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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 24.05.2018

Naja; Nichts Neues

Zu nah
3 0

Zuerst habe ich mich sehr gefreut, als dieses Hörbuch in einer Leserunde angeboten wurde und ich auch noch teilnehmen durfte.
Ich habe einen spannenden Thriller, der von Mord im Herzen Irlands erzählt, ...

Zuerst habe ich mich sehr gefreut, als dieses Hörbuch in einer Leserunde angeboten wurde und ich auch noch teilnehmen durfte.
Ich habe einen spannenden Thriller, der von Mord im Herzen Irlands erzählt, erwartet.
Was ich dann bekam war ein Hörbuch, das sich am besten mit “Naja, OK” beschreiben lässt.

Zur Story: Die Ermittlerin Frankie hat in ihrem letzten Fall etwas Schlimmes erlebt, das sie immernoch verfolgt. Auch in ihrem derzeitigen Fall, der im Hörbuch beschrieben wird, hat sie mit Flashbacks zu kämpfen, während sie versucht, den Mörder von Eleanor Castello zufinden. Im Laufe der Ermittlungen kommen mehr Ungereimtheiten auf, aber das Weitere sollte man selbst hören(/lesen).
Oder eben nicht.

Desing und Aufmachung des Hörbuches sind schlicht, schön und übersichtlich.

Die Sprecherin hat eine angenehme Stimme, die mich auch nach 445 Minuten nicht genervt hat. Sie drückt die Emotionen der Charaktere gut aus und versucht allen eine eigene Stimmlage zu geben. Dies scheiterte manchmal und ich konnte nicht immer sagen wer spricht, oder ob Frankie gerade redet oder denkt.

Schön ist auch, dass es in mehrere kleine Tracks (um die 15 pro CD) aufgeteilt ist, und man somit einzelne Stellen leichter finden kann.

Mir gefällt nicht, dass die Charaktere zum Teil äußerst stereotyp sind, wie z.B. die traumatisierte Ermittlerin, die Alleingänge bevorzugt, ihr “Vertrauter” aka bester Freund, der ihr ermöglicht, ihre Gefühle auf möglichst nüchterne Weise zu betrachten und eine “Vaterfigur” als Vorgesetzter, der sich Sorgen macht, aber sie auch dringend im Team braucht.
Des weiteren sind alle nicht sehr sympathisch, so dass der Zugang zu ihnen erschwert bleibt.

Teilweise wird (versucht) Ironie oder Humor in Konversationen und Gedankengänge einzubauen, was leider nicht immer glückt, aber wenn es das tat, sofort die Stimmung auflockerte.

Die Hintergrundrecherche ist an manchen Stellen wirklich deutliche erkennbar. So werden Krankheiten o.ä. gut beschrieben.
Was mich persönlich sehr gestört hat, sind manche Begründungen, warum es ein Täter nicht gewesen sein kann und der fast nicht vorhandene Bezug zur Stadt, in dem das Hörbuch spielt (hier vielleicht ein Resultat der Kürzung im Rahmen des Hörbuch-Erstellens).

Die Sprache an sich ist graphisch, wenn es zu Krankheit oder Ermordung kommt.
Ein Pluspunkt ist, dass Kiernan Tabu-themen anspricht (teilweise Vorurteile bekämpft) und diese clever in den Kontext einbaut.

Nicht so clever integriert wurde die Hintergrundgeschichte der Protagonistin, die an Flashbacks leidet. Hier kam mir dieser Aspekt eher als Seitenfüller vor, oder ein Teil, der unbedingt eingebaut werden wollte, auf Kosten der Lesbarkeit//Hörbarkeit des Hörbuches. Die Rückblenden wurden mit der Zeit nerviger, auch wenn sie dann wenigstens etwas mehr Sinn ergaben als ganz am Anfang.
Die Hauptgeschichte war zuerst interessant, die Auflösung jedoch etwas zu überraschend. Generell gab es zum Teil Sprünge in der Logik, die ich nicht immer nachvollziehen konnte oder wollte.

Fazit: Alles in Allem ein Hörbuch, das sich zwar größtenteils angenehm hören lässt, aber nichts Neues ist. Die Charaktere haben mich genervt, die Spannung nahm zum Ende hin irgendwie ab und das “große Finale” gab es nie.

Veröffentlicht am 04.07.2018

Ein schöner historischer Roman

Das Mätressenspiel
2 0

Inhalt:
Die junge Helena entscheidet sich, an den Hof der Herzogin Sophies von Hannover zu ziehen, um dort einen Mann zu finden - oder, besser, von einem Mann ausgewählt zu werden. Die finanziellen Sorgen ...

