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Veröffentlicht am 21.01.2021

Authentisch & Spannend

What I Like About You
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Halles Buchbloggerinnendasein fand ich großartig, selten fühle ich mich in diesem speziellen Bereich meines Lebens so verstanden. Halles Freuden und Schwierigkeiten mit dem Bloggen waren realistisch dargestellt ...

Halles Buchbloggerinnendasein fand ich großartig, selten fühle ich mich in diesem speziellen Bereich meines Lebens so verstanden. Halles Freuden und Schwierigkeiten mit dem Bloggen waren realistisch dargestellt und haben mich sehr an meine eigenen Erfahrungen und Beobachtungen erinnert.

EHRLICH UND AUTHENTISCH
Der Aufhängepunkt dieses Buches – die Dreiecksbeziehung zwischen Halle, Nash und „Kels“ – ist aus einem Moment heraus geboren, den ich nur allzu gut nachvollziehen kann: Sprachlosigkeit, Unsicherheit, Überwältigung. Halle begeht einen Fehler und erzählt Nash nicht sofort die Wahrheit, findet sich dann aber plötzlich in seiner Freundesgruppe wieder und es wird immer schwerer und merkwürdiger ihre Online-Identität zu enthüllen.

Dieses Freundesgruppe fand ich besonders toll – sie waren unterstützend, witzig, scheuten sich nicht die Wahrheit zu sagen und haben Halle geholfen, sich zu integrieren. Etwas, womit Halle zunehmend Schwierigkeiten hat, weil sie kaum länger als ein Jahr an einem Ort blieb bisher und sich online einfacher Beziehungen pflegen ließen – die unabhängig von Ort und Zeit waren.

Zum Integrieren gehörte auch Halles Religion dazu: Halle und ihre Familie sind Juden und diese Repräsentation habe ich bisher selten so präsent gelesen. Halle und ihr Bruder, der ebenfalls mit bei ihrem Opa lebt, haben ihre Religion kaum praktiziert, weil sie nie lange an einem Ort blieben, um sich einer Glaubensgemeinschaft anzuschließen. Durch ihren Opa und Nash Freundesgruppe nehmen sie am religiösen Leben wieder mehr teil und das fand ich wunderschön.

HELLO, OTHER ME!
Halles Verhalten ist nicht ohne Fehler, aber es ist auf eine, für mich, sehr nachvollziehbare Art geschrieben worden. Halles Schwierigkeiten sich zu erklären, ihre Unfähigkeit manchmal die richtigen Worte zu finden, kenne ich sehr gut. Halle macht sich viele ihrer Probleme im Kopf, sie zerdenkt viel und steckt oft in „Was, wäre wenn“-Gedankengängen fest, was sie für mich nur noch nachvollziehbarer machte. Ihre Gedanken und Ängste wurden für mich manchmal so greifbar, dass ich Minuten brauchte, ehe ich wieder in meiner eigenen Realität angekommen war.

Zusätzlich zu der verzwickten Situation mit Nash, trauert Halle auch um ihre Oma, ein Prozess, der mir sehr nah ging. Halle und ihre Familie helfen sich gegenseitig durch diese Trauer und das zu lesen, war einfach nur wunderschön. Halles Oma hat immer viel gebacken, etwas, das Halle übernommen hat, was eine schmerzhafte, aber auch wundervolle Verbindung zwischen ihnen geschaffen hat.

FAZIT
Das Buch hat für mich einfach überall die richtigen Haken gesetzt. Halles Leidenschaften, ihre Fehler, ihre Charakterentwicklung. Zusätzlich habe ich mich in dieser Welt super wohl gefühlt und würde gerne mal die Bäckerei besuchen, in der sie arbeitet. Ich konnte Halles Empfindungen und Entscheidungen in so vielen Dingen nachvollziehen, das ich ihr gerne durch dieses Buch gefolgt bin.

"What I like about you" hat mich für einige Tage in einen Strudel aus Emotionen gerissen, den ich so nicht erwartet habe. Aber genau das macht das Buch für mich so besonders.

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 21.01.2021

Schöner Reihenauftakt

Midnight Chronicles - Schattenblick
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HUNTERBUSINESS
Im Buch folgt man Roxy und Shaw gleichermaßen. Sie sind beide Erzähler und halten sich in ihrem Charakter sehr schön die Balance. Roxy ist eine sehr verschlossene Person, die nicht gut nach ...

