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Veröffentlicht am 24.03.2021

Zu viel des Guten

Mädchen, Frau etc. - Booker Prize 2019
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Bernardine Evaristo beschreibt die Herkunft und den Werdegang vieler britischer,farbiger junger Frauen. Die Herkunft ist sehr unterschiedlich, von traditioneller afrikanischen Lebensführung, über Einwanderer ...

Bernardine Evaristo beschreibt die Herkunft und den Werdegang vieler britischer,farbiger junger Frauen. Die Herkunft ist sehr unterschiedlich, von traditioneller afrikanischen Lebensführung, über Einwanderer mit angeglichener Lebensweise zu Aussteigern, die es zurück in ihre Heimat zieht. Die jungen Frauen lösen sich vom Elternhaus, manche leben ihre neuerfahrene Sexualität aus, Andere streben eine steile Karriere an und wieder Andere gründen stabile Familien und geben ihr Wissen ihren Kindern weiter.



Dieses Buch hat den Booker Prize 2019 erhalten.
Ich war voller Erwartung und ich wurde nicht enttäuscht. Die ersten 150 Seiten habe ich verschlungen. Die Geschichten dieser Frauen sind anrührig, authentisch und lesenswert.
Viele verschiedene Schicksale immer in Verbindung mit dem Leben bzw. Erleben der Mutter haben mich berührt.

Aber mit zunehmender Anzahl wurden die Berichte für mich ermüdend. Ich wusste bereits, dass die vielen Lebensgeschichten gegen Ende zusammengeführt werden, aber ich empfand es trotzdem ermüdend. Denn irgendwie glichen sich die Erlebnisse in meinen Augen mit der Zeit. Und wenn dann bei Erwähnung einer neue Figur wieder die Geschichte der Mutter zu Rate gezogen wurde, hatte ich einfach keine Lust mehr und habe die letzten ca. 100 Seiten nur noch überflogen.

Das war sicher nicht im Sinne der Autorin, aber ich frage mich dann auch, was will mir die Autorin mit dieser Vielzahl an ähnlichen Schicksalen sagen? Ich denke, dass ich die Struktur und Vielzahl der Schicksale schon nach wenigen Beschreibungen durchschaut habe. Wir wissen, wie immens viel Mut farbige Frauen haben müssen, um ihre Träume zu verwirklichen und dass sie sehr viel mehr Einsatz, Wille, Blut und Schweiß benötigen um ihren Weg gehen zu können.

Es ist wichtig, dass diese Lebensgeschichten erzählt werden und damit versucht wird uns wachzurütteln. Wenn es für mich am Ende ermüdend war, wurde das Ziel wohl nicht erreicht.

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 24.03.2021

Interessantes Duo

Lockvogel
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Ein erfolgloser und unbekannter Drehbuchautor schleicht sich als Kellner in die High-Society-Party des Jahres von Alexander Steiner, dem berühmt-berüchtigten Produzenten, ein.
Er sucht eine Gelegenheit ...

Ein erfolgloser und unbekannter Drehbuchautor schleicht sich als Kellner in die High-Society-Party des Jahres von Alexander Steiner, dem berühmt-berüchtigten Produzenten, ein.
Er sucht eine Gelegenheit dem erfolgreichen Produzenten sein Drehbuch vorzustellen.

Am nächsten Morgen treibt der Drehbuchautor tot im Swimming-Pool.

Die Schauspielschülerin Toni Lorenz wendet sich zunächst aus einem anderen Grund an den Privatdetektiv Edgar Brehm. Können sie gemeinsam eigene Ermittlungsansätze finden?



Ich glaube, nicht allzu sehr zu spoilern, wenn ich von einem interessanten Ermittlerduo spreche. Sie sind nicht füreinander bestimmt und müssen sich mächtig zusammenraufen, aber es macht Spaß sie dabei zu begleiten.

Viele Fehler und Missverständnisse streifen ihren Weg. Die Fehler sind nachvollziehbar und zeigen, dass es nicht immer der perfekte Ermittler mit dem enormen Bauchgefühl sein muss.

Toni wird sehr genau von der Autorin gezeichnet. Anfänglich wirkt sie unbekümmert nahezu naiv, wurde auf übelste Weise abgezockt, wollte es aber nicht wahr haben. Gestellten Aufgaben widmet sie sich mit Feuereifer und schießt natürlich anfänglich übers Ziel hinaus. Aber sie lernt.
Edgar Brehm, der lang erfolgreiche, jetzt aber vom Glück verlassene Privatdetektiv, nimmt Tonis Hilfe zunächst ungern an, aber auch er lernt dazu.

Bei den vielen kleinen Fortschritten des Duos und stetigen Rückschlägen hat der Leser permanent die Möglichkeit mitzuermitteln . So fliegt man durch die Seiten und viel zu schnell ist dieser amüsante und spannende Krimi zu Ende. Schade

Es wäre schön, wenn es davon noch Fortsetzungen gäbe.

  • Cover
  • Erzählstil
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Veröffentlicht am 16.03.2021

Überwältigend detailreich

Der Pakt gegen den Papst
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Dass Jorge Mario Bergoglio eine vollkommen andere Vorstellung von der Lebensweise und Aufgabenstellung eines Papsts einnimmt, hat wohl jeder Gläubige schon während der ersten Tage seinen Pontifikats feststellen ...

Dass Jorge Mario Bergoglio eine vollkommen andere Vorstellung von der Lebensweise und Aufgabenstellung eines Papsts einnimmt, hat wohl jeder Gläubige schon während der ersten Tage seinen Pontifikats feststellen können. Es wundert daher niemandem, dass sich die Kurie, die Jahrzehnte lang einen anderen Weg gegangen ist, wehrt und einen Pakt gegen den Papst schmiedet.


Andreas Englisch, als Vatikan Korrespondent mit einem riesigen Erfahrungsschatz und Einblick hinter den Kulissen, erklärt auf seiner unnachahmlichen Art die Hintergründe.

Er präzisiert zu jedem sich anbahnenden Zusammenschluss gegen den amtierenden Papst Franziskus die Ursache des Konflikts sowie den Zusammenhang zur geschichtlichen Entstehung.

Jemand, wie ich, der wenig Ahnung von dem Beziehungsgeflecht innerhalb des Vatikans hat, empfand dieses Buch heftig. Heftig, was die vielen Namen der Kardinäle, Assistenten, Priester und anderer Würdenträger betrifft, aber vor allem heftig, was die geschichtlichen Daten und Zusammenhänge betrifft.

Andreas Englisch habe ich bereits mehrmals bei Talk-Shows erlebt und weiß, dass er schwer in seinem Redeschwall zu bremsen ist. Aber was er auch alles weiß und zu berichten hat, übertrifft mein Verlangen nach Information und meine Aufnahmekapazität.

Ich habe sehr lange gebraucht um dieses Buch zu lesen, weil ich mehr als zwei Kapitel nicht verarbeiten konnte. Um nicht missverstanden zu werden. Ich finde das Buch gut und lesenswert, aber für mich war es öfters „too much“.

Nach der Lektüre dieses Buches habe ich eine andere Sicht auf gleich drei Päpste und dem Vatikan Staat. Viele Personalwechsel kann ich jetzt nachvollziehen und die Zustandsbeschreibung „kalter Krieg im Vatikan“ ist für mich jetzt verständlich.

Im Buch tauchen immer wieder Hinweise auf, dass Andreas Englisch von Mitgliedern der Kurie verbal heftig attackiert wird oder auch bewusst ignoriert wird. Teilweise nennt er Namen, derjenigen, die ihn attackieren oder er nennt auch Namen seiner Freunde. Da drängt sich mir immer die Frage auf: Darf der das?


  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 14.03.2021

Spannender Wettlauf mit wichtigen Infos

Klima
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Wieder einmal schlägt er zu. Zum fünften Mal zerstört, sprengt der „Green Man“ Ziele und Bauwerke, die unsere Umwelt zerstören, in die Luft. Mit seiner enormen Präzision und akribischen Planungsarbeit ...

Wieder einmal schlägt er zu. Zum fünften Mal zerstört, sprengt der „Green Man“ Ziele und Bauwerke, die unsere Umwelt zerstören, in die Luft. Mit seiner enormen Präzision und akribischen Planungsarbeit entwickelt er sich damit zum Helden der Umweltverbände, aber auch zum meist gesuchtesten Terroristen Amerikas.

Tom Smith, ein junger, unerfahrener Datenanalyst beim FBI hat dem Green Man eigentlich wenig entgegenzusetzen, da er hinter den Ideen der Umweltschützer steht, aber Green Man hat bei seinen Anschlägen auch Menschen getötet. Deshalb setzt Tom alles daran ihn zu fangen.


