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Veröffentlicht am 30.12.2021

Hochdramatisch und mitreißend

Das Buch der verschollenen Namen
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„Ich weiß, manchmal ist es schwer, das Beste zu glauben. Aber ist es nicht besser, als das Schlimmste zu glauben?“

1942 schafft es die Pariser Jüdin Eva gerade noch rechtzeitig, ihrer Verhaftung durch ...

„Ich weiß, manchmal ist es schwer, das Beste zu glauben. Aber ist es nicht besser, als das Schlimmste zu glauben?“

1942 schafft es die Pariser Jüdin Eva gerade noch rechtzeitig, ihrer Verhaftung durch die Deutschen zu entgehen. Sie fälscht sich und ihrer Mutter Papiere und flieht in das kleine Dorf Aurignon, wo sie sich der Résistance anschließt. Gemeinsam mit einem katholischen Pfarrer und Rémy, in den sie sich bald verliebt, fälscht sie professionell wichtige Dokument und Ausweise, verleiht jüdischen Kindern neue Identitäten und sorgt so für ihre Rettung. Damit die wirklichen Namen der Kinder nicht vergessen werden, verschlüsselt sie die Namen im „Buch der verschollenen Namen“. Dieses Buch darf nie dem Feind in die Hände fallen. Doch dann scheint es einen Verräter in den eigenen Reihen zu geben.

Autorin Kristin Harmel schreibt gut verständlich, flüssig, lebendig und bildhaft in der ersten Vergangenheit. Die Geschichte beginnt zunächst im Jahr 2005, doch später „springt“ sie ins Jahr 1942 zurück und erzählt chronologisch, wie es der Protagonistin Eva ab Juli 1942 ergeht. Es fiel mir sehr leicht, in das Geschehen hineinzufinden.

Eva ist eine beeindruckende, mutige Heldin, ein echtes Vorbild. Sie kämpft nicht an der Front, sondern im Hintergrund, dennoch aktiv mit Papier und Tinte für die Rettung vieler Unschuldiger. Sie riskiert dabei ihr eigenes Leben. Die Konflikte mit ihrer Mutter, die ihr Tun nicht gutheißt und fürchtet, dass Eva ihren Glauben verraten und verleugnen könnte, erträgt sie, weil sie weiß, dass sie das Richtige tut. Trotzdem gehen die Probleme mit ihrer Mutter nicht spurlos an der jungen Frau vorüber, sie belasten sie sehr. Eva studierte früher Literatur, ist eine Träumerin, verliert sich in Büchern und findet sich darin wieder. Sie ist leidenschaftlich, mitfühlend und sensibel. Den Kindern zu helfen, gibt ihr das Gefühl, „etwas Licht in die Welt bringen zu können, selbst inmitten all der Finsternis.“ Eva möchte nicht, dass die Kinder ihre Herkunft, ihre echten Namen vergessen, denn niemand sollte vollkommen entwurzelt werden und vergessen, wer er wirklich ist.
Dass Harmels Figuren -abgesehen von Eva- geheimnisvoll, manchmal unberechenbar wirken, finde ich gelungen. Ich habe mich wiederholt gefragt, wem Eva eigentlich trauen kann. Sind wirklich alle das, was sie vorgeben zu scheinen? In Extremsituationen sind Menschen, wenn es ums eigene Überleben geht, zu allem fähig. Das wird hier schön dargestellt und macht die Geschichte überaus spannend.

Was für eine hochdramatische, ergreifende Handlung, die von einer wahren Geschichte inspiriert wurde. Kristin Harmel verpackt in „Das Buch der verschollenen Namen“ Geschichte in einen mitreißenden Plot, dem ich mich einfach nicht entziehen konnte. Die Autorin macht für mich Geschichte lebendig, nachfühlbar, zeigt mir über meine eigenen Emotionen, was der Zweite Weltkrieg für Betroffene wirklich bedeutete. Wie schrecklich muss es gewesen sein, damals als Jude in Frankreich zu leben, welche Ängste müssen die Leute dabei ausgestanden haben. Gleichzeitig wird sehr deutlich, wozu Menschen getrieben werden können, wenn es um das Wichtigste überhaupt geht, ihr Leben. Das etwas dick aufgetragene Ende hat mich nicht ganz überzeugt, passt aber dennoch zur Geschichte.
Ingesamt ein absolut packender Roman, der mich mitgerissen, mich erschüttert hat, mir aber gleichzeitig beweist, dass es doch Menschen mit beeindruckender, beispielloser Courage gibt, die auch gegen starke Widerstände auf ihre Art die Welt zu einem besseren Ort machen. Für mich ein sehr lesenswertes Buch, das ich allen Fans des Genres nur ans Herz legen kann.


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Veröffentlicht am 30.12.2021

In vielen Momenten mehr tragisch als komisch, aber dennoch lesenswert

Du hast mir gerade noch gefehlt
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„Die Hochzeit meines besten Freundes mag ein lustiger Film sein, aber es fühlt sich kein bisschen komisch an, wenn man das am eigenen Leib erfährt.“

Eve, Susie, Justin und Ed sind seit Jahren eine eingeschworene ...

„Die Hochzeit meines besten Freundes mag ein lustiger Film sein, aber es fühlt sich kein bisschen komisch an, wenn man das am eigenen Leib erfährt.“

Eve, Susie, Justin und Ed sind seit Jahren eine eingeschworene Truppe, beste Freunde seit der Schulzeit. Und genauso lang ist Eve schon heimlich in Ed verliebt. Der hat allerdings eine Freundin, Hester. Diese macht ihm während eines Kneipenquizs vor versammelter Mannschaft einen Heiratsantrag, den Ed freudestrahlend annimmt. Das reicht leider noch nicht an Hiobsbotschaften für Eve: Nach dem verhängnisvollen Kneipenabend kommt es zu einem tragischen Unglück. Susis älterer Bruder Finlay reist aus Amerika an. Eve gerät sofort mit ihm aneinander. Doch dann lernen sich Eve und Finlay besser kennen...

Die Autorin Mhairi Mc Farlane schreibt locker-leicht, angenehm und direkt mit viel Sinn für Komik. Sie bringt die Dinge trocken auf den Punkt, so wie hier: „Der liebe Gott lacht, wenn wir ihm von unseren Plänen erzählen, und er gluckst fröhlich, wenn er uns Behauptungen darüber aufstellen hört, dass wir uns einer Sache absolut sicher sind, unter anderem, in wen wir uns niemals verlieben werden.“
Das bunte, fröhliche Cover ähnelt stark denen der früheren Werke der Autorin, das Buch ist aufgrund der äußeren Gestaltung sofort als neuester Roman der bekannten Bestsellerautorin zu erkennen.


Mit Protagonistin Eve fieberte ich durchaus mit, ich fand sie sympathisch, aber dennoch fiel es mir anfangs schwer, sie richtig zu „fassen“, zu erkennen, was sie eigentlich ausmacht. Sie ist verständlicherweise über weite Strecken melancholisch und traurig. Später zeigen sich Eves Eigenschaften klarer: sie kommt oft unverblümt direkt rüber, trägt immer schwarz, nimmt die Menschen stets beim Wort, ist treu und wenn sie sich verliebt, dann für immer. Vielleicht fehlt ihr wirklich nur der Glaube an sich selbst.
Währen Ed zwar nett, aber etwas kantenlos und weich wirkt, scheint Finlay im Gegensatz dazu sehr viele Ecken und Kanten zu haben. Er wird von mehreren Leuten als „Gift“ bezeichnet, reagiert oft harsch und extrem distanziert. Aber nicht alle Fassaden verraten sofort, was sich dahinter verbirgt. Durch interessante Gespräche, die oft den den Nagel auf den Kopf treffen, werden einige Beziehungen intensiviert. Dass in der Figurenkonstellation so manches Klischee bedient wird, wie die zickige Verlobte oder der schwule beste Freund, gehört bei Mc Farlane dazu.


Wie in ihren anderen Büchern beweist Mhairi Mc Farlane auch mit „Du hast mir gerade noch gefehlt“, dass sie die Menschen um sich herum sehr genau beobachtet und menschliche Verhaltensweisen schonungslos und sehr treffend wiedergeben kann. Sie stellt die richtigen Fragen: Warum zum Beispiel spionieren wir Menschen über soziale Medien nach, obwohl doch jedem klar ist, dass in sozialen Medien wahnsinnig viel gelogen wird? Eva hat vermutlich auch recht, wenn sie über verpasste Gelegenheiten nachdenkt: „Ich glaube, in Wahrheit sind die Gelegenheiten im Leben wie Türen, die kurz aufgehen, dann zuschlagen und für immer verschlossen bleiben. Du merkst womöglich gar nicht, wenn sie offen stehen, und niemand warnt dich, dass sie wieder zugehen. Wenn du nicht durch die offenen Türen rennst, dann war‘s das.“

Mhairi Mc Farlanes neuester Roman ist anders als die Vorgänger. Das fröhliche Cover führt zumindest anfangs in die Irre. Das Buch vermittelt zu Beginn oft eine triste, melancholische Stimmung. Eve ist über weite Strecken unglücklich und verzweifelt. Immer wieder blitzt zwar der Humor der Autorin auf, aber das hier ist kein Gute-Laune- Wohlfühlroman wie von der Autorin gewohnt, sondern einer zum Nachdenken über Vorurteile, Lebenslügen, Verletzungen, Fassaden, das richtige Timing, den Tod, den Umgang mit Verlust oder der Glorifizierung Verstorbener und Kranker. Das Buch ist definitiv anders als erwartet, mit viel Emotionen und hoffnungsvollem Ende zwar, aber dafür mussten die Protagonisten vorher ungewöhnlich lange leiden. Ich kann den Roman mit Überzeugung weiterempfehlen. Mir hat diese spezielle Mischung, die ihn ausmacht, gefallen. Wer sich aber nur leichte, unterhaltsame Situationskomik wünscht, wird enttäuscht werden.

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Veröffentlicht am 29.12.2021

Es wird noch magischer - gelungene Fortsetzung der phantasievollen Reihe

Die Schule für Tag- und Nachtmagie, Band 2: Mathe, Deutsch und Wolkenkunde
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Lucy fühlt sich wohl in der Schule für Tag- und Nachtmagie. Vor allem das Fach Lichtschwimmen hat es ihr angetan, empfindet Lucy dabei doch ein unbeschreibliches Gefühl. Sogar Wolkenkunde ist interessant, ...

Lucy fühlt sich wohl in der Schule für Tag- und Nachtmagie. Vor allem das Fach Lichtschwimmen hat es ihr angetan, empfindet Lucy dabei doch ein unbeschreibliches Gefühl. Sogar Wolkenkunde ist interessant, seit es von der neuen Vertretungslehrerin Frau Kyrie-Eleis unterrichtet wird. Eigentlich könnte alles so schön sein, doch die Tagschüler müssen erneut um ihren Platz an der Schule bangen, denn mit dem geheimnisvollen Elias kommt ein siebter Schüler in die Klasse. Und die Klasse bietet bekanntermaßen nur Platz für sechs Kinder.

Gina Mayer erzählt in gut verständlicher, kindgemäßer Sprache. Mila Marquis schlichte, klare schwarz-weiß Bilder illustrieren die Geschichte sehr passend, die Seitenzahlen unten werden beispielsweise von hübschen, kleinen Schmetterlingen umrahmt.
Das ansprechende Cover in Sonnengelb und weiteren leuchtend hellen Farben zeigt, dass es in diesem Band mehr um die Tag- als um die Nachtmagie geht.
Die Schrift ist ein wenig größer gedruckt und aufgrund des etwas breiteren Zeilenabstand gut lesbar. Zum Selberlesen eignet sich die Geschichte für Kinder ab acht Jahren, zum Vorlesen auch schon für jüngere Kinder ab sechs Jahren.

In „Mathe, Deutsch und Wolkenkunde“ spielen andere Schüler als im vorherigen Band größere Rollen. Neben Nora und dem Klassenlehrer Herrn Wohlgemut sind die einzelnen Tagschüler im Porträt auf dem Vorsatzpapier zu sehen. Die Hauptfigur ist diesmal die aufgeweckte, neugierige Lucy. Ihr gefällt es an der Schule. Einzig der neue Schüler Elias bereitet ihr Unbehagen, er wirkt etwas verschlossen, spricht nicht viel und weiß Dinge, die er eigentlich nicht wissen kann. Wer ist der seltsame Junge wirklich?
Auch wenn sie nicht persönlich auftaucht, ist immer wieder von Lady Sunshine die Rede, die als abgrundtief böse gilt und den Zwillingen große Angst macht, wird sie doch mit dem Verschwinden ihrer Eltern in Zusammenhang gebracht.
Da alle Figuren etwas Magisches, Zauberhaftes, manchmal auch Rätselhaftes an sich haben, sind sie nicht immer klar einzuschätzen. Das macht die Figurenkonstellation natürlich recht spannend, auch wenn die Charaktere nicht besonders intensiv und tiefgründig ausgearbeitet wurden.

Im zweiten Band der Reihe geht es deutlich magischer zu als im ersten. Hier wird im Licht geschwommen, Bilder verlassen Büchern, Aufzüge führen in den Himmel, Räume verändern ihre Lage. Die Leserschaft bekommt eine noch genauere, sehr bildhafte Vorstellung von dieser außergewöhnlichen Schule. Besonders gefallen hat uns die Beschreibung der Schulbücherei, da helfen Eichhörnchen und es herrscht eine ganz „zauberhafte“ Ordnung. Erlebt im ersten Band Nora ein besonderes Abenteuer, muss sich nun Lucy beweisen. Auch ihr Leben an der Schule ist aufregend, spannend, phantastisch und durchaus geheimnisvoll, genau wie ihre Geschichte. Das Ende kommt diesmal etwas weniger abrupt und offen und macht trotzdem neugierig auf die Fortsetzung. Ob Lucy und Nora ihre Eltern jemals wiedersehen? Insgesamt eine nette, leicht lesbare und kurzweilige Reihe, natürlich längst nicht so komplex und raffiniert wie Harry Potter, aber trotzdem durchaus lesens- und empfehlenswert.

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Veröffentlicht am 29.12.2021

Schulstart mit Hindernissen - spannend, magisch, rätselhaft

Die Schule für Tag- und Nachtmagie, Band 1: Zauberunterricht auf Probe
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Die Zwillinge Lucy und Nora leben bei ihrer Tante und ihrem Onkel, nachdem ihre Eltern vor Jahren von einem Tag auf den anderen einfach spurlos verschwanden. An ihrem zehnten Geburtstag erhalten die Schwestern ...

Die Zwillinge Lucy und Nora leben bei ihrer Tante und ihrem Onkel, nachdem ihre Eltern vor Jahren von einem Tag auf den anderen einfach spurlos verschwanden. An ihrem zehnten Geburtstag erhalten die Schwestern einen mysteriösen Brief, eine Einladung zum Vorstellungsgespräch an der Schule für Tag- und Nachtmagie. Dass der Eingang der Schule gar nicht so leicht zu finden ist, liefert den Schwestern einen Vorgeschmack darauf, was sie an der Schule, die sie beide unbedingt besuchen wollen, erwartet. Nachdem die Schwestern es allen Widrigkeiten zum Trotz geschafft haben, an der Schule aufgenommen zu werden, müssen sie eine schwierige Probezeit voller Herausforderungen absolvieren. Gerade für Nora geht dabei einiges schief. Irgendjemand scheint etwas dagegen zu haben, dass Nora an der Schule bleibt. Nur wer?

Gina Meyer schreibt einfach und kindgemäß. Die Schrift ist recht groß gedruckt mit weitem Zeilenabstand. Zwischendrin finden sich immer wieder individuelle , ganzseitige, gut erkennbare, klar konturierte Illustrationen, die motivieren. Das vierte Kapitel, das in der Nacht spielt, ist passend zur Handlung weiß auf schwarz gedruckt.
Kinder ab acht Jahren werden sicher keine Schwierigkeiten haben, die Geschichte selbstständig zu lesen.

Alle wichtigen Charaktere werden auf dem Vorsatzpapier vorgestellt, hier finden sich bunte Porträtbilder der Figuren. Die Schwestern Nora und Lucy sind grundverschieden. Lucy steht gerne früh auf und wird in der Nacht schnell müde, Nora macht gerne die Nacht zum Tag. Hier werden alle Kinder bestimmt schnell ihren Lieblingscharakter finden, in den sie sich gut hineinversetzen können. Sehr interessant ist zum Beispiel die Figur Frau/ Herr Spiegel, die ihre Gestalt je nach Tageszeit verändert. Sympathisch war meinen Mitlesern Tarek, der stets in Begleitung seines Siebenschläfers auftritt. Die kühle Celeste, die ein bisschen an Draco Malfoy aus Harry Potter erinnert, fiel uns hingegen unangenehm auf, sorgt aber für Würze. Eine Geschichte ohne Gegenspieler ist schließlich langweilig. Und Celeste wartet dazu noch mit einem besonderen Geheimnis auf.

Ob die Schwestern die Probezeit überstehen werden? Und werden sie mehr über den Verbleib ihrer Eltern erfahren ?
Die phantasievolle Geschichte entwickelt sich sehr aufregend und geheimnisvoll, enthält Magie und Krimielemente, ist ziemlich spannend und unterhaltsam. Sie endet recht abrupt mitten im Geschehen, so dass wir sehr froh sind, den zweiten Band bereit liegen zu haben und ihn gleich im Anschluss lesen zu können.
Wer gerne besondere Schulgeschichten mit einer Prise Zauberei mag, liegt mit dieser Reihe goldrichtig.

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Veröffentlicht am 28.12.2021

Ein herrlich schräger, turbulenter Tag - komisch und voller Überraschungen

Hilfe, ich habe meine Oma im Supermarkt verloren!
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Harry ist sehr groß und ein noch größerer Tierfreund. Für einen Hund würde er alles tun. Fleißig sammelt er bei seiner Mutter Hundepunkte. Wenn er 500 davon verdient hat, bekommt er endlich den langersehnten ...

Harry ist sehr groß und ein noch größerer Tierfreund. Für einen Hund würde er alles tun. Fleißig sammelt er bei seiner Mutter Hundepunkte. Wenn er 500 davon verdient hat, bekommt er endlich den langersehnten Hund. Für 50 Hundepunkte soll er seine Oma Mini zu einer besonderen Preisverleihung in den Supermarkt begleiten, dort wird sie wegen ihrer Verdienste in der Klopapierentwicklung geehrt. Doch so einfach wie es scheint, ist der Auftrag gar nicht. Oma hat ihren eigenen Kopf, vor allem, wenn sie unter dem Einfluss von Karamellbonbons steht….Ob Harry am Ende seinem Hund einen Schritt näher kommt?

Jo Simmons schreibt locker-leicht, direkt und flapsig-witzig. Für Spaß sorgen immer wieder ihre amüsanten Aufzählungen, seien es Zusammenfassungen von Harrys Missgeschicken oder die Auflistungen von Omas Handtascheninhalt oder diverser Prämierungen rund ums Klopapier. Nathan Reeds comicartige Bilder illustrieren die Geschichte sehr treffend. Über die witzigen, dynamischen Schwarzweiß-Bilder und Figuren mit der lustigen Mimik muss man einfach lachen. Die Bilder motivieren.
Die Schrift ist etwas größer gedruckt und dank des weiten Zeilenabstand gut lesbar. Kinder ab neun Jahre werden das Buch sicher ohne größere Probleme selbständig lesen können.

Jo Simmons Figuren mögen vielleicht etwas eindimensional und wenig tiefgründig sein, aber sie sind unbestreitbar sehr unterhaltsam und äußerst originell. Harry, der viel zu groß für sein Alter ist und immer für ein Erwachsenen gehalten wird, ist ein liebenswerter, gutmütiger, sympathischer Junge. Er liebt Tiere und Kostüme, ist sehr kreativ und einfallsreich und gibt nicht auf. Auch Peinlichkeiten und Unannehmlichkeiten erträgt er recht gelassen, um sein großes Ziel zu erreichen.
Seine winzige Oma Mini ist eine „harte Nuss“ und steckt voller Überraschungen. Was mir an Jo Simmons Büchern besonders gut gefällt, sind die wiederkehrenden Charakter. So kann Harry auf den Rat seines Freundes Keith aus „Hilfe, ich habe meiner superschlauen Schwester das Gehirn geklaut“ zählen. Auch Tom und Jonny aus Jo Simmons anderen Geschichten haben kleine Gastauftritte. Der Figurenkosmos der Autoren wird mit jedem Buch erweitert.

Ob Harrys Mission erfolgreich sein wird?
Wenn es um die Verleihung eines Klopapierpreises geht, kann es eigentlich nicht langweilig werden. Harrys unglaubliche Erlebnisse an einem einzigen Tag reichen für ein ganzes Buch. Eine überdrehte, schräge, phantasievolle Geschichte mit viel Action und Turbulenzen, einer sympathischen Hauptfigur und einer ziemlich untypischen Oma. Nicht realistisch freilich, aber dafür umso witziger.
Bei Simmons spielen stets außergewöhnliche Familienbande eine Rolle, am Ende zeigt sich ein wunderbarer Familienzusammenhalt. Familie ist bei Simmons letztendlich großes Glück. „Hilfe, ich habe meine Oma im Supermarkt verloren“ ist ein weiteres absurd-komisches Buch aus einer Reihe, deren Bände man alle unabhängig voneinander lesen kann. Wer es witzig mag und das Leben nicht immer so ernst nimmt, liegt auch mit der neuesten Geschichte der Autorin absolut richtig.

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