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Veröffentlicht am 12.04.2021

Jahreshighlight!

What if we Stay
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Hauptperson und Erzählerin des Buches ist Amber – eine junge Frau, die in Toronto Architektur studiert, weil ihre Eltern das so von ihr wollen. Amber hat keinen Spaß an diesem Studium, hängt sich nicht ...

Hauptperson und Erzählerin des Buches ist Amber – eine junge Frau, die in Toronto Architektur studiert, weil ihre Eltern das so von ihr wollen. Amber hat keinen Spaß an diesem Studium, hängt sich nicht rein und besteht alle Prüfungen erst im Drittversuch. Sonst geht sie viel feiern und hat One-Night-Stands. Amber startet nicht gerade als sympathische Figur, sie ist sich ihres Privilegs ihres Studiums nicht wirklich bewusst – oder verdrängt es wohl eher – und steckt Menschen mit Vorliebe in Schubladen. Sie ist in der elitären Welt ihrer Eltern aufgewachsen, die wahnsinnig erfolgreiche Architekten sind und Ambers Vorurteile in der Vergangenheit nur bestätigt haben. Die Beziehung zwischen Amber und ihren Eltern ist bestenfalls als angespannt zu beschreiben, es stehen eine Menge Dinge zwischen ihnen, über die nie geredet wurde, nur langsam vor sich hin köcheln und die Beziehung weiter erschweren. An einigen Stellen hätte ich gerne etwas mehr über die Entwicklung der Beziehung zwischen Amber und ihren Eltern gelesen, in Teilen des Buches schien sie fast zu verschwinden, was ich Schade fand. Allerdings hat Amber auch keine Ambitionen gehabt diese Beziehung zu kitten, weswegen ich das nicht wahnsinnig gravierend finde.

Auch wenn Amber zu Beginn sehr oberflächlich und ignorant ist, ist sie mir bald darauf ans Herz gewachsen, weil sie ein tief verwundeter Mensch ist, die nie die Unterstützung erfahren hat, die sie gebraucht hätte und lernte durch Mauern und Abwehrmechanismen mit ihrem Schmerz umzugehen. Amber taut im Verlauf des Buches natürlich auf, sie ist sich jederzeit bewusst, wie fies sie ist und hat deswegen auch ein schlechtes Gewissen. Das hat ihr Verhalten für mich um einiges besser gemacht, weil sie reflektiert genug war, das zu erkennen und nur nicht wusste, wie sie sonst durchs Leben gehen soll.

Dann kommt Emmett ins Spiel. Emmett lernt man bereits in What if we Drown als Lauries Mitbewohner kennen und er ist der nette Mensch, der einem am ersten Vorlesungstag die Räume zeigt und Fragen beantwortet. Amber hat ihn allerdings sehr schnell in die Schublade „Schnösel/Schleimer“ eingeordnet, weil er sich in sein Studium reinhängt. Damit liegt sich natürlich völlig falsch, braucht aber eine Weile um das zu erkennen. Was ich an Emmett sehr geliebt habe ist, dass er nicht auf sich herumtrampeln lässt – auch nicht von Amber -, aber gleichzeitig auch nicht fies wird. Er zieht sich zurück und zeigt die kalte Schulter, ist aber auch bereit zu helfen, wenn er darum gebeten wird. Emmet ist der Good Guy, den ich gerne öfter in Büchern lesen würde. Er ist manchmal sozial etwas unbeholfen, immer für seine Freunde da, hat das Herz am rechten Fleck und ist unglaublich engagiert.

HANDLUNG & AWARENESS
Die Handlung des Buches konnte mich zwischendrin immer wieder überraschen, Sarah Sprinz ist den Klischeefallen ausgewichen und hat eine wunderbar berührende Geschichte geschrieben, die vor allem darauf fokussiert Fehler einzugestehen und aufzuarbeiten. Amber fragt Emmett bei einem Projekt um Hilfe, dass sie gezwungenermaßen im Architekturbüro ihrer Eltern aufgehalst bekommt. Zu Beginn nutzt sie ihn dabei völlig aus – gibt seine Arbeit als ihre aus und fühlt sich dementsprechend auch schlecht. Emmett ist sich dessen aber bewusst und sieht das als eine Chance für sich Erfahrung zu sammeln, ohne direkt selbst vor den Richtern zu stehen. Je näher sich die beiden dadurch allerdings kommen, desto mehr lernt Amber von Emmett und die Entwicklung dieser ungleichen Freundschaft zu etwas ausgeglichenem und warmen war wunderschön zu lesen.

Der Spannungsbogen war wunderbar angenehm zu lesen, zwischenzeitlich lebte ich gemeinsam mit den Figuren in einer kleinen glücklichen Blase, ehe die Autorin die Spannung bis zur letzten Seite ausgereizt hat. Eine Entwicklung hat mich auch eiskalt erwischt, aber es hat mir richtig gut gefallen und wenn ihr an dem Teil im Buch angekommen seid, würde es mich sehr interessieren was ihr davon haltet.

Zudem hat mich wirklich überrascht, wie deutlich Amber im Buch zu Themen wie z.B. sexueller Belästigung und toxischer Männlichkeit wurde. In einigen Gesprächen hat sie ganz klar Stellung bezogen und Dinge angesprochen, die sonst schnell mit „ist halt so“ und „mit dir läuft etwas falsch“ abgespeist werden. Ich fand es großartig, dass die Autorin das im Buch mit eingebunden hat, selten habe ich davon so deutlich in der Fiktion gelesen und ich bin stark dafür, dass sowas öfter gemacht wird. Bücher prägen ihre Leser:innen immerhin und wenn diese gleich vermitteln, dass bestimmtes Verhalten einfach nicht okay ist, kann das ganz viel verändern.

Ein weiteres Highlight war der Schauplatz Vancouver. Amber kommt nicht ganz so viel herum wie Laurie, weil sie nicht diese Art von Sport und Hobby hat, aber dafür lernte man durch sie und ihr Studium einiges über die sozialen Schichten in Vancouver und besonders die Mentalität der Studierenden fand ich sehr gut dargestellt. Amber kämpft mit ihrem Studium, ist sich nicht sicher, ob sie das jemals beruflich machen möchte und muss entscheiden ob sie sich durchbeißen will oder nicht. Ihre Entwicklung in diesem Bereich fand ich wunderbar und hoffe sehr, dass in Zukunft noch mehr Romane mit College-Setting so ehrlich sein können, wie dieses hier, wo auch der Kampf und Leistungsdruck des Studiums aufgegriffen wird.

Schlussendlich kann ich nur sagen, dass Sarah Sprinz sich mit dieser Trilogie einen Platz in mein Herz geschrieben hat. Ich liebe es welchen Tiefgang sie in das Genre bringt, wie lebendig ihre Figuren und Settings sind und welche Themen sie aufgreift. Die University-of-British-Columbia-Reihe findet für mich einfach die perfekte Balance zwischen den Tropes von NA Romance, die ich liebe und den wahnsinnig wichtigen Themen, die dieses Subgenre zu etwas ganz Besonderem und Prägendem machen.

FAZIT
Dieses Buch hat alles mit mir gemacht. Ich habe gelacht und gelitten, mit Am & Em mitgefiebert, sie angefeuert und im Gegenzug eine wunderbare Geschichte bekommen, die mein Herz berührt hat.

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 21.01.2021

Eines der wichigsten Bücher aus 2020

Ich bin Linus
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Wenn ich ehrlich bin, dann weiß ich gar nicht, wie ich dieses Hörbuch in Worte fassen soll. Es ist wahnsinnig dicht an Themen und Aspekten, Zwischentönen und Nuancen. Ich habe so viel gelernt, dass ich ...

Wenn ich ehrlich bin, dann weiß ich gar nicht, wie ich dieses Hörbuch in Worte fassen soll. Es ist wahnsinnig dicht an Themen und Aspekten, Zwischentönen und Nuancen. Ich habe so viel gelernt, dass ich da noch lange drüber nachdenken werde und mir bestimmt die ein oder andere Realisation noch bevor stehen wird. Es ist komplex und das auf eine Weise, die ich gar nicht in Worte fassen kann. Eigentlich kann ich nur ausdrücken: Lest es, bitte. Oder hört es. Lasst es euch vorlesen, besprecht es in einem Lesekreis oder Buchclub, redet mit anderen Menschen darüber. Für mich ist es eines der wichtigsten Bücher, das ich in 2020 lesen durfte.

Weil das aber eine sehr kurze Rezension wäre, gibt es hier noch ein paar Gedanken zu einzelnen Themenbereichen des Buches.

GENDERROLLEN AUFBRECHEN
Im Laufe der Wochen, wo mich dieses Hörbuch durch mein Leben begleitete, habe ich wahnsinnig viel gelernt. Und zwar nicht nur über die Realität als trans Mann, sondern auch über Sexualität, Bürokratie und echte Freundschaft. In fast 40 Kapiteln deckt Linus jedes mir erdenkliche Thema ab und gibt einen guten Einstieg in den Diskurs und zeigt Lebensrealität auf. Besonders beeindruckt hat mich dabei, wie ehrlich er in Bezug auf die emotionale Reise war – etwas sehr Persönliches hat er für die Welt in Worte gefasst und niemals unter den Tisch fallen lassen, was seine Transition oder die Reaktionen anderer mit ihm machten. Das anhaltende Schwarz-Weiß-Denken unserer Gesellschaft hält uns immer noch davon ab, Geschlechterrollen aufzuspalten und queeren, gender-nonconforming und trans Menschen einen Platz zu bieten. Was – wie Linus auch immer wieder bespricht – auch seine Reise erschwert hat. Zweifel, der Wunsch dazu zu gehören, als das Geschlecht gelesen zu werden, als das man sich fühlt, ganz ohne das Herumeiern, sobald es intimer wird. Denn etwas so scheinbar simples wie Toiletten und Umkleideräume können für eine queere Person zu einem Problem werden und unangenehme Situationen herbeiführen. (Deswegen – geschlechtsneutrale Toiletten und Umkleideräume, bitte.) Als Linus von seiner Kindheit sprach und wie gerne er die Kleidung seines großen Bruders trug, konnte ich mitfühlen. Als es darum ging, wie fremd er sich seinem Körper in der Pubertät fühlte, konnte ich mitfühlen. Einer der größten Gewinne dieses Buches war für mich, wie sehr Linus mich mit seinen Beispielen und seiner Offenheit mitfühlen lassen konnte. Dass diese emotionale Verbindung meinerseits geklappt hat, hätte ich niemals erwartet. Aber das macht dieses Buch, diese Geschichte, unter anderem Besonders. Linus kann mit einfachen Worten und Beispielen komplexe Themen einem nahebringen.

DIGITALE GEWALT
Einige Kapitel haben sich in meinem Kopf besonders festgesetzt und sie haben fast alle etwas mit digitaler Gewalt zu tun. Linus geht sehr offen damit um, dass er Hass auf Social Media erfahren hat, der ihm dann buchstäblich bis nach Haus und auf die Arbeit gefolgt ist. Linus wurde gestalked und belästigt – Zuhause, an seinem Arbeitsplatz, im Internet. Und bis heute gibt es kein sicheres Verfahren wie damit strafrechtlich umgegangen wird. Von den emotionalen Folgen mal ganz abgesehen. Obwohl mir diese Seite von Social Media und wie weit es gehen kann, irgendwo bewusst ist, „kenne“ ich niemanden, dem das schon passiert ist. Von Linus im Details so viel darüber zu erfahren, war heftig. Aber Fakt ist einfach, dass, wenn man es nicht selbst erlebt hat, man sich die Ausmaße von Hass – ob nun online oder offline – nicht ausmalen kann und zu hören, was Linus alles erleben musste, hat mich stark mitgenommen. Seine Geschichte ist real und nicht fiktional und gerade das hat es in vielen Momenten noch erschreckender gemacht.

FAZIT
Ich bin Linus hat mich in diesem Jahr bereichert, mir Einblick in Dinge gegeben, nach denen ich mich nie getraut hätte zu fragen und unendlich viel Wissen in meinem Kopf katapultiert. Linus seine Geschichte selbst erzählen zu hören, war fantastisch und ich bewundere ihn als Mensch für seinen Mut, das alles der Welt mitzuteilen. Es ist ein Buch, das viel verändern kann und trans Menschen, gender-nonconforming und queeren Menschen Türen und Herzen öffnet.

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 13.04.2020

Ein Jahreshighlight!

Feeling Close to You
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QUEEN TEAGAN

Ich habe in diesem Buch eine neue Lieblingsprotagonistin gefunden: Teagan Ramona aka TRGame. Teagan ist schlagfertig, lässt sich nicht unterkriegen und setzt sich selbst als erste Priorität. ...

QUEEN TEAGAN

Ich habe in diesem Buch eine neue Lieblingsprotagonistin gefunden: Teagan Ramona aka TRGame. Teagan ist schlagfertig, lässt sich nicht unterkriegen und setzt sich selbst als erste Priorität. Sie ist die unabhängige, selbstständige und starke Protagonistin die dieses Genre braucht, um gegen die Klischeevorwürfe zu bestehen. Sie macht ihre Entscheidungen nicht von einem Typen abhängig oder von schlechten Erinnerungen. Teagan ist schlichtweg cool. Sie lässt keinen Scheiß mit sich machen, schlägt zurück, wenn es sein muss und hat so eine coole, unkomplizierte Art, dass ich sie sofort als beste Freundin nehmen würde, wenn ich könnte. Außerdem ist sie witzig, ich habe während des Lesens ganz oft ein breites Grinsen im Gesicht gehabt, weil Teagan mit nichts hinterm Berg hält und einfach die besten Retourkutschen gibt. Ich bin absolut verliebt in Teagan und kann euch allein wegen ihr das Buch nur ans Herz legen.

Der große Aufhänger des Buches ist, dass Teagan, als relativ kleine Gamerin, den sehr bekannten Parker in einem Videospiel gnadenlos besiegt – wiederholt. Parker kann das natürlich nicht auf sich sitzen lassen und stellt Nachforschungen an und trifft dadurch auf Teagan, die genug vom künstlichen Drama der Menschen um sie herum hat, sich durch die Streams das Geld fürs College verdienen will und gleichzeitig etwas Dampf ablassen kann. Für ihre Ziele setzt sich sie auch gegen ihren Vater durch, der eine genaue Vorstellung von der Karriere seiner Tochter hat.

Parker hat ebenfalls Kapitel für sich, etwas, das ich sehr mag, weil man dann sehen kann, warum er wie handelt und warum Dinge wie passieren. Die Autorin hat einen tollen Job dabei gemacht zwei greifbare Protagonisten zu schreiben, die die falschen Dinge aus den richtigen Gründen tun. Wenn ich jemandem aus diesem Buch eine Umarmung und gleich danach eine Kopfnuss geben müsste, dann wäre es Parker. Seine Kapitel bestechen auch durch die Chaos-WG, die Anabelle schon in ihrer Blogtour näher vorgestellt hat und die absolut genial ist. Außerdem habe ich mich in den Ort von Parkers College verliebt – Pensacola, Florida. Da würde ich auch gerne studieren. Es ist also das Rundum-Paket, das mich bei diesen Figuren überzeugt hat, da stimmte einfach alles für mich.

GAMING & STUFF

Das große Thema dieses Buches ist – neben der Liebesgeschichte – das Gaming. Beide Protagonistin spielen für ihr Leben gerne Videospiele und das wird im Buch auch in ganzer Weise zelebriert und gezeigt. Meine Videospielerfahrung begrenzt sich auf eine sehr stressige halbe Stunde Star Wars – Knights of the Old Republic und viele Stunden Super Tux, sonst bin ich sehr zufrieden damit zuzugucken. Ich habe meinem Bruder in der Grundschule sehr viel beim Videospielen zugeschaut und zähle diese Abende immer noch zu meinen liebsten Kindheitserinnerungen – wir haben die Spiele dann, so weit es ging, auch in die Realität übernommen und uns stundenlange Kämpfe mit Laserschwertern, die eigentlich Holzstöcke waren, geliefert. (Falls sich schon mal jemand gefragt hat, wo meine liebe zu Star Wars herkommt – daher.) In Büchern kannte ich das Thema bisher gar nicht. Deswegen war ich auch etwas skeptisch, ob sich das Gefühl gut ins Schriftliche übertragen lässt und – HELL YES! Ich habe die Videospielsequenzen im Buch geliebt! Ich habe mich super gut zurecht gefunden und auch ohne die Spiele zu kennen, habe ich mitgefiebert und mir alles gut vorstellen können. Wer die absolut beste Erfahrung haben will, kann sich natürlich Lets-Plays auf Youtube oder Twitch angucken – was ich auch getan habe – aber es funktioniert auch sehr gut ohne.

