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KaraMelli

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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 05.08.2020

Der Wau-Faktor

Ich bleibe bei dir
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… diesmal an der etwas kürzeren Leine.
In gewohnter Manier knüpft W. Bruce Cameron an den Vorgänger „Ich gehöre zu dir“ an. Aufbau und Stil variieren nicht. Dieser Umstand macht „Ich bleibe bei dir“ nicht ...

… diesmal an der etwas kürzeren Leine.
In gewohnter Manier knüpft W. Bruce Cameron an den Vorgänger „Ich gehöre zu dir“ an. Aufbau und Stil variieren nicht. Dieser Umstand macht „Ich bleibe bei dir“ nicht unbedingt schwächer als seinen Vorgänger. Als nachteilig empfand ich hier einzig die Vorhersehbarkeit der Handlung. An manchen Stellen war das ermüdend, obwohl die Geschichte nach wie vor unterhalten und mit gewohntem Humor trumpfen konnte. Ein bißchen abgenutzt: das traditionell amerikanische Ideal, nach dem die Familie ALLES ist. Dieses wird hier durch den Charakter Gloria zwar tiefgreifend gestört und gehörig in Mitleidenschaft gezogen, aber eben auch nur vordergründig. Selbst diese manipulative, zerstörerische Kraft vermochte es nicht, die heiligen Familienbande zu durchtrennen. Der Versuch zu vermitteln, das selbst ungezügelter Narzissmus eine Familie nicht auseinanderbringen kann, war für mich weitaus schwerer vorstellbar als die Möglichkeit eines mehrfach reinkarnierenden Hundes! Nichtsdestotrotz wegen seiner herzigen Hauptfigur ein kurzweiliges Lesevergnügen, das mich als Leserin gegen Ende nochmal stark emotional gefordert hat - ungebremster Tränenfluss inklusive.

Veröffentlicht am 05.08.2020

Z`Bäärg…

Bergsommer
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Mein erster Gedanke nach Beenden der Buches war: Wow, was für eine Frau!
In „Bergsommer“ berichtet Katharina Afflerbach von Ihren Erfahrungen während drei Saisonen als Älplerin in den Schweizer Bergen. ...

Mein erster Gedanke nach Beenden der Buches war: Wow, was für eine Frau!
In „Bergsommer“ berichtet Katharina Afflerbach von Ihren Erfahrungen während drei Saisonen als Älplerin in den Schweizer Bergen.
Nicht nur mit all ihrem Ehrgeiz und Fleiß bringt sie sich in die Arbeit als Sennerin ein, sondern bestreitet dieses Abenteuer auch mit offenem Geist und Herzen. Es hat Spaß gemacht zu verfolgen, wie sie ihr neues Terrain erkundet, wie aus aufregenden ungewohnten Tätigkeiten Routine wird, bei der jeder Handgriff sitzt. Wie sie Unwägbarkeiten und Unvorhergesehenes meistert, an Katastrophen nicht scheitert indem sie einfach nicht aufgibt und weitermacht. Vielleicht anders wie zuvor und weiterhin suchend, aber völlig bei sich und den eigenen Entscheidungen.
Mir hat ihre Art sehr imponiert, wie sie diese Entscheidungen trifft, indem sie nichts überstürzt, sich nicht drängen lässt, beobachtet, sich Zeit lässt herauszufinden, was ihr und auch anderen gut tut. Damit beschreitet sie ihren Weg so frei wie möglich und so wenig fremdgesteuert wie nötig. Einfach nur toll!
Auch toll: die Beschreibungen von Land und Leuten inklusive Fotomaterial im Innenteil. Als deutsche Urlauberin mit ausgeprägter Passion für die Schweiz im Allgemeinen und Walliser Bergsommer im Besonderen, habe ich mich sofort an mein liebstes Ferienziel versetzt gefühlt: der Blick vom Berg in die Weite und Tiefe, das Summen und Brummen der bunten Almwiesen, während die Luft tagsüber nach Schnee und abends nach Kaminfeuer riecht. Dazu das Glockengeläut aus dem Tal und das der Tiere auf den Weiden, Alphornklang in der Dämmerung und köstliche Obstbrände zum Röschti – all das und so viel mehr hat Katharina Afflerbach mit ihrem Werk vermittelt, ich liebe es!

Veröffentlicht am 02.08.2020

Schönste symbolische Spiegelungen von Wirklichkeiten

Durch Eiswüsten und Flammenmeere
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Aufgewachsen mit Vinyl habe ich viele heimelige Stunden mit der Stimme von Hans Paetsch bei meiner Patentante verbracht. Später als Teenie gehörte eine Sammlung bestehend aus mehreren Bänden internationaler ...

Aufgewachsen mit Vinyl habe ich viele heimelige Stunden mit der Stimme von Hans Paetsch bei meiner Patentante verbracht. Später als Teenie gehörte eine Sammlung bestehend aus mehreren Bänden internationaler Märchen, Sagen und Mythen zu meinen Lieblingsbüchern. Schon zu diesem Zeitpunkt haben mich die dunkle Seite und die gruseligen Elemente mehr fasziniert als die "Königssohn-rettet-Prinzessin"-Thematik. Deshalb gefällt mir auch dieser vierte Band außerordentlich gut. Er nimmt Abstand von den traditionellen schwarz-weißen Mustern und weicht Rollenklischees auf. Ich liebe die vielen unterschiedlichen, durchweg brillanten Ansätze der Autoren, ihre feinen Nuancen. Jede Geschichte ist auf ihre Art eine ganz besonders edle Kostbarkeit.
Hervorragend gelungen sind "Die Goldspinnerin", "Ladon & Herakles", "Ende gut, alles gut" und "Shahrazad und das Königreich der sieben Berge".
Immer wieder eindrucksvoll und absolut meisterhaft: "Schwarz wie Ebenholz". Unzählige Male gelesen, verliert sie nichts von ihrem Glanz und ich freue mich riesig, diesen Text nicht nur als Datensatz, sondern auch auf Papier gegossen zwischen zwei schicken Buchdeckeln zu besitzen.
Absolut exquisit und makellos: "Der bestrafte Ehrgeiz des Mondes" sowie "Das Lied der Banshee". Diese beiden Juwelen funkeln für mich am intensivsten.
Es ist aber die Gesamtheit, die Summe aller Geschichten dieser und der vorherigen Anthologien, die einen grandios erlesenen, glänzenden Genuss bietet!
Eine papierene Truhe, randgefüllt mit schimmernden Schätzen.

Veröffentlicht am 17.07.2020

Reden ist Silber, Schweigen ist Gold

Still
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Nach einem halben Leben mit exponentiell anwachsender Misanthropie ist mir nach Lektüre dieses Buches jetzt völlig klar, warum es mir z. B. nicht besonders schwerfällt, die asozialen Medien als Tummelplatz ...

Nach einem halben Leben mit exponentiell anwachsender Misanthropie ist mir nach Lektüre dieses Buches jetzt völlig klar, warum es mir z. B. nicht besonders schwerfällt, die asozialen Medien als Tummelplatz narzisstischer Selbstdarsteller zu meiden oder warum mir Gefühle wie Neid und Missgunst dermaßen fremd sind.
Obwohl Susan Cain sich hauptsächlich auf Gegebenheiten und Untersuchungen in den USA bezieht, treten „amerikanische Verhältnisse“ auch in Deutschland/Europa deutlich zutage. Die eigenen Erfahrungen sowie Beobachtungen machen das im Buch Beschriebene daher leicht nachvollziehbar. Ehrlich gesagt kam mir rein gar nichts davon abstrakt vor und das gibt einem eine Menge zu denken und Gottseidank nicht im negativen Grübelzwang-Sinne. Wiederkehrende Schockzustände und Unverständnis über Verhaltensweisen bestimmter Personen sowie der damit verbundenen Fragestellung, wie manche nur SO sein können, gehören jetzt hoffentlich der Vergangenheit an.
Dieses Werk hat mir eine tiefe Ruhe gegeben! Einfach zu wissen, daß es dort draußen viele gibt, die nicht gehört oder gesehen werden (wollen), weil sie eben nicht in die erste Reihe drängeln. Wenn man sich Zeit nimmt, genauer hinzuschauen, das Getöse der lauten Vordrängler ebenso wahrnimmt wie die sanften Töne der Stillen, kann sich daraus eine erstaunliche Mischung ergeben, von der beide Seiten profitieren können. Es gibt kein Richtig oder Falsch, entscheidend für den Nutzen ist der Umgang mit beidem.
Mein Lieblingszitat: „Die Fähigkeit des Menschen sich der Vernunft zu widersetzen braucht keine Beweispflicht.“
Für mich ist das Buch ein Pflaster, ein heilender Verband auf einer lange schwärenden Wunde. Oder die Eintrittskarte zu einer meiner mentalen WellnessOasen.
(Wer noch ein bißchen mehr Balsam benötigt, der kann die Seite wanderlust-introvert.com besuchen, von der ich diesen für mich sehr wichtigen Buchtipp habe.)

Veröffentlicht am 18.06.2020

Verflucht verworren und verdammt fad

Winters zerbrechlicher Fluch
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Das Wichtigste vorweg: vor dem Einfallsreichtum und dem Arbeitsaufwand, der in einem Werk wie diesem steckt, habe ich den allergrößten Respekt. Beides stelle ich nicht ansatzweise infrage. Ich bin mir ...

Das Wichtigste vorweg: vor dem Einfallsreichtum und dem Arbeitsaufwand, der in einem Werk wie diesem steckt, habe ich den allergrößten Respekt. Beides stelle ich nicht ansatzweise infrage. Ich bin mir sehr sicher, es hat die Autorin viel Zeit, Engagement und Herzblut gekostet, um „Winters zerbrechlicher Fluch“ zu vollenden und auf den Weg zu bringen. Ihrem Erstling der „Dreizehnten Fee“ bin ich damals mit Haut, Haar und Herz vollumfänglich verfallen. Ich habe gezittert, gelitten und geweint. Zum Schluss sind mir Herz und Augen schier übergelaufen. Dieses Buch hier ist komplett anders als die Fee und das nicht im positiven Sinne.
Mary von Athos als eine Hauptfigur bildet in allen Teilen einen krassen Gegensatz zur Fee. Das war für mich zunächst einmal überraschend und ziemlich schnell auch schwierig, denn ich liebe starke Frauenrollen. Natürlich muß dieser Charakter, nur weil alle anderen ihm nicht aufrichtig gegenübertreten, nicht zwangsläufig als Reaktion darauf durchtrieben und hinterhältig sein. Die Naivität von Mary wurde von mir also nicht von vornherein negativ besetzt. Genervt haben mich ihr Denken und ihr Verhalten in Extremen. Es hat einfach nicht zusammen gepasst. Eben noch über die Maßen tussig und prinzessinnenhaft, dann wieder völlig emotional beherrscht und roh im Verhalten sich selbst gegenüber. Solche Extreme im Denken und Handeln finden sich bei allen Figuren, weshalb ich einfach keinen Zugang zu ihnen finden konnte. Zu keiner einzigen. Stereotype will niemand, aber dieses „nicht Fisch, nicht Fleisch“ ist strapaziös. Ich möchte mir als Leser ein Bild von den Protagonisten machen können, das war hier überhaupt nicht möglich. Spannung konnten diese Gegensätze jedenfalls keine erzeugen, nur Verwirrung.
Ich liebe dunkle Märchen wirklich sehr und es darf auch gern mal ein bißchen rüder zugehen in Sprache und Taten, aber die manchmal sehr plötzlich auftauchenden Splatter- und Gemetzelbildchen (z. B. abgetrennte Pferdeköpfe auf Stadtmauern oder ein ausgeweideter weißer Wolf) wirkten ausnahmslos immer wüst hingeworfen und deplatziert. Mir hat sich wirklich jedes mal die Frage gestellt, was das jetzt an eben dieser Stelle zu suchen hat und was damit bezweckt wird. Ich bin nicht drauf gekommen. Außer das die Autorin auf Teufel-komm-raus bekannte Vorlagen einbinden wollte, ist die präsentierte Art und Weise nicht besonders gut gelungen. Es sei denn, sie hatte beabsichtigt, den Leser zu verstören. Das hat ganz gut funktioniert.
Ich habe Frau Adrians bei der Fee verwendeten reduzierten Stil und die kühlen Emotionen, klar wie Bergseen, sehr sehr sehr geliebt. Hier völlig anders und drüber: die Wortwahl. Der Versuch bildhafter Sprache ist meines Erachtens grundlegend in die Hose gegangen. Beispiel gefällig? „Bis zum Horizont zogen sich die Baumkronen – ein Meer aus Blut – einzig dort, wo der Silberfluss den Wald begrenzte, gruben sich schwarze Rauchsäulen wie Fahnen des Todes gen Firmament…“, ein Meer aus Blut? Es sind doch nur rote Blätter, um Himmelswillen! Fahnen des Todes? ja was sonst, meine Güte!!! Herzen drohen Brüste zu sprengen, Füße zu bersten, Wangen brennen vor Scham, Finger beben – jeder zweite Satz überladen mit Drama der schwülstigsten Art. Es wurde nicht gekleckert sondern geklotzt, in einem Maß, daß es - wenn auch nicht beabsichtigt - komisch wurde. Ich mußte oft schmunzeln, wenigstens das war möglich, aber völlig verfehlt.
Ebenso wenig zuträglich war es, als Leserin über wirklich alle Motive und Ziele der Handelnden im Unklaren gelassen zu werden. Nichts gegen Geheimnisse, Verschwörungen, Undurchsichtigkeiten. Wenn das aber ausnahmslos auf alle Charaktere zutrifft, dann wird es anstrengend. Die Kapitel sind kurz, es wird aus wechselnden Perspektiven und auf unterschiedlichen Zeitebenen berichtet. Wenn Kapitel auf Kapitel folgt, in denen der Leser nur klitzekleinste Andeutungen präsentiert bekommt und wenigste Informationen erhält, sich Seite um Seite der Aufklärung willen durchkämpft, dann wird es irgendwann müßig, dem Inhalt zu folgen. So habe ich es empfunden: als angestrengtes Tasten durch sehr dichten, sich partout nicht lichten wollenden Nebel, Tappen auf unwegsamsten Pfaden. Ständig mußte ich mich fragen: wer ist das wirklich und was will derjenige tatsächlich? Irgendwann bin ich nicht mehr mitgekommen. Mit dieser ultimativen und über die Maßen anstrengenden Geheimniskrämerei hat die Autorin es sehr wirkungsvoll hinbekommen, die Verbindung zu mir als Leserin zu kappen. Hut ab vor denen, die sich weiter durchgekämpft haben. Mir waren es irgendwann zu viele lose Enden, die ich ab Seite 283 auch gar nicht mehr verknüpft haben wollte. Mir ist es mittlerweile schnurzpiepegal, was hinter all dem und in der Geschichte überhaupt steckt. Hier wurde zu viel gewollt und zu wenig gekonnt, verschwendetes Potenzial.
Vom Inhalt abgesehen: was definitiv vermeidbar gewesen wäre und was mich richtig zornig macht, sind die Rechtschreib- und Grammatikfehler. Da werden 19,90 Euro für eine extraordinär aufgerüschte PaperbackGesamtausgabe verlangt, mit wunderschön gestaltetem Inhalt, Schrift, Bildchen, Cover… alles tippitoppi und dann bekommt man´s in der heutigen Zeit mit allen gängigen Programmen UND eingebundenem Lektorat/Korrektorat nicht hin, solche Schnitzer zu vermeiden? Das ist beschämend!
Mich hat „Winters zerbrechlicher Fluch“ wenig angesprochen, gar nicht berührt, oft verwirrt, manchmal abgestoßen und vor allen Dingen: unendlich angeödet.
Gekämpft, geflucht, gelangweilt, geflohen!!!