Inhalt:
Die junge Helena entscheidet sich, an den Hof der Herzogin Sophies von Hannover zu ziehen, um dort einen Mann zu finden - oder, besser, von einem Mann ausgewählt zu werden. Die finanziellen Sorgen ihrer Familie, die ein Gut zu verlieren hat die Auflösung ihrer vorherigen Verlobung, und der Ausblick auf Rettung durch eine Heirat mit einem hochrangigen Mann haben sie hierzu gebracht. Die Hofgesellschaft ist aber alles andere als ehrlich und vor allem Clara von Platen, Meisterin der Intrigen und Mätresse des Herzogs von Hannover hat alle in ihrer Hand. Es dauert nicht lange, bis auch Helena in dem Netz der Intrigen gefangen ist.

Formaler Aufbau:
Der formale Aufbau des Romans hat mir sehr zugesagt. Gleich am Anfang war ein Verweis auf das sehr hilfreiche Glossar und das übersichtliche Personenverzeichnis, das man sich auch gleich am Lesebeginn ansehen kann, weil es nichts spoilert. Dort wird auch klargestellt, was real und was erfunden ist, zudem gibt es noch einen kleinen Text zum historischen Hintergrund der Geschichte, welcher für mich (ein kompletter Laie auf dem Gebiet) durchaus lehrbar war. Praktisch beim Lesen sind auch die Zeitangaben an den Anfängen von Kapiteln, wenn ein größerer Zeitsprung in der Geschichte gemacht wurde.

Schreibstil; generelles zur Geschichte::
Die Geschichte wird auf eine Weise erzählt, die trotz der teilweise tristen Themen eine leichte Stimmung erzeugt. Das mag zum Teil auch an der bildhaften Sprache liegen, die von der Ausdrucksweise her durchaus auch zur Zeit passt (es werden für die Zeit typische Begriffe nicht nur in Dialogen verwendet, sondern auch in den Beschreibungen). Der Prunk des Adels wird genauso dargestellt wie die schlechten Aspekte des höfischen Lebens. Alles in Allem ist es ein authentischer historischer Roman mit fiktiven Teilen, die aber auch als solche gekennzeichnet werden. Die Thematik von Garten/Gartenbau u.ä. durchzieht das Buch; wenn man damit nichts anfangen kann, wird man trotzdem Spaß am Lesen haben, aber vielleicht langweilt man sich an manchen Passagen. Außerdem werden immer wieder Humor und Ironie eingesetzt. Auch Dialekte findet man im Buch; sie werden eingesetzt, um die ständischen Unterschiede der Leute zu vermitteln.
Gut umgesetzt finde ich auch, dass es eine Haupthandlungsstrang gibt und mehrere 'Nebenereignisse', die aber am Ende alle zum Fortgang der Handlung beitragen.

Charaktere:
Man baut schnell Sympathie zu den Charakteren auf - vor allem zu Helena und ihrer Familie - und obwohl es klare 'Gegenspieler' gibt, sind die Figuren nicht in strikte, stereotype 'Gute' und 'Böse' geteilt. Die Personen und ihre Beziehungen untereinander werden klar charakterisiert und nie war ich beim Lesen verwirrt, wer wer ist. Es wird aber nie so viel verraten, dass es nicht noch einige Überraschungen und 'Plottwist' gäbe.
Die klare Trennung der Charaktere untereinander ist essentiell, weil es im Buch immer wieder Sprünge in der Perspektive gibt.So sieht man die verschiedenen Positionen aller im 'Mätressenspiel' und manche Situationen werden aus mehreren Perspektiven erzählt, dass man einen Überblick über das Innenleben der wichtigsten Personen erhält. Die Charakterzüge werden durch Gespräche und Taten sichtbar, sodass man sich nicht mit ellenlangen, trockenen Charakterbeschreibungen abplagen muss.
Generell finde ich die Anzahl der Personen passend (nicht zu viel und nicht zu wenig) und die 'Proportion' von Frauen zu Männern fühlte sich auch stimmig an.
Besonders gefreut hat mich, dass die Protagonistin als starke Frau auftritt, die lediglich in eine missliche Lage geraten ist, die sie aber auch wundervoll meistert.

Ein kleines 'Aber':
Ich fand den Roman wirklich toll, aber für mich persönlich war der Einstieg etwas zäh und die Interaktionen haben sich teilweise (irgendwo zwischen dem 3. und 10. Kapitel) etwas steif angefühlt. Das Ende hat sich ein bisschen 'kurz angebunden' angefühlt, alles wurde - meiner Meinung nach - ein bisschen zu hastig aufgelöst.