Teagan und Parkers Beziehung findet zu einem großen Teil online statt, weswegen es viele Chatverläufe im Buch gibt. Diese Chats sind witzig, auf den Punkt gebracht und geben trotz fehlender „sie sagte zögernd /er sagte grinsend“-Angaben ein ziemlich gutes, wenn nicht sogar besseres Bild vom Charakter der beiden ab. Das Geplänkel von Teagan & Parker fand ich wunderbar, es hat die Stimmung des Buches so sehr gehoben und Parkers exzessiver Gebrauch von Emojis hat eine ganz neue Dimension von Witz und Charme eröffnet.

NO DRAMA, BABY

Was mich an diesem Buch nach wie vor begeistert, ist, dass es kaum künstliches Drama gibt. Die Konflikte finde ich absolut nachvollziehbar und realistisch, Parkers Probleme habe ich zu einem Teil selbst erlebt und bin mit der Handhabung des Themas vollauf zufrieden. Bei Teagan hat mir besonders gefallen, dass sie merkt, dass bei einer nicht funktionierenden Beziehung immer zwei dazu gehören und sie daraus lernt. An den Momenten, wo die Handlung hätte eskalieren können und ins überdramatische abrutschen, haben sich die Figuren besonnen und entwickelt und das finde ich großartig.

FAZIT

Feeling Close To You ist so ein tolles Wohlfühlbuch für mich geworden, wo wichtige Themen gut angesprochen werden, aber gleichzeitig die Handlung nicht übernehmen oder schwer machen, sondern wo eine gute Balance herscht. Ich kann euch das Buch in jedem Aspekt – dem Schreibstil, der Handlung und natürlich den Figuren – ans Herz legen, es ist ganz schnell und zielstrebig an die Spitze meiner liebsten NA-Romane geklettert. Teagan & Parkers Geschichte ist von der ersten bis zur letzten Seite absolut perfekt und traumhaft.

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 23.09.2019

Eine nur Art von Drachen

Der Sommerdrache
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Dieses Buch ist so viel mehr, als man aus dem Klappentext erahnen kann, obwohl dieser den ersten Abschnitt des Buches sehr gut zusammen fasst. Ich bin absolut verliebt in diese Welt, die Figuren, den Konflikt. ...

Dieses Buch ist so viel mehr, als man aus dem Klappentext erahnen kann, obwohl dieser den ersten Abschnitt des Buches sehr gut zusammen fasst. Ich bin absolut verliebt in diese Welt, die Figuren, den Konflikt. Es ist so vielschichtig und komplex, dass ich wieder einmal nicht weiß, wie ich eine Rezension tippen soll, die dem gerecht wird. Ich würde es thematisch zu George R. R. Martin und Robin Hobb packen, es hat ähnliche Themen und ist genauso gut ausgearbeitet. Es kann brutal und eklig sein, witzig und gefühlsduselig. Die Welt ist nicht so schwarz und weiß, wie man zu Beginn denkt und die einzelnen Handlungsstränge sind wunderbar miteinander verwoben. Der Sommerdrache ist der Auftakt der Ewige-Gezeiten-Trilogie, aber bisher ist noch nichts über einen zweiten Teil bekannt. (Was bedeutet, dass ich einmal up-to-date mit einer Buchreihe bin, wohooo!)

