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Veröffentlicht am 09.01.2021

Geschichten über Reisende

Über alte Wege
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Ausgehend von seiner Begeisterung für die Idee der Europastraßen erzählt Mathjis Deen hier von acht Personen aus mehreren Jahrtausenden, die durch Europa reisten, um eine Heimat zu finden, Krieg zu führen, ...

Ausgehend von seiner Begeisterung für die Idee der Europastraßen erzählt Mathjis Deen hier von acht Personen aus mehreren Jahrtausenden, die durch Europa reisten, um eine Heimat zu finden, Krieg zu führen, zu Pilgern oder ihren Leidenschaften nachzugehen.
Der Autor hat dafür offenbar gründlich recherchiert und viele der Stationen der beschriebenen Reisen persönlich besucht sowie mit „Experten“ über die jeweiligen Reisenden und deren Epoche gesprochen.
Seine Erkenntnisse verdichtet er dann jeweils zu einer romanhaften Erzählung, welche seine Interpretation der Geschehnisse wiedergibt.
Der Stil ist dabei eingängig, teilweise aber schon fast zu blumig und weitschweifig, wenn Details am Wegesrand ausführlich beschrieben werden.
Es gelingt dabei immerhin ganz gut, die verschiedenen Zwecke von Reisen zu illustrieren und darzustellen, wie sich das Reisen im Laufe der Zeit geändert hat, welche Faktoren aber auch gleich geblieben sind.
Für mich hat allerdings der rote Faden gefehlt. Man begegnet einem interessanten Protagonisten nach dem anderen. Aber abgesehen davon, dass sie sich durch Europa bewegten, haben sie nicht viel miteinander gemein.

Veröffentlicht am 09.01.2021

Poetische, aber für mich zu langatmige Geschichte

Die Hüterin der verlorenen Dinge
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Im Gegensatz zu den anderen Romanen, die ich bisher von Nicole C Vosseler gelesen habe, ist dieser hier in der Gegenwart angesiedelt –im New York des Jahres 2017.
Die 23jährige Ivy hat es immer noch nicht ...

Im Gegensatz zu den anderen Romanen, die ich bisher von Nicole C Vosseler gelesen habe, ist dieser hier in der Gegenwart angesiedelt –im New York des Jahres 2017.
Die 23jährige Ivy hat es immer noch nicht überwunden, dass ihre Mutter vor über zwölf Jahren plötzlich spurlos verschwunden ist. Sie führt ein zurückgezogenes Leben, das sie der Jagd nach verlorenen Dingen und verborgenen Informationen widmet. Auch als ihr der sympathische Künstlertyp Jack begegnet, möchte sie sich nicht auf ihn einlassen.
Erst als ihr Vater, ein erfolgreicher Schriftsteller, ihre Mutter für tot erklären lassen will, kann sie sich dazu aufraffen, auf Spurensuche in ihrer Vergangenheit zu gehen.

So widmet sich dieser Roman dem ergreifenden Thema der „mutterlosen Töchter“. Er ist auch in einem einfühlsamen Stil geschrieben, mit viel Liebe zum Detail.
Vor allem der Beginn gestaltet sich für meinen Geschmack jedoch zu gemächlich. Die Handlung besteht hier weitgehend daraus, dass Ivy über die Vergangenheit nachdenkt, alleine oder gemeinsam mit Jack irgendwelche Museen oder Sehenswürdigkeiten besucht oder Gespräche mit Vater und „Stiefmutter“ führt.
Erst ab ca der Hälfte „geschieht“ wirklich etwas und es wird endlich ein bisschen Spannung erzeugt. Dabei gibt es auch einige überraschende Wendungen.
Obwohl manches unrealistisch wirkt und ich Ivys Gedanken und Handlungen öfters nicht recht nachvollziehen konnte, wird die Geschichte doch zu einem stimmigen Abschluss gebracht.

Fazit: Es handelt sich hier tatsächlich um eine poetische Geschichte, die sich um Dinge wie schwierige Beziehungsgeflechte innerhalb einer Familie und Verlassenwerden dreht – und vielen Liebhabern von eher ruhigen Büchern gefallen wird.
Für meinen Geschmack war sie leider zu langatmig, weshalb der Funke nicht recht übergesprungen ist.

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 09.01.2021

Düstere Fantasy-Welt

Die Chroniken von Alice - Finsternis im Wunderland
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Eigentlich ist Fantasy nicht so mein Fall. Da ich als Kind gern „Alice im Wunderland“ gesehen habe, hat dieser Roman aber doch mein Interesse geweckt. Mit dem Kinderbuch hat er erwartungsgemäß wenig gemein: ...

Eigentlich ist Fantasy nicht so mein Fall. Da ich als Kind gern „Alice im Wunderland“ gesehen habe, hat dieser Roman aber doch mein Interesse geweckt. Mit dem Kinderbuch hat er erwartungsgemäß wenig gemein:
Alice, die nach der Begegnung mit einem Mann mit langen Kaninchenohren traumatisiert ist, und der Axtmörder Hatcher entkommen gemeinsam aus einem Irrenhaus. Nun liegt es an ihnen, den gefährlichen Jabberwock zu bezwingen, von dessen Existenz sonst kaum jemand ahnt. Sie müssen sich dazu in die dunkelsten Gegenden der „Alten Stadt“ wagen und sich den Erinnerungen an ihre Vergangenheit stellen.

So entführt dieses Buch in eine eher düstere Fantasy-Welt voll von magischen Elementen. An sich gut gestaltet, jedoch teilweise unlogisch bzw auch in sich inkonsistent.
Die Handlung besteht großteils daraus, dass Alice und Hatcher sich vor etwas fürchten oder jemanden umbringen. Ein bisschen Spannung wird dabei zwar schon aufgebaut, wirklich fesseln konnte es mich allerdings nicht. Auch finde ich es unglaubwürdig, wie gut ihnen letztlich alles gelingt und wie schnell der „Showdown“ am Ende abgehandelt ist.
Das Ganze wird in einem einfachen, aber immerhin flotten Stil erzählt.

Fazit: Eine besonders ausgefeilte Handlung oder nachvollziehbare Charakterisierung der Protagonisten darf man hier nicht erwarten. Die Idee ist aber doch originell und für Fans des Genres hat es sicher einen entsprechenden Unterhaltungswert.

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 09.01.2021

Wenig lebendig und zu banal

Das stumme Tal
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Dieser von einer wahren Begebenheit inspirierte Roman erzählt von einem spektakulären Verbrechen, das sich Ende des 19. Jahrhunderts in der abgelegenen Tiroler Gemeinde Stumm zugetragen hat.
Die Geschichte ...

Dieser von einer wahren Begebenheit inspirierte Roman erzählt von einem spektakulären Verbrechen, das sich Ende des 19. Jahrhunderts in der abgelegenen Tiroler Gemeinde Stumm zugetragen hat.
Die Geschichte spielt auf mehreren Zeitebenen, die abwechselnd besucht werden:
Die vierjährige Amelia entkommt als einzige einem Drama, das sich auf dem Baumgartnerhof zugetragen hat. Sie flieht ins Tal und ist so geschockt, dass sie nur einzelne Wortfetzen über Feuer und Blut von sich geben kann. Der Bauer Hans Erl und seine Frau nehmen sich des verstörten Mädchens an.
Einige Zeit später findet das Gerichtsverfahren gegen die mutmaßlichen Täter statt. Auch Amelia und Erl sind als Zeugen geladen und die Aussage eines so kleinen Kindes sorgt für einige Aufregung.
Viele Jahre danach kehrt Amelia wegen des Todes ihrer Ziehmutter nach Stumm zurück. Sie hat die Erinnerung an den Schrecken ihrer Kindheit großteils verloren, wird jedoch zusehends von seltsamen Träumen geplagt.

Diese Ausgangssituation hätte durchaus Potential. Dennoch konnte mich die Sache nicht packen. Die düstere Atmosphäre, in der die Menschen was ihre Gedanken und Gefühle betrifft tatsächlich „stumm“ sind, wird zwar ganz gut eingefangen.
Die Protagonisten sind aber zu wenig lebendig, scheinen nur in ihrer jeweiligen „Rolle“ zu existieren und darüber hinaus keine echte Persönlichkeit zu besitzen.
Vor allem zu der inzwischen erwachsenen Amelia konnte ich keine rechte Verbindung aufbauen und ihre Handlungen nicht nachvollziehen. Die Geschehnisse nach dem Brand werden etwas eindrucksvoller geschildert und können zumindest stellenweise etwas Mitgefühl wecken.
Wirkliche Spannung kommt jedoch nie auf. Bei aller Tragik ist die Handlung letztlich doch zu banal und die Auflösung nicht wirklich überraschend und teilweise unglaubwürdig.
Außerdem wird die Geschichte durch die zu kurzen Kapitel (über 60 auf 220 Seiten) zu sehr zerstückelt.

Eigentlich schade – man hätte, wie gesagt, mehr daraus machen können.

  • Cover
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  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 09.01.2021

Zu ausschweifend und zu britisch

Ins Unbekannte
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Der Autor unternimmt hier eine Reise um die Welt– von Cornwall Richtung Osten bis er schließlich im Westen wieder ankommt - mit15 Stationen, unter anderem Baku, Delhli, Singapur, Tasmanien Manhattan oder ...

Der Autor unternimmt hier eine Reise um die Welt– von Cornwall Richtung Osten bis er schließlich im Westen wieder ankommt - mit15 Stationen, unter anderem Baku, Delhli, Singapur, Tasmanien Manhattan oder Frankfurt. Er erzählt jeweils, was er selbst in der entsprechenden Region erlebt hat und gibt Einblicke in deren Geschichte.
Dabei wird jedoch ein zu großer Schwerpunkt auf Tätigkeiten und Einflüsse der jeweiligen Kolonialmächte, und hier insbesondere der Briten, gelegt. Bezüglich mancher Orte, deren Geschichte vor Eintreffen der Europäer weniger gründlich erforscht ist oder einfach nicht viel hergibt, wäre dies bis zu einem gewissen Grad noch verständlich. Aber auch beispielsweise bei Indien, wo es bereits eine Hochkultur gab als die Bewohner Englands noch „auf Bäumen lebten“ sieht es nicht wesentlich besser aus.
Vermutlich ist mir dies auch deshalb so negativ aufgefallen, weil diejenigen Dinge, über die berichtet wird, dafür in zu großer Detailliertheit geschildert und etwa regelmäßig die Lebensgeschichten irgendwelcher Politiker oder Kolonialbeamter zum Besten gegeben werden.
Selbst viele an sich interessante Bemerkungen gehen in dieser Flut unter.
Teilweise wird das alles zwar noch durch persönlich gefärbte Geschichten aufgelockert. Dennoch empfand ich die Lektüre zunehmend als anstrengend. Weniger wäre mehr gewesen und für Leute, die den einen oder anderen Punkt genauer betrachten wollen, gäbe es ja die Literaturhinweise. (Hierbei wäre vielleicht eine kurze Liste mit Überblicks-Werken pro Kapitel schön gewesen.)

Positiv hervorheben möchte ich jedoch noch die Tätigkeit der Übersetzer, die eine Reihe hilfreicher Anmerkungen eingefügt haben, welche zusätzliche Informationen enthalten oder Nicht-Briten dabei helfen, die eine oder andere Aussage in den richtigen Kontext zu setzen.

  • Cover
  • Erzählstil