Profilbild von Jess_Ne

Jess_Ne

Lesejury Star
offline

Jess_Ne ist Mitglied der Lesejury

Melde dich in der Lesejury an, um dich mit Jess_Ne über deine Lieblingsbücher auszutauschen.

Anmelden

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 10.10.2019

Spannendes Superheldenabenteuer mit kleinen Schwächen

Alleycat
0

Die Geschichte um die junge Superheldin Rina alias ‚Alleycat‘ lässt mich ein wenig ratlos zurück. Einerseits mochte ich die Hauptfigur Rina und ich habe ihren Werdegang als Rächerin der gefährlichen Northside ...

Die Geschichte um die junge Superheldin Rina alias ‚Alleycat‘ lässt mich ein wenig ratlos zurück. Einerseits mochte ich die Hauptfigur Rina und ich habe ihren Werdegang als Rächerin der gefährlichen Northside sehr gerne verfolgt. Auf der anderen Seite gab es mir zu viel Drama. Die Heldin wird von einem Schicksalsschlag nach dem anderen getroffen und so wirklich unfreiwillig, wie im Klappentext zunächst angedeutet wird, ist Rinas Superheldenkarriere dann überhaupt nicht zustande gekommen. Auch den Love Interest, den leidlich erfolgreichen Rockstar Brynn, mochte ich nicht unbedingt. Den maskierten Ash, der während einem von Alleycats Streifzügen in Rinas Leben auftaucht, fand ich dagegen schon sympathischer.

Ich hatte einen Superheldenroman wie ‚Renegades‘ von Marissa Meyer erwartet, ‚Alleycat‘ konnte zwar nicht ganz mithalten, hat mich aber trotzdem gut unterhalten können. Hin und wieder fehlt es den Figuren an Tiefe und es passiert mir teilweise zu viel auf einmal, aber da die Geschichte durchgehend spannend bleibt, freue ich mich dennoch auf den zweiten und abschließenden Band der Dilogie um Rina.

FAZIT

Ein toller Superheldenroman mit einigen Schwächen, die ich aufgrund des angenehmen Schreibstils aber gerne übersehen habe. Ein schönes Leseabenteuer für zwischendurch.

Veröffentlicht am 10.10.2019

Enttäuschender, lauwarmer Aufguss des Vorgängers

Cinder & Ella
0

Endlich geht das Märchen um Cinder und Ella unter dem Titel ‚Happy End – und dann?‘ weiter.

Der erste Band hatte wirklich etwas märchenhaftes. Die junge Ellamara, die nach einem Autounfall zu ihrem Vater, ...

Endlich geht das Märchen um Cinder und Ella unter dem Titel ‚Happy End – und dann?‘ weiter.

Der erste Band hatte wirklich etwas märchenhaftes. Die junge Ellamara, die nach einem Autounfall zu ihrem Vater, samt Stiefmutter und Stiefschwestern ziehen muss, der Internetfreund, der sich als gutaussehender Hollywood-Star entpuppt und das ergreifende Finale… alles hätte so schön sein können, aber dann dachte sich die Autorin wohl ‚und dann?‘ und die Fans erhielten diese Fortsetzung.

Alles andere als märchenhaft geht es für Brian und Ella weiter. Im Prinzip dreht sich alles um Ellas Unsicherheiten wegen ihres Körpers, die tobende Presse, rasende Paparazzis und riesige ‚Fan-Mobs‘, die Ella und ihrer Familie regelmäßig nachstellen und selbst einen harmlosen Kinobesuch zum Spießrutenlauf mutieren lassen. Mit gezielter Regelmäßigkeit wird Ella dann noch von allen Seiten mit Spitzenunterwäsche beworfen, von ihrem Vater in ein seelisches Häufchen Elend verwandelt und vom Zauber des ersten Bandes ist nicht mehr viel über.
Kaum noch humorvolle Wortgefechte zwischen Brian und Ella, keine gefühlvollen Herzklopfmomente mehr, dafür jede Menge aufgebauschte Pseudo-Hollywood-Intrigen. Im ersten Band haben Brian und Ella für jedes Fitzelchen Glück gekämpft, hier wird ihnen eigentlich alles nachgeworfen. Hier und da streut die Autorin ihnen ein paar Kieselsteinchen auf den Weg, damit es dramatischer wirkt.
Die Probleme des Vorgängers werden wieder aufgewärmt, weshalb sich ‚Happy End – und dann?‘ für mich wie ein lauwarmer Aufguss anfühlt. Ein bisschen fad, sehr enttäuschend und (ich hätte nie gedacht, dass ich das mal sagen würde), einfach unnötig. Die einzigen, wirklich schönen Momente, waren (teilweise) das Weihnachtsfest bei den Colemans, das Auftauchen von Brians Mutter und ein besonderes Pärchen, dem Brian und Ella im Verlauf der Geschichte begegnen.

Ich weiß, Begeisterung klingt anders. Es gab aber auch kaum etwas, dass mich an dieser Fortsetzung überhaupt noch begeistern oder überraschen konnte. Sie ließ sich zügig lesen, der Schreibstil war wieder schön und flüssig, aber die Geschichte an sich war einfach nicht meins.

FAZIT

Eine Fortsetzung, die sich im Kreis dreht, liebgewonnene Figuren, die kaum noch wiederzuerkennen sind und viel Trara um nichts. Wer unbedingt wissen möchte, wie es Brian und Ella nun als junges Paar ergeht, dem kann ich diesen (hoffentlich) letzten Band um Cinder & Ella trotzdem empfehlen. Wer auch ohne eine Antwort auf das ‚Und dann?‘ leben kann, der wird allerdings, meiner Meinung nach, auch nicht viel verpassen.

Veröffentlicht am 09.10.2019

Apokalyptischer Spaß für jung und alt

Jack, der Monsterschreck, und die Zombie-Apokalypse
0

‚Jack, der Monsterschreck, und die Zombie-Apokalypse‘ ist wieder eines dieser Bücher, um die man im Moment gefühlt einfach nicht herum kommt. Es wird auf verschiedenen Booktube-Kanälen angepriesen und ...

‚Jack, der Monsterschreck, und die Zombie-Apokalypse‘ ist wieder eines dieser Bücher, um die man im Moment gefühlt einfach nicht herum kommt. Es wird auf verschiedenen Booktube-Kanälen angepriesen und auf Netflix gibt es sogar eine Cartoon-Adaption des Comic-Romans.
Nachdem eines Tages Zombies und andere Ungeheuer Jacks Schule, seine Heimatstadt und vermutlich auch den Rest der Welt überrannt haben, lebt der selbsternannte Monsterjäger in seinem spärlich eingerichteten Baumhaus (ohne Fenster und mit einem Eimer als Latrine) und versucht seinen besten Freund ausfindig zu machen, zu dem der Kontakt kurz nach Beginn der Apokalypse abbrach. Zudem hält er auch nach seiner Jugendliebe June Ausschau, mit der er früher gemeinsam an der Schülerzeitung gearbeitet hat.

Jacks Monsterjagd und die Suche nach seinen verstreuten Freunden und Bekannten ist urkomisch und strotzt nur so vor hübsch-hässlichen Zombies und garstigen Monstern, wobei der wolkenkratzerhohe ‚Blarg‘ es speziell auf Jack abgesehen hat. Für Jack scheint die Apokalypse eine willkommene Abwechslung zu seinem eintönigen und deprimierenden Alltag in der Pflegefamilie. Er denkt sich verschiedene Trophäen aus, für die er bestimmte Glanztaten erfüllen muss und die ihn zu einem Helden in Zeiten des Weltuntergangs machen sollen. Dabei passieren ihm urkomische Dinge und er gerät von einem Schlamassel ins Nächste. Man hat aber trotzdem nie das Gefühl, dass es für Jack gefährlich wird und doch hat man das Bedürfnis immer weiterzulesen. Nicht zuletzt wegen der tollen Illustrationen, die fast jede Seite des Jugendbuches zieren. So gut wie alle Monster wurden dabei bedacht und in all ihrer hässlichen Pracht in Szene gesetzt, ebenso wie Jack, seine Freunde und seine ‚ultracoole‘ Festung.

Durch die zahlreichen Bilder, die sich teilweise sogar über ganze Doppelseiten erstrecken und relativ wenig Text (für ein 230 seitiges Buch) liest sich dieser apokalyptische Freizeitspaß zügig weg und man kommt durch den genialen Wortwitz und die überzogen dramatisch-lustigen Situation ständig ins Schmunzeln.

