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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 08.01.2020

Irrwitzig und urkomische Geschichten

Der Tannenbaum des Todes
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Meine Meinung

Für Bestsellerautor Markus Heitz heißt es seit zehn Jahren in der Weihnachtszeit »Böser die Glocken«, einem Zusammenschluss mit einem Gastronomen zu einer Abendveranstaltung mit gutem Essen ...

Meine Meinung

Für Bestsellerautor Markus Heitz heißt es seit zehn Jahren in der Weihnachtszeit »Böser die Glocken«, einem Zusammenschluss mit einem Gastronomen zu einer Abendveranstaltung mit gutem Essen und etwas anderen Geschichten zur besinnlichen Adventszeit. In der seiner Anthologie »Der Tannenbaum des Todes« sind nun über vierundzwanzig dieser skurrilen und schwarzhumorigen Kurzgeschichten und Gedichte versammelt, um die Leserherzen mit abgefahrenen Weihnachtsstorys zu erheitern. Als kleine Bonuszugabe gibt es im Anschluss Menüvorschläge aus den vergangenen Veranstaltungen, die für eine tolle Inspirationsquelle für ein festliches Menü dienlich sind.

Die heitz’schen Erzählungen und Gedichte eigenen sich wunderbar als Lese-Adventskalender, ich würde sogar dazu raten die bissigen Geschichten nicht alle auf einmal zu vernaschen, sondern sich die einzelnen Episoden lieber etwas einzuteilen, um länger von den verrückten wie kreativen Einfällen zehren zu können. Mit den Geschichten lässt sich der übertriebene Weihnachtsstress mit dem Mantel der Vergessenheit einhüllen und sorgt durch bitterböse und überzogen ironische Betrachtungen für köstliche Lacher.

Jede Erzählung ist etwas anders gestrickt und so kommt es natürlich, dass man wie in einer Pralinenschachtel seine Lieblinge findet, aber auch mal eine Story-Praline dabei sein kann, die einem nicht gar so exquisit mundet. Mich persönlich haben die Geschichten, unter denen sich zwischen all dem Klamauk auch kritische gesellschaftliche Betrachtungen finden lassen und es sich auf menschliche Abgründe blicken lässt, allesamt auf ihre Art gut unterhalten. Sicherlich haben die vielen Lacher für ein paar hübsche Lachfältchen mehr gesorgt.

Von einer ausufernden Weihnachtsfeier im Betrieb über einen türkischen Mitbürger der sich gerne integrieren möchte und bei den Sitten und Gebräuchen der Winterräumarbeit sein Bestes gibt, um dabei dennoch kläglich zu scheitern, bis hin zum idyllischen familiären Weihnachtsessen, bei dem die Familie es doch nur aufs Erbe abgesehen hat. Natürlich erfährt man aber auch, was es mit dem Tannenbaum des Todes auf sich hat.

Dieses Buch gefällt sicherlich nicht nur Weihnachtsmuffel und Besinnlichkeitsverweigerern, sondern auch allen die das Treiben um das Fest der Liebe nicht ganz so bierernst nehmen. Zu den kuriosen Erzählungen und Gedichten gibt es von Ingo Römling viele kleine schwarz-weiß Illustrationen.

Fazit

Irrwitzig und urkomische Geschichten, bei denen Markus Heitz so manche Auswüchse des Weihnachtsfestes gekonnt auf die Schippe nimmt.

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 08.01.2020

Eine grandiose Comic-Anthologie

Malcolm Max: Die Fälle von Emmeline und Miranda Finch
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Meine Meinung

Als ich erfuhr, dass es ein Spin-Off zu meiner geliebten »Malcolm Max« Comic-Serie geben würde, war ich ganz aus dem Häuschen. Getoppt wurde die Nachricht nur noch dadurch, dass als Titelheldinnen ...

Meine Meinung

Als ich erfuhr, dass es ein Spin-Off zu meiner geliebten »Malcolm Max« Comic-Serie geben würde, war ich ganz aus dem Häuschen. Getoppt wurde die Nachricht nur noch dadurch, dass als Titelheldinnen die pfiffigen und schlauen Mädchen Emmeline & Miranda Finch aus der Baker Street 221 A auserkoren wurden.

In der Comic-Anthologie »Die Fälle von Emmeline & Miranda Finch: Der kopflose Reiter und weitere kuriose Geschichten« versammeln sich vier abgeschlossene Kurzgeschichten über die cleveren Hobbydetektivinnen aus der Feder von Peter Menningen, die einen in das viktorianische London eintauchen lassen. Für die zeichnerische Umsetzung wurde Ingo Römling dieses Mal mit geballter Frauenpower durch seine Künstlerkolleginnen Roberta Ingranata (»Robyn Hood Ongoing«, »Witchblade«), Simone Grünewald und Regina Haselhorst (»Mädchencomic«) unterstützt, so dass jede Geschichte durch eine andersartige bildliche Gestaltung punkten kann.

Emmeline und Miranda begegnen in der ersten Geschichte einem kopflosen Reiter in den gewohnt detaillierten und lebending umgesetzten Panels von Ingo Römling. Die Neugier der Mädchen ist geweckt und so stürzen sie sich Hals über Kopf in das Abenteuer um die scheinbar okulte Herkunft des ominösen Gesellen.

Im zweiten Abenteuer »Die Leichenkammer« erweckt Regina Haselhort das 19. Jahrhundert mit ihren prächtigen Illustrationen zum Leben. Dieses Mal erregt ein geldgieriger Ganove die Aufmerksamkeit der klugen Schützlinge des Meisterdetektiv Sherlock Holmes auf sich, der als Heiratsschwindler Frauen nicht nur um ihre Geld sondern um weitaus mehr bringt.

Mit den Zeichnungen von Roberta Ingranata taucht man kurz darauf in die nächste Geschichte »Der Vampir« ein, die einen alleine durch die Friedhofslocation sehr stark an die Malcolm Max Serie, insbesondere den ersten Band »Body Snatchers« erinnert.

»Die Entführung« ist die letzte Geschichte des Bandes und handelt von einer fiesen Verbrecherbande die sich in der Kanalisation Londons versteckt hält und Kinder entführt. Als Emmeline Und Miranda auf der Liste der zu entführenden Kinder landen, ahnen die Gangster noch nicht, dass ihnen dies zum Verhängnis werden könnte. Dieses Szenario wurde von Simone Grünwald mit ihren wundervollen Bildern illustriert.

Nicht nur die in sich abgeschlossenen Kurzgeschichten über die selbstbewussten Heldinnen konnten mein Leserherz erfreuen, sondern auch die unterschiedliche Optik der Episoden durch das Wirken der unterschiedlichen Zeichenkünslter*innen trägt zu einer außerordentlichen Vielfalt bei, die Ihresgleichen sucht. Die Mädchen bringen sich durch ihre Schnüfflernasen in die verzwicktesten Situationen und überzeugen, einmal in einer Notsituation gelandet, durch ihren Einfallsreichtum, und vor allen Dingen Emmeline behält mit ihrer ruhigen Art immer einen klaren Kopf. Am besten finde ich jedoch, dass die Spin-Off Geschichten ganz ohne die Helden aus der Hauptreihe auskommt und dennoch den Flair der Comics beibehält.

Fazit

Eine grandiose Comic-Anthologie in der zwei mutige Mädchen den Verbrechern im viktorianischen London die Stirn bieten.

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 08.01.2020

Eine zumeist hölzerne Abhandlung

Die zwei Päpste
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Meine Meinung

Dem neuseeländischen Drehbuchautor und Romanschriftsteller Anthony McCarten kam die Idee zu seinem neuesten Roman »Die zwei Päpste« durch Zufall, als er sich zu einer Beerdigung in Rom befand ...

Meine Meinung

Dem neuseeländischen Drehbuchautor und Romanschriftsteller Anthony McCarten kam die Idee zu seinem neuesten Roman »Die zwei Päpste« durch Zufall, als er sich zu einer Beerdigung in Rom befand und durch die interessante Tatsache, dass sich der emeritierte Papst Benedikt XVI. nur in geringer Entfernung zum aktuellen Papst Franziskus aufhält, inspiriert wurde.

Dieser Roman ist gleichzeitig die Vorlage für eine Netflix Filmproduktion, in der Anthony Hopkins und Jonathan Pryce in die Rolle der heiligen Väter der katholischen Kirche schlüpfen. Der Film wird ab 20. Dezember auf der Streamingplattform zur Verfügung stehen und zudem in ausgewählten Kinos zu sehen sein. Da ich ein großer Fan von Anthony McCartens Büchern bin und mich die Tatsache, dass der biographische Roman auch gleich noch als Filmvorlage dient, neugierig machte, musste ich das Buch einfach lesen, obwohl ich mit Theologie und der katholischen Kirche nicht viel am Hut habe. Immerhin hatte ich eine spannende Roman-Biographie erwartet, die tiefere Einblicke in die katholische Kirche mit ihren Skandalen und Vertuschungen gewährt.

