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Veröffentlicht am 20.01.2021

Neues Kleid für Altbekanntes

Die neue Nebenbei-Diät
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Alle Jahre wieder steigt die Zahl der Diätwilligen nach dem Jahreswechsel steil an, auch wenn die wenigsten die „guten Vorsätze“ tatsächlich durchhalten. Gründe dafür sind unrealistisch gesteckte Ziele, ...

Alle Jahre wieder steigt die Zahl der Diätwilligen nach dem Jahreswechsel steil an, auch wenn die wenigsten die „guten Vorsätze“ tatsächlich durchhalten. Gründe dafür sind unrealistisch gesteckte Ziele, Frustrationen über langsame Fortschritte und nicht zuletzt aufwendige oder kostenintensive Diätpläne, die sich nur schwer in den Alltag integrieren lassen.

In diesem Ratgeber nimmt die Autorin die unterschiedlichsten Diäten unter die Lupe, das reicht von Formula-Diäten, über Atkins bis hin zu Fastenwochen. Aber halt, da war doch noch etwas, ein Programm, das den Namen „Programm“ eigentlich nicht verdient, da es nur den zeitlichen Rahmen vorgibt, innerhalb dessen die Nahrungsaufnahme erlaubt ist , kaum Verbote ausspricht, aber dennoch Gewichtsverlust verheißt. Eine Diät, die man einfach so nebenbei durchziehen kann mit Namen „Intervall-Fasten“.

Hört sich auf den ersten Blick gut an, doch ganz so einfach ist es dann doch nicht, wie die Autorin anschaulich erläutert. Aber machen wir uns nichts vor, auch wenn es kaum Verbote gibt, muss dennoch die Kalorienzufuhr im Blick behalten und unterstützend Sport/Bewegung in den Tagesablauf integriert werden. Das war’s dann auch schon, nichts Neues für diejenigen, die sich mit der Thematik bereits auseinandergesetzt haben.

Ein entbehrlicher Ratgeber, der bestenfalls für Menschen taugt, die sich erstmals mit dem Thema Ernährung auseinandersetzen und die ersten Schritte Richtung Gewichtsreduktion unternehmen. Für alle anderen völlig überflüssig.

Veröffentlicht am 18.01.2021

Historisch, politisch und spannend - für mich mit Abstand das bisher beste Buch der Shardlake-Reihe.

Die Gräber der Verdammten
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C. J. Sansoms Reihe um Matthew Shardlake, den buckligen Anwalt, der seinen Geschäften im England der Tudorzeit nachgeht, verfolge ich seit Beginn mit Interesse und zunehmender Begeisterung, zeichnen sich ...

C. J. Sansoms Reihe um Matthew Shardlake, den buckligen Anwalt, der seinen Geschäften im England der Tudorzeit nachgeht, verfolge ich seit Beginn mit Interesse und zunehmender Begeisterung, zeichnen sich diese Kriminalromane doch durch historische Akkuratesse und lebendige, stimmungsvolle Beschreibungen aus, die in spannende Handlungen eingebettet sind.

Im nunmehr siebten Band „Die Gräber der Verdammten“ befinden wir uns im Jahr 1549. Heinrich VIII. ist tot, sein Nachfolger, der elfjähriger Edward VI. wird in Regierungsgeschäften von dem ehrgeizigen Herzog von Somerset vertreten. Das Land versinkt im Chaos. Engländer kämpfen seit Jahren gegen Schotten („Rough Wooing“, 1543 – 1551), Protestanten gegen Katholiken, die Wirtschaft bricht zusammen. Das Geld verliert täglich an Wert, die Menschen hungern. Wer Schafe hat, kann sich freuen, denn der Export von Wolle boomt. Profiteure sind die meist adligen Großgrundbesitzer, die ihre Weideflächen dadurch vergrößern, indem sie sich Gemeindeland aneignen und einzäunen, Land, das üblicherweise den Kleinpächtern zur Verfügung stehen sollte.

In Norfolk, der führenden Region für die Schafzucht und Wollverarbeitung, macht sich Unmut breit, die Bauern rebellieren und reißen die Einfriedungen nieder, auch die Zäune auf dem Land des Freibauern Robert Kett. Aber anders als erwartet schlägt er sich auf ihre Seite und wird zu ihrem Anführer. Die anfänglichen Erfolge sind trügerisch, denn die königliche Armee schlägt mit Macht zurück. Kett wird gefangen genommen, wegen Hochverrat angeklagt und zum Tod durch Erhängen verurteilt und schließlich am 7.12.1549 in Norwich hingerichtet.

