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Veröffentlicht am 22.10.2017

Interessante Ausgangssituation, enttäuschendes Ende

Taschenbücher / Borderlands
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Dezember 2002: Wenige Tage vor Weihnachten wird im Grenzgebiet zwischen der Republik Irland und Nordirland die fast nackte Leiche der 15jährigen Angela Cashell gefunden. Dies wird nicht der einzige Todesfall ...

Dezember 2002: Wenige Tage vor Weihnachten wird im Grenzgebiet zwischen der Republik Irland und Nordirland die fast nackte Leiche der 15jährigen Angela Cashell gefunden. Dies wird nicht der einzige Todesfall bleiben, mit dem Inspektor Devlin und seine Kollegen von An Garda sich in den nächsten Tagen auseinander setzen müssen. Sie heften sich auf die Spur eines Verbrechens, dessen Wurzeln bereits Jahrzehnte zurückliegen.

Diese Ausgangssituation fand ich schon reizvoll und obwohl der Autor aus einigen interessanten Ansätzen, vor allem der Ansiedelung der Handlung in einem Grenzgebiet und den sich daraus ergebenden Zuständigkeitskonflikten, mehr hätte machen können, hat mir der Großteil des Buches sehr gut gefallen.
Es wird viel Spannung aufgebaut und eine Reihe von Fragen und Hinweisen tauchen auf, die während des Lesens zum Miträtseln animieren.
Ben Devlin wirkt sympathisch, kein Superheld, sondern ein Mensch, der auch mal Fehler macht und im Berufs- wie auch im Privatleben nicht auf alles eine Antwort weiß und schon mal eine falsche Entscheidung trifft.
Ermittelt wird überwiegend mit „guter alter“ Polizeiarbeit, ohne allzu viel technisches Schnickschnack.

Das Ende hat mich dann allerdings enttäuscht.
Während der Rest des Buches in eher gemächlichem Tempo voranschreitet, sollte wohl auf den letzten Seiten noch schnell für etwas Action gesorgt werden, der Ausgang dieser „dramatischen“ Szenen ist allerdings ziemlich vorhersehbar. Ich hatte den Eindruck, dass der Autor auf diese Weise darüber hinwegtäuschen will, dass es ihm nicht gelingt, seine Geschichte zu einem insgesamt stimmigen Abschluss zu bringen. Es bleiben eine Reihe von Ungereimtheiten und viele offene Fragen.

Veröffentlicht am 18.06.2021

Interessante Themen in etwas durchwachsener Darstellung

Eine Handvoll Senfkörner
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Diese Fortsetzung von „Gelber Krokus“ erzählt vom Schicksal der Familien von Mattie und Lisbeth im Jahr 1868:
Matties Tochter Jordan arbeitet als Lehrerin im liberalen Ohio und engagiert sich für die ...

Diese Fortsetzung von „Gelber Krokus“ erzählt vom Schicksal der Familien von Mattie und Lisbeth im Jahr 1868:
Matties Tochter Jordan arbeitet als Lehrerin im liberalen Ohio und engagiert sich für die Rechte der Frauen. Dass es sich bei ihrer Familie um ehemalige Sklaven handelt, interessiert sie dagegen wenig, scheint deren Befreiung doch bereits erreicht. Als sie mit ihrer Mutter und ihrem Bruder nach Virginia reist, ist sie daher von den dortigen Verhältnissen schockiert.
Zur selben Zeit ist auch Lisbeth, die zu ihrer früheren Amme Mattie noch immer ein freundschaftliches Verhältnis pflegt, gemeinsam mit ihren Kindern dort zu Besuch, weil ihr Vater im Sterben liegt. Sie hofft auf eine Aussöhnung mit ihrer Mutter und ihrem Bruder, doch die familieninternen Differenzen und Kränkungen gehen tief.

Diese Geschichte wird abwechselnd aus Jordans und Lisbeths Perspektive erzählt. Sie liest sich flott und ich konnte mich überwiegend gut in die Protagonistinnen hineinversetzen und etwa ihre Beklemmung angesichts der schlimmen Folgen des Bürgerkrieges für die Bevölkerung oder Jordans Entsetzen darüber, dass die Zustände in den Südstaaten so anderes sind als sie es gewöhnt ist, mitempfinden.
Gerade letzteres wirkt aber auch bisweilen etwas übertrieben. Ich kann mir kaum vorstellen, dass es im Ohio des 19. Jahrhunderts so gar keine Ressentiments gegenüber dunkelhäutigen Menschen gegeben hat, und vermute daher, dass die dortige Situation beschönigt wird, um den Kontrast zum „bösen“ Virginia zu betonen.
Auch sonst gibt es in der Handlung einiges, was unrealistisch wirkt. Beispielsweise der „Showdown“ mit viel unnötigem Hin und Her am Ende oder die Suche nach zwei verschwundenen Mädchen.
In anderen Zusammenhängen wird dagegen vieles zu harmonisch dargestellt oder werden Ausgangssituationen mit Konfliktpotential nicht weiterverfolgt.