Ganz im Sinne von Dan Browns Thriller-Reihe habe ich eine spannende Lektüre erwartet, die mit spannenden Hintergründen der beiden Päpste spielt und zu unterhalten weiß. Doch »Die zwei Päpste« lässt Anthony McCartens gewinnenden und fesselnden Erzählstil wie er ihn z. B. in seinem Roman »Licht«, der Geschichte über den Erfinder Thomas Alva Edison oder in »Jack«, seinem biographischen Roman über den polarisierenden Schriftsteller Jack Kerouac beweist, vollkommen vermissen.

Das hier vorliegende Werk von Anthony McCarten kommt einem Sachbuch gleich, dass zumeist in sehr trockener Form die Lebenswege der beiden Päpste skizziert und in einem Zusammenschluss der unterschiedlichen Geistlichen mündet, der einen Vergleich der beiden Lebenswege, die doch so weit auseinandergehen, anstrebt. Das alles wird mit zahlreichen Fußnoten zu den Quellen der Ereignisse belegt und dennoch habe ich nach der Lektüre dieses Romans nicht das Gefühl, der besonderen Beziehung zwischen den beiden unterschiedlichen Männern näher gekommen zu sein. Ich hoffe sehr, dass die Filmadaption mit Anthony Hopkins in der Rolle des Joseph Ratzinger und Jonathan Pryce in der Rolle des Jorge Bergoglio mehr überzeugen kann.

Fazit

Eine zumeist hölzerne Abhandlung über die unterschiedlichen Lebenswege der zwei Päpste, die etwas mehr Lebendigkeit gut vertragen hätte. Von Anthony McCarten bin ich definitiv besseres gewohnt, so bleibt am Ende nur auf die Filmadaption zu hoffen.

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 08.01.2020

Mystische Erzählungen mit melancholischer Melodie

Nebelinsel
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Beschreibung

Die nebelverhangene Insel Neverness ist von alten Bräuchen und düsteren Mythen umrankt. Jedes Jahr locken die Ginsterbüsche Mädchen und Jungen an, um einer ganz besonderen Tradition zu folgen. ...

Beschreibung

Die nebelverhangene Insel Neverness ist von alten Bräuchen und düsteren Mythen umrankt. Jedes Jahr locken die Ginsterbüsche Mädchen und Jungen an, um einer ganz besonderen Tradition zu folgen. Während die Mädchen ein Pfeil mit einem Band auf dem ihr Name steht in die Büsche schießen, machen sich die Jungen daran tief in das stachelige Gebüsch vorzudringen um sich einen Kuss zu sichern, dabei müssen sie sich jedoch vor der Ginstermutter in Acht nehmen. Diese und viele weitere Erzählungen berichten von dem Leben und den Schicksalen der Inselbewohner.

Meine Meinung

Die märchenhaften Erzählungen von Zoe Gilbert in »Nebelinsel« sind in einem wunderschönen Buchgewand mit goldenem Leinenrücken im Wunderraum Verlag erschienen. Das dunkel gehaltene Cover mit der Muschel passen perfekt zu den finsteren Geschichten um die sagenbehaftete Insel Neverness. Den einzelnen Kurzgeschichten von Zoe Gilbert haftet eine unglaubliche Magie an und schon bald hatte ich mich vollkommen in der nebelumschleierten Vegetation und in den Reihen der Inselbewohner verloren.

Der Alltag der Menschen auf Neverness ist durchdrungen von der Mythologie der Insel und mit jeder Geschichte dringt man tiefer in die sagenumwobene Welt ein. Zoe Gilbert wurde bereits für ihre Kurzgeschichten ausgezeichnet und hat sich Dank ihres zauberhaften Erzählstils, der hervorragend zu ihrem märchenhaften Debüt »Nebelinsel« passt, direkt in mein Herz geschrieben. Allerdings sollte man in keinster Weise Märchen mit Happy End im Stile der Gebrüder Grimm erwarten, denn Gilberts Geschichten gehen eher in die melancholische Richtung von Hans Christian Andersen.

Zoe Gilbert hat für ihre Insel Neverness eine vollkommen eigenständige Mythologie erschaffen, die von der Natur inspiriert wurde und einige Kuriositäten zu bieten hat, wie z. B. einen Mann dessen Arm ein Flügel ist, eine Mutter die sich von Erde ernährt, einem fremden Mann der nach Neverness kommt und dort Unterschlupf im warmen Bett einer Frau sucht und von Madden, die sich nichts sehnlicher wünscht als vogelfrei zu sein wie ein Milan.