Ich durfte den Titel im Rahmen einer Leserunde lesen; vielen Dank hier an das Team der Lesejury, die Autorin und allen Beteiligte.

Veröffentlicht am 06.07.2018

Ganz ok; Kein Must-Read

Das Mädchen ohne Namen
1 0

Das Buch handelt von einem Mädchen, das eines Tages ohne Erinnerungen in einer Pension aufwacht und zu Beginn nur weiß, dass sie dort mit einem Mann, der sich als ihr ‚Daddy‘ ausgab, angekommen ist.
Ziemlich ...

Das Buch handelt von einem Mädchen, das eines Tages ohne Erinnerungen in einer Pension aufwacht und zu Beginn nur weiß, dass sie dort mit einem Mann, der sich als ihr ‚Daddy‘ ausgab, angekommen ist.
Ziemlich am Anfang der Geschichte trifft sie Mary, die sie auf ihrer Reise, auf der Andi (so nennt sich ‚das Mädchen ohne Namen‘) ‚Daddy‘ finden und ihn stellen will, begleiten wird.
Andi erzählt Mary was in der Pension geschehen ist, und was sie in den vier Monaten getan hat, bevor sie auf Mary traf, bevor sie dann tatsächlich aufbrechen, um ‚Daddy‘ zu finden.
Auf der Reise treffen die Mädchen auf viele Personen und Tiere, wobei vor allem auf Letztere im Buch viel Wert gelegt wird.

Die Geschichte ist in fünf große Hauptteile (wenn man die ersten Kapitel als Teil sieht, obwohl dieser keinen eigenen Namen bekommt) gegliedert. Es gibt einen Prolog, 47 Kapitel und einen Epilog. Insgesamt besteht das Werk as 416 Seiten.

Thematisch bekommt man viel von der Nordamerikanischen Landeskunde geboten, vor allem wird natürlich viel über die Gebiete erzählt, durch die die Reise die Mädchen führt. Auch Details über Tiere, deren natürliche Umgebung und Verhalten werden dargelegt, vor allem Kojoten scheinen es der Autorin angetan zu haben. Auch die spirituellen Riten und Ansichten der Native Americans wird kurz thematisiert, wobei man hier manchmal den Eindruck hat, es wurde nur so eingestreut. Interessant sind die Passagen, in denen die Mädchen anderen begegnen, da hier oft das Studium von Verhalten anderer mit eingebracht wird. Vor allem Andi versteht es, in anderen ‚zu lesen‘. Generell wird die Menschheit als tendenziell böse dargestellt, und jegliche Art von Gewalt hat hier irgendwie Unterschlupf gefunden.
Beim Lesen ist mir im Bezug auf die Sprache ein gewisses Paradoxon aufgefallen: obwohl ich der Meinung bin, dass sich das Buch sehr einfach lesen lässt, wirkt die Ausdrucksweise doch holprig, wenn man sich genauer darauf konzentriert. Generell ist alles aber so beschrieben, dass man es sich gut vorstellen kann. Wenn es um die Natur geht, wird der Leser voll in die Wälder und Flüsse transportiert. Andi erzählt Mary die Vorkommnisse in der Pension und danach in einer Art ‚Geschichte-in-der-Geschichte‘, was erfolgreich umgesetzt wurde. Auch an anderen Stellen, wenn es zu einem Wechsel in der Zeit kommt, wird dies immer deutlich und man fühlt sich nicht desorientiert.
Was jedoch verwirrend ist, sind die Sprünge zwischen den beiden Mädchen. Nicht immer war mir klar, wer gerade spricht oder in wessen Gedanken man sich gerade befindet. Deshalb weiß ich jetzt, nach Beenden des Buches nicht komplett sicher, ob der Hauptteil nicht nur aus der Perspektive Marys beschrieben wird. Dass von Andis Sicht vor allem im Mittelteil und gegen Ende des Buches nicht viel gesagt wird, fand ich befremdlich, da sie ja die Protagonistin ist. Die Sicht Marys, die Andi für meinen Geschmack etwas zu sehr bewundert (immer wieder liest man, wie beeindruckt Mary von der etwa 3 Jahre Älteren ist) finde ich nicht sehr gut gewählt.
Auch dass Andi ihren Gedächtnisverlust so relativ gelassen hinnimmt - eher unglaubwürdig (selbst wenn man bedenkt, dass sie zum Zeitpunkt des Treffens der Mädchen schon 4 Monate gedächtnislos ist). Was am Unglaubwürdigsten ist, sind jedoch die Zufälle, die das Buch durchziehen wie ein roter Faden, und für einen Roman, der sonst realitätsgetreu ist, meiner Meinung nach nicht sehr angebracht sind. Vieles wird zwar versucht zu erklären; die Herleitung ergab sich mir aber nie vollständig. Was mir auch aufgefallen ist, jedoch kein allzugroßer Minuspunkt ist, ist dass Erklärungen zu Tatbeständen manchmal erst kommen, wenn sich der Bestand wieder ändert. Hier wäre es mir lieber, wenn man gleich während etwas vor sich geht alles mitbekommt, und nicht im Nachhinein darauf eingegangen wird, weil man der Geschichte ja beim Entfalten zusieht.
Die Protagonisten an sich sind mir schon sympathisch, wenn man davon absieht, dass es Kinder sind, die mit einem Auto durch die USA düsen (ja, es sind Kinder, die viel erlebt haben, ich finde ihr Alter aber trotzdem merkwürdig gewählt). Generell werden aber alle handelnden Personen gut charakterisiert. Vor allem die Personen, die sie auf der Reise treffen. Zwischen ihnen kommt es auch zu lebhaften Dialogen. Diese Begegnungen und die Hauptstory waren für mich ausschlaggebend, weiterzulesen.
Ich schreibe ‚Hauptstory‘, weil es auch weitere, ‚nebensächliche’ Handlungsstränge gibt. Jedoch nehmen diese, vom Tierschutz handelnden, Stränge sehr viel Platz im Buch ein. Ja, sie werden alle zusammengeführt und es ergibt Sinn, aber es ist nicht das was ich erwartet habe. Und auch wenn ich solche Überraschungen manchmal mag, finde ich irgendwie hier hat es nicht ganz gepasst.
Die Hauptstory, wie sie ‚Daddy‘ suchen, fand ich sehr interessant und auch die Auflösung fühlte sich stimmig an, und es war doch eher ‚was Neues‘.
Alles in Allem kein schlechtes Buch, aber auch kein Must-Read.

