Profilbild von Jule1979

Jule1979

aktives Lesejury-Mitglied
offline

Jule1979 ist Mitglied der Lesejury

Melde dich in der Lesejury an, um dich mit Jule1979 über deine Lieblingsbücher auszutauschen.

Anmelden

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 25.03.2020

Mitten aus dem Leben

Das Herbstmädchen
0

Der Debütroman "Das Herbstmädchen" von Roland Knecht war für mich überraschend. Von der Inhaltsangabe ausgehend konnte ich mir nicht wirklich vorstellen, was mich erwartet. Ich würde aber sehr angenehm ...

Der Debütroman "Das Herbstmädchen" von Roland Knecht war für mich überraschend. Von der Inhaltsangabe ausgehend konnte ich mir nicht wirklich vorstellen, was mich erwartet. Ich würde aber sehr angenehm überrascht, denn schon nach wenigen Seiten nahm mich der Schreibstil gefangen, die rasante Art des Erzählens, ja wirklich wie ein einem jemand die Geschichte erzählt, mit Zeitsprüngen und wörtlicher Rede und alles in einfacher Sprache, das hat großen Spaß beim Lesen gemacht.

Es ist ein leichter Roman, mitten aus dem Leben zweier Hauptfiguren, deren Verbindung im Laufe der Geschichte nach und nach klar wird. Irgendwie tragisch, irgendwie auch zart. Irgendwie voller Leben, echt und traurig, aber ohne Bitterkeit.

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 15.03.2020

Zwischen Herkunft und Zukunft

Hawaii
0

Ich mochte dieses Buch sehr. Ich habe es gerne gelesen. Es hat Charakter, es hat Ironie und Humor, Verzweiflung, aber auch Hoffnung. Der Weg des 21-jährigen Kemal, dessen Leben sich innerhalb von 4 Tagen ...

Ich mochte dieses Buch sehr. Ich habe es gerne gelesen. Es hat Charakter, es hat Ironie und Humor, Verzweiflung, aber auch Hoffnung. Der Weg des 21-jährigen Kemal, dessen Leben sich innerhalb von 4 Tagen zuspitzt, ja aus dem Ruder läuft könnte man sagen, hat mich sehr berührt. Ich mochte Kemal, der die Dinge nüchtern sieht, seine Prinzipien hat, ein vernünftiger, junger Mann. Doch aus seiner Haut kann er nicht, weiß er denn nicht, wo er hin gehört, fragen seine Freunde, Nachbarn, Familie? Nein, das weiß er nicht, er ist rastlos und fragt sich, wo ist mein Platz? Dass dieser Platz nicht in Heilbronn ist, das glauben manche Leute sicher zu wissen, "du gehörst hier nicht hin".

Das Buch ist echt. Es ist real. Es passiert genau so jeden Tag. Das ist bedrückend und erschreckend.

"Hawaii" erzählt von Menschen in Deutschland, deren Leben ich mir kaum vorstellen kann. Deshalb ist dieses Buch so wichtig. Es hat meinen Horizont erweitert, hat mir einen Einblick in eine fremde Welt gegeben. Dafür danke ich Cihan Acar.

Ein tolles Debüt!

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 12.03.2020

Wenn ich könnte, würde ich 6 Sterne geben

Dankbarkeiten
0

Dieser kleine, feine Roman hat mit seiner zarten Geschichte um die an Demenz erkrankte Michka mein Herz erobert. In wunderschöner, berührender Sprache beschreibt Delphine de Vigan ein Leben, das vom "Verschwinden" ...

Dieser kleine, feine Roman hat mit seiner zarten Geschichte um die an Demenz erkrankte Michka mein Herz erobert. In wunderschöner, berührender Sprache beschreibt Delphine de Vigan ein Leben, das vom "Verschwinden" bedroht ist. Michka gehen Dinge verloren, Erinnerungen, ihre Mobilität, irgendwann sie selbst. Das Wichtigste aber, ihr gehen Worte verloren. Mit Hilfe des Logopäden Jérome und ihrer jungen Vertrauten Marie versucht sie, noch etwas loszuwerden. Etwas muss noch gesagt werden, sie muss "Danke" sagen. Dass Dankbarkeit nicht in großen Taten gemessen und verglichen werden kann, und, dass es viele Gründe gibt, dankbar zu sein, das wird auf so rührende Art erzählt, dass ich das eine oder andere Tränchen vergossen habe.
Ein so schönes Buch. Ein bedeutendes Buch aus so vielen Gründen. Es ist großartig wie viel einem die Autorin sagt, ohne viel zu erzählen.

Für mich ist ein Buch ausgelesen ist, wenn ich es beendet habe. Es hat seine Geschichte erzählt. Es kommt ins Regal und eventuell lege ich es meinem Mann, meinen Kindern, meiner Mutter oder Freunden ans Herz.
Ich lese so gut wie nie ein Buch ein zweites Mal, vielleicht mal nach Jahren.
"Dankbarkeiten" ist ein Buch, von dem ich glaube, dass ich es wieder und wieder lesen werde. Ich glaube, es ist eins der schönsten Bücher, die ich überhaupt je gelesen habe.

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 11.03.2020

Eine tragische Liebesgeschichte

Die Diva
0

Es hat mir wieder großen Spaß gemacht, ein Buch von Michelle Marly über die Welt berühmter Frauen zu lesen. Nach "Mademoiselle Coco" ist "Die Diva" der zweite Roman dieser Reihe und meine Erwartungen haben ...

Es hat mir wieder großen Spaß gemacht, ein Buch von Michelle Marly über die Welt berühmter Frauen zu lesen. Nach "Mademoiselle Coco" ist "Die Diva" der zweite Roman dieser Reihe und meine Erwartungen haben sich erfüllt.
Die Lebensgeschichte Maria Callas' ist eine tragische. Insbesondere die Liebesbeziehung zu Aristoteles Onassis wird in diesem Buch zum Thema gemacht, es handelt sich um einen Liebesroman. Dies ist nun nicht unbedingt mein bevorzugtes Genre, aber man bekommt so viel mehr geboten, die Geschichte ist eingebunden in weltgeschichtliche und politische Fakten, Kunst- und Kulturgeschichte kommt auch nicht zu kurz (welche Musik lief im Radio, welche Maler waren grade gefragt). Es ist biografisch, aber auch fiktiv.
Auf die häufigen Zeitsprünge muss man sich einlassen, sie sind ein Stilmittel, dass in meinem Fall die Spannung erhöht hat und gleichzeitig Fragen beantwortet hat. Ich fand sie nicht störend.
Die Sprache und Wortwahl der Autorin nimmt einen mit in die Zeit der Diva, in die Welt der Schönen und Reichen, sie erzeugt eine eindrucksvolle Stimmung.
Ich bin begeistert von der Serie und nun auch Fan von Coco Chanel und Maria Callas!

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 09.03.2020

Gibt es noch Hoffnung für die Magie?

Die letzte Dichterin
0

"Die letzte Dichterin" ist ein Roman. Es WÄRE ein Fantasyroman, aber... und genau darum geht es. Die Phantasie ist Phantopien verloren gegangen. Irgendwann hielten es die Menschen dieser Welt für überflüssig, ...

"Die letzte Dichterin" ist ein Roman. Es WÄRE ein Fantasyroman, aber... und genau darum geht es. Die Phantasie ist Phantopien verloren gegangen. Irgendwann hielten es die Menschen dieser Welt für überflüssig, sich für Kunst Zeit zu nehmen, die Künste zu wertschätzen. Und mit dem Fehlen der Wertschätzung für die Fähigkeit, Phantasie anzuwenden, als Musiker - oder eben in der Dichtkunst - starben diese Begabungen aus. Es ist eine gute Idee, und auch ganz logisch, wie Katharina Seck beschreibt, wie in Phantopien die Magie letztendlich verloren zu gehen droht, die nur durch der Phantasie der Bewohner existieren kann. Auch die Beschreibung der verschiedenen "Berufe", die den Begabungen zugrunde liegen, sind wunderschön beschrieben. Natürlich enthält das Buch Fantasyelemente! Ganz verloren ist nicht alle Magie. Doch mit welchen Mitteln kann man sie zurückholen? Die Geschichte um Minna Fabelreich ist eine Ruhige. Erst im letzten Drittel gewinnt sie etwas an Fahrt. Sie besticht aber durch die leisen Töne, die Leidenschaft, die sich bei allen Charakteren fühlen lässt, führen sie nun gutes im Schilde oder nicht. Ich muss zugeben, dass Minna nicht meine Lieblingsfigur war, durch den Perspektivwechsel lernt man Kapitel für Kapitel alle Figuren sehr gut kennen, und ich fand allesamt greifbarer und.. ja wohl auch leidenschaftlicher als die eigentliche Heldin. Ein märchenhaft - magisches Buch!

Nachtrag von meiner 13-Jährigen Tochter:

"Das Buch ist ganz toll, so richtig schön erzählt, und die Idee, dass die Magie ohne die Künste stirbt ist echt gut!"

  • Cover
  • Geschichte
  • Charaktere
  • Erzählstil
  • Fantasie