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Veröffentlicht am 14.11.2025

War es Mord oder Selbstmord?

Winzerkrieg
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Auf den Autor war ich durch eine Lesung auf einem Weingut in Rohrbach in der Pfalz aufmerksam geworden. Kombiniert mit Weinprobe und einem mehrgängigen Menü war es eine perfekte Mischung für einen gelungenen ...

Auf den Autor war ich durch eine Lesung auf einem Weingut in Rohrbach in der Pfalz aufmerksam geworden. Kombiniert mit Weinprobe und einem mehrgängigen Menü war es eine perfekte Mischung für einen gelungenen Abend.

Uwe Ittensohn stellte dort seinen neuesten Krimi „Winzerkrieg“ vor, die Kapitel, die er vorlas, machten Lust auf mehr und ich habe nicht bereut, mir das Buch gekauft zu haben.

Die Protagonisten auf Ermittlerseite sind der Kriminalhauptkommissar Frank Achill sowie André Sartorius, eigentlich Stadtführer in Speyer, der aber immer wieder in die Aufklärung von Kriminalfällen hineingerät. Dieses Mal findet er sogar eine Leiche beim Joggen am Speyerer Rheinufer. Seiner Mieterin Irina waren rote Spuren an einem abgestellten Auto beim Kanuhaus aufgefallen und tatsächlich finden die beiden im Auto die Leiche eines Deidesheimer Winzers. Die Tatwaffe fehlt, also geht die Polizei von Mord aus, allerdings hat der Tote einen Abschiedspost auf Facebook hinterlassen, was wiederum auf einen Selbstmord hindeuten würde.

Die Ermittlungen konzentrieren sich recht bald auf die Ex-Frau des Winzers Celi, auch Sally genannt und ihre neue Partnerin, eine Winzerkollegin des toten Kuno Körber aus Deidesheim. In Rückblenden lernen wir sowohl Körber als auch seine Frau besser kennen. Kuno hatte Celi während eines Praktikums auf einem Weingut in Spanien kennengelernt. Schon damals hatten sich die Familien einer Verbindung der beiden entgegengestellt, in Spanien hatte man die Stieftochter verstoßen, der Vater Kunos in Deidesheim war schon zu krank, um seine Ablehnung noch so offen zeigen zu können. Die Ehe der Körbers hatte über 20 Jahre Bestand, zum Schluss war sie so zerrüttet, dass Celi ihren Mann verließ. Unterhalt konnte sie nicht durchsetzen, weil das Weingut ihres Mannes immer noch hoch verschuldet war, vor allem nach durchgeführten, aber nie genehmigten Bauprojekten, aus denen sich kein Gewinn ziehen ließ.

Der Leser schwankt in seinen eigenen „Ermittlungen“ und Mutmaßungen hin und her, kann man den beiden eher zierlichen Frauen tatsächlich einen so grausamen Mord zutrauen, gab es in den verschwiegenen Winzerkreisen in Deidesheim noch mehr Menschen, die mit Körber eine offene Rechnung hatten?

Während der Kommissar und seine Mitarbeiterin sich auf die beiden Frauen konzentrieren, geht André Sartorius von Anfang an in seinen Ermittlungen eigene Wege. Ihm fallen Dinge auf, die für die Ermittlungen der Polizei noch gar keine Rolle spielen. Etwas gesetzeswidrig verschafft er sich Zugang zu Körbers Weinkeller und Werkstatt und sucht dort nach Spuren, die ihm einen Hinweis oder eine Antwort auf seine Vermutungen geben könnten.

Der Krimi hat neben Spannung sehr viel Lokalkolorit, die vorkommenden Personen sprechen noch Pälzisch, was der Autor, wie wir bei der Lesung erleben konnten, auch perfekt beherrscht. Ich bin sicher, auch die Ortsbeschreibungen in Deidesheim und Forst entsprechen den Tatsachen. Gut gefallen haben mir auch die „Generationenkonflikte“ zwischen André und Irina und die humorvollen Seitenhiebe auf die Deutsche Bahn. Überhaupt kommt der Humor im Buch nicht zu kurz und die Pfälzer werden treffend charakterisiert. Der Autor hat dem Volk aufs Maul geschaut.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 06.11.2025

Der 1. Fall für ein neues Ermittlerteam

Die Chemie des Verbrechens - Die Fährte
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Dr. May Barven hat sich kürzlich als Strafverteidigerin selbstständig gemacht, nachdem sie zuvor und noch vor einem Jurastudium lange Jahre als DNA-Forensikerin gearbeitet hatte. Bisher sind es eher unbedeutende ...

Dr. May Barven hat sich kürzlich als Strafverteidigerin selbstständig gemacht, nachdem sie zuvor und noch vor einem Jurastudium lange Jahre als DNA-Forensikerin gearbeitet hatte. Bisher sind es eher unbedeutende kleine Mandate, die sie erringen konnte und sie träumt vom großen Durchbruch.
Da geht der Fall des Unternehmers Ruben Rickleffs durch die Presse. Seine DNA-Daten scheinen identisch mit denen eines Mörders zu sein, also ein idealer Fall für Dr. May Barven, an dem sie sich in ihren beiden Fachgebieten beweisen kann.
Ruben Rickleffs ist Chef eines Reiseportals, der darüber hinaus auch seinen Kunden anbietet, per DNA-Abgleich ihre ursprüngliche geografische Herkunft zu ermitteln. Unter dem Motto „Reisen Sie dahin, wo Ihre Ahnen herkommen“ hat er eine Lawine losgetreten und werbewirksam auch seine eigene DNA bestimmen lassen. Das wird ihm nun zum Verhängnis, denn seine DNA stimmt mit dem Erbgut aus einem Cold Case von vor 15 Jahren überein.
Ruben Rickleffs beteuert seine Unschuld. Er will nichts zu tun haben mit einem Fall, der in seine Jugendzeit hineinreicht. In Kirchwerder war damals ein junges Mädchen ermordet worden und an ihrem Schal fanden sich Spuren, die erst mit der neuen Technologie weiterverfolgt werden können.
Der Leser wandert zwischen der Jetzt-Zeit und dem Jahr 2007 hin und her und erfährt scheibchenweise, was sich damals zugetragen hat. Die später tot aufgefundene Ute war Teil einer Clique von jungen Leuten, die zusammen nach einem Fest noch in einer ehemaligen Gärtnerei abhingen. Am nächsten Morgen wurde sie von ihrer jüngeren Schwester Beate tot aufgefunden und der Vater hatte, bevor die Polizei eintraf, noch einen Schal seiner Tochter einstecken können. An diesem Schal wird später die Spur gefunden, die auf Ruben Rickleffs als Täter hindeutet.
Die Polizei hatte lange ermittelt, aber jeder der zuvor anwesenden jungen Leute hatte für die Tatnacht ein Alibi und so hatte der Mord nie aufgeklärt werden können.
May hat während einer Autofahrt aus dem Autoradio von der Anschuldigung erfahren und erfasst sofort, dass dieser Fall wie auf sie zugeschnitten ist. Tatsächlich gelingt es ihr, Ruben zu überzeugen, sie als seine Strafverteidigerin zu engagieren und das gegen namhafte Kanzleien aus Hamburg.
Zunächst einmal scheint alles gegen Ruben zu sprechen und er ist seiner Anwältin auch nicht sonderlich sympathisch. Er ist arrogant und gewohnt, alles mit Geld regeln zu können. Die Justiz lässt sich allerdings nicht korrumpieren und er muss in Untersuchungshaft.
Vorher konnte er noch seinen alten Freund und Detektiv Tarek anheuern, der seiner Anwältin zuarbeiten soll. Auch bei diesen beiden ist es alles andere als Sympathie auf den ersten Blick. Sie misstrauen einander und erst nach einiger Zeit und ersten positiven Ermittlungsergebnissen wächst das Vertrauen.
Als Leser hat man zunächst einmal das Gefühl, dass May sich mit dem Fall zu viel zugemutet hat. Manchmal wirkt sie unsicher, aber die Ablehnung und der Neid aus Kollegenkreisen lässt sie an sich selber wachsen. Sicherheit gibt ihr die eigene Familie, ihr Mann Adrian nimmt ihr tatsächlich ganz oft die Hausarbeit und die Kinder ab, so dass sie sich ganz auf den Fall konzentrieren kann, der, je weiter er voranschreitet, auch immer mehr Zeit beansprucht.
Als Leser lernt man eine ganze Menge über DNA-Abgleiche und ihre Aussagekraft. So reicht es nicht, wenn nur einzelne Loki übereinstimmen, die Analysemethoden sind mit der Zeit immer ausgereifter geworden.
Der Fall ist durchgehend spannend und der Leser schwankt hin und her zwischen verschiedenen Verdächtigen. Der medizinische Hintergrund ist ein weiteres Add-on, welches dem Fall zusätzliche Spannung verleiht.
Wir erleben aber auch die Entwicklung der Protagonisten während der Ermittlungen und ersten Gerichtsstage. War May am Anfang noch eher unbedarft, und gelang es ihr nicht, ihren Klienten aus der Untersuchungshaft herauszuholen, so ist ihr Opening Statement schon deutlich überzeugender. Sie muss sich gegen einen voreingenommenen Richter und eine Verteidigung durchsetzen, die ihr Urteil bereits gefällt haben und da bedarf es eines perfekten Auftritts und Statements.
Aber auch der arrogante Ruben reift im Gefängnis. Er muss erkennen, dass nicht alles mit Geld zu bezahlen ist und reagiert empathisch auf die Schilderung der Eltern, wie sie den Tod ihrer Tochter empfunden haben.
Tarek war eigentlich von Anfang an auch für May eine gute Unterstützung. Ihr anfängliches Misstrauen wandelt sich im Laufe der Ermittlungen in eine sehr gute und hilfreiche Kooperation.
Das Buch soll der erste Band einer neuen Serie sein und schon jetzt ist abzusehen, dass die Protogonisten aus Band 1 auch in weiteren Bänden wieder eine Rolle spielen könnten.
Ganz kleine Einschränkungen ergeben sich durch Lektoratsfehler bzw. -versäumnisse, dass hin und wieder die Namen verwechselt werden oder der gleiche Richter unter zwei unterschiedlichen Namen geführt wird. Das könnte man in einer zweiten Auflage noch korrigieren.

  • Einzelne Kategorien
  • Handlung
  • Erzählstil
  • Charaktere
  • Cover
  • Spannung
Veröffentlicht am 02.10.2025

Handschellenknoten und Bernstein

Nordlicht - Die Toten im Nebel
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Es handelt sich um den 4. Krimi um das deutsch-dänische Ermittlerteam rund um Vibeke Boisen und Rasmus Nyborg.
Im Hafen von Esbjerg wird in einer verlassenen Lagerhalle die Leiche eines Mannes mit gefesselten ...

Es handelt sich um den 4. Krimi um das deutsch-dänische Ermittlerteam rund um Vibeke Boisen und Rasmus Nyborg.
Im Hafen von Esbjerg wird in einer verlassenen Lagerhalle die Leiche eines Mannes mit gefesselten Händen und durchschnittener Kehle gefunden. Eine zweite Leiche taucht kurze Zeit später in einem deutschen Dorf an der Grenze zu Dänemark auf, auf die gleiche Art und Weise gefesselt, aber auf andere Art und Weise zu Tode gekommen.
Die deutsch-dänische Ermittlergruppe vermutet einen Zusammenhang, zumal kurze Zeit später ein weiteres Indiz auf den gleichen Täter hindeutet.
Und so beginnt ein spannender Krimi, der die Spannung auch tatsächlich bis zum Schluss aufrechterhalten kann. Leser, die auch die vorangegangenen Bände kennen, müssen im Laufe der Handlung Abschied nehmen, Opfer gibt es nämlich auch in Polizeikreisen.
Zunächst einmal ist das Motiv des Täters vollkommen unklar. Die Opfer stehen in keinem Zusammenhang miteinander und kommen aus vollkommen unterschiedlichen Kreisen und Gesellschaftsschichten. Erst langwierige Polizeiarbeit und nächtelanges Wälzen von Belegen und Unterlagen bringt Licht ins Dunkel der Ermittlungen.
Auch wenn dieses langwierige Umdrehen und Lesen jeden einzelnen Belegs dem Text einige Längen gibt, so macht es auf der anderen Seite doch klar, wie wichtig dieser Teil der Ermittlungen ist. Ohne es genau zu wissen, stelle ich mir vor, dass dies einen großen Teil der Arbeit in den Ermittlungen ausmacht.
Das Team um die beiden Ermittler ist eine eingeschworene Gemeinschaft, in diesem Fall kommen sie aber an ihre Grenzen, zumal nicht jeder von ihnen Teamplayer ist und der ein oder andere auch schon mal eigene Wege geht.
Ich fand alle bisherigen Krimis dieser Reihe lesenswert, „Die Toten im Nebel“ ragt aus dieser Reihe aber noch mal heraus, von daher gebe ich volle Punktzahl.

  • Einzelne Kategorien
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  • Erzählstil
  • Handlung
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Veröffentlicht am 15.09.2025

Wenn der Zeitgeist sich dreht

Die Frauen jenseits des Flusses
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Es ist das Jahr 1965 und die Welt ist im Wandel. Die behütete, junge Frances McGrath sucht einen anderen Weg für sich, als zu heiraten und Kinder zu bekommen. Die Heldenwand ihres Vaters hat sie inspiriert, ...

Es ist das Jahr 1965 und die Welt ist im Wandel. Die behütete, junge Frances McGrath sucht einen anderen Weg für sich, als zu heiraten und Kinder zu bekommen. Die Heldenwand ihres Vaters hat sie inspiriert, auch sie wäre gerne eine Heldin und sie ahnt nicht, dass für Frauen in ihrer Familie dieser Weg nicht vorgesehen ist. Sie macht eine Ausbildung als Krankenschwester und meldet sich für den Krieg in Vietnam. Kurz vor ihrer Abreise erhält die Familie die Nachricht, dass ihr Bruder in Vietnam gefallen ist. Ihren Eltern fällt es nun umso schwerer, auch sie noch ziehen zu lassen.

Dass der Weg zum Heldendasein aber ein sehr steiniger ist, gepflastert mit Toten, mit Verlusten, mit Enttäuschungen, mit Trauer, das hat niemand vorhergesagt.

Frankies Zeit in Vietnam ist geprägt von unsäglichem Leid, von Verletzungen und Sterben. Aber auf der anderen Seite ist da auch die Kameradschaft sowohl mit Ärzten als auch mit den Schwestern. Trotz dem Leid, das ihnen täglich begegnet, genießen sie die wenige freie Zeit, als ob es ihre letzte Stunde wäre.

Die Zeit in Vietnam macht aber nur die erste Hälfte des Buches aus. Irgendwann ist der Militärdienst vorbei und die Heimat ruft. Und die Rückkehr war für Frankie ganz anders, als sie es erwartet hatte und als es die Armeezeitungen, die man in Vietnam lesen konnte, vorhergesagt hatten.

In den USA hatte sich die Meinung in den 60er Jahren total gedreht. Aus Heldenverehrung war Verachtung geworden, die Soldaten, die nach Hause kamen wurden angespuckt und beschimpft. Sie wurden als Mörder gebrandmarkt. Sie hätten Befehle verweigern müssen, was bekanntlich während eines Krieges nicht ganz einfach ist. Die Politiker machen es sich leicht. Wenn sie ein Gewissen haben, treten sie zurück und zeigen sich nicht mehr ganz so oft in der Öffentlichkeit. Die Soldaten müssen ein ganzes Leben mit ihren Traumata leben, die Verletzungen quälen sie und keiner fühlt sich dafür zuständig. Den Frauen hat man nicht einmal eine Traumabewältigung zugestanden, offiziell gab es ja keine amerikanischen Frauen in Vietnam. Und gerade ihnen konnte man nicht den Vorwurf machen, Menschen erschossen oder Giftgas eingesetzt zu haben. Im Gegenteil: die Schwestern versuchten, sowohl vietnamesische als auch amerikanische Patienten zu behandeln und zu heilen.

Und so war es nur gut, wenn man Freundinnen hatte, mit denen man die schrecklichen Erinnerungen teilen konnte. Ethel und Barb begleiten sie über viele Jahre und sind ihr in ihren Depressionen eine wertvolle Stütze.

Für mich stand der Feminismus gar nicht so sehr im Vordergrund. Natürlich war der Vietnamkrieg mit allen seinen Facetten kein Ruhmesblatt für die USA. Aber dafür waren die Politiker und die militärische Führung verantwortlich und nicht die Soldaten. Die Soldaten wurden mit falschen Versprechungen in den Krieg gelockt und der Zeitgeist drehte sich während ihrer Abwesenheit. Fast 60.000 Soldaten starben während ihres Einsatzes, darunter auch eine kleinere Anzahl von Krankenschwestern und es war nicht fair, ihnen selbst die Schuld an ihrem Tod zu geben. Das Veteranendenkmal war das Mindeste, das man ihrer Erinnerung widmen konnte.

Ich fand es wichtig, dass Kristin Hannah dieses Buch geschrieben hat. Zum einen habe ich eine Menge über das Amerika der 60er Jahre und über den grausamen Krieg in Vietnam erfahren, zum anderen zeigt es aber auch, wie wankelmütig der Zeitgeist ist. Gerade verehrte man noch die Kriegshelden des 2. Weltkriegs und wenig später wurden Soldaten zu Mördern. Und so war das Buch für mich auch ein Anti-Kriegs-Epos, weil es den Soldaten und dem ärztlichen Personal Namen und ein Gesicht gab und die Einzelschicksale hinter dem großen Geschehen damit sichtbar machte. Ich habe über lange Passagen mit Frankie gelitten. Erst der Schluss hat mich ein wenig mit ihrem Schicksal versöhnt.

Für mich war es bislang das Lesehighlight dieses Jahres, ich mag es, wenn mich Bücher noch lange beschäftigen und ich hätte dem Buch auch 6 Punkte gegeben.

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Veröffentlicht am 31.07.2025

Auch der letzte Teil der Trilogie ist absolut lesenswert

Wir sehen uns wieder am Meer
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Es handelt sich hier um den letzten Teil einer Trilogie. Die beiden früheren Bände "Als Großmutter im Regen tanzte" sowie "Und Großvater atmete mit den Wellen" sind seit Jahren Bestseller.

Schon der Titel ...

Es handelt sich hier um den letzten Teil einer Trilogie. Die beiden früheren Bände "Als Großmutter im Regen tanzte" sowie "Und Großvater atmete mit den Wellen" sind seit Jahren Bestseller.

Schon der Titel drückt ganz viel Hoffnung aus. Hoffnung auf ein Wiedersehen, Hoffnung auf bessere Zeiten, auf Erholung, Urlaub, Spaß und das Titelbild unterstützt diesen Eindruck noch. Drei Frauen, die ihr Wiedersehen feiern, die gemeinsam tanzen und ihr Leben genießen. Die Grundstimmung und Farbgebung des Covers passt sich außerdem den beiden Vorgängerbänden an.

Diese Hoffnung zieht sich durch Birgits Leben. Der unbeschwerten Jugend und ihrer Freundschaft mit Tekla, die wir schon aus Band 1 kennen, folgt während des Krieges die Entscheidung, etwas Sinnvolles zu tun, Menschen in Not zu helfen und so lässt Birgit sich nach Nord-Norwegen versetzen an ein Krankenhaus in Bodø. Schnell stellt sie fest, dass die Deutschen gerade den Norden fest im Griff haben und dass es auch Norweger gibt, die sie dabei unterstützen.

Die Arbeit im Krankenhaus ist sinnvoll und erfüllend. Aber sie stellt auch fest, dass außerhalb des Krankenhauses Dinge passieren, von denen kaum jemand etwas weiß. Da gibt es Fremdarbeiter-Lager, in denen die Insassen täglich zur harten Arbeit in der Fischverarbeitung gezwungen werden und die Umgangsformen sind alles andere als höflich und zugewandt. Eine junge Frau fällt ihr auf, Nadia, die von den Deutschen aus der Ukraine nach Norwegen verschleppt wurde. Deren Freundin Daria wird mit einer akuten Blinddarmentzündung eingeliefert und operiert, Nadia hatte sie ins Krankenhaus begleitet. Da Birgit fließend Russisch spricht, wird sie die Ansprechpartnerin für russische Patienten, wenn die Deutschen tatsächlich einmal die Verlegung von Patienten in eine norwegische Klinik erlauben.

Das Buch ist, wie auch seine Vorgänger, so geschrieben, dass man es nur schlecht wieder aus der Hand legen kann. Man leidet mit den Lagerinsassen und Kriegsgefangenen und man leidet mit Birgit, als sie in den letzten Tagen des Krieges noch von den Nazis festgenommen wird. Die fanatischen Mitläufer wollen ihre Niederlage selbst dann noch nicht eingestehen, als international bekanntgegeben wird, dass Hitler Selbstmord begangen hat und sie quälen ihre Opfer weiter.

Sowohl Birgit als auch Nadia fällt es schwer, über die schlimmen Erlebnisse zu reden, sich jemandem anzuvertrauen. Birgit sehnt sich nach ihrer Freundin Tekla, von der sie nur weiß, dass sie Norwegen in Richtung Deutschland verlassen hat. So oft muss sie an Teklas Worte denken“ Wir können verurteilen, was sie tut, aber nicht sie selbst.“

Alle drei Freundinnen waren Opfer ihrer Zeit, der zweite Weltkrieg beendete alle ihre Träume, vereitelte ihre Pläne und die Nachkriegszeit bedeutete noch lange nicht das Ende ihres Leides. Trotzdem behielten sie sich ihre positive Grundeinstellung, tanzten im Regen und unterstützen sich gegenseitig. Trude Teiges Augenmerk liegt auf den Frauen, die während des Krieges an Stärke gewannen und über sich hinauswuchsen. Es waren starke Frauenfiguren, die sehr authentisch wirken.

Mir gefielen bereits die beiden Vorgängerbände ausgesprochen gut, sie ließen mich eine Menge über die Geschichte Norwegens während der Nazizeit lernen. Auch für diesen Band spreche ich gerne eine Leseempfehlung mit voller Punktzahl aus.

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