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Veröffentlicht am 09.01.2021

Drei Kurz-Krimis mit (vor)weihnachtlichem Flair

Englein, Mord und Christbaumkugel
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Wie bereits in einigen früheren Büchern hat Manfred Baumann hier wieder Kurzkrimis rund um das Thema Weihnachten versammelt.
Gleich am Anfang wird der Besuch von Martin Merana und seiner Großmutter am ...

Wie bereits in einigen früheren Büchern hat Manfred Baumann hier wieder Kurzkrimis rund um das Thema Weihnachten versammelt.
Gleich am Anfang wird der Besuch von Martin Merana und seiner Großmutter am Hellbrunner Weihnachtsmarkt von einem Mord überschattet.
Danach muss sich eine frischgebackene Privatdetektivin in einem Einkaufszentrum bewähren.
Zu guter Letzt macht eine Anglöcklergruppe bei ihrer Tour durch den winterlichen Flachgau eine grausige Entdeckung, die vor allem eines ihrer Mitglieder besonders mitnimmt.

In den Geschichten blitzt immer wieder weihnachtliche Stimmung auf und es werden einige Informationen rund um Weihnachtsbräuche in Stadt und Land Salzburg eingeflochten.
Der Erzählstil ist eher ruhig und trotz der Kürze mit viel Liebe zum Detail.
Die auftretenden Personen sind großteils interessante Charaktere und werden lebendig beschrieben. Manche wirken etwas überzeichnet oder klischeehaft – was dem Unterhaltungswert aber keinen Abbruch tut.
Es kommt allerdings wenig krimi-typische Spannung auf. Meist ist vorhersehbar, wer für die Taten verantwortlich ist.

Dennoch eine kurzweilige Lektüre, die sich perfekt für die Adventszeit eignet.

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 09.01.2021

Portrait einer interessanten historischen Persönlichkeit

Ich, Eleonore, Königin zweier Reiche
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Bei Eleonore von Aquitanien (bzw Alienor wie ihr Name auf Okzitanisch ausgesprochen wurde) handelt es sich um eine der schillerndsten Persönlichkeiten des Mittelalters. Kein Wunder also, dass sie immer ...

Bei Eleonore von Aquitanien (bzw Alienor wie ihr Name auf Okzitanisch ausgesprochen wurde) handelt es sich um eine der schillerndsten Persönlichkeiten des Mittelalters. Kein Wunder also, dass sie immer wieder als Haupt- oder auch Nebenfigur in historischen Romanen auftaucht. So hat auch Sabine Weigand ihr hier ein Buch gewidmet:
Die inzwischen fast 80-jährigeAlienor unternimmt mit ihrer Enkelin Blanche die Reise von Kastilien nach Frankreich wo Blanche den französischen Thronfolger heiraten soll.
Unterwegs haben die beiden viel Zeit, sich zu unterhalten, und so erzählt Alienor ihre ganze Lebensgeschichte – von ihrer glücklichen Jugend in Aquitanien, ihren wechselhaften Beziehungen zu ihren Ehemännern und all den Dramen und Schicksalsschlägen, die ihren Lebensweg zeichneten.
Dazwischen werden immer wieder Rückblicke eingeflochten und gelegentlich kommen auch andere Personen zu Wort.

Sicher gab es für die Autorin einigen Interpretationsspielraum bezüglich Alienors „wahrer“ Persönlichkeit und der Motivationen für ihre Handlungen. Es ist ihr aber jedenfalls gut gelungen, ein nachvollziehbares Bild der Vergangenheit zu zeichnen und ich konnte mich in die Protagonistin wie auch ihre Zeitgenossen meist gut hineinversetzen und mit ihnen mitfühlen. Sie wirken andererseits aber auch nicht zu „modern“.
Hinsichtlich der historischen Fakten, beispielsweise mancher Jahreszahlen, haben sich ein paar kleine Fehler eingeschlichen. Alles in allem dürfte der Inhalt dennoch gut und gründlich recherchiert sein. Dies zeigt auch das ausführliche Nachwort, aus welchem hervorgeht, dass ein relativ großer Teil der Handlung auf realen Überlieferungen beruht, und das auch weiterführende Literaturhinweise enthält.
Natürlich ist für Leser, die bereits andere Romane etc aus der betreffenden Zeit kennen, der Ablauf der Geschehnisse als solches vorhersehbar. Alienors persönliche Anmerkungen oder auch die Gespräche mit ihrer Enkelin machen die Lektüre aber doch unterhaltsam.
Der Erzählstil lässt mittelalterliches Flair aufkommen und die häufigen Wechsel von Schauplätzen und Zeitebenen sowie die eingestreuten Zitate aus historischen Quellen sorgen für Abwechslung.
Nur gegen Ende ging mir manches zu schnell.

Alles in allem ein lesenswertes Portrait einer interessanten historischen Persönlichkeit.

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 09.01.2021

Freiheit ist keine Selbstverständlichkeit

Der Wert der Geschichte
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Der Autor zeigt in diesem Buch auf, dass viele der Rechte und Freiheiten, die für uns heute selbstverständlich sind (oder zumindest zu sein scheinen) historisch betrachtet relativ neue Errungenschaften ...

Der Autor zeigt in diesem Buch auf, dass viele der Rechte und Freiheiten, die für uns heute selbstverständlich sind (oder zumindest zu sein scheinen) historisch betrachtet relativ neue Errungenschaften darstellen.
Er untersucht dazu, wie sich die Ansichten bezüglich der Bedeutung von Religionen, der Rechte der Frauen, Wahlrecht, Nationalismus, Krieg und Marktwirtschaft in den letzten Jahrhunderten gewandelt haben.
Seine Ausführungen sind zwar eher trocken, dennoch ist es interessant, den diversen Entwicklungslinien zu folgen. Dabei werden auch einige populäre Annahmen relativiert, etwa, dass die Aufklärung oder die französische Revolution automatisch zu mehr Freiheiten geführt hätten.

So ist dies ein gelungenes Plädoyer sowohl für eine intensivere Auseinandersetzung mit unserer Vergangenheit als auch dafür, Gefährdungen unserer demokratischen und rechtsstaatlichen Ordnung gegenüber wachsam zu sein.
Mich hat nur ein bisschen gestört, dass der Autor über weite Strecken von der Prämisse ausgeht, dass die im heutigen Deutschland vorherrschenden Meinungen die einzig richtigen sind, wir gewissermaßen in der „besten aller Zeiten“ leben. (Die einzige echte Ausnahme stellt das Wirtschaftssystem dar, wobei er hier einen Weg hin zu einer gerechteren Vermögensverteilung skizziert, der es wohl wert wäre, weiter verfolgt zu werden.) Wenngleich ich ihm in den allermeisten Fällen zustimmen kann, wäre doch eine etwas differenziertere bzw „offiziell“ objektive Betrachtung einem wissenschaftlichen Werk angemessener gewesen.

Veröffentlicht am 09.01.2021

Ein paar nützliche Tipps, aber auch viele Allgemeinplätze und Selbstbeweihräucherungen

Die verblüffende Macht der Sprache
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Dieses Buch verfolgt das durchaus ambitionierte Ziel, die Wirkung der Sprache in allerlei Situationen auszuloten und zu erklären, wie diese richtig angewendet werden sollte, um dem Sprecher Vorteile zu ...

Dieses Buch verfolgt das durchaus ambitionierte Ziel, die Wirkung der Sprache in allerlei Situationen auszuloten und zu erklären, wie diese richtig angewendet werden sollte, um dem Sprecher Vorteile zu verschaffen.
Auch der Ansatz, zunächst die Funktionsweise des Gehirns zu beschreiben, da die Sprache schließlich dort ihre Wirkung entfaltet, ist grundsätzlich gut. Bereits hier fällt aber die oberflächliche Herangehensweise des Autors auf. Es werden ein paar Informationsfetzen verarbeitet, wie sie sich auch regelmäßig in normalen Medienberichten finden, wirklich in die Tiefe gehen die Ausführungen aber nicht.
Auch der Rest des Buches – in dem verschiedene Situationen, etwa aus den Bereichen Sport, Politik, Berufsleben oder Beziehungen, durchgegangen und daraufhin untersucht werden, welche sprachlichen Kniffe hier positive oder negative Wirkungen erzielen können - wirkt stellenweise eher wie „Küchenpsychologie“ als wie die Aussagen eines Fachmanns.
Bei einigen der präsentierten Beispiele spielt außerdem weniger die Sprache als solches eine Rolle, sondern kommt es vielmehr auf den reinen Inhalt der jeweiligen Aussage an.
Dazwischen erzählt der Autor immer wieder davon, was er schon alles gemacht, mit wem er bereits zusammengearbeitet hat und welch tolle Ideen er hatte. Auch lässt er häufig abfällige Bemerkungen darüber einfließen, wie die Dinge in anderen populärwissenschaftlichen Ratgebern dargestellt werden. Mit letzterem hat er zwar öfters nicht unrecht, ich habe jedoch nicht den Eindruck, dass seine eigenen Empfehlungen über jeden Zweifel erhaben sind.

Fazit: Für Leute, die sich zuvor noch kaum mit dem Thema befasst haben, mag dieses Buch ein paar nützliche Gedankenanstöße oder Tipps bereithalten. Ich selbst habe dadurch allerdings keine großartigen neuen Erkenntnisse gewonnen.

Veröffentlicht am 09.01.2021

Geschichten über Reisende

Über alte Wege
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Ausgehend von seiner Begeisterung für die Idee der Europastraßen erzählt Mathjis Deen hier von acht Personen aus mehreren Jahrtausenden, die durch Europa reisten, um eine Heimat zu finden, Krieg zu führen, ...

Ausgehend von seiner Begeisterung für die Idee der Europastraßen erzählt Mathjis Deen hier von acht Personen aus mehreren Jahrtausenden, die durch Europa reisten, um eine Heimat zu finden, Krieg zu führen, zu Pilgern oder ihren Leidenschaften nachzugehen.
Der Autor hat dafür offenbar gründlich recherchiert und viele der Stationen der beschriebenen Reisen persönlich besucht sowie mit „Experten“ über die jeweiligen Reisenden und deren Epoche gesprochen.
Seine Erkenntnisse verdichtet er dann jeweils zu einer romanhaften Erzählung, welche seine Interpretation der Geschehnisse wiedergibt.
Der Stil ist dabei eingängig, teilweise aber schon fast zu blumig und weitschweifig, wenn Details am Wegesrand ausführlich beschrieben werden.
Es gelingt dabei immerhin ganz gut, die verschiedenen Zwecke von Reisen zu illustrieren und darzustellen, wie sich das Reisen im Laufe der Zeit geändert hat, welche Faktoren aber auch gleich geblieben sind.
Für mich hat allerdings der rote Faden gefehlt. Man begegnet einem interessanten Protagonisten nach dem anderen. Aber abgesehen davon, dass sie sich durch Europa bewegten, haben sie nicht viel miteinander gemein.