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Jule1979

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Veröffentlicht am 26.01.2021

Hat meine Erwartungen nicht erfüllt

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Ein Forschungsprojekt mit Schimpansen soll Aufschluss darüber geben, wie weitreichend ihr Bewusstsein ist. Dazu werden mehrere von ihnen in Familien von Wissenschaftlern integriert und wie Menschen erzogen, ...

Ein Forschungsprojekt mit Schimpansen soll Aufschluss darüber geben, wie weitreichend ihr Bewusstsein ist. Dazu werden mehrere von ihnen in Familien von Wissenschaftlern integriert und wie Menschen erzogen, sie sollen glauben, sie seien Menschen. Mittels Gebärdensprache kann man mit ihnen kommunizieren und Aufschluss über ihr Denken erhalten. Sam ist einer von ihnen, und als Guy Schermerhorn Unterstützung bei der Rundumbetreuung sucht ist die junge Studentin Aimee sofort Feuer und Flamme und baut eine ganz besondere Beziehung zu dem Tier auf.
Mein erstes Buch von T. C. Boyle lässt mich etwas ratlos zurück.
Ich hatte mir die Kritik etwas deutlicher vorgestellt, hatte mehr Anklage erwartet, aber diese war kaum spürbar, so dass ich mich frage, ob ich das Buch und seine Absicht dahinter - und die wird es doch bei dem Thema geben? - richtig gedeutet habe..
Für mich waren tatsächlich die "Beschützer" des Affen, die Forscher, in deren Obhut Sam aufwächst, die ihn (v)erziehen und im Menschsein beibringen die eigentlichen Übeltäter. Im Glauben an die Wissenschaft und von der Richtigkeit ihres Vorgehens überzeugt verraten sie das Lebewesen, das sie angeblich lieben. Sie sind egoistisch und verantwortungslos und völlig ungeeignet, Sorge für jemand anderen außer sich selbst zu tragen. Die Charaktere sind derart unsympathisch und unfähig auf vielfältige Art und Weise.
Alles spitzt sich am Ende recht vorhersehbar zu, und auch da ist nur große Traurigkeit spürbar, kein Einsehen, keine Reue, kein Schuldbewusstsein.
Von dem Autor habe ich schon des öfteren gehört, ich hatte einen aggressiveren Ton erwartet, eine offensichtlichere Kritik, von Ironie und Witz war bei seinen vorherigen Büchern die Rede. Da kam mir dieses Buch jetzt eher zurückhaltend vor. Auch sprachlich sticht es nicht hervor, die Ausdrücke sind eher roh, ins vulgäre reichend, ich hatte keine Poesie erwartet, aber doch einen gewissen Anspruch oder etwas Wiedererkennbares im Schreibstil.
Auch die wechselnden Sichtweisen der Protagonisten fand ich befremdlich, sie haben keinen Mehrwert für mich bedeutet, ich muss sogar sagen, dass sich Boyle mit Sams Sicht vielleicht ein bisschen zu weit aus dem Fenster gelehnt hat, manches fand ich regelrecht unglaubwürdig.
Ich habe die Geschichte in kurzer Zeit gelesen, es ist spannend und kurzweilig, allerdings meiner Meinung nach zu wenig differenziert betrachtet, zu oberflächlich.

  • Cover
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Veröffentlicht am 25.01.2021

Unvergleichlich

4 3 2 1
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"4 3 2 1" von Paul Auster ist so ein Buch, das man wohl gelesen haben muss, um seinen Sinn ganz zu verstehen und sein Ausmaß zu begreifen.
Das Buch umfasst 1260 Seiten aufgeteilt in recht lange Kapitel, ...

"4 3 2 1" von Paul Auster ist so ein Buch, das man wohl gelesen haben muss, um seinen Sinn ganz zu verstehen und sein Ausmaß zu begreifen.
Das Buch umfasst 1260 Seiten aufgeteilt in recht lange Kapitel, die aus schier endlosen Sätzen bestehen. Sätze mit über 200 Worten sind auf jeder Seite zu finden, zumeist ist eine Seite daher lediglich mit 3 bis 4 Sätzen bedruckt. Die Länge der Sätze und folglich auch der Umfang des Buches hat zwei Gründe: Paul Auster beschreibt alles haarklein. Sind das Spielregeln beim Baseball oder geschichtliche Zusammenhänge, es bleibt nichts unerwähnt. Der andere Grund ist, es sind eigentlich 4 Bücher.
Erzählt wird die Geschichte von Archie, der im Amerika der 50er und 60er Jahre aufwächst. Wir lernen seine Familie kennen, seine Freunde, begleiten ihn in die Schule und in den Urlaub, erleben mit ihm Enttäuschungen und Schicksalsschläge.
Und das alles vier mal.
Denn Archies Leben spaltet sich auf in 4 Varianten desselben Menschen, der unterschiedliche Wege einschlägt.
Durch diese Erzählweise ist es ein einzigartiges Buch, der Aufbau ist verwirrend, ich empfehle, sich Notizen zu machen um die Übersicht zu behalten!
Alles in allem muss ich sagen, trotz, dass ich mich für amerikanische Politik und Geschichte nicht so rasend interessiere, dass ich großen Respekt vor der genauen Recherche des Autors habe. Es liest sich fast wie eine Biografie.
Ein erstaunliches Buch, ich bin sehr froh, mich herangewagt zu haben.

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Veröffentlicht am 23.01.2021

Saisonarbeiter auf der Suche nach dem großen Glück

Caravan
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Dieser Roman ist ein auf und ab. Zweifellos ein gutes Buch muss ich abschließend sagen, wenn ich auch nach dem Klappentext etwas "Leichteres" erwartet habe.
"Caravan" erzählt die Geschichte einer bunten ...

Dieser Roman ist ein auf und ab. Zweifellos ein gutes Buch muss ich abschließend sagen, wenn ich auch nach dem Klappentext etwas "Leichteres" erwartet habe.
"Caravan" erzählt die Geschichte einer bunten Gruppe von aus allen Teilen der Welt zusammengewürfelten Saisonarbeitern, die sich - auf der Suche nach Geld, Glück und auch nach der großen Liebe - nach England aufgemacht haben. Doch nicht alles ist so, wie sie es sich erträumt haben, eigentlich ist nichts so, es ist mehr als ernüchternd, und doch finden sie ganz viel, Freundschaft zum Beispiel und mancher sogar seine Bestimmung.
Es ist nicht so, dass ich nicht laut gelacht habe, wenn die rasante Geschichte aus den verschiedenen Ich-Perspektiven geschildert wird, einschließlich der des zugelaufenen Hundes! Die unterschiedlichen Wahrnehmungen, Ansichten und Persönlichkeiten werden großartig dargestellt. Auch die Schwierigkeiten der Verständigung aufgrund verschiedener Sprachen und Kulturen sorgen für den Humor in der Geschichte.
Was man vom Klappentext nicht erfährt ist, dass trotz der haarsträubenden Wohnwagenflucht und der witzigen Dialoge noch etwas ganz anderes dahintersteckt, eine Traurigkeit und Hoffnungslosigkeit, die Enttäuschung der Protagonisten, ihrer Aussichtslosigkeit es in der Heimat zu etwas zu bringen und nun gestrandet in der Ferne ausgebeutet zu werden. Und das wird nicht nur am Rande erwähnt, es ist ein dominierendes Thema des Buches, eine Gesellschaftskritik, ein mit der Nase Daraufstoßen auf Zustände, vor denen man gern die Augen verschließen möchte.
Ein schönes Buch, ein lustiges Buch, aber nicht nur, es ist auch ein unbequemes Buch, es steckt mehr Tiefgründiges dahinter, als man erwartet.

  • Cover
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Veröffentlicht am 18.01.2021

Tapetenwechsel

Die gelbe Tapete
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Ein Arzt fährt mit seiner jungen Ehefrau auf einen Landsitz, er erwartet sich davon eine Besserung ihres Gesundheitszustandes. Wir erfahren bruchstückhaft von ihren Leiden, depressiv scheint sie zu sein, ...

Ein Arzt fährt mit seiner jungen Ehefrau auf einen Landsitz, er erwartet sich davon eine Besserung ihres Gesundheitszustandes. Wir erfahren bruchstückhaft von ihren Leiden, depressiv scheint sie zu sein, isst wenig, ist antriebslos. Vor kurzem hat sie ein Kind geboren, um das sich eine Hausangestellte kümmert, die Frau ist überfordert, hat aber auch Schuldgefühle, dass sie ihrem Mann so früh schon Kummer macht und fügt sich seinen Anordnungen, um schnell gesund zu werden.

Sie drängt es jedoch zum Schreiben, was er ihr untersagt, auch Gesellschaft wünscht sie sich, wovon ihr Mann glaubt, es überfordere sie. Isoliert und in ihrer trostlosen Lage gefangen beginnt sie, über die Tapete zu sinnieren, die ein absonderliches Muster und eine abstoßend gelbe Farbe hat, und die sie als sehr unangenehm empfindet. Nach und nach entwickelt sie einen regelrechten Verfolgungswahn und beginnt zu halluzinieren.

Ein großartig geschriebenes Buch. Ich hätte mir das Ende anders gewünscht, wenn.. Ja, wenn es ausgedacht wäre. Doch was Charlotte Perkins Gilman beschreibt, soll autobiografisch sein, sie schreibt aus eigener Erfahrung. Und das macht das Buch gruseliger, unheimlicher und beängstigender als jede Erzählung.

Das schmale Buch hat eine Besonderheit, es ist zweisprachig, was wirklich sehr schön ist. Man kann parallel lesen und es hat in der Originalsprache nochmal eine ganz eigene Stimmung.

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Veröffentlicht am 13.01.2021

Interessante Hintergrundgeschichte

Der Fall Alice im Wunderland
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Der Krimi "Der Fall Alice im Wunderland" ist ein richtig schöner Krimi aus meiner Sicht, ohne unnötige Gewaltszenen oder Blutbäder. Es geht vielmehr darum, Rätsel zu lösen.
Wer den Klassiker "Alice im ...

Der Krimi "Der Fall Alice im Wunderland" ist ein richtig schöner Krimi aus meiner Sicht, ohne unnötige Gewaltszenen oder Blutbäder. Es geht vielmehr darum, Rätsel zu lösen.
Wer den Klassiker "Alice im Wunderland" gelesen hat, kommt nicht umhin, sich näher mit dem Autor zu befassen und den Beweggründen, ein solch konfuses Kinderbuch zu schreiben. Man muss nicht lange nachforschen um zu erfahren, dass Lewis Carroll sich gerne mit jungen Mädchen umgab, eine fragwürdige Vorliebe, er umgab sich gerne mit ihnen und fotografierte sie. Eine davon war Alice Liddell, der er das Buch widmete.
Nun geht es in der Geschichte um das Zerwürfnis zwischen Carroll und den Eltern von Alice, und wie es dazu kam. Eine verschollene Notiz taucht in seinen Tagebüchern auf und zieht die Aufmerksamkeit der Lewis-Carroll-Bruderschaft auf sich, die sogleich darüber debattieren. Doch auf die junge Frau, die die Seite gefunden hat, fällt schon bald einen Anschlag zum Opfer, und sie soll nicht die einzige bleiben.
Es kommen sehr viele Personen vor, was für mich das Hörspiel schwerer verfolgbar gemacht hat, als es beim Buch der Fall gewesen wäre und mir war letztendlich alles nicht ganz schlüssig, es war keine ganz runde Sache. Womit ich tatsächlich zunehmend Schwierigkeiten hatte, war der "Vorlesende" Sascha Tschorn und seine Interpretation. Er verstellt die Stimme auf eine für mich ganz unangenehme Weise, vor allem, wenn er Frauen seine Sprache verleiht. Das muss in meinen Augen nicht sein und hatte etwas von einem Kinderhörspiel, zumal ich leider auch sagen muss, dass es teilweise nicht zur Stimmung passte, da er nicht - wie im Text erklärt - beispielsweise "beschämt" oder "drohend" oder "resigniert" sprach. Auch liest er einen sehr langen Brief mit verstellter Stimme vor, wenn ich einen Brief vorlese, lese ich ihn für gewöhnlich mit meiner Stimme. Ich muss zugeben, dass das Hörbuch wegen der Qualität des Sprechers einen Stern in der Gesamtwertung verloren hat.

  • Handlung
  • Sprecher
  • Erzählstil
  • Spannung
  • Cover
  • Charaktere