Dieses Buch hat mich zuerst durch seinen Weltenbau überzeugt. Todd Lockwood schreibt unglaublich gut über Drachen, er bindet so viele verschiedene alltägliche Elemente mit ein, setzt diese so genial mit Drachen zusammen, dass einfach alles absolut logisch und glaubhaft wirkt. Dinge wie Luftströmungen, Futtergewohnheiten, Körperbau und sozialer Kontakt spielen eine Rolle, was mir niemals eingefallen wäre. Drachen sind bei ihm keine mythologischen Wesen, sondern feste Bestandteile des Ökosystems und sogar die Grundlage von Religionen. Glaube spielt in diesem Buch eine größere Rolle als erwartet, aber es ist so essentiell für die Welt und Handlung, dass ich ihn mir nicht wegdenken kann. Es gibt Priester, Kriegermönche, Extremisten und Magie, die in Form von Avar, Erscheinungen in Drachenform auftreten und ein Spiegel der Strömungen ihrer Zeit sein sollen. Die Religion der Drachenhoheit Korruzon hat eine Möglichkeit entwickelt eine geistige Verbindung zwischen einem Drachen und einem Menschen herzustellen, welche durch Tattoos gefestigt wird. Wer einmal dieses Prozess durchlaufen hat ist in der Lage besser mit seinem Drachen zu arbeiten, es entwickelt sich leichter eine Freundschaft und gegenseitiges Verständnis. Diese Verbindung war unglaublich spannend, denn je nachdem, wie tief sich der Mensch darauf einlassen kann, desto wirkungsvoller arbeiten Drache und Mensch als Team.

Das Land Gurvaan, in dem Maia lebt, befindet sich im Krieg mit dem Nachbarland Harodh, einem Volk bleicher Menschen, die für diesen Krieg unvorstellbare Dinge tun. Sie haben eine Art Zauber erschaffen, der Menschen und Drachen in verbrannte Kampfmaschinen verwandelt und es sogar erlaubt ihre Körper zu kombinieren. Diese Krieger nennt man Skraak und sie überrennen die Zuchtstätten der Drachen von Gurvaan. Ein großer Aery ist zu Beginn des Buches bereits verloren und die Harodhi scheinen sich nur dem Aery von Rita, dem von Maia, zuzuwenden.

Jemand hatte Handgelenke, Beine, Schwingen und einen Torso an dieses Gestell geschnallt. Im oberen menschlichen Teil glimmte noch immer das schwache, untote, grausam grüne Licht. Der Kopf hing schlaff nach hinten, die teuflischen Augen starrten leer. Der Drache darunter war wie ein totes Gewicht zusammengesackt und zog an der unvollendeten Naht, welche beide Teile miteinander verband.
S. 590

Ich will nicht zu viel über dieses Buch verraten, weil die Entdeckungsreise der beste Teil für mich war. Maia ist eine junge Frau, die mehr sein will als ein schönes Gesicht und sich, als niemand von den Männern sich für sie einsetzt, eben selbst hilft. Maia hat ein natürliches Gespür für Drachen, eine Begabung und will diese nutzen. Sie begibt sich auf die Suche nach einem Drachenküken und entdeckt dabei in einem nahe gelegenen Berg eine Gruppe feindlicher Spione. Auf der Flucht durch diesen Berg stolpert sie über die Reste einer Zivilisation, von der sehr wenig bekannt ist. In eine heftige Verfolgungsjagd verwickelt bleibt Maia kaum Zeit, sich Gedanken über diese Zivilisation zu machen, aber das ausgeprägte Höhlenlabyrinth, dass offenbar mehr als einer Drachenhoheit gewidmet ist, bringt viele Geheimnisse, bei denen es mir unter den Fingernägeln brannte, sie zu erforschen. Dieser Teil war so spannend und nervenaufreibend, dass ich ganz angespannt auf meinem Sitz im Reisebus hockte und mich bewusst aus der Handlung holen musste, weil sie so einen starken Sog entwickelte. Maja ist sehr einfallsreich und zielstrebig, sie ist vorsichtig und überlegt, eine Heldin ganz nach meinem Geschmack. Ich war im ganzen Buch nicht einmal wegen ihr frustriert, diesen Teil haben die männlichen Figuren übernommen. Mit ihrer Aktion tritt Maia eine Revolution los, etwas, das sie nie gewollt hatte, aber nicht verhindern kann. Sie gerät zwischen die Mühlräder von Politik und Religion, Glaube und Wissen und dabei wollte sie doch nur endlich ein eigenes Drachenküken. Maia entwickelt einen Katniss-Everdeen-Effekt, was ich unglaublich spannend finde. Sie wird zum Symbol einer Sache, ohne es zu wollen oder zu provozieren und es wird mehr in ihre Handlungen hineininterpretiert, als sie sich dabei gedacht hat und passiert ist. Der schiere männliche Unglauben, dass eine junge Frau recht haben könnte stand dabei vielen Figuren im Weg. Die Beziehung zwischen Aktion und Reaktion ist wahnsinnig spannend und komplex, ich bin sehr gespannt, wie sich das in den folgenden Büchern noch entwickeln wird.

