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Veröffentlicht am 25.04.2021

Der Kampf um die Selbständigkeit

Die Senfblütensaga - Zeit für Träume
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… ist das große Thema des ersten Bandes der Senfblütensaga aus der Feder von Clara Langenbach. In „Zeit für Träume“ lernt der Leser zwei junge Menschen kennen, Emma und Carl, die auf ihre Art und Weise ...

… ist das große Thema des ersten Bandes der Senfblütensaga aus der Feder von Clara Langenbach. In „Zeit für Träume“ lernt der Leser zwei junge Menschen kennen, Emma und Carl, die auf ihre Art und Weise von einer Selbständigkeit, einem Ausbruch aus den gesellschaftlichen Erwartungen und den ihren zugedachten Rolle, träumen. Die Erstgenannte möchte studieren, obwohl die damalige Zeit dies kaum erlaubte und sie selbst keine genügende Vorbildung aufweisen kann. Carl träumt von einem eigenen Unternehmen, das die eigenen Senfkreationen herstellt und verkauft, obwohl ihm schon ein fester Platz in der elterlichen „Transportfirma“ zugedacht ist. Emma soll vorteilhaft heiraten, mehr hat ihre eigene Familie nicht für sie im Sinn. Über Umwege begegnen sich die beiden jungen Erwachsenen und träumen von nun an gemeinsam. Doch es wäre ja zu einfach, wenn alles funktionieren würde und sie keine Steine in den Weg gelegt bekommen. Dass diese Steine jedoch vorrangig aus den Händen von engsten Familienmitgliedern und besten Freunden kommen würden, scheint das junge Glück nicht bedacht zu haben.

An sich handelt es sich hier um eine historisch inspirierte Geschichte, deren Hintergründe schön in einem Nachwort erklärt werden. Leider hatte die Story aber einige Schwächen. Emma ist der absolute Überflieger, egal, was ihr in die Hände fällt, es gibt wirklich sehr viele Dramen und Verwicklungen, sodass sich ab der Hälfte des Buches die Geschichte künstlich in die Länge gezogen anfühlte. Ich bin mir noch unsicher, ob ich den Folgeband, der diesen Herbst erscheinen soll, lesen werde.

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 22.04.2021

Leider nicht ganz überzeugend

Was von Dora blieb
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Doras Geschichte … soll in dem Roman „Was von Dora blieb“ von der Autorin Anja Hirsch erzählt werden. Oder doch nicht? Jedenfalls erlebt der Leser in diesem Buch zwei verschiedene Erzählstränge, einmal ...

Doras Geschichte … soll in dem Roman „Was von Dora blieb“ von der Autorin Anja Hirsch erzählt werden. Oder doch nicht? Jedenfalls erlebt der Leser in diesem Buch zwei verschiedene Erzählstränge, einmal aus der Gegenwart, der von Isa erzählt wird und einmal die Vergangenheit.

Als Isa über den Betrug ihres Mannes kundig wird, haut sie kurzerhand ohne Erklärung ab. Auf Zwischenstation bei ihrer Mutter erhält sie allerlei Unterlagen, die ihre Familiengeschichte erzählen sollen und Isa empfindet es als notwendig, sich nun mit dieser ausführlich auseinander zu setzen. Es wird deutlich, dass die Beziehung zum Vater und auch der Grossmutter Dora, die Namensgeberin des Buches, nicht die beste war bzw. ist. Auch seien die Informationen, die Isa über ihre Familie hat, sehr lückenhaft und dies möchte sie nun ändern. Aus der Kriegsenkelperspektive taucht nun die Vergangenheit vor dem Leser auf.

Anfangs wird einiges aus Doras Leben erzählt. Ihre Kindheit, ihre Jugend in den aufstrebenden Roaring Twenties (deren Spirit hier leider untergeht), ihre Freundschaft zu Frantek und später zu Maritz und allerlei Verwicklungen, die Liebe zur Kunst … . Nach und nach baut sich beim Leser eine Erwartungshaltung auf, immer mehr Fragen entstehen im Kopf … wie wird es weitergehen? Wie überstehen sie den Zweiten Weltkrieg? Wo finden sie ihr Glück? Weshalb ist Isas Beziehung zu der „bösen“ Dora so? Warum wird Dora überhaupt als so verbittert dargestellt? Und und und … doch leider werden diese Fragen bis zum Ende des Buches nicht beantwortet. Dora gerät immer mehr in den Hintergrund, Fakten werden sachbuchartig präsentiert, Nebensächlichkeiten anschaulich beschrieben. Anja Hirsch hat einen sehr tollen Umgang mit Sprache, doch leider schafft die Art und Weise der Erzählung mehr Distanz als gut für die Geschichte ist und persönlich muss ich zugeben, dass mir zum Schluss kaum etwas von Dora blieb.

  • Cover
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  • Handlung
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Veröffentlicht am 14.04.2021

Grenzgängerin

Unterwasserflimmern
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… ja, diese Bezeichnung würde sehr gut zur Protagonistin von „Unterwasserflimmern“ passen. Das Romandebüt aus der Feder von Katharina Schaller gewährt einen kurzen Einblick in das Leben einer jungen, namenlosen ...

… ja, diese Bezeichnung würde sehr gut zur Protagonistin von „Unterwasserflimmern“ passen. Das Romandebüt aus der Feder von Katharina Schaller gewährt einen kurzen Einblick in das Leben einer jungen, namenlosen Frau, die das Leben und sich selbst noch kennen lernen möchte/muss.
Dadurch, dass während der gesamten Handlung ihr Name unbekannt bleibt, schafft die Autorin Distanz, jedoch lässt sie auch gleichzeitig den/die LeserIn an so vielen geheimen, abstoßenden und lebensnahen Gedanken der jungen Frau teilhaben, dass man diese Welt kurz aus deren Augen zu betrachten glaubt. Im Grunde, ist es eine Geschichte wie es sie viele geben wird. Die Protagonistin steckt in einer langjährigen Beziehung fest, aus der sowohl sie selbst als auch ihr Partner Emil entwachsen sind. Ihre Ziele und Vorstellungen driften immer mehr auseinander und als der männliche Part nicht nur über den Lebensmittelpunkt als auch ihren Körper bestimmen möchte, ergreift die junge Frau die Flucht. Um sich selbst zu finden, zu sortieren, zu überlegen, was am besten zu tun wäre. Dabei kommuniziert sie mit uns LeserInnen nicht nur in einer teils derben Art und Weise als auch mit ihrer Umwelt, wobei für sie da voran die Sexualität eine Rolle spielt.
„Unterwasserflimmern“ spielt gekonnt und bewusst mit Tabus und Grenzen. Egal, ob es um die offene Sexualität der Frau geht, moralische und gesellschaftliche Vorstellungen von Dingen, die Rolle des Mannes und den Begriff der Reife. Es ist, vor allem aus feministischer Sicht, ein wichtiges und lautes Buch aus dem man durchaus etwas mitnehmen kann, wenn man es denn möchte.

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Veröffentlicht am 13.04.2021

Ein Land im Tiefschlaf

Der ehemalige Sohn
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„Der ehemalige Sohn“ aus der Feder von Sasha Filipenko ist mein erstes Buch, dass ich von ihm gelesen habe. Bereits durch die Leseprobe und frühe Leserstimmen habe ich ein kritisches und gleichzeitig sehr ...

„Der ehemalige Sohn“ aus der Feder von Sasha Filipenko ist mein erstes Buch, dass ich von ihm gelesen habe. Bereits durch die Leseprobe und frühe Leserstimmen habe ich ein kritisches und gleichzeitig sehr trauriges literarisches Werk erwartet. Doch das Endergebnis hat mich umgehauen.

Filipenko erschafft in einer mir bisher einmaligen Art eilig einige Personen, die nicht exzessiv vorgestellt und charakterisiert werden, die einem jedoch so unglaublich nah sind, dass man ihre Tränen fließen hört, ihre Schreie spürt und selbst den Zigarettenrauch riecht. Im Vordergrund steht der junge Franzisk, oft einfach nur Zisk genannt, der ein an sich gewöhnliches Leben führt. Er lernt an einem Lyzeum das Cello spielen und soll, sofern das Ganze von Erfolg gekrönt wird, mal damit Geld verdienen. Seine Großmutter Elvira, in meinen Augen das Herz dieses Buches, sorgt auch, dass der Junge fleißig lernt und es ihm sonst an nichts mangelt. Sie gibt auch nicht auf, als Zisk schwer verunfallt und daraufhin ins Koma fällt. Mit aller ihr möglichen Kraft versucht sie Zisk, und so auch den Leser am Leben in Belarus teilhaben zu lassen. Ihre Schilderungen sind so eindrücklich, dass man während des Lesens sich mehrfach bedankt, dass Marin einer Demokratie leben darf.

Viele Geschehnisse habe ich jetzt noch nicht verarbeitet. Filipenko lässt detailgetreu und historisch eingebettet einige einschneidende Ereignisse der weißrussischen Geschichte erneut passieren und macht deutlich, dass wir zwar im Jahr 2021 leben, aber es doch weiterhin Länder gibt, die ihre Bürger jenseits von Gut und Böse unterdrücken. Eine klare Leseempfehlung!

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Veröffentlicht am 13.04.2021

Romy Schneider und ihr Weg zu sich selbst

Romy und der Weg nach Paris
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Bei dieser Geschichte musste ich mich outen … ich habe weder bewusst etwas über Romy Schneider gelesen und wahrgenommen noch ihre berühmten Filme gesehen. Lediglich war mir Alain Delon ein Name, wobei ...

Bei dieser Geschichte musste ich mich outen … ich habe weder bewusst etwas über Romy Schneider gelesen und wahrgenommen noch ihre berühmten Filme gesehen. Lediglich war mir Alain Delon ein Name, wobei ich auch hier nicht viel Wissen vorweisen konnte. Und so tauchte ich in die Geschichte ein …. Michelle Marly entführt einen regelrecht in das Leben von Romy und schildert eine Episode aus ihrem Leben, nämlich die, wo sie in Frankreich erstmals auf Alain Delon trifft, um mit ihm seinen ersten Film zu drehen. Der Schönling entpuppt sich als ungezogen und rebellisch, also das komplette Gegenteil von der jungen und anständigen Wienerin. Aber Gegensätze ziehen sich ja bekanntlich an … .

Der Leser verfolgt und leidet mit. Durch einen meisterhaft einfachen und flüssigen Schreibstil wird dieses Werk zu einem wahren Pageturner. Es werden nicht nur wichtige Stationen in Romys Karriere und Leben geschildert, man hat auch einen umfassenden Einblick in ihre Gedanken und Gefühle und gönnt ihr vom Herzen Erfolg, Liebe, Glück und ein langes Leben. Doch leider sah die Realität anders aus. =(

Ich würde dieses Buch jedem empfehlen, der einen lockeren und spannenden Einblick in eine Episode aus Romy Schneiders Leben werfen möchte und dabei nicht von zig Namen von Regisseuren, Schauspielern und Drehorten erschlagen werden möchte und so oft mehr mit Zuordnen beschäftigt ist als mit Lesen und Eintauchen. Auch das Nachwort ist empfehlenswert und rundet das gesamte Buch gut ab. Ich finde es schade, dass es zu Ende ist.

  • Cover
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