Mich konnte die Autorin mit ihrem Debütroman von der ersten Seite an begeistern, ich habe mich gleich in die düstere Atmosphäre, die Melancholie und Traurigkeit zwischen den Zeilen und die fein gezeichneten Protagonisten verliebt. Die hübsche Aufmachung mit dem schimmernden Leinenrücken und den kleinen in schwarz-weiß gehaltenen Illustrationen zu den einzelnen Erzählungen runden das Werk ab. Sicherlich werde ich die Geschichten zur »Nebelinsel« nicht das letzte Mal in der Hand gehalten haben. Die Erzählungen eignen sich perfekt für kalte Wintertage und lassen sich sicherlich auch wunderbar vorlesen.

Fazit

Zoe Gilberts mystische Erzählungen muten wie eine leicht umgarnende und melancholische Melodie an, der man nur allzu gerne verfallen möchte.

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 08.01.2020

Eine anrührende Geschichte die perfekt in die Weihnachtszeit passt.

Der kleine Lord
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Beschreibung

In New York wächst der kleine Cedric Errol nach dem Tod seines Vaters in ärmlichen Verhältnissen bei seiner alleinerziehenden Mutter voller Liebe und Zuneigung heran. Mit seiner herzlichen ...

Beschreibung

In New York wächst der kleine Cedric Errol nach dem Tod seines Vaters in ärmlichen Verhältnissen bei seiner alleinerziehenden Mutter voller Liebe und Zuneigung heran. Mit seiner herzlichen Art hat er in der Nachbarschaft feste Freundschaften geknüpft, als er eines Tages erfährt, dass er ein echter Lord sei und das Erbe seines Großvaters antreten wird. Dazu wird der junge Cedric auf das herrlichen Anwesen in England gebracht, wo der kaltherzige Earl of Dorincourt ihm eine entsprechende Erziehung als Anwäter auf den Grafentitel zukommen lassen will. Während der Earl nur wenig von Cedrics amerikanischen Mutter hält und den Kontakt zu ihr versagt, öffnet der kleine Junge die verschlossenen Augen des Großvaters und erwärmt dessen Herz mit seiner kindlichen Liebe, so dass dieser schließlich die wichtigen Dinge des Lebens erkennt.

Meine Meinung

Jedes Jahr zu Weihnachten sorgt die Verfilmung von Frances Hodgson Burnetts zauberhaftem Klassiker »Der kleine Lord« für leuchtende Augen und warme Herzen, und so gibt es wohl kaum jemanden, der die Geschichte des jungen Cedrics mit dem großen Herzen und dessen misanthropischen Großvater, den Earl of Dorincourt nicht kennt. Doch wie sieht es mit der Buchvorlage zu dem erfolgreichen Film mit Alec Guiness und Ricky Schroder aus?

Der Knesebeck Verlag hat dieses Jahr eine wunderschöne Neuauflage des Buchklassikers mit schmucken Illustrationen des deutschen Illustrators Jan Reiser herausgebracht und liefert damit eine gute Gelegenheit in die Buchvorlage von Frances Hodgson Brunett einzutauchen. Diese besonders schöne Hardcoverausgabe ist außerdem das perfekte Geschenk für alle, die den Weihnachtsklassiker lieben und eignet sich auch hervorragend zum Vorlesen oder um sich selbst zu beschenken!

Die hochwertigen Zeichnungen von Jan Reiser, die sich elegant im Text einfügen und auch mal über eine ganze Doppelseite gehen können, sind eine wahre Augenweide, in der man sich gerne verliert. Der Lesegenuss wird zusätzlich zu den detailreichen Bildern auch noch durch die schöne Haptik des etwas dickeren Papiers gesteigert. Ein Schmuckstück, das für jedes Buchregal eine Zierde ist.

»Der kleine Lord« passt durch die herzergreifende Botschaft der Geschichte genauso perfekt in die Weihnachtszeit wie etwa Charles Dickens Klassiker »Eine Weihnachtsgeschichte«, appeliert Frances Hodgson Burnett doch genauso an die Menschlichkeit und Güte von priveligierten Mitmenschen gegenüber Menschen die durch ihre ärmeren Verhältnisse benachteiligt sind, wie ihr Autorenkollege Dickens. Burnett hat mit diesem Roman eine Geschichte mit polarisierenden Charakteren erschaffen, die nie an Aktualität verliert und für junge Leser*innen genauso geeignet ist, wie für Erwachsene. Obwohl sich die Autorin auf die Gesellschaft des 19. Jahrhunderts bezieht, lässt sich der Gedanke dahinter wunderbar in jede Zeit transportieren und somit zählt dieser Roman eindeutig zu den zeitlosen Klassikern.

Fazit

Eine anrührende Geschichte die perfekt in die Weihnachtszeit passt.

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere