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Hannicake

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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 12.05.2021

Emotionaler Auftakt, der einige ernste Aspekte thematisiert

Dear Sister
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Eine Geschwisterbeziehung, die sich mit der Zeit zu weitaus mehr entwickelt. Genau bei dieser Entwicklung begleiteten wir den 17-jährigen Joe, der sich zu seiner Zwillingsschwester Jenna hingezogen fühlt. ...

Eine Geschwisterbeziehung, die sich mit der Zeit zu weitaus mehr entwickelt. Genau bei dieser Entwicklung begleiteten wir den 17-jährigen Joe, der sich zu seiner Zwillingsschwester Jenna hingezogen fühlt. Wie genau er sich dabei fühlt und welche Wirkung dies auf die Außenwelt hat, das dürfen wir Leser miterleben.

Der Einstieg fiel mir nicht so leicht. Ich war zunächst etwas verwirrt und konnte, auch nachdem ich ein bisschen weitergelesen habe, nicht ganz verstehen, warum diese Szene als Anfangsszene gewählt wurde. Aber letztendlich konnte ich da gut drüber hinwegsehen und hatte auch schnell die Orientierung über das Geschehen und die Charaktere. Falls es euch mit dem Anfang genauso geht, Weiterlesen lohnt sich auf jeden Fall – es wird besser verständlich und leichter zu lesen.
Zudem hatte ich kleine Schwierigkeiten mit der Erzählperspektive - erzählt wird die Geschichte in der dritten Person. Aber auch daran habe ich mich schnell gewöhnt und den Schreibstil später als fesselnd und sehr flüssig empfunden, wozu auch die kurzen Kapitel beigetragen haben.

Jenna und Joe sind 17-jährige Zwillinge. Sie haben eine sehr enge Bindung zueinander und stehen immer füreinander ein, egal in welchen Situationen. Diese Geschwisterbeziehung ist wünschenswert und kann fast als Idealbild gesehen werden, jedoch kamen mir die beiden an verschiedenen Stellen sehr viel jünger vor, da ihr Verhalten teilweise sehr kindlich war. Das hat mich zunächst ein bisschen irritiert und überrascht, aber letztendlich ist es auch egal, ob sie 17 oder doch einige Jahre jünger sind, da es hier um die Grundproblematik, der Entwicklung von Liebesgefühlen zwischen Geschwistern geht. Zudem konnte man im Verlauf eine Entwicklung der beiden sehen.
Die beiden Protagonisten hatten schon zu Beginn eine Bindung zueinander, die meiner Ansicht nach schon über eine gute Geschwisterbeziehung hinausgeht - ein Küsschen auf die Wange in der Öffentlichkeit, ein zärtliches Streicheln der Hand und viele ähnliche Situationen, die für mich einfach zu viel waren. Aber für die beiden scheint es wohl normal zu sein und da es gefühlsmäßig noch eine Stufe höher gehen kann, war es auch gar nicht so dramatisch.

Schön finde ich, dass neben den Protagonisten Jenna und Joe auch deren beide Freunde Julia und Jack als Nebencharaktere eine wichtige Rolle spielen und diese ebenso gut ausgestaltet worden sind und ihren Raum in der Geschichte finden. Und mehr als einmal wird deutlich, was für gute Freunde die beiden sind und wie sie eine entscheidende Rolle für den weiteren Handlungsverlauf einnehmen.

Inhaltlich passiert nicht so viel in dieser Geschichte. Der Fokus liegt eher auf emotionaler Ebene. Uns Lesern werden die Gefühle von Jenna und Joe in den unterschiedlichen Lebenslagen vermittelt, ebenso wie die inneren Konflikte und die Zerrissenheit, die durch die "verbotenen" Gefühle entstehen. Diesen Fokus auf die Gefühle finde ich gut, aber manchmal hätte ich mir gewünscht, dass es noch mehr thematisiert wird, das heißt, dass wir noch mehr die Verwirrung der beiden und ähnliche Gefühle lesen können. Dass der inhaltliche Verlauf eher nachrangig abgehandelt wird, finde ich nicht störend, jedoch wären manchmal noch einige weiterführende Hintergrundinformationen für das Verständnis und die Nachvollziehbarkeit gewisser Gefühle und Handlungen hilfreich gewesen. Zudem tauchen an einigen Stellen Personen auf oder es geschehen Ereignisse, wo ich dachte, dass dort noch etwas kommt und diese eine entscheidende Rolle einnehmen, allerdings wird ihnen nur für den Moment eine höhere Bedeutung zugemessen und schüren mehr Erwartungen, als sie letztendlich für den weiteren Handlungsverlauf relevant sind – schade, da hätte man mehr draus machen können oder aber diese Szenen und Personen nicht in dem Ausmaße erwähnen können.

Das Thema wird sensibel behandelt. Neben der Hauptthematik - den Liebesgefühlen zwischen den Geschwistern - gibt es noch zahlreiche andere ernste Themen, die passend in die Handlung mit eingebracht worden sind, beispielsweise eine ungesunde Ausgestaltung einer Beziehung, auf die der Spruch "Liebe macht blind" perfekt zutrifft.

Das Ende war noch einmal sehr überraschend und spannungsgeladen. Damit habe ich bis zuletzt nicht mit gerechnet. Es weckt definitiv Interesse auf den zweiten Band der Dilogie, denn es sind noch einige Fragen ungeklärt und mit der mit Spannung und Dramatik gesäumten letzten Szene kann noch so gut wie alles passieren.

Auch, wenn es noch etwas Verbesserungspotenzial gibt, hat mir dieses Buch schöne Lesestunden geschenkt und ich habe Jenna und Joe bei ihrer emotionalen Reise gerne begleitet. Wenn ihr ein Buch über das Thema Geschwisterliebe sucht und für euch eine spannungsgeladene Geschichte nachrangig ist, kann ich euch dieses Buch empfehlen, denn auf emotionaler Ebene ist es sehr schön zu lesen.

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 07.04.2021

Wichtige Themen gut umgesetzt - emotionale Geschichte mit viel Tiefe

Veilchensturm
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Egal, wie gebrochen man ist, man ist es immer wert, geliebt zu werden.

Stargeiger Maddox Madness ist zurück. Mit der Absicht, die Welt ein bisschen besser zu machen und Kindern die Chance zu geben, die ...

Egal, wie gebrochen man ist, man ist es immer wert, geliebt zu werden.

Stargeiger Maddox Madness ist zurück. Mit der Absicht, die Welt ein bisschen besser zu machen und Kindern die Chance zu geben, die sie verdienen, kauft er ein Sommercamp, das er zusammen mit seinen zumeist ebenfalls berühmten Freunden herrichtet, sodass Kinder aus "Problemfamilien" dort einen unvergesslichen, aufregenden und abenteuerlustigen Sommer erleben können. Von den Mitarbeitern sticht eine jedoch aus der Reihe - Violet, die er vor einiger Zeit durch ihre Schwester kennengelernt hat und die nun unentwegt in seinen Gedanken schwirrt. Geht es ihr genauso? Wird dieser Sommer für die beiden vielleicht viel unvergesslicher als für die Kinder? Und was ist, wenn Maddox von seiner zum Teil schwierigen Vergangenheit überrollt wird - wer steht ihm dann zur Seite?
Tauche ein in die emotionale Geschichte von Violet und Maddox und finde die Antworten auf diese Fragen selber heraus.

Zu Beginn eines jeden Kapitels sind Schlagzeilen abgedruckt, die uns Lesern immer wieder vor Augen führen, aus welcher Gesellschaftsschicht die Charaktere kommen bzw. in welchen Kreisen wir uns bewegen, wenn wir das Buch lesen. Zudem verdeutlichen sie, dass der Ruhm und die damit verbundene Bekanntheit auch seine Schattenseiten hat und die Menschen, die sich eh schon in einer schwierigen mentalen Situation befinden, zerstören kann.

Erzählt wird die Geschichte abwechselnd aus der Sicht von Violet und Maddox. Dadurch bekommen wir Leser die Möglichkeit, nicht nur das in den Protagonisten zu sehen, was sie einen wissen lassen möchten, sondern auch darüber hinaus zu erfahren, was sie wirklich beschäftigt und wie abweichend teilweise ihre innere Gefühlswelt von der Wahrnehmung durch Außenstehende ist.
Schnell wird deutlich, dass Violet und Maddox eine Vergangenheit haben, die sie nicht nur auf positive Weise geprägt hat und keine fehlerfreien und immer glücklichen Menschen sind – wer ist das schon. Sie haben beide eigene, ganz unterschiedliche Probleme und Dämonen ihrer Vergangenheit, mit denen sie zurecht kommen müssen, aber das hält sie nicht davon ab, sich besser kennen zu lernen und die Hoffnung zu haben, sich gegenseitig stützen zu können.

Maddox lässt uns nicht nur an seinen gegenwärtigen Gefühlen, sondern auch an seiner Vergangenheit teilhaben. So können wir ihn besser verstehen bzw. nachvollziehen, warum er so gebrochen und sein wahrer Charakter anders ist, als er es mit Maddox Madness allen Menschen glaubhaft machen möchte. Wir erhalten hier also nicht nur Einblicke in sein Leben als Stargeiger Maddox Madness, sondern vor allem auch in das von Maddox Reynolds - seinem wahren Ich, das er nur wenigen zeigt und bei dem er sich nicht zu verstellen braucht. Immer wieder zeigt er sich uns von dieser wahren, verletzlichen Seite und beweist, was für ein liebevoller und herzensguter Mensch er ist, was unter anderem durch die friedliche Atmosphäre, die er für die Kinder den Sommer über geschaffen hat, verdeutlicht wird. Durch seine Ehrlichkeit und das nicht Schönreden von ernsten Aspekten, traumatischen Erfahrungen und dem nicht lobenswerten Verhalten mancher Personen wirkt er sehr authentisch, sodass es mir als Leserin gelungen ist, eine gute Bindung zu ihm aufzubauen.

Violet ist ebenfalls eine sympathische Protagonistin, die sich für andere aufopfern würde, wenn es notwendig wäre. Auch, wenn ihr Kennenlernen mit Maddox, wie ihr schnell lesen werdet, nicht gerade das beste war, so lernt sie doch schnell, trotz ihrer anfänglicher Unsicherheit und ihrer Scham seine Nähe zu genießen und locker sowie auf humorvolle Art mit ihm umzugehen. Leichter gesagt als getan, wie sie herausfindet, denn das Knistern zwischen ihnen kann sie nicht lange ignorieren.

Es werden viele ernste Themen angesprochen und intensiv aufgearbeitet - wenn ihr euch unsicher seid, ob ihr damit umgehen könnt, schaut euch am besten die Triggerwarnung an. Diese Themen werden umfassend und ernst sowie sensibel behandelt, sodass zum Einen das Ausmaß, die diese Themen auf die Protagonisten haben können, deutlich wird, zum Anderen aber auch mögliche Lösungewege aufgezeigt werden. Eine zentrale Message in diesem Buch ist, dass es nie zu spät ist, um glücklich zu werden und es immer Menschen gibt, die einem zur Seite stehen und sich nicht abwenden, nur weil man gerade vielleicht durch die Dunkelheit wandert anstatt im Licht zu gehen. Zudem zeigt uns insbesondere Violet, dass es nie zu spät, seine eigenen Träume zu finden und zu verwirklichen. Diese und weitere Gedankengänge und Erkenntnisse lassen sich schön zwischen den Zeilen rauslesen, verleihen der Geschichte Tiefe und vermitteln uns Lesern immer wieder Hoffnung und Zuversicht.

Ihr könnt euch auf ein hoffnungsvolles und schönes Ende freuen, das jedoch nicht alles verklärt, sondern aufzeigt, dass es auch weniger schöne Dinge und Erfahrungen gibt, die man trotz liebevoller Menschen an seiner Seite nicht vollkommen ablegen, sondern nur lernen kann, auf gute und gesunde Weise mit ihnen umzugehen.

Es ist von Vorteil, zumindest Band 3 der Reihe gelesen zu haben, in dem Maddox das erste Mal vorkommt, damit man bestimmte Anspielungen versteht und das Buch noch mehr bzw. umfassender genießen kann, aber es ist keine Voraussetzung, um den Inhalt hier zu verstehen. Das liegt vor allem daran, dass in diesem Band die Protagonisten aus den vorhergehenden Bänden keine große Rolle spielen, anders in anderen Teilen der Buchreihe.

Nach Maddox' und Violets grandioser Geschichte finde ich es sehr traurig, dass die how to be happy Reihe schon ihren fulminanten Abschluss gefunden hat, aber die Zeit, die wir bis hierhin mit all den tollen Protagonisten verbringen durften, war großartig und lohnt sich.

Insgesamt ist diese Buch sehr berührend, wahnsinnig emotional, mit ernsten Themen, die gut in die Handlung eingebaut worden sind und bei denen nicht alles beschönigt, sondern auch mal den Ernst der Lage verdeutlicht bzw. die Schattenseiten aufgezeigt worden sind. Ich kann es euch auf jeden Fall nur empfehlen!

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 07.04.2021

Spannende High Fantasy mit leicht düsterer Atmosphäre und zahlreichen expliziten Szenen

Fallen Shadows
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Tauche ein in eine liebevoll und schön erschaffene Welt, über die man schnell einen Überblick hat, die man sich bildlich vorstellen kann und in der man die Zeit dort genießen kann, zumindest wenn man sich ...

Tauche ein in eine liebevoll und schön erschaffene Welt, über die man schnell einen Überblick hat, die man sich bildlich vorstellen kann und in der man die Zeit dort genießen kann, zumindest wenn man sich nicht gerade in spannungsgeladenen kriegerischen Szenen befindet.

In diesem Buch treffen mehrere Charaktere aus unterschiedlichen Stämmen bzw. aus unterschiedlichen Königreichen aufeinander, die verschiedene Fähigkeiten besitzen, die sie zum Teil erst im Laufe der Geschichte entdecken und weiterentwickeln. Wenn auch zunächst aus unterschiedlichen Motiven schließen sie sich zusammen. Die einen, um den eigenen Onkel vom Thron zu stoßen, die anderen, um die Schattenwand wiederherzustellen und weitere wiederum aus anderweitigen Gründen. Zu Beginn herrscht unter den Charakteren Misstrauen, doch schaffen sie es mit der Zeit und den gemeinsamen Erlebnissen Vertrauen aufzubauen und falls ja, bekommt jeder dieser Charaktere dieses Vertrauen zurecht? So viele Fragen, so unterschiedliche Antworte – lies am besten selbst, was die Charaktere durchmachen müssen und ob sie das zusammenschweißt oder eher voneinander trennt bzw. ob sie ihre Ziele erreichen können.

Am Anfang weiß man noch nicht recht, was einen erwartet und in welche Richtung die Geschichte geht. Man kann sich also an der ein oder anderen Stelle überraschen lassen und gespannt das Lesen genießen. Aber keine Angst, man ist schnell in der Geschichte drin und hat einen guten Überblick. Und je weiter man liest, desto besser wird das Zusammenhangsverständnis und man fühlt sich in der Welt der Charaktere beinahe zuhause.

Zu erwähnen ist die schöne Seitengestaltung bei Kapitelanfängen, die einen inhaltlichen Bezug haben.
Zum Teil gibt es längere Kapitel. Dies ist passend, gerade am Anfang, um in die Geschichte reinzukommen und ein erstes grobes Bild von der Welt, in der die Charaktere leben zu bekommen. Von der Länge zu Beginn darf man sich nicht abschrecken lassen, auch wenn man sich zunächst vielleicht ein bisschen erschlagen fühlt oder kürzere Kapitel bevorzugt - diese gibt es auch gelegentlich - , aber wenn man längere Kapitel gar nicht mag, wird es schwierig, einen Zugang zu dieser Geschichte zu bekommen.

Der Schreibstil ist locker gehalten, lässt sich flüssig lesen und führt uns so gut durch die Geschichte. Zudem sorgt er dafür, dass wir gut in der Welt, in der die Handlung spielt, ankommen und eine bildliche Vorstellung von den Geschehnissen haben. An einigen Stellen ist es sehr vulgär, insbesondere in den expliziten Szenen oder wenn die Charaktere über solche sprechen, aber wenn es einem nichts ausmacht, dann lässt sich das Buch vom Schreibstil her gut lesen.

Es gibt mit jedem Kapitel Perspektivwechsel, die an inhaltlich passenden Stellen gesetzt wurden und jeweils einen flüssigen Übergang herstellen. Fast immer müssen wir Leser durch diese nicht in Zeit und Raum umherspringen, sondern die Wechsel sind zumeist dort gesetzt, wo die Charaktere eh aufeinandertreffen oder sogar schon zusammen unterwegs sind.

Es tauchen viele Charaktere und Völker auf. Um diese auseinanderhalten und einordnen zu können, gibt es am Ende ein Völker- und ein Personenverzeichnis. Es ist für das Verständnis nicht zwingend notwendig, aber wenn ihr zwischendurch nicht sicher seid, von wem gerade die Rede ist, schaut dort einfach mal nach, gespoilert werdet ihr dadurch nicht.
Durch die Erzählweise, das heißt durch die vielen Perspektivwechsel und daraus resultierend die Erzählung der Geschichte in der Ich-Form aus Sicht vieler verschiedener Charaktere kann es schnell passieren, dass man das Gefühl hat, zwar einen groben Überblick über die Charaktere zu haben bzw. dass man meint, diese oberflächlich zu kennen, aber denkt, dass eine persönliche Bindung kaum möglich ist. So haben wir Leser leider keinen Bezugscharakter, mit dem wir richtig mitleiden können oder bei dem wir das Gefühl haben, an seiner Entwicklung teilhaben zu können. Die Charaktere sind an sich jedoch gut ausgearbeitet und man erfährt sowohl durch ihr Verhalten als auch zwischen den Zeilen etwas über sie, aber durch die gewählte Erzählweise ist dies ein wenig gedämpft. Hoffentlich wird in den Folgebänden noch erreicht, dass wir sie besser kennenlernen und einen noch besseren Zugang zu ihnen erhalten. Bei einigen Charakteren kann man jedoch schon hier in Band Eins eine Charakterentwicklung erkennen - das ist schon einmal ein guter Anfang. Wenn ihr euch wegen der viele Perspektivwechsel nicht sicher seid, probiert es einfach mal aus und gebt dem ganzen eine Chance, es ist mal eine ganz neue Erfahrung.

Es herrscht kein schönes Frauenbild, deswegen waren mir die männlichen Charaktere zumeist nicht so sympathisch, da sich vieles auf Körperlichkeiten beschränkt und die Frauen einen geringeren Wert oder zumindest weniger Sagen zu haben scheinen, als die Männer bzw. sie sich diesen bedingungslos zu unterwerfen haben. Mit den Frauen wird teilweise fast umgegangen wie mit Gegenständen - von Romantik ist häufig keine Spur. Doch keine Angst, auch die männlichen Charaktere haben andere Seiten und einige von ihnen erfüllen schon eher das Rollenbild, das dem unseren nahekommt. Gib ihnen als Leser die Chance, dich von ihnen zu überzeugen.
In dem Zusammenhang ist zu erwähnen, dass es einige explizite Szenen mit vulgärer Sprache gibt - wenn du damit nicht so gut umgehen kannst, schmälern diese dir den Lesergenuss.
Schade finde ich, dass es in der Geschichte so gut wie keinen Charakter, den wir über einen längeren Zeitraum begleiten, gibt, der sich nicht zu einem anderen hingezogen fühlt. Manchmal war mir das too much, da wäre weniger mehr gewesen. Zum Teil waren es viele Andeutungen auf ein Knistern bzw. auf eine romantische oder körperliche Spannung, aber keine konkretere Ausgestaltung. Da hätte ich mir ein bisschen mehr Detail gewünscht, sodass es ein bisschen authentischer gewirkt hätte. Da wäre es aus meiner Sicht kein Problem gewesen, wenn nicht jeder Charakter Gefühle der Liebe oder des Verlangens verspürt hätte.

Es gibt einige unerwartete Wendungen, die immer wieder Spannung in die Geschichte reinbringen, die Handlung auf ungeahnte Wege leitet und uns Leser mitfiebern lassen.

Ich hätte mir gewünscht, dass die Magie bzw. die Fähigkeiten eine noch größere Rolle spielen würde, aber dafür, dass dies erst der Auftakt war, haben wir schon einige gute Einblicke erhalten, die bestimmt noch weiter ausgebaut werden.

Das Buch enthält einige brutale Beschreibungen, bzw. Kampfszenen, die die Vorstufe eines Kriegsszenarios sind. Wenn ihr zartbesaitet seid, solltet ihr schauen, ob euch das trotzdem zusagt.

Insgesamt ist es ein spannender Auftakt einer Trilogie, den ich euch empfehlen kann und der neugierig auf die weiteren Entwicklungen in den Folgebänden macht.

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 04.04.2021

Tolle Protagonisten, die herzzerreißende Erlebnisse verarbeiten müssen

Durch die kälteste Nacht
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„Wenn jemand dir das Gefühl gibt, schwach zu sein, tu etwas, das dir das Gefühl gibt, stark zu sein.“

Kennedy zieht nach persönlichen Schicksalsschlägen in die Kleinstadt Havenbarrow. Dort trifft sie ...

„Wenn jemand dir das Gefühl gibt, schwach zu sein, tu etwas, das dir das Gefühl gibt, stark zu sein.“

Kennedy zieht nach persönlichen Schicksalsschlägen in die Kleinstadt Havenbarrow. Dort trifft sie auf Jax, der den Ruf des Bad Boys der Stadt, aber auch verschiedene Lasten zu tragen hat. Beide scheinen kein einfaches Leben zu führen, sondern schon zu viel erlebt zu haben und zu oft verletzt worden zu sein. Irgendwie scheinen Kennedy und Jax sich zu kennen. Doch woher und können sich die beiden gegenseitig stützen und füreinander da sein?

Die Geschichte über Kennedy und Jax geht nicht nur stumpf vorüber, sondern nimmt einen emotional gefangen und zieht uns Leser in seinen Bann. Sie berührt sehr und ist manchmal so authentisch und intensiv, dass ich das Buch kurz zur Seite legen musste, um einmal durchzuatmen. Es sind so gut wie alle Gefühle vertreten, denn durch ernste Themen und Ängste ist es an vielen Stellen traurig und man möchte die beiden Protagonisten einfach nur in den Arm nehmen. Durch den Handlungsort in der Kleinstadt gibt es viele neugierige Nachbarn, die eine Grenze überschreiten und auf die man zwischenzeitlich echt wütend ist, aber durch viele humorvolle Szenen wird die Stimmung wieder aufgelockert, das Gefühl der Schwermut wird geringer und manchmal kann man als Leser gar nicht anders als anfangen loszulachen.

Wieder ist es ein schöner, fast schon poetischer Schreibstil, der sehr viele Naturbeschreibungen und Metaphern aus diesem Bereich nennt und die Atmosphäre sowie das Setting gut und eindrucksvoll an uns Leser transportiert. Lediglich an ein oder zwei Stelle im Buch wurde von dem berührenden Schreibstil abgewichen und passte nicht, aber darüber kann ich gut hinwegsehen, da er ansonsten wundervoll war.
Es gibt immer wieder Perspektivwechsel, sodass wir die Geschehnisse sowohl aus der Sicht von Kennedy als auch von Jax erleben können und gute Einblicke in deren Gedanken und Gefühlswelt erhalten. Das bringt uns Lesern die beiden näher und wir können beinahe hautnah miterleben, was sie prägt und beschäftigt.

Der Fokus liegt hier weniger auf der Handlung, sondern mehr auf den Gefühlen und den Entwicklungen der Protagonisten. Lediglich am Ende gibt es einen großen Plottwist, den ich während des Lesens nie erwartet hätte. Er kommt zwar überraschend, aber ist keineswegs unglaubwürdig, sondern passt gut in die Geschichte hinein. Seid also gespannt auf diese Wendung und nehmt davor die Emotionen der Protagonisten in euch auf bzw. begleitet diese.

Es gibt viele schön ausgestaltete liebevolle Nebencharaktere unterschiedlichen Alters, die Kennedy und Jax begleiten und ihnen durch schwere Zeiten helfen. Einige von ihnen sorgen für humorvolle Szenen und lockern die Stimmung auf, andere Sorgen für Wut, Ärger, Trauer und Verzweiflung bzw. für eine negative Grundstimmung.
Das heißt, es gibt natürlich auch unsympathische Nebencharaktere, die man am liebsten schütteln und zu einem besseren Verhalten besinnen würde, aber genau dies ist in meinem Augen das Schöne, dass man so sehr in der Geschichte drin ist, dass man in sie eingreifen möchte, um die Protagonisten, die einem im Laufe des Buches ans Herz wachsen, zu schützen.
Von manchen hätte ich mir gewünscht, dass sie noch eine größere Rolle für den Handlungsverlauf oder allgemein für die Protagonisten gespielt hätten und nicht nur ab und zu aufgetaucht wären, wenn es sich gerade passte. Aber das ist nur ein kleiner Kritikpunkt der berührenden Geschichte.

Besonders schön finde ich, dass wir zwischendurch immer wieder zurück in die Kindheit von Kennedy und Jax reisen und die beiden so von einer ganz anderen Seite kennenlernen. Wir können sehen, wie die Zeit und die Personen, mit denen sie Umgang hatten, die beiden verändert haben und woher sie sich kannten bzw. in welcher Beziehung sie zueinander stehen. Wir können die beiden auch bei ihrer Entwicklung in der Gegenwart begleiten und sehen, ob sie sich gegenseitig stützen können. In ungefähr der ersten Hälfte der Geschichte steht Kennedy im Fokus, während wir in der zweiten Hälfte eher sehen, was Jax alles erleiden musste und ob er es schafft, sich von seiner Vergangenheit zu lösen bzw. nach vorne zu schauen.

Das Buch beinhaltet ernste und wichtige Themen wie beispielsweise Trauer, Schuldgefühle und toxische Beziehungen, um ein paar zu nennen ohne zu spoilern. Diese wurden gut und glaubwürdig umgesetzt und manchmal waren sie so präsent und intensiv, dass ich das Buch kurz zur Seite legen und mich erst wieder sammeln musste. Aber Brittainy C. Cherry schafft einen guten Ausgleich zwischen den intensiven Gefühlen bzw. ernsten Themen und humorvollen, herzergreifenden Szenen, sodass eine gute Balance herrscht.

Diese Geschichte zeigt schön, dass die Vergangenheit immer ein Teil von einem bleibt. Die schönen Momente vergisst man nicht und trägt sie in seinem Herzen und aus den nicht so schönen lernt man. Und manchmal kann man einen Teil der schönen Vergangenheit in die Zukunft holen. Finde heraus, inwiefern das auf Kennedy und Jax zutrifft.

Insgesamt ist dieses Buch eine klare Leseempfehlung. Es ist in meinen Augen nicht Brittainy C. Cherry's bestes Werk, aber es lohnt sich definitiv, es zu lesen. Der Schreibstil ist wunderschön und es wird kein Halt vor ernsten Themen gemacht, die gut aufgearbeitet werden.

  • Handlung
  • Erzählstil
  • Charaktere
  • Cover
  • Gefühl
Veröffentlicht am 04.04.2021

Spannung, Nervenkitzel und großes Gefühlschaos

Matching Night, Band 1: Küsst du den Feind?
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Mache nicht den Fehler und schenke den Menschen um dich herum zu viel Vertrauen, wenn du dir nicht sicher sein kannst, auf wessen Seite sie stehen.

Cara ist in ihrem ersten Studienjahr an einer englischen ...

Mache nicht den Fehler und schenke den Menschen um dich herum zu viel Vertrauen, wenn du dir nicht sicher sein kannst, auf wessen Seite sie stehen.

Cara ist in ihrem ersten Studienjahr an einer englischen Universität. Ihre Wohnung konnte sie nicht beziehen und auf dem ganzen Campus scheint keine einzige Wohnung mehr frei zu sein, sodass sie in einem Zimmer weit entfernt unterkommt. Schnell merkt sie, dass dies aus mehreren Gründen keine dauerhafte Lösung ist. In ihrer Verzweiflung kommt ihr das Angebot der Ravens - eine geheimnisvolle Studentenverbindung - gerade Recht, eine von ihnen, zunächst als Anwärterin zu sein und in deren Haus einzuziehen. Alle ihre Sorgen und Probleme scheinen sich zu lösen, doch noch ahnt sie nicht, in was sie hineingerät, wenn sie sich der Verbindung anschließt. Hinzukommt, dass ihre beste Freundin über eine vor einem Jahr verschwundene Studentin recherchiert und sie vor den Ravens warnt - was hat es damit auf sich? Steigert sie sich da in etwas hinein oder stimmt wirklich etwas nicht mit den Ravens?

Zu Beginn und auch im Klappentext erscheint alles vergleichsweise harmlos, aber je mehr man liest, desto schneller wird klar, dass mit der Verbindung nicht zu Spaßen ist. Man sollte sich gut überlegen, ob man ein Teil dieser sein möchte, doch was, wenn es wie bei Cara zu spät für einen Rückzieher ist, wenn man die Details erfährt?

Zuerst ist für Cara alles neu, aufregend und die Ravens scheinen der Schlüssel für ein besseres Durchstehen der Unizeit bzw. für ein besseres Leben zu sein, aber nach und nach werden auch die Schattenseite der Verbindung aufgezeigt und welche Aufgaben sie auf sich nehmen muss, um ein vollwertiges Raven-Mitglied zu werden.

Den Geschehnissen kann man gut folgen, nicht zuletzt durch die Angabe des Datums am Anfang eines jeden Kapitels. Zeitlich gesehen begleiten wir Cara nur knapp einen Monat, aber die Ereignisse und die vielen neuen Erkenntnisse sowie die Erfahrungen kommen einem viel länger vor. Der Schreibstil ist fesselnd und man möchte immer weiter lesen, um endlich ein bisschen Klarheit zu bekommen und mit Cara als Ich-Erzählerin eine aufregende und geheimnisvolle Anwärterzeit erleben. Wir lernen Cara gut kennen und erfahren auch etwas über einige Ihrer Mitstreiterinnen und die Personen, die ihr scheinbar nahestehen. Doch immer wieder wird deutlich, dass wir genauso wie Cara nur meinen, diese zu kennen und sie uns nicht nur auf positive Weise überraschen. Dies trifft auch auf Tyler, ihren Kumpel und auf ihren Matchpartner (wer das ist, möchte ich an dieser Stelle nicht verraten, denn das würde euch den Lesespaß nehmen) zu. Man mag zwischenzeitlich das Gefühl haben, ich bin Team Tyler oder Team..., aber wirklich sicher kann man sich nie sein, ob sie nicht etwas verbergen oder ob sich Cara in ihnen täuscht. Wir Leser sollten aber auf keinen Fall zu misstrauisch an die ganze Sache herangehen, sondern durchaus das Lesen genießen, jedoch immer im Hinterkopf behalten, dass bei jeder Person, egal wie gut Cara sie kennen mag und in welcher Beziehung sie zueinander stehen, mehr dahinterstecken könnte.

Das mag jetzt alles negativ klingen, aber für Cara gibt es auch positive Momente. So kann sie vorerst einige ihrer Sorgen begraben und sogar neue Freundschaften knüpfen. Diese Lichtblicke habe ich ihr beim Lesen gegönnt und mich mit ihr gefreut, wenn es mal wieder bergauf geht. Sie hat eine tolle Familie, die sie unter anderem finanziell sehr unterstützt und hat eine zunächst aufregende Zeit an einer renommierten Universität.

Cara ist eine schlagfertige Protagonistin, die für ihre Ziele kämpft, manchmal ein bisschen stur ist und sich nicht leicht unterkriegen lässt, aber schon bald befindet sie sich in einem Gefühlschaos, an dem Tyler und ihr Matchpartner nicht ganz unbeteiligt sind. Vor allem die zu bewältigenden Aufgaben und die gemeinsame Zeit, die sie mit ihrem Matchpartner verbringen muss, bringen die beiden verständlicherweise näher bzw. sorgen für ein besseres Kennenlernen, wie aufrichtig auch immer es sein mag.

Zwischendurch definiert Cara für sich immer wieder, was Glück für sie bedeutet und kommt dabei zu ganz unterschiedlichen Ansätzen. Vielleicht nimmt der ein oder andere Leser hier etwas draus mit oder führt sich noch einmal vor Augen, wie auch alltägliche Situationen glücklich machen können. „Glück ist … einen Menschen zu haben, mit dem man durch dick und dünn gehen kann, den man an miesen Tagen oder in schlechten Momenten vielleicht von sich schiebt, der aber dennoch immer zurückkehrt.“

Am Ende hatte ich das Gefühl, zwar einen ersten Eindruck von den Ravens zu erhalten, aber inhaltlich nicht viel weiter gekommen, sondern fast genauso ratlos wie zu Beginn zu sein, vor allem weil es immer wieder neue Erkenntnisse gibt, die von uns Lesern aufgestellte Theorien verwerfen und revidieren lassen, aber genau das erhöht die Spannung auf Band 2.

Das Ende ist ein fieser Cliffhanger, deshalb legt euch am besten auch schon Band 2 bereit, damit ihr ohne große Wartezeit sofort weiterlesen könnt.

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere