Was kommt eigentlich nach Sturm?
Windstärke 17Bei Windstärke 17 handelt es sich um den Folgeroman von „22 Bahnen“ von Caroline Wahl. Dieses Mal dreht sich alles um Ida, die jüngere Schwester von Tilda und die Handlung spielt 10 Jahre nach Tildas Wegzug ...
Bei Windstärke 17 handelt es sich um den Folgeroman von „22 Bahnen“ von Caroline Wahl. Dieses Mal dreht sich alles um Ida, die jüngere Schwester von Tilda und die Handlung spielt 10 Jahre nach Tildas Wegzug aus der Fröhlichstraße nach Berlin. Ida war damals mit der alkoholkranken Mutter allein zurückgeblieben, hatte die Schule beendet und war dann nach einem Wochenendtrip mit ihrer Freundin zu der toten Mutter zurückgekehrt. Die hatte sich an diesem Wochenende das Leben genommen.
Ida gibt sich die Schuld am Tod ihrer Mutter, sie kann schwer damit umgehen, dass sie genau an diesem Wochenende nicht zuhause war und dass ihre Mutter allein sterben musste. Tilda hat sie eingeladen, zu ihr zu kommen, aber Ida fährt über Hamburg hinaus einfach weiter und landet auf Rügen.
Wie schon im Vorgängerband, so spielt auch in diesem Buch das Wasser eine wichtige Rolle. Tilda hatte Struktur in ihr Leben gebracht, indem sie täglich im Schwimmbad ihre 22 Bahnen absolvierte und sie hatte diese Liebe zum Wasser auch an Ida weitergegeben. Ida ist von der Ostsee begeistert, als erstes wirft sie sich in die Wellen und powert sich vollkommen aus. Das Meer ist ein Ort zum Abtauchen und Vergessen.
Ihr Glück ist es, dass sie auf einen älteren Mann, Knut, trifft, der ihr einen Kellnerinnenjob in seiner Kneipe anbietet. So beginnt ihre Freundschaft mit ihm und seiner Frau Marianne und bald zieht sie bei den beiden ein.
Dieses Familienleben bietet ihr viel von dem, was sie in Kindheit und Jugend verpasst hat, weil ihre Mutter mit eigenen Problemen zu tun hatte. Dennoch holen sie die Erinnerungen viel zu oft ein. Oft kann ihr nur ein Tauchgang helfen.
Ida ist wütend und ihre Wut äußert sich in Brüllattacken, in einem häufig schnippischen und trotzigen Verhalten ihren Mitmenschen gegenüber. Der Umgang mit ihr ist nicht einfach, das erfahren auch Marianne und Knut. Bald aber auch Leif, der eine besondere Anziehungskraft auf sie ausübt. Er ist ähnlich gestrickt, trägt ebenfalls sein Herz nicht auf der Zunge.
Caroline Wahls Schreibstil ist besonders. Jemand hatte es mit einem Theatermanuskript verglichen und genauso liest es sich, wenn es um Gespräche miteinander geht.
Oft erfahren wir zunächst, was Ida denkt und dann drückt sie es gleich oder in verkürzter Form noch einmal in Worten aus. Die Gedanken teilen dem Leser einen Sachverhalt meistens etwas ausführlicher mit, in der Aussprache ihrer Gedanken ist Ida eher kurz angebunden.
Das Buch endet offen, aber nicht unbedingt ohne Hoffnung. Der Rückzug nach Rügen hat Ida auf jeden Fall gutgetan und ihr durch andere auftauchende Probleme Abstand vor sich selbst geschaffen.
Trotz des eigenwilligen Schreibstils ließ sich für mich das Buch gut lesen und ich empfehle es gerne weiter.