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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 16.08.2019

Süße Wohlfühlgeschichte mit einer Prise zu viel Drama

Perfectly Broken
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Brooklyn verliert ihre große Liebe Thomas und versucht ein Jahr später, ihr Leben durch einen Umzug in das verschlafene Bedford wieder neu zu ordnen.
Einen Job als Kellnerin hat sie bereits, allerdings ...

Brooklyn verliert ihre große Liebe Thomas und versucht ein Jahr später, ihr Leben durch einen Umzug in das verschlafene Bedford wieder neu zu ordnen.
Einen Job als Kellnerin hat sie bereits, allerdings fehlt ihr noch eine Wohnung. Ihre ganze Hoffnung setzt sie in eine Wohnungsbesichtigung am Tag ihrer Ankunft. Zunächst scheint sie ihre Traumwohnung betreten zu haben. Sie ist erschwinglich, möbliert… und verfügt über eine Verbindungstür zu ihrem Nachbarn. In ihrem Schlafzimmer. Leider kann Brooklyn es sich nicht leisten, wählerisch zu sein und so stimmt sie zu, eine Nacht zur Probe dort zu wohnen.

Zunächst war ich von ‚Perfectly Broken‘ absolut begeistert. Der Schreibstil von Sarah Stankewitz liest sich sehr angenehm und die erste Hälfte kommt ohne viel Drama aus. Brooklyn richtet sich in Bedford häuslich ein und lernt ihren Nachbarn über Nachrichten kennen, die sie sich unter der Verbindungstür durchschieben. Obwohl eigentlich beginnt alles mit einem dicken roten Kater und einer zerstörten Vase.

Da Brooklyn großer ‚Game of Thrones‘ – Fan ist, über eine beachtliche Sammlung von Liebesromanen verfügt und gerne Musik hört, stolpert man hin und wieder über Popkulturreferenzen. Angefangen beim Namen von Brooklyns Hund, ihrem Lieblingsroman und ihrer und Thomas Lieblingsband. Als das erste Mal die Rede von ‚GoT‘ war, hatte ich die Befürchtung, hier würden wieder Referenzen ausgeschlachtet, um den Roman interessanter zu gestalten (was im Moment ein nerviger Trend im New Adult – Genre zu sein scheint). In dieser Geschichte empfand ich die Anspielungen aber als passend und sie haben das Ganze in meinen Augen abgerundet.

Nach der sehr schönen ersten Hälfte, folgte aber eine enttäuschende zweite Hälfte. Das Drama, das ich schon früh vermutet habe, stellte sich dann hinterher leider als richtig heraus. Es folgte ein Schocker auf den nächsten, viel Herzschmerz und übertrieben theatralische Reaktionen.

Mir ist natürlich klar, dass die meisten Liebesromane nach einem bestimmten Schema ablaufen und es dabei eher um die Art der Umsetzung geht und originelle Details, aber hier wurde es mir gegen Ende einfach zu viel mit dem vorhersehbaren Drama. Von der Erzählweise passten für mich die ersten hundert Seiten nicht zum Rest. Es beginnt trotz des schweren Themas leicht und interessant und danach ertrinkt die Handlung in Drama und Herzschmerz und kein Klischee wird ausgelassen. Gerechtfertigt wird das Ganze dann ganz profan mit ‚Das war Schicksal.‘
Insgesamt war es trotz der enttäuschenden zweiten Hälfte eine süße Liebesgeschichte mit Wohlfühlfaktor.

FAZIT

Ein schönes Buch für zwischendurch, wenn man fluffig-leichten Lesestoff sucht und kein Problem mit übermäßig viel Drama hat.

Veröffentlicht am 07.08.2019

Charmante Geistergeschichte

Heaven's End – Wen die Geister lieben
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„Heaven’s End […] Der Ort, wo der Himmel endet und die Welt der Geister beginnt.“ (Pos. 207)

Das junge Mädchen Jojo Connery hat ein Geheimnis. Sie kann Geister sehen und wohnt mit einigen bereits verstorbenen ...

„Heaven’s End […] Der Ort, wo der Himmel endet und die Welt der Geister beginnt.“ (Pos. 207)

Das junge Mädchen Jojo Connery hat ein Geheimnis. Sie kann Geister sehen und wohnt mit einigen bereits verstorbenen Verwandten unter einem Dach. Zudem trägt sie häufig zwei Geisterwiesel mit sich herum, den ewig mürrischen und sehr schadenfrohen Scrooge und den überängstlichen Scout, der die meiste Zeit wie ein Schal um Jojos Hals liegt.
Ihr größtes Problem: Niemand darf von ihrer Begabung erfahren. Schon vor zwanzig Jahren kam ein Zeitungsartikel über ihre geistersehende Großmutter nicht sonderlich gut bei den übrigen Stadtbewohnern an und die Leute begannen ihre Familie zu meiden.
Als es in Heaven’s End zu ungewöhnlichen Ereignissen kommt und die Geister in Jojos Umgebung beginnen, sich vor einem mächtigen Schwarzmagier zu fürchten, der eigentlich seit Jahrhundert tot sein sollte, wird es für das junge Mädchen immer schwieriger sein Geheimnis zu bewahren.

Der Auftakt der Trilogie um das Medium Jojo ist ein wundervoll schräger Genremix. Es gibt jede Menge Geheimnisse, teils kauzige und charmante und teils unheimliche Geisterwesen, interessante Charaktere, übernatürliche Phänomene und eine süße Liebesgeschichte.
Einige der Figuren wirkte ein wenig klischeehaft, wie z.B. Jojos bester schwuler Freund Benny und der Schönling Zack, in den natürlich jedes Mädchen der Schule sofort verliebt sein muss), aber alles in allem konnte mich diese charmante Geisterschichte doch überzeugen. Die beiden Wiesel, die Jojo fast überallhin begleiten, sorgen für jede Menge lustige Situationen. Die verstorbenen Connerys bringen ebenfalls ordentlich Leben in die Geschichte. Was mich aber besonders begeistern konnte, waren die tollen Beschreibungen der Stadt und ihrer Bewohner. Heaven’s End ist ein geschichtsträchtiger Ort, an dem man sich einfach zuhause fühlt. Die Autorin Kim Kestner schafft es mit wenigen Worten, lebhafte Bilder entstehen zu lassen, die dem Leser noch lange im Gedächtnis bleiben.

FAZIT

Eine luftig-leichte Geistergeschichte mit einigen düsteren Elementen, aber auch jeder Menge Witz und Charme und einer süßen Romanze. Der Schreibstil ist wundervoll, da die Autorin es schafft mit wenigen Worten eine ganze Stadt samt ihrer Bewohner zum Leben zu erwecken.
Ich kann diesen Reihenauftakt allen kleinen und großen Geisterfans nur wärmstens empfehlen.

Veröffentlicht am 05.08.2019

Zauberhafte Fortsetzung

Die Spiegelreisende
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Endlich geht es weiter mit der jungen Animistin Ophelia, die durch Spiegel reisen kann, ihren sehr lebendigen und äußerst widerspenstigen Schal immer mit sich trägt und von einem Schlamassel ins nächste ...

Endlich geht es weiter mit der jungen Animistin Ophelia, die durch Spiegel reisen kann, ihren sehr lebendigen und äußerst widerspenstigen Schal immer mit sich trägt und von einem Schlamassel ins nächste stolpert.

Zu Beginn gibt es zwei Seiten mit den wichtigsten Ereignissen des ersten Bandes, eine Übersicht über die Familien des Pols und eine Karte der Himmelsburg, was ich als sehr hilfreich empfand. Die Geschichte setzt nämlich genau am Cliffhanger des letzten Bandes an.
Ophelia wird dem Familiengeist der Arche Pol vorgeführt und wer nicht zu dessen Unterhaltung beiträgt, überlebt für gewöhnlich nicht lang. Ophelia muss sich aus diesem Grund als Vize-Erzählerin bewähren. Für die stille und zurückhaltende Ophelia ein Graus, besonders da der amtierende Hoferzähler Erik in seinen Darbietungen kaum zu übertreffen ist. Natürlich steht auch noch die Hochzeit mit ihrem kühlen und unnahbaren Verlobten an, dem verhassten Intendanten der Arche Pol und einem der letzten Drachen. Um das Chaos perfekt zu machen, hat Ophelias gesamte Familie ihren Besuch angekündigt.

Insgesamt hat mir ‚Die Verschwundenen vom Mondscheinpalast‘ sehr gut gefallen. Die fantastische Welt der Archen ist riesig und es gibt jede Menge zu entdecken. So viele magische Details, versteckte Räume, Gehröcke die in Regenbogenfarben leuchten oder mürrische Mäntel, die am Kleiderhaken nach ihrem Besitzer ausschlagen. Die Charaktere sind allesamt einzigartig und faszinierend. Besonders Ophelia und Thorn fand ich gemeinsam klasse. Sie ist nicht das typische, scheue Mauerblümchen, das gerettet werden muss und er ist nicht der strahlende Ritter, der auf seinem weißen Ross angaloppiert kommt, um sie in ein besseres Leben zu entführen. Ganz im Gegenteil. Seit Ophelia ihrem wortkargen Verlobten zum Pol gefolgt ist, musste sie etlichen Anschlägen auf ihr Leben entkommen und wurde ordentlich durch die Mangel gedreht. Und trotzdem gehören die Szenen mit Ophelia und Thorn zu meinen liebsten Stellen, wie auch schon im Auftakt der Tetralogie.
Auch die übrigen Charaktere sind wunderbar ausgearbeitet (auch wenn viele davon alles andere als sympathisch wirken). Tante Roseline mimt noch immer die scharfzüngige Anstandsdame, jedenfalls bis sie sich Hals über Kopf verliebt. Berenildes Schwangerschaft wird langsam offensichtlich und sie setzt alles daran, den Familiengeist Faruk bei Laune zu halten, damit er ihr und Ophelia nicht seinen Schutz entzieht. Der Kavalier sorgt trotz seines sehr jungen Alters weiter für Angst und Schrecken am Hof und selbst sein Onkel schafft es nicht, ihn im Zaum zu halten. Der Familiengeist Faruk hat eine leichte Gedächtnisschwäche und kommt ohne sein Merkheft und seinen offiziellen Gedächtnishelfer nicht zurecht (zusätzlich wirkt er auch immer ein wenig, als käme er gerade aus einer Opiumhöhle geschlendert). Und das sind nur einige der schillernden Persönlichkeiten, die die Welt der Archen zu etwas besonderem machen.

Trotzdem hatte der zweite Band der Spiegelreisenden so seine Längen. Vielleicht lag es am enormen Umfang (über 600 Seiten), vielleicht auch, weil ich ständig auf neue Ophelia/ Thorn Szenen hin gefiebert habe, aber einige Stellen zogen sich in meinen Augen zu sehr und waren zu ausgeschmückt. Die wenigen langwierigen Szenen fallen aber bei all den positiven Aspekten dieser Geschichte nicht groß ins Gewicht.

FAZIT

Die Fortsetzung der Spiegelreisenden-Saga um die junge Ophelia sprüht wieder förmlich vor Witz, Ideenreichtum und Spannung. Es gibt zwar einige Längen, über die ich aber dank der interessanten Charaktere und der vielen Geheimnisse, die diese fantastische Geschichte bereithält, leicht hinwegsehen kann. Für mich zählt ‚Die Verschwundenen vom Mondscheinpalast‘ zu den literarischen Highlights des Jahres.

Veröffentlicht am 01.08.2019

Schöner Wohlfühl-Krimi

Leichenschmaus im Herrenhaus
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Als Fan von ‚Mord ist ihr Hobby‘ und ‚Miss Marple‘ bin ich immer auf der Suche nach ähnlichen Geschichten, vorzugsweise in Buchform. Karin Kehrers Krimis um die pensionierte und leicht schrullige Bee Merryweather ...

Als Fan von ‚Mord ist ihr Hobby‘ und ‚Miss Marple‘ bin ich immer auf der Suche nach ähnlichen Geschichten, vorzugsweise in Buchform. Karin Kehrers Krimis um die pensionierte und leicht schrullige Bee Merryweather sind da ein wahrer Schatz für mich. Cozy Crime wie ich es mag.
Ein beschauliches Städtchen, eine äußerst neugierige alte Dame, die zu gerne in fremden Angelegenheiten herumschnüffelt und bei alltäglichen Erledigungenmit dem Fuße an der einen oder anderen Leiche hängen bleibt. Auch im zweiten Band ‚Leichenschmaus im Herrenhaus‘ finden die Toten unsere rüstige Heldin wieder und dieses mal scheinen die neuen Nachbarn Percy und Lavinia etwas mit dem Ableben des Verstorbenen zu tun zu haben. Bee kann sich nämlich noch daran erinnern, auf einen seltsamen Mann getroffen zu sein, der um das Anwesen der neuen Nachbarn herumschlich. Nun ist dieser Fremde tot und Bee wittert einen neuen Fall. Sehr zum Leidwesen der ansässigen Polizei. Als dann eine weitere Leiche auftaucht, ist Bees Spürnase gefragt.

Bee Merrweather ist einfach eine Protagonistin, die man nur gern haben kann. Sie ist nicht auf den Mund gefallen, über die Maße neugierig und zieht Schwierigkeiten magisch an (obwohl sie sich eigentlich im beschaulichen Cornwell zur Ruhe setzen und nur ihre Eierwärmer häkeln wollte).
Noch kauziger wirken nur die übrigen Dorfbewohner. Ein wenig überzeichnet, fast schon karikiert, aber dennoch charmant und mit Wiedererkennungswert ausgestattet.
Der Schreibstil liest sich flüssig weg und viel zu schnell ist man durch die knapp 300 Seiten hindurchgeflogen.

FAZIT

Ein relativ kurzer, aber knackiger Wohlfühl-Krimi, für alle, die ihre Mordfälle gerne in Watte verpackt und mit einem Kakao und Kuscheldecke serviert bekommen. Es gibt keine großen Überraschungen, dafür eine Cozy Crime – Geschichte vom Feinsten. Wer wenig Wert auf Action und Blutvergießen legt, aber dafür auf eine unaufgeregte, charmante und witzige Kriminalgeschichte, liegt mit den Krimis um Bee Merryweather goldrichtig.

Veröffentlicht am 01.08.2019

Literarisches Ebenbild der düsteren Filmvorlage

Das Labyrinth des Fauns
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Wer Guillermo del Toros filmisches Meisterwerk ‚Pans Labyrinth‘ kennt, welcher als Vorlage für Cornelia Funkes ‚Das Labyrinth des Fauns‘ diente, wird schon eine ungefähre Vorstellung vom Inhalt dieses ...

Wer Guillermo del Toros filmisches Meisterwerk ‚Pans Labyrinth‘ kennt, welcher als Vorlage für Cornelia Funkes ‚Das Labyrinth des Fauns‘ diente, wird schon eine ungefähre Vorstellung vom Inhalt dieses Buches haben.
Das Leben der jungen Ofelia im Spanien Mitte des 20. Jahrhunderts ist nicht sonderlich leicht oder gar märchenhaft. Es herrscht Krieg und ihr Stiefvater Capitan Vidal, ein menschenverachtender Sadist, interessiert sich nicht im geringsten für sie oder ihre hochschwangere Mutter, obwohl die kleine Familie seinetwegen in die abgelegenen Berge gezogen ist. Während ihr Vater (auf sehr blutige und grausame Art Jagd auf Rebellen macht) sucht Ofelia Zuflucht vor der brutalen Realität und findet sie (so scheint es zunächst) in den umliegenden Wäldern, wo sie auf mystische Wesen trifft, unter anderem einem Faun. Dieser eröffnet ihr, sie sei wahrscheinlich die lang gesuchte Prinzessin des Reiches. Um sicherzugehen, müsse sie aber drei Aufgaben bestehen. Ofelia lässt sich auf die Aufgaben des Faun ein und muss schnell feststellen, dass die magischen Wesen sehr hinterhältig und doppelzüngig sein können. Ihr Handeln hat teils frappierende Auswirkungen auf ihre Realität und sie verstrickt sich mit jeder Aufgabe tiefer in die Düsternis um sie herum.

Von der Autorin Cornelia Funke kenne ich bisher nur ‚Tintenherz‘ und muss sagen, so eine leichte und fantastische Geschichte darf man nicht erwarten, wenn man ‚Das Labyrinth des Fauns‘ zur Hand nimmt.
Die Art und Weise wie Frau Funke das bildgewaltige Epos von Guillermo del Toro zu Papier bringt, hat mich völlig verzaubert. Die drei Handlungsstränge ( Ofelias Abenteuer, Vidals blutige Rebellenjagd und ein Märchen um eine junge Prinzessin) sind gekonnt miteinander verflochten und der Schreibstil erinnert an eine düstere Melodie, voller Metaphern und atmosphärischer Bilder. Und dennoch ist es kein zweites Tintenherz. ‚Das Labyrinth des Faun‘ ist rau, brutal und an vielen Stellen hoffnungslos. Der kleine Lichtschimmer, der den Leser vor der Verzweiflung bewahrt, ist die unschuldige Ofelia, die sich ihren Weg durch das franco-faschistische Spanien und die magische Welt des Faun kämpft.
Ob letztere wirklich existiert, oder nur in der Fantasie des jungen Mädchens, bleibt dabei offen.

FAZIT

Eine sprachgewandte und beeindruckende literarische Umsetzung der Filmvorlage. Doch auch wenn sie aus der Feder von Frau Funke stammt, behält sie den sehr düsteren und leicht depressiven Unterton der Vorlage bei, ebenso die sehr grausamen und verstörenden Szenen um Ofelias Stiefvater. Wer dies im Hinterkopf behält, wird mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht enttäuscht werden. Wer ein neues märchenhaftes und fantastisches Kinder- und Jugendbuch wie Tintenherz erwartet, der sollte sich vielleicht zunächst die Leseprobe ansehen und dann entscheiden, ob ‚Das Labyrinth des Fauns‘ wirklich etwas für ihn ist.

Empfehlen würde ich dieses Buch erst ab 16 Jahre. Ich bin sonst nicht pingelig, aber in der Kinder- und Jugendbuchabteilung hat eine Geschichte mit derart expliziten Gewaltbeschreibungen, meiner Meinung nach, einfach nichts zu suchen.