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Veröffentlicht am 12.07.2020

Jetzt backen auch die Kleinen

Kinder backen mit Christina
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In diesem Band hat sich die Autorin Christina Bauer dem Thema „Backen mit Kindern“ gewidmet. Sie lebt und arbeitet selbst mit ihrer Familie als Landwirtin auf dem Bramlhof und bringt viele ihrer Erfahrungen ...

In diesem Band hat sich die Autorin Christina Bauer dem Thema „Backen mit Kindern“ gewidmet. Sie lebt und arbeitet selbst mit ihrer Familie als Landwirtin auf dem Bramlhof und bringt viele ihrer Erfahrungen in dieses Buch mit ein. Vor allem die Fotos motivieren und laden zum Nachahmen ein, den Kindern ist die Freude über das Leben auf dem Land wirklich anzusehen.
Das Buch ist auch sonst wieder einmal wunderschön und hochwertig gestaltet worden. Es teilt sich in drei Bereiche: die Zutaten, die Rezepte und das Leben auf dem Bauernhof. Dabei sind Erwachsene und Kinder gleichermaßen angesprochen. Wie die Autorin schreibt, sind die Rezepte für größere Kinder gut selbst durchführbar. Für die Kleinen wäre die Schrift auch eher zu klein, aber zum Vorlesen ist es toll und die Bilder passen wunderbar dazu und versprühen einfach gute Laune.
Der erste Teil behandelt die Zutaten und bietet viele, auch kindgerechte, Hintergrundinformationen, für die Kleinen mit diversen Experimenten unterstützt. Schön finde ich auch die Übersicht der unterschiedlichen Mehlbezeichnungen in Deutschland und Österreich, die bereits im Band „Brot backen mit Christina“ enthalten war. Außerdem gibt es noch einen Teil mit Tipps zum Backen mit Kindern. Nicht unbedingt neu, aber für einige sicher nochmal eine schöne Erinnerung, dass man es eben mit Kindern zu tun hat und manchmal etwas Geduld und Toleranz zeigen sollte, denn Essen und dessen Zubereitung sollen Spaß machen und sind essenziell und sollte einem nicht schon als Kind vermiest werden.
Der Rezeptteil ist übersichtlich gestaltet, die Bilder machen Lust aufs Nachbacken und es gibt immer noch Tipps zu den einzelnen Rezepten. Diese sind vielleicht nicht immer neu und manchmal auch recht ähnlich, vor allem, wenn man bereits das Brotbackbuch kennt, aber mit viel Liebe umgesetzt und auf jeden Fall eine schöne Zusammenfassung. Bei manchen Rezepten muss man für sich selbst ein wenig ausprobieren, die Backzeiten verändern oder etwas weniger Flüssigkeit oder Fett bzw. mehr Mehl verwenden, da der Teig manchmal doch etwas zu weich war. Dass nicht nur, wie der Titel vermuten lässt, Backrezepte enthalten sind, finde ich nicht schlimm, da es meist um Dinge geht, die unmittelbar mit den Rezepten zu tun haben, wie der Joghurt, der als Zutat verwendet wird oder die Erdbeermarmelade als Belag. Größere Kinder werden die Rezepte weitestgehend alleine umsetzen können, die Kleinen können nach Anleitung schon viel selbst übernehmen und können bereits einiges lernen vom Abwiegen über die motorischen Fertigkeiten und das Gestalten.
Der letzte Teil widmet sich dem Leben auf dem Bauernhof und somit auch dem Leben nach den Jahreszeiten. Für Kinder werden hier sehr anschaulich die vielen Arbeiten beschrieben, mit denen ein Bauer tagtäglich zu tun hat, es gibt Informationen zu einzelnen Tieren und auch hier wieder wunderschöne und lebensfrohe Fotos.
Insgesamt für mich ein rundes und stimmiges Buch, das ich selbst sicher schon als Kind geliebt hätte!

