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Veröffentlicht am 13.09.2020

Personal Branding kann so einfach sein- wenn du weißt, wie es geht!

Nur wer sichtbar ist, findet auch statt
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Das neue Sachbuch von Tijen Onaran mit dem Titel "Nur wer sichtbar ist, findet auch statt" beschäftigt sich eindrücklich, nahbar und mit natürlichen Beispielen und Hacks mit dem sehr persönlichen Thema ...

Das neue Sachbuch von Tijen Onaran mit dem Titel "Nur wer sichtbar ist, findet auch statt" beschäftigt sich eindrücklich, nahbar und mit natürlichen Beispielen und Hacks mit dem sehr persönlichen Thema Personal Branding, Fokus auf soziale Netzwerke gesetzt.

Tijen Onaran findet einen sehr persönlichen Einstieg in das Thema über ihre eigenen Erfahrungen, was das ganze Pamphlet für den Leser direkt realistischer wirken lässt und auf Augenhöhe holt. Viele Sachbücher verlieren ihren Leser bereits zu Beginn mit Tipps und Tricks, die von oben herab diktiert werden, in diesem Fall hingegen wird der Leser sympathisch abgeholt, mit offenen Armen empfangen, unabhängig seiner vorherigen Vorbereitung zum Personal Branding. Die Kapitel sind klar und deutlich gegliedert, bauen aufeinander auf und greifen thematisch ineinander wie Zahnräder eines Uhrwerks. Der Stil ist leicht, erzählend und gleicht einem Roman, daher liest es sich trotz der Komplexität des Themas schnell und flüssig. Dabei bleibt die Einfachheit bei Erklärungen im Vordergrund, inkludiert so jeden Leser mit beliebigem Background. Herauszuheben sind die schlüssigen Zusammenfassungen am Ende, sowie die Animation das Ganze für sich auszuprobieren, zu hinterfragen und zu reflektieren, eben seinen eigenen Standpunkt zu definieren. Dabei schafft es Tijen Onaran diese sehr schwer zu definierenden Themen immer wieder sympathisch zu be- und umschreiben, Rahmen abzustecken, ihre eigenen Unsicherheiten zu integrieren und dabei aber auch Raum zu lassen für den Leser, der bei dem ganzen Spiel um das Thema Branding vielleicht seine Rolle noch nicht gefunden hat. Es geht nicht darum einen Leitfaden zu bieten für die beste Definition von eigener Darstellung, sondern seinen eigenen Weg zu finden und Möglichkeiten, Diversität aufzuzeigen. Für mich persönlich sind nicht alle Kapitel gleich wertvoll aufgrund meiner Vorbildung und nicht alle Tipps und Tricks umsetzbar, den Anspruch erhebt das Buch jedoch auch nicht. Perfekt geeignet für alle, die sich immer schon gefragt haben, wie sie das Beste aus sich selbst herausholen können und die Social Media eher als ein Netz der Verwirrung ansehen, denn als reale Plattform, die die eigene Position stärken kann.

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Veröffentlicht am 24.08.2020

Zerbrechlich und sensibel- die letzte Reflektion eines großen Künstlers

Der letzte Satz
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Gustav Mahler sitzt eingewickelt in Decken auf dem Deck der Americana und blickt seiner letzten Reise entgegen von New York nach Wien, begleitet von Erinnerungen, Erfolgen und Echtzeitaufnahmen lässt er ...

Gustav Mahler sitzt eingewickelt in Decken auf dem Deck der Americana und blickt seiner letzten Reise entgegen von New York nach Wien, begleitet von Erinnerungen, Erfolgen und Echtzeitaufnahmen lässt er sein Leben Revue passieren. Robert Seethaler nimmt den Leser mit auf dieser einzigartigen, eindrucksvollen Reise, die über die letzten Zeilen in die Welt hinaushallt.

Trotz der Kürze des Romans war der Inhalt sehr intensiv, authentisch und es bedarf keiner weiteren Zeilen, da er komplett, in sich schlüssig und schlussendlich fließend erscheint. Der große Künstler, der sowohl auf eine eindrucksvolle Karriere zurückblicken kann, als auch eine liebende Familie, was ihn mit unglaublich viel Wärme und Glück erfüllt. Gleichzeitig ist er Künstler, hadert mit sich, dem Leben, der Liebe und auch seinen Werken. Diese Zerissenheit zwischen den Zeilen, diese Zerbrechlichkeit und teilweise geschilderte Hochsensibilität, gepaart mit vielerlei Widersprüchen zeichnet für mich ein so emotionales, zugleich reales Bild eines Mannes, der das beste Leben gelebt hat, das er konnte, jedoch nicht das beste, was er vielleicht wollte. Die innere Auseinandersetzung zwischen Akzeptanz, dem Bewusstsein um die schönen, erlebten Momente und dem Wunsch nach mehr, dem Gefühl, dass alles nicht reicht, wird begleitet mit wunderschönen, malerischen Schilderungen, Zeitsprüngen und Dialogen. Präzise und fein säuberlich bleibt am Ende die Frage nach dem Glück für mich, im Leben, in der Liebe und im Tod. Wann ist ein Leben lebenswert und wann bereue ich verpasste Chancen? So eindrücklich hat für mich bisher noch kein Autor die letzte Reise eines Menschen verpackt.

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Veröffentlicht am 10.08.2020

Lyrisch und nahbar- ein emotionaler Ausflug in eine bewegte Vergangenheit

Das Leben ist ein wilder Garten
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Der Roman "Das Leben ist ein wilder Garten" von Roland Buti ist ein kurzweiliges, dabei jedoch intensives Portrait des Lebens eines Mannes, dessen Detailreichtum den Leser nachhaltig begeistert.

Der Protagonist ...

Der Roman "Das Leben ist ein wilder Garten" von Roland Buti ist ein kurzweiliges, dabei jedoch intensives Portrait des Lebens eines Mannes, dessen Detailreichtum den Leser nachhaltig begeistert.

Der Protagonist Carlo, Landschaftsgärtner aus Leidenschaft, kämpft nachhaltig mit der Tatsache, dass seine Frau Ana ihn verlassen hat. Seine Tochter Mina ist in London und somit ebenfalls aus seinem Sichtfeld verschwunden. Sein Kollege Agon ist die verlässliche Konstante in seinem Leben, steht ihm mit Rat und Tat zur Seite. Als Carlos demente Mutter aus dem Heim verschwindet, beginnt für ihn eine Reise in eine ihm unbekannte Vergangenheit seiner Mutter, die tatsächlich mehr Auswirkungen auf sein eigenes Leben hat, als er bis dato ahnt.

Mir hat der Roman wirklich gut gefallen. Prägnant und kurz bringt der Autor das Geschehene auf den Punkt, nimmt den Leser mit, der relativ schnell die einzelnen Charaktere als Ganzes begreift, ihre Wünsche und Träume, aber auch ihre Ängste und Sorgen. Ich mag das vielfältige Spektrum der kleinen Randgeschichten, die doch so detaillreich aufwarten, dass sie mich nachhaltig berührt haben. Ich bin generell ein großer Fan von langen, ausschweifenden Romane, weil ich persönlich glaube, dass dadurch eine komplexere Verbindung zu den Protagonisten hergestellt werden kann. In diesem Fall schafft der Autor trotz der kurzweiligen Lesedauer genau das zu erreichen. Die Schilderungen in ihrer kleinen, feinen, kurzen Art sind gespickt mit Emotionen, die selbst Unausgesprochenes zwischen den Zeilen nachwirken lassen.

Für mich eine klare Empfehlung für alle, die sich bereits selbst schon einmal mit der Vergangenheit der Familie auseinander gesetzt haben und realisieren, dass vieles unausgesprochen ist und es manchmal auch so bleibt. Nahbar, emotional und leicht flüssig geschrieben- ein leichter Roman mit erstaunlicher Tiefe.

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Veröffentlicht am 04.09.2021

Es liegt in der Luft

Tote schweigen nie
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Eine Mischung aus Formaldehyd, Desinfektionsmittel und Süße der Verwesung liegt in der Luft, unverkennbar und doch so unbekannt. Direkt zu Beginn und immer wieder zwischen den Zeilen der Worte dieses Thrillers. ...

Eine Mischung aus Formaldehyd, Desinfektionsmittel und Süße der Verwesung liegt in der Luft, unverkennbar und doch so unbekannt. Direkt zu Beginn und immer wieder zwischen den Zeilen der Worte dieses Thrillers. Kleine Nuancen, die zur besonderen Atmosphäre dieses Thrillers beitragen. Der Geruch des Todes, in seiner gänzlichen Blüte, auf normalem Wege oder herbeigeführt durch die Hand anderer. Und doch ist in der Leichenhalle diese unglaubliche Ruhe, durchbrochen von Zeit zu Zeit durch die wenigen Worte, die die Verstorbenen an Cassie Raven richten, Assistentin der Gerichtsmedizin. Vielleicht ist es Aberglaube, vielleicht ist es eine spirituelle Kraft, oder auch einfach nur ihr Auge für die Details, die ihren ersten großen Fall ins Rollen bringen.

Cassie Raven liebt ihren Job- das mögen andere absonderlich finden, denn den Großteil verbringt sie in der Leichenhalle-, doch ihr Talent gibt ihr Recht. Äußerlich Gothic Punk und eher distanziert, schafft sie es, durch ihre empathischen Fähigkeiten und Genauigkeit in ihrer Analyse Verborgenes zutage zu bringen und selbst klare Todesfälle zu hinterfragen. Eines Tages erblickt sie ihre Mentorin auf dem Seziertisch, ein Badewannenunfall, wie er gelegentlich passieren kann, nicht unbedingt außergewöhnlich. Doch Cassie lässt dieser Fall nicht mehr los und schnell findet sie sich in einem Strudel der Ereignisse wieder.

Der Stil ist leicht, die Satzung etwas gewöhnungsbedürftig, dann aber stößt sich der Leser nicht mehr an dieser. Besonders Cassie Raven ist für mich wirklich gut gezeichnet, wirkt mehrdimensional und dadurch vielschichtig, interessant, glaubwürdig, angenehm verrückt und auf ihre Art und Weise sympathisch. Der Fall beinhaltet alles, was sich Thriller Fans nur wünschen können: Angst, Trauer, Melancholie, dazu Spannung und eng verwobene Handlungsstränge, falsche Richtungen, alte Geschichten, Erinnerungen und neue Wendungen. DS Phyllida Flyte, die als Kommissarin ebenfalls eine Rolle spielt, konnte mich nicht auf ganzer Linie überzeugen, ihre Gedankengänge und Wesenszüge wirkten auf mich manchmal zu sprunghaft und konstruiert. Trotzdem ein würdiger Auftakt einer sicherlich spannenden Serie, der ich mit freudiger Erwartung entgegenblicke.

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Veröffentlicht am 13.06.2021

Das Palais im politischen Kreuzfeuer

Palais Heiligendamm - Stürmische Zeiten
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Die Nachwirkungen des Ersten Weltkriegs stecken allen noch in den Knochen, als sich Deutschland wiederum als machthungrige Nation begreift mit dem absurden Ziel der Weltherrschaft. Mittendrin das Palais ...

Die Nachwirkungen des Ersten Weltkriegs stecken allen noch in den Knochen, als sich Deutschland wiederum als machthungrige Nation begreift mit dem absurden Ziel der Weltherrschaft. Mittendrin das Palais und die Familie Kuhlmann in der zweiten und dritten Generation, getrieben von der Armut vergangener Zeiten mit dem Glauben an eine bessere Zeit, welches sich schnell als Irrtum entpuppt.

1922- Das Palais erstrahlt in neuem Glanz, doch Gäste bleiben fern, bis sich die Möglichkeit ergibt, dass das wunderschöne Hotel in Bad Doberan als Kulisse für einen Blockbuster dient. So kommen sich auch Julius und Elisabeth wieder näher, wäre da nicht das Misstrauen, das sich zwischen sie gesellt. Paul hingegen zweifelt immer mehr an der Entscheidung für eine Ehe mit Helene und lässt sich in den Strudel der NSDAP ziehen in Form von Carl, der in von der neuen Ordnung der Welt überzeugt und so das Palais und seine ganze Familie in den politischen Strudel der Zeit zieht.

Der Stil ist leicht wie eh und je, die Handlung authentisch, der Beginn in Anknüpfung an Band 1 nachvollziehbar gezeichnet und somit nahezu nahtlos. Die Figuren sind gekennzeichnet durch die traumatischen Ereignisse des ersten Teils und wirken nicht mehr so sehr konzentriert auf lapidare Ereignisse. Elisabeth ist der jugendlichen Wildheit entwachsen und leitet nun das Palais mit großem Geschick und Selbstbewusstsein. Die Beziehung zu Julius ist angespannt und Elisabeth sowie er selbst stehen ihrem Glück wieder selbst im Weg. Paul kann seine wahre Gesinnung nicht weiter verheimlichen und sieht in Carl seine Möglichkeit auf ein glückliches Leben. Die politische Maschinerie ist der dominante Part der Erzählung und dadurch rückt das Palais und der Hotellerie Charme in den Hintergrund. Leider ist auch das Tempo der Geschichte sehr rasant, wo ich mir gerne noch Zeit gelassen hätte. Mir gefällt jedoch der bekannte Charme des ersten Teils und die weitere Integration geliebter Charaktere. Eine Empfehlung für Fans von leichten Erzählungen, familiären als auch politischen Verstrickungen und herzerwärmender Liebesgeschichten.

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