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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 29.07.2018

Wunderbares Finale einer außergewöhnlichen Reihe

Silberschwingen 2: Rebellin der Nacht
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Nach dem Cliffhanger am Ende von ‚Erbin des Lichts‘ hatte ich mich sehr auf den zweiten Band ‚Rebellin der Nacht‘ gefreut, war aber auch ein wenig wehmütig, da dieser schon den Abschluss der Reihe darstellen ...

Nach dem Cliffhanger am Ende von ‚Erbin des Lichts‘ hatte ich mich sehr auf den zweiten Band ‚Rebellin der Nacht‘ gefreut, war aber auch ein wenig wehmütig, da dieser schon den Abschluss der Reihe darstellen sollte. Einerseits ist es erfrischend eine Dilogie im Romantasy-Genre zu finden, besonders da dieses in letzter Zeit mit Endlosreihen überschwemmt zu sein scheint. Andererseits hat die Autorin Emily Bold mit den Silberschwingen eine ganz eigene Welt und Gesellschaft erschaffen, die so interessant ist, dass ich in diesem Fall nichts gegen eine Trilogie gehab hätte. Ich konnte mir nicht vorstellen, dass all die losen Enden, die im Auftakt eingefädelt wurden, in nur einem Nachfolgeteil mit knapp 300 Seiten zu einem zufriedenstellenden Ganzen verknüpft und alle offenen Fragen zu Thorns Herkunft und dem Konflikt zwischen Halbwesen und Silberschwingen aufgelöst werden könnten. Dazu kam dann natürlich noch die lang ersehnte Entwirrung des Liebesdreiecks (wenn nicht sogar -vierecks, wenn man Luciens ehemalige Versprochene mitzählt).
Genau dieser Balanceakt ist der Autorin aber im Nachhinein wunderbar gelungen und ich war erstaunt, wie gut ihr der Abschluss der Reihe gelungen ist.

Der Einstieg war für mich nur etwas schleppend. Die ersten zwei Kapitel waren spannend, da sie direkt an das Ende des ersten Bandes anschlossen, danach hatte ich aber das Gefühl, die Geschichte verlaufe sich ein wenig. Noch immer schön geschrieben, keine Frage, aber etwas fehlte. Der zündende Funke, der mich vollends für die Geschichte hätte einnehmen können. Ich mochte Thorn als Protagonistin noch immer und auch die Kapitel aus Luciens Perspektive trugen dazu bei, dass ich trotzdem am Ball blieb und das Buch nicht einfach zur Seite legen konnte.
Es passierte mir aber zur Mitte hin einfach zu wenig. Im Vorgänger hatte mich diese ruhige Erzählweise nicht gestört, ich fand sie sogar im Gegenteil sehr schön. Nach einigen Passagen, die sich für mich zu sehr zogen, wurde das Finale dafür aber mit einem Paukenschlag eingeläutet. Es werden so viele Geheimnisse offenbart und Intrigen aufgedeckt, dass ich für die Längen mehr als entschädigt wurde. Auch die Momente zwischen Thorn und einer gewissen Silberschwinge waren wieder sehr emotional und süß und ich fieberte bis zum Schluss mit den beiden mit.

Für welche Seite wird Thorn sich letztlich entscheiden und für wen schlägt ihr Herz? Welchen Verlauf wird der Krieg der Silberschwingen gegen die Halbwesen nehmen?

FAZIT

Wunderschön geschrieben, teilweise herzzerreißend und doch bittersüß. Eine zarte und zugleich allesverschlingende Liebe vor originellem Hintergrund.
Solider Abschlussband, der mir teilweise für eine Romantasy Geschichte ein wenig zu brutal und blutig wurde, mich aber trotz einer etwas zähen Passage im Mittelteil doch in seinen Bann ziehen konnte.
Wer ‚Erbin des Lichts‘ gerne gelesen hat, dem kann ich ‚Rebellin der Nacht‘ nur sehr ans Herz legen.

Veröffentlicht am 29.07.2018

Der bisher beste Band der 'Sinners of Saint'

Twisted Love
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Nach Vicious und Jamie erhält in ‚Twisted Love‘ nun auch das dritte Mitglied der Hotholes seinen Auftritt. Dean gilt allgemein als der netteste und umgänglichste dieser Truppe, was im Kontrast zu Baron ...

Nach Vicious und Jamie erhält in ‚Twisted Love‘ nun auch das dritte Mitglied der Hotholes seinen Auftritt. Dean gilt allgemein als der netteste und umgänglichste dieser Truppe, was im Kontrast zu Baron aber auch nicht wirklich schwer scheint. Dafür hat aber auch er seine Dämonen, gegen die er täglich ankämpft, dazu zählen vor allem sein Marihuana- und Alkoholkonsum, sowie sein beachtlicher Frauenverschleiß. Rosie LeBlance, Emilias jüngere und schwer kranke Schwester, bekommt Deans Eskapaden als dessen Mieterin hautnah mit. Die beiden verbindet eine gemeinsame Vergangenheit aus Lügen und verdrängten Gefühlen, welche sie früher oder später einzuholen droht.

Obwohl Dean als der netteste des Vierergespanns gilt, ist er in meinen Augen trotzdem kein Traummann und in Sachen selbstzerstörerischem Verhalten steht er Vicious in nichts nach. Zusätzlich benutzt er Frauen wie Taschentücher und wechselt sie schneller als seine Unterhosen. Das Gefühlschaos welches sich um Rosie und Dean herum aufbaut empfand ich an einigen Stellen zwar wieder etwas überspitzt, aber nicht so übertrieben wie z.B. in Vicious und Emilias Geschichte. Rosies gesundheitlichen Probleme, sowie die zahlreichen Geheimnisse dieses ungleichen Paares haben der Geschichte meiner Meinung nach eine gewisse Tiefe verliehen, sodass ich zwischendurch sogar wässrige Augen hatte. Dazu liest der Schreibstil sich sehr flüssig und der stetige Wechsel zwischen Deans und Rosies Perspektive verleiht dem Buch eine gewisse Dynamik. Der Einblick in die Gedanken der beiden macht es dem Leser leichter, die Handlungen der beiden nachzuvollziehen und nach und nach habe ich Dean sogar ein wenig lieb gewonnen, auch wenn ich ihm an einigen Stellen am liebsten den Hals umgedreht hätte.

Der Unterhaltungswert dieser Geschichte war für mich wieder enorm, sodass ich sie innerhalb weniger Stunden ausgelesen hatte. Die vier ‚Hotholes‘ sind zwar absolute Mistkerle, aber ihre dunkle Vergangenheit und ihr mieser Charakter bieten auf jeden Fall genug Stoff für spannende Lesestunden, auch wenn ich sagen muss, dass die Personen in dieser Geschichte teilweise absolut verwerflich oder zumindest moralisch fragwürdig handeln. Wenn man darüber aber hinwegsehen und die Handlung nicht zu ernst nehmen kann, ist ‚Twisted Love‘ eine tolle Dark Romance Lektüre.

FAZIT

Die ‚Sinners of Saint‘ – Reihe macht einfach süchtig. Ich war so fasziniert von Rosies und Deans Geschichte, dass ich bis spät in die Nacht gelesen habe, da ich unbedingt wissen musste, wie es mit den beiden letztendlich ausgeht. Wer die ersten beiden Bände mochte, wird diese Fortsetzung lieben.

Veröffentlicht am 14.08.2018

Erwartungen leider nicht erfüllt

Crown of Lies
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‚Crown of Lies‘ hat es mir nicht leicht gemacht. Angefangen bei der Handlung und dem Spannungsbogen. Wir sehen Elle als 12-jährige, die trotz ihres zarten Alters versucht, es ihrem Vater und besonders ...

‚Crown of Lies‘ hat es mir nicht leicht gemacht. Angefangen bei der Handlung und dem Spannungsbogen. Wir sehen Elle als 12-jährige, die trotz ihres zarten Alters versucht, es ihrem Vater und besonders der Firma Belle Elle immer recht zu machen. Sieben Jahre später scheint die Firma sie und ihr Privatleben dann vollkommen verschluckt zu haben, sie arbeitet, kommt nachhause, geht schlafen und das Ganze wiederholt sich tagein, tagaus. An ihrem 19. Geburtstag versucht Elle ihrem goldenen Käfig für einen Abend zu entkommen. Sie tauscht ihr schickes Designerköstum gegen Jeans und Parka und stürzt sich kopfüber ins Nachtleben. Was dann passiert, verändert ihr Leben für immer…

Ein Szenario, welches viele Möglichkeiten bot, aber die Autorin hat so viele für mich unglaubwürdige Dinge eingeflochten, dass mein Lesespaß dadurch schon ab und an in den Keller fiel. Elle ist die Erbin eines Multi Millionen Dollar Konzerns und hat bis zu ihrem 19. Geburtstag noch nie Bargeld in der Hand gehabt und ihr Bekannten-/Familienkreis beläuft sich auf knapp 3 Personen und ihre Katze Salbei. Sie scheint neben dem Arbeiten keine Hobbys zu haben und in der ersten Nacht, in der sie ohne Begleitschutz unterwegs ist, passiert ihr sofort etwas Schreckliches. Diese unglücklichen Zufälle in Elles Leben häufen sich und 3 Jahre nach der schicksalshaften Nacht hat sich ihr soziales Umfeld kein Stück verändert.

Ich habe lange hin und her überlegt, wie ich das Buch nun fand. Der Einstieg war sehr vielversprechend und bot eine Menge Potenzial. Das zweite Drittel hat mich dann sehr enttäuscht. Ein großes Geheimnis zieht sich durch die Geschichte und man fiebert auf die Auflösung hin. Dieses Geheimnis war das Einzige, was mich hat weiterlesen lassen, so wie der angenehme Schreibstil und Elles Katze Salbei, die ich im Nachhinein von den Charakteren am besten leiden konnte. Das Ende hat mich dann einerseits etwas versöhnlicher gestimmt, andererseits konnte ich nicht fassen, wie die Autorin das Ganze enden ließ.

Die Handlung wirkte für mich zu konstruiert und die Charakterzeichnung konnte das leider auch nicht wett machen. Elle wird als starke Frau beschrieben, die sich als CEO in einer von Männern dominierten Welt zu behaupten weiß. Ich dachte ‚Klasse, eine starke Frauenfigur in einer Dark Romance. Das ist relativ selten‘ und dann trifft Elle auf einen Mann, der sie behandelt wie sein Dreck und sie schmilzt sofort dahin und ebenso meine Hoffnungen für den weiteren Verlauf der Geschichte. Der männliche Hauptcharakter war die meiste Zeit über absolut unsympathisch und es gab kaum etwas in der Geschichte, was das irgendwie hätte auffangen können, wie eine beste Freundin für Elle oder einen anderen Bekannten, der ihr irgendwie zur Seite steht. Die Nebencharaktere wie Elles Vater und ihre Assistentin blieben sehr blass.
Die für mich positiven und negativen Aspekte halten sich relativ die Waage.

FAZIT

An sich ein toller Ansatz, der mir in der Umsetzung dann aber leider nicht ganz so gefiel.
‚Crown of Lies‘ hat mich gut unterhalten und er zählt zu den Romanen, die sich locker und flüssig lesen lassen, sodass man ihn an ein oder zwei Abenden durchlesen kann. Die eindimensionalen Nebencharaktere und die an einigen Stellen zu erzwungen wirkenden Dramen empfand ich aber dennoch als störend. Normalerweise finde ich es nicht schlimm, wenn Romane aus dem Dark Romance oder New Adult Genre ein wenig überspitzt oder übertrieben sind in Handlung und Charakteren, aber hier wirkte vieles zu gewollt und konstruiert.
Dafür und da mir die Fortsetzung ‚Throne of Truth‘ im englischen Original viel besser gefallen hat, vergebe ich 3,5 Sterne.


Veröffentlicht am 12.08.2018

Der bisher beste Band

House of Ghosts - Pension des Grauens
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Dies ist der (vorerst) letzte Band der ‚House of Ghosts‘-Reihe und in meinen Augen auch der stärkste. Die Bowers haben mit dem Goldschatz von Mellis jüngst verstorbener Urgroßschwiegercousine die Schulden ...

Dies ist der (vorerst) letzte Band der ‚House of Ghosts‘-Reihe und in meinen Augen auch der stärkste. Die Bowers haben mit dem Goldschatz von Mellis jüngst verstorbener Urgroßschwiegercousine die Schulden bezahlt und können die alte Geistervilla behalten. Mellis Mutter hat die zündende Idee, die leere Haushaltskasse zu füllen, indem sie einige der leerstehenden Zimmer in eine Pension verwandeln. Der erste Gast, der in diese ungewöhnliche Pension eincheckt, stellt sich leider als Professor Schnöcks heraus, der die Existenz paranormaler Phänomene widerlegen will. Zusätzlich schlägt der Einäugige wieder zu und sorgt für Unruhe im Geisterreich. Gemeinsam mit ihrem Freund Hotte versucht Melli, den unliebsamen Gast, sowie den fiesen Geist loszuwerden und am Ende kommt alles ganz anders als man denkt, als die Wahrheit hinter dem Einäugigen enthüllt wird.

Eine fesselnde Geschichte für jung und alt, die einen zum Schmunzeln bringt und nie allzu gruselig wird. Die Episoden rund um Melli, Hotte und die Geistervilla sind einfach schön zu lesen und jedes Mal war ich gespannt, was die beiden nun wieder gemeinsam erleben. Ich hoffe, dies bleibt nicht der letzte Band der Reihe, befürchte aber, dass dies den Abschluss darstellt.
Ein gelungener dritter Band, der einige Geheimnisse enthüllt, über die man als Leser schon seit Band 1 rätselt und der wieder viele lustige und interessante Situationen parat hält.

FAZIT

Eine warmherzige und spannende Geistergeschichte, die ich alle großen und kleinen Geisterfans nur ans Herz legen kann.

Veröffentlicht am 11.08.2018

Wundervoll und bewegend

Das rote Adressbuch
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Eine Geschichte über die verschlungenen Pfade, die ein Leben nehmen kann und die einen an Orte führen, nach denen man nicht gestrebt, an denen man aber dennoch glücklich werden kann.
Das Leben der 96 ...

Eine Geschichte über die verschlungenen Pfade, die ein Leben nehmen kann und die einen an Orte führen, nach denen man nicht gestrebt, an denen man aber dennoch glücklich werden kann.
Das Leben der 96 jährigen Doris ist geprägt von solchen Pfaden und zahlreichen Schicksalsschlägen. Die Menschen kommen und gehen, Freundschaften entstehen und zerbrechen, die Liebe flammt auf und geht in den Wirren des zweiten Weltkrieges verloren und die Namen der Menschen, die Bedeutung für sie hatten, werden in ihrem roten Notizbuch durchgestrichen, bis fast nur noch ihr eigener Name übrig ist. Doris Alm und der Name ihrer Großnichte Jenny, die im fernen San Francisco lebt und mit der sie regelmäßig skyped.

‚Das rote Adressbuch‘ hat mich gleich auf mehrere Weisen überrascht. Es war viel tiefgründiger, als ich es erwartet hatte. Die Handlung teilt sich in zwei Zeitstränge. Einerseits verfolgt man Doris als gebrechliche alte Frau, die langsam auf ihre letzten Atemzüge zugeht und ab und an bekommt man auch einen Einblick, wie es ihrer Großnichte Jenny am anderen Ende der Welt ergeht. Auf einer zweiten Zeitachse berichtet Doris aus der Ich-Perspektive über ihre Jugend und die aufregende Reise, die sie hinter sich hat. Sie muss früh erwachsen werden, kommt viel in der Welt herum, verliebt sich, trifft auf neue Menschen und alte Bekannte und findet schließlich zu sich selbst. Die Art und Weise, wie beide Erzählstränge geschrieben sind, hat mich einfach gepackt und emotional bewegt.
Doris sagt an einer Stelle, das Altwerden sei beschissen und durch die präzisen Beschreibungen kann man ihre Schmerzen und Gebrechen, sowie ihre Hilflosigkeit sehr gut nachempfinden. Die Erzählungen aus ihrer Jugend bilden dagegen einen starken Kontrast, den ich unglaublich interessant fand. In jungen Jahren hat das Mädchen aus Schweden unglaublich viel erlebt, musste ihre Heimat verlassen und in fremden Ländern Fuß fassen, sich ein eigenes Leben aufbauen und versuchen, sich dabei nicht selbst zu verlieren. Eine wundervolle Geschichte, die ich innerhalb von drei Tagen ausgelesen hatte und die mich zum Nachdenken angeregt hat; über mein Leben, meine Ziele und auch über die ältere Generation und die Geschichten die sie zu erzählen hat, nach denen ich aber viel zu wenig frage. Dafür dass es viele Lebensweisheiten beinhaltete, las es sich erstaunlich leicht und ohne viele Schnörkel und Beschönigungen. Obwohl ich eher eine Leserin bin, die gerne Geschichten liest, die mit nur einem Zeitstrang aufwarten, hat mir dieses Buch unwahrscheinlich gut gefallen.

FAZIT

Ein überzeugendes und fast schon poetisches Plädoyer für das Leben und die Liebe, welches mich gedanklich noch lange verfolgen wird. Wer gerne romantische Geschichten, mit einem Hauch Wahrheit darin liest, dem kann ich ‚Das rote Adressbuch‘ nur ans Herz legen.