Veröffentlicht am 23.06.2018

Schön zu lesen, wenn man 'komplexere' Sprachgebilde mag

Madame Bovary
1 0

Auf 367 Seiten, die in 36 Kapitel aufgeteilt sind, wird die Geschichte Madame Bovarys und alles, was um sie herum geschieht seit sie Karl Bovary geheiratet hat in 3 Büchern im Buch erzählt.
Der Roman beginnt ...

Auf 367 Seiten, die in 36 Kapitel aufgeteilt sind, wird die Geschichte Madame Bovarys und alles, was um sie herum geschieht seit sie Karl Bovary geheiratet hat in 3 Büchern im Buch erzählt.
Der Roman beginnt mit dem jungen Karl Bovary, der sich nicht recht im Leben (zu seiner Zeit, also um 1850) zurecht findet. Man wird also sofort in die Handlung hineinversetzt, und diese schreitet dann rasant weiter, bis Herr Bovary dann seine ‚echte’ Frau Bovary heiratet. Von dort an wird die Geschichte größtenteils aus ihrer Sicht wiedergegeben. Die Frau sehnt sich nach Luxus und ist beinahe nie wirklich zufrieden mit dem was sie hat, was zu vielen ‚Ausschweifungen‘ ihrerseits führt, von denen der Roman im Endeffekt größtenteils handelt.
Dieser schnelle Einstieg in die Geschichte fand ich gut, zumindest besser als ein seitenlanges Warten auf eine Handlung, die mich annähernd an den Klappentext erinnert. Auch wird hier gleich klar, wie gut Flaubert Hektik und andere Gefühle vermittelt. Die bildliche Sprache und Detailliebe tragen auch dazu bei. An Stellen sind ebendiese eventuell etwas zu ausgeprägt, und wenn man keine Freude an ausschweifenden Formulierungen hat, wird man - ab und an - gelangweilt sein.
Im ersten Buch finden sich noch wenige Dialoge, dafür gibt es in den folgenden beiden Teilen viel verbale Interaktion zwischen den Figuren. Teilweise finden sich auch lange Monologe, die nicht wirklich zur Geschichte beitragen, sondern eher eine allgemeine Haltung zu philosophischen/alltäglichen Themen preisgeben. Auch der Konflikt zwischen Wissenschaft und Religion wird des öfteren thematisiert, zum Beispiel in Streitgesprächen zwischen dem Apotheker und dem Priester.
Die Charaktere an sich sind gut ausgebildet. Viele sind sympathisch andere nicht deutlich ‚die Bösen‘, aber nahe dran; man könnte sie, wenn man wollte immer in Schutz nehmen, weil sie nicht explizit nur als schlecht dargestellt werden.
Zu Frau Bovary habe ich eine zweigeteilte Meinung. Einerseits finde ich sie einen interessanten Charakter, mit Stärken und Schwächen, andererseits hat mich ihre Sehnsucht und dass sie nie zufrieden mit irgendetwas war ein wenig gestört.

