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Veröffentlicht am 27.11.2020

Berührender Roman über das Leben

Ein wenig Leben
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In "Ein wenig Leben" geht es um die 4 Freunde William, JB, Malcom und Jude, die sich auf dem College kennengelernt haben. Diese müssen jetzt das Leben in der Welt der Erwachsenen bewältigen und jeder hat ...

In "Ein wenig Leben" geht es um die 4 Freunde William, JB, Malcom und Jude, die sich auf dem College kennengelernt haben. Diese müssen jetzt das Leben in der Welt der Erwachsenen bewältigen und jeder hat dafür seine eigene Methode.

William ist ambitionierter Schauspieler, der derzeit noch behelfsmäßig kellnert.
JB ist Künstler, der sehr eigenwillige Projekte starten und ganz genau weiß, dass er einmal berühmt werden wird.
Malcom möchte ein angesehener Architekt werden, bastelt und skizziert aber noch Fantasiehäuser und hilft seinen Freunden, wenn sie umziehen.
Jude wird Anwalt und hat eine mysteriöse Vergangenheit über die seine Freunde nicht bescheid wissen.


Die Charaktere waren für mich sofort sympathisch den entweder habe ich Teile von mir ihn ihren Ambitionen und Wünschen für die Zukunft gesehen, oder in ihrer Vergangenheit oder gar in ihrer Persönlichkeit.
Vor allem Jude war für mich wie ein Spiegel in eine meine düstersten Zeiten und ist mir somit sehr nah gegangen. Er hat mich gleichzeitig runter gezogen, weil er mit gezeigt hat wie kaputt ich war und gleichzeitig hat er mich emporgehoben, weil es mir gezeigt hat, wie stark ich aus dieser Zeit hervorgegangen bin und was ich alles gelernt habe.
Jude war dementsprechend ein sehr interessanter Charakter für mich und ich konnte nicht genug über ihn erfahren. Auch der Umgang von Andy, Willem, Harold, etc. fand ich sehr realitätsnah dargestellt, denn in der wirklichen Welt weiß man nun mal nicht immer was man sagen soll, was man tun soll in solchen Situationen und dann macht man auch mal Fehler. Das unterscheidet unser Leben von Büchern oder Filmen, da läuft nun mal nicht alles perfekt ab, man hat kein Drehbuch, das einem vorgibt was man zu tun oder zu sagen hat und man kann auch nicht einfach "Cut" rufen und die Szene neustarten lassen.
Jude ist wirklich ein toller Charakter, er hat so schlimmes durchgemacht, und macht es noch immer, und er ist trotzdem so ein herzensguter Mensch. Er ist das perfekte Beispiel dafür, dass ein schlimmes Schicksal keine Ausrede dafür ist, ein schlechter Mensch zu sein. Auch wenn es sich in den letzten Kapiteln etwas ändert, das zeigt nur, dass in jedem Menschen Wut steckt und, dass man diese rauslassen muss. Jude ist das perfekte Beispiel dafür, was passiert wenn man alles runterschluckt. Die Wut braucht irgendein Ventil und sie muss sich gegen irgendjemanden richten. Entweder gegen die Person die sie (vielleicht) verdient hat, gegen die die einem am nächsten stehen oder eben gegen sich selbst.


Ich habe schon oft gehört, dass dieses Buch so deprimierend sein soll, aber trotz der düsteren Themen strahlt es für mich eine gewisse wohlige Wärme aus. Ich finde die Absätze über Freundschaft wunderschön und auch der Teil als JB darüber nachdachte, dass er das Leben nun nicht mehr so genießen kann weil er eine gute Kindheit hatte ist mir sehr nahe gegangen.
Ich muss sagen, im Nachhinein bin ich ehrlich froh über jeden einzelnen Rückschlag den ich durchleben musste, denn selbst ein ganz normales Leben beinhaltet jetzt für mich soviel besonderes und wunderbares, dass ich gar nicht mehr benötige.
Das Buch beinhaltet genau die Message die ich in gewisser Weise brauche, die mir hilft, wenn es mal wieder schwieriger wird im Leben.
Ich kann mir gut vorstellen, dass mir das Buch eben deshalb so gut gefällt, weil ich Jude so gut verstehe und wirklich mit ihm mitfühlen kann und, dass ist nicht unbedingt eine “gute“ Eigenschaft zeigt es doch nur wie kaputt ich war/bin. Deshalb freue ich mich, wenn jemand sagen kann er versteht es nicht, oder er findet es vielleicht übertrieben oder so. Ein bisschen beneide ich diese Menschen dann doch.


Am Ende noch eine kleine "Weisheit" die mir dieses Buch wieder näher gebracht hat:
Nach so vielen Rückschlägen ziehen sich viele zurück und lassen die ganze Welt mit allen ihren Problemen und Unglücken einfach nicht mehr an sie ran, sozusagen als Überlebensstrategie. Sie sperren ihre Gefühle aus, weil es ihnen sonst zusehr weh tun würde. Aber ich bin der Meinung, dass all der Schmerz und das Leid dazugehören. Ohne Schmerz, ohne Rückschläge würden wir die guten Momente des Lebens nicht wertschätzen. Das Leben besteht nun mal aus hellen und dunklen Zeiten und man muss beide voll durchleben. Man kann sich nicht nur gegen das Negative wehren, denn dann wehrt man sich automatisch auch gegen das Positive. Es ist unmöglich nur die negativen Gefühle auszuschließen.

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Veröffentlicht am 27.11.2020

Von Leben und Tod, von Luft und Wasser!

Das Geschenk des Lebens
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Um 1900 stürzt sich eine junge Frau in die Seine, von ihrem ruhigen Gesichtsausdruck wird eine Totenmaske angefertigt, die bald in ganz Europa bekannt ist und ihr Tod soll bald viele Leben retten.

Sarah ...

Um 1900 stürzt sich eine junge Frau in die Seine, von ihrem ruhigen Gesichtsausdruck wird eine Totenmaske angefertigt, die bald in ganz Europa bekannt ist und ihr Tod soll bald viele Leben retten.

Sarah Leipciger baut rund um diese Unbekannte eine Fiktion ihres Lebens auf. Was könnte sie dazu bewegt haben, den Freitod zu wählen? Weiters erzählt sie die Geschichte des Spielzeugmachers Pieter aus Norwegen und von der kleinen Anouk, die an Mukoviszidose leidet und auf eine Spenderlunge wartet. All diese Geschichten, obwohl sie zeitlich teilweise durch mehr als hundert Jahre getrennt sind, hängen zusammen, durch das Leben, den Tod, die Luft und das Wasser.

Die verschiedenen Handlungsstränge unterscheiden sich nicht nur durch die Zeit in der sie spielen, sondern auch durch deren Erzählweise.
Die Unbekannte präsentiert ihr Leben in der Ich-Form, erzählt dieses dem Leser auf einer sehr persönlichen Ebene und erzählt sogar noch nach ihrem Tod weiter, was mit ihr passiert.
Pieter richtet seine Erzählung an seinen Sohn, den er liebevoll Bär nennt, und spricht ihn auch direkt an. Es ist eine Art "Du"-Form, ähnlich eines Briefromans.
Anouks Geschichte wird von einem außenstehenden Erzähler präsentiert, der trotzdem über die Gefühle und Gedanken Anouks Bescheid weiß.
Dies erleichtert auch das orientieren in der Mitte eines Kapitels.

In allen Kapiteln ist Leipcigers Stil sehr poetisch und leicht, trotz der doch tristen Thematik. Außerdem ist das Buch auch leicht verständlich und schnell zu lesen. Trotzdem büßt es keineswegs an Emotionalität ein.

Der Anfang und das Ende würden einen perfekten Kreis bilden, hätte Leipciger nicht noch einen Epilog angehängt. Dieser wirkt etwas fehl am Platz und wie die mitllerweile sehr beliebten After-Credit-Szenen, die noch irgendwie zum Film gehören, aber irgendiwe auch nicht. Aber dieser Kritikpunkt ist hier Jammern auf höchstem Niveau!

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Veröffentlicht am 27.11.2020

Tragische Familiengeschichte der Zwischenkriegszeit

Trümmermädchen – Annas Traum vom Glück
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Trümmermädchen ist ein herzerwärmendes Buch über Familie und Verlust im Zweiten Weltkrieg und danach.
Es gibt viele Romane die während der Zeit des Zweiten Weltkriegs spielen, aber kaum ein Roman schreibt ...

Trümmermädchen ist ein herzerwärmendes Buch über Familie und Verlust im Zweiten Weltkrieg und danach.
Es gibt viele Romane die während der Zeit des Zweiten Weltkriegs spielen, aber kaum ein Roman schreibt über die Zeit danach, den harten Winter in Deutschland, die zerstörten Straßen, den Lebensmittelmangel. Dieses Buch zeigt, dass ein Krieg nicht vorbei ist, nur weil ein paar mächtige Männer irgendein Stück Papier unterschreiben. Und das macht es auf sehr eindrucksvolle Weise.
Die Leser verfolgen von Beginn an abwechselnd Anna, die im Krieg erwachsen wird und in der Nachkriegszeit zur Schwarzhändlerin wird, um ihre Familie zu versorgen, und Marie, ihre Tante, die an der Last, die gesamte Familie zu versorgen, nachdem ihr Mann nicht aus dem Krieg heimgekehrt ist, fast zerbricht. Durch die stark unterschiedlichen Charaktere der beiden Protagonistinnen lernen die Leser die verschiedensten Aspekte der Nachkriegszeit kennen und für Familie Odenthal hält das Schicksal wirklich alles bereit.
Die beschriebenen Geschehnisse sind erschreckend, trotzdem schafft es die Autorin immer wieder schöne Momente entstehen zu lassen, die den Lesern ein Gefühl von Wärme und Hoffnung geben. Das Lesen des Buches ist eine Achterbahn der Gefühle und zeigt einem, wie glücklich man sein kann, über die Zeit in der man gerade lebt.

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Veröffentlicht am 27.11.2020

Spanische Zeitgeschichte passiv miterlebt

Wir sind für die Ewigkeit
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Mercedes Vater wird von der faschistischen Regierung Spaniens festgenommen, seine Familie kann fliehen. Mercedes schafft es sogar über die französische Grenze. Doch der zweite Weltkrieg lässt nicht lange ...

Mercedes Vater wird von der faschistischen Regierung Spaniens festgenommen, seine Familie kann fliehen. Mercedes schafft es sogar über die französische Grenze. Doch der zweite Weltkrieg lässt nicht lange auf sich warten und so holen die Schatten des Krieges sie auch hier ein.

Um einen Roman spannend zu gestalten braucht es einen starken Protagonisten. Mit Mercedes hat dieser Roman eine Protagonistin, die viel durchstehen muss. Psychisch bleibt sie erstaunlich stabil, hat nie einen größeren Nervenzusammenbruch oder gar depressive Tendenzen. Jedoch erträgt sie alles was das Schicksal ihr hinwirft sehr passiv. Nur kurz wird sie aktiv, nimmt ihr Schicksal selbst in die Hand. Nur um dann wieder den Schwanz einzuziehen und sogar andere zur Anpassung und Passivität aufzufordern.
Durch die vielen Schicksalsschläge und Mercedes Passivität wirkt das Buch schnell überladen, denn ein Ereignis jagt das nächste und keines wird wirklich großartig verarbeitet.

Der Roman beleuchtet eine geschichtliche Zeit über die kaum geredet wird und die vielen vollkommen fremd ist. Er würde jedoch Entschleunigung und etwas mehr Aktivität sehr gut vertragen.

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