Diese Ereignisse bilden den historischen Hintergrund für den Todesfall, den Shardlake, mittlerweile in Diensten der jungen Elizabeth (später Königin Elizabeth I.), genauer unter die Lupe nehmen soll. Ein entfernter Verwandter wird des Mordes an seiner Ehefrau beschuldigt und steht in Norwich vor Gericht. Gemeinsam mit seinem Helfer Nicholas macht sich Shardlake auf den Weg gen Norden. Dort treffen sie überraschenderweise auf Jack Barak, den ehemaligen Assistenten des Anwalts, der den beiden bei ihren Nachforschungen behilflich ist, die sie nicht nur in die adelige Gesellschaft sondern auch mitten hinein in das Lager von Ketts Rebellen führen. Barak schließt sich ihnen an, Nicholas wendet sich gegen sie, und zwischen beiden Lagern steht Shardlake, der unfreiwillig zum Verbündeten von Robert Kett wird.

983 Seiten, gespickt mit historischen Fakten, eingearbeitet in einen hochspannenden Kriminalfall. Zu keinem Zeitpunkt langatmig, im Gegenteil. Mit anhaltendem Interesse verfolgt der/die Leser/in den Fortgang der Handlung, hoffend, dass der Protagonist den Geschehnissen, die sich komplett seinem Einflussbereich entziehen, mit heiler Haut entkommen und den Mordfall aufklären kann. Historisch, politisch und spannend - für mich mit Abstand das bisher beste Buch der Shardlake-Reihe. Lesen. Unbedingt!

Veröffentlicht am 14.01.2021

Verspricht viel und hält wenig

Dark
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Ob „Dark“, der neue Thriller aus der Feder der australischen Autorin Candice Fox , ausgebildet in der Patterson’schen Schreibwerkstatt, den Auftakt einer neuen Reihe bildet, steht noch dahin, ist aber ...

Ob „Dark“, der neue Thriller aus der Feder der australischen Autorin Candice Fox , ausgebildet in der Patterson’schen Schreibwerkstatt, den Auftakt einer neuen Reihe bildet, steht noch dahin, ist aber zu vermuten, denn die englische Ausgabe trägt im Titel den Zusatz „Jessica Sanchez 1“.

Worum geht es? Vier Frauen, die unterschiedlicher nicht sein könnten und alle miteinander auf irgendeine Art verbunden sind: Blair, die Ärztin, die ihre Gefängnisstrafe wegen Totschlag abgesessen hat und nun auf Bewährung ist. Jessica, die Polizistin, die sie damals verhaftete und nun wegen ihrer erwarteten Millionenerbschaft von ihren Kollegen gemobbt wird. Ada, die Gang-Chefin, in Knastkreisen bestens bekannt. Und Sneak, die drogenabhängige Prostituierte und Ex-Zellengenossin von Blair, die auf der Suche nach ihrer spurlos verschwundenen Tochter ist und Hilfe bei Blair sucht. „Zusammen sind sie die einzige Hoffnung eines vermissten Mädchens“, so der Klappentext. Nur dass es ein „zusammen“ nicht wirklich gibt, ein Team nicht zu erkennen ist, weil jede der vier Frauen ihre eigenen Pläne hat.

Nun ja, aus dieser Ausgangslage könnte man eine spannende Story entwickeln, aber Fox vergibt diese Chance, was in erster Linie ihrer distanzierten und emotionslosen Schreibe und einer banalen Handlung geschuldet ist. Daraus entsteht ein langatmiger und konstruiert wirkender „Ja-was-nun?“ ohne Thrillerpotenzial, aufgefüllt mit überflüssigen Details, ohne bemerkenswerte Handlungsfortschritte und mit einem vorhersehbaren Ende. Die Folgebände werde ich mir definitiv nicht antun. Wie dieses Buch auf Platz 1 der Krimibestenliste landen konnte, ist mir ein Rätsel.

Veröffentlicht am 14.01.2021

Frische Küche, ansprechend präsentiert

Super fresh
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Als erstes fallen bei diesem Kochbuch die künstlerisch hochwertigen Fotos ins Auge, die die Gerichte bzw. die Zutaten sehr ansprechend präsentieren und Appetit machen. Da läuft dem Hobbykoch schon beim ...

Als erstes fallen bei diesem Kochbuch die künstlerisch hochwertigen Fotos ins Auge, die die Gerichte bzw. die Zutaten sehr ansprechend präsentieren und Appetit machen. Da läuft dem Hobbykoch schon beim bloßen Anschauen das Wasser im Mund zusammen.

Die Rezepte lösen hingegen lösen das Versprechen des Untertitels "Jeden Tag schnell und leicht gekocht" nur bedingt ein, denn schnell geht selbst bei routinierten Köchinnen/Köchen anders. Man muss/sollte sich schon Zeit nehmen können, denn zum einen müssen die frischen Zutaten entsprechend vorbereitet werden (was gerade bei Gemüse ein Zeitfresser ist), zum anderen sind natürlich auch die Garzeiten ein Faktor. Bei den Fleischgerichten, bei denen fast ausschließlich Geflügelfleisch verwendet wird geht das natürlich relativ schnell, aber selbst bei reinen Gemüsegerichten aus dem Backofen muss man dann doch etwas Geduld mitbringen, bis das Essen auf dem Teller landet.

Auffällig und nicht zu unterschätzen sind die Zutaten, die wahrscheinlich in den wenigsten Haushalten im Vorratsschrank stehen. Allerdings sollte die Beschaffung, selbst wenn man nicht in der Großstadt lebt, kein Problem sein. Reiswein, Hoisin-Sauce und Chia-Samen haben ja mittlerweile selbst die Discounter im Angebot, und die Misopaste gibt es im Bioladen.

Wer Abwechslung auf dem Teller mag, neue Geschmacksrichtungen ausprobieren möchte und über genügend Zeit zum Kochen verfügt, ist mit den kreativen Kombinationen und den Kochbüchern der australischen Autorin jedenfalls mit Sicherheit gut bedient. Wer hingegen Rezepte für die schnelle und unkomplizierte Alltagsküche sucht, sollte besser auf andere Publikationen ausweichen.

Veröffentlicht am 13.01.2021

Ein alltagstaugliches Jahreszeiten-Kochbuch

Greenfeast: Herbst / Winter
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Mein „Erstkontakt“ mit Nigel Slater liegt schon viele Jahre zurück. Bei einem England-Besuch stolperte ich in der Wochenendausgabe des „Observer“ (mittlerweile dem „Guardian“ angeschlossen) über seine ...

Mein „Erstkontakt“ mit Nigel Slater liegt schon viele Jahre zurück. Bei einem England-Besuch stolperte ich in der Wochenendausgabe des „Observer“ (mittlerweile dem „Guardian“ angeschlossen) über seine Kolumne, in der er nicht nur Rezepte veröffentlichte sondern auch noch seine emotionale Verbundenheit mit diesen Gerichten beschrieb. Seine Artikel lese ich noch immer, freue mich aber auch darüber, dass es die Rezepte in deutscher Übersetzung seit einigen Jahren gesammelt in seinen Kochbüchern gibt. Dabei sieht man, dass diese Rezeptsammlungen auch ein Stück weit die Veränderungen widerspiegeln, die das Koch- und Essverhalten im Lauf der Jahre durchlaufen hat.

Für all diejenigen, die wie Nigel Slater weniger Fleisch auf dem Teller möchten, bieten die beiden Greenfeast-Bücher jede Menge Anregungen. Während in dem ersten Band „Frühjahr/Sommer“ die Erzeugnisse des Gartens eher „leicht“ verarbeitet werden, stehen in dem vorliegenden “Greenfeast Herbst/Winter“ herzhafte und wärmende Suppen, Kuchen oder Eintöpfe mit kohlenhydratreichen Zutaten auf dem Speiseplan, die oft unter Zuhilfenahme des Backofens zubereitet werden und allesamt vegetarisch sind.

Die Einteilung startet mit dem Grundrezepte für das klassische englische Porridge und einer dunklen, vielseitig einsetzbaren Gemüsebrühe. Danach folgen die Kapitel „Aus der Pfanne“, „Auf Toast“, „Im Ofen“, „Auf dem Teller“, „Mit einer Kruste“, „Mit dem Schöpflöffel“, „Auf dem Herd“ und „Zum Nachtisch“, meist für zwei Esser, einige aber auch für 4 Personen ausgelegt. Eine Unterteilung, die sich bei der Suche nach einem Rezept eher zur Inspiration als zu einem konkreten Anlass eignet.

Die Zutaten sind weitestgehend in jedem Supermarkt erhältlich, selbst Tahin oder die frischen Kräuter gibt es mittlerweile beim Discounter, und außerdem gibt es sehr oft Hinweise zu Ersatzmöglichkeiten. Und auch wenn manche Kombinationen auf den ersten Blick exotisch erscheinen mögen, schlussendlich überzeugt deren Zusammenspiel auf der Zunge. Die Zubereitung der Gerichte ist detailliert beschrieben, unkompliziert und deshalb auch von unerfahrenen Hobbyköchen zu leisten. Nicht zu vergessen, der zeitliche Aufwand ist überschaubar, stundenlange Vorbereitungen sind nicht erforderlich. Und damit man sich eine Vorstellung davon machen kann, was einem erwartet, gibt es zu jedem Rezept ein ehrliches Foto ohne Effekthascherei.

Ein alltagstaugliches Jahreszeiten-Kochbuch mit durchgängig vegetarischen Rezepten, die die Geschmacksvielfalt und den Genuss in den Mittelpunkt stellen.