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Veröffentlicht am 25.03.2021

Lebendiges Leseerlebnis, leider oft langatmig und nicht mitreißend

Die Stadt der Gaukler
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In dem Buch geht es um Riki und einen Wanderzirkus, welche durch die Spuren eines gestohlenen Karneolvogels (ein wichtiges Artefakt) in die Stadt der Gaukler finden. Dort werden sie Opfer eines Rachefeldzugs ...

In dem Buch geht es um Riki und einen Wanderzirkus, welche durch die Spuren eines gestohlenen Karneolvogels (ein wichtiges Artefakt) in die Stadt der Gaukler finden. Dort werden sie Opfer eines Rachefeldzugs gegen Ramiro, Rikis Geliebten und als wenn das nicht schon genug wäre, holt Ramiro auch noch seine Vergangenheit ein, sodass die Liebe zwischen ihm und Riki zu zerbrechen scheint.

Zunächst einmal muss ich sagen, dass es sich hierbei um den zweiten Teil der Trilogie handelt, den ersten habe ich nicht gelesen. Die Bände hängen zwar zusammen, jedoch kann nach Aussage der Autorin Band 2 auch problemlos ohne die Vorkenntnisse aus dem ersten Band gelesen werden.
Ich hatte tatsächlich keinerlei Erwartungen an das Buch und war also offen für die Geschichte. Der Start fiel mir relativ schwer, ich brauchte einige Zeit, um mit den Charakteren und dem Setting warmzuwerden. Außerdem langweilten mich die ersten Kapitel ein bisschen, da sie sehr zäh waren und ich einfach nicht die Motivation hatte weiterzulesen.
Was mich anfangs ebenfalls aus persönlichen Vorlieben störte, war die personale Erzählweise. Zuerst wirkte sie sehr nüchtern auf mich und ich stellte mich auf eine emotionslose Geschichte ein, ich wurde aber positiv überrascht, denn tatsächlich schaffte es die Autorin trotz der Er-/Sie Perspektive mit einem lebendigen Schreibstil viele Gefühle zu vermitteln.
Die Thematik des Wanderzirkus empfand ich als sehr erfrischend und auch das Setting der Stadt der Gaukler gefiel mir nach anfänglichen Schwierigkeiten gut. Zudem war es interessant Einblicke in die viktorianische Kultur zu bekommen!

Bei den Charakteren brauchte ich definitiv Zeit, um sie einschätzen zu können und mir eine Meinung zu bilden. Bei einigen (wie beispielsweise Ianos) war ich mir selbst am Ende nicht sicher, wie ich sie einstufen sollte.
Zunächst aber zu den Protagonisten, die hier wahrscheinlich Riki und Ramiro oder vielleicht auch eher nur Riki waren. Dass aber alleine schon die Hauptcharaktere so schwer zu identifizieren sind, finde ich schade, denn die vielen verschiedenen Charaktere gefielen mir zwar, jedoch hätte man den Fokus möglicherweise mehr auf eine oder zwei bestimmte Personen legen können.
Riki mochte ich größtenteils, sie hatte eine sehr aufgeschlossene Art und war mir nur manchmal zu selbstmitleidig.
Ramiro hingegen war anfangs sogar ebenfalls noch sympathisch, im Laufe der Geschichte bekam ich jedoch eine immer schlechtere Meinung von ihm. Seine Art mit dem Betrug von Riki umzugehen war nicht nur absolut abstoßend, sondern vermittelte auch dem Leser ein falsches Bild. Hier hätte ich mir gewünscht, dass sein Fehler NOCH mehr als etwas Negatives dargestellt werden würde.
Die restlichen Charaktere vom Wanderzirkus schloss ich in mein Herz, vor allem Dolores begeisterte mich mit ihrem herzensguten Wesen.
Mein absoluter Lieblingscharakter war definitiv Alessara, da sie so wichtige Werte verkörperte und einfach eine starke Frau war, die ich von ganzem Herzen bewundere. Außerdem war das Thema der Persönlichkeitsstörung, was bei ihr gegen Ende angesprochen wurde, sehr spannend und überraschte mich total.

Insgesamt konnte mich die Geschichte leider selten vollkommen fesseln, sodass mir die langsamen Passagen die Lust zum Weiterlesen nahmen. Dennoch mochte ich die Thematik und den Plot, es war kein Buch mit ultimativen Twists, aber dafür eine lebendiges und buntes Leseerlebnis

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 03.03.2021

Eine durchschnittliche Romantasy Geschichte

Touch of Ink, Band 1: Die Sage der Wandler
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In dem Buch geht es um Quinn, die nach Vancouver zu ihrer Schwester zieht. Dort trifft sie auf Nathan, den sie sofort faszinierend findet. Doch hinter seiner mysteriösen Fassade befindet sich mehr als ...

In dem Buch geht es um Quinn, die nach Vancouver zu ihrer Schwester zieht. Dort trifft sie auf Nathan, den sie sofort faszinierend findet. Doch hinter seiner mysteriösen Fassade befindet sich mehr als Quinn dachte und es scheint so als wenn er auch mit ihr verbunden wäre, mit ihrem Tattoo und mit ihren Visionen. Er entführt sie in eine ganz andere Welt und sie lässt sich mitziehen.

Der Anfang konnte mich schon catchen, nur war er auch nicht unfassbar spannend und dieses Gefühl begleitete mich das ganze Buch über. Es gab kaum Stellen mit Suchtfaktor, die Geschichte entwickelte sich eher langsam und ruhig, ein wenig zu langsam für meinen Geschmack. Das Ende konnte mich dafür mitreißen, auch wenn ich es wegen der plötzlich überschlagenden Ereignisse eher als unrealistisch einstufen würde.
Den Schreibstil der Autorin mochte ich und er war das ganze Buch über angenehm zu lesen, jedoch war auch er (wie leider vieles andere) im Buch nicht überragend.
Das Thema und die von der Autorin erschaffene Welt waren dafür wirklich gut umgesetzt und die Idee mit den Spezies der Wandler und Sänger hatte eine Unverwechselbarkeit. Einige Zusammenhänge in der Geschichte wirkten auf mich manchmal zu gewollt und zu konstruiert, beispielsweise war jeder und jede, den/die die Protagonistin Quinn traf Teil von der mysteriösen Welt der Wandler und Sänger. Außerdem erwartete ich mehr Romance zwischen den Protagonisten in dem Buch und wurde in dieser Hinsicht enttäuscht…

Nun zu den Charakteren: Quinn gefiel mir im Allgemeinen, nur an einigen Stellen fand ich ihre durchgehende Akzeptanz und die dauerhafte Ruhe etwas unauthentisch. Bei ihr hätte ich mir also impulsivere Reaktionen und Aktionen gewünscht.
Nathan mochte ich das gesamte Buch über, seine Handlungen waren deutlich menschlicher sowie nachvollziehbarer, beispielsweise zog er sich auch mal zurück und schottete sich von der Welt ab, um seine Gedanken zu sortieren.
Tohmah schloss ich zwar in mein Herz, jedoch verwirrte mich sein Charakter extrem. Es passte für mich einfach nicht zusammen, dass er Quinns Sänger wurde und zudem spürte ich einige Funken zwischen den beiden, was mich aber irritierte, da ich eine Liebesgeschichte von Nathan und Quinn erwartete. Zum Glück entwickelte sich die Situation nicht zu einer Dreiecksbeziehung, was ich absolut nicht mag, dennoch war sie kurz davor.
Sam war für mich ein total frischer und sympathischer Charakter, ich mochte es ebenfalls, dass man ihn schon relativ früh und deshalb im Laufe der Geschichte gut kennenlernte.
Den Blaises‘ bin ich skeptisch gegenüber, da ich sie und ihren Tribe noch nicht ganz einschätzen kann. Bisher wirken sie eher arrogant und herzlos, allerdings kann ich mir bei einigen von ihnen, wie beispielsweise bei Gabriel vorstellen, dass es nur eine Maske ist und sie vielleicht doch das Herz am richtigen Fleck haben.
Was mich in diesem Buch störte war, dass einige Charaktere kurz angesprochen wurden, dann hingegen gar nicht mehr bzw. kaum erwähnt wurden oder sogar ganz von der Bildfläche verschwanden. Ein Beispiel dafür ist Maya und sie fand ich auf den ersten Seiten schon komisch und irgendwie sehr unnahbar.

Insgesamt gefiel mir das Buch trotz der Kritikpunkte gut, es war eine mysteriöse Geschichte mit starken Charakteren, von der ich mir nur manchmal ein wenig mehr Authentizität gewünscht hätte.

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 17.02.2021

Eine wahre Enemies-to-lovers Geschichte

Dare to Trust
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In dem Buch geht es um Tori und Hayden, die sich von der High School kennen. Dort waren sie Feinde und trotzdem schloss Hayden Tori schon in sein Herz. Nun begegnen sich die beiden wieder und aus Rachelust ...

In dem Buch geht es um Tori und Hayden, die sich von der High School kennen. Dort waren sie Feinde und trotzdem schloss Hayden Tori schon in sein Herz. Nun begegnen sich die beiden wieder und aus Rachelust stellt Hayden Tori als Assistentin bei seinem Plattenlabel ein. Doch bald merkt er, dass Tori nicht mehr die ist, die er kannte und auch sie verliebt sich allmählich in ihn…

Ich hatte einen sehr angenehmen Einstieg in die Geschichte, die Storyline konnte mich sofort mitziehen auch wenn sie eher ruhig war. Auch der Schreibstil war toll, dadurch hatte ich einen flüssigen Lesefluss. Was mir ebenfalls gefallen hat war, dass die Geschichte aus zwei Perspektiven erzählt wurde, denn so hatte ich einen Einblick in die Gedankenwelt von Hayden und Tori.

Genauso abholen konnte mich das Thema enemies to lovers, die Entwicklung ging mir nicht zu schnell und wurde wirklich realistisch dargestellt. Das Setting des Plattenlabels und das Setting New York im Allgemeinen war interessant und gab der Geschichte einen Wiedererkennungswert.

Bei dem Aufbau muss ich (wie leider so oft) das Ende kritisieren, da die ganze Geschichte eher friedlich verlief und die letzten Kapitel dann voll mit Drama waren. Das Drama im Allgemeinen störte mich nicht, ich habe sogar auch darauf gewartet, aber es wurden in viel zu kurzer Zeit zu viele Themen angeschnitten und zu schnell abgehandelt. Dazu kommt, dass einige Plottwists für mich einfach weggelassen hätten werden können, da sie wenig zur Handlung beitrugen.
Ein weiterer Punkt, der mich am Ende störte, war der Kitsch. Natürlich ist es ein Liebesroman, den ich gelesen habe, dennoch wurde vor allem in den letzten Kapiteln gefühlt auf jeder Seite mit Komplimenten und Liebkosungen um sich geworfen.
Als letztes muss ich noch ein Ereignis nennen, das mich die Augen verdrehen lassen hat. Normalerweise bin ich kein Fan davon bestimmte Szenen als unrealistisch zu bezeichnen, aber hier war es leider wirklich der Fall. Wie viele Zufälle kann es denn geben? Und wie realistisch ist es, dass die Protagonistin Tori eine wildfremde Frau am Grab ihrer Eltern trifft, ihr ihre ganze Lebensgeschichte anvertraut und die Frau rien zufällig die perfekten Worte sagt, die Tori auf den richtigen Weg leiten? Dies wirkte auf mich einfach viel zu konstruiert und gewollt…

Nun aber zu den Charakteren: Die Protagonistin Tori war mir sympathisch, was auch daran lag, dass ich mich in vielen Fällen, wie z.B. bei ihrer Tierliebe, mit ihr identifizieren konnte. Zudem bewunderte ich ihre Entwicklung, die sehr krass war, jedoch nicht an Authentizität verlor. Ihr Schicksal machte sie zu einer sehr willensstarken Frau und ich las so gerne, wie sie sich im Laufe der Geschichte immer mehr öffnete.
Hayden war sehr liebevoll und gutherzig, nur trat er (vor allem in Szenen am Ende) als zu makellos und perfekt auf. Dieser Mann hat wirklich gefühlt keine einzige falsche Entscheidung getroffen, was für mich irgendwann einfach gruselig war und nach außen auch meiner Meinung nach ein falsches Bild vermittelt. Es wurde zwar nicht direkt ausgesprochen, dass Fehler unmenschlich ist und ich bin auch sicher es war nicht die Intention der Autorin dies zu rüberzubringen, aber unterbewusst kann sich das auf den Leser auswirken.
Dafür hatten die Nebencharaktere Ecken und Kanten, was Haydens Darstellung ein wenig ausgeglichen hat. Quinn und Dorian waren beide spannende Personen, vor allem von Dorian hätte ich gerne noch mehr erfahren, auch weil seine Persönlichkeit immer als sehr geheimnistuerisch beschrieben wurde.
Mein absoluter Lieblingscharakter war definitiv Donna, denn wie stark und bewundernswert ist diese Frau bitte?! Szenen mit ihr las ich einfach am liebsten und ihre liebevolle Art Tori gegenüber war absolut herzerwärmend.
Auch Kyle schloss ich in mein Herz, mir gefiel es generell, dass der schwere Alltag von Waisenkindern/Kindern, die schwere familiäre Verhältnisse haben beschrieben wurde.

Insgesamt konnte mich die Geschichte, wenn man über das Ende hinwegsieht, überzeugen. Die vermittelte Message, dass jeder Mensch sich verändern kann und eine zweite Chance verdient hat, mochte ich sehr.

  • Handlung
  • Erzählstil
  • Charaktere
  • Gefühl
  • Cover
Veröffentlicht am 03.01.2021

Eine tiefgründige Best Friends to Lovers Geschichte

Never Too Close
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In dem Buch von Morgane Moncomble geht es um Loan und Violette, die sich sehr nahestehen und beste Freunde sind. Doch dann bittet Violette Loan um einen Gefallen, der ihre Freundschaft zu mehr werden lassen ...

In dem Buch von Morgane Moncomble geht es um Loan und Violette, die sich sehr nahestehen und beste Freunde sind. Doch dann bittet Violette Loan um einen Gefallen, der ihre Freundschaft zu mehr werden lassen könnte…

Ich muss vorab sagen, dass ich Band 2 „Never too late“ also Zoés und Jasons Geschichte zuerst gelesen habe, sodass mir die Charaktere keinesfalls fremd waren und ich auch die Storyline schon kennenlernte (beide Bücher spielen in etwa zeitgleich).
Deshalb kam ich auch hier gut in die Geschichte rein und liebte Morgans Schreibstil erneut. Sie schreibt so angenehm und gleichzeitig humorvoll, dass man einfach mitgerissen wird. Auch, dass hier ebenfalls Kapitel aus der Vergangenheit eingebaut waren, gefiel mir und diente zum besseren Verständnis.

Beide Protagonisten waren mir eigentlich sympathisch. Violette mochte ich anfangs schon, da sie als eine sehr willensstarke Person auftrat und ich ihr Verhalten meist nachvollziehen konnte. Im Mittelteil änderte sich meine Meinung zu ihr jedoch, da ihre Handlungen nun teilweise nicht mehr nachvollziehbar waren. Natürlich bin ich noch nicht in der Situation gewesen, dass ich in einer Beziehung bin, mich aber nicht von meinem Freund entjungfern lassen will, sondern stattdessen meinen besten Freund nach diesem Gefallen frage und das alles auch noch hinter dem Rücken des Freundes durchziehe, aber ich konnte bei diesem Part einfach nicht richtig mitfühlen und fand die Handlungsstränge ein bisschen zu krass und übertrieben. Zum Glück veränderte sich meine Meinung zu Vio gegen Ende noch ins Gute, vor allem, weil sie durch die Aktion von Clément noch stärker wurde und sie zwar erneut sehr impulsiv, aber für mich wieder nachvollziehbar handelte. Während des ganzen Romans war ihr Verhalten zu Loan aber wundervoll, denn sie verhielt sich sehr offen, ehrlich und sanft.
Die Charakterzüge von Loan zogen sich durch das ganze Buch, er blieb die loyale und warmherzige Person, die man schon am Anfang kennenlernte. Ihn schloss ich sofort in mein Herz, auch weil sein Verhalten Violette gegenüber, beispielsweise bei ihren Panikattacken bewundernswert ruhig, bedacht, mitfühlend und rücksichtsvoll war. Umso realistischer und authentischer erschien dann sein Verhalten bei Éthans Tod, denn man lernte ebenfalls eine andere Seite von ihm kennen. Nur bei einem Punkt war mir Loan die ganze Geschichte über unsympathisch, nämlich bei seinen Gefühlen Lucie gegenüber. Es war zwar nachvollziehbar, trotzdem hätte ich mir gewünscht, dass er klarer Violette wählt und nicht sofort wieder zu Lucie läuft, noch nicht mal lange darüber nachdenkt.

Die Storyline der Geschichte war zwar an manchen Stellen dramatisch und ein wenig unrealistisch, dennoch mochte ich den Aufbau. Obwohl das Ende mit der Schwangerschaft von Violette eher ein Klischee bedient und ich normalerweise dieses Ende zu gewöhnlich finde, hat es dieses Mal für mich gepasst (und das sagt definitiv etwas über das Buch aus, ich meine in 90% der Fälle mag ich das Ende nicht haha), es erschien einfach passend.

Die angesprochenen Themen mochte ich ebenfalls total, die Krankheit von Loans Mutter war beispielsweise gut in die Geschichte eingebaut und dadurch lag der Fokus auch auf den Problemen von Loan. Violettes Probleme bekamen genauso die nötige Aufmerksamkeit und sie hat diese stark bewältigt. Beide Themen standen also im Gleichgewicht und wurden nicht zu schnell, sondern eher im richtigen Tempo, behandelt.

Abschließend kann ich sagen, dass ich das Buch trotz einiger störender Elemente wirklich gemocht und das Lesen genossen habe. Durch die fesselnde Storyline und den leichten Schreibstil, dem aber die Tiefe nicht fehlt, schafft Morgane Moncomble es einen mitzureißen. Ich empfehle die Geschichte auf jeden Fall weiter, trotzdem habe ich sie nicht durchgehend geliebt.

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 07.12.2020

Leider schwächer als erwartet...

LoveStar
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In dem Buch geht es um den Konzern Lovestar, der nahezu alles wissenschaftlich steuert, darunter auch die Liebe. Jedem Menschen wird genau eine Person zugewiesen, diese ist seine große Liebe. Sigridur ...

In dem Buch geht es um den Konzern Lovestar, der nahezu alles wissenschaftlich steuert, darunter auch die Liebe. Jedem Menschen wird genau eine Person zugewiesen, diese ist seine große Liebe. Sigridur und Indridi, ein junges Paar, kämpft gegen diese Macht und um ihre individuelle Liebe.

Der Anfang bzw. das erste Kapitel war schon unglaublich fesselnd und intensiv, aber auch anders, als die Bücher, die ich normalerweise lese. Der Schreibstil war sehr nüchtern, es wurden wenig Emotionen transportiert und der Wortschatz war auch anspruchsvoll. Was mir an der Struktur von diesem Roman besonders gefiel waren zwei Punkte, einmal die eher kürzere Kapitellänge und zudem noch die Absätze, die das Geschehen übersichtlicher machten. Es gab in etwa zwei parallellaufende Storylines, was ich am Anfang sehr gelungen fand, danach kam aber gefühlt noch eine dritte, eine vierte, etc., sodass sich bei mir einfach nur noch Verwirrung widerspiegelte.

Die Dialoge in dem Buch waren genauso wie die Gedankengänge der einzelnen Personen immer schön und flüssig zu lesen, sie waren eine willkommene Abwechselung von den sonst so kalten Beschreibungen. Was mir an dem Buch wahrscheinlich am besten gefiel war die Zukunftsversion, die der Autor sich ausdachte, denn sie war unglaublich realistisch, teilweise dann sogar erschreckend. Die verschiedenen Berufe (Geheimwirt, Spion, Kräher, …) und auch das Prinzip der „Reue“ waren stark umgesetzt, meiner Meinung nach waren das sehr kreative und spannende Ideen des Autors.

Die Charaktere in dem Buch waren vielschichtig, anstrengend, aber auch sehr einzigartig und bewundernswert. Die beiden Protagonisten, Indridi und Sigridur, gefielen mir als Paar gut, auch wenn ihre Beziehung nicht das war, was ich erwartet hätte. In meiner Vorstellung hätten sie einen noch stärkeren Zusammenhalt und einen größeren Kampfgeist gehabt.
Als einzelne Charaktere ist meine Meinung zu ihnen zwiegespalten.
Sigrdur mochte ich anfangs gerne, danach verlor sie für mich aber immer mehr an Stärke und wurde zu einer charakterschwachen Person. An einigen Stellen zeigte sie eine gefühlslose Seite, die mir unsympathisch war.
Indridi ist mir auf jeden Fall sympathischer als Sigridur, trotzdem störten mich auch an ihm einige Aspekte. Er ist sehr egozentrisch und bemitleidet sich selbst sehr, er stellt seine Probleme einfach stark in den Vordergrund und wird dabei außerdem noch zu einer dramatischen Person.
Kapitel aus der Perspektive von zwei Personen habe ich immer am liebsten gelesen. Zum einen waren es die aus Lovestars Sicht, zum anderen auch die von Simon. Lovestar war ein durchaus starker Charakter, vielleicht sogar der stärkste in dem Buch. Aus ihm wurde ich zwar das ganze Buch über nicht wirklich schlau, da er wie ein Rätsel für mich war, trotzdem waren seine Gefühle und Gedankengänge spannend zu verfolgen.
Simon hingegen durchschaute ich direkt am Anfang, er schien mir auch der „menschlichste“ Charakter zu sein mit dem man sich am besten identifizieren kann. Passagen mit bzw. über ihn waren am besten zu lesen.

Das Ende des Buches war nicht das, was ich erwartet hätte und das leider im negativen Sinne. Mir ging es schlicht und ergreifend zu schnell, Themen wurden zu schnell abgehandelt, wodurch auch durchaus Verwirrung aufkam. So ein ungenaues Ende kann nicht zufriedenstellend sein, wie es bei mir der Fall war, andererseits lässt es auch viel Interpretationsspielraum, weil es noch offene Fragen gibt.

Insgesamt war das Buch zwar manchmal verwirrend und zu kalt geschrieben, doch mir gefiel die Grundidee sehr. Dazu muss ich sagen, dass es keine einzige Stelle im ganzen Buch gab, an der ich nicht gerne weiterlesen wollte, es war durchgehend spannend. Trotz allem kann ich den Roman empfehlen, wahrscheinlich aber eher für Leser/innen, die öfter Dystopien lesen und auch komplexere Welten bzw. Ausdrücke gewohnt sind.

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere