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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 23.10.2019

weder noch

Ein unerledigter Mord
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Ann Granger verknüpft in ihrem neusten Werk zwei ihrer bekanntesten Reihen. Sie verbindet durch einen ColdCase Meredith Mitchell und Alan Markby mit Jessica Campbell und Ian Carter.

Meine Erwartungen ...

Ann Granger verknüpft in ihrem neusten Werk zwei ihrer bekanntesten Reihen. Sie verbindet durch einen ColdCase Meredith Mitchell und Alan Markby mit Jessica Campbell und Ian Carter.

Meine Erwartungen an dieses i-Tüpfelchen der eigentlich längst beendeten Mitchell/MarkbySerie waren riesig.

Anfangs war es großartig, zu alten Bekannten zurückzukehren, mit denen man in den letzten Jahren immer wieder eine gute Zeit verbracht hat.

Nach wie vor gefällt mir der Kontrast ruhiger Beschaulichkeit zu abgründigen Abscheulichkeiten, wobei die Autorin auch hier ganz CozyCrime-like nie in´s Extrem abglitt.

Die Settings waren anschaulich und stimmungsvoll, zu kurz kam das Leben beider Ermittlerduos.

Ich habe erwartet, daß mehr auf die private Ebene der Hauptcharaktere eingegangen wird.

Für mein Empfinden stagniert die Geschichte in diesem Bereich, es ergibt sich allerwenigst bis nichts neues.

Einige Sachverhalte wurden kurz angerissen, bezogen sich aber auf bereits bekanntes aus den Vorgängerbänden.

Vielleicht sind der Autorin die Ideen ausgegangen (wie bei Lizzie Martin?), aber als Leserin wünsche ich mir gerade im Privatleben der Protagonisten einen Fortschritt.

Für mich ist das der rote Faden und verbindendes Element einer Reihe mit mehreren Bänden und bringt Spannung, Schwung und von mir aus auch Drama mit sich.

Das Fehlen des Fadens ging zu Lasten der Dynamik, die Charaktere wurden von Kapitel zu Kapitel langweiliger und hölzerner. Hier war für meinen Geschmack noch sehr viel Luft nach oben, vorhandenes Potential wurde nicht genutzt!

Mich hat es außerdem sehr gewundert, dem umfassenden Empathiemangel des ein oder anderen Charakters geschuldet, daß nicht noch mehr Leichen aufgetaucht sind…

Anfangs hielt ich es für Schrulligkeit (ich liebe Schrullen, Tante Nina hat mir ausnahmslos von ALLEN am besten gefallen!), aber schlussendlich agierten etliche Protagonisten nicht mal mehr schräg im positiven Sinne, sondern waren in ihrer Art einfach er- und abschreckend.

Da hätte ich mir feinere Nuancierungen gewünscht und nicht solche platten Konstrukte.

Auch fand ich manche Entwicklungen schlichtweg zu unglaubwürdig. Beispielhaft dafür die Auflösung darüber, wer die Leiche aus welchen Gründen vergraben hat…

Der nun wohl wirklich letzte Band einer Reihe, die damit dann auch tatsächlich beendet sein sollte.

Wenn Ann Granger künftig nicht besonders heftig und extraordinär von der Muse geküsst wird, bedarf es keiner weiteren Fortsetzung.

Vielleicht ist der Musenkuss aber schon anderweitig erfolgt und wir können den Start einer neuen Reihe erwarten, diesmal mit einem ermittelnden Klavierstimmer? Nachtigall ick hör dir trapsen.

Trotz ihres Bekanntheitsgrades und damit verbundener Auflagenstärke liefert sie für meinen Geschmack immer weniger und bleibt immer weiter hinter meinen Erwartungen zurück.

Für mich war es definitiv das letzte Grangersche Werk. Ich bin überzeugt, es gibt Besseres.

Veröffentlicht am 27.09.2019

Bittersweet Symphony

Das Labyrinth des Fauns
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„Alles Verlorene kann wiedergefunden werden.“

Wer den Film kennt wird bemerken, daß die Lektüre in einem doch sehr unschuldig wirkenden Cover daherkommt.

Aufwändig mit allerlei Raffinesse gestaltet, ...

„Alles Verlorene kann wiedergefunden werden.“

Wer den Film kennt wird bemerken, daß die Lektüre in einem doch sehr unschuldig wirkenden Cover daherkommt.

Aufwändig mit allerlei Raffinesse gestaltet, dunkel zwar, aber mystisch verspielt wie viele All-Ager.

