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Veröffentlicht am 19.09.2020

Ein Buch für kunsthistorisch Interessierte

Das Hospital der Hoffnung
1

Der historische Roman von Tania Juste entführt uns ins Barcelona der Jahrhundertwende. Die Geschichte beginnt 1892 mit dem Ablegen eines Säuglings in der Babyklappe eines Findelhauses. Im weiteren Verlauf ...

Der historische Roman von Tania Juste entführt uns ins Barcelona der Jahrhundertwende. Die Geschichte beginnt 1892 mit dem Ablegen eines Säuglings in der Babyklappe eines Findelhauses. Im weiteren Verlauf können wir die Lebenswege des abgelegten Kindes, das den Namen Lluís bekommt, seiner Amme Dolors und deren Tochter Maria verfolgen. Als Dolors Köchin im Hause des angesehenen Arztes Darius Rovira wird, verknüpfen sich die Schicksale der beiden Familien. Aurora, die begabte Tochter von Dr. Rovira, sein Sohn Llorenç, - sie alle werden später im berühmtesten Krankenhaus von Barcelona, dem Hospital de Sant Pau, arbeiten. Auch Maria und Lluís, der Bildhauer wird, arbeiten als Erwachsene dort.
Eigentlicher Protagonist des Romans ist jedoch keine der genannten Personen, sondern das Hospital de Sant Pau, dessen Neubau fast 30 Jahre, von 1902-1930 dauerte und das heute zum Unesco Weltkulturerbe zählt. Tania Juste ist studierte Historikerin mit dem Schwerpunkt Kunstgeschichte, ihr fundiertes Hintergrundwissen schlägt sich im Roman nieder.
Die Entstehung dieses berühmten Bauwerks zu verfolgen, ist sehr spannend und hat mich beim Lesen bereichert. Die verschiedenen Handlungsstränge mit einer großen Zahl an Menschen überfrachten das Buch jedoch. Die Figuren bleiben seltsam leblos, es ist mir beim Lesen nicht gelungen, wirklich in die Handlung einzutauchen. Oft werden Kunstwerke, Architektur, Frisuren oder Kleidungsstücke so detailliert beschriebe, dass sich das Buch gut als Vorlage für ein Drehbuch eignen würde.

Insgesamt habe ich durch den Klappentext, der Maria, Lluís und Aurora in den Mittelpunkt stellt, andere Erwartungen an das Buch gehabt. Wenn man sich darauf einlässt, dass es im Kern um den Bau des Hospitals geht, ist es ein gut recherchierter und spannender historischer Roman.

  • Cover
  • Gefühl
  • Erzählstil
  • Charaktere
  • Handlung