David Klass kreiert in diesem Thriller einen Spiegel zu den momentanen Umweltproblemen.

Er entlarvt dabei die Uneinsichtigkeit der Politik, sowie deren Trägheit im Erkennen der wirklichen Probleme. Die Lobbyisten der Macht-und Geldhungrigen Konzerne vernebeln ihnen derart den Blick, dass sie wirklich nur durch solch drastische Maßnahmen aufgerüttelt werden können.

Aber mit welchen Folgen wird ihre Aufmerksamkeit erreicht. Menschen sterben bei diesen Anschlägen, der Täter wird gejagt, gefangen und bestraft. Aber von der Politik kann man dann trotzdem keine Umkehr erwarten. Green Man hofft, die jungen Menschen aufzurütteln, zum Protest aufzurufen um somit massiven Druck auf die Politik auszuüben.
Im Thriller scheint es zu gelingen.

Aber was ist mit uns Lesern? Kann der Autor bei uns mit diesem Thriller etwas bewirken?
Ich glaube nicht, dass viele junge Menschen Thriller lesen und deshalb die Botschaft aufnehmen können. Aber wenn er uns mittelalten oder älteren Leser zum Nachdenken und vielleicht sogar diskutieren bringt, hat er neben der spannenden Unterhaltung sehr viel erreicht.

Die einzelnen Charaktere Paul, Tom, Sharon, Ellen, aber auch Brennan und Grant gefallen mir sehr gut. Sie haben alle ein Ziel vor Augen, das seine Berechtigung hat. Sie streben danach, aber in Gegensatz zu vielen Politikern und insbesondere Lobbyisten, halten sie ihre Augen offen und das finde ich gut.

Mir hat der Thriller super gefallen. Die Spannung wurde immer hochgehalten, die Handlung erlaubte immer einen kritischen Blick aufs Ganze und er regt wirklich zum Nachdenken an.

  • Cover
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Veröffentlicht am 02.03.2021

Falsch verstandene Liebe

Unter Wölfen - Der verborgene Feind
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Isaak Rubinstein, alias Adolf Weissmann, hält sich in Nürnberg nach erfolgreicher Mordermittlung noch zu Spionagezwecken auf. Statt einer umfangreichen Suche nach Sabotageunterlagen wird er von einem weiteren ...

Isaak Rubinstein, alias Adolf Weissmann, hält sich in Nürnberg nach erfolgreicher Mordermittlung noch zu Spionagezwecken auf. Statt einer umfangreichen Suche nach Sabotageunterlagen wird er von einem weiteren Mord überrascht, um dessen Ermittlung er von höchster Stelle gebeten bzw. aufgefordert wird.
Nur noch wenige Tage bleiben ihm, einerseits den Mörder der jungen Gisela Hofmann zu finden und andererseits die Sabotagepläne zu beschaffen und an den Widerstand weiterzugeben.

Frau Beer hat einen sehr atmosphärischen Kriminalroman geschaffen.

Anfangs hatte ich meine Schwierigkeiten in die Geschichte, die zur Zeit des 2. Weltkriegs, der Judenverfolgung und Nazi-Herrschaft spielt, hineinzukommen. Durch Alex Beer genialen Schreibstil und Erzählkunst hatte ich nach einiger Zeit den Eindruck, mich mitten in dieser Nazi Gesellschaft zu befinden, die sich ständig gegenseitig beobachten, nahezu belauern und verdächtigen.

Wäre die damaligen Verhältnisse nicht so grausam und gewalttätig gewesen, könnte man der Darstellung von Isaak Rubinstein eine gewisse Komik abgewinnen. Er spielt einen cholerischen, distanzierten und kalten Ermittler, obwohl er doch selber weich, besonnen und verständnisvoll um sein Überleben und das seiner Lieben kämpft.

Das ist auch das Einzige, was mich an Isaak Rubinstein und an diesen Krimi stört. Mir ist Isaak zu gut, zu glatt, zu lieb, zu nett, auch wenn ich zugeben muss, dass man besser den Unterschied zwischen Adolf und Isaak nicht hätte darstellen können.

Ich denke, da steckt noch viel Potenzial in Isaak Rubinstein. Um zu überleben, wird seine weiße Weste nicht mehr blütenrein bleiben können. Ich bin gespannt, wie er sich nach der „Katastrophe am Samstag“ weiter schlagen wird.

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