Ich würde nicht länger untätig darauf warten, dass Mabir, Bellua oder Vater alles ins Lot brachten.
S. 127

Apropos Drachenküken: Alle Tierbabys sind süß, aber Drachenküken setzen dem nochmal die Krone auf. Durch ihre ausgeprägten kommunikativen Fähigkeiten sind Drachenküken neugierig, abenteuerlustig und zutraulich. Am liebsten hätte ich durch die Seiten des Buches gegriffen und mir selber eins ausgesucht. Wenn ich vor lauter Spannung nicht fast gestorben bin, war ich von den Drachen total entzückt, es wurde einfach nie langweilig mit ihnen. Ein Drachenküken beispielsweise, ist beim erlernen der Befehlsworte etwas langsam gewesen und war schlussendlich von seinem Lernerfolg für das Wort für Huhn – Bak Bak – so stolz, dass es nur noch dieses Wort benutzt hat und sein Spitzname Bak Bak wurde. Andere Drachen haben es so gerufen und die Reaktion des Besitzers war einfach göttlich. „Du hast aus meinem Drachen ein Huhn gemacht!“ (S. 328)

Das Buch besticht zwar auch durch seine tolle Darstellung von Drachen, aber für mich waren auch die familiären Bande wichtig, die hier eine Rolle spielen. Maias Familie besteht seit dem Tod ihrer Mutter aus ihr, ihrem Vater, ihrem großen Bruder Tauman, seiner Frau Jhem und ihrem minimal älterem Bruder Darian. Jhem und Maia verbindet eine tolle Beziehung, sie unterstützen sich auf eine Art und Weise, wie es nichtmal Maias Brüder tun. Maia leidet etwas unter ihrem Bruder Darian, der sie immer dumm dastehen lässt und bevorzugt wird. Der unterschwellige Sexismus, dem Maia im Buch gegenüber steht, ist von Mikroaggressionen und Verunsicherung gespeist und wird durch die religiösen Vertreter nur gefördert. Maia kämpft dagegen an, nimmt kein Blatt vor den Mund und spricht falsche Verhaltensweisen offen an. Ich hätte gerne ganz oft applaudiert, so großartig war es, wie Maia die Verhaltensweisen in verständliche Worte gefasst hat und auf Missstände aufmerksam gemacht. Eine Sache hätte für mich in diesem Buch nicht sein müssen: Die Liebesgeschichte. Maia selber hat keinerlei Gedanken in diese Richtung verschwendet, dazu war ihr Zuhause zu sehr in Gefahr. Die Aufmerksamkeit, die sie bekam war nicht immer positiver Natur, aber ich fand es unnötig ihre Schönheit dafür verantwortlich zu machen. Maia kann auch durch ihre Intelligenz und Charaktereigenschaften anziehend sein. Dazu muss ich aber auch sagen, dass der Fokus auf ihr Aussehen immer von den männlichen Figuren ausging und Maia selber sich nicht darüber definiert hat.

Zuletzt muss ich noch erwähnen, dass der Autor ein sehr talentierter Zeichner ist. Er hat für Dungeons & Dragons designt und für andere Autoren gezeichnet, beispielsweise für Marie Brennan, die Lady Trends Memoiren geschrieben hat. Nicht nur hat Todd Lockwood das Cover selbst designt, er hat auch für das Buch bis zu 12 Zeichnungen angefertigt, die in den Kapiteln verstreut sind. Das hat manchen Szenen mehr Gestalt verliehen, als mir lieb ist, war aber dennoch einfach unglaublich cool. Bisher ist Der Sommerdrache ein Jahreshighlight für mich und ich freue mich sehr ein so fantastisches Drachenbuch gefunden zu haben.

Veröffentlicht am 28.10.2017

Romantisch, Witzig und Wichtig

Berühre mich. Nicht.
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"Berühre Mich. Nicht" erzählt die Geschichte von Sage, einem Mädchen, das eigentlich ganz normal ist. Sie liebt Halloween, Serienabende und verkauft Schmuck auf Etsy. Wie so viele andere Roman-Heldinnen ...

"Berühre Mich. Nicht" erzählt die Geschichte von Sage, einem Mädchen, das eigentlich ganz normal ist. Sie liebt Halloween, Serienabende und verkauft Schmuck auf Etsy. Wie so viele andere Roman-Heldinnen vor ihr, beginnt auch Sage ihr erstes Jahr am College, weit weg von ihrem Zuhause. Aber Sage ist knapp bei Kasse, lebt in ihrem Auto und hat Angst vor Männern. Sie schleicht sich in die Studentenwohnheime, um Duschen zu können, muss jeden Dollar zweimal umdrehen und braucht dringend einen Job. Und als sie dann einen Job ergattert, entpuppt sich ihr Arbeitskollege als großer, durchtrainierter, tätowierter Kerl. Der Inbegriff all ihrer Ängste. Luca.

Kommen wir mal zuerst zu den Basics: Der Schreibstil ist super, ich habe während des Lesens festgestellt, dass man nicht durchhetzten darf. Also nehmt euch am besten Zeit – zum Beispiel an einem Wochenende, macht euch eine Tasse Tee oder Kakao und genießt jedes Wort. Laura Kneidls Schreibstil mag auf den ersten Blick simpel erscheinen, aber mit dem richtigen Lesetempo entfaltet er eine bildgewaltige Wirkung.

Der Handlungsverlauf dieses Buches weicht auch ein wenig von dem anderer bekannter Romane ab, denn der männliche und weibliche Protagonist haben einen etwas schwierigen Start und verlieben sich nicht beim ersten Anblick in einander. Es ist ein langsamer, gefühlvoller Prozess, der viel mit Vertrauen und Freundschaft zu tun hat. Mir hat das wahnsinnig gut gefallen, denn so entsteht nicht der Eindruck, dass die körperliche Anziehung die treibende Kraft hinter der Beziehung ist, sondern sie wirklich einander als Personen zu schätzen wissen. Und dass sie sich dann auch noch gegenseitig scharf/heiß/begehrenswert finden, ist natürlich ein toller Bonus.

Ich war während des Lesens sehr überrascht, aber auch beeindruckt, dass Sage zwar die Geschichte einer jeden anderen NA-Heldin hat, sie aber mit dieser Vergangenheit viel stärker zu kämpfen hat. Oft werden diese schlimmen Geschehnisse im Leben der Hauptfiguren schnell wieder abgeschüttelt, aber Sage kann das nicht.

Das Buch, dass Laura Kneidls geschrieben hat, ist fokussiert auf den Punkt Mental Health – oder besser Mental Illness. Sage weiß um ihren Zustand, um ihre Phobie. Und doch kommt sie allein nicht dagegen an.

So schwierige dieses Thema auch ist, so gut hat Laura Kneidl es mit den Aspekten eines normalen New-Adult-Romans vereinbart. Obwohl ihre Phobie Sage täglich begleitet, lebt sie das ganz normale Leben einer College-Studentin: Sie geht auf Partys, lernt süße Jungs kennen, erlebt dieses wilde Kribbeln und findet wirklich gute Freunde.

Und nebenbei ist sie auch noch eine tolle Person. Ich hatte viel mehr Gemeinsamkeiten mit Sage, als ich erwartet hatte. Sie ist ein bodenständiger, vorsichtiger, aber auch witziger und frecher Mensch und wird euer Leser-Herz im Sturm erobern.

Außerdem ist Sage stark. Denn sie kämpft gegen ihre Phobie an und damit zeigt Laura Kneidl mal einen ganz neuen Weg in der Geschichte von NA-Romanen. Denn die Heldin kämpft für sich selber, sucht sich Hilfe und braucht nicht irgendeinen dahergelaufenen Märchenprinzen, der sie durch seine Liebe „heilt“. Sage ist ihr eigener Retter.

Ich kann „Berühre Mich. Nicht“ nur empfehlen! Und weiter will ich nicht auf die Handlung eingehen, damit ihr sie genauso unberührt lesen könnt, wie ich es konnte.

  • Cover
  • Dramaturgie
  • Figuren
  • Gefühl
  • Geschichte