Generell wurde ja schon so viel über dieses Buch berichtet, interpretiert und rezensiert, dass ich mich hier kurz halten möchte und meine Sternen-Bewertung sozusagen für sich sprechen lassen.

Veröffentlicht am 01.06.2018

Super Folgeteil

Der Galgenvogel
1 0

Nach 'Das Teufelsloch' ist dies der zweite Teil der Serie um Thomas Hawkins von Antonia Hodgson.

Das Buch beginnt mit einem Prolog, der sofort Neugierde auf die Geschichte schürt.
Der Hauptteil ist in ...

Nach 'Das Teufelsloch' ist dies der zweite Teil der Serie um Thomas Hawkins von Antonia Hodgson.

Das Buch beginnt mit einem Prolog, der sofort Neugierde auf die Geschichte schürt.
Der Hauptteil ist in fünf große Teile gegliedert, auf die die insgesamt 23 Kapitel aufgeteilt sind, die überwiegend kurz bis mittellang sind. Danach kommt noch ein Epilog, in welchem ein Ausblick auf den nächsten Teil gegeben wird. Dann - ganz Hodgson - kommt ein Teil zum historischen Hintergrund des Romans.
Inklusive Danksagungen hat das Buch 460 Seiten.

Der Roman ist, wie sein Vorgänger, authentisch, basiert (teilweise) auf wahren Begebenheiten und man merkt, dass eine sorgfältige Hintergrundrecherche durchgeführt wurde.

Der Schreibstil ist - wie immer - lebhaft, vermittelt Emotionen und an manchen Stellen graphisch, beschreibt die Umstände in einem England zu dieser Zeit, als wäre man selbst dort (Dreck, Gewalt, etc.). Humor und Ironie werden in gutem Maße eingesetzt und lockern alles auf. Auch dass mehrere Genres (z.B. Ballade, Bericht) verwendet werden, gefiel mir sehr gut. Folgerungen und Schlüsse werden nachvollziehbar erarbeitet, und man kommt als Leser gut mit. Manchmal kommen Hinweise ziemlich früh auf, werden aber zum Beispiel erst gegen Ende relevant. Diese Liebe zum Detail gefiel mir besonders gut.

Es gibt Zeitsprünge, die sich am besten in drei “Stränge” einteilen lassen: die Vergangenheit, 'Gegenwart', und 'Zukunft'.
Wenn es um die Vergangenheit geht, werden Anspielungen auf den ersten Teil so eingebaut, dass sie nicht langweilen, wenn man ihn gelesen hat, sondern einen lediglich daran erinnern, was da passiert ist, um jetzige Situationen zu erklären.
Die Gegenwart ist der Hauptteil.
Die 'Zukunft' wird in Mini-Epilogen der großen Teile erzählt, und verstärkt das Bedürfnis, weiterzulesen.
Die Zeitsprünge sind immer gekennzeichnet, wodurch es nie zur Verwirrung kam.

Die Charaktere sind sympathisch - oder nicht, aber haben alle eine gewisse Hintergrundgeschichte. Jedoch fand ich hier einen ersten Mangel: manchmal konnte ich die Männer nicht auseinanderhalten (sei es, weil ich unaufmerksam war, oder sie tatsächlich nicht so viel Tiefe gehabt haben, als die Personen, die im ersten Teil agierten). Die Verhältnisse unter den Personen sind aber klar, werden auch des öfteren thematisiert, und wenn es zu einer Änderung, durch zum Beispiel eine Aufklärung einer der vielen Intrigen im Buch, kommt, wird das auch verständlich erklärt/gezeigt. Ein weiterer kleiner Minuspunkt ist das Selbstmitleid des Protagonisten, das mir manchmal etwas übertrieben vorkommt, aber ich wurde auch noch nie zum Tod durch Erhängen verurteilt..

Die "Mängel”, die ich hier kritisiere sind wirklich ”Jammern auf höchstem Niveau” und rechtfertigen keinesfalls eine andere Wertung als 5/5 Sternen.

Fazit: Ein wunderbarer zweiter Teil der Thomas-Hawkins-Reihe. Authentisch, spannend, der Logik folgend und mit viel Gefühl. Definitiv empfehlenswert.