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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 17.03.2019

Vielversprechender Auftakt mit einigen Schwächen

Gold und Schatten
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Inhalt

Gerade erst nach Paris gezogen, verliebt sich die sechzehnjährige Livia Hals über Kopf in Maél. Seine Welt sind die düsteren Katakomben unter den Straßen der Stadt. Die beiden kommen sich schnell ...

Inhalt

Gerade erst nach Paris gezogen, verliebt sich die sechzehnjährige Livia Hals über Kopf in Maél. Seine Welt sind die düsteren Katakomben unter den Straßen der Stadt. Die beiden kommen sich schnell näher, doch der draufgängerischen Maél geht immer wieder auf Abstand. Was hat er zu verbergen? Und warum um alles in der Welt kann Livia plötzlich Botschaften hören, die Bäume und Pflanzen zuflüstern? Ist sie dabei, den Verstand zu verlieren? Als es Livia schließlich gelingt, die einzelnen Fäden miteinander zu verknüpfen, kann sie kaum glauben, welches Geheimnis sich ihr offenbart. Denn dass sie Maél kennengelernt hat, war alles andere als ein Zufall...


REVIEW

Griechische Mythologie. Die Stadt der Lichter. Und die erste große Liebe. Scheinbar die perfekten Zutaten für ein großartiges Young Adult Buch. Ich bin sofort schwach geworden, als ich auf das Buch aufmerksam geworden bin. Nicht zuletzt wegen dem schönen Cover, welches ein absoluter Hingucker ist. "Gold und Schatten" ist definitiv unterhaltsam und es macht Spaß Livia und Maél auf ihrem Abenteuer zu begleiten, allerdings fehlt es der Geschichte an Tiefe und bleibt definitiv nicht in Erinnerung. Mich hat es ein wenig an "Starcrossed" von Josephine Angelini erinnert, wobei sich lange keine Spannung aufbaut und auch die mythologischen Aspekte hier nicht so gut umgesetzt wurden. Zwar begegnen wir im Laufe der Geschichte vielen bekannte Figuren, allerdings hätte es für meinen Geschmack alles noch weiter ausgebaut werden müssen. Stattdessen wird vieles nur angeschnitten und sich stattdessen auf die Liebesgeschichte konzentriert. "Gold und Schatten" arbeitet mit vielen Klischees und bleibt ziemlich oberflächlich, weshalb ich es eher jüngeren Leser empfehlen würde. Das mag sich nun alles erstmal negativ anhören, aber ich hab mich trotzdem gut unterhalten gefühlt und zwischendurch ist es auch mal schön eine seichte Geschichte zu lesen, besonders wenn die Grundidee selbst so vielversprechend ist.

Ein großer Schwachpunkt war für mich die Darstellung von Livia, mit der ich mich einfach nicht anfreunden konnte. Sie ist ein liebes und sympathisches Mädchen, welches Kräfte entwickelt und sich in einer neuen Welt zurecht finden muss. Mir erschien sie allerdings leider oftmals viel zu unreif und es gab mehrere Momente in denen ich einfach nur den Kopf schütteln musste. Obwohl sie mit Pflanzen sprechen kann, macht sie keinerlei Anstalten mehr darüber hinauszufinden oder ihre Kräfte zu hinterfragen und akzeptiert ihr Schicksal einfach. Das hat mich in den Wahnsinn getrieben. Mag sein, dass es im zweiten Band aufgeklärt wird, aber bisher wirkt sie einfach nur wie ein naives Mädchen. Wer interessiert sich schon dafür warum man plötzlich mit Pflanzen sprechen kann, wenn man stattdessen einen geheimnisvollen Bad Boy anhimmeln kann?

Maél selber konnte mich direkt überzeugen. Er ist geheimnisvoll, ambitioniert und wirkt mehr wie ein Antiheld als ein Traumprinz. Den Großteil der Geschichte war ich begeistert von ihm und wollte unbedingt mehr erfahren. Eine überraschende Offenbarung in der Mitte der Handlung wirft noch mal ein ganz neues Licht auf ihn und alles hätte so gut sein können. Doch dann kam das Ende und hat meine rosarote Blase mit einem großen Knall zersprengt. Die raue, geheimnisvolle Fassade war letztendlich nur aufgesetzt, um die Herzensdame zu beschützen. Was für eine Enttäuschung. YA Trope vom allerfeinstes. Hier war ich wirklich enttäuscht, denn sein Charakter hatte so viel Potential, welches komplett verschwendet wurde. So hat sich ganz überraschend Maéls Halbbruder Enko in mein Herz gespielt und ich hoffe sehr darauf mehr von ihm im zweiten Teil zu lesen. Der Wikingerprinz nimmt kein Blatt vor den Mund, hat seine Ecken und Kanten und erobert den Untergrund von Paris als Rockstar. Ich bin gespannt auf seine Entwicklung und hoffe sein Potential wird besser ausgebaut. Große Stärke der Geschichte liegt in seinen Nebencharakteren, von Livias Freundinnen über diverse Götter bis hin zu bekannten Sagengestalten. Für meinen Geschmack hätten die Nebencharaktere aber noch mehr Aufmerksamkeit verdient.

Die griechische Mythologie spielt eine zentrale Rolle in "Gold und Schatten", kommt aber erst vergleichsweise spät ins Spiel. Zunächst steht erstmal nur die Liebesgeschichte zwischen Livia und Maél im Mittelpunkt, da hätte man gerne einiges kürzen können. Allgemein hatte ich das Gefühl, dass die Geschichte unnötig in die Länge gezogen wird, weil man unbedingt einen Zweiteiler daraus machen wollte. Auch der Cliffhanger kam mir zu unerwartet und war zu sehr darauf konzipiert den Leser dazu zu bringen den zweiten Teil zu kaufen. Ich bin zwar gespannt auf die Fortsetzung, aber habe das Gefühl, dass man hieraus problemlos einen Einzelband hätte machen können.

Ich fand es schön zu sehen, wie die Autorin versucht hat verschiedene Figuren und Sagen der griechischen Mythologie in die Geschichte einzubringen. Wir begegnen mehreren Göttern, wobei mir besonders Hephaistos in Erinnerung geblieben ist. Ich hoffe sehr ihn im zweiten Band wiederzusehen. Die Darstellung der Götter und Sagengestalten fand ich größtenteils gelungen, teilweise aber auch etwas übertrieben. Hades ist der klassische Bösewicht, das war mir etwas zu langweilig. Und obwohl Hermes unglaublich liebenswert ist, wirkt seine Darstellung einfach komplett überzogen. Vielleicht bin ich aber auch einfach zu verwöhnt von Percy Jackson und anderen Büchern in dem Genre. Aussagen wie 'wenn der Kuchen spricht, haben die Krümel Pause' passen für mich einfach nicht zu einem Gott. Allgemein hat der Humor der Autorin leider nicht meinem Geschmack getroffen und dürfte wohl eher junge Teenage ansprechen. So müssen McDonalds Rutschen als Eingang zur Hölle herhalten, das war mir einfach zu kindisch. Und auch viele der vermeintlich schlagfertigen Gespräche haben bei mir oftmals nur ein Gefühl des Fremdschämens hervorgerufen. Ich hätte mir gewünscht, dass das Lektorat da noch mehr geändert hätte. Ich kann aber verstehen, dass man von einer jungen Autorin nicht so viel erwarten kann wie von bekannten Größen im YA Bereich.

"Gold und Schatten" spielt in Paris und die Autorin nimmt den Leser mit zu Ausflügen in die Katakomben und den Eifelturm. Letztendlich hätte ich mir aber gewünscht, dass man dieses Setting noch mehr hervorhebt. Ich denke da nur an die "Die For Me" Reihe von Amy Plum, die mir das Gefühl hat selbst mitten in der Stadt der Lichter zu stehen. Das hat mir hier gefehlt und im Grunde hätte die Handlung auch in jeder anderen älteren Großstadt spielen können.

Die Review mag vielleicht recht kritisch ausgefallen sein, aber trotzdem muss ich sagen, dass ich die Geschichte unterhaltsam fand und es nicht bereue sie gelesen zu haben. Man merkt aber definitiv welches Zielpublikum hiermit angesprochen werden soll. Teenager, die gerade selber die erste Liebe erleben, werden das Buch mit Sicherheit lieben! Und auch wer seichte Unterhaltung sucht, ist mit dem Buch bestens beraten. Man sollte nur nicht zu viel erwarten und nicht den Fehler begehen es mit Percy Jackson und Co zu vergleichen. Obwohl ich bei dem Cliffhanger wirklich die Augen rollen musste, werde ich den zweiten Band definitiv lesen. Ich denke die Geschichte hat noch immer unglaublich viel Potential und bin gespannt wie dieses in der Fortsetzung umgesetzt wird. Zudem merkt man deutlich, dass der erste Teil nur das Vorspiel war und die Handlung jetzt erst richtig losgeht.

FAZIT
"Gold und Schatten" ist eine Geschichte rund um die griechische Mythologie und die erste Liebe. Jüngere Leserinnen werden dem Buch sicherlich direkt verfallen. Mir selbst hat es der Geschichte leider an Tiefe gefehlt, zudem gab es für meinen Geschmack zu viele Klischees. Die Handlung hat viel Potential, welches aber einfach nicht ausgeschöpft wird. Es bleibt daher eine seichte Unterhaltung für zwischendurch.

Veröffentlicht am 03.06.2018

TNT bieten Spannung, Herzschmerz und Drama

Die letzte erste Nacht
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PLOT
Eine einzige Nacht kann dein ganzes Leben verändern.
Sie hätten niemals miteinander im Bett landen dürfen - das ist Tate und Trevor klar. Und schon gar nicht sollten sie den Wunsch verspüren, das ...

PLOT
Eine einzige Nacht kann dein ganzes Leben verändern.
Sie hätten niemals miteinander im Bett landen dürfen - das ist Tate und Trevor klar. Und schon gar nicht sollten sie den Wunsch verspüren, das Ganze zu wiederholen. Doch für die beiden ist es unmöglich, das Kribbeln zwischen ihnen zu ignorieren. Dabei kann Trevor auf keinen Fall erneut bei Tate schwach werden. Zu nah kommt die junge Studentin seinem dunkelsten Geheimnis: Während sie versucht, herauszufinden, warum ihr Bruder starb, setzt er alles daran, die Antwort auf diese Frage für immer vor ihr zu verbergen.

REVIEW
"Die letzte erste Nacht" ist der dritte Teil der "First" Reihe und nachdem ich davon schon soviel Gutes drüber gehört habe, musste ich mir einfach selbst ein Bild davon machen. Und obwohl das Buch nicht um die ein oder anderen New Adult Klischees herum kommt, konnte mich Bianca Iosivoni doch überzeugen und ich werde mir definitiv auch die anderen Bände der Reihe kaufen. In "Die letzte erste Nacht" folgen wir Tate und Trevor oder auch liebevoll TNT genannt. Dieser Spitzname sagt schon alles, denn die beiden sind ein äußerst explosives Duo. Ich fand die beiden sehr gelungen dargestellt, wenngleich ich mit Tate am Anfang kleine Startschwierigkeiten hatte. Eine besondere Stärke der Autorin liegt in der Gestaltung der Nebencharaktere, die einem richtig ans Herz wachsen und besonders die Gruppendynamik macht einen großen Teil des Charmes der Geschichte aus. Die Handlung selbst überzeugt mit Gefühl und Spannung und wenngleich man einige Aspekte durchaus vorhersehen kann, macht es doch Spaß den beiden zu folgen und auf ein Happy End zu bangen.

CHARAKTERE
In keinem anderen Genre habe ich so oft Probleme mit den weiblichen Hauptcharakteren wie im New Adult. Das liegt oftmals daran, dass sie mir zu überzogen dargestellt sind oder ihnen einfach die charakterliche Stärke fehlt. Von daher war ich unheimlich froh, dass dies in "Die letzte erste Nacht" nicht der Fall war. Ganz im Gegenteil habe ich mich Tate direkt verbunden gefühlt und es fällt unheimlich leicht sich in sie hineinzuversetzen. Man fühlt und leidet mit ihr und Bianca Iosivoni gelingt es wunderbar die innerliche Zerrissenheit ihrer Protagonistin darzustellen. Tate ist ehrgeizig, eine gute Studentin und doch gleichzeitig ein absolutes Partygirl, stets geplagt von den Geistern der Vergangenheit. Ich mag diese Gegensätzlichkeiten und obwohl sie eine unglaublich starke Protagonistin ist, merkt man doch wie sie innerlich sehr verletzlich und angreifbar ist.

Trevor hat es neben so einer starken Frau also gar nicht mal so leicht und gerade am Anfang hatte ich manchmal das Gefühl er würde fast schon in ihrem Schatten stehen. Das soll allerdings weniger ein negativer Punkt sein, sondern vielmehr ein Kompliment für Tate. Der Latino mit Köpfchen lässt Frauenherzen ohne Frage höher schlagen und ich habe ihn im Verlauf der Geschichte auch ins Herz geschlossen. Ich mag seine beschützerische Art gegenüber Tate und seinen Freunden. Er trägt ein Geheimnis aus der Vergangenheit mit sich herum, welches ihn charakterlich stark geprägt hat und dies wird in der Handlung gelungen ausgearbeitet. Ich konnte ihn allerdings nicht immer ganz nachvollziehen.

Die "First" Reihe überzeugt mit einer großartigen Freundesgruppe, die ihren ganz eigenen Charme hat und die Geschichte erst zu etwas besonderem macht. Ich habe mich ein wenig in die Clique verliebt und bin daher sehr gespannt auf die Geschichten der anderen Paare. Luke und Dylan fand ich besonders großartig, was wohl auch der Grund ist weshalb Trevor trotz all seiner Vorzüge doch ein wenig in ihrem Schatten stand. Mason, der im abschließenden Teil der Reihe im Mittelpunkt steht, hat ebenfalls schon eine größere Rolle eingenommen und mich neugierig auf seine Geschichte gemacht.

SCHREIBSTIL
Bianca Iosivoni hat einen sehr locker, leichten Schreibstil der perfekt zur Handlung passt. Gleichzeitig zeigt sie aber in mehreren Szenen auch, dass sie wesentlich mehr zu bieten hat. Sei es nun die düstere Atmosphäre im Fitness Club oder die emotionaleren Szenen zwischen TNT, immer wieder gewinnt ihr Schreibstil an Tiefe und passt sich den jeweiligen Augenblicken an, wodurch sich dem Leser viel Abwechslung bietet. Dazu dienen auch die beiden unterschiedlichen Erzählperspektiven. Der Leser folgt nicht nur Tate sondern auch Trevor und gerade bei New Adult Büchern finde ich dies immer unheimlich wichtig, weil ich andernfalls oftmals das Gefühl habe etwas zu verpassen und den männlichen Charakter nicht gut genug kennenlerne. Von daher finde ich es schön, dass die Autorin uns an beiden Sichtweisen teilhaben lässt, denn Trevor ist unheimlich gelungen dargestellt.

COVER
Das Cover reiht sich wunderbar in die Gestaltung der anderen "First" Titel ein und ist definitiv sehr schön anzuschauen. Grundsätzlich bin ich kein großer Fan von Paaren oder Gesichtern auf dem Cover, aber in dem Fall gefällt es mir wirklich gut. Das liegt besonders an den farbigen Highlights im Vordergrund. Diese sind bei jedem Buch anders und mir gefällt in diesem Fall das grün besonders gut. Was mir besonders gut gefällt sind die Titel in der gesamten Reihe, weil diese mir irgendwie von Anfang an im Gedächtnis geblieben sind.

FAZIT
"Die letzte erste Nacht" kann mit seinen liebevoll gestalteten Charakteren und einer großartigen Gruppendynamik überzeugen. Die Handlung kommt zwar um einige New Adult Klischees nicht herum, aber hebt sich durch den gelungenen Mix von Spannung, Emotionen und Drama von anderen Büchern des Genres ab. Wer erstmal mit der "First" Reihe anfängt, wird dieser definitiv verfallen!

BEWERTUNG
4 von 5 Sternen

Veröffentlicht am 04.12.2017

Der beste Fantasyroman 2017!

Nevernight
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PLOT

Mia Corvere ist noch ein Kind, als sie mit ansehen muss wie ihr Vater wegen Hochverrats öffentlich gehängt und ihre Mutter eingekerkert wird. Sie schwört Rache an den drei mächtigsten Männern der ...

PLOT

Mia Corvere ist noch ein Kind, als sie mit ansehen muss wie ihr Vater wegen Hochverrats öffentlich gehängt und ihre Mutter eingekerkert wird. Sie schwört Rache an den drei mächtigsten Männern der Itreyanischen Republik. Der Antiquitätenhändler Mercurio nimmt sie bei sich auf und führt ihr vor Augen, dass es nur einen Weg gibt um ihre Vergeltung zu bekommen. Mia muss in den Assassinenorden, die Rote Kirche, aufgenommen werden. Doch erst einmal gilt es die gefährliche Auswahl zu überstehen, denn am Ende werden nur vier der Anwärter zu sogenannten Klingen ernannt. Ob es ihr dabei helfen wird, dass sie kein normales sechzehnjähriges Mädchen ist? Mia ist eine Dunkelinn. Als sie vor den Mördern ihres Vaters floh, halfen ihr die Schatten. Seitdem lebt eine Katze in ihren Schatten und sie nährt sich von Mias Ängsten.

 

REVIEW

Dunkel. Schonungslos. Einzigartig. "Nevernight" ist für mich jetzt schon das Highlight des Jahres 2017! Jay Kristoff erschafft eine einzigartige und detailverliebte Welt, wie ich sie in dieser Art nur selten zwischen Buchdeckeln gefunden habe. Mit jeder Seite merkt man wie viel Herzblut der Autor in dieses Projekt gesteckt hat. Als Leser wird man in eine Geschichte geworfen in der es keine Happy Ends gibt und in der die Heldin auch nicht wirklich heldenhaft ist. Doch gerade dies macht den Charme dieser düsteren Story aus. Es fällt schwer dieses Buch aus der Hand zu legen, hat man es erstmal angefangen. Am Ende hat es mich tatsächlich sprachlos zurückgelassen. "Nevernight" überzeugt mit einer spannenden Handlung voller unvorhersehbaren Wendungen, die das Buch zu einem echten Pageturner machen. Ich kann die Fortsetzung kaum erwarten und freue mich jetzt schon darauf nach Godsgrave zurück zu kehren!

CHARAKTERE
Mia Corvere und Herr Freundlich sind der Mittelpunkt der Geschichte. Die Assassine und die Katze. Für mich hatte sich diese Kombination zunächst einmal seltsam angehört, aber alle Zweifel waren schnell über Bord geworfen. Ich liebe die Dynamik zwischen diesem eigenwilligen Duo! Jay Kristoff gelingt es die tiefe Verbundenheit mühelos darzustellen und man merkt wie die beiden aufeinander angewiesen sind. Mia lässt sich nicht mit den gängigen Heldinnen im Young Adult Bereich vergleichen, was sicherlich einen großen Teil zur Popularität dieser Reihe dazu trägt. Sie ist alles andere als eine Heldin und der Erzähler warnt den Leser bereits am Anfang, dass Mia von Helden gefürchtet wird. Könnte es eine bessere Ausgangslage geben? Zudem besitzt Mia soviel charakterliche Tiefe, dass es für mich ein wahrer Genuss war ihre Entwicklung zu verfolgen.

Allgemein machen für mich die Charaktere "Nevernight" erst zu so einem Highlight. Wir lernen im Laufe der Geschichte eine Vielzahl an Charakteren kennen und Jay Kristoff schafft es allen eine eigene Stimme zu geben. Jeder hat Tiefe, Eigenarten und Widererkennungswert! Der Autor projiziert die Gefühle von Mia auf den Leser und so habe ich eine tiefe Verbundenheit zu Tric gespürt, mich gemeinsam mit Mia über Husch gewundert, Jessamin gehasst und mit Ashlinn gelacht. Ich fand es wunderbar, dass man bis zum Ende die Geschehnisse zwischen den Anwärtern nicht wirklich durchschauen konnte und so hat mir das Buch gleich mehrmals das Herz gebrochen. Wir treffen eine so große Vielfalt an Individuen, das es schwer fällt sich auf einige wenige Lieblinge festzulegen. Und selbst wenn nicht alle sympathisch sind, sind sie definitiv alle faszinierend. So hat mich die Geschichte der Sorcerii Adonai und Marielle wirklich fasziniert, obwohl sie schwerlich als liebenswert zu bezeichnen sind. 

Ich war zudem absolut begeistert von der Führungsebene der Roten Kirche und hätte am liebsten noch mehr darüber gelesen. Die Shahiide haben mich fasziniert und alle waren so einzigartig und interessant, wie wäre es da mit einem Prequel?! Am liebsten mochte ich Mauser, aber grundsätzlich möchte ich über alle mehr erfahren. Kein Wunder also, dass die Unterrichtsstunden zu meinen liebsten Szenen gehören. Und dann gibt es noch meinen Liebling: Cassius, der Schwarze Prinz, Herr der Klingen. Ich bin fast verrückt geworden, weil Jay Kristoff sich mit Hintergrundinformationen sehr zurück hält. Es war zwar ein wunderbarer Schachzug ihn durchgehend als Mysterium darzustellen über den so viele Legenden existieren …aber ich hätte alles dafür gegeben mehr über ihn zu lesen.

WELTENBAU 
"Nevernight" spielt in der Republik Itreya und entführt den Leser in eine fremdartige Welt mit drei Sonnen. Das Leben wird bestimmt von den Nimmernächten und dem Wahrdunkel. Mit viel Liebe zeichnet Jay Kristoff eine Welt, die mich von der ersten Seite an gefesselt hat. Ich fand es großartig wieviel man über Itreya gelernt hat und darauf näher einzugehen würde den Rahmen hier eindeutig sprengen. Allein die Beschreibung von Gottesgrab, der Stadt aus Brücken und Gebein, hat mein Leserherz höher schlagen lassen. Das Setting lässt sich als eine Mischung aus dem antiken Rom und der venezianischen Renaissance beschreiben. Dies allein ist schon großartig, aber es gelingt dem Autor auch noch diese Idee absolut lebhaft wiederzugeben. Ich bin beim lesen vollkommen in die fremdartige Welt abgetaucht und kann es nicht erwarten zurückzukehren und mehr über Itreya herauszufinden! 

SPRACHSTIL
Jay Kristoff hat einen sehr bildhaften, eigenwilligen Schreibstil, der sich nur schwer beschreiben lässt. Ich liebe es wenn Autoren sich durch ihren Schreibstil hervorheben und nicht in der breiten Masse untergehen, von daher habe ich "Nevernight" sehr genossen. Man muss sich aber darauf einstellen, dass die Beschreibungen sehr schonungslos sind und es an Blut und Gewalt nicht mangelt. Alles jedoch vollkommen im Rahmen eines Young Adult Romans und passend zu der Atmosphäre des Buches. Eine weitere Besonderheit sind die Fußnoten, die den ganzen Roman durchziehen und mit denen sich vielleicht nicht jeder anfreunden kann. Zwar werfen sie einen gelegentlich etwas aus der Handlung heraus, allerdings teilt der Autor in ihnen so viele Anekdoten über das Leben in Itreya und deren Geschichte, dass ich nicht wirklich etwas dagegen vorbringen kann. Die Fußnoten zeigen erst wieviel Arbeit Jay Kristoff in die Hintergrundgeschichte gesteckt hat und sollten nicht leichtfertig übersprungen werden. 
Passend zum Schreibstil noch eine kurze Bemerkung zur Übersetzung. Obwohl diese absolut gelungen ist, gab es eine Sache mit der ich mich nicht so ganz anfreunden konnte. Herr Freundlich finde ich einen schrecklichen Namen und ich hätte es schön gefunden, wenn man Mister Kindly aus dem Original übernommen hätte.

COVER
Ich liebe das Cover von "Nevernight", auf dem Mia und Herr Freundlich zu sehen sind. Die Zeichnung sieht wunderschön aus und verbreitet bereits sehr gekonnt die Stimmung des Romans. Man stellt sich auf eine düstere und geheimnisvolle Geschichte ein und bekommt genau dies auch geliefert. Ich mag dieses Cover lieber als die Harper Collins Version. Obwohl das schlichte Cover mit dem Raben durchaus eine gewisse Stimmung verbreitet, ist die deutsche Version einfach passender und eindrucksvoller! Wenn man das Buch aufschlägt findet man zwei wunderschön gezeichnete Karten, eine zur Republik und eine zu Gottesgrab. Für mich sind Karten immer ein Highlight und für diese beiden gab es schon vorm lesen direkt einen Pluspunkt. Dazu kommt der rote Buchschnitt, der das Gesamtpaket perfekt und das Buch zu einem echten Hingucker macht.

FAZIT
Der beste Fantasyroman 2017! "Nevernight" entführt den Leser in eine dunkle und faszinierende Welt, die einen bis zur letzten Seite fesselt und auch noch lange danach beschäftigt. Jay Kristoff erschafft eine einzigartige Geschichte voller vielschichtiger Charaktere und einen atemraubenden Storyline. Ich kann es nicht abwarten in die Fortsetzung einzutauchen!

BEWERTUNG
5 von 5 Sternen

Veröffentlicht am 07.10.2018

Von Mulan inspirierte YA Geschichte

Das Mädchen aus Feuer und Sturm
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PLOT
Ein Mädchen, dazu bestimmt, des Kaisers Sohn zu heiraten.
Ein Junge, der den Glauben an das Gute in seinem Herzen begraben hat.
Eine große Liebe, die alles verändern kann.

Mariko, Tochter eines hochrangigen ...

PLOT
Ein Mädchen, dazu bestimmt, des Kaisers Sohn zu heiraten.
Ein Junge, der den Glauben an das Gute in seinem Herzen begraben hat.
Eine große Liebe, die alles verändern kann.

Mariko, Tochter eines hochrangigen Samurai, weiß, dass sie ihre Zukunft nicht selbst bestimmen darf. Sie ist klug und erfinderisch, aber eben ein Mädchen. Mit 17 wird sie dem Sohn des Kaisers versprochen. Doch auf dem Weg zu ihrer Hochzeit wird ihr Geleitzug vom berüchtigten Schwarzen Klan vernichtet. Mariko überlebt als Einzige und nutzt ihre Chance, dem vorgegebenen Pfad zu entkommen! Als Junge verkleidet schmuggelt sie sich unter die Banditen. Zum ersten Mal in ihrem Leben erntet sie Anerkennung. Und sie verliert ihr Herz - ausgerechnet an den Feind

REVIEW
Wer sich für YA und Fantasy interessiert hat es schwer um Renee Ahdieh herumzukommen. Sie zählt zu den neuen Stars der Autorenszene und nachdem sich ihre erste Reihe im orientalischen Bereich abgespielt hat und locker auf "One Thousand and One Nights" basierte, wagt sich die Autorin diesmal in den asiatischen Raum und bedient sich der bekannten Geschichte um die kriegerische Mulan, welche sich als Junge ausgibt um die Ehre ihrer Familie zu bewahren. Weltweit wurde "Flame in the Mist" als Neuerzählung von Mulan angepriesen und hat mich so auch erst auf sich aufmerksam gemacht. Ich liebe den gleichnamigen Disneyfilm und konnte mir das Buch daher nicht entgehen lassen. Zugegeben hatten "Das Mädchen aus Feuer und Sturm" und ich einige kleine Startschwierigkeiten, denn so ganz konnte mich die Handlung nicht fesseln. Ich kann nicht einmal genau benennen woran das nun eigentlich gelegen hat. Mir waren die Charaktere und deren Beweggründe etwas zu blass und auch das Worldbuilding hat für mich zu viele Fragen offen gelassen. Allerdings hat sich dies nach der ersten Hälfte langsam gebessert und nach guten 200 Seiten hatte ich tatsächlich zum ersten Mal das Gefühl, dass mich die Handlung wirklich fesselt.

Vielleicht liegt es daran, dass Mulan immer eine meiner liebsten Disney Prinzessinnen war, aber Mariko konnte mich als Leserin nicht ganz überzeugen. Es mag vielleicht nicht ganz fair sein, weil sie mit einer meiner Kindheitshelden konkurrieren musste, aber ich kann es einfach nicht schön reden. Mariko bringt durchaus alles mit was eine starke Protagonistin braucht. Ich finde es beispielsweise großartig, dass sie nicht die klassische reiche Tochter ist, sondern überall als etwas seltsames, vorlautes Mädchen bekannt war. Zudem stellt sie ihre eigenen Erfindungen her und beweißt mehrmals wie intelligent sie eigentlich ist, was man auch nicht von jeder Protagonistin behaupten kann. Dann wiederum ist sie aber vollkommen blind wenn es um den Schwarzen Clan geht. Bereits wenige Seiten nachdem man den Clan und seine Anführer kennenlernt, stellt man als Leser ihre Vermutung bereits in Frage. Mariko allerdings bleibt von ihren Vorurteilen gelenkt und das hat für mich nicht zu der starken, intelligenten Heldin gepasst, die uns am Anfang vorgestellt wird.

Wenn die weibliche Protagonistin einem Kopfschmerzen bereitet, kommt ein tragischer, leidender Antiheld gerade rechtzeitig. Okami hat es mir wirklich angetan, ich versuche es erst gar nicht zu leugnen. Am Anfang fällt es noch sehr schwer ihn zu durchschauen und selbst nachdem ich das Buch beendet habe, sind für mich noch so viele Fragen offen und er bleibt geheimnisvoll und spannend. Ich kann es nicht erwarten seine Vergangenheit im nächsten Band näher zu beleuchten und ihn hoffentlich besser kennenzulernen und mit ihm auch seine Fähigkeiten. Für mich ist er bisher definitiv nicht der klassische Held, weshalb ich gespannt bin zu sehen welche Richtung Renee Ahdieh im zweiten Teil der Reihe einschlagen wird. Und wenn man von Okami spricht, darf man Ranmaru natürlich nicht einfach übergehen. Ihn kann ich bisher ebenfalls schlecht einschätzen und bei beiden habe ich das Gefühl sie haben bisher einfach noch nicht die Aufmerksamkeit bekommen, die sie verdienen. Ich möchte mehr über Ranmaru erfahren und kann charakterlich bisher zu ihm auch nur wenig sagen. Allgemein sind mir besonders die Nebencharaktere etwas zu blass geblieben und ich konnte zu niemandem eine Verbindung aufbauen.

Ich habe das Setting bereits am Anfang angesprochen und bisher habe ich noch nicht viele Bücher gelesen, die im asiatischen Raum gespielt haben. Was wohl auch der Grund dafür war, dass ich sehr lange große Schwierigkeiten mit den Namen und Eigennamen hatte. Zwar gibt es am Ende des Romans ein Glossar, aber das habe ich tatsächlich erst entdeckt, als ich mit der Geschichte bereits durch war. Irgendwie sind mir die Namen einfach nicht im Kopf geblieben, womit ich gar nicht gerechnet hatte, da ich viel im Bereich Fantasy lese und ungewöhnliche Namen daher eigentlich gewohnt bin. Den Weltenbau selbst fand ich allerdings durchaus interessant dargestellt und ich fand da mittelalterlich, asiatische Setting wirklich spannend und besonders die gesellschaftlichen Aspekte und die Machtverhältnisse haben mich direkt neugierig gemacht. Für meinen Geschmack hätte die Autorin den Weltenbau durchaus noch etwas vertiefen können.

Auch an mystisch, fantastischen Aspekten mangelt es in der Geschichte nicht, allerdings war die Darstellung für mich definitiv ausbaufähig. Bisher erfährt der Leser im Grunde noch gar nichts über die Magie in der Geschichte und ich hab bis zum Ende nicht ganz verstanden welchen Regeln sie unterliegt und in welcher Form sie eigentlich auftritt. Da besteht für mich in Hinsicht auf den zweiten Teil der Reihe noch viel Arbeit. Neugierig macht es auf jeden Fall und ich hoffe die Autorin wird darauf noch genauer eingehen!

Zum Ende hin möchte ich natürlich auch noch kurz auf das Cover zu sprechen kommen. Als jemand, der normalerweise das englische Original bevorzugt, muss ich diesmal zu meiner eigenen Überraschung doch gestehen, dass mir die deutsche Version doch besser gefällt. Ich mag die zarten Farben, die Schriftart und den Hintergrund. Ich finde es auch durchaus passend zur Handlung, wenngleich man dem asiatischen Setting für meinen Geschmack mehr Aufmerksamkeit hätte schenken können.

BEWERTUNG
4 von 5 Sternen

FAZIT
"Das Mädchen aus Feuer & Sturm" ist eine interessante Geschichte mit asiatischem Setting! Die starke weibliche Protagonistin und der gebrochene Antiheld stellen einen interessanten Gegensatz dar und machen gespannt auf die Fortsetzung. Trotz einiger Anlaufschwierigkeiten konnte mich die Handlung am Ende hin fesseln.

Veröffentlicht am 08.05.2018

Großartiger Reihenauftakt, interessantes Magiesystem!

Die dreizehn Gezeichneten
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PLOT
Einst blühte die Stadt Sygna unter der Macht des Gildenrats und deren geheimnisvolle Zeichenmagie. Doch es gab einen Verräter, der sich gegen die Regeln ein zweites Zeichen aneignete und der Armee ...

PLOT
Einst blühte die Stadt Sygna unter der Macht des Gildenrats und deren geheimnisvolle Zeichenmagie. Doch es gab einen Verräter, der sich gegen die Regeln ein zweites Zeichen aneignete und der Armee von Kaiser Yulian dazu verhalf die Gildenmeister zu stürzen. Seitdem herrschen die Aquintaner mit eiserner Faust über das unterworfene Volk. Alle Dichter wurden in Gefangenschaft genommen und obwohl die anderen Zünfte frei sind, stehen sie unter Bewachung der Besatzer. Doch Rebellen sammeln sich im Untergrund, fest entschlossen den roten Rufin, Hauptmann der Geheimpolizei, zu stürzen und Sygna von ihren Besatzern zu befreien. Dawyd, Mitglied der Fechtgilde, wird ohne seinen Willen von den Rebellen in ihren Plan eingespannt und muss schon bald Stellung beziehen. Denn Rufin strebt danach das Wortzeichen unter seine Kontrolle zu bringen, womit er Gefühle und Gedanken aller kontrollieren könnte. Es liegt an den Rebellen dies zu verhindern.

REVIEW
"Die 13 Gezeichneten" haben es von Beginn an geschafft mich immer wieder zu überraschen. Es ist eine fantastische Geschichte, die tiefgründig ausgearbeitet wurde und mit einem großartigen Worldbuilding überzeugt. Das Buch steckt voller Magie und sprüht vor neuen Ideen, die toll umgesetzt wurden. Es ist mal wieder etwas ganz anderes und kann sich von anderen Büchern absetzen. Die vielschichtigen Charaktere konnten mich begeistern und besonders der grandiose Antagonist hat es mir angetan! Judith und Christian Vogt gelingt es mit Leichtigkeit unterschiedliche Protagonisten zum Leben zu erwecken, die einem alle irgendwie ans Herzen wachsen. Mich hat besonders der herausragende Schreibstil mitgerissen, der Sygna erst lebendig werden lässt und einem das Gefühl gibt selbst ein Teil der Geschichte zu sein. Ich kann die Fortsetzung kaum abwarten und freu mich jetzt schon auf ein Wiedersehen mit den Rebellen.

CHARAKTERE
Manchmal steckt eine Geschichte voller großartiger Charaktere und doch verfällt man dem einen Charakter bei dem man eigentlich nicht schwach werden 'darf'. Wer eine Schwäche für Antagonisten hat, der kommt bei diesem Buch voll auf seine Kosten. Die Rede ist vom roten Rufin! Er ist einer der tollsten Schurken, der mir seit langem untergekommen ist und unglaublich vielversprechend und vielschichtig gestaltet. Dadurch wurde er für mich zum faszinierendsten Charakter der Geschichte und obwohl Rufin keiner der Guten ist, fiel es mir schwer ihn nicht zu mögen. Er ist unglaublich clever und ehrgeizig und es steht außer Frage, dass er die Handlung erst so interessant macht. Ich liebe es wenn Autoren mal nicht dem üblichen Schema folgen und ihre Bösewichte stattdessen mit mehr Tiefe gestalten.

Allgemein bietet "Die 13 Gezeichneten" unterschiedliche Charaktere, die für Abwechslung sorgen. Obwohl man Dawyd zunächst als Held der Geschichte vermutet, wird schnell deutlich, dass nicht ein einziger Protagonist im Vordergrund steht, sondern allen gleichermaßen Aufmerksamkeit geschenkt wird. Das fand ich sehr schön, weil so jeder Leser einen Charakter finden kann, mit dem er mitfiebert. Da es so viele interessante Personen gibt, ist mir Dawyd auch tatsächlich gar nicht vordergründig in Erinnerung geblieben. Stattdessen sind es Charaktere wie der Dichter Ismayl, der eine unglaubliche Entwicklung durch macht oder Ignaz, der geheimnisvolle Rebellenanführer, die mich begeistern konnten.

Dem Autorenduo ist es gelungen die Charaktere sehr authentisch darzustellen, was es leicht macht sich in sie hineinzuversetzen. Neigel, der Pechvogel, verdient dabei ganz besonders viel Sympathie und ich bin gespannt in welche Richtung sich sein Handlungsstrang entwickeln wird. Zudem gibt es zwei starke, weibliche Protagonistinnen, die mich gleichermaßen begeistern konnten. Kilianna, die Informantin und Jendra, die Rebellin sind großartigen beschrieben und toll ausgearbeitet. Sie sind beide ein wichtiger Bestandteil der Gruppe und mir hat es viel Spaß gemacht zu sehen wie sie sich weiterentwickeln und nicht gerettet werden müssen, sondern stattdessen selbst mehr als einmal die Rebellion retten.

WELTENBAU
Ein durchdachtest Magiesystem und ein komplexer Weltenbau sind für mich die zwei Grundpfeiler eines guten Fantasyroman. Besonders beim Magiesystem konnte "Die 13 Gezeichneten" bei mir punkten. Es gibt Gilden, in denen die Zeichenmagie durch Meister streng überwacht wird. Diese Idee fand ich sehr spannend und besonders das Wortzeichen hat es mir angetan. Ich finde es schön, dass hier das gesprochene Wort die größte Macht innehält und es mal nicht auf reine Muskelkraft ankommt. Doch auch die anderen Zeichen fand ich interessant und wäre es nach mir gegangen hätte ich am liebsten noch mehr darüber gelesen. Der Ursprung dieser Magie findet sich in den Urzeichen, welche sagenumwoben sind. Gemeinsam mit den Protagonisten erkundet der Leser das Geheimnis dieser Urzeichen und mich hat diese Idee total begeistert und lässt mich selbst im Nachhinein noch nicht los. Ich will unbedingt mehr darüber erfahren und hoffe noch tiefer in das Magiesystem abtauchen zu können.

Der Weltenbau gefällt mir ebenfalls gut, wobei man diesen durchaus noch weiter ausarbeiten kann und es viel Luft nach oben gibt. Die Handlung spielt in Sygna und obwohl der Leser viel über die Stadt erfährt, hätte ich gern noch mehr über das Umfeld und die Welt, in der wir uns befinden, erfahren. Dies ist natürlich Geschmackssache, aber ich mag es einfach viele Informationen zum Weltenbau zu bekommen. Sygna selbst ist aber durchaus gut gelungen und ich kann durchaus verstehen, dass die Autoren auch da noch einiges für die Folgebände zurückhalten. Als Setting hat mich besonders die Verkehrte Stadt begeistert. Dieser Ort ist einfach so anschaulich beschrieben und die Idee dahinter ist einfach großartig. Dem Titel des zweiten Teils zufolge erwartet uns eine Rückkehr dahin und ich kann es jetzt schon kaum abwarten die Geheimnisse um die Verkehrte Stadt zu erfahren.

SCHREIBSTIL
Judith und Christian Vogt haben einen sehr bildgewaltigen Schreibstil, der die Geschehnisse und Orte vor den Augen des Lesers lebendig werden lässt. Gleichzeitig lässt sich die Geschichte unheimlich gut lesen und man sinkt einfach mit jeder Seite tiefer in die Handlung ein. Das Autorenduo beschreibt die Geschehnisse richtig anschaulich und besonders die Kampfszenen sind hervorragend geschrieben. Ich habe mich ein wenig in den Schreibstil der beiden verliebt und einige Szenen sind mir dadurch besonders in Erinnerung geblieben. Der Leser verfolgt die Handlung aus der Sicht verschiedener Charaktere, wobei der Erzähler innerhalb der Kapitel öfter mal flüssig zum nächsten übergeht. Besonders bei "Die 13 Gezeichneten" finde ich diese Erzählweise sehr wichtig, da einem andernfalls viel zu viel von der Geschichte entgehen würde. Besonders spannend fand ich es den Antagonisten zu verfolgen, der gerade in Fantasybüchern oftmals viel zu kurz kommt.

COVER
Als notorischer Coverkäufer wäre ich um "Die 13 Gezeichneten" im Buchladen wohl nie herumgekommen! Es ist einfach ein richtiger Eyecatcher und macht sich großartig im Bücherregal. Das Cover zeigt Dawyd im nächtlichen Sygna und ich liebe besonders die vielen kleinen Details, wie die Zeichen der einzelnen Gilden, die nicht nur - golden gehalten - mit dem Titel harmonieren, sondern auch versteckt auf den Türen zu finden sind. Doch damit hört die Liebe zum Detail noch längst nicht auf. Im inneren erwartet den Leser nämlich eine wunderschön gestaltete Karte von Sygna, gemeinsam mit einer Liste der 13 Urzeichen und der 13 Zünfte und Gilden mit Sitz im Rat. Ich bin ein riesiger Fan von solch kleinen Extras und besonders Karten gehören für mich bei einem Fantasybuch einfach dazu. Es war schön immer wieder mal nachschlagen zu können, wo sich die Helden momentan befinden und für die Fortsetzung hoffe ich persönlich auf eine Karte der Verkehrten Stadt!

FAZIT
"Die 13 Gezeichneten" sprüht voller Ideen und Magie und hat mich nach der ersten Seite nicht mehr losgelassen. Die Charaktere sind liebevoll ausgearbeitet und besonders der Antagonist hat mich absolut begeistert. Das großartige Worldbuilding und der bildgewaltige Sprachstil macht das Buch zu einem wahren Lesegenuss und ist ein Muss für jeden Fan anspruchsvoller Fantasyliteratur!

BEWERTUNG
5 von 5 Sternen