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 29.06.2020

Schicksalswege mehrerer Generationen in mittelalterlicher Kulisse

Der Turm aus Licht
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Im Buch „Der Turm aus Licht“ von Astrid Fritz geht es um den Bau des Freiburger Münster und die Menschen, die daran beteiligt waren, dass er zu dem wurde, was er ist – ein Meisterwerk. In drei Teilen ...



Im Buch „Der Turm aus Licht“ von Astrid Fritz geht es um den Bau des Freiburger Münster und die Menschen, die daran beteiligt waren, dass er zu dem wurde, was er ist – ein Meisterwerk. In drei Teilen wird die Geschichte mehrerer Familien erzählt, einige von ihnen auch historisch belegt. So bewegt sich die Erzählung mit seiner gelungenen Mischung aus Realität und Fiktion über Generationen hinweg. Man lernt den Straßburger Baumeister Gerhard und dessen Frau Odilia kennen, den späteren Baumeister Heinrich und dessen Familie, die Händlerfamilien der Wohllebs und Loderers und viele andere, die wir auf ihrem Schicksalsweg begleiten dürfen.
Dabei erfahren wir nahezu nebenbei noch viel über Architektur, wenn der Bau des Münsters beschrieben wird und über die Gesellschaft im Mittelalter. Welchen Einfluss hatte die Grafenfamilie, welche Rolle spielten die Räte und die Frauen, wie sind die Zünfte aufgebaut und vieles andere mehr, was die Autorin gekonnt zu einem bunten Mosaik zusammenfügt. Im Anhang befindet sich ein Glossar mit den wichtigsten Begriffen zum besseren Verständnis.
Trotz der rund 800 Seiten fliegt die Geschichte nur so dahin, da man mit den einzelnen Personen mitfiebern kann. Die vielen verschiedenen Figuren haben mich dabei erstaunlicherweise gar nicht durcheinandergebracht – notfalls gibt es aber auch ein Namensregister, in dem man sich orientieren kann. Für mich ist das ein eindeutiges Zeichen, dass ich mich gut in die einzelnen Charaktere hineinversetzen konnte. Und auch, wenn einige Szenen vorhersehbar waren, passten sie gut ins Gesamtbild und haben mich großartig unterhalten. Dieses Buch steht anderen bekannten Werken dieser Art in nichts nach!

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 11.06.2020

Gelungener Auftakt der Cold Case-Ermittlerin

Enna Andersen und das verschwundene Mädchen
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Hauptkommissarin Enna Andersen kommt nach dem Tod ihres Mannes in den Polizeidienst zurück. Jedoch nicht in ihre alten Abteilung, sondern als Leiterin des Ressorts „Altfälle“. Für ihr neues Team werden ...

Hauptkommissarin Enna Andersen kommt nach dem Tod ihres Mannes in den Polizeidienst zurück. Jedoch nicht in ihre alten Abteilung, sondern als Leiterin des Ressorts „Altfälle“. Für ihr neues Team werden Enna der degradierte Oberkommissar Jan Paulsen und die frisch gebackene Kommissarin Pia Sims an die Seite gestellt. Gemeinsam wählen sie aus der Aktenflut den Fall der vermissten Marie Hansen aus, die zehn Jahre zuvor als Neunjährige nachts auf einer Klassenfahrt auf der Insel Wangerooge einfach spurlos verschwand. Und als wäre der Fall an und für sich nicht schon kompliziert genug, muss sich auch das Team um Enna zunächst zusammenraufen, um erfolgreich ermitteln zu können.
Alte Protokolle werden noch einmal genauestens untersucht, Zeugen erneut aufgesucht, aber ein logisches Motiv lässt dennoch auf sich warten. Doch nach und nach stoßen Enna und ihre Kollegen auf Ungereimtheiten, die sie aufhorchen lassen und das Netz um die vermeintlichen Täter enger zuziehen.
Da ich die Nordseeinsel Wangerooge liebe, war ich sehr auf das Buch gespannt. Und auch, wenn es die meiste Zeit gar nicht dort, sondern im wunderschönen Oldenburg spielt, hat mich die Geschichte gleich in Beschlag genommen. Auch das Cover mit seiner düsteren Stimmung passt hier perfekt dazu. Interessant fand ich vor allem, das neue Team von Beginn an begleiten zu dürfen, denn es handelt sich hier um den Auftakt einer neuen Reihe um die sympathische alleinerziehende Kommissarin Enna.
Den Anteil an Privatem und Ermittlertätigkeit finde ich sehr gelungen und ausgewogen. Für mich ist es wichtig, auch etwas Persönliches über die Protagonisten zu erfahren, da es meiner Meinung nach manchmal erklärt, warum sie in dieser oder jener Situation so und nicht anders handeln. Und im wahren Leben lassen sich diese beiden Stränge ja auch oft nur sehr schwer trennen.
Die ständigen Anzickereien der neuen Kollegen haben beim Lesen Spaß gemacht. Gleichzeitig haben sich Enna, Pia und Jan aber auch gut ergänzt, jeder hat seinen Schwerpunkt, den er im aktuellen Fall nutzen konnte. Die Frage nach dem Täter habe ich mit Spannung bis zum Schluss verfolgt und mir selbst immer wieder die Frage gestellt, wer es denn wohl sein könnte. So nahm das Ende dann auch eine für mich ziemlich unerwartete Wendung.
Insgesamt war die Geschichte toll und flüssig zu lesen und bis auf ein paar Kleinigkeiten gegen Ende, die ich hier aus Spoilergründen nicht näher erläutern möchte, ein äußerst kurzweiliges Lesevergnügen. Ich freue mich schon auf die Fortsetzung…

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 07.06.2020

Nordseeliebe oder Gipfelglück?

Strandkorbliebe
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Antje lebt auf Norderney und hat bereits vor 15 Jahren den Männern abgeschworen, nachdem ihre Urlaubsliebe Michael sich nie wieder gemeldet hat. Seitdem traut sie keinem Kerl mehr über den Weg und kümmert ...

Antje lebt auf Norderney und hat bereits vor 15 Jahren den Männern abgeschworen, nachdem ihre Urlaubsliebe Michael sich nie wieder gemeldet hat. Seitdem traut sie keinem Kerl mehr über den Weg und kümmert sich lieber um die Apartments, die sie zusammen mit ihren Eltern vermietet, denn auch ihre kleine Schwester hat sich einfach aus dem Staub gemacht und ihr das Geschäft überlassen.
Als dann plötzlich Michael mitsamt seinen Eltern wieder vor Antje steht, will sie ihn eigentlich am liebsten einfach ignorieren. Aber dann kommen die alten Gefühle wieder hoch und die Fragen, die sie sich seitdem immer wieder gestellt hat. Wird ihre Liebe noch eine zweite Chance haben?

Wie der Titel und das Cover es bereits erahnen lassen, handelt es sich hier um eine wunderschöne Liebesgeschichte, die man ganz schnell weggelesen hat und bei der man zwangsläufig an seine eigene erste Liebe denken muss. Die Charaktere sind toll beschrieben, mit viel Liebe zum Detail und auch die Landschaftsbilder, die die Autorin malt, laden zum Träumen ein. Bei der einen oder anderen Reaktion hat man zwar das Gefühl, dass es sich bei den Protagonisten immer noch um Teenager handelt, aber Liebe veranlasst einen ja auch immer mal wieder zu komischen Dingen. Das tat meiner Lesefreude keinen Abbruch.
Auf Norderney war ich zwar bisher noch nicht, aber das Buch vermittelt das Gefühl, dass ich bei meinem ersten Besuch dort die Orte des Geschehens wiedererkennen würde. Das Ende überrascht den ein oder anderen sicher mit einer unerwarteten Wendung. Für mich definitiv ein locker-leichtes Frühlingshighlight!

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 06.06.2020

Wenn die stummen Wächter sprechen könnten…

Die stummen Wächter von Lockwood Manor
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England 1939. Um die Exponate vor eventuellen Bombenangriffen zu schützen, werden die Sammlungen im Land verstreut untergebracht. So gelangt Hetty Cartwright nach Lockwood Manor, wo sie für die Säugetiersammlung ...

England 1939. Um die Exponate vor eventuellen Bombenangriffen zu schützen, werden die Sammlungen im Land verstreut untergebracht. So gelangt Hetty Cartwright nach Lockwood Manor, wo sie für die Säugetiersammlung verantwortlich ist. Dort trifft sie auf den verwitweten Hausherrn und dessen Tochter Lucy, die sich in etwa in Hettys Alter befindet. Doch dann geschehen seltsame Dinge im Herrenhaus. Tiere verschwinden oder werden beschädigt und überhaupt scheint es im ganzen Anwesen zu spuken.
Hetty, die bisher nur für ihr Museum gelebt hat, sieht sich einer Verschwörung gegenüber, scheint der Hausherr seine Meinung zur Unterbringung der Exponate auf Lockwood Manor wohl geändert zu haben. Und Lucy, mit der sich Hetty langsam anfreundet, kämpft mit inneren Dämonen.
Die Figuren finde ich meist gut ausgearbeitet. Hetty, die in ihrer eigenen Welt mit den Exponaten lebt, die keine richtige Familie kennt, Menschen eher meidet, immer in Sorge ist, dass sie ihre übertragene Aufgabe nicht zufriedenstellend meistern wird, die aber gleichzeitig wie eine Löwin für ihre Meinung einsteht, wenn sie dem Major Lockwood Paroli bieten muss. Auch, wenn es meist an diesem abprallt. Lucy, von Albträumen geplagt, einerseits freiheitsliebend, sie würde so gerne ausbrechen, andererseits aber mit Traditionen behaftet und psychisch zu labil, Lockwood Manor zu verlassen. Der Hausherr, Major Lockwood, den der Tod von Frau und Mutter kaum zugesetzt zu haben scheint und der allerlei Liebschaften pflegt. Die einzelnen Hausangestellten und nicht zuletzt Lucys verstorbene Mutter, auf die immer wieder die Sprache kommt. Warum kam sie wirklich nach England, was passierte dort, was sie zu der werden ließ, die sie am Ende war? Das wunderschöne Cover griff die Bilder der Geschichte dazu perfekt auf. Die verschiedenen Perspektiven von Hetty und Lucy wurden durch unterschiedliche Schriftarten hervorgehoben, was ich als sehr hilfreich empfunden habe. Auch die verschachtelten Sätze waren für mich kein Grund zur Trübung des Lesevergnügens, sondern passte für mich zu der inneren Zerrissenheit und teilweisen Verwirrtheit der Charaktere.

Wer einen reißerischen Thriller oder eine wirkliche Gruselgeschichte erwartet hat, wird enttäuscht werden. In diesem Roman geht es sehr viel subtiler zu. Im Laufe der Geschichte entwickeln sich immer mehr Fragen und das Ende kommt nicht bombastisch daher, sondern mit eher leisen Tönen. Dennoch stellte sich für mich durchweg ein untergründiges Schauergefühl ein. Die ein oder andere Stelle hätte vielleicht noch etwas tiefgründiger sein können, das Ende nicht ganz so einfach, dabei gab es auch die ein oder andere eher unerwartete Wendung. Alles in allem war es für mich dennoch ein Lesevergnügen und ich fühlte mich in die Zeit der großen Frauenromane von Jane Austen und den Brontë-Schwestern zurückversetzt, die auch für die Autorin ein großes Vorbild sind.

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere