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Fruneh

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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 29.06.2019

Toller Historischer Roman

Lady Annes Geheimnis
1

Formaler Aufbau
Die mittel-langen Kapitel beginnen mit einer zeitlichen Einordnung, sodass man weiß in welchem Monat welches Jahres man sich befindet und auch wo. Zur normalen Erzählperspektive aus der ...

Formaler Aufbau
Die mittel-langen Kapitel beginnen mit einer zeitlichen Einordnung, sodass man weiß in welchem Monat welches Jahres man sich befindet und auch wo. Zur normalen Erzählperspektive aus der Sicht der Protagonistin werden auch andere Blickwinkel beschrieben. Dies geschieht durch Sprünge in einzelnen Kapiteln oder das clevere Einbauen von Tagebuchauszügen oder Briefen.

Schreibstil; Generelles zur Geschichte
Der Schreibstil vermittelt komplexe politische Beziehungen einfach und beschreibt die wichtigsten Ereignisse der behandelten Zeitspanne so, dass man sich gut einfühlen kann. Es fühlt sich an als würde der Fokus in diesem Roman auf den politischen Gegebenheiten und Konflikten liegen, und die zwischenmenschlichen Beziehungen--obwohl auch ein Hauptaugenmerk--werden nicht immer so lebhaft oder detailliert vermittelt wie man es sich als Ausgleich vorstellen könnte. Insgesamt sind aber beide Stränge so verwickelt, dass man sagen kann das perfekte Gleichgewicht wurde gefunden. Man lernt über die Situation in Deutschland/England zu der Zeit ohne auf blanke Fakten "zu beißen", und wird gleichzeitig durch emotionale Momente/Handlungen vergnügt ohne dass es zu kitschig wird.
Wenige, teilweise unrealistische oder unverständlich kalte Momente machen den einzigen Minuspunkt des Romans aus.

Charaktere
Es gibt viele sympathische Charaktere im Buch, alle anders auf ihre eigene Weise. Auch die Gegenspieler der Protagonistin werden menschlich dargestellt, und Gründe für ihr Handeln werden oft so dargelegt, dass man sich in Grauzonen wiederfindet in denen man den "Feinden" fast zustimmen mag. Generell wird den meisten Charakteren eine Tiefe gegeben, die die Lese-Erfahrung immens steigert.

Fazit: Ein toller historischer Roman mit viel Frauen-Power. Wer eine Geschichte aus dem historischen England vermischt mit etwas Romantik lesen möchte ist hiermit gut beraten.

Veröffentlicht am 18.05.2019

Enttäuscht

Elite
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Das Buch greift wichtige Themen der Gesellschaft auf, verliert sich aber ein wenig in der weiten Bandbreite, die es versucht anzusprechen. Während des Lesens ist bei mir nie wirklich Spannung oder Interesse ...

Das Buch greift wichtige Themen der Gesellschaft auf, verliert sich aber ein wenig in der weiten Bandbreite, die es versucht anzusprechen. Während des Lesens ist bei mir nie wirklich Spannung oder Interesse erweckt worden und hätte ich es nicht im Rahmen einer Leserunde gelesen, hätte ich wohl nach ein paar Kapiteln abgebrochen. (Außer die Hoffnung, dass es besser wird hätte überwogen)
Die Charaktere sind flach und nur beim männlichen Protagonisten kommt so etwas wie eine Hintergrundgeschichte ins Spiel; die Nebencharaktere wurden vernachlässigt und fühlen sich an wie reine "Mittel zum Zweck."
Auch der Schreibstil schaffte es nicht wirklich, mich persönlich zu überzeugen, denn er verlor sich oft in philosophischen Fragen wo ein Fokus auf den Fortgang der Geschichte eventuell vorteilhafter gewesen wäre.
Psychologisch belastende Themen werden nicht vertieft, weshalb die schwerwiegenden Konsequenzen nicht deutlich werden und kritische Situation fast verharmlost werden.
Das große Potential die Gesellschaft zum Denken anzuregen, das ich bei Beschreibung und Leseprobe erahnte wurde leider nicht ausgefüllt.
Auch nach langer Bedenkzeit gebe ich diesem Buch nur einen Stern und kann auch nicht vielmehr dazu sagen als dass ich enttäuscht bin und auf diese spezielle Leseerfahrung hätte verzichten können, wenn es nicht wichtig wäre auch Bücher außerhalb der eigenen Favoriten kennenzulernen.

Veröffentlicht am 15.04.2019

Schuldig, ein durchschnittliches Buch zu sein

Truly Madly Guilty
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Sechs Erwachsene und drei Kinder fanden sich spontan zu einer Grillparty zusammen, die "alles verändert".

Die Kapitel von Truly Madly Guilty sind unglaublich kurz und springen durch Perspektive und Zeit, ...

Sechs Erwachsene und drei Kinder fanden sich spontan zu einer Grillparty zusammen, die "alles verändert".

Die Kapitel von Truly Madly Guilty sind unglaublich kurz und springen durch Perspektive und Zeit, was einen Leser die erste Hälfte des Buches verwirren kann, und den Wunsch hervorruft, zumindest ein bisschen mehr Einblick in diese wirre Welt bekommen zu können. Die Motivation mich durch die ersten Kapitel zu kämpfen war dementsprechend gering. Lange Pausen sollte man zwischen bestimmten Abschnitten auch nicht machen, weil man sonst in Gefahr gerät später nicht mehr mitzukommen.
Da man am Anfang von noch fast nichts weiß, kommen einen die Handlungen und Aussagen mancher Charaktere deutlich überzogen vor, und zusammen mit ihren Charakterzügen konnte ich persönlich keine der Figuren sympathisch finden, weshalb mir ihre Probleme bis zu ca. Seite 250 vollkommen egal waren.
Danach wurde zumindest so viel von der Geschichte preisgegeben, dass es mich dann doch interessierte, was genau passiert war. (Warum ich das Buch bis dahin nicht abgebrochen habe weiß ich selbst nicht). Manche Auflösungen und Zusammenhänge wirkten zu konstruiert, aber generell gelang zumindest immer eine Verbindung von angesprochenen Tatsachen und Handlungen.
Die Stimmung im Buch ist überwiegend düster und wird nur selten durch einen komischen Moment aufgelockert. Oft kommen Fakten oder Dialog vor, die zu sehr nach Moralpredigt klingen, was zwar aufklärt, dem ganzen Buch aber ein bisschen die "Glaubwürdigkeit" nimmt. Es fühlt sich stellenweise wie ein Mittel zum Zweck an, ein Schriftstück das nur erschaffen wurde um auf spezielle Aspekte des Lebens aufmerksam zu machen.
Viele Wortwitze und Anspielungen können nur auf Englisch wirklich lustig sein, weshalb man dem Buch wahrscheinlich einen großen Gefallen tut, wenn man es in der Originalfassung liest-diese Theorie habe ich jedoch nicht selbst getestet.

Fazit: Ein durchschnittliches, deprimierendes Buch, das dem Leser nie wirklich diesen einen großen "aha"-Moment gewährt und wahrscheinlich lieber in seiner Originalsprache gelesen werden möchte.

Veröffentlicht am 08.03.2019

Toller Histo

Der Gesang der Bienen
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Inhalt
1152 A.D. reist Seyfried, ein Zeidler, durch Deutschland um sein ruhiges Familienleben zu retten. Seine Frau wurde nämlich zum Tode verurteilt und er sieht die einzige Chance sie zu retten in einem ...

Inhalt
1152 A.D. reist Seyfried, ein Zeidler, durch Deutschland um sein ruhiges Familienleben zu retten. Seine Frau wurde nämlich zum Tode verurteilt und er sieht die einzige Chance sie zu retten in einem Urteil von Hildegard von Bingen, das die Richter umstimmen soll. Auf dieser Reise und bei der anschließenden Erfüllung der Aufgaben (oder dem Versuch), die Hildegard ihm stellt trifft Seyfried viele verschiedene Menschen.

Formaler Aufbau
Die kurzen bis mittellangen Kapitel haben zu beginn immer ein passendes Zitat und einen Countdown, der bis zum Tag der Vollstreckung runter zählt. Mit diesem hatte ich ein paar kleine Probleme, die während des Lesens deutlich werden sollten.
Toll sind die Karte und das Figurenverzeichnis am Ende. Vor allem letzteres punktet durch seinen Aufbau, indem reale historische Figuren von Fiktiven formal abgesetzt sind und alle Figuren nach Abschnitten gegliedert wurden. So findet man schneller, wen man sucht und die Gefahr des Selbst-Spoilern ist gering.

Schreibstil; Generelles zur Geschichte
Die teilweise fast poetische, bildliche Sprache trägt sehr dazu bei, dass man schnell in die Geschichte einsteigt und auch drin bleibt. Es wechselt sich ab zwischen ernsten, spannenden Szenen, lehrreichem Material und heiteren Passagen, sodass am Ende eine Geschichte rauskommt, die zu allen Lese-Typen passen könnte.
Die Haltung der Charaktere ist sehr modern, was sich in Handlungen auch widerspiegelt.
Rückblenden im Fließtext, die ab und an vorkommen, haben mich ein bisschen gestört, da sie, meiner Meinung nach, den Fortgang der Handlung ein bisschen blockiert haben.
Was mich teilweise sehr gestört hat, waren Wiederholungen eines Gedanken oder einer Beschreibung, die genau so vor wenigen Seiten vorkamen. Vielleicht als Emphasis gedacht, für mich aber irritierend und einer der wenigen Minuspunkte, die mich wirklich störten.
Der zweite Minuspunkt ist, dass manche Wendungen teilweise sehr unwahrscheinlich wirken und die Konstruktion dahinter sehr deutlich wird.

Charaktere
Der erste Punkt, der mir hier positiv auffiel war, dass nicht alle christlichen Ordensschwestern o.ä. als nur gut dargestellt wurden. Es wird durchaus Kritik geübt am System und seinen Makeln.
Generell sind die Charaktere so differenziert dargestellt, dass man selbst bei der Fülle an Namen schwer durcheinander kommt.
Ein Sprung in der Perspektive sorgt dafür, dass man vielen Charakteren in den Kopf sehen kann und ihre Gedanken und Gefühle real nachvollzieht. Der Zeitpunkt der Sprünge ist aber nicht immer sehr vorteilhaft für mich gewesen, generell ist es aber gut umgesetzt.
Wenn jemand vorkommt, der nicht Deutsch als Muttersprache spricht, wird nicht versucht den Akzent im Schriftlichen nachzuahmen, sondern nur ab und an ein Fehler im Satzbau eingebaut oder ein Wort in seiner Sprache gebraucht, was mir sehr gut gefallen hat.
Wie im echten Leben, wandern die Gedanken der Charaktere ab und an weg von dem, was sie eigentlich gerade machen was realistisch ist, aber auch nicht zu ablenkend.
Die Dialoge zwischen den Charakteren sind lebhaft und teilweise sehr pfiffig.

Fazit: Ein schöner historischer Roman, der zu jeder Stimmung passt. Manchmal ist er mir persönlich etwas zu positiv.

Ich durfte den Titel im Rahmen einer Leserunde lesen und möchte einen herzlichen Dank an das Team der Lesejury und den Autor, der die Runde begleitete, aussprechen (oder schreiben).

Veröffentlicht am 01.12.2018

Ungewöhnlich, aber typisch für Lapena

The Couple Next Door
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Nachdem ich A Stranger in the House gelesen habe, musste ich mir das "vorherige Model" einfach auch holen.
Vorneweg muss ich sagen, dass meine Erwartungen dementsprechend höher waren, ich war also nicht ...

Nachdem ich A Stranger in the House gelesen habe, musste ich mir das "vorherige Model" einfach auch holen.
Vorneweg muss ich sagen, dass meine Erwartungen dementsprechend höher waren, ich war also nicht ganz frei von "positiven Vorurteilen".
Vielleicht nachteilshaft, wenn man das erste Buch einer Autorin nach dem zweiten liest.

Handlung
In The Couple Next Door wird der Albtraum jeder Eltern wahr - ihr Kind wird entführt. Wie es dazu kam, wie die Polizei in dem Fall ermittelt, aber vor allem was es mit den involvierten Personen macht und wie es sich auf deren Psyche auswirkt wird in dem Buch detailliert beschrieben.

Formaler Aufbau
An sich ist der formale Aufbau nicht allzu interessant. Allein die Kürze der Kapitel - vor allem die am Anfang - ließ mich ein bisschen staunen. Am Ende kommt man auf 37 Kapitel in ca. 349 Seiten. Es gibt keinen Pro- oder Epilog.

Schreibstil; Generelles zur Geschichte
Der Schreibstil ist simpel mit vielen Wortwiederholungen und kurzer Syntax; was dem Lesefluss oder der Spannung jedoch nicht viel angetan hat. Vor allem Emotionen werden von Lapena sehr gut vermittelt.
Man hat von Anfang an eine negative Stimmung in dem Buch, die bis zum Ende nicht besser wird. Gut für einen Thriller - tatsächlich perfekt, da man so das "ausgelutschte" Schema der Freytags-Pyramide oder Hollywoodfilme ('Alles gut-Etwas passiert-Alles wieder gut/Alles richtig schlecht') umgehen kann!
Im Laufe des Lesens kommt man automatisch immer wieder auf neue Ansätze, wer die Tat begangen haben könnte, wie er/sie/es es gemacht hat und warum. Viele der Ansätze können falsch sein, ausgelöst von Anmerkungen oder neuen Informationen, die von Lapena mit Absicht platziert wurden.
Ein weiterer Punkt ist der Sprung der Perspektiven, der bei dieser Autorin wohl einfach dazugehört. Vorwiegend im Kopf von Anne oder Marco, bekommt man so auch Einblicke in die Gedankenwelt des Detectives (Rasbach). Toll ist das vor allem, weil man so Einblicke in die Gefühlswelt von den betroffenen Personen bekommt, aber gleichzeitig auch mitbekommt, wie die Ermittlungen verlaufen.
Aber nicht alles, was in einer Person vorgeht bekommt immer gleich eine Erklärung, was das "voraussehen" des eigentlichen Endes erschwert.
Tabuthemen wie Depressionen oder Kindesentführung (ok, offensichtlich) werden thematisiert.


ES FOLGT WOMÖGLICH EIN VAGER SPOILER BIS ENDE DES ABSCHNITTS (AB 'CHARAKTERE' KÖNNT IHR UNBEKÜMMERT WEITERLESEN

Das, was mir in der Geschichte wohl am meisten gefallen hat war, dass man die "erste Auflösung" schon serviert bekommt, als noch Seiten übrig sind. Man fragt sich was jetzt noch passieren kann. Und die Antwort ist - alles mögliche! Diese Halb-Auflösung fand ich zunächst also enttäuschend, weil der Verdacht darauf gelenkt wurde und man also wirklich richtig lag. Aber dann! Die Fragen Wie und Warum ermöglichten dann doch noch ein Fortsetzen der Geschichte, das spannender und verwobener nicht sein könnte.



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Charaktere
Nicht alle Charaktere bekommen Tiefe, aber alle, die vorkommen sind wichtig für die Handlung.

Fazit: Ein spannender Thriller mit vielen Wendungen. Eher nichts für eine leichte Lektüre, wenn man die Stimmung berücksichtigt.