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Highlander1312

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Veröffentlicht am 11.02.2021

Ein Dorf in Bayern

Dunkelnacht
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27.04.1945
Ein Junge und ein Mädchen treffen, küssen sich auf offener Straße. Das Ende des Kriegs naht, das wissen eigentlich alle in Penzberg. Das wissen auch die Soldaten der Wehrmacht, die Penzberg ...

27.04.1945
Ein Junge und ein Mädchen treffen, küssen sich auf offener Straße. Das Ende des Kriegs naht, das wissen eigentlich alle in Penzberg. Das wissen auch die Soldaten der Wehrmacht, die Penzberg auf dem Weg zur Alpenfestung durchqueren. Und auch die in der Nähe stationierte Untergrundorganisation Werwolf weiß das eigentlich.

28.04.1945
Die Freiheitsaktion Bayern übernimmt den Reichssender und verkündet das Ende des Kriegs. In Penzberg fallen die letzten Hemmungen, der Bürgermeister von vor 1933 wird ins Amt gehoben. Die Wehrmacht ist ratlos. Kurze Zeit später ist der Reichssender wieder fest in nationalsozialistischer Hand und die Wehrmacht in Penzberg nicht mehr ratlos. Auch der Werwolf hinzugezogen.

Bis zum Morgen des 29.04. ereignen sich der vielleicht dunkelste Tag und im Anschluss die sicherlich dunkelste Nacht der Stadt. Frei nach dem Motto, wen mag ich nicht, werden Nachbarn, mutmaßliche Sozis und Kommunisten auf Exekutionslisten geschrieben. Bitter, dass hier keiner gespoilert hat, denn am 30.04. kamen tatsächlich die Amerikaner.

Kirsten Boie erschafft ein sehr besonderes, unfassbar intensives Buch zu einer wahren Dunkelnacht. Mit umfangreicher Recherche hat sie die Geschehnisse aufgearbeitet. Die 128 Seiten lesen sich viel zu schnell weg. Geballtes Grauen findet seinen Weg durch die Zeilen. Die Kapitel sind beinahe wie Akte eines Theaterstücks aufgebaut mit Personenangaben, wer in der Szene mitspielt. Der Buchschnitt ist ebenfalls ausgefallen und am Ende wartet ein erschütternder Anhang. Die fiktive Geschichte von Marie, Gustl und Schorsch gibt dem ganzen noch eine persönliche Note.

Positiv hervorheben möchte ich außerdem die sprachliche Ausgestaltung. Dadurch entsteht eine bayrische 40er-Jahre Provinzatmosphäre.

Ganz und gar nichts für schwache Nerven, aber sehr lesenswert. Ein literarischer Reminder an unsere Pflicht für den Frieden zu kämpfen.

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 10.12.2020

Wie kann ein Mensch das ertragen

After the Fire - Nominiert für den Deutschen Jugendliteraturpreis 2021
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Vor über 25 Jahren kam es in Waco, Texas, zu einer brutalen und verheerenden Auseinandersetzung zwischen den US-amerikanischen Behörden und den Branch Davidians, einer christlichen Sekte. Ich war noch ...

Vor über 25 Jahren kam es in Waco, Texas, zu einer brutalen und verheerenden Auseinandersetzung zwischen den US-amerikanischen Behörden und den Branch Davidians, einer christlichen Sekte. Ich war noch nicht geboren, als mehrere Dutzend Menschen in Brand und Schießerei ums Leben kamen.

Das Buch After the fire von Will Hill greift dieses Thema auf. Hill erschafft eine fiktive Geschichte, die keinesfalls biografisch gedeutet werden soll oder kann, aber dennoch das Drama von damals lebendig werden lässt. Die Branch Davidians heißen hier Gotteslegion und Waco ist hier Layfield.

Protagonistin des Buchs ist Moonbeam, die mit ihren Eltern bereits im Alter von 3 Jahren auf das Gelände der Sekte gekommen ist. Sie betrachtet das Geschehen aus der Retrospektive und berichtet dem Psychologen Dr. Hernandez und dem FBI-Agenten Carlyle von dem Alltag in der Gotteslegion. Moonbeam ist eine von nur einer Handvoll überlebender Kinder, alle anderen sind in der Schießerei oder dem Brand in der "Entscheidungsschlacht" gestorben.

Das Buch hat sehr große Kraft. Moonbeam noch viel mehr. Sie kämpft mit sich, mit ihren Träumen und mit ihrer Vorstellung der Gotteslegion. Zu Beginn hat sie Gewissensbisse, weil sie auch nach dem Tod des fanatischen Anführers der Gotteslegion noch seine Predigten im Kopf hat. Sie hat fast eine innere Blockade mit denen "von draußen" zu sprechen. Sie ist sehr intelligent, scharfzüngig und besitzt trotz der schrecklichen Lage, in der sie sich befindet, Humor.

Das Buch ist kein echter Spannungsroman, da die Katastrophe direkt zu Beginn passiert, aber dennoch liest sich dieses doch recht umfangreiche Buch so schnell, weil die Schilderungen von Moonbeam den Alltag in der Sekte sehr lebendig werden lassen. Die Recherche zu diesem Buch muss sehr umfangreich gewesen sein. Dass ein britischer Autor eine amerikanische Tragödie derart gut in Szene setzen kann, hätte ich anfangs nicht gedacht. Zu unterschiedlich sind doch die Mentalitäten. Aber Hill gelingt es wunderbar, die Facetten der Sekte aufzuzeigen. So gab es trotz des alltäglichen Grauens auch schöne Momente. Allgegenwärtig ist aber natürlich die gewaltvolle Diktatur unter der die Gläubigen leiden, auch wenn sie es nur selten so wahrnehmen.

Für mich war das Buch sehr gut, ich fand es spannend, beängstigend und mitunter fast schon gruselig, wenn es um die Gehirnwäsche geht à la "Die Welle".

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 27.11.2020

Vater und Sohn - ein Meisterwerk

Danach, das Leben
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5 Jahre und exakt zwei Wochen sind nun seit dem grausamen Terroranschlag in Paris vergangen. Bereits kurz nach dieser beispiellosen Tragödie hat Antoine Leiris ein tieftrauriges und sehr bewegendes Buch ...

5 Jahre und exakt zwei Wochen sind nun seit dem grausamen Terroranschlag in Paris vergangen. Bereits kurz nach dieser beispiellosen Tragödie hat Antoine Leiris ein tieftrauriges und sehr bewegendes Buch verfasst: Meinen Hass bekommt ihr nicht. Was mit einem Facebook-Post begann, führte zu einem tiefen Seufzer und großer Anteilnahme in der Welt der Literatur. Antoine Leiris hat seine Frau, sein 17 Monate alter Sohn seine Mutter an diesem Abend verloren. Hélène war im Bataclan.

Im Herbst 2020 ist nun die Fortsetzung des ersten Buches erschienen: Danach, das Leben. Und genau das trifft es auch, das Buch ist nicht einfach eine literarische Fortsetzung. Es ist eine konkrete und bewusste Fortsetzung des Lebens von Antoine und Melvil Leiris. Ich weiß nicht, ob ich jemals so persönliche Bücher wie diese beiden gelesen habe.

Antoine Leiris schafft es auf jeder Seite und in jedem einzelnen Satz so viel Gefühl zu transportieren, dass das Mitleid rasch verebbt und einer riesigen Bewunderung Raum verschafft. Antoine beschreibt ungeschönt und ohne Rücksicht auf eine potenziell negative Außenwirkung über seine Rückkehr ins Leben. Wobei Rückkehr nicht das richtige Wort ist. Es ist vielmehr eine Flucht nach vorn. Das Leben liegt vor ihm und seinem Sohn, sie können nicht in ihr altes Leben Leben mit Hélène zurückkehren. Der Weg ist alles andere als leicht, nur mithilfe von Routinen gelingt es ihm überhaupt wieder Struktur in das Leben dieser sehr besonderen Vater-Sohn-Beziehung zu bekommen. Auch Hélène spielt weiterhin und vermutlich für immer eine Rolle, aber das zu akzeptieren und daran nicht zu zerbrechen, ist eine Mammutaufgabe. Mit großer sprachlicher Eleganz beschreibt Antoine die Situationen, die über ihn hereinbrechen. Gerade der Besuch der Theatervorführung zu Meinen Hass bekommt ihr nicht oder auch der Versuch wieder eine Frau in sein Leben zu lassen, waren für mich sehr eindrucksvoll.

Mit jedem Jahr, was vergeht, wird das gemeinsame Leben von Vater und Sohn wieder reicher und vielfältiger. Neben dem traurigen Anlass ist das Buch eine wunderschöne Vater-Sohn-Geschichte. Mit viel Fingerspitzengefühl erzählt Antoine die Geschichte seiner Familie und erklärt den Begriff der Liebe auf besondere Weise.

Das Buch ist aber keineswegs eine reine Trauerbewältigung, denn diese Trauer wird nie vollkommen bewältigt sein. Stattdessen ist in Teil 2 deutlich mehr Struktur als noch in Band 1, sodass es viel eher ein Roman ist, als eine "Gedankensammlung".

Für mich ist das Buch ein echtes Meisterwerk in großartiger Sprache und sorgt für große Emotionen.

  • Cover
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  • Charaktere
Veröffentlicht am 28.10.2020

Evolution spannend und verständlich erklärt

Sapiens
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Ein paar einleitende, ehrliche Worte: Als ich das erste Mal mit Graphic Novels konfrontiert wurde, dachte ich, das ist nur ein Trick, um Comics teuer verkaufen zu können und aus Bestsellern noch mehr Profit ...

Ein paar einleitende, ehrliche Worte: Als ich das erste Mal mit Graphic Novels konfrontiert wurde, dachte ich, das ist nur ein Trick, um Comics teuer verkaufen zu können und aus Bestsellern noch mehr Profit zu schlagen.

Mittlerweile denke ich darüber etwas anders. Auch der Knesebeck-Verlag hat da ein sehr gutes Händchen für, gerade Verbrechen und Strafe oder Das Geheimnis des unfehlbaren Gedächtnis sind dafür tolle Beispiele.

Graphic Novels sind nicht einfach nur hübsch anzusehen, nein, bei gewissen Themengebieten helfen sie komplexe Zusammenhänge mit Hilfe von Bildern schneller zu verstehen. Gerade klassischer Literatur sowie Wissenschafts- und Sachbüchern kommt das zugute.

Von Harari sollten die meisten hier bereits gehört haben. Seine Abhandlungen über die Entwicklung der Menschen sind weltberühmt. Mit der Montag erschienenen Graphic Novel gestaltet er das geballte Wissen zu unserer Evolution noch anschaulicher. Bei Pioneer One sagt er im Interview: "Wenn man die Wissenschaft nicht in ein zugänglicheres Genre übersetzt, lässt man die Arena offen für alle Arten von verrückten Verschwörungstheorien und gefälschten Nachrichten." Wahrere Worte gibt es aktuell wohl kaum...

Und genau das tut seine Graphic Novel. Archäologie wird lebendig, Anthropologie begeistert und die Bedeutung der Evolutionsgeschichte für unser heutiges Leben wird offenbar. Wie hat sich der Mensch innerhalb weniger Jahre an die Spitze der Nahrungskette katapultiert? Ist monogam natürlich? Wieviel Neandertaler steckt in uns? Und warum schrumpft unser Gehirn im Vergleich zu den Menschen der Steinzeit?

Selbst wenn ihr sein Ursprungswerk Eine kurze Geschichte der Menschheit schon kennt, wird euch das Buch mit seiner humorvollen Art begeistern. Zudem gibt es auch einige inhaltliche Ergänzungen, u.a. zu Corona.

Von mir gibt es daher eine klare Empfehlung für den Auftakt der Graphic Novel-Tetralogie frei nach dem Motto: Wissenschaft, die begeistert!

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Veröffentlicht am 13.10.2020

Vielleicht das beste Kinderbuch 2020?

Auf nach Yellowstone!
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Gibt es noch Eltern, die das Buch Alle Welt von Aleksandra Mizielinska und Daniel Mizielinski nicht kennen? Oder es nicht zumindest im Buchhandel einmal durchgeblättert haben? Ich denke Nein! Dieses sehr ...

Gibt es noch Eltern, die das Buch Alle Welt von Aleksandra Mizielinska und Daniel Mizielinski nicht kennen? Oder es nicht zumindest im Buchhandel einmal durchgeblättert haben? Ich denke Nein! Dieses sehr besondere und mittlerweile sehr berühmte Buch wird regelmäßig neu aufgelegt und mit neuen Ländern erweitert. Ohne Vorurteile oder Klischees zu bedienen, lernen Kinder so ganz nebenbei die Länder der Welt und deren Besonderheiten kennen.

Nun ist ebenfalls im Moritz Verlag das neue Buch der Erfolgsautoren erschienen: Auf nach Yellowstone! Unschwer erraten lässt sich, dass hier Nationalparks im Fokus stehen. Wieder großformatig, wieder bunt und sehr liebevoll illustriert, nimmt uns das Buch mit auf alle Kontinente der Welt und macht uns mit Flora und Fauna, aber auch der Topographie vertraut. Konkret begleiten wir den Wisent Kuba und das Eichhörnchen Ula auf ihre Suche nach der Cousine von Kuba, der Bisondame Dakota.

Ohne Übertreibung kann ich sagen, dass mich dieses Buch mit seiner Comicform mehr über Biologie und Erdkunde gelehrt hat, als ca. 99% meiner Lehrbücher. Auch für Erwachsene ist es also ein Riesenspaß. Wir erfahren viel über die Entwicklung der Artenvielfalt und Ökosysteme und sehen auch Blätter, Tiere und Pflanzen in Originalgröße (es gibt echt große Ameisen!).

Einziges "Manko": Kleinkinder sind schnell von den prall gefüllten Seiten überfordert, aber gerade die Übersichtsseiten zu Yellowstone, Parque Nacional del Manu und Co. laden auch die Kleinen zum fröhlichen Tiere kennenlernen ein. Besonders geeignet ist das Buch aber - ähnlich wie Alle Welt - für Kinder, die schon etwas besser lesen können, also ca. ab der Grundschule. Wobei auch im späten Kindergarten alleine die Bilder begeistern werden!

Das Buch ist ein echtes Must Have für alle, die ihren Kindern (oder sich selbst) einen beispiellosen Einblick in die Wunder von Mutter Erde ermöglichen möchten. Auch wenn mir manchmal das Herz blutet, wenn ich sehe, welchen verheerenden Einfluss wir Menschen auf unsere Umwelt haben. Aber gerade deshalb ist Auf nach Yellowstone! so wichtig.

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