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Highlander1312

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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 25.11.2020

Rasante Fortsetzung

Eve of Man (2)
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Fortsetzungen vorzustellen und zu rezensieren finde ich häufig sehr schwer. Ich will die Reihe vorstellen, aber eben auch das Buch und das am besten ohne Spoiler.

Für mich ist bei Eve of Man das Genre ...

Fortsetzungen vorzustellen und zu rezensieren finde ich häufig sehr schwer. Ich will die Reihe vorstellen, aber eben auch das Buch und das am besten ohne Spoiler.

Für mich ist bei Eve of Man das Genre etwas gewechselt. Band 1 war für mich klar ein Jugendbuch. Band 2 ist zwar hinsichtlich der Charaktere und der Story weiterhin eines, aber gerade was Details diverser digitaler Foltermethoden oder auch die Ideen von Dr. Wells (der Antagonist) angeht, ist das Buch sicher nichts für 14-Jährige. Dagegen ist Fingernägel ziehen eine angenehme Reflexzonenmassage...

Eve ist (und war auch schon in Band 1) die Retterin der Menschheit. Jahrzehnte lang wurde keine Frau geboren, die Menschheit ist kurz vor dem Aussterben. Aber Eve ist eben auch ein Mensch und kein Eigentum, auch wenn das die AFM (die "Bösen") glaubt! Gemeinsam mit Bram versucht sie die Machtverhältnisse zu ihren Gunsten kippen zu lassen und entwickelt sich ganz prächtig vom naiven Mädchen zur Anführerin. Katniss wäre stolz auf sie!

Das zweite Buch ist deutlich komplexer, gerade was technische Erfindungen, Intrigen und die Welt außerhalb von Eves Turm betrifft. Das fand ich sehr gut. Leider ist das Buch ca. 100 Seiten kürzer, das fand ich irgendwie schade. Denn die hätte man gut mit mehr Zwischenmenschlichkeit (Bram - Eve, Michael - Ketch, etc.) füllen können. Der Cliffhanger war für mich recht klar, das Ausmaß des Wahnsinns von Dr. Wells weniger.

Ein tolles Buch für Freunde der Hunger Games! Dazu noch ein paar Mind Games. Nichts ist wie es scheint!!

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 08.11.2020

Eine tolle Schmuckausgabe des Weltklassikers

Oliver Twist
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Nachdem meine ersten Erfahrungen mit bebilderten Neuauflagen von Weltklassikern sehr positiv verlaufen sind, habe ich mich nun an die Schmuckausgabe von Oliver Twist gewagt. Das Buch ist noch immer von ...

Nachdem meine ersten Erfahrungen mit bebilderten Neuauflagen von Weltklassikern sehr positiv verlaufen sind, habe ich mich nun an die Schmuckausgabe von Oliver Twist gewagt. Das Buch ist noch immer von Charles Dickens, die Zeichnungen werden allerdings von Lev Kaplan beigesteuert und machen das vorliegende Buch wirklich zu etwas Besonderem.

Ich mag die Geschichte von Oliver Twist, dem englischen Waisenjungen, sehr gerne. Charles Dickens' Schreibstil hingegen ist etwas weniger mein Fall und auch, wenn hier einige Passagen gekürzt wurden, ist es schlicht eine eher altmodische Sprache. Gerade für ein Kinderbuch hätte ich mir dazu noch etwas mehr "Übersetzung in eine zeitgenössische Sprache" gewünscht. Auch sonst ist es eher ein heftigeres Kinderbuch, wird Oliver doch die ersten Jahre seines Lebens praktisch gar nicht geliebt und erfährt schon sehr viel Leid in seinem jungen Leben. Viel mehr möchte ich zur Geschichte aber gar nicht sagen, denn die dürfte den meisten mehr oder weniger bekannt sein, nur soviel: Es ist spannend zu sehen wie sich Oliver aus den Fängen diverser zwielichtiger Gestalten befreien kann. Außerdem sind die damaligen Zustände einfach ungeheuerlich aus heutiger Sicht und machen das Buch weiterhin zu einer wichtigen Lektüre.

Hervorheben möchte ich aber vor allem die Umsetzung dieser bebilderten Ausgabe. Die recht dunkel-düsteren Illustrationen geben die damalige Atmosphäre und auch Olivers Hoffnungslosigkeit sehr gut wieder. Das große Format bringt diese Bilder dann richtig zur Geltung. Für mich hätten es sogar noch mehr Bilder sein können, denn gerade wegen diesen Zeichnungen wird das Buch vermutlich vornehmlich gekauft. Auch die Gestaltung des Umschlags hat mir sehr gut gefallen. Mit 30 Euro ist das Buch natürlich etwas teurer, aber für Leser*innen, die Oliver Twist bisher nicht kennen, ist es ein tolles Geschenk.

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 26.09.2020

Ein Sehnsuchtsbuch für Bahnreisende

Vom Schweden, der den Zug nahm
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Wir befinden uns in einer Pandemie, noch immer, und aller Voraussicht nach auch noch für eine ganze Weile. Flugreisen werden noch für mindestens einige Monate eher nicht für touristische Zwecke genutzt ...

Wir befinden uns in einer Pandemie, noch immer, und aller Voraussicht nach auch noch für eine ganze Weile. Flugreisen werden noch für mindestens einige Monate eher nicht für touristische Zwecke genutzt werden. Umso passender ist da das neue Buch Vom Schweden, der den Zug nahm von Per J. Andersson im C. H. Beck Verlag, das eine beispiellose Ode an das Zugreisen darstellt.

Wusstet ihr z.B., dass der größte Kopfbahnhof der Welt in Deutschland gebaut wurde (Leipzig)?

Oder, dass - zumindest in Schweden - im Jahr 2019 nur 77% der Langstreckenzüge pünktlich waren? Auf der Kurzstrecke waren es 97%!!!

Schon im ersten Kapitel erwachte in mir eine unbekannte Sehnsucht nach dem Reisen auf zwei Gleisen. Denn die sehr bildliche Sprache des Autors erzeugt eine Faszination zu Zügen und Bahnhöfen, die der gemeine deutsche durch das - vorsichtig formuliert - angespannte Verhältnis zur Deutschen Bahn in der Regel nicht kennt. Die Geschichte der Bahn wird beleuchtet, dabei allerdings sowohl der dadurch erreichte Fortschritt als auch die früh geäußerten ökologischen Bedenken. Zum Glück wurden viele Bahnstrecken mittlerweile komplett elektrifiziert. Die weiteren Kapitel machen viel Lust darauf, das Buch zum Schmökern zu nutzen. Das Buch am Stück durchzulesen ist meiner Meinung nach nicht so geschickt, denn der Autor ist Reisejournalist und gebraucht einen sehr großen Wortschatz. Dadurch ermöglicht er ein richtiges Eintauchen in die Welt der Lokomotive.

Besonders das Kapitel "Bahnfahren mit Kindern" hat mir sehr gut gefallen und mich motiviert auch mit dem eigenen Nachwuchs mal nach Erlebnis-Zugfahrten Ausschau zu halten. Andere Kapitel allerdings habe ich auch mal überblättert, da mir trotz der tollen Wortwahl zu wenig Inhalt vermittelt wurde. Manchmal ergeht sich der Autor in Karl-May-artigen Beschreibungen, sodass der Lesegenuss leidet.

Insgesamt dennoch ein tolles Plädoyer für mehr Reisen mit der Bahn. Denn Reisen mit dem Zug ist zukunftsfähig, nachhaltig und deutlich entschleunigender als die Reise mit dem Flugzeug. Und in Zeiten von Corona gilt eben, Flugreisen finden sich auf dem Abstellgleis wieder und Bahnfahren dürften mittelfristig zu neuen Höhen aufsteigen.

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 25.09.2020

Wieviel Leid verträgt eine Familie?

Triceratops
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Klarer Fall von Coverliebe. Dieses Buch wollte ich einfach nur haben, weil der Triceratops mein Lieblingsdino ist...



Das Buch ist aus der Sicht des männlichen, jugendlichen Protagonisten erzählt, der ...

Klarer Fall von Coverliebe. Dieses Buch wollte ich einfach nur haben, weil der Triceratops mein Lieblingsdino ist...



Das Buch ist aus der Sicht des männlichen, jugendlichen Protagonisten erzählt, der allerdings von sich als "Wir" spricht. Wie in einem Tagebuch gewährt er in kurzen Kapiteln Einblicke in das Leben seiner Familie sowie seine eigene Gefühlswelt. Mutter, Schwester und er selbst leiden an unterschiedlich starken Psychosen und Depressionen. Der Protagonist wird dafür in der Schule gemobbt, findet aber für sich Linderung bei seiner Oma bzw. später im Wald, beim Sport und durch seine Freundin Helix. Besonders der Zustand der Schwester hingegen verschlechtert sich dramatisch. Der Vater hat längst jede Hoffnung aufgegeben und so nimmt das Unglück, das über der Familie zu schweben scheint, seinen Lauf.

Das Buch ist nichts für schwache Nerven und durchaus anspruchsvoll. Die meist kurzen Kapitel lassen das Buch noch kürzer wirken als es ohnehin ist. Im Gegensatz zu einem Tagebuch fehlt leider manchmal der Übergang bzw. die Kapitel enden zu abrupt.

Triceratops hat mich entfernt an Kompass ohne Norden erinnert, nur als hoffnungslosere Erwachsenenversion. Auch hier geht es um psychische Krankheiten, nur wird hier vor allem gezeigt, was das mit einer Familie macht. Das zu lesen stimmt sehr traurig.

Stephan Roiss schreibt sehr kühl und packt Ungeheuerlichkeiten auch gern mal in einen Nebensatz.
Gerade die Waldaffinität des Protagonisten erinnerte mich an den Mann, der vor einigen Wochen in Baden-Württemberg vier Polizisten entwaffnete und dann in den Wald floh. Von Bekannten wurde er später als Waldmensch bezeichnet. So ungefähr habe ich mir hier den Protagonisten vorgestellt.

Triceratops lebt nicht von seiner Spannung, sondern von seiner ungeschönten Sicht auf das Innere einer Familie und die Entwicklung der Mitglieder. Das Buch ist nicht gerade etwas für traurige Tage, aber ansonsten echt lesenswert!

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 22.08.2020

Alle Macht den Maschinen

Paradise City
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Große Teile meines Lebens habe ich in Frankfurt verbracht. Wenn es nicht gerade der Mainbook-Verlag ist, spielen allerdings nur wenige Bücher in Frankfurt. Hamburg, Berlin oder München sind da deutlich ...

Große Teile meines Lebens habe ich in Frankfurt verbracht. Wenn es nicht gerade der Mainbook-Verlag ist, spielen allerdings nur wenige Bücher in Frankfurt. Hamburg, Berlin oder München sind da deutlich häufiger literarisch vertreten. Gerade deswegen hatte mich das neue Buch von Erfolgsautorin Zoe Beck angesprochen, die ja selbst in Berlin lebt und wirkt. Gleichzeitig ist eben auch das Genre - dystopischer Thriller - genau meins.

Ähnlich wie bei Transfusion von Jens Lubbadeh steht hier eine Investigativjournalistin im Fokus. Liina kommt durch einen vermeintlichen Unfall/Selbstmordversuch ihres Chefs auf die Spur einer tiefgreifenden Verschwörung. Nur ist Fragen stellen im Deutschland der Zukunft nicht wirklich gern gesehen, ist doch der Kreis der Mächtigen auf ein Minimum zurückgegangen und längst bestimmen Algorithmen das Leben der Bürgerinnen. Die Bevölkerung reagiert auf weitere Updates zur maximalen Transparenz des Individuums bestenfalls lethargisch oder eben gar nicht mehr. Nur wenige Mutige stellen sich dem System entgegen und eben dazu gehören Liina, ihr Chef und der Rest ihres kleinen Zeitungsverlags.

Die Dystopie, die skizziert wird, ist realistisch und dementsprechend beängstigend. Gänzlich neu ist sie dabei aber nicht bzw. fehlen dafür die Details. Das ist auch ein Punkt, den ich anmerken möchte. Bei unter 300 Seiten hätten dem Buch sicher noch 100 Seiten mehr gutgetan, um a) die Umstände in dieser Zukunftswelt herauszuarbeiten und b) den Charakteren mehr Tiefgang zu geben. Bis auf Liina sind die allermeisten doch eher blass und wecken wenig Anteilnahme.
Gut gefallen hat mir das ambivalente Verhältnis zwischen Liina und ihrer Schulfreundin Simona, der jetzigen Gesundheitsministerin, das sich auf spannende Art und Weise entwickelt. Auch die Thematik rund um KOS, das intelligente, personalisierte Gesundheitssystem, das für gläserne Bürger
innen einerseits und optimale, gesundheitliche Versorgung andererseits sorgt.
Auch der Kontakt zu den "Wilden" und ihre Integration in den Lauf der Geschichte waren willkommene Abwechslungen zu dem sehr gut in Worten dargestellten Grau der Städte.
Wie oben gesagt, gibt es ein paar geografische Schmankerl für Rhein-Main-Fans, so ist beispielsweise Bad Vilbel nun einzig den Museen gewidmet.

Zum Schreibstil bleibt nicht viel zu sagen, außer das Zoe Beck zu Recht mit dem Deutschen Krimipreis ausgezeichnet wurde. Und das Ende gibt mir zumindest Hoffnung auf eine Fortsetzung, in der dann hoffentlich mehr Seiten dem Setting an sich gewidmet werden.

Fazit: Eine gute Dystopie mit leichtem Allerweltscharakter aufgrund der geringen Details mit einer fabelhaften Protagonistin und einer spannenden Handlung.

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