FAZIT

Ein lustiger und verspielter Auftakt, der ein wenig an den Film ‚Zombieland‘ erinnert und für ebenso viele (wenn nicht sogar mehr) Lacher sorgt. Die Illustrationen sind klasse und passen wie die Faust aufs Auge zu den jeweiligen beschriebenen Szenen. Ein toller Comic-Roman, den man sich als Fan apokalyptischer Szenarien und schrägem Humor nicht entgehen lassen sollte. Ich freue mich jedenfalls bereits riesig auf die zwei angekündigten Folgebände.

Veröffentlicht am 09.10.2019

500-seitige Einleitung, die hoffen lässt

Kingdoms of Smoke – Die Verschwörung von Brigant
0

Die Geschichte dreht sich um den Konflikt zwischen den drei Königreichen Caldor, Brigant und Pitoria und wird aus fünf verschiedenen Perspektiven erzählt. In Brigant bereitet sich Prinzessin Catherine ...

Die Geschichte dreht sich um den Konflikt zwischen den drei Königreichen Caldor, Brigant und Pitoria und wird aus fünf verschiedenen Perspektiven erzählt. In Brigant bereitet sich Prinzessin Catherine auf eine arrangierte Ehe mit dem pitorianischen Kronprinzen vor, während ihre geheime Liebe, der Leibgardist Ambrose kurz vor der Hinrichtung steht. Währenddessen sinnt der letzte Arabask March in Calidor auf Rache für sein Volk und in Pitoria macht die Dämonenjägerin Tash eine außergewöhnliche Entdeckung und Edyon muss sich mit dem Geheimnis seiner Herkunft auseinandersetzen.
Nach und nach treffen die verschlungenen Wege dieser 5 jungen Menschen aufeinander.

Soweit, so Klappentext.

Was dieser aber nicht verrät, in der Geschichte geht es relativ düster und schonungslos zu. So blutige Szenen kenne ich eher aus Fantasy-Epen wie ‚Game of Thrones.‘ Aus diesem Grund war ich auch zunächst ein wenig geschockt. Ich hatte zwar mit Schwertkämpfen und eventuell großen epischen Schlachten gerechnet, aber nicht mit derart plastischen Folterungen und Hinrichtungen. Auch die Umstände unter denen Prinzessin Catherine aufgewachsen ist, haben dann noch zusätzlich schockiert. In Brigant sind Frauen nicht viel Wert und haben sich den Männern unterzuordnen. Aus diesem Grund hat Catherine auch in Sachen politischer Heirat nicht viel mitzureden und muss den angeblich missgestalteten Kronprinzen aus Pitoria heiraten, um die politische Allianz der beiden Königreiche zu sichern. Trotzdem ist Catherine so gutgläubig, dass es schon weh tat. Damit war sie aber mit Ambrose, der in seinem Edelmut kaum zu übertreffen war, in ganz guter Gesellschaft.

Zudem zog sich die Geschichte an einigen Stellen wie Kaugummi. Die Handlungsstränge von March und Edyon fühlten sich größtenteils überflüssig an und haben bis kurz vor Schluss keinen nennenswerten Beitrag zum Vorankommen der Handlung geleistet und Tash’s Reise gemeinsam mit einem anderen Dämonenjäger schien auch (wenn auch interessant erzählt) nur dazu da zu sein, um die Dämonen und den Dämonenrauch ins Spiel zu bringen.
Und trotz der Längen und den leicht stereotypen Charakteren mochte ich die Geschichte an sich.

Die vielen Handlungsstränge waren zunächst verwirrend, Edyon und March haben mich nur genervt und den Grundkonflikt der Geschichte habe ich nicht wirklich nachvollziehen können, aber das letzte Viertel des Buches hat es für mich dann noch einigermaßen retten können, genauso wie die Liebesgeschichte zwischen Catherine und Ambrose (ein bisschen Kitsch macht manchmal eben doch alles besser). Zudem ließen sich die 500 Seiten relativ zügig lesen.

FAZIT

Nach 500 Seiten hatte ich zwar das Gefühl, gerade einmal eine (verwirrende) Einleitung erhalten zu haben, aber eine, die sich schnell lesen lässt und doch genug interessante Geschichten bereithält, um am Ball zu bleiben oder besser, am Buch. Unter anderem die der unterdrückten Prinzessin und der jungen Dämonenjägerin. Der Konflikt zwischen den Königreichen war wirklich sehr weit hergeholt, aber vielleicht wendet sich das Blatt im zweiten Band doch noch zum Besseren. Die letzten Seiten haben mir auf jeden Fall Hoffnung gemacht.

Veröffentlicht am 09.10.2019

Erzähler-Wirr-warr und Fußnoten-Chaos

Der Untergang der Könige
0

Es gibt Wälzer, da merkt man überhaupt nicht, dass sie mehr als 800 Seiten umfassen. Da fliegen die Worte nur so dahin und man sehnt sich schon vor dem Ende nach der Fortsetzung.
Bei ‚Der Untergang der ...

Es gibt Wälzer, da merkt man überhaupt nicht, dass sie mehr als 800 Seiten umfassen. Da fliegen die Worte nur so dahin und man sehnt sich schon vor dem Ende nach der Fortsetzung.
Bei ‚Der Untergang der Könige‘ ging es mir leider nicht so. War der Einstieg noch frisch und fesselnd, dümpelte die Geschichte um den jungen Mann Kihrin nach dem ersten Drittel nur noch so vor sich hin. Kihrin sitzt zunächst in einem Kerker eingesperrt, seine einzige Gesellschaft ist seine Wächterin Klaue, eine wunderschöne Frau, hinter deren Fassade sich allerdings ein grausamer Drache verbirgt. Kihrin soll ihr seine Geschichte erzählen und als er sich weigert, droht seine Kerkermeisterin einfach, seine Familie zu fressen und schon lockern sich seine Stimmbänder.

In seiner Erzählung geht Kihrin immer wieder auf Einwürfe von Klaue ein, wird von ihr unterbrochen und beide Erzählstränge (Klaues und Kihrins), die beide zunächst Kihrins Vergangenheit erzählen, werden ergänzt durch die Anmerkungen eines Chronisten. Diese Anmerkungen werden größtenteils in Form von Fußnoten dargereicht und sollen die Welt wohl noch detailreicher und tiefer wirken lassen. Mich hat dieses erzählerische Durcheinander aber irgendwann nur noch verwirrt. Nun gut, man könnte jetzt denken, vielleicht komme ich mit dieser multiperspektivischen Erzählweise an sich nicht zurecht. Allerdings finde ich mich in Laura Kneidls ‚Die Krone der Dunkelheit‘ auch zurecht und benötige dazu weder Notizen noch ein ellenlanges Glossar, samt Stammbaum und einer Übersicht der Adelshäuser. Zu viele Köche versalzen den Brei und zu viele Erzähler überfrachten die Geschichte einfach. Dies gilt für mich auf jeden Fall für diesen ersten Band der ‚Drachengesänge‘-Reihe.

Klaue und Kihrin erzählen im Wechsel Kihrins Vergangenheit, Kihrin so, wie er sie erlebt hat und Klaue ergänzt verschiedene Details und füllt die Leerstellen. Zwei Erzähler sind super, dachte ich mir. Dann fingen sie aber an, auf die Anmerkungen des jeweils anderen Zuhörers im Kerker einzugehen, ohne dass diese erwähnt werden. Den Rest muss man sich denken. Zusätzlich zu den sehr ausschweifenden Beschreibungen der ‚Bekannten Welt‘, darf man sich aber regelmäßig noch die Bemerkungen des Chronisten zu Gemüte führen, die meiner Meinung nach einfach größtenteils überflüssig wirkten. Es fühlte sich an, als würde die Geschichte immer weiter künstlich aufgebauscht, bis irgendwann nicht mehr die Figuren selbst im Vordergrund standen und ich mich fragte, worum es jetzt eigentlich überhaupt noch ging.
Zum Ende wurde es wieder spannender, aber der Weg bis dahin war zäh und anstrengend, weshalb ich für die 800 Seiten extrem lange gebraucht habe. Normalerweise lese ich selbst so einen High-Fantasy Klotz innerhalb einer Woche. Dieser hat mich aber über 3 Wochen und einiges an Nerven gekostet.

FAZIT

An sich eine solide High-Fantasy Geschichte, die sich von der Mitte an bis kurz vor Ende dann allerdings extrem in die Länge zieht und, besonders durch die Fußnoten, künstlich aufgebauscht wirkt. Auf die Fortsetzung werde ich also verzichten.