Alles in allem ist die Lektüre nichtsdestotrotz unterhaltsam und es werden auch interessante Themen angesprochen – beispielsweise unterschiedliche Weltanschauungen innerhalb von Familien und deren Auswirkungen oder die Frage, wie die rechtliche und tatsächliche Gleichstellung aller Bürger erreicht werden kann.
Man hätte aber eventuell mehr daraus machen können.

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 18.06.2021

Interessantes Thema, langatmiger Stil

Die Wurzeln des Lebens
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Dieser Roman hebt sich definitiv von der Masse ab. Sein Thema – all die in Jahrmillionen gewachsenen, vielfältigen Wälder, ihre Bedeutung für das Ökosystem und ihre Bedrohung durch den Menschen – ist hochaktuell ...

Dieser Roman hebt sich definitiv von der Masse ab. Sein Thema – all die in Jahrmillionen gewachsenen, vielfältigen Wälder, ihre Bedeutung für das Ökosystem und ihre Bedrohung durch den Menschen – ist hochaktuell und sein Aufbau kreativ.
Man spürt die Faszination des Autors für Bäume, ihre oftmals überraschenden Eigenschaften und all die anderen Lebewesen, die mit ihnen zusammenleben und interagieren. Immer wieder werden anschauliche Beschreibungen und interessante Informationen eingeflochten.
Die menschlichen Hauptdarsteller können da jedoch nicht mithalten. Es gibt im Prinzip neun Protagonisten, die mal mehr, mal weniger präsent sind. Sie alle haben irgendeine Art von Verbindung zu Bäumen und setzen sich auf die eine oder andere (nicht immer legale) Weise für ihren Schutz und ihre Erhaltung ein.
Darunter beispielsweise eine aus unterschiedlichen Persönlichkeiten zusammengesetzte Gruppe von Umweltaktivisten, die Bäume besetzen und sich Holzfällern entgegenstellen, eine kauzige Wissenschaftlerin, welche die geheimen Signale von Bäumen entschlüsselt, oder ein Computer-Nerd, der eine ganz neue Art von Videospiel entwickeln möchte.
Es sind jedoch nicht alle Protagonisten gleich wichtig für die Handlung, manche begegnen den anderen nie. Mindestens zwei hätten auch weggelassen werden können, ohne dass die Geschichte dadurch viel verliert, sondern im Gegenteil eher an Schwung gewinnt.
Doch auch an sich bedeutsame Handlungsstränge werden so langatmig erzählt, dass keine Spannung aufkommt. Noch dazu ist der Stil teilweise verworren und die zeitlichen Abläufe bzw Zusammenhänge zwischen den Handlungssträngen sind öfters unklar.
Obwohl im ersten Drittel die „Wurzeln“ der Figuren relativ ausführlich geschildert werden und auch danach ihr Innenleben breiten Raum einnimmt, konnte ich außerdem zu den meisten keine rechte Beziehung aufbauen, weshalb es mir schwerfiel, mit ihnen mitzufiebern.
Fazit: Eine gestrafftere und mehr auf das Wesentliche fokussierte Erzählweise hätte der Geschichte gutgetan.
Im Übrigen ist es nicht gerade im Sinne der Botschaft, welche der Autor wohl vermitteln möchte, dass es sich bei den meisten, die sich hier für die Erhaltung der Wälder einsetzen, um „Spinner“ bzw soziale Außenseiter handelt.

  • Cover
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Veröffentlicht am 09.02.2021

Ein überschätztes Buch

Monsieur Ibrahim und die Blumen des Koran
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Ich habe spontan zugeschlagen, als ich dieses Buch bei den Angeboten sah, weil ich schon einiges darüber gehört hatte und die Inhaltsangabe interessant klingt. Laut wikipedia hat dieses Werk Auszeichnungen ...