HUNTERBUSINESS
Im Buch folgt man Roxy und Shaw gleichermaßen. Sie sind beide Erzähler und halten sich in ihrem Charakter sehr schön die Balance. Roxy ist eine sehr verschlossene Person, die nicht gut nach Hilfe fragen kann und ein großes Verantwortungsbewusstsein hat. Dementsprechend schwer fiel es mir in ihren Kapiteln zu versinken, die Leseerfahrung war genauso auf Distanz gehalten, wie Roxy mit Menschen umgeht. Shaw ist da schon wesentlich offener, hauptsächlich deswegen, weil er keine Erinnerungen hat, die er verbergen will, keine Last, die er mit sich herumschleppt. (Außer der Offensichtlichen, dass ihn offenbar niemand zu vermissen scheint.) Shaw hat die Stimmung des Buches wesentlich aufgeheitert, er ist der Gegenpol zu Roxys eher schweren Geschichte und hat auch den ein oder anderen frechen Kommentar parat gehabt. Genauso wie er für die Leser ein Quell steter Freude ist, ist er das auch für Roxy – und für ihr ein oder anderes Augenrollen ist er auch verantwortlich.

Die Liebesgeschichte, die sich zwischen Roxy und Shaw anbahnt verläuft erstaunlich ruhig und langsam. Zwar können beide die Attraktivität des anderen nicht verneinen, dennoch entwickelt sich ihre Beziehung erst durch ihre gesteigerte Zusammenarbeit, was ich sehr angenehm finde. Die Liebesgeschichte wird nicht auf Teufel komm raus losgetreten, sondern entwickelt sich sehr natürlich und man merkt, dass sich Roxy und Shaw erst kennenlernen, bevor etwas passiert. Für Leser:innen, die Slowburn mögen ist das genau die richtige Liebesgeschichte und ich fand sie zur Abwechslung auch richtig schön und gut geschrieben.

Was auch immer das zwischen uns beiden war, ich hatte keine Zeit dafür. Zumindest nicht jetzt. Und wahrscheinlich auch danach nicht.

S. 235
DETAILS, WIE ICH SIE LIEBE
Was mich an diesem Buch am meisten begeistert hat, war der Weltenbau. Es wird sich richtig viel Zeit genommen, um die Welt der Hunter zu erklären, Routinen zu zeigen, Charaktere besser kennenzulernen und einfach ein Gefühl für die Welt zu bekommen. Die Leser:innen begleiten Roxy und ihren Kampfpartner bei den nächtlichen Patrouillen, im Kampftraining, der Recherche und den sozialen Kontakten. Es bildet sich auf den ersten 250 Seiten eine richtige Gemeinschaft, die verfolgt wird und wo man sich wohl fühlt. Ich habe mich im Hauptquartier sehr Zuhause gefühlt, würde am liebsten mal in der Bibliothek stöbern und Ingrid, der Ärztin, beim Zusammenflicken der Hunter über die Schulter blicken.

Dadurch, das sich so viel Zeit genommen wurde, um die Hunter und ihre Aufgaben vorzustellen, passiert auch relativ lange wenig Nennenswertes. Roxy jagt ihre Geister, geht kleinsten Hinweisen nach, aber es dauerte lange bis sich ein Gefühl von Handlung einstellte, ein Ziel, auf das das Buch hinarbeitete. Die eigentliche Wendung fand ich sehr überraschend, obwohl sie rückblickend relativ deutlich zu erkennen ist. Bis zu diesem Punkt, wo wirklich etwas passiert und die Ereignisse beginnen sich miteinander zu verknüpfen, vergeht viel Zeit, auf die man sich einstellen sollte. Der Teil des Buches, wo es wirklich zur Sache geht, war gut, verlor für mich aber etwas an Spannung, weil sich die Autorin wieder auf ein paar altbekannten Floskeln stützte, Kampfszenen lasen sich repetitiv und der Aufbau von Szenen ähnelte sich ebenfalls sehr. Zwar ging die Handlung gut voran, aber die Abläufe und Dialoge waren häufig ähnlich im Kern, was ich ermüdend fand. Da hat die intensiver werdende Beziehung zwischen Roxy und Shaw vieles für mich gerettet, weil sie einen zweiten Fokus des Buches bildete, der ausgleichend wirkte.

FAZIT
Ich hatte mehr vom Spannungsbogen des Buches erwartet, weil das bisher immer eine der größten Stärken der Autorin gewesen war. Dennoch hatte ich Spaß mit dem Buch, weil es sich in einer Ausführlichkeit dem Weltenbau widmete und das auf sehr leicht zu lesende Art. Die sich anbahnende Liebesgeschichte hat die sich langsam entwickelnde Handlung ausgeglichen, ohne gewollt zu wirken. Insgesamt ist Schattenblick ein guter Auftakt der Reihe, von dem ich mir erhoffe, dass einige Handlungsfäden in den folgenden Bänden fortgesetzt werden.

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 21.01.2021

Mutig & Offen

Forever Mine - San Teresa University
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Kate ist Modebloggerin und Kappa-Girl an der STU. Die Balance zwischen Uni, Bloggen und der Schwesternschaft ist schwer und Kate möchte nur an einem Abend ihr Image beiseite legen dürfen und nicht jeden ...

Kate ist Modebloggerin und Kappa-Girl an der STU. Die Balance zwischen Uni, Bloggen und der Schwesternschaft ist schwer und Kate möchte nur an einem Abend ihr Image beiseite legen dürfen und nicht jeden ihrer Schritte hinsichtliche ihrer öffentlichen Rolle überdenken müssen. Der One-Night-Stand mit Alec verbreitet sich durch ein unglückliches Foto allerdings über Nacht und plötzlich wird Kates Image in Frage gestellt. Sie sieht sich Hass, Neid und Sexismus gegenüber, den sie so noch nie in ihrem Leben aushalten musste.

DIE HARTE REALITÄT DER ÖFFENTLICHKEIT
Zurück an die STU zu kommen, war nur im ersten Moment wirklich sonnig. Denn sobald ich mit Lesen angefangen habe, wurde mir klar, dass der Klappentext sehr viel Handlung vorweg genommen hat. Ich begleitet Kate durch all die harten Momente in der ersten Hälfte des Buches und erst zur Hälfte kommt man am dem Punkt an, den der Klappentext verspricht: Den Einzug in die neue Wohnung mit Alec als Nachbarn. Allerdings finde ich es gut, dass man Kate von Beginn an begleitet und mitbekommt, wie die Ereignisse sich entwickeln. All diese Rückschläge sind wahnsinnig wichtig für ihre Entwicklung – und nebenbei ein spannender Kommentar zu unserer Gesellschaft – und ohne würde das Buch nicht halb so viel Wert haben.

"Forever Mine" ist nun schon das zweite Buch, dass ich innerhalb weniger Monate lese, wo es um digitale Gewalt geht. Das Thema geht mir sehr nah und ist bestimmt auch einigen Blogger:innen ein Begriff, denn sich im Internet zu bewegen und dabei eine Platform zu haben sorgt dafür, dass man dem nicht entkommen kann. Ob man nun selbst betroffen ist oder nur von anderen mitbekommt, dass sie digitale Gewalt erleben, es ist jedes Mal emotional aufwühlend. Auf dieser Eben konnte ich Kates Gedanken, Entscheidungen und Zweifel sehr gut nachvollziehen. Es ist ein sensibles Thema, das nicht oft genug besprochen wird und ich finde es toll, was die Autorin hier angerissen hat.

MEHR DAVON, BITTE!
Ein anderer ganz großer Pluspunkt war Alec: Ein offen bisexueller Mann an der STU. Alec trainiert schon sein Leben lang für Olympia und arbeitet sich zu Beginn des Buches zu einer Aufnahme in den Olympia-Kader der USA heran. Alec und sein bester Freund Dean gehen sehr offen mit ihrer Sexualität um, auch wenn das nicht immer ihre freie Entscheidung ist. Denn Schwulenfeindlichkeit und Queerfeindlichkeit gehören zu ihrem Alltag, selbst in den Reihen ihres eigenen Schwimmteams. Oftmals weisen sie dieses Verhalten mit beißendem Humor ab, aber manchmal dringt es auch zu tief vor und verletzt sie. Alec selbst ist von Kates Skandal mehr oder weniger verschont geblieben, aber er stand schon vorher stark in der Kritik, weil er ein sehr reges Sexleben hat. Alec hat seine Gründe, warum er versucht Social Media fernzubleiben, gleichzeitig ist er Kate ein guter Freund, wenn sie das zulässt.

Die Freundschaften in diesem Buch – und anderen Beziehungen – waren ebenfalls wieder große Klasse. Raelyn und April unterstützen Kate so sehr sie können und auch Dean versucht Alec, wo es nur geht den Rücken zu stärken.

Allerdings hat das Buch auch altbekannte Probleme: Handlungsstränge von Nebenfiguren werden aufgenommen und nicht zu Ende geführt, das Ende wickelt sich allgemein sehr schnell ab und hätte für meinen Geschmack noch einen Tick länger sein können, um komplett zufriedenstellend zu sein.

FAZIT
"Forever Mine" erzählt eine bewegende und gesellschaftskritische Geschichte, die aktueller nicht sein könnte. Ich habe mich erneut in den wundervollen Schreibstil und die Figuren verliebt, hätte mir nur an manchen Stellen ein bisschen mehr Detailliebe gewünscht.

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 15.05.2020

Ein guter Start, der zum Ende etwas nachlässt

Forever Free - San Teresa University
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„Lass dich nicht von etwas abhalten, das dir Spaß macht, nur weil der Rest der Welt denkt, es wäre die Mühe nicht wert.“
13. Kapitel

Das Buch fängt sehr gut an, es hat genau die Art Unterhaltung geboten, ...

„Lass dich nicht von etwas abhalten, das dir Spaß macht, nur weil der Rest der Welt denkt, es wäre die Mühe nicht wert.“
13. Kapitel

Das Buch fängt sehr gut an, es hat genau die Art Unterhaltung geboten, die ich haben wollte und wurde mit so viel Liebe zum Detail erzählt, dass es richtig Spaß machte mit Raelyn zusammen die STU zu erkunden. Ich bin auch ein großer Fan des Schreibstils geworden, weil die Seiten unter der lockeren, selbstironischen Art vorbeigeflogen sind. In der ersten Hälfte des Buches erhält man so ziemlich alles, was man sich unter dem Collegebeginn vorstellt: Vier-Bett-Zimmer und Gemeinschaftsduschen, Studentenverbindungen, Partys und Mädelsabende um über Jungs und die Kurse zu quatschen.

EINE PASSIVE PROTAGONISTIN

Raelyn ist eine sehr zurückhaltende Person, die nicht gut neue Kontakte knüpfen kann und oftmals das Gefühl hat, das Falsche zu sagen. Deswegen ist der Neuanfang am anderen Ende des Landes für sie auch alles andere als einfach, aber Raelyn braucht diese Freiheit dringend. Sie lernt Dank des Studenten-Paten-Programms die offene Kate kennen, die sie sofort unter ihre Fittiche nimmt und Raelyn in die Welt der Studentenverbindungen, Partys und gemeinschaftliche Lernabende in der Bibliothek einführt. Bald gesellt sich zu den beiden auch noch April dazu und dieses Freundinnen-Trio ist ein ganz wichtiger Teil davon, was das Buch für mich so schön gemacht hat. Später lernt Raelyn dann auf einer Party Hunter kennen, der sie mit seinen ozeanblauen Augen, langen Haaren und Musikliebe in seinen Bann schlägt.

„Ich hatte geglaubt, dass Kalifornien mich auf magische Weise verändern würde. Dass ich über Nacht plötzlich ein anderer Mensch wäre. Das war nicht der Fall. Veränderungen brauchten Zeit.“
5. Kapitel

Hunter studiert um Musikproduzent zu werden und verbringt einen Großteil seiner Kapitel in dem Tonstudio der Uni, um ein Album einer Studentenband fertig zu stellen. Seine Kapitel fand ich manchmal etwas verwirrend, weil er in seinem Kopf ganz anders klang, als Raelyn ihn wahrgenommen hat. Zudem denkt er um seine Probleme auch immer drum herum, sodass sie bis kurz vor Schluss nicht ordentlich angesprochen wurden. Auch haben mich ein paar Sätze von Hunter gestört, zum Beispiel der toxische „Das ist jetzt deine Schuld“-Spruch als er Raelyn küsst. Er füttert nur in die Misskonzeption, dass Frauen an der Unbeherrschtheit der Männer Schuld sind. Allerdings war das auch der einzige Satz, der mir in diese Richtung aufgefallen ist. (Was nicht heißen muss, dass das Buch danach frei von solchen toxischen Sätzen und Darstellungen frei bleibt, ich habe sie vielleicht nur einfach nicht wahrgenommen.) Sonst schien Hunter ein lieber Kerl zu sein, der in der Vergangenheit von seiner Ex-Freundin leider nur einen sehr schlechten Ruf verpasst bekommen hat. Ich mochte, wie sanft er mit Raelyn umgegangen ist und ihr immer die Freiheit gelassen hat, selbst die Entscheidungen zu treffen.

THE GOOD & THE NOT-SO-GOOD

Was mir an Forever Free wirklich gut gefallen hat, war mit wie viel Bedacht bestimmte Situationen angegangen wurden. Als Raeylan das erste Mal auf einer Studentenparty ist, nimmt sich eine ihrer Begleiterinnen Zeit ihr die Risiken solcher Partys zu erklären, dass man zum Beispiel seinen Drink immer selber holen sollte oder nur von einem wirklich guten Freund, dass man nie allein sein sollte etc. Ein anderes Mal steigt Raelyn das erste Mal auf ein Motorrad und die Person nimmt sich die Zeit, sie erst mit dem Gerät vertraut zu machen, bevor es los geht und bietet auch immer die Möglichkeit des Autos an. Solche Umsicht wird selten in Romanen des Genres gezeigt und ich applaudiere Kara Atkin, dass sie es hier getan hat.

Als Raelyn und Hunter sich näher kommen, rutscht der Fokus etwas mehr auf sie und als der Konflikt sich anbahnt verfolgt man beide sehr stark. Zum Ende des Buches hin hat es mich etwas enttäuscht, dass die Detailverliebtheit vom Beginn verloren ging, dass man die Freundschaft von Raelyn, Kate und April nur noch am Rande behandelt hat. Kleine Nebenhandlungen werden nicht weiter angesprochen (wie z.B. das Stechen eines großflächigen Tattoos, das in der Nachsorge sicherlich einiges erfordert). Der Fokus liegt so stark auf Raelyn und Hunter, dass all die kleinen Momente, die das Buch zuvor ausgezeichnet haben, wegfallen. Die Sprünge zwischen Kapiteln wurden sehr groß und schnell abgehandelt, was zwar für ein gewisses Tempo gesorgt hat, aber eben keine Besonderheiten mehr bereit hielt.

„Ich wusste nicht, wie ich es erklären sollte. Wie ich diesen Drang mir selbst zu entkommen, in Worte fassen sollte.“
18. Kapitel

Die Konflikte des Buches sind mit etwas Vorsicht zu genießen, einerseits, weil der um Raelyn sehr fix geklärt wurde, was durchaus passieren kann und ich als sehr angenehm empfunden habe. Andererseits wurde ein Thema zu Mental Health angeschnitten und zu meiner Enttäuschung als Plotdevice verwendet. Ich bin auch der Meinung, dass eine Triggerwarnung im Buch angebracht wäre, besonders, da immer nur angedeutet wird und erst zum Schluss ausgesprochen, was wirklich gemeint ist. Ich finde es Schade, dass die Repräsentation dadurch sehr klein gehalten wurde, kann aber auch verstehen, dass man nicht dein Eindruck erwecken wollte, als wäre eine Person nur ihre Krankheit und nichts anderes.


FAZIT

Forever Free ist ein Buch, das den Sommer in das heimische Regal holt. Voller wichtiger Botschaften, aber auch mit einigen Schönheitsfehlern ist es eine Geschichte, die einen gefangen nehmen kann und für ein paar Stunden entspannend.

  • Handlung
  • Erzählstil
  • Charaktere
  • Cover
  • Gefühl
Veröffentlicht am 23.03.2020

Ernst, hart und so wichtig

Dream Again
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VON TRÄUMEN UND REALITÄT

Ich finde, dass sich Dream Again in vielerlei Hinsicht von den restlichen Büchern der Again-Reihe unterscheidet. Es ist vom Ton und der Atmosphäre her sehr viel näher an Hope ...

