mich ein bisschen an Aspen, Maxon und America aus Selection erinnert, was aber keinesfalls schlecht ist. Und ich muss zugeben, dass ich auch in Zorn und Morgenröte dem #TeamPrinz angehöre, denn Shahrzads Jugendliebe konnte ich überhaupt nicht leiden, er ging die ganze Zeit davon aus, dass er Shahrzad retten müsste - als könnte sie das nicht selbst regeln.
Diese Art von orientalischen, bzw. morgenländischen Geschichten ist ganz neu in meinem Regal, aber sie ist es auf jeden Fall wert. Zum einen hat man immer dieses heiße Sommerfeeling, wenn man sie liest - was im Winter einfach super ist - zum anderen ist die Welt so überwältigend anders und neu und toll und einfach genial, dass ich sowohl Elias & Leia - die Herrschaft der Masken, als auch Zorn und Morgenröte nicht mehr aus der Hand legen konnte.
Nach diesem Buch habe ich mich gefühlt, wie von einem Sandsturm überrannt und das liebe ich. Wenn ein Buch jemanden so aus den Socken heben kann, ist das wir Urlaub in einem fernen Land.
Mir hat auch gefallen, wie Adieh die Waage zwischen Sprache und Kampf gehalten hat, dass Worte so viel bewirken können wird super umgesetzt und es gibt keinerlei Gewaltverherrlichung, wie es oft in Jugendbüchern heutzutage vorkommt.
Dieses Buch regt zum Nachdenken an und beweist wie mächtig Worte sein können und wie wichtig es ist, dass wir das auch auf unser Leben heute beziehen.

Von mir bekommt Zorn und Morgenröte 5 von 5 Sternen, weil es eine wunderbare Message hat und ein Buch ist, dass jeder lesen sollte!

Ich hoffe, euch hat die Rezension gefallen und ihr wollt jetzt alle dieses Buch lesen.