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Veröffentlicht am 21.03.2022

Wenn Welten aufeinanderprallen

Worlds Collide
5

Fiona Harris kann es manchmal selbst kaum glauben: Mit über zwei Millionen Abonnenten zählt sie zu den bekanntesten Youtubern und Influencern Englands. Ihr Spezialgebiet ist Make Up – ihre Leidenschaft ...

Fiona Harris kann es manchmal selbst kaum glauben: Mit über zwei Millionen Abonnenten zählt sie zu den bekanntesten Youtubern und Influencern Englands. Ihr Spezialgebiet ist Make Up – ihre Leidenschaft hat ihr nicht nur eine erfolgreiche Karriere ermöglicht oder geholfen, einem Leben in Armut zu entkommen, nein, sie launcht auch noch ihre erste eigene Make-Up-Linie! Doch der bisher wichtigste Tag ihrer Karriere wird überschattet durch ein Video des gefürchteten Youtube-Kanals De(x)posed von Demian – und der führt stichhaltige Beweise auf, die Fiona in einen waschechten Skandal verwickeln. Schon bald stürzt ein Shitstorm ohnegleichen auf Fiona ein, der droht, ihr alles zu nehmen, was sie sich hart erarbeitet hat, während Demian von seinen Beweisen und Fionas Schuld überzeugt ist. Oder steckt hinter Fionas hartnäckigen Unschuldsbeteuerungen etwa doch eine andere Wahrheit?

Das Cover ist wunderschön gestaltet. Sowohl die Farben als auch die Grafiken sind sehr natürlich und fast unscheinbar gehalten. Es bedarf keines großen Schnickschnacks, um auf das Buch aufmerksam zu machen, doch gerade die Schlichtheit überzeugt. Manchmal ist weniger eben mehr und genau diese Wirkung trifft meinen Geschmack.

Fiona war zu Beginn des Romans voll von Zweifeln. Ihre Karriere führt sie auf Glück und Zufall zurück, doch sobald der Skandal um die Spendengelder publik wird, entwickelt sie Kampfgeist und eine Portion gesunder Wut, um ihre Unschuld zu beweisen und das zu beschützen, was sie sich aufgebaut hat. Im Verlauf der Geschichte wird mehr als deutlich, dass der erste Eindruck sehr getäuscht hat. Genauso habe ich Demian während des Lesens falsch eingeschätzt: Anfangs mochte ich ihn nicht; er war überheblich, rechthaberisch, selbstgefällig und herablassend – und oben drauf noch ein Mitläufer. Also eigentlich der perfekte Gegenspieler zu Fiona, die mich immer mehr durch ihre Charakterstärke von sich eingenommen hat. Doch je mehr man Demian kennenlernt, desto mehr wird deutlich, dass sein wahres Ich nur hinter einer Fassade versteckt ist. Zum Schluss des Romans handelt er selbstlos, gesteht Fehler ein, steht zu seiner wahren Leidenschaft und verbiegt sich nicht weiter. Es gibt tatsächlich Momente im Roman, aufgrund derer ich es nicht für möglich gehalten hätte Folgendes zu schreiben: Demian hat ein wirklich reines und gutes Herz. Und davon bin ich letztendlich vollends überzeugt.

Die Beziehung zwischen Fiona und Demian war bisweilen alles andere als einfach. Ich kaufe es vor allem Fiona ab, dass sie Demian durch seine Art fast schon abstoßend findet und nicht nur einmal habe ich daran gezweifelt, ob man die festgefahrene Situation zwischen den beiden überhaupt noch retten kann. Glücklicherweise wurde ich eines Besseren belehrt; ganz zaghaft und sehr unschuldig tauchen erste Anzeichen einer gewissen Anziehung zwischen den beiden auf. Ihre Beziehung entwickelt sich in einem langsamen Tempo, das mir genügend Glaubwürdigkeit vermittelt. Es wurde nichts überstürzt, es wurde nichts durch negative Gedanken oder Zwischenfälle zerstört oder damit künstlich in die Länge gezogen – und das hat sich für mich einfach richtig angefühlt.

Und auf einmal – ich wusste gar nicht, wie mir geschieht – habe ich wirklich mit den Protagonisten mitgefiebert. Ich habe mich von Herzen für sie gefreut, habe gezittert, war mit ihnen wütend, habe ihren Schmerz gefühlt und habe ihnen nur das Beste gewünscht. Lag es an den authentischen Figuren des Romans? An dem Schreibstil Anabelles, der so flüssig, leicht und anschaulich ist? Oder daran, dass ich den Eindruck hatte, das Geschehen als Freundin und nicht als Leserin zu begleiten?

Egal. Mit jeder gelesenen Seite wollte ich mehr und mehr und mehr – und habe alles bekommen. Meine Erwartungen wurden erfüllt. Mehr noch: Ich war nicht einmal eine Fremde in einer Welt, mit der ich persönlich noch keinen nennenswerten Kontakt hatte. Youtuber, Influencer, Make Up – das sind Themen, mit denen ich mich nicht alltäglich befasse, aber dennoch habe ich sofort Zugang dazu gefunden. Ich habe es genossen, die klare Entwicklung sowohl von Fiona als auch Demian mitverfolgen zu können und wurde von beiden beeindruckt zurückgelassen. Fiona setzt sogar noch Eins drauf: In ihr habe ich zum Schluss eine starke Frau gefunden, die bewundernswert und inspirierend ist.

Ich bin traurig, dass die Geschichte vorläufig ein Ende genommen hat. So sehr, dass ich sogar darüber nachdenke, den Roman direkt ein zweites Mal zu lesen?! Oder kann ich einfach gleich mit Band zwei fortfahren?

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Veröffentlicht am 13.03.2022

Willkommen im Internat

Dunbridge Academy - Anywhere
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Als Emma aus Deutschland für ein Jahr als Austauschschülerin an die Dunbridge Academy nach Schottland kommt, hat sie ein Ziel. Nicht etwa neue Menschen kennenzulernen oder sich gar zu verlieben, sondern ...

Als Emma aus Deutschland für ein Jahr als Austauschschülerin an die Dunbridge Academy nach Schottland kommt, hat sie ein Ziel. Nicht etwa neue Menschen kennenzulernen oder sich gar zu verlieben, sondern ihren Vater wiederzufinden, der sie und ihre Mutter vor Jahren verlassen hat. Denn der ist mittlerweile wieder in seiner Heimat Schottland. Nichtsdestotrotz findet Emma sehr schnell Anschluss bei ihren Mitschülern, nimmt an heimlichen Mitternachtspartys teil und erkundet nachts das Internat – alles mit Henry, dem Schulsprecher. Schon bald sind die aufkeimenden Gefühle zwischen ihnen nicht mehr abzustreiten. Es gibt jedoch nur ein Problem: Henry hat eine Freundin.

Lasst uns zuerst über das Cover reden: Es passt zu der Atmosphäre, die während des Romans beschrieben wird. Ich stelle mir holzvertäfelte Räume vor, alte Gemäuer, vielleicht sogar einen Hauch Hogwarts – und das Cover fängt das sehr gut und edel ein. Ich bin nur etwas unschlüssig mit mir selbst, ob mir das Cover denn nicht ein bisschen zu schlicht ist.

Die Geschichte rund um das Internat hat mich viele Parallelen zu Hogwarts bzw. Harry Potter sehen lassen. Emma, die Austauschschülerin, die neu an eine Schule kommt und keine Eltern in ihrer unmittelbaren Nähe hat. Ein Vater, der nicht greifbar ist, aber anscheinend Auslöser für Groll eines Lehrers auf Emma ist. Heimliche nächtliche Gänge durch das Internat, bei denen man sich nicht erwischen lassen darf. Oft habe ich im Zusammenhang mit Dunbridge Academy von Hanni und Nanni gelesen, doch diese Geschichten sind in meiner Kindheit komplett an mir vorbeigegangen; daher ist es wohl naheliegend, dass ich es mit der einzigen anderen „Internatsgeschichte“ vergleiche, die ich kenne.

Und dass die Geschichte in einem Internat spielt, habe ich geliebt! Vielleicht auch hier wieder durch Hogwarts inspiriert und definitiv auch durch die detaillierten Beschreibungen, konnte ich mir die Räumlichkeiten und das Leben in dem Internat so mühelos vorstellen, dass es sich angefühlt hat, als wäre ich direkt mittendrin.

Die Hauptfiguren Emma und Henry kamen mir wie zwei gute Freunde vor. Ihre Handlungen und Reaktionen waren greifbar und verständlich und auch durch ihre Gedankengänge nachvollziehbar. Auch ihre Freundschaft und aufbauende Beziehung fand ich sehr ansprechend, wobei ich sehr gespannt darauf war, wie mit dem Problem umgegangen werden sollte, dass Henry eigentlich schon in einer Beziehung war. Es hat mich tatsächlich sehr überrascht, wie die Situation aufgelöst wurde – und zwar sehr erwachsen. Vielleicht sogar etwas zu erwachsen, wenn man bedenkt, wie alt Emma und Henry eigentlich erst sind. Auf der anderen Seite war es natürlich ein sehr sensibles Thema, das letztendlich aber mit Bravour gemeistert wurde.

Auch als Individuen mochte ich sowohl Emma als auch Henry. Allerdings empfinde ich es im Nachhinein so, dass Emma neben Henry ein bisschen untergegangen ist. Er ist sowohl als Schulsprecher als auch Schüler sehr engagiert, pflicht- und verantwortungsbewusst und hat ein Auge für Details – zum Beispiel, wenn er in seiner Rolle als Schulsprecher gefragt ist und die Interessen der Schüler vermitteln soll oder wenn er merkt, dass Emma aufgewühlt ist. Emma hingegen… ist da. Und lässt sich (verständlicherweise) ganz vom Zauber des Internatlebens einnehmen. Auch sie zeigt aber, dass sie selbstlos und verlässlich ist.

Der Hype um Dunbridge Academy ist meiner Meinung nach berechtigt. Nicht nur Emma, sondern auch der Leser wird im Internat herzlich willkommen geheißen und von diesem gewissen Charme eingenommen. Doch nicht nur das, auch die traurigen Momente wurden mit viel Fingerspitzengefühl sehr emotional gestaltet, sodass mir stellenweise das Herz geblutet hat. Das passiert mir nicht oft und sollte daher auf jeden Fall Erwähnung finden. Zuletzt war es die richtige Mischung aus Unbeschwertheit, Tragik und Hoffnung, die mich von dem Roman völlig überzeugt haben.

Kann ich nun bitte den zweiten Teil so schnell wie möglich lesen? Es fällt mir nämlich wirklich schwer, mich von der Dunbridge Academy (vorläufig) zu verabschieden!

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Veröffentlicht am 07.03.2022

Die einzigartige und zauberhafte Magie Aspens

Like Snow We Fall
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Paisley hat einen Traum: Ihre Teilnahme an Olympia. Und mit der Aufnahme an der renommiertesten Eiskunstlaufschule in Aspen scheint sie ihrem großen Traum sogar ein Stück näher zu kommen. Aspen bedeutet ...

Paisley hat einen Traum: Ihre Teilnahme an Olympia. Und mit der Aufnahme an der renommiertesten Eiskunstlaufschule in Aspen scheint sie ihrem großen Traum sogar ein Stück näher zu kommen. Aspen bedeutet für sie jedoch nicht nur die Chance auf Erfolg in ihrer Karriere, sondern auch eine Chance darauf, ihr altes Leben hinter sich lassen zu können und neu zu beginnen. Schon kurz nach ihrer Ankunft trifft sie auf Knox, der als erfolgreicher Snowboarder nicht nur berühmt, sondern auch alles andere als bodenständig und vernünftig ist. Während seine hemmungslosen Feiern Paisley fast schon von ihrem Training ablenken, lernt sie Knox nach und nach von einer Seite kennen, die sonst niemand zu Gesicht bekommt. Ist es daher noch Zufall, dass sich ihre Wege immer wieder in Aspen kreuzen oder werden sie durch die aufkeimende Anziehungskraft zwischen ihnen dazu gebracht? Bald jedoch holt Paisley ihre Vergangenheit ein und zwingt sie zu handeln…

Ich möchte fast behaupten, dass ich das Cover liebe. Durch den vielen Glitzer und das Funkeln sieht es zum einen sehr edel aus, zum anderen spiegelt es wunderbar die Atmosphäre des Romans wider: Aspen wird als reines Winter Wonderland mit funkelndem Schnee, atemberaubenden Sonnenaufgängen, vereisten Seen und kuscheligen Mänteln, Handschuhen und Mützen beschrieben. Nur alleine während der detaillierten Beschreibungen möchte man sich eigentlich in eine Decke einkuscheln und an einer heißen Schokolade nippen. Das Cover unterstreicht mit seinen kühlen Farben und dem Funkeln genau das, was dem Leser bevorsteht.

Die Hauptpersonen Paisley und Knox mochte ich. Paisley hat offensichtlich ein großes Geheimnis, vor dem sie geflohen ist. Mit nichts Weiterem als einer kleinen Tasche und ihren abgenutzten Schlittschuhen kommt sie in Aspen an und wird sofort herzlich in die dortige Gemeinschaft aufgenommen. Naja, ein bisschen skeptisch war ich schon, als ihr hier mehr als einmal der Zufall weitergeholfen hat – irgendwie kamen mir die Freundlichkeit und Hilfsbereitschaft der Bewohner Aspens gleich am Anfang unnatürlich und unglaubwürdig vor. Als ich mich damit jedoch arrangiert hatte, mochte ich den Umgang untereinander sogar irgendwann. Aufgrund ihrer Vorgeschichte machte Paisley allerdings oft den Eindruck, dass sie etwas distanziert den anderen gegenüber aufgetreten ist – überraschend war für mich allerdings, dass sie kein bisschen schwach war. Im Gegenteil, sie behauptete sich oft Knox gegenüber, vertrat ihren Standpunkt und war ehrgeizig auf dem Eis. Die Distanz ist möglicherweise als eine Art Selbstschutz zu werten. In Anbetracht der Tatsache, was hinter Paisleys Geheimnis steckt, finde ich es umso beeindruckender, dass sie tief in ihrem Inneren nicht ganz zerbrochen zu sein scheint.

Knox hingegen scheint sehr offen und unbekümmert zu sein. Zwar ist er ein erfolgreicher Snowboarder, schert sich aber nicht viel um seine Karriere und das Bild von sich selbst in der Öffentlichkeit – eher sind ihm Partys wichtiger als sein Sport. Er ist sogar absolut unvernünftig und töricht, während er den vermeintlichen Traum seines Vaters, der beste Snowboarder zu sein, verfolgt. Auf der einen Seite ist es bemerkenswert, dass er alles dafür gibt, um seinen Vater glücklich zu machen, auf der anderen Seite sehe ich aber keine Charakterstärke darin. Erst als Knox und Paisley mehr Zeit miteinander verbringen, lässt Knox nach und nach die Hüllen fallen und sein wahres Ich kommt zum Vorschein. Das gefällt mir übrigens auch deutlich besser, da Knox unter der Oberfläche weit mehr zu bieten hat.

Irgendwann kam und ging anscheinend auch der Punkt, an dem sie sich ineinander verliebten beziehungsweise die Anziehungskraft zwischen ihnen auf eine neue Ebene angehoben wurde. Ich habe den Punkt einfach nicht bemerkt. An sich ist es nichts Schlechtes, im Gegenteil, die Geschichte der beiden wurde so flüssig und wohlig erzählt, dass ich diese Entwicklung als etwas ganz Natürliches wahrgenommen habe.

Besonders gut hat mir das Ende gefallen, bei dem das Tempo der Erzählung zugenommen und in einem Höhepunkt geendet hat, wie er filmreifer nicht mehr hätte sein können. Genau hier wurde mir als Leser bewusst, wie viel Sympathie ich letztendlich während der Geschichte für Paisley aufgebaut habe.

Mit „Like Snow we fall“ habe ich einen Roman gelesen, der mich rundherum zufrieden zurückgelassen hat. Er hat mich ganz von sich eingenommen und restlos verzaubert. Ich habe Fernweh bekommen und sehne mich sogar nach dem Winter, obwohl ich persönlich Team Frühling/Sommer bin. An manchen Stellen war das Geschehen für mich zwar unglaubwürdig, aber als Ganzes betrachtet war ich mehr als bereit, darüber hinwegzusehen und den Hauch Kitsch bereitwillig zu akzeptieren. Sehr gefallen hat mir auch, wie mühelos und lebhaft ich mir Aspen und diesen einzigartigen Zauber der Stadt vorstellen und mich darauf einlassen konnte.
Ein absoluter Wohlfühlroman für mich.

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Veröffentlicht am 02.04.2022

Eine magische und schicksalhafte Nacht

Nightsky Full Of Promise
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Berlin im Sommer. Sydney und Luke begegnen sich in einer lauen Nacht während einer Feier und verbringen dort wunderschöne Stunden miteinander. Ehe sie sich verabschieden müssen, versprechen sie sich etwas: ...

Berlin im Sommer. Sydney und Luke begegnen sich in einer lauen Nacht während einer Feier und verbringen dort wunderschöne Stunden miteinander. Ehe sie sich verabschieden müssen, versprechen sie sich etwas: Da Luke für ein Jahr nach Neuseeland reisen wird, werden sie sich nach der Reise am selben Ort zur selben Zeit wieder treffen. Ein Jahr später hat Sydney ihr Versprechen nicht vergessen – doch Luke offensichtlich schon. Er taucht nicht zu ihrem Treffen auf. Fünf Jahre später hat Sydney ihn und ihre wundervolle Nacht immer noch nicht vergessen – und plötzlich begegnet Sydney Luke wieder. Warum erinnert er sich aber weder an sie, ihre einzigartige gemeinsame Nacht oder ihr Versprechen?

Die Geschichte von Sydney und Luke beginnt während einer wundervollen Nacht und dieser Zauber wird perfekt im Cover des Buches festgehalten. Es ist verträumt, aber gleichzeitig voll von Tiefe durch die dunklen Farben. Die zusätzlichen goldenen Highlights verleihen dem Cover einen edlen Hauch und passen gleichzeitig natürlich auch zu jener verheißungsvollen Nacht.

Die zwei Hauptpersonen Sydney und Luke mochte ich, wobei Luke für mich dennoch etwas mehr hervorstach. Sydney steht mitten im Leben und kurz vor dem Abschluss ihres Studiums. Ihre Leidenschaft gilt jedoch dem Backen – was sie als „Meditation“ bezeichnet (und die Bezeichnung hat mich ehrlich gesagt irgendwann richtig genervt) – und sie trauert Luke und ihrer gemeinsamen Nacht auch noch fünf Jahre später sehr nach. Dieses Verhalten finde ich unnatürlich und unglaubwürdig. Ich möchte gerne daran glauben, dass jemand fünf Jahre auf sein Gegenstück wartet, aber ist es wirklich realistisch oder nur eine romantische Wunschvorstellung? Luke ist bodenständig und ein kleiner Überlebenskünstler. Nach dem Treffen mit Sydney hatte er im Leben kein wirkliches Glück oder Erfolg, aber hielt sich immer über Wasser. Er ist ein geselliger und offener junger Mann, der aber auch hartnäckig sein kann.

Die Intensität ihres Kennenlernens in kürzester Zeit ließ mich als Leserin an Liebe auf den ersten Blick glauben, was wahrlich romantisch ist. Mit noch Herzchen in den Augen war ich dann doch sehr irritiert, wie sich Sydney Luke gegenüber verhalten hat, als sie dazu gezwungen waren, mehrere Stunden in der Woche miteinander zu verbringen. Sie ist nachtragend und wütend auf Luke, weil er sich nicht an sie erinnern kann – darf man wirklich deswegen auf jemanden in diesem Ausmaß wütend sein? – doch könnte sie die Situation für beide auflösen, indem sie über ihren (falschen) Stolz springen und ihn über ihre Vergangenheit aufklären könnte. Nein, stattdessen stößt sie ihn von sich ab und gibt ihm keine Chance, sich rechtfertigen zu können. Sie läuft sogar vor der Situation davon, was ich als schlechten Charakterzug betrachte.

Allerdings überwiegen die Romantik und die Emotionen dann doch, sodass ich es sehr genossen habe, den Roman zu lesen. Zwischen Sydney und Luke entwickelt sich trotz der anfänglichen Schwierigkeiten eine wunderschöne Liebesgeschichte, die das lange Warten letztendlich wert war. Im Übrigen gefällt mir auch das Setting in Berlin: Der unvergleichliche Charme der Stadt ist dezent in den Roman eingeflossen.

Alles in einem hat der Roman eine schöne Geschichte erzählt, in der ich mich gerne während des Lesens verloren habe. Der Zauber hat mich von Anfang bis zum Ende begleitet und auch darüber hinaus hat mich die Atmosphäre noch lange in Gedanken beschäftigt. Ich sehne mich regelrecht nach dem Sommer und warmen Nächten – denn es ist wahr: Von ihnen geht eine ganz bestimmte Magie aus.

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Veröffentlicht am 26.02.2022

Wer ist der König der Killer?

Die Stimme des Wahns
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In einem Hochsicherheitsgefängnis in den Rocky Mountains treffen der gefürchtete Serienmörder Francis Ackerman Jr., der dem FBI unter dem Namen Franklin Stine als Sonderermittler zur Verfügung steht, und ...

In einem Hochsicherheitsgefängnis in den Rocky Mountains treffen der gefürchtete Serienmörder Francis Ackerman Jr., der dem FBI unter dem Namen Franklin Stine als Sonderermittler zur Verfügung steht, und seine Partnerin Nadia Shirazi auf einen der gefährlichsten Gefangenen: den sogenannten Demon. Doch schon nach kurzer Analyse ist den beiden klar, dass der Gefangene nur ein manipulierter und präparierter Doppelgänger ist – was bedeutet, dass der echte Demon die ganze Zeit in Freiheit den Vergeltungsschlag gegen Francis planen konnte. Doch was hat er vor? Alle Spuren führen zu einem politischen Attentat, das jedoch so gar nicht zu Demon passt. Dieses Problem wird allerdings zweitrangig, als Demon Francis auf persönlicher Ebene angreift.

Ich mag die Cover der Reihe. Bereits „Die Stimme des Zorns“ und „Die Stimme der Rache“ waren gelungen. Auch bei „Die Stimme des Wahns“, dem dritten Teil, wird auf Schlichtheit gesetzt. Das Cover ist fast schwarz, womit der goldene Schriftzug des Autorennamens hervorgehoben wird. Darunter ziert eine ebenfalls schwarze Darstellung eines Schädels dezent den Rest des Covers. Für mich ist zwar keine Verbindung der Geschichte zu einem Schädel ersichtlich, aber die grafische Darstellung finde ich dennoch sehr ansprechend.

Der Roman besteht aus vier Teilen, die fließend ineinander übergehen. Zu Beginn wird der Leser zu dem eigentlichen Geschehen herangeführt, das den ganzen Roman dominiert: Das unausweichliche Aufeinandertreffen zwischen Francis Ackerman Jr. und Demon. Parallele Handlungsstränge, die im ersten Moment ohne Zusammenhang zur Hauptgeschichte erzählt werden, ergeben nach und nach Sinn und dem Leser wird bewusst, wie viele wichtige Informationen und Vorgeschichten er arglos erhielt und aus welchen Gründen er auf den ersten Blick willkürlich ausgewählte Personen kennenlernt. Gleichzusetzen mit dem Sprichwort „Alle Wege führen nach Rom“ führen in diesem Fall alle Handlungsstränge zu Demon. Leider hat es auf mich jedoch durch die vielen parallelen Erzählungen den Eindruck gemacht, dass der Roman sehr hektisch ist; auch ist es mir stellenweise schwergefallen, zwischen den einzelnen Erzählungen, die teils unabhängig voneinander waren, zu wechseln und mich sofort in die unterschiedlichsten Situationen wieder hineinzudenken, wenn man doch vorher von etwas ganz anderem unterbrochen wurde.

Was die Charaktere betrifft, ist vor allem Francis bemerkenswert. Er ist die Hauptfigur, die zum einen unheimlich charismatisch, zum anderen aber ein Raubtier ist – was überaus überzeugend beschrieben wird. Ein Zitat aus dem Roman trifft den Nagel auf den Kopf: „Der Mann konnte übergangslos von heiter und gelassen zu einem wandelnden Ballett von Blut und Wut mutieren“ (S. 213). Vermutlich liegt auch hier eine gewisse Faszination in der Person des Francis Ackerman Jr., dessen Vater ihn seit seiner Kindheit misshandelt und konditioniert hat, sodass Francis als Erwachsener der gefürchtetste Serienmörder wurde. Mit der Fähigkeit, keine Furcht zu verspüren, seinen vielseitigen und perfektionierten Kampferfahrungen sowie seinem breiten Wissen über… gefühlt alles? ist Francis jedem Gegner von Anfang an haushoch überlegen und jeder Kampf schon vor dem eigentlichen Beginn entschieden.

Nicht so jedoch das Aufeinandertreffen zwischen Demon und Francis. Wer von den beiden ist der König der Killer?

Das Ende, bei dem man eine Antwort auf die Frage erwartet, hat mich unbefriedigt zurückgelassen. Zwar sind die vielen Handlungsstränge auf der einen Seite an Input einfach nur viel, aber sie treiben die Geschichte schnell voran, sodass die Seiten nur dahinfliegen beim Lesen und die Spannung kontinuierlich wächst und wächst – nur um den Leser am Höhepunkt der Geschichte mit einem Cliffhanger von für mich noch nie dagewesenem Ausmaß zurückzulassen. Ja, durch den Cliffhanger will ich mehr. Und zwar sofort. Aber dann wiederum habe ich bis zu diesem Punkt den ganzen Roman gelesen, um hängengelassen zu werden.

Persönlich würde ich die Lektüre der vorherigen Teile empfehlen sowie die Shepherd-Reihe, da in „Die Stimme des Wahns“ viele Geschehnisse aus der Vergangenheit wieder aufgegriffen werden und die Umstände ohne Hintergrundwissen wohl nur schwer verständlich sind. Außerdem sollte man sich bewusst sein, dass Ethan Cross keine leichte Kost für zwischendurch ist – nein, vielmehr wird man als Leser hochgradiger Spannung ausgesetzt, die durch seinen relativ anspruchsvollen Sprachstil und stellenweise anschaulich beschriebenen Kampfszenen einen absoluten Nervenkitzel beschwört.

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