„Tintenherz“ hatte mich damals so sehr gelangweilt, daß ich über den ersten Teil der Trilogie nicht hinausgekommen bin.

Ich war bei Veröffentlichung des Faun´schen Labyrinth´s vor allem darauf gespannt, wie eine Bestsellerautorin von Jugendbüchern die in ihrer Brutalität schockierenden Filmszenen umgesetzt hat.

Mit kritischsten Stirnfalten habe ich die Leseprobe begonnen. Den Prolog habe ich gut verkraftet, aber es brauchte tatsächlich nur vier Sätze im ersten Kapitel, um Hirn und Herz dahinschmelzen zu lassen.

Ich kann mich nur an ein Buch erinnern, das mich nach so wenigen Worten dermaßen stark faszinieren konnte. Ein literarischer Schockzauber einer sehr mächtigen Künstlerin. Über die Augen direkt die Leseseele getroffen und gebannt.

Für mich beinhaltet dieses Buch einen der schönsten in Worte gefassten Anfänge, die ich je gelesen habe. Der Wald ist ein Geheimnis, dunkelmagisch leuchtend und ich schritt hinein in ihn und seine Geschichte und vergaß alles um mich herum.

Noch keine 20 Seiten... und jede Menge Sätze, die ich in einer Kindle-Version für mein Clipboard markiert hätte. („Hätte“ weil ich entgegen meiner Gewohnheit – ohne es bereut zu haben – mir die HardcoverAusgabe gegönnt habe. Den Preis finde ich trotzdem unverschämt. Da krickel ich dann schon gar nicht drin rum, nicht mit Textmarker und auch nicht mit Bleistift!)

Noch keine 50 Seiten... und die inhaltlich erwartete Bestätigung für die im Vorfeld angezweifelte Altersfreigabe. Trotz der fantastischen Elemente ist das Buch nah am Leben. Vielleicht zu nah, was die Grausamkeit betrifft. Das Leben einer Prinzessin in einem unterirdischen Reich ist die eine Seite, die Gräueltaten während des spanischen Bürgerkriegs die andere, die man einem jungen Lesepublikum in dieser Art und Weise noch nicht zwingend verdeutlichen muß. Mit dem „Labyrinth des Fauns“ ist definitiv kein Märchen im Disney-Stil zu erwarten – es ist düster, es ist brutal, es ist pervers. Die Freigabe ab 14 halte ich für fragwürdig.

Der Wald bildet mit der Mühle, dem Labyrinth und seinen Bäumen als verbindendes Element zwischen Ober- und Unterwelt ein starkes, einnehmendes Setting. Die Erzählweise ist unaufdringlich poetisch, aber umso eindrücklicher. Episoden aus der Vergangenheit der Unterwelt verbinden sich über Details und Elemente mit der gegenwärtigen Realität. Dieses Konstrukt ist so gelungen, daß die Grenzen beider Welten für den Leser verwischen.

Das Buch wird mich, ebenso wie der Film, noch lange lange beschäftigen. Ich bin gefühlsmäßig implodiert. Am Ende waren Hirn und Herz roh und zerfetzt, aber ebenso friedlich und getröstet. Film wie Buch sind nichts für zarte Nerven und Seelen.

Veröffentlicht am 23.08.2019

Ohne Vergangenheit keine Zukunft

Ich. Darf. Nicht. Schlafen.
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Thriller gehören nicht zu meinem bevorzugten Genre, aber ab und an dürfen die Nerven ein bißchen gekitzelt werden...
Die Protagonistin Christine befindet sich in einer für sie beinahe ausweglosen Situation. ...

Thriller gehören nicht zu meinem bevorzugten Genre, aber ab und an dürfen die Nerven ein bißchen gekitzelt werden...
Die Protagonistin Christine befindet sich in einer für sie beinahe ausweglosen Situation. Jede Nacht auf´s Neue verliert sie all ihre Erinnerungen, ihre gesamte Identität. Mithilfe eines Tagebuchs und Ihres Arztes gewinnt sie ein wenig Kontrolle über ihr Leben zurück. Ihre fast unbeherrschbare Lage spiegelt sich in weiteren Extremen: Sie schwankt in kürzester Zeit zwischen Vertrauen/Misstrauen, Wahrheit/Lüge.
Aufgrund ihres Gedächtnisverlustes hat sie einiges zu durchleiden. Christine reagiert sowohl körperlich als auch emotional darauf, aber die Emotionen kamen nicht rüber. Die Abläufe ihrer Handlungen, ihre Gedanken sind nüchtern beschrieben, wirken damit abgeklärt wie die Nachrichten der Tagesschau. Auf der Gefühlsebene konnte mich die Geschichte definitiv nicht erreichen. Mir blieb der Charakter von Christine fern, ich war eine distanzierte Beobachterin der Ereignisse.
Im Vordergrund stand die Spannung, ausgelöst durch die Ungewissheit, welchem Geheimnis man eigentlich auf der Spur ist. Tag für Tag setzt man zusammen mit der Protagonistin die Fragmente ihres Lebens zusammen. Wem kann man trauen, was glauben?
Die Verwirrspiele waren solide konstruiert und unterhaltsam, haben mir aber nicht den Atem geraubt. Zum Schluss klärt sich alles auf und der Ausgang mit seinem halboffenen Ende hat mir gut gefallen.

Veröffentlicht am 16.08.2019

Nicht alle Engel haben Flügel, manche haben Pfoten

Ich gehöre zu dir
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Ich weiß nicht, was ich erwartet habe, aber: DAS NICHT!
Vier Dekaden Leseleben und das ist das Buch, bei dem ich die meisten Tränen vergossen habe.
Permanent sind sie auf die Seiten getropft und haben ...

Ich weiß nicht, was ich erwartet habe, aber: DAS NICHT!
Vier Dekaden Leseleben und das ist das Buch, bei dem ich die meisten Tränen vergossen habe.
Permanent sind sie auf die Seiten getropft und haben das Papier gewellt, während ich Toby-Bailey-Ellie-Buddy´s Seelenwanderung von einer Wiedergeburt zur nächsten folgte.
Zu Beginn hatte ich auf jeder Seite Angst um dieses kleine, zerbrechliche Wesen. Mir imponierte sein Mut, seine Entschlossenheit und dieses große große Herz. Während der Reise durch Zeit und Raum begegneten wir vielen besonderen Menschen und einzigartigen Geschöpfen. Und egal, was passierte, der Hund nahm es an und ließ sich darauf ein. Das Leben pulsierte, die positive Energie ließ mir das Herz aufgehen.
Irgendwann war ich durchdrungen von dieser allumfassenden, unerschütterlichen Zuversicht, die ungebändigt zwischen den Buchdeckeln hervorströmte. An dieser Geschichte kann man seine Seele wärmen!

Veröffentlicht am 28.07.2019

Cose della vita

Unter dem Limonenhimmel
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Dies ist der zweite Teil einer Reihe und man kann ihn lesen, ohne den Vorgängerband zu kennen.
In manchen Kapiteln nimmt die Autorin Bezug auf Geschehnisse des ersten Teils und kennzeichnet diese mit einem ...

Dies ist der zweite Teil einer Reihe und man kann ihn lesen, ohne den Vorgängerband zu kennen.
In manchen Kapiteln nimmt die Autorin Bezug auf Geschehnisse des ersten Teils und kennzeichnet diese mit einem Sternchen. Damit hat sie erfolgreich meine Neugier geweckt und ich werde Teil eins auch noch lesen, denn: Dieses Buch war so viel besser als erwartet. Lesezeit war Urlaubszeit!
Selten standen mir Charaktere und Schauplätze dermaßen deutlich vor Augen. Ohne große Anstrengungen konnte ich mir alles genauestens vorstellen, es war lebendig, authentisch, ich war praktisch vor Ort!!!
Obwohl ich manchmal dachte zu wissen, wie sich die Geschichte weiterspinnt oder sogar wie sich das Ende gestaltet, wurde ich, wenn auch nicht immer, mit einigen Wendungen überrascht.
Kapitelweise entrollt sich die Handlung aus der Perspektive verschiedener Hauptakteure. Die Leserin "hüpft" von einem Charakter zum anderen und manchmal auch in die Vergangenheit. Das ausgeprägte Talent der Autorin, einen die Welt durch die Augen der verschiedenen Protagonisten sehen zu lassen, fand ich sehr beeindruckend. Herausragend ist ihr dies mit der kindlichen Gefühls- und Gedankenwelt des kleinen Marco gelungen. Man kann die Sorgen, Nöte und Freuden nachempfinden und fühlt sich in der Zeit zurückversetzt in sein eigenes jüngeres Ich.
Erfreulicherweise ist nicht alles nur dolce vita sondern auch hin und wieder schweres Schicksal, aber: alles ist durchdrungen vom unglaublichen Flair ungebändigter italienischer Lebenslust. Molto bene!