Ich habe spontan zugeschlagen, als ich dieses Buch bei den Angeboten sah, weil ich schon einiges darüber gehört hatte und die Inhaltsangabe interessant klingt. Laut wikipedia hat dieses Werk Auszeichnungen erhalten, ist eine beliebte Lektüre für den Französischunterricht und es gibt sogar Sekundärliteratur dazu.
Eigentlich hätte mir all das eine Warnung sein sollen. Diese Geschichte um einen von der Mutter verlassenen und vom Vater vernachlässigten jüdischen Buben, der in einem moslemischen Ladenbesitzer einen Ersatzvater findet, eignet sich sicher wunderbar dazu, seitenlange Charakterisierungen der Protagonisten zu verfassen und jedes Detail der Handlung einer ausgefeilten Interpretation zu unterziehen.
Letztlich ist jedoch wenig dahinter. Monsieur Ibrahims Weisheiten klingen großteils wie Kalendersprüche.

  • Cover
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Veröffentlicht am 09.02.2021

Kein großer Wurf

Kingsbridge - Der Morgen einer neuen Zeit
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In seinem neusten Roman beschreibt Ken Follett, wie aus einem kleinen Weiler mit gerade mal fünf Häusern und einer Fähre eine florierende Stadt mit einer Brücke, einem Markt und einer Priorei wird – das ...

In seinem neusten Roman beschreibt Ken Follett, wie aus einem kleinen Weiler mit gerade mal fünf Häusern und einer Fähre eine florierende Stadt mit einer Brücke, einem Markt und einer Priorei wird – das aus „Die Säulen der Erde“ und seinen Nachfolgern bekannte Kingsbridge.
Die wichtigsten Protagonisten dabei sind der handwerklich begabte Edgar, der in seinem Liebesleben jedoch weniger Glück hat, Ragna, die aus der fortschrittlichen Normandie ins düstere England übersiedelt, um den Mann zu heiraten, in den sie sich Hals über Kopf verliebt hat, und der Mönch Aldred, der sich für die Einhaltung der kirchlichen wie weltlichen Regeln einsetzt und dabei immer wieder Rückschläge erleidet. Als wichtigster Bösewicht tritt der Bischof Wynstan auf, welcher ständig um mehr Macht und Reichtum für sich und seine Familie kämpft.

Diese Geschichte spielt in den Jahren 997 bis 1007 also während des „dunklen Zeitalters“ des englischen Mittelalters. Der Autor hatte aufgrund fehlender Überlieferungen hinsichtlich der damaligen Verhältnisse viel Interpretationsspielraum und wie er in der Danksagung am Ende zugibt, ist er dabei nicht immer der Meinung der Experten gefolgt.
Ein Nachwort, in dem aufgeschlüsselt wird, was Dichtung und was Wahrheit ist, fehlt leider. Ich habe jedenfalls den Verdacht, dass einige Handlungselemente nicht wirklich der historischen Realität entsprechen.

Dazu kommt noch, dass die Denkweisen der auftretenden Figuren zu modern wirken.
Auch sonst hatte ich Schwierigkeiten, mit den Protagonisten warm zu werden. Ragna soll wohl eine Sympathieträgerin sein, auf mich wirkten all ihre noblen Gesten und ihr Interesse an den „Untertanen“ jedoch aufgesetzt. Viele ihrer Gedanken und Handlungen konnte ich ohnehin nicht nachvollziehen. (Kein seltenes Problem, wenn ein männlicher Autor aus Sicht einer Frau erzählt.) Mit Edgar konnte ich schon mehr anfangen und leichter Mitgefühl für ihn aufbringen. Durch seine großen Talente, mit denen er jedes (handwerkliche) Problem lösen kann, wirkt er allerdings zu perfekt. Aldred ist etwas farblos und Wynstan ein langweiliger Böser, weil er in Wirklichkeit vor allem durch die Schwäche seiner Gegner gewinnt, weniger durch eigene Schläue.

Ich möchte das Buch allerdings auch nicht zu schlecht machen. Die Handlung schreitet immerhin ganz flott voran und wenngleich die Grundzüge vorhersehbar sind, wird doch einige Spannung aufgebaut. Der Erzählstil ist einfach, aber stellenweise fesselnd, was es leichter macht, über ein paar Ungereimtheiten hinwegzusehen.

Fazit: Dies ist sicher nicht Folletts bestes Werk und innerhalb des Genres der historischen Romane generell nur mittelmäßig. Als Ergänzung zu dem Rest der Reihe kann es dennoch interessant sein. Man versäumt aber auch nicht viel, wenn man es nicht liest.

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