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Jule1979

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Veröffentlicht am 17.11.2019

Unerwartet vielschichtig

Der Sprung
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Eine Frau tritt über die Kante eines Daches. Sie erlebt den Sturz ganz bewusst, ihre Sinneseindrücke werden beschrieben, wie es sich anfühlt, anhört, riecht ins Bodenlose zu fallen. Man erfährt im ersten ...

Eine Frau tritt über die Kante eines Daches. Sie erlebt den Sturz ganz bewusst, ihre Sinneseindrücke werden beschrieben, wie es sich anfühlt, anhört, riecht ins Bodenlose zu fallen. Man erfährt im ersten Kapitel von "Der Sprung" von Simone Lappert nicht mehr als das. Nicht, wie es dazu kam. Nicht, wie alt sie ist oder auch nur, wie sie heißt.
Der Leser wird einen Tag zurück versetzt. In kurzen Kapiteln lernt man 7 Personen kennen, sie alle scheinen verknüpft miteinander, wenn es auch erst mit der Zeit sichtbar wird in welchem Verhältnis sie zueinander stehen. Doch wer ist die Frau, die springt? Ist es Monique, die Ehefrau des Polizisten Felix, der sich immer mehr von ihr zurückzieht? Oder Winnie, die Schülerin, die gemobbt und ausgegrenzt wird?
Die kurzen Episoden fügen sich immer mehr zu einem Gesamtbild zusammen, als die Geschichte schließlich zu dem Punkt kommt, an dem man erfährt, welche Frau es ist, die auf dem Dach steht. Man lernt in den nächsten Kapiteln weitere Personen kennen, sie alle werden von diesem Ereignis, das einen ganzen Tag die Stadt in Atem hält, beeinflusst und ihre Lebensläufe überkreuzen sich teilweise - teilweise trennen sie sich aber auch voneinander.

Mehr möchte ich zum Inhalt des Buches gar nicht sagen, es passiert viel Unerwartetes aber auch Erwartetes.
Ich muss sagen, dass ich mir das Buch aufgrund des Klappentextes nicht gekauft hätte. Ich habe eine Sozialstudie über eine Selbstmörderin erwartet, vielleicht rührseelig, vielleicht hart und ernüchternd. Aber das, was das Buch letztendlich offenbart hat, habe ich nicht erwartet. Ich habe dieses Buch unterschätzt. Es hat eine so feine Sprache, so scharfsinnig und mit so viel Poesie. So viel Weisheit und Klugheit steckt darin, eine Sozialstudie womöglich, aber keine triste, depressive, sondern zart und hoffnungsvoll.
Ich mag keine Episoden oder Kurzgeschichten, aber dieses Buch hat mich total eingefangen. Die kurzen Kapitel, die liebevolle Beschreibung der Charaktere, es hat sich flüssig lesen lassen, war spannend und keineswegs verwirrend, trotz vieler "Nebendarsteller".
Ich habe jeden Einzelnen von ihnen liebgewonnen.

Veröffentlicht am 17.11.2019

Wer hat nicht einen Schweinebär zu Hause?!

Ein Schweinebär im Schlafanzug
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Jules kleiner Bruder Sascha ist ein Schweinebär. Nein, er wird nicht nur von den Eltern so genannt, weil er keine Tischmanieren hat, eines Sonntags wacht Sascha als Schweinebär auf! Was soll man machen? ...

Jules kleiner Bruder Sascha ist ein Schweinebär. Nein, er wird nicht nur von den Eltern so genannt, weil er keine Tischmanieren hat, eines Sonntags wacht Sascha als Schweinebär auf! Was soll man machen? Die Eltern sind ratlos, beschuldigen sich gegenseitig, man habe ihn ja täglich so genannt, das musste ja passieren.. Doch nachdem man Sascha zunächst verzweifelt zu verstecken versucht, wird klar, was wirklich wichtig ist.
Die Geschichte ist aus Jules Sicht geschrieben, trotz dass Sascha sich beim Essen wie ein Schweinebär benimmt wird doch deutlich, dass sie ihren Bruder liebt. Der Zusammenhalt in der Familie nach Saschas "Verwünschung" wird schön beschrieben.
Ich habe das Buch mit meiner 5-jährigen Tochter gelesen, an einem Nachmittag durch. Sie fand es lustig, spannend, wollte unbedingt wissen, ob Sascha wieder zurück verwandelt wird. Von ihr gibt es - wie auch von mir - eine klare Leseempfehlung! Auf die Frage, was ihr besonders gut gefallen hat, antwortete sie: "Der Schweinebär. Der ist so niedlich!" und tatsächlich, absolut liebenswert

Veröffentlicht am 17.11.2019

Eine Bereicherung!

Was man von hier aus sehen kann
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Eine Freundin gab mir dieses Buch, es sei ganz ok. Mir war "Was man von hier aus sehen kann" schon das eine oder andere Mal über den Weg gelaufen und gehörte zu den Büchern auf meiner MUSSICHAUCHIRGENDWANNMALLESEN-Liste. ...

Eine Freundin gab mir dieses Buch, es sei ganz ok. Mir war "Was man von hier aus sehen kann" schon das eine oder andere Mal über den Weg gelaufen und gehörte zu den Büchern auf meiner MUSSICHAUCHIRGENDWANNMALLESEN-Liste. Was ich lesen durfte waren: Intelligente Sätze, wunderschöne Zitate, Lebensweisheiten. Über die Liebe, das Leben und Sterben, Freundschaft und Familie. Alles in witzigen, kurzweiligen 314 Seiten. Was für eine Freude, dass dieses Buch von ganz allein zu mir kam, eine Bereicherung!

Veröffentlicht am 25.10.2021

Frauen und das Meer

Wie Salz auf der Zunge
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Zu beschreiben, worum es in diesem Buch geht, ist nicht ganz einfach. Ich wusste auch nicht richtig, was mich erwartet, ich fand einfach Titel und Optik so ansprechend. Es ist kein Roman, ich kann eigentlich ...

Zu beschreiben, worum es in diesem Buch geht, ist nicht ganz einfach. Ich wusste auch nicht richtig, was mich erwartet, ich fand einfach Titel und Optik so ansprechend. Es ist kein Roman, ich kann eigentlich gar nicht genau sagen, was es ist.
Es wird erzählt von Frauen und vom Meer. Was hat das eine mit dem anderen zu tun? Charlotte Runcie hat ein sehr weibliches und sehr persönliches Buch geschrieben, sie erzählt von ihrer Heimat, ihrer Familie und von ihrer Schwangerschaft. Rundherum um die fast nicht vorhandene Handlung ist das Meer, da sind Lieder und Bücher, die vom Meer erzählen, wir hören Gedichte, Sagen und Legenden. Flora und Fauna werden ebenso beschrieben.
Es ist alles ein bisschen konfus, es ist wie eine Reise, das Buch treibt einen hierhin und dorthin, Landschaftsbeschreibungen lassen uns Küsten vor unserem geistigen Auge erscheinen, dass man die Koffer packen möchte.
Das Meer ist ein Sehnsuchtsort und dieses Buch ist ein Sehnsuchtsbuch. Schon der Titel ist sinnlich, "Wie Salz auf der Zunge", und so wie das Meer mit all seinen Geschichten ein Wunder ist sind es auch wir Frauen. Charlotte Runcie hat Frau-Sein und Mutter-Werden metaphorisch aufgearbeitet, hat versucht zu verstehen, was mit dem Körper und der Seele passiert - und mir dabei aus der Seele gesprochen.
Geschichten haben eine große Macht, einmal erzählt entwickeln sie sich manchmal zum Mythos, können Aberglaube erzeugen und zur Religion und Lebensweisheit werden. Die Autorin hat hier einiges zusammengetragen und wundervoll verpackt. Ihre Sprache ist feinsinnig, nachdenklich und poetisch, mit einem Hauch Melancholie. Jedes Kapitel ist wie eine Perle, eine Muschel, ein Schneckenhäuschen an einem feinen Sandstrand. Es auf mich eine stark entschleunigende Wirkung.
Was mich leider geärgert hat ist die an zwei Stellen mangelhafte Übersetzung mit wirklich groben Fehlern.

Zum Schluss muss ich noch etwas anmerken. Ich rate selten bestimmten Menschen, einen Bogen um ein Buch zu machen, doch die Autorin schreibt so explizit über Mutterschaft und die Natur der Frau nach ihrem Verständnis, dass ich bei unerfülltem Kinderwunsch oder Identitätskrisen, die die eigene Rolle als Frau angehen, davon abraten würde es zu lesen. Dies ist für mich selbst kein Kritikpunkt, denn ich habe mich darin wiedergefunden, aber mir ist bewusst, dass andere Frauen sich dadurch schmerzlich ausgeschlossen fühlen könnten.

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Veröffentlicht am 13.10.2021

Unterhaltsam und kurzweilig

Das Haus an der Düne
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Mein erstes BUCH von Agatha Christie. Aber ich liebe die Filme!
Bei diesem leichten Roman über eine junge Frau, die sich vom Unglück verfolgt glaubt, von Hercule Poirot jedoch eines Besseren belehrt wird ...

Mein erstes BUCH von Agatha Christie. Aber ich liebe die Filme!
Bei diesem leichten Roman über eine junge Frau, die sich vom Unglück verfolgt glaubt, von Hercule Poirot jedoch eines Besseren belehrt wird - nämlich, dass man ihr nach dem Leben trachtet - sah ich die belgische Hauptfigur in Gestalt Sir Peter Ustinovs vor mir.
Kurz und knackig, spannend und intelligent ist die Geschichte konstruiert, die Figuren widersprüchlich und nicht recht greifbar, mehrmals muss man sein Bild, dass man sich von einem Verdächtigen gemacht hat, revidieren, doch kann man den Windungen gut folgen. Die Sprache ist schnörkellos aber fein und der Witz kommt dabei auch nicht zu kurz.
Ein solider, relativ gewaltfreier und unblutiger Kriminalfall (ja gut, zwar gibt es Tote, aber ohne Gemetzel und Nervenkitzel) mit tollem Detektivduo im Urlaubsmodus.
Ehrlich gesagt glaube, es ist bei dem, was die beliebte Autorin alles geschrieben hat, noch Luft nach oben. Ich werde gern weitere Bücher von ihr entdecken, das war eine erfrischende Abwechslung zur mich teilweise ermüdenden "Erzählenden Literatur" im Belletristiksegment.

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