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Veröffentlicht am 17.12.2021

Eine Geschichte, die alle Zeiten überdauert

Wolkenkuckucksland
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Ein uraltes Buch, eine Abenteuergeschichte, geschrieben um eine schwerkranke Familienangehörige zu unterhalten (und womöglich wieder gesund zu machen) ist Dreh- und Angelpunkt des Romans. Ein glückloser ...

Ein uraltes Buch, eine Abenteuergeschichte, geschrieben um eine schwerkranke Familienangehörige zu unterhalten (und womöglich wieder gesund zu machen) ist Dreh- und Angelpunkt des Romans. Ein glückloser Hirte sucht das Wolkenkuckucksland, ein Paradies im Himmel, doch wird er von einem Tier ins nächste verwandelt und kann doch dieses Land auch gar nicht erreichen, da er einem Missverständnis folgt. Die Tafeln mit dieser Niederschrift gelangen in die Hände von Anna, die im Mittelalter in einen Krieg gerät, über ihren Gefährten Omeir zu Schriftgelehrten, Jahrhunderte später zu Zeno, der das der Öffentlichkeit zugänglich gemachte Werk im Andenken an einen Freund übersetzt und mit einer Gruppe Schülern als Theaterstück aufführen will. Später nimmt sich Seymour des Manuskriptes an, ein autistischer Einzelgänger, der die Zerstörung der Natur nicht erträgt und um dessen Leben sich nach meinem Gefühl der Großteil der Handlung dreht. Und schließlich zu Constance, die uns mit in die nahe Zukunft nimmt, auf ein Raumschiff mit Kurs auf die neue Heimat der Menschheit.

Wir folgen den verschiedenen Protagonisten in ihre jeweilige Zeit, die Kapitel sind kurz und tragen den Titel der Hauptfiguren, was die Orientierung unheimlich erleichtert, denn es geht hin und her. Ort und Jahreszahl werden ebenfalls genannt, so dass man einen Eindruck der zeitlichen Dimension hat.
Die Sprache ist sehr angenehm, poetisch ohne in Kitsch abzudriften, melodisch und an die Person, von der grade erzählt wird, angepasst. An 2-3 Stellen war ich mit der Übersetzung unzufrieden, aber das hat sich keineswegs durchgezogen sondern sind wirklich kleine Auffälligkeiten, ich bin und bleibe da ein Nerd.

Ich habe für meine Verhältnisse lange für das Buch gebraucht, was zum einen den Wechseln von Zeit, Ort und Person geschuldet war, aber ich muss auch zugeben, dass eine recht bedrückende, entmutigende, oder sagen wir hoffnungslose Atmosphäre herrscht. Verlust spielt in jeder der komplexen Stränge eine zentrale Rolle, sowie Ungesagtes, Bereutes und nicht genutzte Chancen, falsche Entscheidungen, Fehler.
Das Buch ist gut. Es ist so komplex und es sind Geheimnisse und Geheimtürchen eingebaut, eine Wahnsinnskonstruktion. Doch letztendlich konnte mich das Ende nicht überzeugen, mir haben Verknüpfungen gefehlt wo vorher jeder Schritt erklärt wurde. Der Autor hat mir teils zu viel gewollt, hat damit auf den letzten 100 Seiten eine so unglaubliche Erwartungshaltung erzeugt - und wollte dann fertig werden? Mir fehlen um die 50 Seiten, um diesen großartigen Plot rund werden zu lassen.
Trotzdem: Klare Leseempfehlung!

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Veröffentlicht am 14.12.2021

Unterhaltsam

Der Schlüssel
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"Vater unser, der Du bist im Himmel, geheiligt werde Dein Name. Dein Schlüsselreich komme. Dein Wille geschehe, wie auf Erden, also auch im öffentlichen Dienst."

Einer enthusiastisch zu Papier gebrachten ...

"Vater unser, der Du bist im Himmel, geheiligt werde Dein Name. Dein Schlüsselreich komme. Dein Wille geschehe, wie auf Erden, also auch im öffentlichen Dienst."

Einer enthusiastisch zu Papier gebrachten Satire bin ich nie abgeneigt, und zudem bin ich immer auf der Suche nach neuentdeckten Klassikern. So fand ich diese Persiflage des Beamtentums, in dem nicht gedacht wird, sondern stur nach Vorschrift gehandelt wird.

J. ist ein Papierbeauftragter im niederen öffentlichen Dienst. Seinen Job hält er für einen der wichtigsten, stimmt etwas mit Dokumenten und Ordnern nicht, ist etwas falsch beschriftet oder abgelegt, könnten die Geschicke des ganzen Landes ins Unglück gestürzt werden.
Alles, womit er arbeitet, Akten, das Telefon, Schreibutensilien, haben für J. etwas Lebendiges und versuchen zuweilen, ihm die Arbeit zu erschweren.
Von seinem Vorgesetzten S. wird er gemaßregelt und zur Einhaltung strengster Vorschriften verpflichtet, zu Hause drangsaliert ihn seine lieblose "Alte". Versehentlich wird nun J. in seinem fensterlosen Büro eingesperrt. Sein Vorgesetzter ist theoretisch ab 17 Uhr im Urlaub, praktisch nutzt er aber eine Sonderregelung und hat die Behörde bereits um 14 Uhr verlassen. Aufgrund dieses Umstandes ist J. für diese Dauer nicht befugt, eigenmächtig zu entscheiden, wie er nun vorgehen soll. Als er sich doch, sorgfältig abgewägt, daran macht, seinem Gefängnis zu entkommen, scheitert er. Doch als am nächsten Morgen wieder Leben in das Büro kommt, kann man ihn leider nicht einfach so befreien, denn in diesem Präzedenzfall muss erst die Zuständigkeit geklärt werden.
Der Fall entwickelt sich zu einer Angelegenheit nationaler Tragweite als sogar die Kirche und die überregionale Presse sich der Sache annehmen.

Das Buch wird als kafkaesk bezeichnet, da ich Kafka jedoch bisher nicht gelesen habe, kann ich zu diesem Vergleich nichts sagen. In jedem Fall ist es absurd und ziemlich wirr, teilweise wahnhaft.
Man möchte wissen, wer nun die Verantwortung übernimmt, es liest sich sehr spannend, da auch ständig jemand Neues auf der anderen Seite der Tür steht und erklärt, wie weit man mit der Entscheidungsfindung gekommen ist.
Es ist an sich eine tragische Geschichte, in eine interessante Bürokratiesatire verpackt, durchaus gut umgesetzt und eindringlich, dennoch konnte es mich nicht ganz erreichen. Die Sprache ist mir zu derb und die Schilderung ist mir zu unruhig, es wirkt sehr gehetzt. Die Figuren sind mir zu sprunghaft und aufbrausend. Gelohnt hat es sich trotzdem, diesen irischen Klassiker kennen zu lernen.
Die Novelle ist nur 80 Seiten lang, im Anhang findet man hilfreiche Ergänzungen zum Inhalt und eine Zeittafel, in der das Werk auch politisch eingeordnet werden kann.

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Veröffentlicht am 25.10.2021

Frauen und das Meer

Wie Salz auf der Zunge
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Zu beschreiben, worum es in diesem Buch geht, ist nicht ganz einfach. Ich wusste auch nicht richtig, was mich erwartet, ich fand einfach Titel und Optik so ansprechend. Es ist kein Roman, ich kann eigentlich ...

Zu beschreiben, worum es in diesem Buch geht, ist nicht ganz einfach. Ich wusste auch nicht richtig, was mich erwartet, ich fand einfach Titel und Optik so ansprechend. Es ist kein Roman, ich kann eigentlich gar nicht genau sagen, was es ist.
Es wird erzählt von Frauen und vom Meer. Was hat das eine mit dem anderen zu tun? Charlotte Runcie hat ein sehr weibliches und sehr persönliches Buch geschrieben, sie erzählt von ihrer Heimat, ihrer Familie und von ihrer Schwangerschaft. Rundherum um die fast nicht vorhandene Handlung ist das Meer, da sind Lieder und Bücher, die vom Meer erzählen, wir hören Gedichte, Sagen und Legenden. Flora und Fauna werden ebenso beschrieben.
Es ist alles ein bisschen konfus, es ist wie eine Reise, das Buch treibt einen hierhin und dorthin, Landschaftsbeschreibungen lassen uns Küsten vor unserem geistigen Auge erscheinen, dass man die Koffer packen möchte.
Das Meer ist ein Sehnsuchtsort und dieses Buch ist ein Sehnsuchtsbuch. Schon der Titel ist sinnlich, "Wie Salz auf der Zunge", und so wie das Meer mit all seinen Geschichten ein Wunder ist sind es auch wir Frauen. Charlotte Runcie hat Frau-Sein und Mutter-Werden metaphorisch aufgearbeitet, hat versucht zu verstehen, was mit dem Körper und der Seele passiert - und mir dabei aus der Seele gesprochen.
Geschichten haben eine große Macht, einmal erzählt entwickeln sie sich manchmal zum Mythos, können Aberglaube erzeugen und zur Religion und Lebensweisheit werden. Die Autorin hat hier einiges zusammengetragen und wundervoll verpackt. Ihre Sprache ist feinsinnig, nachdenklich und poetisch, mit einem Hauch Melancholie. Jedes Kapitel ist wie eine Perle, eine Muschel, ein Schneckenhäuschen an einem feinen Sandstrand. Es auf mich eine stark entschleunigende Wirkung.
Was mich leider geärgert hat ist die an zwei Stellen mangelhafte Übersetzung mit wirklich groben Fehlern.

Zum Schluss muss ich noch etwas anmerken. Ich rate selten bestimmten Menschen, einen Bogen um ein Buch zu machen, doch die Autorin schreibt so explizit über Mutterschaft und die Natur der Frau nach ihrem Verständnis, dass ich bei unerfülltem Kinderwunsch oder Identitätskrisen, die die eigene Rolle als Frau angehen, davon abraten würde es zu lesen. Dies ist für mich selbst kein Kritikpunkt, denn ich habe mich darin wiedergefunden, aber mir ist bewusst, dass andere Frauen sich dadurch schmerzlich ausgeschlossen fühlen könnten.

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Veröffentlicht am 13.10.2021

Unterhaltsam und kurzweilig

Das Haus an der Düne
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Mein erstes BUCH von Agatha Christie. Aber ich liebe die Filme!
Bei diesem leichten Roman über eine junge Frau, die sich vom Unglück verfolgt glaubt, von Hercule Poirot jedoch eines Besseren belehrt wird ...

Mein erstes BUCH von Agatha Christie. Aber ich liebe die Filme!
Bei diesem leichten Roman über eine junge Frau, die sich vom Unglück verfolgt glaubt, von Hercule Poirot jedoch eines Besseren belehrt wird - nämlich, dass man ihr nach dem Leben trachtet - sah ich die belgische Hauptfigur in Gestalt Sir Peter Ustinovs vor mir.
Kurz und knackig, spannend und intelligent ist die Geschichte konstruiert, die Figuren widersprüchlich und nicht recht greifbar, mehrmals muss man sein Bild, dass man sich von einem Verdächtigen gemacht hat, revidieren, doch kann man den Windungen gut folgen. Die Sprache ist schnörkellos aber fein und der Witz kommt dabei auch nicht zu kurz.
Ein solider, relativ gewaltfreier und unblutiger Kriminalfall (ja gut, zwar gibt es Tote, aber ohne Gemetzel und Nervenkitzel) mit tollem Detektivduo im Urlaubsmodus.
Ehrlich gesagt glaube, es ist bei dem, was die beliebte Autorin alles geschrieben hat, noch Luft nach oben. Ich werde gern weitere Bücher von ihr entdecken, das war eine erfrischende Abwechslung zur mich teilweise ermüdenden "Erzählenden Literatur" im Belletristiksegment.

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Veröffentlicht am 12.10.2021

Vergessene Heldin

Althea Gibson - Gegen alle Widerstände. Die Geschichte einer vergessenen Heldin
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Mir war der Name Althea Gibson völlig unbekannt. Hand aufs Herz, wem ist die erste Afroamerikanerin, die einen Grand-Slam-Titel gewann, die erste, die auf dem Cover der "Sports Illustrated" und der "Time" ...

Mir war der Name Althea Gibson völlig unbekannt. Hand aufs Herz, wem ist die erste Afroamerikanerin, die einen Grand-Slam-Titel gewann, die erste, die auf dem Cover der "Sports Illustrated" und der "Time" abgebildet war, ein Begriff? Sie hat den Weg für mir bekanntere Tennisspielerinnen wie Venus und Serena Williams geebnet, denn als Althea als Talent entdeckt wurde, herrschte strikte "Rassentrennung" auf dem Platz, zu Turnieren wurde sie absichtlich oder "versehentlich" nicht zugelassen.
Dieses Buch erzählt ihre Geschichte, wie sie aufwuchs, ihre Karriere - und ihr bedauernswertes Ende.

Es handelt sich hierbei weniger um eine Biografie als um eine Dokumentation, ich finde es auch in Hinblick darauf schade, dass der Originaltitel "The Match" geändert wurde, besonders der Untertitel, so dass lediglich Althea im Focus steht. Es geht nämlich um ein Zusammenspiel der beiden Freundinnen Althea Gibson und Angela Buxton. Wie sie GEMEINSAM gegen alle Widerstände kämpften und Sportgeschichte schrieben, als sie in Paris und Wimbledon das Damendoppel gewannen. Lange Zeit danach sorgte Angela mit zwei Spendenaktionen dafür, die durch teure Arzt- und Behandlungskosten finanziell ruinierte Freundin vom Selbstmord abzuhalten. Althea Gibson starb 2003 nach mehreren Schlaganfällen, Angela Buxton 2020.

Die Erstveröffentlichung erschien im bereits vor 7 Jahren, nun wurde das Buch erstmals ins Deutsche übersetzt.
Ich muss leider sagen, es lässt sich nicht gut lesen. Es weist zwischendrin erhebliche Längen auf, trotz, dass es sich um spannende Persönlichkeiten handelt und alles durchaus interessant ist, jedoch machte mir der Stil zu schaffen. Der Aufbau wirkt fahrig, teils wie eine Urfassung, als sprudelt alles ungefiltert aus dem Autor heraus. Er springt in Zeit und Ort hin und her und nimmt Informationen vorweg, was keinen strukturierten Eindruck macht. Ich rate zukünftigen Lesern, den Prolog einfach wegzulassen, ich habe mich echt geärgert. Es werden einem ganz viele wissenswerte Details in Nebensätzen zusammenhanglos vorgeworfen, dafür erscheint es einem dann während der 400 Seiten zunehmend langweilig.
Schade ist auch, dass Bruce Schoenfeld wenig herzlich über Gibson schreibt, stattdessen hebt er vielmehr negative Seiten hervor. Ich hätte mir den Autor einer solchen Geschichte etwas eingenommener von seiner Hauptfigur gewünscht.
Trotzdem - die Geschichte dieser vergessenen Heldin(nen) verdient allemal Beachtung!

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