VON TRÄUMEN UND REALITÄT

Ich finde, dass sich Dream Again in vielerlei Hinsicht von den restlichen Büchern der Again-Reihe unterscheidet. Es ist vom Ton und der Atmosphäre her sehr viel näher an Hope Again dran, als beispielsweise an Begin Again. Hier dreht sich viel um Zwischentöne, komplizierte Beziehungen und Jude vollführt fast das gesamte Buch einen Drahtseiltanz, um so wenig Menschen wie möglich zu verletzen.

Jude kannte man als Figur noch nicht aus den anderen Romanen, sodass ich keinerlei Erwartungen an ihren Charakter hatte. Ich fand das zur Abwechslung mal ganz nett, ich konnte sie ganz ohne Vorbehalte lieb gewinnen, obwohl Jude einem das nicht einfach macht. Sie verschließt sich nämlich vor so ziemlich allem und jedem, was allerdings in Anbetracht ihrer Position verständlich ist. Jude war als junge Schauspielerin in Los Angeles unterwegs und hatte nach einer größeren Rolle dann großes Pech, alles wovon sie träumte und wofür sie gearbeitet hat, zerfiel vor ihren Augen, und ohne ein stabiles soziales Umfeld, verlor sie auch schnell den Glauben an sich selbst. Sie ist auf eine Art gebrochen, wie es ein junger Mensch nicht sein sollte und weiß sich nur auf eine Art zu helfen: Neu anfangen. Weit weg von L.A. und der Schauspielerei. So landet sie bei ihrem Bruder Ezra, weil sie nicht die Kraft hat sich ihren Eltern zu öffnen.

Bei Ezra muss sich sich aber auch Blake stellen, dem Mann, dem sie das Herz gebrochen hat, als sie sich von ihm trennte. Nun wohnen sie plötzlich zusammen und auch, wenn Jude sich schuldig fühlt, für all den Schmerz, den sie ihm zugefügt hat, lässt sie nicht lange auf sich herum trampeln.

„Nur weil ich dich verlassen habe, gibt dir das nicht das Recht, mich wie einen Haufen Scheiße zu behandeln, Blake.“
- Dream Again

Ich fand es unglaublich stark von Jude, dass sie sich gegen Blake behauptet hat und das immer wieder. Denn diese Beziehung explodiert förmlich vor lauter Erinnerungen und Unausgesprochenem. Da sie nun auf engerem Raum zusammenleben, kommt einiges an die Oberfläche, das sie in den letzten Monaten verdrängen konnte. Dabei zeigt sich schnell, dass die Trennung nicht so simpel war, wie man annehmen möchte. Jude und Blake verbindet mehr als nur eine romantische Beziehung, sie sind auch zusammen aufgewachsen, ihre Eltern stehen sich nahe und Judes Bruder Ezra ist genauso Blakes Freund wie auch Judes. Sie waren ein eigenes goldenes Trio, ehe es in die Brüche ging. Auch wenn Jude und Blake sich gegenseitig stark verletzt haben, kennen sie einander so gut, dass sie oftmals die Einzigen sind, die die Wünsche und Träume des anderen nachvollziehen können und sich gegenseitig Halt geben. (Das müssen sie sich allerdings auch erstmal eingestehen.) Egal wie sie es anstellen, Jude und Blake kreisen nach wie vor umeinander, gebunden von Gefühlen, die weitaus mehr sind als nur romantischer Natur. Da schwirren also viele Gedanken und Emotionen in der Luft herum, was ich allerdings sehr spannend fand und gerne mag. Beziehungen jeglicher Art sind nun mal kompliziert, weil sie von so vielen Gedanken, Annahmen, Erfahrungen und Gefühlen gespeist werden und Judes & Blakes Beziehung ist sozusagen das höchste Level an „Es ist kompliziert“.

Die WG selber besteht auch noch aus Otis und Cameron, weiteren Team-Kollegen von Blake und Ezra, die ebenfalls Basketball bei den Woodshill Eagles spielen. Ich muss sagen, dass ich das WG-Leben mit am schönsten fand, es war ein lustiger Ausgleich zu der schweren Stimmung zwischen Blake und Jude. In Woodshill trifft Jude dann vermehrt auf Everly und Scott und freundet sich besonders mit Scott gut an, der sie bei ihren Yogastunden begleitet, seine Muffins mit ihr teilt und mit dem sie etwas Frust ablassen kann und Witze reißen. Ich hätte nicht gedacht, dass ich Scott mal noch so ins Herz schließen würde, weil er mir in Begin Again etwas zu sehr „over the top“ war, aber hier war er Jude ein wirklich guter Freund und hatte auch eine ganz interessante Nebenhandlung. Ansonsten hält sich Jude mit Freundschaften allerdings zurück, weil sie schnell merkt wie eng die Menschen um Blake miteinander verknüpft sind und sie sich nicht in die Clique drängeln will. Ich kann diesen Wesenszug von ihr gut verstehen, dass sie sich lieber zurück zieht, als auf unnötigen Konfrontationskurz zu gehen, sie zweifelt auch sehr an ihrer eigenen Liebenswürdigkeit und Wert als Person. In diesen Momenten, wollte ich sie einfach nur umarmen. (Und Blake eine Kopfnuss geben.)

WIEDERAUFSTEHEN UND WEITERMACHEN

Allgemein ist Blake kein besonders netter Kerl im Buch, er ist verschlossen, grimmig, gemein und verzeiht Jude nicht besonders schnell. Jude merkt aber, dass sie die Gefühle für Blake nicht einfach verdrängen kann. Also versucht sie ihre Beziehung wieder so weit ins Lot zu bringen, dass sie und Blake Freunde sein können, was bis zu einem gewissen Punkt funktioniert. Ich fand diesen Drahtseilakt sehr spannend, es hängt viel Unausgesprochenes in der Luft und oftmals wird nur über Blicke kommuniziert. Es ist eine sehr vorsichtige, langsame Beziehung und Blake und Jude stoßen oftmals an ihre Grenzen der emotionalen Belastbarkeit.

Nebenbei begleitet man Blake auch bei seiner Reha und den Ängsten und Schwierigkeiten die nach einer so starken Verletzung kommen. Blake muss eine Menge aushalten und irgendwo ist seine Reaktion auf Jude nachvollziehbar, gleichzeitig hätte es mir geholfen, wenn ich mehr aus seiner Perspektive hätte betrachten können. Gerade weil ich Blake in Hope Again so mochte, fiel es mir jetzt schwer seine Art zu akzeptieren. Die Chemie zwischen ihm und Jude ist schwierig, sie schwankt zwischen Extremen, was schnell toxisch werden kann. Man sollte dieses Buch also auch mit etwas Vorsicht genießen. Dennoch fand ich es toll und wichtig zu lesen, wie sie sich durch dieses Wirwar durchackern und versuchen an sich zu arbeiten.

Dieses Buch ist eine harte Nummer. Weder Jude noch Blake befinden sich zum Start der Handlung in einer guten Verfassung und das wirkt sich enorm auf die Atmosphäre des Buches aus. Obwohl es mich stellenweise sehr mitgenommen hat, fand ich es spannend zu lesen, was aus einem Menschen werden kann, wenn er seine Träume als zerschlagen ansieht und jegliche Hoffnung verliert.

Es hatte immer nur diesen einen Traum für mich gegeben – nichts anderes. Keinen Plan B. Und in diese Welt zurückzukehren, kam schlichtweg nicht infrage.
- Dream Again

FAZIT

Dream Again ist kein sorgloser New-Adult-Roman, in dem die Welt in Ordnung ist. Er ist ernst, manchmal schmerzhaft, sehr ehrlich und das ist etwas, was ich sehr schätze. Ich finde, er bricht mit vielen Klischees und Erwartungen des Genres, erlaubt sich dadurch tiefgründiger zu werden und einen Teil Realität zu zeigen, dem einige Leser – unter anderem ich – eigentlich sonst gerne mit genau dieser Art Buch entkommen möchten. Auch wenn es für mich hart zu lesen war, finde ich es unglaublich toll, dass die Autorin sich getraut hat, diese Geschichte zu erzählen und hoffe, dass dieses Buch etwas an dem Stigma rütteln kann, dass das Genre immer noch umgibt. #NewAdultkann eben.

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere